Bärbchen sprang auf und fiel ihrem Gatten in die Arme; er drückte seine
Lippen auf die ihrigen, zog sie mit aller Kraft an seine Brust, und
küßte sie auf Augen, Stirn und Mund; es währte lange, denn sie liebten
sich beide sehr.
Nach dem kleinen Ritter kam die Reihe an Herrn Sagloba. Dann traten
die anderen Offiziere heran, um Bärbchen die Hand zu küssen, und sie
wiederholte immer mit ihrem klangvollen, kindlichen Silberstimmchen:
»Lebet wohl, meine Herren, lebet wohl!«
Dann gingen Bärbchen und Evchen, um die ärmellosen Regenmäntel
überzuwerfen, und die Pelze mit den Kapuzen, so daß sie ganz in den
Kleidern verschwanden. Man öffnete ihnen die Türe, durch welche ein
kalter Wind hereinkam, und die ganze Versammlung trat hinaus auf den
Schloßhof. Immer heller wurde es vom Schnee und der aufgehenden Sonne,
ein dichter Reif lag auf den Fellen der lipkischen Rosse und auf den
Pelzen der Soldaten, so daß es schien, als sei die ganze Fahne weiß
gekleidet und säße auf weißen Pferden.
Bärbchen und Evchen stiegen in den ausgepolsterten Schlitten, die
Dragoner und die Fahnen der Genossen riefen den Abreisenden eine
glückliche Fahrt zu.
Bei diesem Ruf flatterten die zahlreichen Scharen der Krähen und Raben,
die der grausame Winter in die Nähe der menschlichen Wohnsitze gezogen
hatte, von den Dächern auf und kreisten in der rosig leuchtenden Luft
mit lautem Krächzen. Der kleine Ritter neigte sich über den Schlitten
und vergrub sein Gesicht in die Kapuze, die den Kopf seiner Gattin
bedeckte.
Es währte lange; endlich riß er sich von Bärbchen los, machte mit der
Hand das Zeichen des Kreuzes und rief:
»In Gottes Namen!«
Da erhob sich Asya im Steigbügel, sein wildes Gesicht strahlte vor
Freude und vom Widerschein der Sonne. Er fuhr mit dem Streitkolben
durch die Luft, so daß sein Übermantel sich wie die Flügel eines
Raubvogels ausbreitete, und rief mit gellender Stimme:
»Ma-a-rsch!«
Die Hufe knarrten im Schnee, Dampf strömte aus den Nüstern der Pferde;
die ersten Reihen der Lipker rückten langsam vor, die anderen folgten,
dann kam der Schlitten, dann wieder Reihen der Lipker -- und der ganze
Zug entfernte sich langsam den abschüssigen Schloßhof entlang dem Tore
zu.
Der kleine Ritter verabschiedete sich mit dem Zeichen des heiligen
Kreuzes. Endlich, als der Schlitten durch das Tor gekommen war, hob er
die Hände zum Munde und rief:
»Lebe wohl, Bärbchen!«
Aber nur die Stimmen der Pfeifen und das laute Krächzen der schwarzen
Vogelschar antwortete ihm.
[Illustration: Dekoration/Kapitelende]
[Illustration: Dekoration/Kapitelanfang]