Sagloba schob die Unterlippe vor: »Ei, schlimm!«

»Hört nur weiter: Wie er so spricht, sage ich gleich: Hab' ich denn

darum gebeten, oder brauch ich es denn? Deinen Segen brauche ich,

nichts weiter. Denn die heidnische Beute, die meinem Schwerte zufiel,

reichte zu einer guten Pacht, ja zu einem mäßigen Gütchen. Was an

Mutterteil da ist, mag für Evchen zur Mitgift bleiben, ich lege auch

noch eine und die andere Handvoll Türkisen hinzu und Atlas und Gold-

und Silbergeweb', und wenn ein schlimmes Jahr kommt, so helfe ich auch

noch dem Vater mit barem aus. Da ward der Vater furchtbar neugierig.«

»So reich bist du?« fragte er, »ums Himmels willen, woher? Von der

Beute? Denn fortgegangen bist du arm wie eine Kirchenmaus.«

»Ich bitte Euch, Vater,« antwortete ich ihm, »ich bin doch elf Jahre

draußen und arbeite mit diesen Fäusten, und wie die Leute sagen, nicht

übel, und sollte gar nichts gesammelt haben? Ich war beim Sturm der

rebellischen Burgen, in denen das Gesindel und die Tataren Beute von

beträchtlichem Werte aufgehäuft hatten, ich habe die Mirzen und die

Räuberscharen geschlagen, und die Beute wuchs und wuchs. Ich nahm nur

das, was mir zuerkannt wurde -- und schädigte keinen; so wuchs es an, und

wenn der Mensch nicht liederlich wäre, so besäße er zweimal soviel,

wie Ihr in Eurer Hauswirtschaft braucht.«

»Und was sagte der Alte da?« fragte Sagloba belustigt.

»Der Vater war erstaunt, denn er hatte das nicht erwartet, und begann

bald über meine Verschwendung zu klagen: Es sei, sagt er, vorhanden,

aber solch ein Windbeutel, solch ein Tagedieb, der sich nur gern

aufbläht und den Magnaten spielt, der bringe alles durch und halte

nichts fest; dann übermannte ihn die Neugier, und er fragte mich

eingehend aus, was ich habe; und da ich sah, daß ich nur gut zu

schmieren brauchte, um gut zu fahren, so verbarg ich ihm nicht nur

nichts, sondern ich log noch ein bißchen hinzu, obwohl ich nicht gern

schönfärbe, denn ich meine, die Wahrheit ist Hafer, und die Lüge

ist Häcksel. Der Vater griff sich mit beiden Händen an den Kopf und

dachte nach: Dies und das könnte man zukaufen, sagte er, diesen und

jenen Prozeß fördern; wir würden Rain an Rain wohnen, und in deiner

Abwesenheit würde ich alles beaufsichtigen. Und da brach das weiche

Vaterherz in Tränen aus. -- Adam, sagte er, das Mädchen hat mir für dich

sehr gefallen, besonders, da sie unter dem Schutze des Hetmans steht,

und daraus könnte dir auch ein Nutzen erwachsen. Adam, sagt er, daß du

mir aber auch meine zweite Tochter behütest und sie mir nicht zugrunde

richtest, sonst würde ich es dir in meiner Todesstunde nicht verzeihen.

-- Und ich, wie ich nur das Wort höre von Sophiechens Kränkung, brülle

los, wir fallen uns einander in die Arme und weinten akkurat, bis die

Hähne krähten.«

»Alter Schelm!« brummte Sagloba. Dann fügte er laut hinzu:

»Ha, da können wir bald in Chreptiow eine Hochzeit und neue

Festlichkeiten haben, besonders da der Karneval kommt.«

»Wenn es von mir abhinge, könnte es schon morgen sein!« rief

Nowowiejski feurig. »Aber das geht nicht so; mein Urlaub ist in kurzem

beendet, und Dienst ist Dienst, ich muß nach Raschkow zurück. Je nun,

Herr Ruschtschyz gibt mir auch einen zweiten Urlaub, das weiß ich,

aber ich bin nicht sicher, ob es nicht von seiten der Frauen eine

Verzögerung gibt. Mache ich mich an die Mutter, so sagt sie: Mein Mann

ist in der Gefangenschaft --, mache ich mich an die Tochter, was sagt

sie? -- Väterchen ist in der Gefangenschaft! Was soll das heißen? Halte

ich diesen Vater in Ketten, oder was? Ich fürchte, es gibt Hindernisse.

Wenn das nicht wäre, faßte ich den Priester Kaminski am Gewand und ließ

ihn nicht los, ehe er mich mit Sophiechen verbunden hat. Aber wenn sich

die Weiber was in den Kopf setzen, so kriegt man es auch mit Zangen

nicht heraus. Meinen letzten Groschen gäbe ich hin und ginge selbst

hin, den Vater holen, -- aber wie soll ich's anfangen? Weiß doch niemand,

wo er ist; vielleicht ist er gar gestorben ... da kann man lange

suchen! Wenn sie mich warten lassen wollen auf diesen Vater, so kann

ich bis zum jüngsten Gericht warten.«

»Die Piotrowitschs machen sich morgen mit Nawiragh und den Anardraten

auf den Weg, wir werden bald Nachricht haben.«

»Himmel, hilf, ich soll erst auf diese Nachrichten warten? Vor dem

Frühling könnte nichts kommen, und inzwischen gehe ich ein, so wahr

ich Gott liebe! Verehrter Freund, alle Welt glaubt an Euren Verstand

und Eure Erfahrung, schlagt Ihr doch den Weibern dieses Zaudern aus

dem Kopf! Freund, im Frühling gibt es Krieg, Gott weiß, was geschieht.

Ich will ja Sophiechen heiraten, nicht den Vater; wie sollte ich dem

Liebeserklärungen machen?«

»Rede den Weibern zu, nach Raschkow mitzufahren und sich dort

niederzulassen. Dort bekommen sie leichter eine Nachricht, und wenn

Piotrowitsch Boski findet, wird er es nahe zu euch haben, und dann: ich

will tun, was ich vermag, du aber bitte Frau Bärbchen, daß sie für Euch

eintrete.«

»O das will ich, das will ich, denn mich holt der Teu...«

Da knarrte die Tür, und Frau Boska trat ein. Ehe Sagloba sich noch

umsehen konnte, war der junge Nowowiejski seiner ganzen Länge nach zu

ihren Füßen hingestürzt, er bedeckte mit seinem Riesenkörper einen

ungeheuren Raum der Diele und rief:

»Ich habe die Einwilligung des Vaters, gebt mir Sophiechen, Mutter,

gebt mir Sophiechen!«

»Gebt ihm Sophiechen, Mutter,« wiederholte Sagloba im tiefen Baß.

Der Lärm lockte die Leute aus den Nachbarkammern herein, Bärbchen kam,

Michael trat aus seiner Kanzlei, und gleich hinter ihnen erschien

Sophie. Das Mädchen durfte doch nicht erraten, um was es sich handle,

aber ihr Gesicht übergoß ein dunkles Rot, sie drückte die Hände

zusammen, machte ein Mäulchen und stand mit gesenkten Augen im Winkel.

Herr Michael lief, um den alten Herrn Nowowiejski herauszuholen. Er kam

und wütete, daß sein Sohn nicht ihm das Amt übertragen, daß er nicht

seiner Beredsamkeit die ganze Sache überlassen habe, stimmte aber doch

seiner Bitte bei.

Frau Boska, welcher wirklich jeder nähere Schutz in der Welt fehlte,

brach endlich in Tränen aus und gab ihre Zustimmung sowohl zu der Bitte

Adams wie zu dem Rate, mit den Piotrowitsch nach Raschkow zu reisen und

dort auf ihren Mann zu warten. Unter Tränenströmen wandte sie sich an

ihre Tochter:

»Sophiechen,« sagte sie, »wie denkst du über die Absichten des Herrn

Nowowiejski?«

Aller Augen richteten sich auf Sophie; sie stand im Winkel, hielt die

Augen nach der Sitte auf den Fußboden geheftet und sprach nach einer

Weile des Schweigens, ganz von Rot übergossen, mit kaum hörbarem

Stimmchen:

»Ich will mit nach Raschkow.«

»Mein süßes ...« platzte Adam heraus, sprang zu ihr und nahm das

Mädchen in seine Arme. Dann schrie er, daß die Mauer bebte:

»Mein ist Sophie, mein -- mein!«

[Illustration: Dekoration/Kapitelende]

[Illustration: Dekoration/Kapitelanfang]

Der kleine Ritter (Herr Wolodyjowski): Historischer Roman · 第 29 / 43 题