Fußnoten 757

Einleitung.

Nach dem ungarischen Kriege, nach welchem die Trauung des Herrn

Andreas Kmiziz mit Fräulein Alexandra Billewitsch stattgefunden hatte,

sollte auch der nicht minder berühmte und um die Republik ebenso

verdiente Ritter Herr Georg Michael Wolodyjowski mit Fräulein Anna

Borschobohata-Krasienska in die Ehe treten. Aber es stellten sich

mancherlei Hindernisse und Schwierigkeiten ein, welche die Sache

verzögerten. Fräulein Borschobohata war ein Zögling der Fürstin

Jeremias Wischniowiezka, ohne deren Zustimmung sie keineswegs in

die Verbindung einwilligen wollte. So mußte Herr Michael wegen

der unruhigen Zeiten die Braut in Wodockt lassen und selbst nach

Samoschtsch reisen, um die Erlaubnis und den Segen der Fürstin

einzuholen.

Aber es leuchtete ihm kein günstiger Stern, denn er traf die Fürstin

in Samoschtsch nicht an; sie war wegen der Erziehung ihres Knaben nach

Wien an den kaiserlichen Hof gereist. Der geduldige Ritter folgte ihr

auch nach Wien, obwohl ihm das eine tüchtige Spanne Zeit raubte. Dort

erledigte er glücklich seine Angelegenheiten und kehrte frohen Mutes

ins Vaterland zurück.

Aber die Zustände, die er zu Hause antraf, waren schlecht; das Heer

wurde zusammenberufen, in der Ukraine dauerten die Unruhen fort -- im

Osten war der Brand noch nicht erloschen. Man hatte neue Truppen

zusammengezogen, um die Grenzen einigermaßen zu schützen. Ehe also Herr

Michael auf seiner Heimreise nach Warschau gelangt war, hatte ihn das

Aufgebot getroffen, welches im Auftrag des Wojewoden von Reußen auf

seinen Namen ausgestellt war. Da er der Ansicht war, daß dem Vaterland

der Vorrang vor persönlichen Dingen gebühre, ließ er den Gedanken an

eine schleunige Hochzeit fallen und zog nach der Ukraine. Viele Jahre

verbrachte er dort in Kriegsarbeit und hatte kaum von Zeit zu Zeit

Gelegenheit, an das sehnsüchtig harrende Mädchen zu schreiben, denn er

lebte beständig im Feuer, in unsäglichen Mühen und Arbeiten.

Dann ging er als Abgesandter in die Krim, später kam der unglückliche

Bürgerkrieg mit Herrn Lubomirski, in welchem er auf seiten des Königs

gegen jenen Nichtswürdigen und Landesverräter kämpfte; dann wieder zog

er unter Sobieski in die Ukraine.

Sein Ruf wuchs durch diese Taten so, daß man ihn allgemein für den

ersten Krieger der Republik ansah; aber -- seine Jahre flossen ihm in

Sorge, in Seufzern und Sehnsucht hin. Endlich kam das Jahr 1668. Da

wurde er auf Befehl des Herrn Burgvogts auf Urlaub geschickt, und er

fuhr mit dem Anfang des Sommers zu seiner lieben Braut, holte sie von

Wodockt und eilte mit ihr nach Krakau.

Die Fürstin Griseldis, welche aus den kaiserlichen Landen bereits

heimgekehrt war, hatte ihn nämlich dorthin zur Hochzeit gebeten; sie

bot sich selbst dem Fräulein als Brautmutter an.

Die Kmiziz blieben in Wodockt. Sie erwarteten nicht so bald Nachricht

von Wolodyjowski und waren ganz von der bevorstehenden Ankunft eines

neuen Gastes in Anspruch genommen, der sich in Wodockt angesagt hatte.

Die Vorsehung hatte ihnen bisher Kinder versagt; jetzt sollte eine

glückliche, ihren Wünschen entsprechende Wendung eintreten.

Es war ein ungewöhnlich fruchtbares Jahr; das Getreide gab so

reichliche Ernten, daß die Scheunen es nicht fassen konnten, und das

ganze Land in seiner Länge und seiner Breite von Schobern bedeckt

war. In den Gegenden, die der Krieg verwüstet hatte, wuchs der junge

Wald in einem Frühjahr so bedeutend, wie er zu anderen Zeiten in zwei

Jahren nicht zu wachsen vermocht hatte. In den Wäldern war ein Reichtum

von Wild und Pilzen, im Wasser ein Reichtum an Fischen, als habe die

ungewöhnliche Fruchtbarkeit der Erde sich allen Wesen mitgeteilt, die

sie bewohnten.

Wolodyjowskis Freunde hatten daraus günstige Vorzeichen für seine

Heirat geweissagt. Aber das Schicksal hatte es anders beschlossen.

[Illustration: Dekoration/Kapitelende]

[Illustration: Dekoration/Kapitelanfang]

Der kleine Ritter (Herr Wolodyjowski): Historischer Roman · 第 5 / 43 题