VERWEILEN UM MITTERNACHT

Um Mitternacht erwachst du. Glocken fallen

Wie Stürme an die Schwelle deines Traums.

Unendlich schwingt das Leben im Gefäß des Raums,

Ob allen Sternen muß sein Herzschlag hallen.

Es steigen an die Klänge, die sich ründen.

Die alte Stadt fühlt hilflos die gewordne Zeit,

Sie beugt sich tief: sie ist bereit,

In Schoß der Quelle einzumünden.

Hinschwingt ein letzter Klang in ferne Sphären.

Der Wandernde verweilt und lauscht:

Nur tiefer Stille wird Gebären,

Wer in der Erde wurzelt, rauscht.

Aus Stunden formt sich Antlitz gen die Zeiten

Und schwebt im Licht der Ewigkeiten.

Gedichte der Gefangenen: Ein Sonettenkreis (Nr. 44) · 第 13 / 20 题