Produced by Karl Pfeifer <karl.pfeifer@usask.ca>.
*Ebook Editor's Prefatory Note*
Wherever the original text uses letterspacing for emphasis, I have
substituted enclosing understrikes; I have, however, kept the
German-style quotation marks (although in some plain text character
sets the right-side quotation mark does not appear as the proper
stylistic complement of the left-side quotation mark).
The only spelling errors I spotted are "Jnhalt" for "Inhalt" on p. 14
(although capital "I" and "J" are sometimes conflated or not
conspicuously distinguished in German blackletter typefaces, Hecker's
book is not set in such a typeface), "lehhaft" for "lebhaft" on p.
20, and "deselbeu" for "deselben" on p. 75. Otherwise, the spelling,
though not always consistent, seems to employ what were acceptable
variants at the time of writing.
I have neither corrected Hecker's spelling or attempted to make it
consistent, nor have I made other corrections to the original text.
In particular, I have retained Hecker's idiosyncratic use of the long
dash throughout; sometimes his long dash functions like genuine
punctuation, but oftentimes its purpose is difficult to discern (e.g.
he sometimes uses it at the end of a paragraph after the period). I
have also retained Hecker's idiosyncratic use of doubled double-quotes
for a quotation within a quotation on p. 68. And at the bottom
of p. 31, there is a left-side parenthesis mark without a matching
right-side parenthesis mark.
Hecker misquotes Aristotle on pages 19 and 52, each time omitting the
connective "kai" from Aristotle's phrase "anôdunon kai ou
phthartikon" (_Poetics_ 1449a). The transliterations in this ebook
are mine; Hecker himself quotes Aristotle in Greek.
Karl Pfeifer
University of Saskatchewan
<karl.pfeifer@usask.ca>
[Page I]
Die
*Physiologie und Psychologie*
des
*Lachens und des Komischen.*
Ein Beitrag zur experimentellen Psychologie
für
Naturforscher, Philosophen und gebildete Laien.
Von
*Dr. Ewald Hecker,*
Zweitem Arzt an der Anstalt für Nerven- und Gemütskranke in Görlitz.
*Berlin,*
Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung
Harrwitz & Gossmann.
1873.
[Page II: blank]
[Page III]
Meinem
lieben Freunde und hochverehrten Lehrer
dem
*D^R. KARL KAHLBAUM*
Director der Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Gemüthskranke in
Görlitz
als ein Zeichen aufrichtigster Dankbarkeit
zugeeignet.
[Page IV: blank]
[Page V]
Wenn ich Dir, lieber Kahlbaum, das vorliegende Büchelchen auf den
Weihnachtstisch lege, so weiss ich freilich, dass ich Dir mit
demselben keine unerwartete Ueberraschung bereite; denn Du hast ja um
das Entstehen des kleinen Werkes gewusst und an ihm von Anfang an den
lebhaftesten Antheil genommen. Doch hoffe ich Dir damit trotzdem eine
kleine Freude zu bereiten. Vor Allem aber möchte ich Dir mit der
Widmung dieses Buches einen geringen Theil des Dankes abtragen, den
ich Dir in so reichem Maasse schulde für das herzliche Interesse, das
Du stets an mir und meiner geistigen Ausbildung genommen, für die
freundliche Theilnahme, die Du meinen Studien geschenkt, für Deine
stete Bereitschaft, auf meine Pläne und Arbeiten einzugehen und mich
dabei mit treuem Rathe zu unterstützen. -- Unter Deiner Leitung bin
ich in einen Beruf voll Ernst und Mühe eingetreten, Du hast in mir
von Anfang an ein wahres wissenschaftliches Interesse für denselben
zu erwecken gewusst und mir in rückhaltslosester Weise die reichen
Schätze Deines Wissens und Deiner Erfahrungen aufgeschlossen.
Vorzüglich bin ich auch dafür dankbar, dass Du mich auf die
Anknüpfungspunkte achten gelehrt hast, die unsere
Specialwissenschaft, die Psychiatrie, mit den anderen Gebieten des
Wissens in Zusammenhang erhalten und mich namentlich auf die
Psychologie als eine mir bis dahin ziemlich fremde, für die
Psychiatrie aber unent-
[Page VI]
behrliche Wissenschaft hingewiesen hast. Von Dir werde ich am
wenigsten den Vorwurf zu fürchten haben, dass ich mich mit meiner
vorliegenden Arbeit zu weit von unserem Specialgebiete entfernt habe;
zumal Du weisst, dass dieselbe eigentlich die Frucht meiner
Vorstudien zu einer Psychologie des gesunden und kranken
Gefühlslebens ist. Das vorliegende Thema bot durch die in ihm sich
vollziehende enge Verknüpfung der Physiologie mit der Psychologie den
besten Ausgangspunkt, um das eben erwähnte Gebiet nach der
naturwissenschaftlichen und experimentellen Methode zu durchforschen.
Wenn meine Arbeit, wie ich hoffe, nicht ganz erfolglos gewesen ist,
so scheint mir das hauptsächlich für die Richtigkeit der
eingeschlagenen Methode zu sprechen. Schon Wundt hat in seinen
„Beiträgen zur Theorie der Sinneswahrnehmungen" [1] der ausgedehnten
Anwendung des Experiments in der Psychologie lebhaft das Wort geredet
und ich verdanke dem eben erwähnten Buche eine nicht unerhebliche
Förderung und Klärung meiner Ideen. Als ferneres Hilfsmittel, um die
Psychologie mit Erfolg weiter auszubauen, betrachtet Wundt die
Erweiterung der bisherigen Beobachtungsmethoden durch Heranziehung
der Statistik, der Entwicklungsgeschichte der Seele und der
vergleichenden Psychologie, welch letztere Wissenschaft zum Theil in
Gestalt der Völkerpsychologie vor Allem durch die unermüdlichen und
gründlichen Forschungen von Lazarus und Steinthal [2] für die
allgemeine Psychologie schon von grösster Bedeutung geworden ist. --
Durch Dich habe ich endlich den hohen Werth der Psychiatrie als
Hilfswissenschaft der Psychologie schätzen gelernt. Sowie die
krankhaften Erscheinungen an den körperlichen Organen oft einem
exacten physiologischen Experimente gleichkommen, durch welches der
Physiologe über bis dahin unentschiedene Fragen genauen Aufschluss
erhält, so kann uns auch eine krankhafte
[1] Leipzig u. Heidelberg 1862.
[2] Zeitschr. f. Völkerpsychologie u. Sprachwissenschaft. Berlin
1859-72.
[Page VII]
Störung des geistigen Lebens nicht selten als ein Experiment gelten,
bei welchem die Einzel-Factoren des geistigen Mechanismus durch ihren
Ausfall oder durch abnorme Steigerung um so deutlicher zur
Beobachtung kommen können. --
Deine Arbeiten über die Hallucinationen und über die Ideenflucht sind
mir in dieser Beziehung als mustergültig erschienen und ich bedaure
nur, dass sie in einem Fachjournal gleichsam untergegangen, zum
grossen Theil aber noch nicht einmal veröffentlicht sind.
Die Psychologie ist Gemeingut so vieler Wissenschaften, dass, wo es
irgend angeht, ihre Forschungen in einer jedem Gebildeten
verständlichen Sprache niedergelegt werden sollten. Darum habe ich
mich auch bestrebt, die vorliegende Abhandlung unbeschadet ihres
wissenschaftlichen Inhalts in eine allgemein verständliche Form zu
kleiden. Wie oft mein Können hinter dem Wollen zurückgeblieben, weiss
ich freilich am besten und muss Dich um Deine Nachsicht bitten. Was
den Inhalt anbetrifft, so habe ich mit Lust und Eifer gestrebt, die
Wahrheit zu finden und muss es getrost dem Urtheil sachverständiger
Kritiker überlassen, zu entscheiden, ob und in wie weit mir dies
gelungen. Möchte vor Allen Dir das Buch einige Freude machen! Das ist
mein aufrichtigster Wunsch.
_Görlitz_ im December 1872.
*E. H.*
[Page VIII: blank]
[Page IX]
*Inhalts-Uebersicht.*
*Einleitung.*
Die Zweckmässigkeit der Reflexbewegungen, in specie der Reflexkrämpfe
des Hustens und Niesens. Frage nach dem Zweck des Lachens, (Weinens
und Gähnens), welche Reflexbewegungen sowohl nach Reizung sensibler
Nerven als auch nach psychischen Reizen auftreten. -- Aussicht, durch
Lösung dieser Frage für die entsprechenden psychischen Prozesse eine
physiologische Grundlage zu gewinnen. -- Das Lachen eine Folge des
Kitzels und Folge der Einwirkung des Komischen . . . . S. 1-6.
*A. Physiologischer Theil.*
a. _Der Kitzel_, ein intermittirender Hautreiz. Wirkung desselben auf
die Blutgefässe, -- durch Experiment veranschaulicht. -- Schwankungen
des Blutdrucks im Gehirn. -- Beseitigung der hieraus drohenden
Gefahren durch die rhythmischen Ausathmungsbewegungen des Lachens S.
6-16.
b. _Das Komische_. -- Wirkung auf die Gefässe. -- Experiment. --
Theorie des Lachens von Harless. Mimik des Lachenden . . . S. 16- 18.
*B. Die Psychologie des Komischen.*
Historische Einleitung. -- Auffinden zweier Factoren im Komischen,
eines angenehm und eines unangenehm wirkenden. -- Unterschied
zwischen Gefühl und Empfindung. -- Entstehung der angenehmen und
unangenehmen Gefühle. -- Anwendung des Gefundenen auf die durch das
Komische erzeugten Doppelgefühle. -- Vorläufige Beispiele. --
Eintheilung in 4 Hauptformen . . . . . . . . . . . . S. 19-40.
I. _Das einfach Komische_.
1) Das niedrig Komische. 2) Das Pseudonaive. 3) Das Naive. --
Anhang: Der Humor . . . . . . . . . . . . . S. 40-50
[Page X]
II. _Das Komische mit zwei vereinbaren Vorstellungen_.
Die gerechte Schadenfreude. . . . . . . . . . . S. 50-53.
III. _Das Komische mit zwei unvereinbaren Vorstellungen_.
1) Das Komische der getäuschten Erwartung. 2) Der komische
Anachronismus. 3) Das Burleske und Heroisch-Komische . S. 53-56.
IV. _Das Komische mit dem Wettstreit der Vorstellung_ oder der
*Witz.*
1) Der Associationswitz.
a) Aehnlichkeitswitz (Klangwitz, Carricatur). b) Gleichheits-
und Successions-Witz.
2) Doppelsinnwitz.
a) Das homonyme Wortspiel. b) Das limitirende Wortspiel. c)
Der Witz aus doppelsinniger Construction. d) Der Doppeldeutungs-Witz.
e) Die Ironie. f) Der Vexir-Witz . . S. 56-75.
Rückblick auf das ganze Gebiet des Komischen. -- Die Pointe. --
Gleichzeitigkeit und gleiche Stärke des angenehmen und unangenehmen
Gefühls im Komischen. -- Uebertragung des dem Wettstreit der
Sehfelder zu Grunde liegenden allgemeinen Gesetzes auf das Komische.
Danach das Komische aufzufassen als ein beschleunigter Wettstreit der
Gefühle, ein Hin- und Herschwanken zwischen Lust und Unlust. --
Physiologische Wirkung. -- Uebereinstimmung der Resultate S. 75-83.
[Page 1]
*Einleitung.*
Es ist eine allgemein bekannte Erfahrung, dass ein grosser Theil
unserer Bewegungen ganz ohne Einfluss des Willens von Statten geht.
Die dabei thätigen Muskeln sind entweder solche, die überhaupt nur
unwillkürlich wirken -- wie die Muskeln des Herzens, des Magens,
Darms, der Blutgefässe u. s. w. -- oder solche, die nur unter
bestimmten Umständen sich der Herrschaft unseres Willens entziehen,
dem sie sonst zu gehorchen gewohnt sind.
Wider unseren Willen, ja oft ohne unser Wissen, treten in den
verschiedensten Muskelgruppen unwillkürliche geordnete Bewegungen
ein, die wir in den meisten Fällen nicht einmal zu hemmen im Stande
sind. Wenn wir uns den Finger unversehens stechen, so ziehen wir
schnell die Hand zurück, noch ehe unser Wille dazu das Gebot erliess;
wenn wir einen Bissen tief in den Schlund hinabschieben, so tritt
eine unwillkürliche Schluckbewegung ein; wenn wir den Gaumenbogen und
das Zäpfchen kitzeln, werden wir zu Brechbewegungen gezwungen; wenn
ein fremder Körper in unsere Nase eindringt, oder wir die Schleimhaut
derselben mit einem Federbart reizen, so erfolgt eine gewaltsame
Krampfbewegung bestimmter Athmungsmuskeln, die wir das Niesen nennen
u. s. w.
Da wir nun wissen, dass in unserem Organismus keine Bewegung zu
Stande kommen kann ohne eine Erregung der den Muskel versorgenden
Bewegungsnerven, und es ferner ersichtlich ist, dass diese
Nervenerregung stets eine bestimmte Ursache, einen Ausgangspunkt
haben muss, so erscheint die Frage nach der Quelle der eben
mitgetheilten Bewegungen wohl gerechtfertigt. Während sonst der Wille
vom Gehirn aus die zu den verschiedenen Muskeln tretenden
Bewegungsnerven innervirt
[Page 2]
(anregt), sehen wir hier ohne diesen gewöhnlichen Reiz eine
Muskelaction zu Stande kommen. Welcher andere Reiz also ist es, der
unseren Willen die Herrschaft über die Muskeln streitig zu machen
sucht?
Wenn wir die Reihe der oben angeführten Beispiele, die wir leicht
noch bedeutend vermehren könnten, betrachten, so sehen wir, dass der
Bewegung jedesmal eine Reizung bestimmter Empfindungsnerven
vorausging, im ersten Fall: der Stich in den Finger, im zweiten Fall:
die Berührung des Schlundes u. s. w. Bei der Unabänderlichkeit dieses
Verhältnisses war der Schluss nahe gelegt, dass die nachfolgende
Bewegung zur vorausgegangenen Empfindung in ursächlicher Beziehung
stehe, und in der That hat denn auch eine grosse Zahl sehr exacter
Untersuchungen die Erklärung dieses eigenthümlichen Verhältnisses
ergeben.
Der Reiz nämlich, der den Empfindungsnerven getroffen hat und von der
Peripherie aus seinen gewöhnlichen Weg nach dem Nerven-Centrum
(durchs Rückenmark nach dem Gehirn) nimmt, springt, noch ehe er sein
letztes Ziel erreicht hat, und auf diese Weise uns zum Bewusstsein
kam, innerhalb des Rückenmarks durch Vermittlung verbindender
Ganglien- oder Nervenzellen auf einen Bewegungsnerven über. Dieses
„Sichumsetzen" (Zurückstrahlen) einer Empfindung in Bewegung nennt
man _Reflex_ und daher die Reihe der geschilderten Bewegungen
_Reflexbewegungen_.
In der Regel geht nun aber nicht der ganze Reiz vom Empfindungs- auf
den Bewegungsnerven über, sondern ein Theil desselben setzt seinen
Weg nach dem Gehirn weiter fort und wird als Empfindung dem
Bewusstsein übermittelt. Wird jedoch diesem Nebenstrom nach dem
Gehirn (ins Bewusstsein) durch bestimmte Bedingungen der Weg
vertreten, so wird dann der ganze Empfindungsstrom auf den
Bewegungsnerven reflectirt, und es kommen die Reflexbewegungen um so
leichter und lebhafter zu Stande. Beim Menschen sind diese
Bedingungen vorhanden, wenn die Aufmerksamkeit sehr lebhaft auf einen
ganz andern Punkt gelenkt, wenn während Schlaf und Ohnmacht das
Bewusstsein unzugänglich, oder endlich wegen krankhafter Störungen im
oberen Theil des Rückenmarks die Leitung nach dem Gehirn erschwert
ist. Am einfachsten und besten kann man
[Page 3]
diese Verhältnisse an Thieren künstlich erzeugen, indem man ihnen
durch Abschneiden des Kopfes das Gehirn völlig nimmt, was namentlich
bei Fröschen am leichtesten ausführbar ist.
Beim näheren Studium der Reflexbewegungen drängt sich besonders eine
interessante Thatsache unserer Beobachtung auf: dass sich nämlich
fast alle diese Bewegungen durch eine wunderbare Zweckmässigkeit
auszeichnen, indem sie zu dem veranlassenden Reize in bestimmte,
scheinbar vernünftige und überlegte Beziehungen treten, während ja
doch thatsächlich gerade Ueberlegung und Wille bei ihnen
ausgeschlossen sind. Die Reflexbewegung hat entweder die Entfernung
des verletzten Körpertheiles aus dem Bereich der Schädlichkeit oder
die Entfernung des reizenden Objectes von unserem Körper zum Zwecke.
Durch das Fortziehen der Hand entgehen wir der stechenden Nadel,
durch das Niesen entfernen wir den prickelnden Körper aus der Nase u.
s. w. Vorzüglich aber war am enthaupteten Frosch, an welchem nach dem
oben Gesagten die Reflexbewegungen viel leichter und vollständiger zu
Stande kommen, als bei Erhaltung des Gehirns, die Zweckmässigkeit
seiner Bewegungen so auffallend und frappant, dass sich unter den
Physiologen ein Streit darüber entspinnen konnte, ob nur das Gehirn
und nicht auch das Rückenmark des Frosches mit einer Seele begabt
sei. Namentlich neigte sich Professor Pflueger, der sich um das
Studium der Reflexbewegungen sehr verdient gemacht hat, der Ansicht
von der Seele im Rückenmark zu; während Professor Goltz, dem wir
nicht minder werthvolle Entdeckungen auf diesem Gebiet verdanken,
sein entschiedener Gegner Wurde.
Ich glaube, dass Goltz mit der Zurückweisung der Rückenmarksseele
völlig im Rechte ist, wenn es sich auch nicht leugnen lässt, dass die
Abwehrbewegungen des enthaupteten Frosches ganz täuschend dem Product
einer vernünftigen Ueberlegung gleichen; denn dieselben sind nicht
allein dem Orte, sondern auch der Form der Reizung angepasst: Kneife
ich den des Grosshirns beraubten Frosch mit einer Pincette, so
schlägt er mit der entsprechenden Pfote das Instrument zur Seite;
bestreiche ich seine Haut mit Essigsäure, so macht der Frosch alsbald
Wischbewegungen u. s. w. und wenn schliesslich alle diese
[Page 4]
Anstrengungen ohne Erfolg bleiben und der Reiz noch stärker ausgeübt
wird, kriecht oder springt das Thier davon. Aber noch mehr! nimmt man
dem Frosche durch Amputation des betreffenden der gereizten
Körperseite entsprechenden Beines oder dadurch, dass man dasselbe an
den Leib festnäht, die Möglichkeit, mit diesem die zuächst versuchten
Bewegungen auszuführen, so sehen wir, wie das Thier nach einigen
fruchtlosen Bemühungen das andere Bein zur Hülfe nimmt.
Ich kann mich leider hier nicht weiter auf diese interessanten und
vielfach complicirten Experimente einlassen und will nur noch
anführen, dass Goltz [1] diese letztgeschilderten modificirbaren
Bewegungen (als sogenannte Antwortsbewegungen) von den stets in
derselben Form verlaufenden einfachen _Reflex_bewegungen
unterscheidet. Zu diesen letzteren, die uns hier vorzugsweise
interessiren und für welche auch die oben angeführten Beispiele
gelten, gehört namentlich eine Zahl von krampfartigen Bewegungen,
sog. _Reflexkrämpfe_, die als Husten, Niesen, Lachen, Weinen (d. h.
Schreien und Schluchzen) und Gähnen allgemein bekannt sind. Es liegt
nahe, auch von diesen Bewegungen anzunehmen, dass sie einen
bestimmten, vernünftigen Zweck verfolgen, und so haben wir ja auch in
der That die Zweckmässigkeit des Niesens schon anerkennen müssen,
indem wir beobachteten, dass der durch die Nase getriebene heftige
Luftstrom offenbar die Aufgabe erfüllt, den die Schleimhaut reizenden
Körper hinauszuschleudern. Ganz ebenso sehen wir beim Husten durch
die gewaltsamen krampfartigen Athemstösse die Ausstossung von Schleim
und Staubpartikelchen aus der Luftröhre erfolgen. -- Es werden diese
Bewegungen nicht durch unseren Willen hervorgerufen (wenn derselbe
auch einen gewissen Einfluss auf sie ausüben kann), sie sind auch
ferner im Gegensatz zu den sog. „Antwortsbewegungen" (s. o.) nicht
modificirbar und verrathen ihr von der Ueberlegung unabhängiges
Auftreten z. B. dadurch, dass wir auch niesen, wenn ein Federbart
unsere Nase kitzelt, obschon doch voraussichtlich der Luftstrom beim
Niesen nicht Kraft genug haben würde,
[1] Beiträge zur Lehre von den Functionen der Nervencentren des
Frosches. Berlin 1869.
[Page 5]
ihn zu entfernen. Ebenso husten wir auch, wenn entzündliche oder
sonstige Neubildungen in der Schleimhaut der Luftröhre selbst
entstanden sind, welche durch die Hustenstösse nicht entfernt werden
können. Es beruhen die Reflexkrämpfe also so zu sagen auf einem
blindwirkenden Mechanismus, der durch die Organisation unseres
Nervensystems vorgebildet und wie Lotze [1] richtig bemerkt, so
einfach und zweckmässig ersonnen ist, dass der Mensch mit all seinem
Nachdenken ihn nicht erfinden würde: „Man frage Jemand, wie er es
anfangen würde, sagt Lotze, um einen fremden Körper aus der Luftröhre
zu entfernen? Er wird wahrscheinlich eher auf _Tracheotomie_
(Eröffnung der Luftröhre) rathen, als auf Husten." Die Natur sei
daher, fährt er fort, mit Recht misstrauisch gegen unseren
Erfindungsgeist gewesen und habe die Vertheidigung unserer Gesundheit
lieber dem Mechanismus als der Ueberlegung anvertraut. Wie wenig
Antheil unsere Seele an der zweckmässigen Einrichtung jener
Bewegungen habe, sehe man daraus, _dass wir dieselben oft gar nicht
begreifen, nachdem sie da sind_ (noch weniger natürlich sie erfinden
würden).
Dieser Ausspruch Lotze's veranlasste mich zu der Frage, ob wir denn
wirklich nicht im Stande sind, auch die übrigen der oben genannten
Reflexkrämpfe zu verstehen und in Bezug auf ihre Zweckmässigkeit in
ähnlicher Weise wie das Niesen und Husten zu erklären? Die Literatur
gab in der That nur wenig Ausbeute. Nur ein -- nach meinem Urtheil
jedoch nicht gelungener Versuch von Harless [2] liegt vor, auf den
ich später zurückkommen werde. -- Es liegt auf der Hand, dass eine
richtige Beantwortung und Lösung dieser Frage zunächst von grösstem
physiologischen Interesse sein muss. Das Interesse wird aber noch
ungemein gesteigert durch folgende Ueberlegung. Die angeführten
respiratorischen Reflexkrämpfe des Lachens, Weinens (in seinen beiden
Phasen als Heulen resp. Schreien und Schluchzen), sowie des Gähnens
werden nicht allein durch gewisse Einwirkungen auf bestimmte,
sensible Nerven, sondern auch
[1] Wagner's Handwörterbuch der Physiol. Bd. II. p. 195.
[2] Wagner's Handwörterbuch der Physiol. Bd. III. p. 585 Artikel
Temperament.
[Page 6]
durch gewisse psychische Zustände ausgelöst. Gelingt es nun, den
Zweck (und organischen resp. mechanischen Effect) jener Bewegungen,
sofern sie nach bekannter und experimentell zugänglicher Reizung
sensibler Nerven entstehen, ausfindig zu machen, so muss damit
unbedingt ein höchst interessantes Streiflicht auf die psychischen
Zustände fallen, welche dieselben Krampfbewegungen veranlassen. Es
muss sich zwischen der peripheren Nervenerregung mit ihrer Wirkung
und dem Affect eine Parallele ziehen lassen, durch welche wir in dem
sonst so dunklen Gebiet der Psychologie eine materielle Grundlage
gewinnen könnten.
Von diesem Gedanken ausgehend suchte ich in unsere Frage einzudringen
und war selbst überrascht durch die unerwarteten Resultate, die sich
mir ergaben, indem sich die oben angedeutete Parallele in eine
völlige, bis in's Kleinste gehende Uebereinstimmung verwandelte. --
Es zeigte sich, dass das Lachen in Folge des Kitzels einerseits, weit
entfernt etwas Zufälliges oder „angewöhnt Willkürliches" [1] zu sein,
vielmehr auf einer weisen Vorsorge der Natur beruhend, bestimmte
materielle Aufgaben erfülle, andererseits aber auch das Lachen über
komische Vorstellungen mit derselben Nothwendigkeit eintreten müsse,
indem das Komische bei seiner Einwirkung auf unser Gemüth
(physiologisch nachweisbar) dieselben organischen Veränderungen
hervorruft, wie der Kitzel. Ganz Aehnliches gilt vom Weinen (resp.
Schreien), sofern es durch körperlichen Schmerz und psychische
Rührung, vom Gähnen, sofern es durch körperliche Abspannung und
Langeweile entsteht. -- Die Methode der Untersuchung, die zu diesen
Resultaten führte, ist eine durchaus einfache, wie sich aus der
folgenden Darstellung ergiebt, in der wir uns zunächst nur mit dem
Lachen beschäftigen wollen.
[1] Harless l. c. p. 571.
[Page 7]
*A. Physiologischer Theil.*
*a. Der Kitzel.*
_Das Lachen_ aus körperlichen Ursachen wird durch den Kitzel
hervorgerufen. Der Kitzel besteht, wie eine einfache Beobachtung
ergiebt, aus einer Reihe schnell aufeinander folgender, oft
wiederholter, _ganz leiser_ Reizungen der Hautnerven.
Nach Schiffs [1] Angabe scheint die beständige Schwankung in der
Intensität des Reizes resp. die Intermission das Wesentliche zu sein.
Denn man erhält nach ihm die eigenthümliche Kitzelwirkung auch dann,
wenn man einen Menschen in schneller Folge an immer anderen
Hautstellen mit den Fingerspitzen ziemlich stark stösst. Soll es nun
unsere Aufgabe sein, die Zweckmässigkeit der durch diese Reizung
reflectorisch ausgelösten Lachbewegung nachzuweisen, so müssen wir
zunächst bei einem Vergleiche dieser letzteren mit den Reflexkrämpfen
des Hustens und Niesens hervorheben, dass eine directe Entfernung des
reizenden Objectes, wie es z. B. beim Niesen geschieht, durch das
Lachen nicht erzielt wird. Es wird diesem Zwecke durch andere
reflectorische Bewegungen genügt, in Folge derer wir zunächst
bestrebt sind, den gekitzelten Körpertheil dem Reize zu entziehen.
Wir müssen daher die Wirksamkeit des Lachens nach einer anderen
Richtung hin vermuthen. Es liegt dabei die Annahme nahe, dass diese
Krampfbewegung nicht direct mit dem Kitzel selbst, sondern erst
indirect mit einer durch den Kitzel hervor-
[1] Lehrbuch der Muskel- und Nerven-Physiologie. Lahr 1858-59 p. 225.
[Page 8]
gerufenen Veränderung im Organismus zusammenhänge. Deshalb erscheint
es nothwendig, zuvor die Frage zu erörtern, _welche Einwirkungen ein
Hautreiz, wie ihn der Kitzel darstellt, auf unsern Organismus
ausübt_.
Hierbei geben uns zunächst die sehr schätzenswerthen experimentellen
Untersuchungen von Dr. Oswald Naumann einen Fingerzeig, welcher, um
die Wirkung der Hautreizmittel kennen zu lernen, eine Reihe exacter
Versuche angestellt hat, die namentlich darauf ausgingen, den
Einfluss der Hautreize auf die Circulation festzustellen [1]. Er
richtete einen Frosch, den er durch Trennung der Wirbelsäule vom Kopf
getödtet hatte, derartig für das Mikroskop vor, dass er den
Blutkreislauf im Mesenterium (dem Dünndarmgekröse -- einer feinen
Haut, die den Darm überkleidet) gut beobachten konnte, unterband, um
bei den folgenden Versuchen jede directe Einwirkung auf das
Gefässsystem unmöglich zu machen, die Gefässe des einen Oberschenkels
und durchschnitt sodann unterhalb der Unterbindungsstelle alle Theile
dieses Schenkels, mit Ausnahme des Nervus ischiadicus (des Hüftnerven
-- der in seinen feinsten Endverzweigungen u. A. auch die Fusssohle
mit Tastnerven versieht), so dass der Thierkörper nur noch durch
letzteren mit dem Schenkel in Verbindung blieb. Reizte er nun die
Ausbreitungen des Hüftnerven (die Fusssohle) vermittelst des
galvanischen sog. Faradayschen Pinsels _mit einem im Verhältniss zur
Reizbarkeit des Thieres schwachen elektrischen Reiz_, so konnte er
unter dem Mikroskop eine entschiedene Beschleunigung des
Blutkreislaufs in den Gefässen des Mesenteriums, der Lunge und der
Schwimmhaut des unverletzten Froschschenkels, sowie _eine deutliche
Verengerung jener Gefässe_ beobachten. Da diese Erscheinung sich in
den verschiedensten sowohl von einander als auch von der Stelle des
Reizes entfernten Gefässprovinzen nachweisen liess, so kann man wol
mit ziemlicher Sicherheit schliessen, dass durch jenen Hautreiz
überhaupt das ganze Gefässsystem in der gedachten Weise in
Mitleidenschaft gezogen wird. Bei Wiederholungen dieser Versuche an
der Flughaut lebender Fledermäuse und
[1] Untersuchungen über die physiologischen Wirkungen der
Hautreizmittel. Prager Vierteljahrschrift 1863. I. Bd. p. 1 ff.
[Page 9]
endlich vermittelst eines eigens construirten, einfachen
Sphygmographen (Pulsmessers) an der Arteria tibialis postica
(hinteren Schienbeinpulsader) des Menschen konnte N. dieselben
Thatsachen constatiren, die sich in gleicher Weise ergaben, wenn er
statt des galvanischen Pinsels andere _leichte_ Hautreize wie
Senfspiritus _im ersten Stadium der Einwirkung_, Eintauchen in warmes
Wasser etc. anwendete. Immer erhielt er als Resultat eine allgemeine
Verengerung der Blutgefässe. Machen wir uns, ehe wir weiter gehen,
das gewonnene Resultat klar.
Wir haben in Folge des leisen Reizes sensibler Nerven eine
Verengerung der Blutgefässe an fernliegenden Organen beobachtet, und
es wird diese Erscheinung nach dem Eingangs Gesagten offenbar als
eine Reflexwirkung, d. h. als ein directes „Umsetzen" des
Empfindungsreizes in eine Bewegung aufgefasst werden müssen. Die hier
in Thätigkeit gezogenen Muskeln sind die Ringmuskeln der Gefässe,
welche bei ihrer Zusammenziehung eine Verengerung des Gefässrohres
verursachen und die jene Muskeln versorgenden Nerven, auf welche die
Empfindung reflectirt ist, sind die sog. vasomotorischen Nerven,
welche zum grössten Theil im Grenzstrange des Nervus sympathicus (der
ausserdem namentlich noch die Pupille sowie verschiedene innere
Organe versorgt) verläuft. Wir haben es hier also mit einer
Reflexreizung des Nervus sympathicus zu thun, denn wir beobachten
dieselben Erscheinungen, die wir sonst nach directer Reizung dieses
Nerven auftreten sehen, d. h. zunächst Verengerung der Gefässe,
namentlich der an glatten Muskelfasern reicheren _kleinen_ Arterien.
Für stärkere Hautreize ist es durch Nothnagels, Heidenhains u. a.
Untersuchungen ebenfalls experimentell nachgewiesen worden, dass sie
eine reflectorische Reizung des Sympathicus und in specie auch eine
Verengung der Gefässe der weichen Hirnhaut zur Folge haben. -- Es
fragt sich aber, ob auch ein so leichter und vorübergehender Hautreiz
wie der Kitzel den Sympathicus reflectorisch erregen kann? Um diese
Frage experimentell zu entscheiden, schienen mir die Versuche an
Thieren weniger geeignet, weil wir bei diesen eine specifische
Wirkung des Kitzels (dem Lachen des Menschen entsprechend) nicht
kennen. Nun bietet sich aber zur Veranschaulichung der
[Page 10]
geschehenen Sympathicus-Reizung beim lebenden Menschen ein sehr
bequemes und leicht zugängliches Beobachtungsobject in der Pupille
dar. Ich erwähnte schon oben, dass der Nervus sympathicus ausser der
Gefässmusculatur auch den Erweiterungsmuskel der Pupille versorgt.
Eine Reizung des Sympathicus (gleichviel ob directe oder
reflectorische) hat neben der Verengerung der Gefässe eine
Erweiterung der Pupille zur Folge. Umgekehrt können wir in der Regel
aus einer nach einem bestimmten (wenn nicht gerade nur localen)
Eingriff eintretenden Pupillenerweiterung auf eine geschehene
Sympathicusreizung und damit Hand in Hand gehende Verengerung der
Gefässe zurückschliessen. Um nun also nachzuweisen, dass beim Kitzel
wirklich auch eine Reizung des Nerv. symp. stattfindet, stellte ich
folgendes höchst einfache und leicht von Jedermann zu wiederholende
Experiment an.
_Man kitzelt mit einem Federbart oder Pinsel die Versuchsperson,
welche mit ihren Augen einen Punkt unveränderlich fixiren muss, an
einer besonders reizbaren Stelle_ (Ohr, Volarseite des Vorderarms
oder Fusssohle) _und beobachtet dabei die Pupillen, nachdem man sich
vorher von der Weite derselben und den oft auch normaler Weise mit
den Phasen der Respiration eintretenden Schwankungen eine Zeitlang
überzeugt hat. Unmittelbar nach erfolgtem Kitzel sieht man eine zwar
geringe, aber ganz deutlich constatirbare schwankende Erweiterung der
Pupillen_. Bei jungen, reizbaren Subjecten gelingt das Experiment
fast immer und versagt nur nach öfterer Wiederholung, wobei aber auch
gleichzeitig nach Angabe der betreffenden Person die Empfindlichkeit
für den Kitzel abgenommen hat. Bei älteren Personen, deren Pupillen
überhaupt träge reagiren, sah ich die Wirkung öfter ausbleiben.
Wir können aus diesem Experiment also den Schluss ziehen, dass der
Kitzel eine reflectorische Reizung des Sympathicus zur Folge hat und
somit auch die für leichte Hautreize schon von Naumann constatirte
Verengerung der Gefässe nach sich zieht. Entsprechend der dem Kitzel
eigenthümlichen unterbrochenen Reizung sehen wir ein Schwanken in der
Erweiterung der Pupille und dürfen demnach auch eine schwankende
Verengerung der Gefässe erwarten.
[Page 11]
Da nun, wie schon gesagt, die oben genannten Veränderungen der
Gefässe sich besonders deutlich an den mit glatten Muskelfasern
reichlicher versehenen kleineren Arterien markiren müssen, so werden
natürlich vor Allem die Organe, die sich besonders durch ihren
grossen Reichthum an kleineren Arterien auszeichnen, vorzüglich davon
betroffen werden -- so _namentlich das Gehirn_. Es ist aber eine
bekannte Thatsache, dass Circulationsveränderungen gerade im Gehirn
unter Umständen von grosser Bedeutung sind, namentlich wenn sie, wie
hier, plötzlich eintreten. Dass dabei die in kurzen Intervallen
wiederholte Reizung und daher entstehende nicht unbeträchtliche
Schwankung (Ab- und Zunahme) im Tonus der Gefässe die daraus etwa
entstehenden Gefahren noch vergrössert, leuchtet ein. Ist es schon an
sich Jedem aus eigner Erfahrung gegenwärtig, dass länger dauerndes
Kitzeln einer besonders empfindlichen Hautstelle keinen
gleichgültigen Eingriff auf das Centralnervensystem ausübt, so dürfte
die Thatsache, dass man zur Zeit der Inquisition Leute zu Tod
gekitzelt hat, unseren Betrachtungen noch mehr Gewicht verleihen. Der
Grund, weshalb gerade das Gehirn durch Druckschwankungen so besonders
gefährdet ist, liegt einerseits in der grosen Zartheit und
Verletzlichkeit dieses edelsten aller Organe, zweitens aber in dem
Umstande, dass das Gehirn, in der völlig abgeschlossenen starren
Schädelkapsel gelegen, nicht wie andere Organe einem vermehrten
Gefässdruck ausweichen kann, sondern durch denselben offenbar eine
Compression seiner Elemente erfahren müsste, während umgekehrt bei
negativen Schwankungen im Gefässsystem eine plötzliche nicht minder
gefährliche Druckentlastung eintreten würde. Die Grösse der hieraus
zu fürchtenden Gefahr kann man am besten daraus ermessen, dass die
Natur bei der Organisation des Gehirns gerade für diesen Fall nicht
durch _eine_, sondern durch eine ganze Reihe von Schutz- und
Sicherheitsmaassregeln Vorsorge getroffen hat. Zunächst ist durch die
grosse Geräumigkeit des Venensystems innerhalb der Schädelhöhle der
Abfluss des Blutes ungemein erleichtert worden, wodurch bei
zunehmendem Blutdruck ein schnellerer Ausgleich ermöglicht wird,
während umgekehrt bei abnehmendem Druck ein Rückstauen des
Venenblutes zur Ausfüllung des Fehlenden leicht zu Stande kommen
[Page 12]
kann, weil den Venen innerhalb des Gehirns die sonst in ihnen
vorhandenen Klappen fehlen. Einen weiteren Schutz gewährt die von
Hyrtl [1] besonders beschriebene Gefässverbindung, in Folge deren die
Venen des Gehirns mit denen des Rückenmarks in einem alternirenden
Füllungsverhältniss stehen. Am wichtigsten aber ist das zuerst von
Magendie in seiner Bedeutung gewürdigte eigenthümliche Verhalten des
sog. liquor cerebrospinalis. Diese Flüssigkeit, zwischen den beiden
weichen Häuten (Arachnoidea und Pia mater), welche Gehirn und
Rückenmark umhüllen, eingeschlossen, hat eben den Zweck, bald durch
Zurückweichen in den Arachnoidalsack des Rückenmarks bei gesteigertem
Gefässdruck im Gehirn, bald durch Zuströmen in die Schädelhöhle bei
vermindertem Druck, die drohenden Schwankungen auszugleichen und
dadurch einen wie Magendie sich ausdrückt für die Aufrechterhaltung
der Gehirn- und Rückenmarksfunctionen nothwendigen mittleren
Compressionszustand zu sichern (un certain degré de compression
indispensable à l'accomplissement régulier des fonctions des centres
nerveux).
Es fragt sich nun, ob die eben genannten Mittel ausreichend sind, um
die Druckschwankungen, denen das Gehirn durch die beim Kitzel
auftretende Veränderung an den Gefässen ausgesetzt ist, zu
compensiren.
Um diese Frage zu entscheiden, müssen wir noch genauer untersuchen,
wie sich der auf dem Gehirn lastende Druck während der eben
beschriebenen Veränderungen am Circulationsapparat verhält.
Wir haben es in Folge des Kitzels mit einer Reizung des Sympathicus
zu thun; dieselbe führt, wenn sie einen gewissen Grad erreicht, eine
entschiedene Verengerung der Gefässe herbei; in den geringeren Graden
der Sympathicusreizung aber, wie wir sie bei dem gewöhnlichen leisen
Kitzel annehmen müssen, wird als entschieden wesentlicheres Symptom
neben einer leichten Verengerung der Gefässe, eine vermehrte Spannung
in der Muskulatur der Gefässwand hervortreten. Diese plötzliche
Vermehrung des sog. Gefäss-Tonus muss aber, selbst wenn sie ohne
Verengerung der Gefässe auftreten könnte, an sich eine
[1] Handbuch der topogr. Anat. Wien 1857. I. p. 97.
[Page 13]
bedeutende Einwirkung auf den Compressionszustand des Gehirns
entfalten; denn der Druck, welchen das in den Gefässen fliessende
Blut auf das Gehirn ausübt, ist durchaus nicht gleich der Spannung,
welche das Blut innerhalb des Gefässrohres besitzt. Es wird vielmehr
durch die tonisch gespannte Gefässwand ein bedeutender Theil des
Blutdrucks von der Gehirnmasse abgehalten, gewissermaassen parirt. Je
stärker der Tonus der Gefässwand wird, um so grösser ist die
Druckentlastung, welche die Gehirnmasse erfährt. -- Jene oben
genannten mechanischen Compensationsmittel, welche alle nur auf eine
Vermehrung resp. Verringerung der Blutfülle berechnet sind, würden
allein nicht im Stande sein, die beim Kitzel in Folge des
gesteigerten Gefässtonus herbeigeführten Druckschwankungen
auszugleichen.
Gegen die von dieser Seite her drohenden Gefahren ist aber ein
anderer besonderer Schutzapparat in Thätigkeit gesetzt, dessen
Wirkung in jeder Beziehung der Leistung jener oben beschriebenen
Mechanismen gleichkommt und mit ihnen in wohlberechtigte Concurrenz
tritt; es ist dies die in verschiedener Richtung hin thätige,
modificirbare Kraft der Respiration. Es ist ja anderweither bekannt,
welch gewaltigen Einfluss die Athmung auf den Blutkreislauf ausübt
und wenn auch bei ruhiger, oberflächlicher Respiration durch die
dabei mitspielenden verwickelten Verhältnisse die verschiedenen
Wirkungen der Aus- und Einathmung auf die Arterien und Venen sich
ziemlich ausgleichen und aufheben, so finden doch bei forçirten
Athmungsbewegungen und _namentlich, wenn die freie Respiration irgend
behindert ist_, sehr wesentliche Veränderungen der
Kreislaufsverhältnisse statt. -- Bei der Einathmung wird durch das
Herabtreten des Zwerchfelles und das Heben der Rippen der Brustraum
erweitert und der Inhalt desselben, d. h. also Lungen, Herz und die
zu und von ihm führenden grossen Gefässe unter einen geringeren Druck
gesetzt. Zur Ausgleichung desselben strömt erstlich die äussere
atmosphärische Luft in die Lungen und dehnt dieselben aus; zweitens
wird aber auch zugleich das Blut von den grossen Gefässen nach dem
Herzen angesogen und dadurch einerseits zwar die Fortbewegung des
Blutes in den Arterien etwas gehemmt, dagegen aber andererseits in
viel höherem Maasse in den Venen (deren viel dünnere Wandungen
[Page 14]
der negativen Druckschwankung bedeutend zugänglicher sind) die
normale Blutbewegung nach dem Herzen zu wesentlich begünstigt und
beschleunigt. Bei der Ausathmung aber greifen die umgekehrten
Bedingungen Platz; durch Hinabsinken der Rippen und Hinaufdrängen des
Zwerchfells wird der Brustraum verkleinert und ein beträchtlicher
Druck auf seinen Jnhalt ausgeübt. Deshalb entweicht die Luft aus den
Lungen durch die Luftröhre; gleichzeitig aber wird in Folge derselben
Ursache der Abfluss des Venenblutes, in der Richtung zum Herzen,
wesentlich erschwert, ein Kreislaufhinderniss, das durch die geringe
Begünstigung, welche die Circulation in den Arterien vermittelst
dieses Zuschusses an Druckkraft erfährt, doch nicht ganz ausgeglichen
wird. Namentlich bei sehr heftigen und noch dazu durch vollständigen
oder auch nur theilweisen Verschluss der Stimmritze (wie er z. B. zur
Tonerzeugung beim Lachen nothwendig ist) bedeutend gesteigertem
Exspirationsdruck wird der Rückfluss des Blutes nach dem rechten
Herzen sehr bedeutend gehemmt. Die erste Folge davon ist ein
Zurückstauen des Blutes in die dem Herzen am nächsten gelegenen
Venen, und so sieht man namentlich auch an den grossen
Halsblutleitern (Venae jugulares) eine beträchtliche Ausdehnung und
pralle Spannung. Es ist klar, dass diese Ueberfüllung mit Venenblut
sich auch nach dem Gehirn weiter fortsetzen muss, da ja auch von hier
aus der Abfluss gehindert ist.
Dadurch wird aber natürlich ein bedeutender Druck auf das Gehirn
ausgeübt, indem das Blut weiterhin auch aus den Gehirnarterien
schwieriger abfliessen kann und gezwungen ist, dieselben auszudehnen.
Durch die directen Versuche von Donders [1] zeigte sich bei
Steigerung des Exspirationsdruckes, dass ein Gehirngefäss von 0,04
Mill. Durchmesser auf 0,14 und eines von 0,07 auf 0,16 erweitert
wurde.
Erinnern wir uns nun, dass wir als Wirkung des Kitzels eine
reflectorische Sympathicusreizung mit folgender plötzlicher
Verminderung des auf das Gehirn wirkenden Blutdruckes annehmen
mussten, so werden wir nicht anstehen, in den forcirten
[1] Vgl. Virchow, Handbuch der speciellen Pathologie und Therapie.
Erlangen 1854. Bd. 1. p. 111.
[Page 15]
Ausathmungsbewegungen, die ja, wie wir eben sahen, den Gehirndruck
steigern, ein souveraines Mittel zu erkennen, um den in Folge des
Kitzels drohenden Gefahren entgegenzuwirken. Und in der That sehen
wir, dass die Natur mit selbstwirkendem Mechanismus sich wirklich
dieses Mittels bedient; denn was ist das Lachen anders, als eine
rhythmisch unterbrochene äusserstforcirte, durch die damit verbundene
Tonbildung erschwerte Ausathmung? Wenn wir einen heftig Lachenden
ansehen, so fällt uns ja sofort das blau-geröthete Gesicht und das
starke Hervorquellen der Halsvenen auf, welche die vermehrte
Blutfülle in den venösen Gefässen kennzeichnet, die sich auch nach
dem Gehirn fortpflanzen muss. Wir dürfen somit, das Resultat unserer
Untersuchung zusammenfassend, _das Lachen als eine zweckmässige
Reflexbewegung ansehen, welche die Aufgabe erfüllt, die durch den
Kitzel verursachten negativen Druckschwankungen im Gehirn durch eine
entsprechende Drucksteigerung zu compensiren_.
Als nicht unwesentliche Stütze für diesen Satz dient das interessante
Zusammenzutreffen der Intermission sowohl des Reizes wie auch der
Exspirationsbewegungen. Sehen wir als wesentliches Charakteristicum
des Kitzels die fortwährende Unterbrechung und Schwankung des
Hautreizes an, so erkennen wir ganz dem entsprechend im Lachen eine
rhythmisch intermittirende Ausathmungsbewegung, und wenn es sich auch
nicht feststellen lässt, dass jedem einzelnen Hautreiz ein einzelner
Exspirationsstoss entspricht, so ist die allgemaine Uebereinstimmung
doch auffällig genug, namentlich wenn wir dieselbe mit den beim
Schreien aus Schmerz stattfindenden Verhältnissen zusammenstellen. --
Der körperliche Schmerz ensteht durch eine stärkere und in ihren
Wirkungen anhaltendere Reizung sensibler Nerven und ruft nach
Nothnagels und Pflügers Beobachtungen einen anhaltenden Gefässkrampf,
eine starke ununterbrochene Verengerung der Gefässe hervor, die aber
(wie auch Naumanns weitere Versuche beweisen) nach kürzerer oder
längerer Zeit in eine Gefässlähmung und dem entsprechende mehr oder
minder bedeutende Erweiterung der Gefässe übergeht. Dem ersten
Stadium der _ununterbrochenen_ Gefässverengerung entspricht nun das
Schreien als eine _ununterbrochene_ Exspirationsbewegung
[Page 16]
mit demselben Zwecke wie das Lachen [1]. Dem zweiten Stadium der
Gefässlähmung, welches also gerade die entgegen gesetzten
Veränderungen des Gehirndruckes d. h. eine Steigerung desselben zur
Folge haben muss, entspricht das zweite Stadium des Weinens, das sog.
Schluchzen, welches als forcirte Inspirationsbewegung nach dem oben
Gesagten den Druck im Gehirn herabsetzt. --
*b. Das Komische.*
Es ist uns also gelungen für das Lachen, insofern es durch den Kitzel
verursacht wird, eine physiologisch-anatomische Begründung
nachzuweisen. Nach dem oben Gesagten haben wir damit zum Mindesten
(wenn eine directe Uebertragung nicht gestattet ist) einen deutlichen
Fingerzeig erhalten, nach welchem Ziele wir bei Untersuchung des
Lachens, sofern es in Folge des Komischen entsteht, zu streben haben.
Es lässt sich von vornherein vermuthen, dass bei Einwirkung des
Komischen dieselben physiologisch-anatomischen Veränderungen
eintreten werden, wie nach dem Kitzel, das heisst eine
intermittirende Contraction der Gehirngefässe als Folge einer
intermittirenden Sympathicusreizung. Das Experiment, das wir zur
Bestätigung der geschehenen Sympathicusreizung beim Kitzel
anstellten, ist beim Komischen aus leicht begreiflichen Gründen
schwer auszuführen. Wenn man Jemandem etwas Komisches erzählt, hält
derselbe doch in der Regel seine Augen nicht auf einen Punkt fixirt
und wir können die Pupillen nicht genau beobachten; andererseits hört
die komische Wirkung meist auf, wenn der Betreffende sich beobachtet
fühlt. Dennoch ist es mir nach vielen vergeblichen Versuchen in
einigen Fällen gelungen, eine genaue Beobachtung zu machen und konnte
ich in der That als Wirkung des Komischen eine deutliche Erweiterung
der Pupillen constatiren.
Es muss aber möglich sein, noch auf einem andern Wege
[1] Hieraus erklärt sich u. A. die auffällige Thatsache, dass das
Schreien oder auch Stöhnen (welches ebenfalls ein Exspiriren bei
theilweise geschlossener Stimmritze darstellt) bei körperlichem
Schmerz wirklich eine Erleichterung verschafft.
[Page 17]
dasselbe Resultat, wenn es ein wirklich richtiges ist, festzustellen,
nämlich durch eine unbefangene psychologische Betrachtung des
Komischen, durch eine Zerlegung desselben in seine etwaigen einzelnen
Factoren und Untersuchung, welche Wirkung diese auf den Organismus
ausüben. Für die Art und Weise, wie solche Untersuchungen ausgeführt
werden müssen, kann die treffliche Arbeit Dommrichs [1] als Muster
angesehen werden. In Bezug auf das Lachen ist D. freilich zu keinem
Resultat gekommen. Er sagt: „Wie das spielende Vergleichen
contrastirender Vorstellungen nun gerade diese Gruppe motorischer
Nerven auslöst, ist schliesslich ebensowenig zu begreifen, als warum
dies gekitzelte sensible Hautnerven thun." Auch Harless hat sich, wie
schon oben erwähnt, mit dem Lachen aus psychischer Ursache
beschäftigt. Er lässt dasselbe einfach aus dem Lustgefühl hervorgehen
-- was, wie wir später sehen werden, durchaus nicht richtig ist --
und erklärt den organischen Zusammenhang in folgender Weise: Er sagt:
Das Lustgefühl verlangt oder erleichtert und unterstützt jede
organisch geforderte Bewegung (?); die von der Natur geforderte
active Bewegung ist aber die Einathmung. (?) Es wird also beim
Lustgefühl die Inspiration mit der grössten Leichtigkeit vollzogen,
aber in der Exspiration, weiche eine ruhige Erschlaffung der
Thoraxmuskeln und des Zwerchfelles erheischt, setzt sich die durch
die Inspiration eingeleitete Contraction noch fort und geräth daher
in Conflikt mit der jetzt organisch geforderten Erschlaffung, was
sich in auf und abgehenden Excursionen am Zwerchfell um so leichter
abspiegeln wird, als dieser Muskel bei Weitem die geringsten Massen
und den grössten Spielraum, und an den Bauchmuskeln keine energischen
Antagonisten hat.
Es ist nicht schwer einzusehen, dass diese Erklärung in keiner Weise
zutrifft. Abgesehen von der mindestens nicht bewiesenen Prämisse,
dass das Lustgefühl jede organisch verlangte Bewegung erleichtert,
und der alleinigen Anwendung dieses Satzes gerade nur auf die
Inspiration, scheint es mir unzweifelhaft, dass wir beim Lachen
gerade keine erleichterte Inspiration, sondern eher eine erschwerte,
beobachten und dass wir
[1] Die psychischen Zustände, ihre organische Vermittlung etc. Jena
1849.
[Page 18]
dasselbe vielmehr als eine gesteigerte, forçirte Ausathmungsbewegung
(durch Contraction der Bauchmuskeln etc. verursacht) ansehen müssen,
die beim starken Lachen sogar bis zum äussersten Punkt geht, bis man
nicht weiter ausathmen kann. Die Inspiration ist wegen des
bedeutenden zeitlichen Ueberwiegens der Exspiration (gerade im
Gegensatz zu Harless' Behauptung) eine sehr hastige, überstürzte und
gerade dieses Moment prägt dem Gesicht des Lachenden den ihm
eigenthümlichen _mimischen Ausdruck_ auf.
Bei der Hast, mit welcher wegen sofort wieder drohender Exspiration
die Einathmung geschehen muss, werden sämmtliche inspiratorische
Hilfsmuskeln, auch die des Gesichtes, in Thätigkeit gesetzt, ähnlich
wie bei Erstickungszufällen. („Vor Lachen ersticken"). Nicht allein
der Mund steht offen und wird durch die Contraction der MM.
zygomatici, levatores labii superior. propr. etc. möglichst
vergrössert, sondern auch die Nasenflügel sind durch Betheiligung der
MM. levatores alae nasi in ihre inspiratorische Stellung versetzt. Es
ist diese letztere Thatsache von um so grösserer Bedeutung, als, wie
Piderit sehr richtig nachgewiesen hat, der Hauptunterschied zwischen
dem lachenden und weinenden Gesicht gerade darin besteht, dass beim
lachenden die Nasenflügel in die inspiratorische Stellung versetzt,
d. h. gehoben, beim weinenden dagegen durch den depressor alae nasi
herabgezogen sind.
Wir kehren nach diesen Zwischenbemerkungen zu unserem Hauptthema
zurück und wenden uns, zunächst ganz ohne Rücksicht auf das bisher
Behandelte, zu einer psychologischen Entwicklung des Komischen.
[Page 19]
*B. Psychologie des Komischen.*
Komisch oder lächerlich nennen wir diejenigen Dinge, Situationen oder
Aeusserungen, welche in uns den Affect des Lachens erregen. Wenn wir
zunächst ein allgemeines Urtheil fällen sollen, so werden wir wol
nicht anstehen, jenen Affect als einen angenehmen zu bezeichnen, und
wir könnten uns daher leicht zu dem weiteren Schlusse versucht
fühlen, dass das Komische selbst sich als etwas _durchaus_
Angenehmes, unserem Gefühl _durchweg_ Zusagendes charakterisiren
liesse. Dieser Schluss wäre aber ein falscher; denn wenn wir an
Beispielen dem Inhalt des Komischen nachforschen, so springt uns
gerade umgekehrt bei Allem was unser Lachen erregt, zunächst eine
Vorstellung ins Auge, welche etwas _Unangenehmes_, unserem Gefühl
_nicht Zusagendes_ enthält. Schon Aristoteles hat diese Thatsache
richtig erkannt und bezeichnet in der Definition des Komischen, die
er in seinem Buche peri poiêikês [1] mit kurzen Zügen entwirft,
dasselbe als etwas Fehlerhaftes, Hässliches, Ungereimtes (hamartêma
ti kai aischos) mit der Einschränkung, dass es nicht schmerzhaft und
schädlich sein dürfe. (anôdunon ou phthartikon.) Er führt als
Beispiel ein verzogenes und hässliches Gesicht an, das uns dann
lächerlich erscheine, wenn wir darin nicht gleichzeitig den Ausdruck
des Schmerzes bemerken.