kaufmännischer Gepflogenheit die Gläubiger mit einem gewissen
Prozentsatz abfinden solle, und ohne die ihm bereitwilligst gebotene
finanzielle Hilfe anzunehmen, gab er sein Wort, die Schulden innerhalb
4 Jahren bei Heller und Pfennig abzutragen. Er hat diese Ehrenpflicht
glänzend erfüllt.
Es war ein Riesenwerk. Um es zu vollbringen, unternahm er eine
Vorlesungstour, die ihn zuerst durch den Norden der Vereinigten Staaten
und dann rund um die Erde führte. Nur die moralische Notwendigkeit,
jene Schulden zu bezahlen, veranlaßte ihn, jahrelang auf Ruhe und
Behagen zu verzichten; denn das anstrengende Reisen machte ihm in
seinem Alter kein Vergnügen mehr.
Aber das Opfer ist nicht vergeblich gewesen. Schon die freundliche
Aufnahme und das herzliche Wohlwollen, welches ihm allenthalben bezeugt
wurde, gewährte Mark Twain hohe Befriedigung und einen persönlichen
Gewinn, der ihm ebenso wichtig war wie die Einnahmen, welche seinen
Gläubigern zugute kamen. Zuerst ging er nach Australien. In jeder
Stadt erfreute sich der beliebte Redner und Schriftsteller des
wärmsten Empfanges; seine Reise glich einem Triumphzug durch das ganze
Land. Großen Erfolg hatte er auch bei den Rajahs in Indien, und die
dortigen englischen Bewohner zeigten sich unermüdlich in den Beweisen
von Verehrung und Bewunderung, mit denen sie ihn überhäuften. Nicht
minder angenehm waren die Erfahrungen, welche Mark Twain bei seinem
Besuch in Südafrika machte. Er sah sich im Rückblick auf so viele
hochinteressante Erlebnisse fast veranlaßt, das Mißgeschick zu preisen,
das ihn genötigt hatte, jene wunderbaren Länder aufzusuchen.
Nach Europa zurückgekehrt, ließ sich Clemens zuerst in London nieder,
wo er ein Haus in Chelsea mietete. Dort schrieb er seine ›_Reise um
die Welt_‹, in welcher er den reichen Stoff, den er gesammelt hatte,
litterarisch verwertete. Das Buch (1898 in deutscher Uebersetzung im
Verlag des Herausgebers der vorliegenden Sammlung erschienen) bietet
neben den bekannten Vorzügen des unvergleichlichen Humoristen eine
Fülle von kulturgeschichtlicher Belehrung, so daß uns Mark Twain hier
zugleich als ernster, gediegener Schriftsteller entgegentritt; immer
wieder aber zuckt sein köstlicher Humor oft blitzartig durch alle
Erzählungen und Beschreibungen hindurch, wo es der Leser am wenigsten
erwartet.
Nach Vollendung seiner ›Reise um die Welt‹ ruhte er sich im vorigen
Sommer einige Monate in der Schweiz aus und siedelte dann im Herbst
1897 mit seiner Familie nach Wien über, wo er noch heute lebt. Der
dortige Aufenthalt gilt hauptsächlich der musikalischen Ausbildung
seiner Tochter Clara unter der Leitung des berühmten Meisters
Leschetitzky. Seine älteste Tochter Susie hatte Mark Twain das Unglück,
vor einigen Jahren zu verlieren, nachdem sie eben ihre Ausbildung als
Gesangskünstlerin beendet hatte: der herbste Schicksalsschlag, der
bis dahin den Vater getroffen. In Wien fand Mark Twain die einem so
hervorragenden Gaste gebührende Aufnahme. Bald nach seiner Ankunft
veranstaltete der Schriftsteller- und Journalistenverein ›Concordia‹
Mark Twain zu Ehren eine Festkneipe, bei welcher er zur allgemeinen
Ueberraschung als Redner in deutscher Sprache auftrat. Er versicherte
der Versammlung mit drolligem Ernste, es sei stets der Traum seines
Lebens gewesen, ein Reformator der edlen deutschen Sprache zu werden.
Daß es hauptsächlich die langen Wörter und Sätze, sowie die trennbaren
Zeitwörter waren, gegen die er zu Felde zog, darüber wird niemand in
Zweifel sein, der seinen gelungenen Aufsatz über die ›_Schrecken der
deutschen Sprache_‹ (Bd. VI, S. 79) gelesen hat.
Daß Mark Twain unter allen Nationen, mit denen er auf seinen Reisen in
näheren Verkehr getreten ist, der deutschen den Vorzug giebt, beweist
er schon dadurch, daß er sich oft und mit Vorliebe unter den Deutschen
niedergelassen hat. Der ernste Fleiß und die Gründlichkeit ihres Wesens
haben für ihn, seinem ganzen Charakter nach, die größte Anziehung.
So kann es denn auch nicht fehlen, daß die Deutschen ihm und seinen
Werken überall die freundlichste Aufnahme bereiten und er sich auch bei
uns allgemein einer Beliebtheit erfreut, wie sie ein Schriftsteller bei
Lebzeiten nur selten genießen darf. Er hat unserm sorgenvollen, ernsten
Geschlecht so viele harmlos frohe Stunden bereitet, daß wir ihn getrost
einen Wohlthäter der Menschheit nennen dürfen.
_Stuttgart_, November 1898.
Verlag von _Robert Lutz_ in _Stuttgart_
Fritz Reuters Meisterwerke
Hochdeutsche Ausgabe
Herausgegeben von ~Dr.~ _Heinrich Conrad_
6 Bände ~à~ M. 1.20 broschiert, M. 1.80 i. Lwd. geb.
Jeder Band einzeln käuflich
_Inhalt_: Bd. 1. Aus der Franzosenzeit. -- Wie ich zu einer Frau kam.
-- Bd. 2. Aus meiner Festungszeit. -- Bd. 3--5. Aus meiner Stromzeit.
-- Bd. 6. Dörchläuchting.
_Einige Urteile_:
_J. V. Widmann urteilt_: »Schon nach den ersten Kapiteln der
»Franzosenzeit« war ich mir darüber klar, daß ein bisher im engern
Verschluß der Mundart gehaltenes Meisterwerk nun _durch diese
Übertragung in die Schriftsprache den Charakter eines_
_Nationalgeschenkes für Deutschland_
erhalten hat.«
_Kölnische Volkszeitung_: »Diese Übertragung, _die übrigens nicht
vor dem Dialog Halt macht_, sondern auch diesen _verständigerweise
hochdeutsch wiedergibt, zeigt einen Übersetzungskünstler_, der im
Stil und der Redeweise der Personen jene Nüancierung der Formen
anzuwenden weiß, die auch dem Hochdeutschen gar wohl eigen ist und dem
Vorgebrachten _ein charakteristisches Kolorit_ verleiht.«
_»Dienet einander« (~Dr.~ W. Rathmann)_: »_Die vorliegende hochdeutsche
Ausgabe macht Reuters Werke erst zum Besitz der ganzen Nation._
Die Verlagshandlung verbindet die gute Ausstattung in großem Druck
auf holzfreiem Papier mit einem so _billigen Preise_, daß auch die
_kleinste Bibliothek_ die geringen Kosten nicht scheuen darf.«
W. W. Jacobs
Seemannshumor
Geschichten und Schwänke von der Wasserkante
=I. Band=: 13 Erzählungen. -- =II. Band=: 15 Erzählungen.
Jeder Band ist einzeln käuflich
zu M. 2.50 broschiert; M. 3.50 in Lwd. gebunden.
Einige Urteile:
Hamburger Nachrichten: »Es herrscht hier _ein wirklicher,
behaglicher Humor_, voll der tollsten Einfälle und reger
Phantasie. Echt und frisch sind die wetterharten Gestalten
gezeichnet. _Es kichert und lacht_ in und zwischen den
Zeilen.«
Intern. Literaturberichte: »Wer einmal recht herzlich lachen
will, mag getrost zu Jacobs Seemannshumor greifen.«
Nordd. Allg. Zeitung: »Jede einzelne der Erzählungen ruft
herzliches Lachen hervor.«
Deutsche Tageszeitung: »Die Geschichten zeugen von einem _ganz
prächtigen, urwüchsigen Seemannshumor_.«
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
Unterschiedliche Schreibweisen im Original wurden beibehalten. Die
Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.
Korrekturen:
S. 118: scherzhafte → herzhafte
ihrer Erholung auf so {herzhafte} Weise
S. 162: erledigten → entledigten
womit wir uns ihrer {entledigten}
S. 194: Anzahl → Unzahl
Eine {Unzahl} Skizzen müssen fertig werden