Aber die Frau Truchseß hatte keine Zeit zur Antwort, denn in diesem
Augenblick war Bärbchen hereingekommen, noch hastiger als gewöhnlich,
noch rosiger als gewöhnlich, die Stirnhaare noch tiefer über die Augen
als gewöhnlich; sie sprang an Ketling und Christine hinauf, streckte
bald ihm, bald ihr den Finger unter die Nase und rief:
»Aha, schön, schwärmt und liebt euch -- heiratet euch, glaubt ihr, Herr
Michael werde allein auf der Welt bleiben? Nein, denn ich habe es auf
ihn abgesehen, ich liebe ihn und habe es ihm selbst gesagt. Ich habe
es ihm zuerst gesagt, und er hat gefragt, ob ich ihn haben wolle, und
ich habe ihm gesagt, daß ich ihn lieber habe als zehn andere, denn
ich liebe ihn und werde ihm die beste Frau sein und werde nicht von
seiner Seite gehen und werde mit ihm in den Krieg ziehen! Ich habe ihn
schon lange geliebt, wenn ich auch nichts gesagt habe, denn er ist der
Bravste und Beste und Teuerste ... und jetzt heiratet euch, und ich
nehme mir Herrn Michael, und sollte es morgen sein ... denn ...«
Hier ging Bärbchen der Atem aus. Sie schauten sie alle an und begriffen
nicht, ob sie den Verstand verloren habe, oder ob sie die Wahrheit
spreche; dann sahen sie einander an. Plötzlich erschien in der Tür
hinter Bärbchen Michael Wolodyjowski.
»Michael,« fragte der Truchseß, als er sich von seinem Erstaunen erholt
hatte, »ist es wahr, was wir hören?«
Darauf antwortete der kleine Ritter mit großem Ernst:
»Gott hat ein Wunder getan, und dies hier ist mein Trost, meine Liebe,
mein höchster Schatz!«
Bei diesen Worten sprang Bärbchen ihm entgegen wie ein Reh.
Voller Erstaunen stand Sagloba da, sein weißer Bart zitterte, er
öffnete seine Arme weit und sagte:
»Nun brüll' ich los ... Mein kleiner Heiduck, Michael, kommt an meine
Brust!«
[Illustration: Dekoration/Kapitelende]
[Illustration: Dekoration/Kapitelanfang]