Als diese glückliche Nacht, die voll von Anzeichen des Sieges war,
endete, brach ein Tag an, der in der Geschichte dieses Krieges
entscheidend werden sollte. Im Schlosse erwartete man eine große
Kraftanstrengung der Türken. Bei Sonnenaufgang vernahm man auch
wieder die Minenarbeit links vom Schlosse so laut und kräftig wie nie
bisher. Die Türken bohrten offenbar in großer Eile eine neue Mine, die
mächtigste von allen. Große Heeresabteilungen bewachten die Arbeit.
Auf allen Verschanzungen wurde es lebendig; aus der Menge der bunten
Sandschaks, die von Dluschek her wie ein Blumenfeld sichtbar wurden,
sah man den Vezier selbst heranreiten, um den Sturm zu leiten. Auf die
Verschanzungen hatten die Türken neue Kanonen aufgepflanzt; außerdem
hielten ihre unzähligen Scharen das neue Schloß besetzt, indem sie sich
in den Laufgräben und hinter den Trümmern verbargen, um zum Handgemenge
bereit zu sein.
Wie schon erzählt, begann das Schloß das Geschützfeuer mit so gutem
Erfolge, daß eine augenblickliche Verwirrung auf den Schanzen entstand;
aber die Bim-Baschis führten die Janitscharen eiligst zurück,
gleichzeitig ertönten die türkischen Kanonen. Kugeln, Granaten,
Kartätschen flogen, auf die Häupter der Verteidiger stürzte Schutt,
Ziegel, Mörtel. Der Rauch mischte sich mit dem Staub, die Glut des
Feuers mit der Glut der Sonne. Der Brust fehlte der Atem, den Augen
der freie Ausblick; der Donner der Kanonen, das Krachen der Granaten,
das Aufschlagen der Kugeln gegen die Mauersteine, das Lärmen der
Türken, das Geschrei der Verteidiger floß in ein entsetzliches Geheul
zusammen, welches das Echo der Felsen wiederholte. Das Schloß, die
Stadt, alle Tore, alle Basteien wurden mit Geschossen überschüttet.
Aber das Schloß verteidigte sich verzweifelt, beantwortete Donner mit
Donner, erbebte in seinen Grundfesten, leuchtete auf, rauchte, dröhnte,
spie Feuer, Tod und Verderben, als habe ein göttlicher Zorn es erfaßt,
als rase es durch die Flammen, als wolle es den türkischen Donner
übertönen und in die Erde versinken oder siegen.
Im Schlosse, mitten unter dem Regen der Kugeln, unter Feuer, Staub
und Rauch flog der kleine Ritter von Kanone zu Kanone, von Mauer zu
Mauer, von Ecke zu Ecke, selbst einer der verzehrenden Flammen ähnlich;
er schien sich verdoppelt, verdreifacht zu haben, er war überall,
er munterte auf, rief allen zu; wenn ein Kanonier fiel, vertrat er
ihn; hatte er hier Mut zugesprochen, eiligst war er wieder an anderer
Stelle. Sein Eifer teilte sich den Kämpfenden mit; sie waren überzeugt,
es sei dies der letzte Sturm, dem Friede und Ruhm folgen werde. Der
Glaube an den Sieg erfüllte die Herzen ganz, sie wurden hart und
trotzig, und eine Kampfesraserei hatte die Gemüter ergriffen. Rufe und
Herausforderungen flogen herüber und hinüber; vieler hatte sich eine
solche Wut bemächtigt, daß sie über die Mauer hinaus stürzten, um die
Janitscharen in der Nähe zu fassen.
Diese waren zweimal unter dem Schutze der Rauchwolken in festgefügter
Masse an die Bresche herangekommen und zweimal in Unordnung
zurückgewichen, den Boden mit Leichen bedeckend. Um die Mittagszeit
schickte man ihnen vom allgemeinen Aufgebot und den Dschamaken Hilfe;
aber die weniger geschulten Haufen heulten nur, obwohl man sie mit
Speeren anstachelte, mit entsetzlichem Gebrüll auf und wollten nicht
gegen das Schloß vorgehen. Der Kaimakam kam heran -- vergebens, jeden
Augenblick drohte eine allgemeine, an Wahnsinn grenzende Auflösung.
Endlich zog man die Leute zurück; nur die Kanonen arbeiteten ohne
Unterlaß wie früher und sendeten Donner auf Donner, Blitz auf Blitz aus.
So verstrichen lange Stunden; die Sonne sank schon vom Zenith und
schaute dem Kampfe strahlenlos, rötlich und rauchig zu, als sei
sie mit einem Schleier umgeben. Um drei Uhr nachmittags erreichte
der Kanonendonner eine solche Stärke, daß man innerhalb der Mauer
nicht hören konnte, wenn man sich laut in die Ohren schrie; die
Luft im Schlosse wurde glühend wie im Ofen, das Wasser, das man
über die erhitzten Kanonen goß, dampfte brodelnd auf, vermischte
sich mit dem Rauch und hüllte die Welt in Schatten. Die Kanonen
aber donnerten unaufhörlich fort. Gleich nach drei Uhr wurden die
beiden größten türkischen Feldschlangen zertrümmert. Der Mörser, der
neben ihnen stand, barst wenige Minuten später; die Kanoniere fielen
wie die Fliegen. Mit jedem Augenblick ward es offenbarer, daß das
unüberwindliche Schloß den Platz behaupten werde, daß es den Donner
der türkischen Geschütze übertönen, daß es das letzte Wort sprechen
werde, -- das Wort des Sieges.
Das Feuer der Türken wurde allmählich schwächer.
»Es geht zu Ende!« rief Michael mit voller Kraft Ketling ins Ohr; »so
denke auch ich,« antwortete Ketling, »morgen oder später?«
»Vielleicht später; -- heut' ist der Sieg unser.«
»Und durch uns.«
»An die neue Mine müssen wir denken.«
»Immer kräftiger die Kanonen!« rief Michael und sprang mitten unter die
Kanoniere.
»Feuer, Burschen!« schrie er, »bis die letzte türkische Kanone zu
spielen aufhört. Gott und der heiligen Jungfrau zu Ehren, der Republik
zur Ehre!«
Die Soldaten, welche sahen, daß auch dieser Sturm dem Ende
entgegengehe, schrieen unter lautem, freudigem Zurufen und donnerten
mit wachsendem Eifer gegen die türkischen Schanzen.
»Wir spielen euch einen Abendtrauermarsch auf, Hundesöhne! Wir spielen
euch den Trauermarsch!« schrieen zahlreiche Stimmen.
Plötzlich geschah etwas Seltsames. Alle türkischen Kanonen verstummten
auf einmal, wie auf ein gegebenes Zeichen. Auch das Knattern der
Janitscharenbüchsen im neuen Schloß verstummte. Das alte Schloß
erdröhnte noch eine Zeitlang unter dem Kanonendonner, aber endlich
begannen die Offiziere sich umzuschauen und fragten sich gleichzeitig:
»Was ist das? Was ist geschehen?«
Ketling war ein wenig beunruhigt und stellte ebenfalls das Schießen
ein. Da sagte einer der Offiziere laut:
»Sie sind mit der Mine unter uns und können sie bald entzünden!«
Wolodyjowski durchbohrte den Sprecher mit einem drohenden Blicke.
»Die Mine ist nicht fertig; im übrigen sprengt sie nur den linken
Flügel des Schlosses in die Luft, und auf den Trümmern werden wir uns
verteidigen, so lange Atem in unserer Brust ist -- versteht Ihr?«
Nun ward es still, kein Schuß unterbrach das Schweigen, weder aus
der Stadt noch von den Schanzen. Nach dem Getöse, welches die Mauern
und Grund und Boden erschüttert hatte, lag in dieser Stille etwas
Feierliches, zugleich aber auch etwas Unheilverkündendes. Aller Augen
schauten angestrengt von den Schanzen herab, aber durch die Rauchwolken
war nichts zu sehen.
Plötzlich tönten von der linken Seite her die regelmäßigen Schläge der
Spitzhacken.
»Habe ich's nicht gesagt, daß sie die Mine erst graben?« bemerkte Herr
Michael.
Hier wandte er sich an Luschnia.
»Wachtmeister, nimm zwanzig Mann und wirf einen Blick in das neue
Schloß.«
Luschnia führte eilig den Befehl aus; in einem Augenblick verschwand er
mit seinen Leuten durch die Bresche.
Wieder entstand ein Schweigen, nur unterbrochen von dem Röcheln oder
Schluchzen Sterbender und von dem Widerhall der Spitzhacken.
Man wartete ziemlich lange; endlich kam der Wachtmeister zurück.
»Herr Kommandant,« sagte er, »im neuen Schloß ist keine lebende Seele.«
Michael blickte Ketling erstaunt an.
»Sollten sie von der Belagerung abgelassen haben? Durch den Rauch kann
man nichts sehen.«
Plötzlich wurde der Rauch von einem Windstoß zerteilt, und der dichte
Wolkenschleier über der Stadt zerriß; in diesem Augenblick schrie eine
gellende Stimme von der Bastei herab:
»Auf den Toren stecken weiße Fahnen, wir ergeben uns!«
Als die Soldaten und Offiziere das hörten, wandten sie sich zur Stadt
zurück. Ein sprachloses Erstaunen lag in ihren Zügen, die Worte
erstarben ihnen auf den Lippen, und sie schauten durch die Rauchsäulen
nach der Stadt.
In der Tat, auf dem reußischen und dem lechischen Tore wehten Fahnen;
eine weitere sah man noch auf der Bastei Bathory.
Da wurde das Gesicht des kleinen Ritters so weiß wie jene Fahne, die in
der Luft flatterte.
»Ketling, siehst du?« flüsterte er und wandte sich um zu dem Freunde.
Auch Ketlings Gesicht war bleich geworden.
»Ich seh's,« sagte er.
Sie sahen einander in die Augen und sagten sich mit Blicken, was zwei
solche Krieger ohne Furcht und Tadel sich sagen konnten, die nie in
ihrem Leben ihr Wort gebrochen und die vor dem Altar geschworen hatten,
eher zu sterben, als das Schloß zu übergeben. Jetzt, nach solcher
Gegenwehr, nach solchem Kampfe, der an die Tage von Sbarasch erinnerte,
nach der glücklichen Abwehr des Sturmes und nach dem Sieg, hieß man sie
den Eid brechen, das Schloß übergeben und am Leben bleiben!
Wie noch kurz vorher todbringende Kugeln über das Schloß geflogen
waren, so jagten jetzt tödliche Gedanken durch ihre Köpfe; ein
unermeßlicher Schmerz preßte ihre Herzen zusammen, der Schmerz um
zwei liebende Wesen, der Schmerz um das Leben, um das Glück, und so
sahen sie einander an wie Irre, wie Tote, nur bisweilen richteten sie
ihre verzweiflungsvollen Blicke nach der Stadt, als wollten sie sich
überzeugen, ob ihre Augen sie nicht täuschten, ob wirklich ihre letzte
Stunde gekommen sei.
Inzwischen ertönte Pferdegetrappel von der Stadt her, und bald darauf
stürzte Horaim, der getreue Knappe des Generals von Podolien, herein.
»Ein Befehl an den Herrn Kommandanten!« rief er, indem er vom Pferde
sprang. Michael nahm den Befehl, las ihn schweigend und sprach, während
ihn Grabesstille umgab, zu den Offizieren:
»Meine Herren, die Kommissare haben mit einem Boot den Fluß
überschritten und sich nach Dluschek begeben, um den Vertrag zu
unterzeichnen; in wenigen Minuten werden sie diesen Weg hier
zurückkommen ... Vor Abend sollen wir das Heer aus dem Schlosse führen
und unverzüglich die weiße Fahne hissen ...«
Niemand sprach ein Wort, nur beschleunigtes Atmen ward vernehmbar.
Endlich meldete sich Kwasibrozki:
»Wir müssen die Fahne aufhissen, ich will die Leute sogleich sammeln.«
Bald ertönten hier und da die Kommandos. Die Soldaten stellten sich in
Reih' und Glied, Gewehr auf Schulter, und der Klang der Trommeln und
ihr regelmäßiger Schritt hallte in dem schweigsamen Schlosse wider.
Ketling trat ganz nah' an Michael heran.
»Ist es Zeit?« fragte er.
»Warten wir auf die Kommissare, hören wir die Bedingungen ... übrigens
will ich selbst dort hinuntersteigen.«
»Nein, ich will hinunter; ich kenne die Keller besser, ich weiß, wo
alles ist.«
Das Gespräch ward durch die Rufe unterbrochen: »Die Kommissare kommen
zurück! Die Kommissare kommen!«
Nach einiger Zeit erschienen die drei unglückseligen Boten auf dem
Schlosse; es war der podolische Richter Gruschezki, der Truchseß
Rschewuski und der Fahnenträger von Tschernihowski Myslischewski. Sie
schritten düster, mit gesenktem Haupte daher. Auf ihren Rücken glänzten
die goldgewirkten Kaftane, die sie vom Vezier zum Geschenk erhalten
hatten.
Michael erwartete sie, auf die noch warme, rauchende Kanone gestützt,
die auf Dluschek gerichtet war. Die drei Begrüßten ihn schweigend; aber
er fragte:
»Welches sind die Bedingungen?«
»Die Stadt soll nicht ausgeraubt, den Bewohnern Leben und Gut gesichert
werden; ein jeder, der nicht hier bleiben will, soll das Recht haben,
fortzugehen, wohin ihm beliebt.«
»Und Kamieniez?«
»... Gehört dem Sultan ... für ewige Zeiten.«
Darauf gingen die Kommissare, nicht in der Richtung der Brücke, denn
dort hatten Volkshaufen ihnen den Weg versperrt, sondern seitwärts,
durch das südliche Tor. Sie gingen hinab und bestiegen ein Boot,
das sie zu dem lechischen Tor bringen sollte. In der Niederung, die
zwischen den Felsen den Fluß entlang sich erstreckte, erschienen
bereits Janitscharen, von der Stadt her strömten immer größere
Volkswogen heran und besetzten den Platz gegenüber der alten Brücke.
Viele wollten auf das Schloß eilen, aber die herauskommenden Regimenter
hielten sie auf Befehl des kleinen Ritters zurück.
Michael hatte das Heer abgefertigt und rief nun Muschalski zu sich.
»Alter Freund, erweise mir einen Dienst; geh' sofort zu meiner Gattin
und sage ihr in meinem Namen ...« Hier stockte seine Stimme einen
Augenblick, »und sage ihr in meinem Namen -- Es tut nichts,« fügte er
schnell hinzu.
Der Bogenschütze ging, ihm folgte langsam das Heer. Herr Michael saß
zu Roß und beobachtete den Ausmarsch. Das Schloß entleerte sich nur
stockend, weil Schutt und Trümmer den Weg behinderten.
Ketling trat an den kleinen Ritter heran.
»Ich gehe hinab,« sagte er und biß die Zähne aufeinander.
»Geh', aber warte, bis das Heer aus dem Schlosse ist. Geh'!« Sie
schlossen sich in die Arme und hielten sich lange Zeit umschlungen. Die
Augen leuchteten beiden in außerordentlichem Glanze ... endlich sprang
Ketling hinunter.
Michael nahm den Helm vom Haupte; noch einen Augenblick schaute er
auf diese Ruinen, auf dieses Feld seines Ruhmes, auf die Trümmer, die
Leichen, auf die Mauersplitter, auf den Wall und die Kanonen, dann
richtete er die Augen gen Himmel und begann zu beten ... Seine letzten
Worte waren:
»Gib ihr, Gott, die Kraft, geduldig zu tragen, gib ihr Frieden! ...«
Ach! ... Ketling hatte sich beeilt; er hatte kaum den Abzug der
Regimenter abgewartet, denn in diesem Augenblick schwankten die
Bastionen, ein furchtbarer Donner erschütterte die Luft, Zinnen, Türme,
Mauern, Pferde, Kanonen, Lebende und Tote, Erdmassen -- alles ward von
einer Flamme erfaßt, untereinander geworfen und wie eine furchtbare
Ladung in die Luft gesprengt.
* * * * *
So fiel Michael Wolodyjowski, der Hektor von Kamieniez, der erste
Krieger der Republik.
* * * * *
In der Stiftskirche zu Stanislawow stand ein hoher Katafalk. Hunderte
Kerzen beleuchteten ihn, und in einem bleiernen Sarg, der von einem
hölzernen umgeben war, lag Michael Wolodyjowski. Die Deckel waren
schon geschlossen, und die Bestattungsfeierlichkeit begann. Es war
ein Herzenswunsch der Witwe, daß sein Leib in Chreptiow ruhte, aber
da ganz Podolien in den Händen des Feindes war, sollte er vorläufig
in Stanislawow bestattet werden, denn hierher waren unter türkischer
Begleitung die Kriegsgefangenen von Kamieniez geschickt und in die
Hände der Hetmansheere ausgeliefert worden.
Alle Glocken des Stifts ertönten, die Kirche war von Adel und Kriegern
angefüllt, alle wollten auf den Sarg des Hektors von Kamieniez und
des besten Ritters der Republik noch einen letzten Blick werfen. Man
flüsterte einander zu, der Hetman selbst werde zum Begräbnis kommen,
da man ihn aber bisher nicht sah, und da jeden Augenblick die Tataren
hereinbrechen konnten, hatte man beschlossen, die Feierlichkeit nicht
hinzuhalten.
Alte Krieger, die Freunde oder Untergebenen des Verstorbenen, bildeten
einen Kreis um den Katafalk; unter ihnen sah man Muschalski, den
Bogenschützen, Motowidlo, Snitko, Hromyka, Nienaschyniez, Nowowiejski
und viele andere alte Offiziere aus der Grenzwarte. Es war ein
merkwürdiger Zufall, daß fast keiner von denen fehlte, die einst an den
Abenden in Chreptiow um den Herd herumsaßen: alle hatten ihre Häupter
heil aus diesem Kriege heimgebracht, nur er, der ihr Führer und Vorbild
gewesen war, der gute und gerechte Ritter, der Schrecken der Feinde,
die Freude der Seinigen, nur jener Kämpfer über alle Kämpfer, der Held
mit dem Taubenherzen, er lag hier auf hohem Katafalk, lichtumflossen,
in unermeßlichem Ruhme, aber im Schweigen des Todes. Die im Kriege
verhärteten Herzen zerflossen in Schmerz bei diesem Anblick, gelber
Schimmer der Kerzen beleuchtete die furchtbar verhärmten Gesichter
der Krieger und spiegelte sich in blitzenden Funken in den Tränen,
die ihren Augen entströmten. Mitten im Kreise dieser Krieger lag
auf dem Fußboden Bärbchen, neben ihr, alt, schwächlich, gebrochen,
zitternd -- Sagloba. Sie war zu Fuß von Kamieniez hergekommen, dem
Wagen folgend, der den teuren Toten trug, und nun war der Augenblick
gekommen, da man den Sarg der Erde übergeben sollte. Den ganzen Weg war
sie wie abwesend, als gehöre sie nicht zu dieser Welt, einhergegangen
und hatte jetzt bei diesem Katafalk bewußtlos die Worte hergesagt: »Es
tut nichts -- es tut nichts,« denn so hatte er, der Geliebte, befohlen,
dies waren die letzten Worte, die er ihr melden ließ. Aber diese
Worte, die sie beständig wiederholte, waren nur Töne ohne Inhalt,
ohne Wahrheit, ohne Bedeutung, ohne Hoffnung. »Es tut nichts,« sagte
sie, aber es tat weh. Was sie empfand, war Schmerz, Finsternis,
Verzweiflung, Starrheit, unsagbares Elend, ein Leben, das getötet und
gebrochen war, ein unklares Bewußtsein, daß es für sie kein Erbarmen,
keine Hoffnung mehr gäbe, nichts als Leere, ewige Leere, die nur Gott
ausfüllen konnte, wenn er ihr den Tod sandte.
Die Glocken tönten, am Hochaltar war die Messe beendet. Die Stimme des
Priesters schallte laut, als rufe er aus dem Abgrund: »_Requiescat in
pace!_« Ein Fieberschauer schüttelte Bärbchen, und in ihrem wirren
Kopfe lebte nur ein Gedanke: Jetzt ... jetzt tragen sie ihn fort! -- Aber
das Ende der Feierlichkeit war noch nicht gekommen. Die Ritterschaft
hatte zahlreiche Reden vorbereitet, die gehalten werden sollten, wenn
der Sarg ins Grab gesenkt würde. Jetzt bestieg Priester Kaminski die
Kanzel, derselbe, der in Chreptiow bei ihnen gewesen war, und der
während Bärbchens Krankheit sie auf den Tod vorbereitet hatte.
Die anwesende Menge räusperte sich und hustete, wie dies gewöhnlich vor
der Predigt geschieht; dann verstummte sie, und aller Augen richteten
sich auf die Kanzel.
Da ertönte von der Kanzel Trommelwirbel.
Die Zuhörer waren erstaunt. Der Priester Kaminski schlug die Trommel
wie zum Sturme. Plötzlich brach er ab, und es entstand Totenstille.
Wieder ein Wirbel ... ein dritter; plötzlich warf Kaminski die Schlegel
auf den Boden der Kirche, erhob beide Hände zum Himmel und rief:
»Herr Oberst Wolodyjowski!«
Ein krampfhafter Schrei Bärbchens antwortete ihm, es ward entsetzlich
drückend in der Kirche; Sagloba richtete sich auf und trug, von
Muschalski unterstützt, das ohnmächtige Weib aus der Kirche.
Der Priester aber rief von neuem:
»Um des Himmels willen, Herr Wolodyjowski, der Sturm bricht los ... in
den Krieg! ... der Feind ist im Lande, -- und du greifst nicht zu den
Waffen, du fassest nicht das Schwert, du steigst nicht zu Roß ... was
ist dir geschehen, Krieger? Hast du der alten Tugend vergessen, daß du
uns allein in Harm und Angst zurücklässest?«
Die Brust der Ritter bebte, und ein allgemeines Weinen erfüllte
die Kirche und wurde immer wieder vernehmbar, als der Priester die
Tugenden, die Vaterlandsliebe und den hohen Mut des Verstorbenen
pries, und auch den Priester selbst rissen die eigenen Worte fort.
Sein Gesicht war bleich, seine Stirn von Schweiß bedeckt, seine Stimme
bebte. Ihn riß der Schmerz um den kleinen Ritter hin, der Schmerz um
Kamieniez, der Schmerz um die Republik, die in die Hände der Bekenner
des Halbmondes ausgeliefert war, und er schloß seine Rede mit dem Gebet:
»O Herr, die Kirchen werden sie in Moscheen verwandeln und den Koran
absingen, wo bisher das Evangelium gepredigt wurde. Du hast uns in Leid
versenkt, Herr, du hast dein Antlitz von uns gewandt und hast uns in
die Hand des niedrigen Türken gegeben. Unerforschlich, Herr, sind deine
Wege! Aber wer wird ihm jetzt Widerstand leisten, welches Heer wird ihn
bekämpfen an den Grenzen? Du, dem nichts in der Welt verborgen ist,
du weißt am besten, daß unsere Reiterei unübertroffen ist. Und solcher
Verteidiger begibst du dich, in deren Schutz und Schirm die ganze
Christenheit deinen Namen rühmen konnte! Allgütiger Vater, verlaß uns
nicht, erweise uns dein Erbarmen, schicke uns den Verteidiger herab,
schicke den Überwinder Mahomeds herab! O, lasse ihn hierherkommen, laß
ihn unter uns treten, daß er die gesunkenen Herzen erhebe! Sende ihn
herab, o Herr!«
In diesem Augenblick entstand eine Bewegung an der Pforte, und in die
Kirche trat der Hetman Sobieski. Aller Augen richteten sich auf ihn,
und ein Schauer schüttelte die Menschen; er schritt mit klirrenden
Sporen auf den Katafalk zu, majestätisch und gewaltig, mit den Zügen
eines Cäsar. Eine Schar gepanzerter Ritter folgte ihm.
»Salvator!« rief ihm der Priester mit prophetischer Begeisterung zu.
Sobieski kniete an dem Katafalk nieder und betete für Wolodyjowskis
Seele.
[Illustration: Dekoration/Kapitelende]
[Illustration: Dekoration/Kapitelanfang]
Epilog.
Ein Jahr und darüber war verflossen nach dem Falle von Kamieniez; die
Zwietracht der Parteien verstummte allmählich, und die Republik raffte
sich endlich zur Verteidigung ihrer östlichen Grenzen als Angreiferin
auf. Der große Hetman Sobieski ging mit einundreißigtausend Mann,
Berittenen und Fußvolk, in die Lande des Sultans nach Chozim, um die
bei weitem zahlreicheren Heerscharen Hussein-Paschas anzugreifen,
welche bei dieser Festung standen.
Schon der Name Sobieski war dem Feinde furchtbar; er hatte in diesem
Jahre, welches dem Falle von Kamieniez folgte, mit einigen tausend
Soldaten solche Taten vollbracht, die ungezählten Scharen des
Pascha dermaßen gelichtet, so viele Tatarenhaufen aufgerieben, so
vielen Gefangenen die Freiheit zurückgegeben, daß der alte Hussein,
obgleich die Zahl seiner Heere größer war, obgleich er an der Spitze
einer trefflich geübten Linie stand, obwohl er durch Kaplan-Pascha
unterstützt wurde, nicht wagte, dem Hetman im offenen Felde die
Stirn zu bieten, und beschloß, sich in einem verschanzten Lager zu
verteidigen.
Der Hetman umringte das Lager mit seinen Heeren, und es war allgemein
bekannt, daß er die Absicht habe, es im ersten Ansturm zu nehmen. Zwar
meinten viele, es sei in der Geschichte der Kriegstaten ein unerhörtes
Unternehmen, sich mit dieser kleineren Macht gegen die große zu wagen,
die überdies durch Wälle und Gräben geschützt war. Hussein hatte
hundertzwanzig Kanonen, im ganzen polnischen Lager waren nur fünfzig.
Das türkische Fußvolk übertraf die Macht des Hetmans dreifach. Von
Janitscharen allein, die im Handgemenge so furchtbar waren, standen in
den türkischen Verschanzungen über achtzehntausend; aber der Hetman
glaubte an seinen Stern, an den Zauber seines Namens -- und endlich auch
an die Heere, die er führte.
Seine Regimenter waren geprüft und gehärtet im Feuer; es waren Leute,
die von Jugend auf im Kriegslärm gelebt, die unzählige Kriegszüge,
Unternehmungen, Belagerungen, Schlachten mitgemacht hatten. Viele von
ihnen erinnerten sich noch der furchtbaren Zeiten Chmielniezkis, an
Sbarasch und Berestetschs, viele hatten alle schwedischen, reußischen,
moskowitischen, den Bürgerkrieg, den dänischen und ungarischen Krieg
überdauert. Da gab es Herren und Troßvolk, Veteranen, Soldaten aus den
Grenzwarten, für welche der Krieg der gewöhnliche Zustand, die gewohnte
Lebensweise geworden war. Unter dem Wojewoden von Reußen standen
fünfzehn Fahnen Husaren, eine Reiterei, die selbst Ausländer für
unvergleichlich hielten, und an deren Spitze der Hetman schon nach dem
Falle von Kamieniez den zerstreuten Tatarenhaufen soviel zu schaffen
gemacht hatte. Es kämpften endlich auch Bauern zu Fuß mit, welche sich
ohne Schuß mit den Kolben auf die Tataren warfen.
Der Krieg hatte diese Leute in die Zucht genommen, denn er hatte in
der Republik ganze Geschlechter auferzogen; sie waren aber bis heute
zerstreut oder standen in Diensten feindlicher Parteien. Jetzt, da
sie die innere Eintracht in einem Lager und unter einem Kommando
zusammenhielt, hoffte der Hetman, mit ihnen die Übermacht Husseins und
den nicht minder übermächtigen Kaplan zu erdrücken. Geführt wurden die
Leute von erprobten Führern, deren Namen gleichfalls in die Annalen
der letzten Kriege eingetragen waren, in der wechselvollen Reihe von
Niederlagen und Siegen.
Der Hetman selbst glich einer Sonne, stand an der Spitze aller und
regierte Tausende mit seinem Willen. Und wie hießen die anderen Führer,
die in diesem Lager von Chozim unsterblichen Ruhm erringen sollten?
Es waren zwei litauische Hetmane, der Hetman Paz und der Feldhetman
Michael Kasimir Radziwill. Diese hatten sich wenige Tage vor der
Schlacht mit den Kronheeren verbunden und standen jetzt unter
Sobieskis Befehl auf den Anhöhen, welche Chozim mit Swaniez verbinden.
Zwölftausend Krieger, darunter zweitausend auserwähltes Fußvolk
gehorchten ihrem Befehl. Vom Dniestr gen Süden standen die verbündeten
walachischen Regimenter, die am Tage vor der Schlacht das türkische
Lager verlassen hatten, um sich mit den Christen zu vereinigen; neben
den Walachen stand mit der Artillerie Kontski, unvergleichlich in der
Eroberung befestigter Plätze, im Aufschütten von Wällen und in der
Richtung von Kanonen. In fremden Ländern hatte er sich in dieser Kunst
geübt, aber bald übertraf er in ihr seine Lehrer. An Kontski schlossen
sich die reußische und die masurische Infanterie Koryzkis an, dann
kam der Feldhetman Dimitr Wischniowiezki, des kranken Königs Vetter.
Er hatte die leichte Reiterei unter sich; neben diesen hatte sich mit
den eigenen Fahnen zu Fuß und zu Pferde Andreas Potozki aufgestellt,
einst des Hetmans Gegner, heute ein Verehrer seiner Größe. An ihn und
Koryzki schlossen sich unter Führung Jablonowskis, des reußischen
Wojewoden, fünfzehn Husarenfahnen in leuchtenden Panzern und Helmen,
die drohende Schatten über die Gesichter warfen. Ein Wald von Speeren
starrte über ihnen, sie aber standen ruhig, in sicherem Vertrauen
auf ihre unerschütterliche Kraft, in der festen Überzeugung, daß die
Entscheidung des Sieges bei ihnen liege.
Weniger hervorragende Krieger -- nicht an Mut, wohl aber an
Bedeutung -- waren der Burgvogt Luschezki von Podlachien, dem die Türken
in Bodsanow einen Bruder enthauptet hatten, wofür er ihnen ewige
Rache geschworen, der Kronfeldsekretär Stephan Tscharniezki, des
großen Stephan Bruderssohn; er war es, der während der Belagerung von
Kamieniez bei Golembin an der Spitze eines Adelshaufens, der auf der
Seite des Königs stand, beinahe einen Bürgerkrieg erregt hätte; jetzt
strebte er, durch Mut auf einem besseren Kampfplatze zu glänzen. Ebenso
waren Gabriel Silnizki, dem das Leben im Kriege dahingegangen war und
das Alter schon das Haupt gebleicht hatte, und viele andere Wojewoden
und Burgvögte aus den früheren Kriegen, weniger bekannt, weniger
berühmt, aber um so mehr nach Ruhm begierig.
Unter der Ritterschaft leuchtete, wenn auch nicht mit der Würde eines
Senators angetan, über alle anderen Skrzetuski, der berühmte Kämpfer
von Sbarasch, ein Soldat, den man der Ritterschaft zum Muster vorhielt,
ein Mitkämpfer in allen Kriegen, welche die Republik seit dreißig
Jahren geführt hatte. Ehrwürdiges Grau bedeckte ihm das Haupt, aber
dafür umgaben ihn sechs Söhne, an Kraft sechs Ebern ähnlich; die
älteren von ihnen kannten den Krieg schon, die beiden jüngeren sollten
jetzt die Feuertaufe erhalten, und darum glühten sie von solcher
Schlachtbegier, daß der Vater mit besonnenen Worten ihre Ungeduld
zügeln mußte.
Mit großer Hochachtung sahen die Genossen auf den Vater und die Söhne;
noch größere Bewunderung aber erweckte Jarozki, der auf beiden Augen
blind war, wie einst König Johann von Böhmen, und nichtsdestoweniger
mutig in den Krieg zog.
Er hatte weder Kinder noch Anverwandte; die Knechte führten ihn am
Arme, und er hegte nur die Hoffnung, in der Schlacht das Leben zu
lassen, dem Vaterland zu dienen und Ruhm zu erwerben. Da war auch
Rschetschyzki, dem Vater und Bruder in diesem Jahre gefallen waren,
Motowidlo, der, kaum der tatarischen Sklaverei entflohen, sogleich
wieder ins Feld zog, Seite an Seite mit Herrn Myslischewski. Der
erstere wollte sich für die Sklaverei rächen, der zweite für die
Schmach, die er in Kamieniez erfahren hatte, wo ihn die Janitscharen
gegen Vertrag und Adelswürde mit Stöcken geschlagen hatten. Es waren
auch ältere Ritter aus den Grenzwarten am Dniestr da, der verwilderte
Ruschtschyz und der unvergleichliche Bogenschütze Muschalski; dieser
war heil aus Kamieniez hervorgegangen, da ihn der kleine Ritter
mit der Meldung zu seiner Gattin geschickt hatte; endlich Snitko,
Nienaschyniez, Hromyka, und der Unglücklichste von allen, der junge
Nowowiejski.
Ihm hatten selbst Freunde und Verwandte den Tod gewünscht, denn es gab
für ihn keinen Trost mehr; nachdem er genesen war, hatte er ein ganzes
Jahr hindurch mit Glück die Tatarenhaufen bekriegt, besonders wütend
die Lipker verfolgend. Nachdem Krytschynski Motowidlo aufgerieben
hatte, folgte er ihm durch ganz Podolien, ließ ihn nicht zu Atem kommen
und saß ihm furchtbar schwer im Nacken. Bei diesen Unternehmungen
ergriff er Adurowitsch und ließ ihm das Fell abziehen; den Gefangenen
ließ er weder Speise noch Trank zukommen; -- aber er empfand dennoch
keinen Trost in seinem Leid. Einen Monat vor der Schlacht trat er in
die Reiterei des Wojewoden von Reußen ein.
Mit solcher Ritterschaft stand Sobieski vor Chozim. Für die Schmach,
die der Republik angetan war, in erster Reihe aber auch für ihre eigene
Schmach wollten diese Krieger Rache nehmen; denn in den beständigen
Kämpfen mit den Heiden hatte wohl ein jeder in diesem blutgetränkten
Lande ein geliebtes Haupt verloren, trug wohl ein jeder eine Erinnerung
an ein furchtbares Unglück in seinem Busen. Der Großhetman eilte zur
Entscheidung, denn er sah, daß die Mordlust in den Herzen seiner
Soldaten der Begierde einer Löwin glich, welcher leichtfertige Jäger
die Jungen raubten.
Am 9. November 1673 begannen die Einzelkämpfe. Scharen von Türken kamen
am frühen Morgen aus den Verschanzungen hervor; Scharen polnischer
Ritterschaft eilten ihnen kampfbegierig entgegen. Auf beiden Seiten
gab es Tote; der größere Verlust aber war auf der türkischen Seite.
Von hervorragenden Türken oder Polen fielen nur wenige. Herrn Maj
durchbohrte gleich zu Beginn des Treffens ein hühnenhafter Spahi
mit dem krummen Schwert; aber der jüngste Skrzetuski schlug ihm mit
einem Streich fast den Kopf vom Rumpfe und erwarb dafür das Lob des
besonnenen Vaters und großen Ruhm.
So traf man sich zu Haufen oder einzeln, und denen, welche dem Kampfe
zusahen, wuchs der Mut und die Kampfbegier. Inzwischen stellten sich
die Abteilungen des Heeres rings um das türkische Lager auf, wo ihnen
der Hetman die Plätze anwies. Er selbst stand hinter dem Fußvolk
Koryzkis auf dem alten Wege nach Jassy und umfaßte mit den Augen das
ganze ungeheure Lager Husseins. Auf seinem Antlitz lag die ungetrübte
Ruhe, die den Meister kennzeichnet, der seiner Kunst sicher ist, ehe
er an das Werk schreitet. Von Zeit zu Zeit schickte er Ordonnanzen mit
Befehlen aus und sah nachdenklich dem Kampfe der einzelnen zu. Gegen
Abend kam der Wojewode von Reußen zu ihm.
»Die Wälle sind so ausgedehnt,« sagte er, »daß es unmöglich ist, sie
gleichzeitig von allen Seiten zu stürmen.«
»Morgen werden wir auf den Wällen sein, und übermorgen werden wir diese
Mannschaften niederhauen,« sagte ruhig Sobieski.
Inzwischen brach die Nacht herein. Die Kämpfer zogen sich zurück, der
Hetman befahl allen Abteilungen, in der Dunkelheit sich den Wällen
zu nähern. Hussein wollte dies nach Kräften verhindern, indem er aus
Kanonen großen Kalibers schoß; aber vergeblich. Am Morgen gingen die
polnischen Abteilungen wieder ein wenig vorwärts; die Fußsoldaten
begannen kleine Schanzen aufzuschütten, einige Regimenter drangen
bis auf einen guten Pfeilschuß heran. Da gaben die Janitscharen ein
tüchtiges Feuer, auf Befehl des Hetmans erwiderte man jedoch dieses
Feuer fast gar nicht, das Fußvolk rüstete vielmehr zu einem Angriff auf
Kolben. Die Soldaten erwarteten nur den Befehl, um loszustürmen. Über
ihre langgezogene Linie flogen pfeifend und surrend die Kartätschen.
Kontskis Artillerie, die in der Dämmerung den Kampf begonnen hatte, war
bisher nicht eine Minute verstummt; nach der Schlacht erst zeigte sich,
welche furchtbaren Verwüstungen ihre Geschosse angerichtet hatten,
die gerade dort niedergefallen waren, wo die Zelte der Spahis und
Janitscharen am dichtesten standen.
So war der Mittag herangekommen; aber da der Tag kurz war, ein
Novembertag, so tat Eile not. Plötzlich erklangen alle Trommeln,
Kesselpauken und Krummhörner, aus tausend Kehlen erscholl es in einem
Rufe, und das Fußvolk, unterstützt von der leichten nachfolgenden
Reiterei, stürmte in dichter Masse zum Angriff.
Von fünf Seiten gleichzeitig erfolgte der Angriff auf die Türken.
Johann von Dänemark, Christophorus de Bohan, alles erfahrene Krieger,
führten die ausländischen Regimenter. Der erstere, von leichter
Erregbarkeit, stürmte so wütend vorwärts, daß er vor den anderen an die
Wälle gelangte, und das Regiment nahezu ins Verderben geführt hätte,
da er die Salve von vielen tausend Büchsen ertragen mußte. Er selbst
fiel; die Soldaten begannen zu wanken, aber gerade in diesem Augenblick
kam ihnen de Bohan zu Hilfe und verhinderte die Auflösung. Er hatte mit
ruhigem Schritte, wie bei der Musterung und als folge er dem Takte der
Kapelle, die ganze Fläche bis zu den türkischen Wällen durchmessen,
antwortete auf die Salve, und als der Graben mit Faschinen gefüllt
war, durchschritt er ihn zuerst unter einem Hagel von Kugeln, grüßte
die Janitscharen mit dem Hute und traf zuerst ihren Fahnenträger. Die
Soldaten, angeeifert durch das Beispiel eines solchen Führers, eilten
vorwärts, und ein furchtbares Ringen begann, in welchem Zucht und
Übung mit dem wilden Mut der Janitscharen um die Palme stritt. Die
Dragoner führten von der Wiese her Taraban Tetwin und Dönhoff, das
zweite Regiment Aswer Greben und Hajdepohl, alles treffliche Krieger,
die außer Hajdepohl noch unter Tscharniezki in Dänemark unermeßlichen
Ruhm errungen hatten. Die Mannschaften waren stämmig, kräftig, aus
den Leuten in den königlichen Besitzungen gewählt, ausgezeichnet
geübt im Kampfe zu Fuß und zu Pferd. Die Tore verteidigten gegen sie
die Dschamaken, das sind die irregulären Janitscharen; sie gerieten,
obgleich ihre Haufen ungeheuer groß waren, alsbald in Unordnung, sie
wichen zurück, und als es zum Handgemenge kam, verteidigten sie sich
nur insoweit, als sie keinen Platz zum Rückzuge hatten. Dieses Tor
wurde zuerst erobert, und von hier konnte die Reiterei in das Innere
des Lagers eindringen.
An der Spitze des polnischen Landfußvolkes stürmten an drei anderen
Stellen gegen die Wälle Kobylezki, Schebrowski, Piotrkowtschik
und Galezki. Der fürchterlichste Kampf wütete am Haupttore, das
auf den Weg nach Jassy hinausführte, wo die Masuren mit der Garde
Hussein-Paschas zusammengestoßen waren. Um dieses Tor war es ihm
hauptsächlich zu tun, denn hier konnte die polnische Reiterei ins
Lager gelangen. Darum beschloß er, es hartnäckig zu verteidigen, und
trieb immer neue Janitscharen-Abteilungen dorthin. Die polnische
Infanterie hatte das Tor schnell erobert und strengte nun alle Kräfte
an, um es zu behaupten; die Kanonen und ein Hagel von Büchsenkugeln
trieb sie zusammen, und aus den Rauchwolken traten immer neue
anstürmende Kriegerscharen hervor. Da warf sich Kobylezki, ohne ihr
Herannahen abzuwarten, wie ein wütender Bär ihnen entgegen, und zwei
Menschenmauern trafen aufeinander, drängten, wogten in Blutströmen und
auf Leichenhügeln hin und her. Man kämpfte mit jeglicher Waffe, mit
Säbeln, Messern, Kolben, Musketen, Spaten, Stangen, Achsen, man warf
sich mit Steinen, manchmal entstand ein solches Gedränge, daß sich
die Menschen um die Hüften faßten und mit Faust und Zähnen kämpften.
Hussein versuchte zweimal mit Hilfe eines gewaltigen Reiterangriffs das
Fußvolk zu durchbrechen, aber die Infanterie trat ihm jedesmal mit so
außergewöhnlicher Entschiedenheit entgegen, daß er sich in Unordnung
zurückziehen mußte. Endlich erbarmte sich Sobieski ihrer und schickte
ihnen den gesamten Lagertroß zu Hilfe.
An der Spitze stand Motowidlo; der Haufe, der gewöhnlich nicht in der
Schlacht verwendet wurde und schlecht bewaffnet war, stürmte jedoch mit
solcher Kampfeslust vorwärts, daß er selbst die Bewunderung des Hetmans
herausforderte; vielleicht, daß sie die Beutegier anfeuerte, oder daß
die Begeisterung, die an diesem Tage das ganze Heer belebte, auch
sie ergriff, genug, sie stürmten so mächtig gegen die Janitscharen,
daß sie diese gleich auf die Entfernung eines Bogenschusses vom Tore
zurücktrieben. Hussein warf neue Regimenter in das Kampfgewühl, und der
Kampf, der sich im Augenblick erneuerte, dauerte ganze Stunden. Aber
in dieser Zeit hatte Koryzka an der Spitze der ausgewählten Regimenter
das Tor tüchtig besetzt, und aus der Ferne kamen die Husaren wie ein
riesiger Vogel, der sich schwerfällig zum Fluge erhebt, heran, und
näherten sich allmählich dem Tore. Gleichzeitig kam eine Ordonnanz zum
Hetman von der Westseite des Lagers her.
»Der Wojewode von Belz ist in den Verschanzungen!« rief der Bote aus
keuchender Brust.
Da kam ein zweiter: »Die litauischen Hetmane sind in den
Verschanzungen!«
Dann kamen andere, immer mit derselben Nachricht. Schon bedeckte
Dämmerung die Erde, aber von dem Antlitz des Hetmans leuchtete es hell
auf. Er wandte sich an Herrn Bidsinski, der in diesem Augenblick an
seiner Seite war, und sagte: »Jetzt kommt die Reiterei an die Reihe,
aber das geschieht erst morgen.«
Niemand jedoch im polnischen und im türkischen Lager wußte oder
vermutete, daß der Hetman den allgemeinen Sturm aller Kräfte auf
den anderen Morgen zu verlegen gedenke, vielmehr sprengten die
Ordonnanzoffiziere zu den Hauptleuten mit der Weisung, jeden Augenblick
bereit zu sein. Das Fußvolk stand in geordneten Reihen da, den Reitern
brannten Säbel und Speere in den Händen, alle erwarteten den Befehl
mit Ungeduld, denn die Leute waren ausgehungert und erfroren; aber die
Stunden vergingen, und der Befehl kam nicht. Eine dunkle, schwarze
Nacht brach herein; schon am Tage war das Wetter schlecht gewesen,
und um Mitternacht zog ein Sturm heran mit eisigem Regen und Schnee.
Seine Schläge machten das Mark in den Beinen gefrieren, die Pferde
konnten kaum feststehen, die Menschen erstarrten vor Kälte. Der größte
Frost, wenn er trocken ist, kann nicht so peinigen, wie dieser Sturm
mit Schnee und Regen, der den menschlichen Körper wie eine Geißel
trifft. In der beständigen Erwartung des Losungswortes konnte man an
Essen und Trinken oder an das Anzünden der Wachtfeuer nicht denken. Mit
jeder Stunde wurde es entsetzlicher. Es war eine denkwürdige Nacht,
eine Nacht der Qual und des Zähneklapperns. Die Rufe der Hauptleute:
Halt! -- Halt! ließen sich jeden Augenblick hören, und die zuchtgewohnten
Scharen standen in vollster Bereitschaft ohne Bewegung geduldig da.
Gegenüber, in Regen, Sturm und nächtlichem Dunkel, standen in gleicher
Bereitschaft die Regimenter der Türken. Niemand von ihnen unterhielt
ein Feuer, niemand aß, niemand trank; der Angriff der gesamten
polnischen Streitkraft wurde jeden Augenblick erwartet, und so konnten
die Spahis den Säbel nicht aus der Hand legen, und die Janitscharen
standen wie eine Mauer mit ihren Büchsen da, jeden Augenblick zum
Schusse bereit. Der ausdauernde polnische Soldat, an die Härte des
Winters gewöhnt, konnte eine solche Nacht überstehen, aber diese
Mannschaften, aufgezogen in dem milden Klima Rumeliens oder unter den
Palmen Kleinasiens litten mehr, als ihre Kräfte vertragen konnten.
Hussein wurde es endlich klar, weshalb Sobieski den Sturm nicht
beginne. Dieser eisige Regen war der beste Bundesgenosse der Lechen.
Es war für jedermann offenkundig: wenn die Spahis und Janitscharen
zwölf Stunden so dastehen sollten, würden sie morgen wie die Garben
hinsinken, ohne den Versuch einer Gegenwehr, bis zu dem Zeitpunkt
wenigstens, da sie die Glut der Schlacht erwärmt haben würde.
Den Polen wie den Türken ward dies klar. Um die vierte Stunde der Nacht
kamen zwei Paschas zu Hussein: Janisch-Pascha und Kiaja, Führer der
Janitscharen, ein alter, erfahrener, ausgezeichneter Krieger. Beider
Antlitz war voll Trauer und Sorge.
»Herr,« sprach Kiaja zuerst, »wenn meine Schäfchen bis morgen so
dastehen, dann bedarf es keiner Kugeln und Schwerter mehr für sie.«
»Herr,« sagte Janisch-Pascha, »die Spahis erfrieren mir und werden sich
morgen nicht schlagen können.«
Hussein fuhr sich in den Bart; er sah die Niederlage und den eigenen
Untergang voraus. Aber was sollte er tun? Wenn er auch nur auf eine
Minute gestattet hätte, die Schlachtordnung zu lockern und Feuer
anzuzünden, damit die Leute sich mit warmer Speise erquickten, so würde
der Angriff unverzüglich erfolgen. Auch so ertönten schon von Zeit zu
Zeit von den Wällen her die Trompeten, als wolle die Reiterei vorrücken.
Kiaja und Janisch-Pascha sahen nur einen Ausweg: den Sturm nicht
abzuwarten, sondern selbst sofort mit der ganzen Macht den Feind
anzugreifen. Es bedeute wenig, daß er kampfbereit dastehe, denn da
er selbst anzugreifen beabsichtige, erwarte er keinen Angriff. Es
gelinge vielleicht, ihn aus den Verschanzungen herauszudrängen, und
im äußersten Falle sei bei einer nächtlichen Schlacht eine Niederlage
wahrscheinlich, am anderen Tage aber gewiß. Hussein aber wagte nicht,
dem Rate der alten Krieger zu folgen.
»Wie,« sagte er, »ihr habt den Maidan mit Gräben durchzogen, weil ihr
darin die einzige Rettung vor dieser höllischen Reiterei gesehen habt,
sollen wir jetzt selbst die Gräben überschreiten, um uns ins offenbare
Verderben zu stürzen. Euer Rat war es, eure Warnung, jetzt sprecht ihr
anders.«
Er gab nur den Befehl, Kanonenfeuer gegen den Wall zu richten, worauf
Kontski in demselben Augenblick mit großem Erfolge antwortete. Der
Regen wurde immer eisiger und peitschte immer furchtbarer, der Wind
tobte, heulte, drang bis auf die Haut und verwandelte das Blut in den
Adern zu Eis. So ging diese lange Novembernacht hin, die Kräfte der
Verteidiger des Islam wurden gebrochen, und Verzweiflung, gepaart mit
dem Vorgefühl der Niederlage, ergriff ihre Herzen.
Im Augenblicke der Dämmerung begab sich Janisch-Pascha noch einmal zu
Hussein mit dem Rate, sich in Schlachtordnung bis zur Dniestrbrücke
zurückzuziehen und dort vorsichtig ein Geplänkel zu eröffnen. »Denn
wenn das Heer -- sagte er -- der Wucht der Reiterei nicht standhält,
so werden sie sich jenseits der Brücke flüchten, und der Fluß wird
ihnen Schutz geben!« Kiaja, der Führer der Janitscharen, war indessen
anderer Ansicht, er meinte, für des Janisch Rat wäre es schon zu
spät. Er fürchtete auch, daß, wenn der Befehl des Rückzuges verkündet
würde, sogleich das ganze Heer ein Schrecken ergreifen müsse. »Die
Spahis werden mit Hilfe der Dschamaken den ersten Anprall der Reiterei
der Ungläubigen aushalten, und wenn sie alle zugrunde gehen sollten.
Inzwischen werden ihnen die Janitscharen zu Hilfe kommen, und Gott
ihnen vielleicht den Sieg senden.«
So riet Kiaja, und Hussein folgte seinem Rat. Die berittenen Haufen
der türkischen Linie ritten vor, die Janitscharen und die Dschamaken
stellten sich hinter ihnen, rings um die Zelte Husseins auf. Ihre
großen Scharen boten einen prächtigen und drohenden Anblick dar. Der
weißbärtige Kiaja, »der Löwe Gottes«, der bis zum heutigen Tage seine
Krieger nur zu Siegen geführt hatte, flog auf seinem Rosse die Reihen
entlang, sprach ihnen Mut zu und richtete ihre Herzen auf, indem er der
alten Kämpfe und Siege erwähnte. Ihnen war auch die Schlacht lieber,
als das tatenlose Stehen im Unwetter, im Regen, im Abwarten und in
diesem Mark und Bein durchdringenden Sturm, und obwohl ihre erstarrten
Hände kaum die Büchsen und Lanzen halten konnten, freuten sie sich
doch darauf, sich in der Schlacht zu erwärmen. Mit minder großem Mute
erwarteten die Spahis den Angriff, erstens, weil sie die erste Wucht
aushalten sollten, und zweitens, weil unter ihnen viele Bewohner
Kleinasiens und Ägyptens dienten, die gegen Kälte sehr empfindlich
sind und in der stürmischen Nacht halb tot gefroren waren. Auch die
Pferde hatten sehr gelitten, und obgleich sie im stattlichen Schmucke
dastanden, hielten sie doch die Nüstern gegen den Boden und hauchten
förmliche Dampfsäulen aus. Die Mannschaft mit den blaugefrorenen
Gesichtern und dem erloschenen Blick glaubte kaum noch an Sieg. Sie
dachten nur daran, daß der Tod besser sei als eine Qual, wie die in der
letzten Nacht, und das beste die Flucht zu den alten Nestern unter den
Strahlen der südlich glühenden Sonne.
Im polnischen Heere waren einige Leute, die mangelhaft bekleidet waren,
gegen Morgen auf den Wällen erfroren. Im allgemeinen aber ertrug
das Fußvolk und die Reiterei die Kälte bei weitem besser als die
Türken, denn sie hielt die Hoffnung auf Sieg aufrecht, und der nahezu
blinde Glaube, daß, wenn der Hetman beschlossen habe, im Sturmwetter
auszuhalten, diese Qual unzweifelhaft zu ihrem Glück und den Türken zum
Unheil und zum Verderben gereichen müsse. Trotzdem begrüßten auch sie
die ersten Morgenstrahlen mit Freude.
Um diese Zeit erschien Sobieski auf den Wällen; kein Morgenrot stand am
Himmel, aber Morgenrot lag auf seinem Antlitz, denn als er merkte, daß
der Feind ihm eine Schlacht im Lager liefern wolle, war er überzeugt,
daß dieser Tag Mohammed eine furchtbare Niederlage bringen werde. Er
ritt von Regiment zu Regiment und wiederholte: »Für die geschändeten
Kirchen, für die Lästerung der heiligen Jungfrau in Kamieniez, für
die Schmach, die der Christenheit und der Republik angetan ward, für
Kamieniez!« Und die Soldaten schauten drohend drein, als wollten sie
sagen: Wir halten es kaum noch aus auf unseren Plätzen; befiehl, großer
Hetman, und du sollst sehen. -- Der Schimmer und das fahle Licht des
Morgens wurden immer heller, aus dem Nebel traten immer deutlicher die
Reihen der Pferdeköpfe hervor, die Gestalten der Menschen, die Lanzen,
die Fahnen, endlich die Regimenter des Fußvolks. Diese begannen auch
zuerst den Anmarsch und strömten im Nebel dem Feind entgegen, wie zwei
Flüsse zu beiden Seiten der Reiterei. Dann rückte die leichte Reiterei
los, sie ließ nur in der Mitte einen breiten Streifen frei, durch
welchen im geeigneten Augenblick die Husaren heransprengen sollten.
Jeder Regimentsführer von der Infanterie, jeder Rottenführer hatte
schon seine Instruktion und wußte, was er zu tun habe. Kontskis
Artillerie ließ sich immer kräftiger vernehmen und rief von der
türkischen Seite ebenso kräftige Antworten hervor. Da ertönte ein
Musketenschuß, ein ungeheurer Schrei scholl über das ganze Lager -- der
Angriff war eröffnet.
Eine neblige Luft hüllte den Horizont ein, aber das Echo der Schlacht
drang bis dorthin, wo die Husaren standen. Man hörte Waffengeklirr und
Schlachtgeschrei. Der Hetman, der bisher bei den Husaren geblieben war
und mit dem Wojewoden von Reußen sprach, verstummte plötzlich und
horchte auf; dann sagte er zu dem Wojewoden:
»Das Fußvolk kämpft mit den Dschamaken, die in den kleinen Schanzen
zerstreut sind.«
Nach einer Weile wurde der Widerhall der Schüsse allmählich schwächer,
als plötzlich unerwartet eine ungeheure Salve erdröhnte, gleich darauf
eine zweite. Offenbar hatten die leichten Fahnen die Kette der Spahis
durchbrochen und standen den Janitscharen gegenüber. Der Hetman gab
seinem Pferde die Sporen und sprengte wie der Blitz an der Spitze
seiner Leibwache in die Schlacht; der Wojewode von Reußen blieb allein
mit fünfzehn Fahnen Husaren zurück, die in Schlachtordnung dastanden
und nur auf das Zeichen warteten, welches ihnen befahl, heranzusprengen
und das Los der Schlacht zu entscheiden.
Inzwischen brodelte und heulte es inmitten des Lagers immer
fürchterlicher; die Schlacht schien sich bald nach rechts, bald nach
links zu wenden, bald dorthin, wo die litauischen Krieger standen, bald
nach der Seite des Wojewoden von Belz, ganz wie im Sturmwetter die
Blitze am Himmel sich hierhin und dorthin wenden. Das Kanonenfeuer der
Türken wurde immer unregelmäßiger, Kontskis Artillerie aber schoß mit
verdoppelten Kräften. Nach Verlauf einer Stunde glaubte der Wojewode
von Reußen zu erkennen, daß der Schwerpunkt der Schlacht wieder nach
der Mitte zurückgekehrt sei, gerade seinen Husaren gegenüber.
In diesem Augenblick kam der Großhetman an der Spitze seiner Leute
herangeeilt, Feuer sprühte aus seinen Augen, er hielt vor dem Wojewoden
von Reußen und rief:
»Vorwärts, mit Gottes Hilfe!«
»Vorwärts!« schrie der Wojewode von Reußen.
Die Rottenführer wiederholten das Kommando; mit furchtbarem Getöse
senkte sich wie mit einem Schlage ein Wald von Speeren zu den Köpfen
der Pferde nieder; fünfzehn Fahnen dieser Reiterei, welche gewohnt
waren, alles auf ihrem Wege niederzuwerfen, rückten wie eine einzige
riesige Masse vorwärts.
Seit der Zeit, da in der dreitägigen Schlacht bei Warschau die
litauische Reiterei unter Führung Polubienskis wie ein Keil die ganze
schwedische Armee auseinandergetrieben hatte, war kein Reiterangriff
mit solcher Wucht geführt worden. Im Trabe rückten die Fahnen von der
Stelle; auf zweihundert Schritt aber kommandierten die Rottenführer:
»Sturm!« und die Reiter brachen in ein mächtiges Geschrei aus: »Schlagt
nieder, schlagt nieder!«, wiegten sich in ihren Satteldecken, und
die Pferde flogen im Sturmlauf dahin. Diese lebendige Mauer feurig
heranstürmender Rosse, eiserner Krieger und gesenkter Lanzen hatte
etwas vom entfesselten Element an sich; sie wogte wie eine Sturmflut
mit Krachen und Toben. Die Erde bebte unter ihrer Last, und es war
klar, daß sie, wenn auch nicht einer von ihnen die Lanze einlegte oder
den Säbel aus der Scheide zog, durch die bloße Wucht alles vor sich
her niederwerfen, erdrücken und zertreten müsse, wie eine Windhose den
Wald knickt und hinstreckt. So gelangten sie bis zu dem blutgetränkten,
leichenbesäten Felde, auf welchem die Schlacht tobte. Die leichten
Fahnen rangen auf beiden Flügeln mit der türkischen Reiterei, die
sie schon tüchtig zurückgeworfen hatten, aber in der Mitte standen
noch, einer unerschütterlichen Mauer gleich, die tiefen Reihen der
Janitscharen. Zu wiederholten Malen hatten sich einzelne leichte Fahnen
an ihnen gebrochen wie eine Woge, die von der hohen See herkommt, am
felsigen Ufer. Sie zu erschüttern, sie niederzuwerfen, war jetzt die
Aufgabe der Husaren.
Tausende von Janitscharenbüchsen knallten auf einmal »als habe sie
=ein= Mensch gelöst«; noch einen Augenblick: die Janitscharen stellten
sich immer fester auf die Füße; einige zwinkern mit den Augen bei dem
Anblick der furchtbaren Lawine, anderen fliegen die Hände, welche die
Lanzen halten, aller Herzen pochen wie Hämmer; sie beißen die Zähne
zusammen und heben schweratmend die Brust. Schon sind sie da, schon
hört man den scharfen Atem der Pferde -- und es stürmt das Verderben, der
Untergang, der Tod heran.
Allah! -- Jesus Maria! Diese Rufe, so entsetzlich, als kämen sie nicht
aus der Brust von Menschen, tönen wirr durcheinander. Die lebende
Mauer wankt und neigt sich, das trockene Krachen brechender Lanzen
übertönt auf einen Augenblick alles andere, dann folgt Knirschen von
Eisen, ein Ton, wie von tausend Hämmern, die mit voller Kraft den
Ambos treffen, Schläge, wie wenn tausend Dreschflegel an eine Wölbung
schlagen, Rufe einzelner und Rufe von Scharen, Stöhnen, abgerissene
Schüsse aus Büchsen und Pistolen; ein Heulen des Entsetzens. Angreifer
und Angegriffene, wirr untereinander gemengt, ballen sich zu
grauenerregenden Knäueln. Eine Metzelei folgt, aus dem Menschengewirre
strömt warmes, dampfendes Blut und erfüllt die Luft mit rohem Geruche.
Die erste, zweite, dritte und die zehnte Reihe der Janitscharen liegt
hingestreckt am Boden, von Hufen zertreten, von Lanzen durchstochen,
vom Schwerte niedergehauen. Aber der weißbärtige Kiaja, der »Löwe
Gottes«, wirft alle folgenden in das Gewirr der Schlacht. Was tut's,
daß sie hinsinken, wie das Getreide vor dem Sturm -- sie kämpfen. Die Wut
erfaßt sie, sie atmen Tod, sie lechzen nach dem Tode. Die Mauer der
Pferde drängt sie, neigt sie hin und her und stürzt sie; sie stechen
den Pferden mit dem Messer nach dem Bauch. Tausend Schwerter fahren
ohne Unterbrechung hernieder -- und sie hauen, stechen den Reitern nach
den Füßen, nach den Knieen, schlängeln sich heran und beißen wie ein
giftiges Gewürm -- sie fallen und rächen sich.
* * * * *
Kiaja, der »Löwe Gottes«, wirft immer neue Scharen in den Rachen
des Todes, mit lautem Rufe ermutigt er zum Kampf und stürzt selber,
den krummen Säbel in hoch erhobener Faust schwingend, ins Gewirr.
Da stürmt ein hünenhafter Husar, alles vor sich her, einer Flamme
gleich, vernichtend, gegen den weißbärtigen Greis an, hebt sich
in den Steigbügeln, um desto wirksamer auszuholen und läßt mit
einem furchtbaren Streiche die Schneide auf das ehrwürdige Haupt
niedersausen. Weder der Säbel noch die Damascener-Rüstung vermochten
den Streich aufzuhalten -- Kiaja fällt, mittendurch gespalten, wie von
einem Donnerkeil getroffen, zu Boden.
* * * * *
Nowowiejski -- denn er war es -- hatte schon vorher furchtbares Verderben
verbreitet; niemand konnte seiner Kraft und seiner finsteren Wut
widerstehen. Jetzt aber hatte er der Schlacht den größten Dienst
geleistet, indem er den Greis fällte, der ganz allein den wütenden
Kampf bisher aufrecht erhalten hatte. Die Janitscharen schrieen
entsetzt auf, da sie den Feldherrn fallen sahen, und richteten,
zehn zugleich, ihre Büchsen auf die Brust des jungen Ritters. Er
aber wandte sich gegen sie, der düsteren Nacht ähnlich, Schüsse
knallten; Nowowiejski riß sein Pferd zurück und neigte sich über die
Satteldecke. Zwei Genossen fingen ihn in ihren Armen auf; ein Lächeln,
ein ungewohnter Gast in seinen Zügen, erhellte sein düsteres Gesicht;
die Augen drehten sich in ihren Höhlen, und der bleiche Mund flüsterte
einige Worte, die man im Getümmel der Schlacht nicht hören konnte.
Inzwischen waren die letzten Reihen der Janitscharen ins Wanken
gekommen.
Der tapfere Janisch-Pascha wollte die Schlacht noch fortsetzen, aber
schon hatte eine Raserei des Schreckens die Mannschaften erfaßt, schon
waren alle Anstrengungen vergeblich. Die Reihen waren in Unordnung
geraten und konnten, von allen Seiten gedrängt, gehauen, getreten,
nicht mehr in Schlachtordnung gebracht werden. Endlich barsten sie, wie
eine allzu straff gespannte Kette -- und die Leute flogen wie sprühende
Feuerbrände nach allen Seiten, heulten, schrieen, warfen die Waffen
fort und schützten die Häupter mit den Händen. Da sie keinen freien
Raum zu loser Flucht fanden, ballten sie sich immer wieder zu Haufen
zusammen, und die Reiter saßen ihnen im Nacken und badeten sich im
Blute. Den tapferen Janisch-Pascha hieb Muschalski, der wehrhafte
Bogenschütze, mit dem Säbel in den Nacken, daß ihm das Mark aus dem
gespaltenen Grat hervorquoll, und die seidenen Gewänder und silbernen
Schuppen der Rüstung befleckte.
Die Janitscharen, die von der polnischen Infanterie geschlagenen
Dschamaken und ein Teil der gleich zu Beginn der Schlacht zerstreuten
Reiterei, kurz, die ganze türkische Masse floh jetzt in die
gegenüberliegende Seite des Lagers, wo über einen tiefen Abhang ein
viele hundert Fuß hoher Fels starrte. Dorthin trieb die Angst die
Rasenden. Viele stürzten sich in den Abgrund, »nicht um dem Tode zu
entgehen, sondern um nicht in die Hände der Polen zu fallen.« Dieser
verzweifelten Menge vertrat Bidsinski den Weg; doch die Menschenlawine
riß ihn mit sich in die Tiefe des Abgrundes, der sich in kurzer Zeit
fast bis an den Rand mit Toten, Verwundeten und Erdrückten füllte.
Aus dem Abgrund erhob sich ein entsetzliches Stöhnen. Hingestreckte
Körper zitterten in Krämpfen, stießen sich gegenseitig mit den Füßen
und fuhren sich im furchtbaren Todeskampf mit den Nägeln ins Gesicht.
Dann wurde dies Stöhnen immer langsamer, immer schwächer, bis beim
Morgengrauen alles verstummt war.
Furchtbar waren die Folgen des Husarenangriffes. Achttausend
Janitscharen lagen, von Schwertern niedergehauen, an dem Graben, der
die Zelte Hussein-Paschas umgab, außer denen, welche auf der Flucht
oder auf dem Boden des Abgrundes den Tod gefunden hatten. Die polnische
Reiterei war in ihren Zelten, Sobieski triumphierte, die Trompeten und
Krummhörner verkündeten mit heiseren Lauten den Sieg, als plötzlich,
ganz unerwartet, die Schlacht von neuem begann.
Der Großhetman der Türken, Hussein-Pascha, war an der Spitze
seiner berittenen Garde und dem Rest der gesamten Reiterei nach
der Niederwerfung der Janitscharen durch das Tor von Jassy ins
Weite geflohen; als ihm aber dort Dimitr Wischniowiezkis -- des
Feldhauptmanns -- Fahnen entgegentraten und ohne Mitleid niederzuhauen
begannen, war er zurückgekehrt ins Lagers, um einen anderen Ausweg
zu suchen, ganz wie ein Wild, das, im Forst umringt, einen Spalt
sucht, durch den es entkommen kann. Er war aber mit solcher Wucht
herangekommen, daß er im Augenblick eine leichte Fahne durchbrach, das
Fußvolk, das zum Teil schon mit der Plünderung des Lagers beschäftigt
war, in Verwirrung brachte -- und »auf einen halben Pistolenschuß« bis
zum Hetman selbst gelangte.
»Wir waren schon,« schrieb Sobieski später im Lager selbst, »der
Niederlage nahe; wenn es gut endete, ist dies der außerordentlichen
Entschiedenheit der Husaren zuzuschreiben.« In der Tat war der Anprall
der Türken furchtbar gewesen, denn er wurde unter dem Eindruck der
höchsten Verzweiflung unternommen, und kam gänzlich unerwartet. Aber
die Husaren, die vom Schlachtfeuer noch nicht abgekühlt waren, rückten
ihnen im schnellsten Laufe entgegen; erst kam Prusinowskis Fahne heran
und gebot den Angreifern Halt, dann folgte Skrzetuski mit den Seinigen,
ferner ein ganzes Heer von Reitern, Fußvolk, Lagertroß, wie und wo sie
gerade standen -- alles stürzte sich in größter Wut auf den Feind, und es
entstand ein ungeordneter, aber an Wucht dem Angriff der Husaren nicht
nachstehender Kampf.
Mit Bewunderung gedachten nach Beendigung der Schlacht die Ritter des
Mutes der Türken, die, als Wischniowiezki und die litauischen Hetmane
herankamen, von allen Seiten umringt, sich so rasend wehrten, daß
man kaum ein Häuflein von Gefangenen machen konnte; denn der Hetman
hatte die Erlaubnis gegeben, sie lebendig zu fangen. Als die schweren
Fahnen sich endlich nach halbstündiger Schlacht aufgelöst hatten,
kämpften noch einzelne Haufen, ja einzelne Reiter, Allah anrufend,
bis zum letzten Atemzuge. Viele glänzende Taten geschahen hier,
deren Gedächtnis unter den Nachkommen nicht ausstirbt. Hier hieb der
Feldhetman von Litauen mit eigener Hand den mächtigen Pascha nieder.
Dieser hatte vorher Rudomin, Kimbar und Rdultowski ergriffen; aber
der Hetman ritt ihn von hinten an und hieb ihm mit einem Streiche den
Kopf ab. Hier hieb Sobieski einen Spahi, der einen Pistolenschuß auf
ihn abfeuerte, vor den Augen des ganzen Heeres nieder, hier stürzte
sich Bidsinski, der durch ein Wunder sich aus dem Abgrund gerettet
hatte, zerschlagen und verwundet wie er war, sofort in das Getümmel
der Schlacht und kämpfte, bis ihn die Erschöpfung niederwarf. Er war
lange darauf krank, aber als er nach einigen Monaten seine Gesundheit
wiedergewonnen hatte, zog er nochmals in den Krieg und erntete großen
Ruhm.
Von minder Hervorragenden wütete am gräßlichsten Ruschtschyz. Er
schleppte die Gefangenen fort, wie der Wolf die wolligen Widder. Auch
Skrzetuski vollbrachte Wunder. Um ihn her kämpften seine Söhne wie
wütende Löwen. Mit Trauer und Schmerz gedachten diese Ritter dessen,
was an einem solchen Tage Wolodyjowski, der Kämpfer aller Kämpfer,
vollbracht hätte, wenn er nicht schon seit einem Jahre nur noch in
glorreichem Angedenken fortlebte; die anderen aber, die in seiner
Schule groß geworden waren, ernteten reichen Ruhm für ihn wie für sich
selbst auf diesem blutgetränkten Felde.
In dieser erneuerten Schlacht fielen von den Rittern von Chreptiow
außer Nowowiejski noch Motowidlo und Muschalski, der unfehlbare
Bogenschütze. Motowidlo hatten mehrere Kugeln zu gleicher Zeit
die Brust durchbohrt, und er stürzte nieder wie eine Eiche, deren
Lebenslauf beendet ist. Augenzeugen sagten, er sei von der Hand der
Kosakenbrüder gefallen, welche unter Führung Hohols in Husseins Reihen
bis zum letzten Atemzuge gegen die Mutter und gegen die Christenheit
gekämpft hatten. Muschalski aber -- wunderbare Schickung! -- fiel,
von einem Pfeil getroffen, den ein Türke auf der Flucht gegen ihn
aussendete; er durchbohrte ihm den Hals gerade in dem Augenblicke,
da er nach der völligen Niederlage der Heiden mit der Hand den
Köcher ergriff, um den Fliehenden noch einige unfehlbare Todesboten
nachzusenden. Seine Seele muß sich mit Dydiuks Seele vereint haben,
um die auf der türkischen Galeere geschlossene Freundschaft durch die
Bande der Ewigkeit zu befestigen. Die alten Kameraden von Chreptiow
fanden nach der Schlacht die drei Leichen und nahmen unter strömenden
Tränen von ihnen Abschied, obgleich sie ihnen den so rühmlichen Tod
neideten. Nowowiejski lag, ein Lächeln auf den Lippen und eine stille
Heiterkeit in den Zügen. Motowidlo schien friedlich zu schlafen, und
Muschalski hatte die Augen zum Himmel erhoben, als ob er betete. Man
begrub sie zusammen auf dem ruhmreichen Felde von Chozim unter einem
Felsen, in den man zum ewigen Gedächtnis ihre drei Namen unter einem
Kreuze einmeißelte.
Der Führer der ganzen türkischen Armee, Hussein-Pascha, entkam durch
die Flucht auf einem schnellen anatolischen Pferde, aber nur, um in
Stambul aus der Hand des Sultans die seidene Schnur zu empfangen.
Von dem glänzenden türkischen Heere gelang es nur einzelnen, kleinen
Haufen, heil aus der Metzelei zu entkommen. Die letzten Scharen der
Husseinschen Reiterei warfen die Heere der Republik einander in die
Hände, so daß der Feldhetman sie dem Großhetman zutrieb, dieser
wieder jenem, und so ging es abwechselnd, bis sie fast bis auf den
letzten Mann aufgerieben waren. Von den Janitscharen war nahezu nicht
einer davongekommen; das ganze ungeheure Lager strömte von Blut
über, das sich mit dem Regen und Schnee vermischte, und der Leichen
lagen so viele da, daß nur der Frost, die Raben und die Wölfe die
Pest verhinderten, welche faulenden Leichen zu entströmen pflegt.
Die polnischen Heere hatte ein solcher Kriegseifer ergriffen, daß
sie, kaum erholt von der großen Schlacht, Chozim eroberten. Im Lager
selbst fiel den Siegern unermeßliche Beute zu. Hundertzwanzig Kanonen
und dreihundert Fahnen und Standarten schickte der Großhetman heim
von diesem Felde, auf welchem schon zum zweiten Male im Laufe eines
Jahrhunderts das polnische Schwert einen glänzenden Triumph erfochten
hatte.
Sobieski selbst stand in Husseins Lager, das von Gold und kostbaren
Stoffen erglänzte, und sandte durch geflügelte Boten von hier aus
Nachrichten von dem glücklichen Siege nach allen Richtungen. Dann
versammelte sich die Reiterei und das Fußvolk, alle polnischen,
litauischen und kosakischen Fahnen, und das ganze Heer stellte sich in
Schlachtordnung auf. Ein Dankgottesdienst wurde abgehalten, und auf
demselben Maidan, auf welchem noch tags zuvor die Mu'ezzins Allah il
Allah gerufen hatten, ertönte heute das Lied: _Te deum laudamus_. Der
Hetman lag am Boden und hörte der Messe und dem Liede zu, und als er
sich erhob, strömten ihm Tränen der Freude über das erhabene Antlitz.
Bei diesem Anblick brachen die Ritterscharen, die sich noch nicht vom
Blute gereinigt hatten, die noch von der Anstrengung der Schlacht
zitterten, in einen dreifachen stürmischen Ruf aus:
»_Vivat Joannes Victor!_« ...
Zehn Jahre später, als die Majestät König Johannes III. die türkische
Macht bei Wien in den Staub geworfen, hallte dieser Ruf wieder von Meer
zu Meere, von Berg zu Berge, überall durch die Welt, wo Glocken die
Gläubigen zur Andacht riefen ...
=Ende.=
Setzmaschinensatz und Druck von A. Seydel & Cie., G.m.b.H., Berlin SW.
Fußnoten:
[A] Olenka = Kosename für Alexandra.
[B] _Mons Regius_ = Anhöhe bei Warschau, auf welcher das Kloster der
Kamaldulenser Mönche steht.
[C] Die weiblichen Eigennamen haben im Polnischen immer die Endung a,
die männlichen i oder y.
[D] Budschiak, der südliche Teil Bessarabiens.
[E] Baschka = Kosename für Barbara.
[F] Dorosch = Abkürzung für Doroschenko.
[G] Kaukasischer Vornehmer, Prinz.
[H] Paschalik = Provinz, die unter einem Pascha steht.
[I] Quas (Kwas) = Sauerteig, wie er zum Brotbacken bereitet wird,
aus welchem in Polen und polnischen Landesteilen noch heute ein
wohlschmeckendes Getränk bereitet wird.
[J] »Porogen« = Wasserstrudel, Stromschnellen.
[K] Akerman = Landkreis in Bessarabien.
[L] Bache = Wildsau.
[M] Maidan = öffentlicher Platz, Waffenplatz.
[N] Lechistan = Polen.
[O] Jaschmak = türkisches Schleiertuch.
[P] Tschabantschuken = halbwilde, tatarische Büffelhirten.
Notizen des Bearbeiters:
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