a) _das homonyme Wortspiel_.
Bei diesem entsteht der Doppelsinn dadurch, dass das eine Wort zwei
homonyme Bedeutungen in sich schliesst und zwar am häufigsten die
methaphorische und sinnliche Bedeutung. Diese Witze sind sehr
verbreitet und stehen ihrem Werthe nach den Klangwitzen nahe, weil
sie sehr wohlfeil sind. Nicht eigentlich wir machen dieselben,
sondern die Sprache macht sie für uns. -- Auf unterster Stufe steht
das Wortspiel mit Namen, von welchem u. A. Falstaff auch ein Beispiel
liefert, wenn er zu seinem Fähndrich Pistol sagt: „Drücke Dich aus
unserer Gesellschaft ab Pistol". Das Wortspiel ist hierin sogar ein
doppeltes. Erstlich das mit dem Worte Pistol, das in der Bedeutung
des Namens nicht eigentlich in den Zusammenhang des Satzes passt,
(namentlich, wenn wir uns denken, es hiesse etwa: _schiesse_ Dich
ab), während die andere Bedeutung einen Sinn giebt, der aber hier
nicht gemeint ist. Durch Einzukommen des zweiten
[Page 66]
Wortspiels, oder richtiger Klangwitzes, welcher die Worte „sich
abdrücken und sich drücken" für einander substituirt, wird der Witz
verdoppelt und dem Wortspiel gewissermaassen der Weg besser gebahnt.
In einer Schule trug der Lehrer die Geschichte des Tobias ganz mit
den Worten der heiligen Schrift vor. Bei den Worten „Hanna aber, sein
Weib, die arbeitete fleissig mit ihrer Hand und ernährte ihn _mit
Spinnen_", machte ein Mädchen mit Gesicht und Händen die Geberde des
Abscheues und Ekels. „Agnes, was hast Du denn?" ruft der Lehrer:
Antwort: „Ach Herr Lehrer, ist denn das wirklich wahr?" Lehrer:
„Warum zweifelst Du daran?" Kind: „O, weil _die Spinnen_ doch gar zu
schlecht schmecken müssen!" -- In der vorliegenden Anekdote, so wie
sie hier erzählt ist, ist die Aeusserung des Kindes offenbar eine
pseudonaive. Die Kleine sagt eigentlich etwas Dummes, aber indem wir
uns auf den Standpunkt des in diesem Falle leicht entschuldbaren
Missverständnisses stellen, hat sie mit ihren Worten eigentlich ganz
recht. Dieselbe Aeusserung können wir aber auch als Witz auffassen
und zwar als Wortspiel, wenn wir das Wort „_Spinnen_" bald in der
einen, bald in der anderen Bedeutung in den Zusammenhang
substituiren. Einen logischen Sinn geben in vorliegendem Falle
eigentlich beide Bedeutungen, doch kann es für den Einsichtsvollen
keinen Augenblick zweifelhaft sein, welche von beiden die gemeinte
ist. Eine doppelt komische Wirkung entsteht oft dadurch, dass die
nicht gemeinte Bedeutung uns zuerst allein aufstösst und wir gerade
bei der Substituirung dieser ausserdem noch unsere Schadenfreude
befriedigt sehen, wie im folgenden Beispiel. -- Ein im Bezahlen
seiner Rechnungen sehr säumiger Herr schickt seinen Diener zum
Schneider, um diesen zum Maassnehmen für einen neuen Anzug zu sich zu
bestellen. „Nun Friedrich"! fragt er den Rückkehrenden, „warst Du
beim Schneider? Wann kommt er?" Antwort: „Gnädiger Herr, in einer
_schwachen_ Stunde wird er herkommen, hat er g'sagt." -- In einer
schwachen Stunde soll offenbar soviel heissen wie in einer kleinen
Stunde (so wie man von einer starken und schwachen Meile spricht).
Die andere Bedeutung, die eigentlich nicht gemeint ist, aber ganz der
Situation entsprechend die Ab-
[Page 67]
neigung des Schneiders ausdrückt, für einen so schlechten Zahler
weiter zu arbeiten, fällt uns jedoch zunächst auf, und wir lachen
deshalb um so mehr. -- Es gehört dieser Witz, besonders wenn wir
annehmen, dass der Schneider oder der Diener ihn absichtlich gemacht
habe, zu den sog. _zweideutigen Wortspielen_, von denen Kuno Fischer
sehr richtig sagt: „Jetzt ist der Doppelsinn nicht mehr harmlos,
sondern pikant; das Wortspiel hat nicht blos zwei Bedeutungen,
sondern zwei Gesichter, das eine ist Maske, das andere das wahre
Gesicht; jenes sieht harmlos aus, dieses hat den Schalk im Nacken."
Bei einer anderen Klasse der Wortspiele ist es nicht die _homonyme_
Bedeutung eines Wortes, sondern die doppelte Bedeutung, die dadurch
entsteht, dass ein Wort dem Zusammenhang des Ganzen entsprechend (und
zwar nicht immer ganz correct) in einem weiteren oder engeren Sinne
gebraucht und dann im Witze plötzlich in seine wirklichen Grenzen
zurückgewiesen wird. Ich nenne diese Wortspiele deshalb
b) _limitirende Wortspiele_
und führe zuerst solche an, bei denen ein Begriff, der eigentlich
eine weitere Bedeutung hat, zunächst in einem engeren Sinne gebraucht
wird und in diesem in den Zusammenhang des Ganzen nicht hineinpasst,
während die Substituirung der eigentlich richtigen, weiter
umfassenden Bedeutung, an die wir aber erst erinnert werden müssen,
einen richtigen Sinn ergiebt. Fast sämmtliche Beispiele, die
Schopenhauer vom Witz giebt, gehören in diese eben genannte Klasse
und wir werden das gewissermaassen begreiflich finden, wenn wir uns
der Schopenhauer'schen Definition des Lächerlichen erinnern. Die
paradoxe und daher unerwartete Subsumtion eines Gegenstandes unter
einen ihm übrigens heterogenen Begriff gilt ihm als das Kennzeichen
des Lächerlichen. Dabei soll beim Witz das Auffinden dieser
Incongruenz vom Anschaulichen zum Begriff übergehen. Schopenhauer
erzählt folgende Witze:
Ein Gascogner geht bei strenger Winterkälte in leichter
Sommerkleidung umher. Der König, der ihm begegnet, lacht über ihn,
worauf der Gascogner sagt: Hätten Ew. Majestät an-
[Page 68]
gezogen, was ich angezogen habe, so würden Sie es sehr warm finden.
Auf die Frage: was er denn angezogen habe, erwidert er: „meine ganze
Garderobe." -- Unter dem _was_ (ich angezogen habe) verstehen wir
zunächst, der Situation ganz entsprechend, den Anzug, den wir auf
seinem Leibe sehen und es scheint uns diese kärgliche dünne
Bekleidung seine Behauptung nicht zu rechtfertigen. -- In seiner
weiteren Antwort wird aber dieses von uns selbstverständlich in so
enger Bedeutung aufgefasste „_was ich anhabe_" plötzlich erweitert zu
dem Begriff „meine ganze Garderobe" und in dieser Bedeutung passt
allerdings seine Antwort vollkommen zur Situation. --
„Das Publikum eines Theaters in Paris verlangte einst, dass die
Marseillaise gespielt werde und gerieth, als dies nicht geschah, in
grosses Schreien und Toben, so dass endlich ein Polizeicommissarius
in Uniform auf die Bühne trat und erklärte, es sei nicht erlaubt,
dass im Theater etwas Anderes vorkomme, als was auf dem Zettel stehe.
Da rief eine Stimme: „„Et vous, Monsieur, êtes-vous aussi sur
l'affiche?"" welcher Einfall das einstimmigste Gelächter erregte."
Das Wort, um welches es sich bei diesem Witze handelt, ist das Wort
_vorkommen_. Wir fassen dasselbe zunächst und entsprechend dem, wie
es gemeint ist, in dem Sinne von: „aufgeführt werden" auf, „es darf
im Theater nichts Anderes aufgeführt werden" etc. Der witzige Einfall
erweitert aber plötzlich die Bedeutung zu ihrem eigentlichen Umfang
und nun fällt das Auftreten des Polizeibeamten auch mit unter den
Begriff: vorkommen. Hätte der Beamte sich correct ausgedrückt und
gesagt: es darf nichts Anderes aufgeführt werden, als was auf dem
Zettel steht, so wäre die Gelegenheit zu dem vorliegenden Witz
genommen. --
Gerade die gegentheilige Operation findet bei den folgenden Witzen
statt, bei denen ein Wort zuerst in einer weiteren Bedeutung
gebraucht ist und nun plötzlich durch den Witz eingeschränkt wird.
Die Beispiele dazu entlehne ich aus Kuno Fischer, der dieselben unter
der Form „Das witzige Abfertigen" mittheilt, ohne auf das eigentliche
punctum saliens bei diesen Witzen einzugehen.
[Page 69]
„Herzog Karl von Württemberg trifft auf einem seiner Spazierritte von
ungefähr einen Färber, der mit seiner Handthierung beschäftigt ist;
„kann er meinen Schimmel blau färben?" ruft ihm der Herzog zu, und
erhält die Antwort zurück: „ja wohl, Durchlaucht, wenn er das Sieden
vertragen kann". Die beiden Glieder des Witzes sind die _bejahende_
Antwort und das Wort „_können_". In der Frage des Herzogs ist
letzteres in der weiteren Bedeutung gemeint „können, so dass es eben
ohne Schaden geschieht." In der Antwort aber wird die Bedeutung in
ihre strengen eigentlichen Grenzen zurückgewiesen und erst zu dieser
Bedeutung passt die bejahende Antwort. --
Zur Verstärkung der komischen Wirkung, aber ganz ausserhalb des
Witzes gelegen, kommt das Moment der witzigen Abfertigung hinzu (das
also zur Unterscheidung einer besonderen Witzform eigentlich nicht
gebraucht werden kann). Wir sympathisiren mit dem Färber, der vom
Herzog geschraubt werden soll und gönnen letzterem die Abfertigung,
die er sich zuzieht, als eine gerechte Strafe für seine böse Absicht.
Aber auch ohne dies Nebenmoment bleibt der Witz als solcher bestehen
und wir können ihn etwa in die Räthselfrage kleiden: Kann man einen
Schimmel blau färben? Antwort: Ja, wenn er das Sieden vertragen kann.
„Friedrich der Grosse hört von einem Prediger in Schlesien, der im
Rufe steht, mit Geistern zu verkehren; er lässt den Mann kommen und
empfängt ihn mit der Frage: „Er kann Geister beschwören?" Die Antwort
war: „zu Befehl, Majestät, aber sie kommen nicht". -- Die beiden
Glieder des Witzes sind auch hier die bejahende Antwort und das Wort
„beschwören", das in seiner doppelten Bedeutung zu dem Wortspiel
Veranlassung giebt. In der Frage ist dasselbe so gemeint, dass wir
ohne Weiteres das Erscheinen der Geister mit einbegreifen; in der
Antwort wird das Wort auf seine eigentliche Bedeutung zurückgeführt
und daraus entsteht der Wettstreit mit der bejahenden Antwort. --
Auch hier dient das Moment der Abfertigung nur zur Erhöhung der
komischen Wirkung.
Es braucht aber nicht immer _ein_ Wort zu sein, welches eine doppelte
Bedeutung enthält, oft ist es auch die Construction die einen
doppelten Sinn zulässt. Diese
[Page 70]
c) _Witze aus doppelsinniger Construction_
sind häufig unwillkürliche wie z. B. der folgende. -- Einer unserer
verflossenen Duodezfürsten überraschte eines Tages seinen
Kammerdiener, wie dieser behaglich auf dem Thronsessel Probe sass und
fuhr ihn mit den heftigen Worten an: „Kerl, verdammter, wie kommst Du
mir vor? bildest Dir wohl gar ein, regierender Herr zu sein, dumm
genug wärst Du dazu!" [1] -- Was der Kurfürst sagen wollte, ist wol
klar: „Du bist dumm genug, Dir das einzubilden." Durch die etwas
uncorrecte Satzstellung aber ist der Sinn: „Dumm genug, regierender
Herr zu sein" nahe gelegt, der offenbar nicht der gemeinte ist.
Daraus aber entsteht ein Witz, dessen komische Wirkung zunächst
dadurch beträchtlich erhöht wird, dass wir aus dem Munde eines
Mannes, dem wir von vornherein übel wollen, diese (in gewisser
Auffassung) naive Aeusserung, mit der er sich selbst ins eigene
Fleisch trifft, gern und mit einer nicht unberechtigten Schadenfreude
hören, weil wir diesen eigentlich nicht gemeinten Sinn, für den mit
der Wahrheit am meisten übereinstimmenden halten. Dadurch, dass wir
aber wissen, dass der Fürst seine Aeusserung nicht so gemeint hat,
wird aus der Naivetät ein *unbewusster Witz*, indem bei Substituirung
der beiden möglichen Constructionsauslegungen ein Wettstreit zwischen
den beiden Sätzen eintritt. --
So wie hier in der doppelsinnigen Construction oder wie vorher in
einem doppelsinnigen Wort, so liegt oft das punctum saliens des
Witzes in einem ganzen Satze, der seinen Doppelsinn entweder in sich
trägt oder durch eine ihn begleitende Geberde erhält. Meist handelt
es sich dabei um ein absichtliches Missverständniss. Ich will diese
Classe
d) _Doppeldeutungs-Witze_
nennen. Als Beispiele dienen folgende Anekdoten: Eine Dame steckt den
Kopf zum Coupéfenster hinaus und schreit mit giftigem
[1] Ludwig Reinhard, Komische Spaziergänge. Coburg 1867.
[Page 71]
Gesicht: Herr Conducteur, ist es erlaubt, in diesem Coupé zu rauchen?
„Wenn die Herren darin nichts dagegen haben, so können die gnädige
Frau getrost rauchen", lautet die Antwort. -- Die beiden Glieder des
Witzes, die hier mit einander in Wettstreit treten, sind: die Frage
und Antwort; die Gelegenheit zum Witze giebt die mögliche doppelte
Deutung der Frage. Die Dame will sich offenbar über die rauchenden
Herren beschweren; der Schaffner aber deutet ihre Frage anders, wozu
er, wenn er die Geberde der Dame nicht bemerkt oder bemerken will,
volles Recht hat. Die komische Wirkung wird auch hier durch unsere
Schadenfreude gesteigert. Wir sympathisiren mit den rauchenden
Herren, welche durch die Dame in ihrem Genuss gestört werden sollen
und freuen uns, dass Letztere mit ihrer Beschwerde so lächerlich
abfällt. --
In einer Dorfschule wird der Katechismus überhört. Der Lehrer sieht
einen Knaben ganz unaufmerksam dasitzen und fasst ihn schnell mit den
Worten beim Arm: „Was ist das?" um ihn nach der Lutherschen Erklärung
des eben von einem andern Schüler hergesagten Gebotes zu examiniren.
Der Unaufmerksame stottert die Antwort hervor: „Das ist meiner Mutter
ihre alte Pelzjacke." Diese Antwort erregt natürlich unter den
Mitschülern unbändiges Gelächter. Einzelne der Lacher werden
vielleicht das unbewusst Witzige der Antwort gar nicht bemerken. Sie
lachen einfach aus gerechter Schadenfreude über die der Dummheit
resp. Unaufmerksamkeit folgende Blamage und etwaige Strafe. Anderen
Schülern aber wird der Witz jener Aeusserung nicht entgehen. Die
Frage des Lehrers war eine doppelsinnige, indem dieselbe durch
Anfassen des Armes d. h. also der Jacke des Schülers begleitet war.
Welchen Sinn die Frage eigentlich haben _soll_, darüber ist uns kein
Zweifel; durch den Doppelsinn der Frage entsteht nun aber zwischen
Frage und Antwort ein Wettstreit. In gewissem Sinne passen beide zu
einander, in anderem Sinne und zwar dem eigentlich gemeinten, dagegen
gar nicht. Das war ja aber das Charakteristicum des Witzes. --
Wir haben in den letzten Nebenformen den Widerspruch zwischen dem
wirklich Gesprochenen und dem eigentlich Gemeinten als wesentlich
erkennen müssen. Zwei andere Neben-
[Page 72]
formen zeigen ebenfalls diesen Widerspruch; doch ist bei ihnen der
Doppelsinn nicht in dem gesprochenen Wort oder der geschehenen
Aeusseruug selbst enthalten, sondern wird erst durch die Hörenden dem
Sinn des Redenden entsprechend hineingelegt. Es sind dies die beiden
Formen der Ironie und des Vexirwitzes.
e) _Die Ironie_
charakterisirt sich dadurch, dass sie gerade das Gegentheil von dem
behauptet, was sie wirklich meint, dabei aber voraussetzt, dass der
Hörende den eigentlich gemeinten Sinn erräth. Sie lobt eben _die_
Eigenschaften des Subjects, die sie tadeln will, indem sie ihnen
Gründe vorstreckt, deren Unhaltbarkeit gerade in der Uebertreibung zu
Tage kommt, oder sie sagt die entgegengesetzten schönen Eigenschaften
von ihm aus [1]. -- In ähnlicher Weise wie beim Wortspiel -- nur noch
etwas verborgener und darum für den Hörer angenehmer kitzelnd --
enthält das ausgesprochene Urtheil eigentlich einen doppelten Sinn:
einmal den wörtlich genommenen und zweitens den versteckten
gegentheiligen; der letztere passt zur Situation, der andere nicht
und indem bald der eine, bald der andere substituirt wird, erzeugt
sich bald die Möglichkeit, bald die Unmöglichkeit der Vereinigung. --
Je versteckter der Angriff, um so schwerer ist die Vertheidigung, um
so sicherer trifft der abgeschossene Pfeil. Darum wirkt die Ironie so
überaus vernichtend; denn wenn sie nicht plump, sondern fein angelegt
ist, weiss der Angegriffene im ersten Augenblick wohl gar nicht, ob
er's mit Ernst oder mit Ironie zu thun hat, und merkt er nun den
Angriff, so gesteht er durch eine Vertheidigung zu, dass er das Lob,
das ihm im wörtlichen Sinne gespendet wurde, nicht verdient habe, in
der That also in dem betreffenden Punkte tadelnswerth sei. Besonders
häufig bedient sich der Humor der Ironie als Waffe, indem er z. B.
Handlungen, die aus grossartigen, oft grossartig bösen Motiven
hervorgegangen sind, ganz im Sinne des Humors auf die kleinlichsten
Gründe zurückführt. So sucht z. B. Hamlet im unversöhnten ironischen
Humor die schnelle
[1] Vischer l. c. p. 437.
[Page 73]
Heirath seiner Mutter zu entschuldigen: „Pah, Oekonomie, Oekonomie;
das Gebackene zum Leichenschmaus gab kalte Hochzeitsschüsseln!"
Der Grund weshalb dem Humor unter allen Formen des Witzes die Ironie
gerade bei Weitem am meisten zusagt, ist leicht einzusehen. Die
Neigung des Humors, das ihm entgegentretende Alltägliche, Kleine,
Niedrige, Gemeine mit den höchsten sittlichen und religiösen Ideen in
Gegensatz zu bringen, findet eben am leichtesten in der Form der
Ironie Ausdruck, da diese ja gerade in der Vereinigung der grösst-
denkbaren Gegensätze d. h. der Gegentheile besteht. -- Deshalb aber,
weil der Humor die Ironie so vorwiegend in seinen Dienst nimmt, darf
man beide nicht mit einander verwechseln. --
In der Hand des Kritikers ist die Ironie eine der schärfsten Waffen.
Unter den neueren Schriftstellern ist als Meister in ihrer Benutzung
Paul Lindau zu nennen, der in seinen „literarischen
Rücksichtslosigkeiten", namentlich aber auch in seinen „harmlosen
Briefen eines deutschen Kleinstädters" eine unerschöpfliche Fundgrube
von ironischen Witzen bietet, auf die ich hier nur verweisen kann.
f) _Der Vexirwitz_
hat viel Aehnlichkeit mit der Ironie, ist aber durchaus harmlos und
nimmt eine ziemlich niedrige Stufe im Gebiet des Witzes ein. Wenn ich
z. B. sage: Es ist doch recht abgeschmackt von Schiller, dass er
seinen Don Carlos mit der alten, abgedroschenen Phrase beginnt: „Die
schönen Tage von Aranjuez sind nun vorüber", so ist das ein
Vexirwitz, indem ich dabei voraussetze, dass der Hörende weiss, was
ich eigentlich sagen will und, die Entstellung der Thatsachen sofort
merkend, den richtigen Sinn substituirt.
Wie bei den Münchhausiaden, die unter Umständen auch als Vexirwitze
aufzufassen sind, wird das angenehme Gefühl durch die Freude darüber,
dass wir der beabsichtigten Täuschung nicht unterlegen sind, noch
erhöht.
[Page 74]
Hiermit haben wir den Witz in seinen wesentlichsten Formen vorgeführt
und wenden uns jetzt noch einmal zu dem ganzen Gebiet des
Lächerlichen zurück. --
Wir haben nachzuweisen gesucht, dass bei allem Komischen zwei
Gefühle, ein angenehmes und ein unangenehmes erregt werden. Wir haben
ferner die Thatsache schon kurz erwähnt, dass diese beiden Gefühle
von gleicher Stärke sein und _gleichzeitig_ entstehen müssen, so dass
sie mit einer gewissen Plötzlichkeit aufeinanderstossen. Es ist zum
psychologischen Verständniss des Lächerlichen durchaus nothwendig,
dass wir auf dieses Verhältniss noch näher eingehen. Die
Gleichzeitigkeit der Entstehung beider Gefühle bedingt die sog.
„Pointe", ohne welche eben die komische Wirkung eines Witzes oder
einer Anekdote verloren geht. In der Pointe werden die beiden
contrairen Gefühle durch das Aufeinanderstossen von Sinn und Unsinn,
von Harmonie und Disharmonie mit den verschiedenen Normen
gleichzeitig erzeugt. --
Wie aber gelangen diese Gefühle zum Bewusstsein? Nach dem bekannten
Satze von der Enge des Bewusstseins können in derselben Zeiteinheit
nicht zwei Vorstellungen mit gleicher Schärfe vom Bewusstsein
wahrgenommen werden; dasselbe gilt auch von den Gefühlen. Was wird
und muss also geschehen, wenn zwei Gefühle zu gleicher Zeit erzeugt
werden, die wegen ihrer Gegensätzlichkeit nicht in eins verschmelzen
können? Die Selbstbeobachtung der psychologischen Vorgänge in uns
lässt uns dabei ziemlich im Stich, indem sie uns nur im Allgemeinen
das Entstehen eines sog. Affectes schauen lässt. Wir wollen aber in
das Wesen dieses Affectes eindringen und es bietet sich dazu nur ein
Weg, auf welchen Wundt zuerst mit grosser Dringlichkeit in seinen
Beiträgen zur Theorie der Sinneswahrnehmungen [1] aufmerksam gemacht
hat, indem er sagt: „Es wäre ein fundamentaler Irrthum, wenn man in
Bezug auf die experimentelle Erforschung der Empfindungs- und
Wahrnehmungsprocesse an der Meinung festhalten wollte: Alles, was man
auf diesem Wege finde, seien nur Gesetze, die Gültigkeit für die
Seele besitzen in ihrem Verhalten gegen äussere Sinnesreize,
[1] Leipzig und Heidelberg 1862. p. XXIX u. 450.
[Page 75]
aber in dem von diesen unabhängigen Leben, im reinen Denken könnten
vielleicht ganz abweichende Gesetze gültig sein, über die uns die
Resultate unserer Experimente Nichts aussagten." -- „Die
experimentelle Untersuchung der Sinneswahrnehmungen und Vorstellungen
ergiebt vielmehr ein Resultat, das unmittelbar auch auf die _höheren
Sphären_ geistiger Thätigkeit sich anwenden lässt". -- Schon der Satz
von der Enge des Bewusstseins ist ja wie bekannt aus der
experimentellen Thatsache hergeleitet, dass wir nicht im Stande sind,
in derselben Zeiteinheit scharfe Wahrnehmungen durch zwei
verschiedene Sinne zu machen. Im vorliegenden Falle handelt es sich
nun aber um _Gefühle_, die zwar einander conträr aber gleichsam von
derselbeu Qualität sind und bei Entscheidung der Frage, was bei dem
gleichzeitigen Auftreten solcher conträren Gefühle geschieht, werden
wir also auf ähnliche Verhältnisse, aus der Sphäre der
Sinneswahrnehmungen recurriren müssen. Die Fälle, in welchen ein und
derselbe Punkt unserer Netzhaut zu gleicher Zeit von zwei aus
derselben Richtung kommenden verschiedenen (namentlich verschieden
gefärbten) Lichtstrahlen getroffen wird, werden offenbar dem hier zu
ergründenden Factum ganz analog sein, und ihre genaue Prüfung wird
uns das Verständniss des letzteren erschliessen. -- Wenn das Licht
zweier verschiedenen Gegenstände aus ein und derselben Richtung in
unser Auge fallen soll, so müssen jene Gegenstände offenbar, wirklich
oder scheinbar, hinter einander liegen und ausserdem wird im ersten
Falle der vordere Gegenstand durchsichtig, also etwa von Glas sein
müssen. Was geschieht nun, wenn wir einen Gegenstand durch eine
farblose oder farbige Glasplatte betrachten? Fast immer wird unsere
Aufmerksamkeit von dem hinter der Glasplatte liegenden Objecte so
gefesselt, dass wir nur dieses bemerken, die Anwesenheit der
Glasplatte dagegen vollständig ignoriren, und wenn sie gefärbt ist,
ihre Farbe einfach dem durch sie gesehenen Gegenstande beilegen. Erst
durch eine willkürliche Richtung unserer Aufmerksamkeit können wir
uns zwingen, die Oberfläche der Glasplatte zu beobachten; doch wird,
wenn uns an derselben Nichts mehr fesselt, sich uns immer wieder die
Vorstellung des hinter ihr liegenden Gegenstandes aufdrängen. Wenn
wir aber den Versuch so einrichten, dass unsere Auf-
[Page 76]
merksamkeit gleichmässig stark von der Glasplatte und dem Objecte in
Anspruch genommen wird, so erhalten wir eine andere eigenthümliche
Erscheinung. Legen wir nämlich nach Wundt's Angabe [1] auf ein blaues
Glas ein rothes Papier, in welches ein kleines Fenster geschnitten
ist, so dass also die Oeffnung des Fensters blau und durchsichtig
erscheint, und halten hinter das Glas in einiger Entfernung einen
weissen Papierstreifen, so erscheint die Fensteröffnung plötzlich im
lebhaftesten _Glanze_.
Noch deutlicher lassen sich die eben besprochenen Erscheinungen an
Gegenständen experimentiren, welche ausser der Ausstrahlung ihres
Eigenlichtes, Licht an ihrer Oberfläche reflectiren. Auch hier wird
aus ein und derselben Richtung (also auf _einen_ Punkt unserer
Netzhaut) zweierlei verschiedenes, scheinbar aus verschiedener
Entfernung kommendes Licht, in unser Auge gesandt, und in ähnlicher
Weise wie in dem vorher besprochenen Falle, sehen wir auch hier je
nach der Richtung unserer Aufmerksamkeit zwei verschiedene
Erscheinungen auftreten, von denen wir die eine als Spiegelung, die
andere (wie vorher) als Glanz erkennen. Ueber die Entstehung beider
Phänomene und ihren gegenseitigen Unterschied, spricht sich Wundt
folgendermaassen aus: „Ein Gegenstand _spiegelt_, dessen Oberfläche
durch Reflexion ein solches Bild der umgebenden Objecte entwirft,
dass wir den spiegelnden Gegenstand selber über der Betrachtung der
Spiegelbilder vernachlässigen, indem wir diese gewissermaassen als
die direkt betrachteten Gegenstände ansehen. Zur reinen Spiegelung
gehört daher erstens eine gewisse Deutlichkeit der Spiegelbilder und
zweitens eine solche Beschaffenheit des spiegelnden Gegenstandes,
dass dieser nicht unsere Hauptaufmerksamkeit auf sich zieht; ebene
oder gleichförmig gekrümmte polirte Flächen sind daher am häufigsten
spiegelnde Objecte, insbesondere wenn sie farblos oder wenigstens
gleichfarbig sind. Hat ein Object eine ausgeprägte Farbe, so regt
dies schon leicht unsere Aufmerksamkeit an, und dies findet in noch
höherem Maasse statt, wenn die Farbe nicht gleichmässig über die
Oberfläche vertheilt ist. Wir nennen einen
[1] l. c. p. 313
[Page 77]
Gegenstand _glänzend_, wenn derselbe so beschaffen ist, dass wir
zugleich den Gegenstand und die von demselben entworfenen
Spiegelbilder in's Auge zu fassen genöthigt sind, wenn wir also
gleichzeitig verschiedene Gegenstände sehen, die hintereinander in
verschiedener Entfernung vom Auge gelegen scheinen und die daher sich
decken sollten. _Zu diesem gleichzeitigen Auffassen des Objects und
seiner Spiegelbilder ist nothwendig, dass keins von Beiden über das
andere das Uebergewicht erlange_; werden die Spiegelbilder
unmerklich, so hört natürlich der Glanz auf, wir sehen nur noch den
Gegenstand in seinem eigenen Lichte; werden aber die Spiegelbilder
sehr stark, so geht der Glanz in Spiegelung über. Wundt beweist
ferner durch eine Reihe von Experimenten (p. 305-307), dass der Glanz
nicht auf Accommodationsverschiedenheit, d. h. der verschiedenen
Einstellung der Augen für die scheinbar oder wirklich verschiedenen
Entfernungen der beiden Objecte beruht, sondern als ein Product der
Vorstellungsthätigkeit auftritt und zwar definirt er den Glanz als
einen solchen Urtheilsprozess, bei welchem die einzelnen
Bestandtheile einer gegebenen Mischempfindung von einander losgelöst
und für sich vorgestellt werden; während wir die beiden Farben (des
spiegelnden und gespiegelten Lichtes) zugleich sehen, unterscheiden
wir sie noch von einander. Wir erhalten beim Glanz die Vorstellung
eines Gegenstandes, der das Bild eines anderen spiegelt, aber den
Gegenstand deutlich aufzufassen, verhindert uns das Spiegelbild und
das Spiegelbild deutlich aufzufassen, verhindert uns der Gegenstand.
Der wesentliche Grund hierfür ist die Unmöglichkeit gleichzeitig zwei
Dinge klar vorzustellen, die sich nicht in _eine_ Vorstellung
vereinigen lassen. Unsere Vorstellungsthätigkeit, die aber nach
Klarheit strebt, wird deshalb in _schneller Schwankung von dem
spiegelnden Gegenstand zum Spiegelbild, vom Spiegelbild zum
Gegenstand hinüberschweifen_ und darauf beruht das eigenthümliche
Princip der Unruhe, was im Glanze liegt und z. B. auch von Brücke [1]
besonders hervorgehoben (freilich aber in
[1] Brücke, die Physiologie der Farben für die Zwecke der
Kunstgewerbe. Leipzig 1866 p. 228.
[Page 78]
etwas anderer Weise erklärt) wird. Auch die eigenthümliche Thatsache
des von Dove entdeckten stereoskopischen Glanzes beweist und
illustrirt das eben Gesagte. Dove zeichnete die stereoskopische
Projection eines Prismas oder einer anderen Figur für das eine Auge
mit weissen Linien auf matt schwarzem Grunde, für das andere Auge mit
schwarzen Linien auf weissem Grunde. Bei stereoskopischer Vereinigung
beider erscheint das Relief von graphitglänzenden Flächen begrenzt.
Ausser Schwarz und Weiss geben auch andere Farben die Erscheinung des
Glanzes; aber nicht jede beliebige Farbencombination ist zu brauchen.
Denn contrastirt die eine Farbe merklich lebhafter gegen den Grund
als die andere und drängt sie sich daher unserem Bewusstsein stärker
auf, so wird sie allein gesehen. Der Glanz ist am lebhaftesten, wenn
der Contrast beider Farben gegen ihren Grund stark und ungefähr
gleich gross ist. Ausserdem wird der Glanz durch den gegenseitigen
Contrast der beiden zu combinirenden Farben erhöht. Man combinire z.
B. stereoskopisch Blau und Gelb. Macht man den Grund weiss, so
verdrängt leicht Blau das Gelb vollständig, macht man den Grund
schwarz, so verdrängt Gelb das Blau, macht man den Grund aber grau,
so erhält man einen lebhaften Glanz.
Da nun Heimholz auf das Ueberzeugendste nachgewiesen hat, dass der
Inhalt jedes einzelnen Sehfeldes, ohne durch organische Einrichtungen
mit dem des andern verschmolzen zu sein, getrennt zum Bewusstsein
gelangt, so ist auch in diesen Fällen der Glanz als ein Product der
Vorstellungsthätigkeit aufzufassen. Der Glanz entsteht auch hier
dadurch, dass unserem Bewusstsein zu gleicher Zeit zwei verschiedene
Eindrücke geboten werden, die wir, weil sie aus einer Richtung
kommen, zu combiniren streben, die aber durch ihre Verschiedenheit
von einander nicht vereinbar sind, sich vielmehr jeder für sich
unserem Bewusstsein aufzudrängen suchen und dadurch in _sehr
schnellem Wechsel_ nach einander zur Auffassung gelangen [1]. Dass
wir von diesem Wechsel der Eindrücke kein volles Bewusstsein haben
und nur eine gewisse Unruhe im Glanze spüren,
[1] Dieselbe Erklärung des stereoskopischen Glanzes giebt u. A. auch
J. Martins-Matzdort: „Die interessantesten Erscheinungen der
Stereoskopie" Berlin 1868.
[Page 79]
im Uebrigen aber den Eindruck einer einheitlichen Lichtausstrahlung
empfangen, ist durchaus kein Gegengrund gegen diese Auffassung, denn
auch beim gewöhnlichen Sehen, resp. Betrachten eines Gegenstandes
streifen wir mit unseren Augen (mit der allein deutlich sehenden
Macula lutea) schnell über denselben, gewissermaassen ihn betastend,
hin, combiniren aber trotzdem die einzelnen Eindrücke zu einem
einheitlichen Bilde, ohne zu merken, dass dasselbe aus verschiedenen,
schnell auf einander folgenden Wahrnehmungen zusammengesetzt ist. --
Sehr häufig wechselt mit dem stereoskopischen Glanze ein anderes
Phänomen ab -- nämlich der sogenannte _Wettstreit der Sehfelder_, bei
welchem die beiden Gesichtseindrücke in _langsamem_ Wechsel (in
Perioden von etwa 8 Secunden und länger) nach einander zum
Bewusstsein kommen. Es tritt diese Erscheinung ein, wenn bestimmte
Bedingungen [wie Wundt überzeugend nachgewiesen hat: eine durch
unwillkürliche Bewegungen der Augen veranlasste momentane
Verschiebung (Divergenz) der beiden Bilder] die Trennung der beiden
gleichzeitig aufgenommenen Gesichtseindrücke begünstigen. Decken sich
die beiden Farbenbilder vollständig, so sehen wir unter geeigneten
Umständen Glanz oder auch nur _die_ Farbe, die mit dem Grunde stärker
als die andere contrastirt und dadurch sich der Aufmerksamkeit mehr
aufdrängt. Sobald aber durch eine Schwankung der Sehaxen, wie sie
durch Ermüdung oder durch willkürliche Veränderung der Aufmerksamkeit
sehr leicht und fast immer eintritt, eine Verschiebung der Objecte
gegen einander stattfindet, so dass sie sich nur noch theilweise
decken, kommt die sog. Verdrängung durch Eigencontrast zur Geltung
und wir sehen nur die Farbe, die mit dem Grunde am wenigsten
contrastirt [1]. Dadurch, dass wir nun unsere Augenstellung immer
wieder zu corrigiren suchen, wodurch die Verdrängung durch Contrast
mit dem Grund mit der durch Eigencontrast fortwährend abwechselt,
erhalten wir den Wettstreit der Sehfelder, der also auch darauf
beruht, dass wir die verschiedenen Eindrücke beider Sehfelder zu
vereinigen streben, dass aber Bedingungen eintreten, welche die
Trennung beider, bald das eine, bald das andere mehr be-
[1] Näheres über dies interessante Thema: Wundt. l. c. p. 330.
[Page 80]
tonend, erleichtern. Beim Glanz sind keine Bedingungen vorhanden,
welche abwechselnd das eine und das andere Bild bevorzugt sein lassen
und die Trennung beider Bilder ist darum keine so prägnante, obwohl
sie wegen der Unmöglichkeit, beide in Eins zu vereinigen, auch
vorhanden ist. Es wird darum eben der Wechsel beider Bilder unendlich
viel schneller eintreten und wir können _den Glanz einen sehr
beschleunigten Wettstreit der Sehfelder nennen_. --
Prüfen wir jetzt, welches der oben erörterten Gesetze auf das
Komische Anwendung findet. Von einem Punkte aus sehen wir beim
Komischen plötzlich und gleichzeitig zwei verschiedene unvereinbare
Gefühlsqualitäten in uns erzeugt werden. Da nun der Affect des
Komischen, wie die einfache Beobachtung lehrt, weder als ein
unangenehmes, noch allein als ein angenehmes Gefühl sich auffassen
lässt, so kann also von einer Verdrängung durch Contrast nicht die
Rede sein, vielmehr ergiebt sich bei näherem Eingehen die völlige
Analogie zwischen der Erscheinung des Glanzes und dem Komischen, da
andererseits die Plötzlichkeit der Wirkung den langsamen Wettstreit
der Sehfelder ausschliesst. Es stimmt hiermit die schon oben
angedeutete Thatsache überein, und wird dadurch gewissermaassen
bestätigt, dass die beiden conträren Gefühle beim Komischen von
annähernd gleicher Stärke sein müssen, so dass keines von dem andern
im Wettstreit ganz unterdrückt werden kann. Das Komische ist ein
Mischgefühl eigenthümlicher Art; wie beim Glanze kommen die einzelnen
Componenten in so schnellem Wechsel hintereinander zur Wirkung, dass
wir scheinbar ein einheitliches Gefühl vor uns haben und nicht im
Stande sind, die beiden Factoren desselben einzeln direct zu
beobachten; so wie wir beim Glanze auch nicht direct darüber klar
werden, dass derselbe aus zwei verschiedenen Lichtarten
zusammengesetzt ist. _Hierdurch wird der Einwurf gegen meine obige
Darstellung beseitigt, dass man sich ja der angenehmen und
unangenehmen Gefühle, die ich im Komischen gefunden haben will, gar
nicht bewusst werde, und dass sie deshalb auch gar nicht vorhanden
sein könnten_. --