Professor Schmelzle -- so viel wird Ihnen seit Beginn dieses

Anmerkungen zur Transkription

Das Original ist in Fraktur gesetzt.

Im Original gesperrter Text ist +so ausgezeichnet+.

Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so ausgezeichnet~.

Im Original fetter Text ist =so dargestellt=.

Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des

Buches.

Gesammelte

Schulhumoresken

enthaltend die früheren Sammlungen

Besuch im Karzer -- Katheder und Schulbank --

Schulmysterien -- Stimmungsbilder aus dem

Gymnasium -- Samuel Heinzerlings Tagebuch

und eine Anzahl in Buchform noch

nicht veröffentlichter Geschichten

Von

Ernst Eckstein

[Illustration]

Neudamm

Verlag von J. Neumann

Inhalts-Verzeichnis.

Seite

Schülertypen 9

Wie der Quartaner Holzheimer Primus wurde 17

Ein Familienereignis 23

~Knebelii discipuli Threnodia~ 34

Aus den Privataufzeichnungen des Sekundaners Heppenheimer:

Erstes Bruchstück 35

Zweites Bruchstück 44

Doktor Veit 54

Erinnerungsbilder 60

Allerlei Unarten 74

Der entrüstete Oberlehrer 95

Der Bierparagraph 96

Vom Rauchen 103

Die Lyrik auf dem Gymnasium 110

Die Primanerliebe 120

Aus dem Schuldbuche Wilhelm Rumpfs 127

Eindrücke aus dem Karzer 137

Der Besuch im Karzer 163

Samuel Heinzerlings Tagebuch 181

Aus Samuel Heinzerlings nachgelassenen Papieren:

I. Der schnöde Primaner-Triumph 200

II. In der Bierstube 201

Die Klassenprüfung 203

Ferien 211

Das Maturitätsexamen 218

Vorwort.

Die vorliegende Sammlung vereinigt zum erstenmal Ernst Ecksteins

+sämtliche+ Schulhumoresken in einem Band. Einige davon, wie »Der

Besuch im Karzer«, »Samuel Heinzerlings Tagebuch«, »Schulhumor« u.

a., sind als Einzelbände erschienen und haben in vielen Tausenden

von Exemplaren Verbreitung gefunden; andere sind aus dem Buchhandel

gänzlich verschwunden oder wurden nur in Zeitschriften veröffentlicht;

alle aber haben sich so zahlreiche Freunde erworben, daß in dem

großen Kreise derselben zum mindesten die Sammlung sicher freudig

begrüßt werden wird. Daß sie auch Widerspruch erfahren dürften, wird

ihrer Verbreitung vermutlich ebensowenig schaden, wie dies bei den

verschiedenen Einzelausgaben der Fall gewesen ist. Ist doch »Der Besuch

im Karzer« -- an einem regenschweren Herbsttage in Rom entstanden und

in den »Fliegenden Blättern« zuerst veröffentlicht -- bis auf den

heutigen Tag eines der gelesensten deutschen Bücher geblieben, obgleich

er von verknöcherten Pädagogen von jeher in Acht und Bann getan und als

ein Schädling bezeichnet worden ist, geeignet, die Autorität der Lehrer

und damit die in der Schule so nötige Disziplin zu untergraben.

Aber lassen sich solche, für den Wert oder Unwert der Humoresken

übrigens ganz gleichgültige Behauptungen im Ernste aufrecht erhaben?

Wer, der je eine Schulbank gedrückt, hat nicht mit scharfen Augen alle

die kleinen Schwächen seiner Lehrer im Fluge herausgefunden und an

lustigen Schülerstreichen sich erfreut? Aber hat dies alles vermocht,

in Tausenden von Schülerherzen Liebe und Verehrung, Anhänglichkeit und

Dankbarkeit zurückzudämmen, die tüchtige Lehrer allezeit überreich

gefunden haben? So haben auch Ernst Ecksteins Schulhumoresken niemals

auch nur den geringsten Schaden gestiftet oder gar mit zu der Verrohung

unserer Jugend beigetragen, über die man jetzt so vielfach klagen hört.

Aber sie haben manch' müdes und trübes Auge hell aufleuchten lassen in

der Erinnerung an die, ach! so lange entschwundene sonnige und goldene

Schülerzeit, und manches herzliche Lachen haben sie ausgelöst bei

vielen, die im Ernste des Lebens das Lachen beinahe verlernt hatten.

Möge ihnen dies auch in Zukunft immer gelingen, dann werden sie ihre

Aufgabe auch im Sinne und nach dem Wunsche ihres Autors voll erfüllt

haben.

Schülertypen.

Das Gymnasium ist für den, der ein offenes Auge besitzt, so recht

eigentlich die Schule der Menschenkenntnis. Später im bürgerlichen

Leben hat man kaum je die Gelegenheit, so eingehende Charakterstudien

zu machen, wie hier, wo der tägliche Verkehr und die noch mangelnde

Routine des Komödiespielens die überraschendsten Blicke in die

verschiedenen Individualitäten gewährt. Im Gymnasiasten, zumal im

Primaner, ist das künftige Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft

bereits bis auf wenige unbedeutende Retouchen vorgezeichnet. Wer

in diesem aufgeschlagenen Buche zu lesen versteht, der wird jedem

einzelnen schwerlich ein unrichtiges Prognostikon stellen. Selbst mit

der geringen Erfahrung, die ich in Prima besaß, wußte ich mir doch von

gar manchem unter meinen Kameraden ein Zukunftsbild zu entwerfen, das

sich nachmals in seinen wesentlichen Zügen verwirklicht hat.

Da die Menschheit überall die gleiche ist, so wiederholen sich auch die

Schülertypen mit einer fast mathematischen Regelmäßigkeit. Fassen wir

die hervorragendsten etwas näher ins Auge.

Da finden wir zunächst den von seiner eigenen Tüchtigkeit mannhaft

durchdrungenen Kernschüler, meist Sohn einer armen Witwe, der er durch

fleißige Privatstunden einen Teil ihrer Sorgen abnimmt. Er besitzt

einen lobenswerten Eifer und eine klare, ruhige Intelligenz, die hin

und wieder kleine, von ihm krankhaft überschätzte Anläufe in der

Richtung der Phantasie nimmt; daher er denn zuweilen den Versuch macht,

die Themata des deutschen Aufsatzes novellistisch zu behandeln. Er ist

sich eines tief sittlichen Ernstes bewußt und übt gegen diejenigen

seiner Kameraden, über die er sich hoch erhaben dünkt, das heißt also

gegen alle, einen gewissen väterlichen Sarkasmus. Klein von Statur,

sucht er diesem Mangel durch eine straffe Haltung und durch eine

biedermännliche Art des Auftretens abzuhelfen. Über die jugendlichen

Schwärmer, die da halbe Nachmittage vertrödeln, nur um ein einziges Mal

dem blonden Töchterchen des Professors zu begegnen, zuckt er mitleidig

die Achseln. Sein Herz ist zwar nicht unempfindlich; vielmehr hat auch

er bereits eine stille Neigung; aber konsequent und logisch, wie er

ist, betrachtet er solche zwecklosen Huldigungen als Zeitvergeudung.

Er lebt sich und der Wissenschaft, absolviert das Maturitäts-Examen

mit Nummer eins, scheint nach Erlangung dieses Resultates um zwei

Zoll gewachsen zu sein, gebärdet sich wie der bedeutende Mann ~kat'

exochen~, studiert Philologie, beendet sein Triennium gleichfalls

mit Auszeichnung, ist ein halbes Jahr später vierzehnter Oberlehrer

in Liegnitz und heiratet seine Mathilde nach einer verhältnismäßig

kurzen Brautschaft. Er hält seine Zöglinge streng im Zaum, sendet

seiner Mutter alljährlich eine kleine Unterstützung und erzeugt drei

oder vier Kinder. Hiermit aber ist seine »Tüchtigkeit«, die in Prima

so selbstbewußt auf den Troß der Nichttüchtigen herabschaute, ein

für allemal erschöpft; von irgend einer bedeutenden Leistung bekommt

die erwartungsvolle Heimat nichts zu hören. Er, der sich als der

Mann seines Jahrhunderts gerierte, ist ganz und gar aufgegangen in

der Ernährung und Fortpflanzung. Im vierzigsten Jahre schreibt er

vielleicht eine lateinische oder französische Grammatik, die unbekannt

bleibt wie der Name ihres Verfassers. Trotz alledem und alledem hält er

sich nach wie vor für das Ideal eines Menschen; er ist nur darum nicht

Lessing und Goethe, weil seine Tätigkeit als Gymnasiallehrer ihn so

sehr in Anspruch nimmt, daß ihm für alle anderen Dinge die Zeit fehlt.

Auch in der Malerei -- er hat seiner Frau zu ihrem fünfundzwanzigsten

Geburtstag ein Album überreicht, dessen Titelblatt er eigenhändig

gezeichnet -- auch in der Malerei mangelt ihm nur die Muße. Da aber

Raphael einem bekannten Ausspruch zufolge selbst dann ein großer Maler

gewesen sein würde, wenn er ohne Arme auf die Welt gekommen wäre, so

fühlt sich auch unser ehemaliger Kernschüler im tiefsten Grund seines

Wesens dem großen Urbinaten oder doch etwa den Herren Maratta und

Domenichino ebenbürtig.

In politischen Dingen huldigt er einem ernsten, gemessenen

Liberalismus. Was seine religiösen Überzeugungen angeht, so liegt

ihm das Dogma ferne; doch ist er fest überzeugt, daß dereinst in den

unbekannten Regionen des Jenseits eine Vergeltung, das heißt in seinem

speziellen Fall eine Belohnung, eintreten wird; unter welcher Form, ist

ihm gleichgültig.

Eine höchst traurige Erscheinung im Schülerkreise ist der

ausgesprochene Dummkopf. Wer kennt ihn nicht? Mit blöden Augen und

einem Gesichtsausdruck, der die vollkommenste Gleichgültigkeit gegen

alle Erscheinungen der Außenwelt bekundet, so sitzt er da, stramm,

breitschulterig, nichts weiter als eine Raumerfüllung. Richtet der

Lehrer eine Frage an ihn, so erhebt er sich schwerfällig und glotzt:

niemals ist eine Antwort über seine Lippen geglitten; aber auch niemals

hat ihn diese Unfähigkeit, zu antworten, aus dem Gleichgewichte

gebracht. Er ist zwar nicht imstande, das Horazische ~Nil admirari~

ins Deutsche zu übersetzen; dagegen scheint ihm der Kern dieser Worte

vollkommen in Fleisch und Blut übergegangen zu sein. Der Dummkopf ist

gleich unempfindlich gegen den Fluch der Lächerlichkeit, wie gegen eine

dröhnende Standrede. In jeder Klasse haftet er zwei bis drei Jahre

lang; in Sekunda sproßt ihm bereits ein erfreulicher Vollbart; in Prima

weist seine Statur ein kräftiges Embonpoint auf. Er avanciert indes

selten bis in die erste Klasse: meist haben sich seine Angehörigen

schon vorher überzeugt, daß die akademische Bildung nicht das Feld

ist, auf welchem der Dummkopf zu reüssieren vermag, daher er denn in

der Regel als Sekundaner die Karriere des Landwirts ergreift -- eine

Umwandlung, die mit einemmal Leben in die träge Masse bringt. Der

Dummkopf, der im Gymnasium zu faul schien, nur ein Glied zu rühren,

treibt sich jetzt tagelang auf den Äckern herum und verrichtet die

schwersten Arbeiten. Nach Verlauf von zehn Jahren finden wir ihn

nicht selten als Rittergutsbesitzer wieder; ja, wenn er aus guter

Familie ist, läßt er sich vielleicht in den Reichstag wählen, wo seine

Tätigkeit, je nach Umständen, in »lautem Murren« oder in »Heiterkeit«

besteht. Mit vierzig Jahren wird er Ökonomierat; auch entgeht ihm

selten der Rote Adlerorden.

Sehr häufig verwechselt der Unverstand der Lehrer eine andere

Spezies, nämlich den einseitig begabten Schüler, mit dem Dummkopf.

Das zukünftige naturwissenschaftliche Genie legt nicht selten für

das Studium der Sprachen eine absolute Talentlosigkeit an den Tag,

die höchstwahrscheinlich mehr aus dem Mangel an Lust, als aus dem an

wirklicher Begabung hervorgeht. So wurde dem berühmten Chemiker Justus

Liebig von seinen Lehrern insgesamt das trübste Prognostikon gestellt.

Die Naturwissenschaften hatten damals an den öffentlichen Schulen so

gut wie keine Vertretung. Der junge Liebig, der sich schon früh eifrig

mit seinem Lieblingsstudium beschäftigte, ist gewiß hundertmal vom

Katheder herab in der bekannten Weise apostrophiert worden: »Denken

Sie an mich, Liebig! Wenn Sie so fortfahren, so werden Sie über kurz

oder lang Schiffbruch leiden!« Oder: »Was wollen Sie eigentlich einmal

werden? Ich für meinen Teil bin ratlos.« Oder: »Wenn Sie nicht endlich

zur Besinnung kommen, so werden Sie der Schandfleck Ihrer Familie

werden!« Wie muß sich Justus von Liebig in späteren Jahren bei der

Erinnerung an diese Prognostika amüsiert haben! Er, der Schöpfer der

modernen Chemie, dem Tausende von Wißbegierigen aus allen Ländern der

Erde zuströmten, er, der scharfsinnige, philosophische Kopf, der, im

Gegensatz zu den aberwitzigen Apothekergehilfen und Barbiergesellen,

den Gedanken, die Verstandesoperation als das Wesentliche, das

Experiment aber gewissermaßen nur als die Probe auf das Exempel

bezeichnete! Was ist aus den Lehrern geworden, die dem genialen

Forscher den »unvermeidlichen Schiffbruch« weissagten? Ihr Gedächtnis

ist mit ihren Leibern zu Grabe gegangen, während der Name Liebigs

leuchten wird, so lange es eine Wissenschaft gibt.

Hier gilt es also, sehr wohl zu unterscheiden. Nicht jeder ist ein

Dummkopf, der einen schlechten lateinischen Aufsatz schreibt, denn

alles Genie reicht hier nicht aus, sobald die positiven Kenntnisse

mangeln, und diese sind nur durch Fleiß oder doch durch Aufmerksamkeit

zu erwerben. Ein universell begabter Kopf wird allerdings, selbst wenn

er eine ausgesprochene Vorliebe für ein spezielles Fach besitzt, auch

die übrigen Fächer spielend bewältigen. So läßt sich denn z. B. nicht

denken, daß ein Mann wie Schopenhauer auf irgend einem Gebiet hinter

seinen Mitschülern zurückgestanden hätte. Aber solche Naturen sind

äußerst selten, daher wir sie den Schülertypen nicht beizählen dürfen.

Eine weitverbreitete Spezies von Schülern repräsentiert der

humoristisch beanlagte Autoritätsfeind, wie ich ihn mit großer

Ausführlichkeit in der Gestalt meines unvergeßlichen Freundes Wilhelm

Rumpf zu zeichnen versucht habe.

Der humoristisch beanlagte Autoritätsfeind ist das sanguinische

Element auf der Polhöhe. Mit einer edlen Sorglosigkeit erträgt er

die empfindlichsten Freiheitsberaubungen. Von überaus leichter

Fassungsgabe, bedarf er durchaus keiner Vorbereitung, um in den meisten

Fächern mit Glanz zu bestehen. Der krankhafte Ehrgeiz, wie er den

oben gezeichneten »tüchtigen« Schüler beseelt, ist ihm fremd. Auch

ihm wird von ernsten Pädagogen vielfach der bevorstehende Schiffbruch

angekündigt, eine Prophezeiung, die er mit dem freundlichsten Lächeln

von der Welt hinnimmt. Er macht in der Regel eine mehr oder minder

glänzende Karriere, gleichviel auf welchem Gebiete.

Eine sehr unangenehme Erscheinung ist der frühreife Schüler. An den

erheiternden Störungen und sonstigen Zwischenfällen nimmt er nur

beiläufig Teil; dagegen ist er anerkannt als Sachverständiger auf dem

Gebiete des Tabaks und des Bieres. Er trägt in elegantem Futteral

eine Meerschaumspitze bei sich, deren kunstgerechtes Anrauchen ihm

wochenlang als Ideal vorschwebt. Er verkehrt fast nur mit Studenten.

Jene platonischen Regungen, die man unter der Bezeichnung der

Primanerliebe versteht, sind ihm fremd. Er wirft sein Auge vorzugsweise

auf die Feminina der dienenden Klasse, da seine Wünsche durchaus

realistischer Natur sind. Seinem späteren Entwicklungsgang sind sehr

verschiedene Wege vorgezeichnet. Nicht selten wird er ein brauchbarer

Mediziner. Mitunter benutzt er die geringe Konkurrenz auf dem

Gebiete der Theologie und entpuppt sich so schließlich als ehrsamer

Landprediger, der die Bauern auffordert, die Lüste des Fleisches zu

töten und dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist. Oft auch ereilt ihn

als Folge seiner schon so früh begonnenen Exzesse ein vorzeitiger Tod.

Noch unangenehmer als diese Spezies ist der hämische Denunziant. Er

gehört unter die Stillen im Lande und benutzt jede Gelegenheit, wo

er einem Mitschüler einen Schabernack spielen kann. Seine Haltung

ist gebeugt, sein Blick unstet und lauernd. Soll irgendwo in der

Umgebung der Stadt eine Orgie gefeiert werden, so benachrichtigt er

den Direktor in einem anonymen Briefe. Findet eine Untersuchung statt,

so ist er stets »wahrheitsliebend«, wenn nicht etwa die Furcht vor

den Fäusten seiner Kameraden ihn zum Schweigen veranlaßt. Die Lehrer

geben sich zwar den Anschein, als ob sie diese Gattung von Schülern

sehr hoch schätzten; im Grund ihres Herzens widmen sie ihnen jedoch

eine unbegrenzte Verachtung. Auch diese Sorte macht unter Umständen

Karriere, materielle wenigstens; zu Ruhm und Ansehen freilich bringen

sie es höchstens für kurze Zeit.

Fast jede Klasse hat ferner ihren genial sein wollenden Wirrkopf. Ich

meinesteils entsinne mich der köstlichsten Exemplare. Der Wirrkopf

ist frühzeitig Mitglied des städtischen Gesangvereins. Er komponiert

selbstgedichtete Texte, er treibt Ästhetik, ja, er liest vielleicht

Hegel oder Schopenhauer. Von alledem sieht es in seinem Gehirn

so wüst aus, daß kein logischer Gedanke mehr aufzukeimen vermag.

Seine deutschen Aufsätze strotzen von widernatürlichen Bildern. Ich

erinnere mich, daß wir in Prima eine Arbeit über das böse Gewissen

zu liefern hatten. Der Wirrkopf der Klasse schloß seinen Aufsatz mit

der pathetischen Phrase: »Und so liegt denn das böse Gewissen wie ein

eiserner Klotz vor der Tür, der in jedem Augenblick wie Gift durch

die Adern strömt und selbst im Tode kein Ende nimmt.« Der Wirrkopf

war verblendet genug, mir dieses unglaubliche Zeug am Tage vor der

Einlieferung vorzulesen, in der Erwartung, meinen bewundernden

Beifall zu ernten. Ich setzte ihm auseinander, daß hier eine heillose

Vermischung der heterogensten Dinge vorliege; aber mit geringschätzigem

Lächeln wies er meinen Einwand zurück, so daß er denn später vom

Katheder herab vor der ~corona commilitonum~ des Blödsinns bezichtigt

wurde. Aber selbst diese Konstatierung der Sachlage blieb fruchtlos.

Der Wirrkopf war von seiner Leistung so eingenommen, daß er sie später

als Broschüre drucken und an seine Freunde verteilen ließ.

Jede wirkliche Leistung betrachtet der Wirrkopf als etwas

Geringfügiges. Er hat hierin eine gewisse Verwandtschaft mit dem

»Tüchtigen«, nur daß der gleiche Irrwahn hier aus einer anderen Quelle

fließt. Der Wirrkopf macht in der Regel eine sehr obskure, sang- und

klanglose Karriere; aber er trägt sich nach wie vor mit dem Bewußtsein,

daß er das einzige wahrhafte Genie seines Jahrhunderts ist. Hat einer

seiner früheren Schulkameraden später eine hervorragende Stellung

errungen, so lächelt er über diese »ephemeren« Erfolge. Er schreibt

vielleicht ein Tagebuch, in welchem ab und zu Betrachtungen über das

rasche Vergehen der Zeit (die ganz im Gegensatz zu dem eisernen Klotz

des Gewissens durchaus nicht vor der Tür liegen bleibt) mit Ausrufen

über die Verblendung des Menschengeschlechts und die Verwerflichkeit

der Pariser Moden abwechseln. Die Titelseite dieses Tagebuches trägt

die Aufschrift: ~Erga paralipomena~, ein bescheidener Anklang an

die kleinen Schriften des Frankfurter Philosophen. Der Wirrkopf ist

in die Welt gekommen, um seinen Mitmenschen die wahre Einsicht über

das Wesen der Kunst und der Philosophie zu bringen; freilich, wie

alle großen Geister wird er erst nach seinem Tode anerkannt werden.

Dieses Bewußtsein verleiht allem, was er tut, eine eigentümlich

groteske Würde. Er setzt kein Seidel an den Mund, ohne sich die Frage

aufzuwerfen, ob dieses Glas nicht im Grunde ein beneidenswertes

Objekt sei, da es von den Lippen eines so hervorragenden Sterblichen

ausgeschlürft werde. Wenn er sich kämmt, so lächelt er bei dem

Anblick der ihm allenfalls ausgehenden Haare still vor sich hin ...

Wie manche junge Dame würde sich glücklich schätzen, wenn sie drei

oder vier dieser Haare für ihr Medaillon erwerben dürfte! Denn -- das

hätten wir beinahe vergessen -- der Wirrkopf hält sich dem weiblichen

Geschlecht gegenüber für unwiderstehlich. Mit edler Offenheit spricht

er von seinem geistvollen Auge, auf das er sich ja durchaus nichts

einbildet. In der Tat besitzt er einen schwärmerischen Aufschlag, der

namentlich bei jungen Pfarrerstöchtern von ergreifender Wirkung ist.

Nach langem Hin- und Herwählen verlobt er sich mit einem herzlich

unbedeutenden Frauenzimmerchen. Da er vermöge seiner Wirrköpfigkeit

nur langsam auf der Skala der bürgerlichen Existenz emporklimmt, so

dauert sein Brautstand sieben, acht, neun und mehr Jahre. Er heiratet

dann seine Braut aus Grundsatz; die eigentliche Verliebtheit ist längst

zu Grabe gegangen. Aber der Wirrkopf tröstet sich mit der Tatsache,

daß alles Glück in diesem Jammertale nur ein Phantom ist. In stillen

Sommernächten überläßt er sich ganz und gar dem Weh über sein im Grunde

verfehltes Dasein. Er singt dann das von ihm selbst verfaßte Klagelied

»Herbstschauer« mit dem Refrain »Die Blätter, sie fallen« zu einer

heftig verstimmten Gitarre und erzeugt dadurch ein Echo in der Brust

sämtlicher benachbarten Hofhunde. Plötzlich stürzt seine dicke Jeanette

auf den Altan und ruft ihm schwer keuchend die Worte zu:

»Aber um Himmels willen, Eduard, du weckst ja die Kinder!«

Im Innersten geknickt, stellt er die Gitarre an die Wand. Die Prosa des

Lebens hat seine Seele aus den Regionen des Äthers wieder herabgerissen

in die dunklen Tiefen Sansaras; voll stummer Ergebung besteigt er sein

Lager an der Seite Jeanettens.

Mit diesem Wirrkopf schließen wir. Die Zahl der Schülertypen ist

natürlich noch lange nicht erschöpft; erschöpft aber ist vielleicht die

Geduld des Lesers.

Wie der Quartaner Holzheimer Primus wurde.

Von ihm selbst in Briefform aufgezeichnet.

Hochgeehrter Herr Redakteur!

Ihr geschätztes Blatt erörtert mit Vorliebe charaktervolle Ereignisse

aus dem alltäglichen Leben. In der Tat scheint mir der Ausspruch

unseres vortrefflichen Schiller:

Was sich nie und nirgends hat begeben,

Das allein veraltet nie ...

aus mehr als einem Gesichtspunkt -- veraltet; womit ich keineswegs

gesagt haben will, daß Schiller nicht gewisse Verdienste besäße.

Erklärt doch derselbe Schiller, -- ich habe das betreffende Gedicht

erst vorgestern in der Deklamationsstunde rezitiert und infolge einer

empörenden Verstimmung des Herrn Professors die Note »ungenügend«

davon getragen, -- erklärt doch derselbe Schiller, daß der Lebende

recht hat. Das Deklamieren ist, beiläufig gesagt, meine Force, während

ich im Griechischen durch allerlei Verkettungen häuslicher Übelstände

in betrüblicher Weise zurückgeblieben und kaum imstande bin, die

ersten Beispiele aus Jakobs zu übersetzen. Nichtsdestoweniger und

dessenungeachtet gelang es mir neulich, just im Griechischen den

Ehrenplatz eines Primus zu erobern und bis zum Schluß der Lehrstunde

unbeeinträchtigt zu behaupten. Sie denken jetzt natürlich an unlautere

Manipulationen, an abgeschriebene Exerzitien, an frech gehandhabte

Spicker. Aber Sie irren: ich ward Primus auf ganz legitimem, ich möchte

sagen, auf höchst honorigem Wege, und kraft jenes Grundsatzes, den

schon die Bibel betont: »Wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöhet

werden«. Fahren Sie nur getrost in der Lektüre dieser meiner Darlegung

fort.

Professor ~Dr.~ Schmelzle, der uns den Jakobs erklärt, hat nämlich die

befremdliche Angewohnheit, eine mangelhafte Leistung durch Degradation

zu bestrafen. Kaum habe ich meinen Mund geöffnet, um den ersten ~Aor.

Ind. Act.~ von βλέπω mit »ich wurde gesehen« zu verdeutschen, so ertönt

schon das verhängnisvolle »Setz' Dich zu unterst!« Beim Repetieren wie

beim Extemporieren, beim Hersagen der Paradigmen wie beim Abfragen

des Wörterverzeichnisses -- überall und jedesmal ernte ich dieses

ungebührliche »Setz' Dich zu unterst!«, sobald ich auch nur zwei Silben

über die Lippen gebracht habe. Es ist dies, wie Sie in Anbetracht

meines sonstigen Bildungsgrades leicht ermessen werden, eine sogenannte

Tücke des Schicksals, eine μοῖρα, ein ~fatum~, das auf gewöhnlichem

Wege nicht zu ändern ist. Wenn ich, der gehorsamst Unterzeichnete,

gleichwohl ein Mittel fand, das anscheinend so unnahbare Ziel des

ersten Platzes unter Zweiundzwanzigen zu erreichen, so danke ich dies

lediglich meinem diplomatischen Scharfsinn, der allerdings in unserer

Familie schon seit mehreren Generationen heimisch ist, wie denn mein

Onkel mütterlicherseits, der bekannte Papierfabrikant Heinerle, die

Schreibmaterialien in das Reichskanzleramt liefert, während mein

Großvater vor der Schlacht bei Königgrätz die Äußerung getan haben

soll: »Wenn das Schlachtenglück sich auf die Seite der Preußen neigt,

so glaube ich der österreichischen Armee eine ernstliche Niederlage

prophezeien zu dürfen!« ~Habeat sibi!~ wie Professor Gordon zu sagen

pflegt, wenn ich im Bilden eines lateinischen Partizipialsatzes nicht

von der Stelle komme. Sie selbst sollen entscheiden, ob ich zu viel

behaupte.

Professor Schmelzle -- so viel wird Ihnen seit Beginn dieses Briefes

klar sein -- stellt an die Leistungsfähigkeit seiner Quartaner höhere

Anforderungen, als er, streng genommen, vor dem Richterstuhle der

Humanität verantworten könnte. Es fehlt ihm für die Beurteilung unserer

Kenntnisse jeglicher Maßstab. Diese Tatsache fühlt er selbst, daher er

denn von Zeit zu Zeit gewissermaßen an unser eigenes Urteil appelliert

und am Schluß der Lehrstunde die bedeutsamen Worte spricht: »So, hm,

hm! Fürs nächste Mal mögt Ihr Euch die Klassenaufgabe einmal selber

auswählen. Schlagt mir, hm, hm! ein paar Themata vor, ich werde dann

endgültig resolvieren!« Da ruft dann der eine: »Ach, Herr Professor,

lassen Sie uns bei dem ganzen Pensum von heute das Perfektum ins

Präsens verwandeln.« ... »Nein, nein,« ruft der zweite, »lassen Sie

uns die Erzählung vom Diogenes auswendig lernen!« Kurz, vier, fünf der

hervorragendsten Schüler beantragen ihre meist sehr unverfänglichen

Aufgaben, und der Herr Professor entscheidet dann. Leider bin ich,

wie bereits angedeutet, infolge häuslicher Umstände selbst diesen

leichteren Aufgaben nicht gewachsen, und wenn am folgenden Tage

die Aufforderung des Lehrers mich trifft, so heißt es immer wieder

unfehlbar: »Zu unterst!«

Nun muß ich bemerken, daß Professor Schmelzle ein Dichter ist. Von

Zeit zu Zeit veröffentlicht er im städtischen Anzeiger ein Kind seiner

Muse, -- sei es nun ein Hymnus auf die Rückkehr des Herzogs, ein

Frühlingslied oder ein Festgesang beim Antritt des neuen Jahres.

Es war nun am 10. Januar, als Professor Schmelzle uns wiederum die Wahl

der Aufgabe für den folgenden Mittwoch freigab. In der Neujahrsnummer

des städtischen Anzeigers hatte just eine Ode unseres allverehrten

Lehrers gestanden, ein »Rückblick« von zwanzig Strophen, der die

Ereignisse des verflossenen Jahres in tiefsinniger, ja, ich möchte

fast sagen, unverständlicher Weise behandelte. Poeten sind eitel,

und Professor ~Dr.~ Schmelzle ist, was diesen Punkt betrifft, ein

Poet ersten Ranges. Als er daher am Schluß der Lehrstunde vom 10.

Januar zu Vorschlägen aufforderte, erhob ich mich selbstbewußt und

sagte mit Stentorstimme: »Herr Professor, lassen Sie uns das schöne

Gedicht ›Rückblick‹, das Sie in der Neujahrsnummer unseres städtischen

Anzeigers zu veröffentlichen die Güte hatten, ins Griechische

übersetzen!«

Sie stutzen, geehrter Herr Redakteur! In der Tat war das eine

Aufgabe, an der selbst die Gewandtheit eines Primaners unausbleiblich

gescheitert wäre. Aber gerade das wollte ich. Ich wollte diesen fünf,

sechs Auserlesenen, die stets die Note »Vortrefflich« einheimsten, auch

einmal zeigen, was es heißt, ein Problem lösen zu sollen, das unsere

Kraft übersteigt. Aber noch mehr. Ich selbst wollte mich durch dieses

glorreiche Strategem an die Spitze der Quarta schwingen und meinen

Mitschülern dartun, daß ein offener Kopf praktisch mehr bedeutet als

ein Wust von Optativen, die sich schließlich endigen mögen, wie sie

wollen, -- mir soll's egal sein.

Der Professor war im ersten Moment über meine Kühnheit verblüfft,

aber gleich darauf spielte um seine Lippen jenes eigentümliche

Dichterlächeln, das mir den Sieg gewährleistete. Der Gedanke, daß

dreiunddreißig mehr oder minder geistvolle Knaben sich stunden- und

tagelang mit dem »Rückblick« beschäftigen, daß sie ihn analysieren

und gewissermaßen in seine Einzelschönheiten aufdröseln sollten, --

dieser Gedanke hatte für Professor Schmelzle etwas Verführerisches.

Die Autoren-Eitelkeit überwog alle Bedenken, und die idealistische

Auffassung bezüglich unseres Wissens machte ihn ja so wie so geneigt,

uns allerlei Sisyphusarbeiten zuzumuten.

»Gut,« sagte er schmunzelnd, »übersetzt mir den ›Rückblick‹

ins Griechische. Die Sache wird Euch zwar Mühe machen, aber

ein deutsch-griechisches Lexikon tut das übrige. Notabene,

selbstverständlich braucht Ihr Euch nicht an das Metrum zu halten.«

Mit diesen Worten verließ er das Schulzimmer, während ich von meinen

Kommilitonen mit drohenden Vorwürfen überhäuft wurde, die ich stoisch

lächelnd zurückwies.

Der entscheidende Mittwoch kam unter den mannigfachsten Qualen der

gepeinigten Quarta heran.

»Nun,« sagte der Herr Professor, indem er sich behaglich über

das rundliche Kinn strich, »wer will mir denn einmal zuerst den

griechischen ›Rückblick‹ vorlesen oder aufsagen?«

Nicht ein einziger meiner Mitschüler meldete sich, denn alle fühlten

die entsetzliche Unzulänglichkeit ihrer Arbeit; ich aber fuhr stolz in

die Höhe und sagte mit fester, gemessener Stimme:

»Ich, Herr Professor.«

»Du, Holzheimer?« fragte der Professor erstaunt; »nun, da bin ich denn

doch in der Tat begierig.«

Ich hob mein Heft und begann. Kaum aber hatte ich zwei Zeilen meiner

unglückseligen Übersetzung vorgetragen, als schon ein wütendes »Zu

unterst! Zu unterst!« mir das Wort von den Lippen nahm. Da ich bereits

zu unterst saß, so brauchte ich mich nicht weiter vom Platz zu

bemühen. Ich setzte mich und wartete siegesgewiß der Dinge, die da

kommen sollten.

»Lies Du einmal, Kurschmann!« rief der Professor ärgerlich.

Stotternd und stammelnd begann der sonst vortreffliche Schüler die

Lektüre seines Elaborates.

»Was?« unterbrach ihn der Lehrer beim dritten Worte. »Wie übersetzt Du

diesen Passus: ›Im herben Mischkrug schnöder Vergangenheit?‹ Bist Du

von Sinnen? Augenblicklich zu unterst!«

Das Haupt gesenkt schritt Kurschmann von der Bank der Erlesenen nach

dem Strafplatze. Ich aber rückte einen hinauf.

»Engelbach!« sagte der Herr Professor, »beschäm' einmal dieses

barbarische Griechisch!«

Engelbach las, aber er kam nicht weiter als Kurschmann. Die Aufgabe war

eben für einen Quartaner unlöslich.

»Zu unterst!« schrie der Professor, der die Unfähigkeit seiner

Schüler wie eine persönliche Injurie empfand. Bei den Göttern!

War denn diese Neujahrsode so verworren, so unklar, daß zwei der

besten Jakobs-Übersetzer, daß ein Kurschmann, ein Engelbach daran

scheiterten! ...

»Kleewitz!« rief Schmelzle mit geröteter Stirn, als Engelbach neben

Kurschmann Platz genommen und mich so abermals um einen herauf

befördert hatte. »Du bist doch ganz gewiß imstande gewesen ... Es

müßte ja mit dem Teufel zugehen ... Ich verlange ja keineswegs den

vollendeten Attizismus, aber mein Gott ... Was? Du hast überhaupt

nichts geschrieben? Die Arbeit war Dir zu schwer? Du bist ja ein ganz

erbärmlicher Junge! Zu unterst! Augenblicklich zu unterst!«

Und abermals rückte ich einen hinauf.

Dieser vierfache Mißerfolg hatte den Professor hitzig gemacht.

»Ich will denn doch einmal sehen, ob nicht ein einziger in der ganzen

Klasse so viel Griechisch besitzt, um dieses schlichte, einfache, ich

kann wirklich sagen: edel-einfache Poem wiederzugeben! Einer wird doch

von den rastlosen Bemühungen, die ich dieser Klasse fortwährend opfere,

etwas profitiert haben. Grazmüller, Veltliner, Stechhuber! Beim Pluto,

seid Ihr denn alle vernagelt? Grazmüller, lies einmal vor!«

Und Grazmüller las. Aber auch Grazmüller kam zu Fall, wurde im Tagebuch

durch persönliche Eintragung des Professors mit Nachsitzen belegt, und

dann ertönte das traditionelle »Zu unterst!«

So rutschte ich Bank um Bank aufwärts, und als es drei Viertel schlug,

-- Sie mögen's nun glauben oder nicht, -- als es drei Viertel schlug,

war ich, Otto Leberecht Holzheimer, ich, das Opfer mißglückter

Aoristformen, Primus!

Der Professor bebte am ganzen Leibe.

»Das ist zu viel!« raunte er mit erstickter Stimme. »Ich muß ein

Exempel statuieren. Die ganze Klasse kann ich nicht einsperren, aber

schon im Altertum pflegte man rebellische Legionen zu dezimieren ...

Die sechs Untersten werden mir über Mittag nachsitzen. Primus, Du wirst

den Pedellen von dieser Verfügung in Kenntnis setzen.«

Und ich, Otto Leberecht Holzheimer, meldete unserem Pedell, die

sechs Ultimi, darunter zwei der vorzüglichsten Griechen, seien wegen

ungenügender Leistung mit der empfindlichen Strafe des Herrn Professors

~in aeternam rei memoriam~ gebrandmarkt worden!

Sehen Sie, geehrter Herr Redakteur, so geht's in der Welt! Der Geist

siegte über das Fleisch, die deutsche Intelligenz über den griechischen

Formelkram, der Germanismus über das Welsche, Bismarck über Benedetti,

Schalk über das Philistertum, und Falk über die Jesuiten. Als deutscher

Quartaner biete ich Ihnen, dem Gleichgesinnten, Gruß und Handschlag!

Lassen Sie uns gemeinsam fortstreben im Dienste der echten, der

geistesbefreienden Humanität!

Mit kollegialischem Gruß

Ihr

herzlich ergebener

+Otto Leberecht Holzheimer+.

pr. Adr.: Herrn ~Dr.~ +Friedrich Leberecht Holzheimer+,

Herzogl. Kreisphysikus und Sanitätsrat

zu +Meppingen+.

Ein Familienereignis.

Es ist eigentümlich, wie schwer sich der Gymnasiast daran gewöhnt, das

Privatleben seiner Lehrer unbefangen und parteilos ins Auge zu fassen

und in dem Manne, der da berufen ist, von der Höhe seines Katheders

den Äschylus zu erklären und Karzerstrafen zu verhängen, ohne störende

Nebengedanken den Bürger und Staatsbürger zu würdigen. Alles, was

der Lehrer im Kreise seiner Familie oder innerhalb der menschlichen

Gesellschaft treibt, gewinnt für den Blick des Gymnasiasten eine

absonderliche Beleuchtung, und zwar müssen wir zu unserem Bedauern

konstatieren, daß diese Beleuchtung nur in Ausnahmefällen die einer

rein menschlichen Sympathie ist. Vielmehr geht das Gymnasiastengemüt

systematisch darauf aus, jeder Handlung des Gymnasialprofessors, und

sei sie die indifferenteste und naturgemäßeste, eine komische Seite

abzugewinnen und übermütige Glossen daran zu knüpfen.

Zu den ernstesten und heiligsten Familienereignissen gehört die

Vermehrung des Hausstandes durch einen jungen Sprößling. Unter

normalen Verhältnissen beeilen sich sofort die Verwandten und

Freunde, das höchlich erfreute Elternpaar zu beglückwünschen, und

ein Inserat im Tageblatt verkündet auch den entfernteren Gönnern und

Gesinnungsgenossen, daß die liebe Frau Berta oder Josephine ihren

Gatten mit einem kräftigen Jungen überrascht habe. Wenn der Gymnasiast

wirklich ein ethisch tief angelegtes Geschöpf wäre, so müßte ein

derartiges Vorkommnis in der Familie des Gymnasialprofessors auf die

ganze Klasse einen erhebenden und läuternden Einfluß ausüben. Aber just

das Gegenteil ist der Fall ...

In Sekunda und Prima erfreuten wir uns eines Lehrers, der nur darum

nicht die oben erwähnten Insertionskosten in jedem Semester dreimal

zu tragen hatte, weil die Natur in diesem Punkte unüberwindliche

Hindernisse aufgetürmt hat. Aber alljährlich einmal trat die

beglückende Überraschung doch ein, und die ganze Klasse war dann

in einer Weise demoralisiert, die mit dem Geist, wie er in einer

Pflanzstätte des Schönen, Wahren und Guten herrschen soll, schroff

kontrastierte.

Schon einige Wochen vor dem entscheidenden Tage raunte man sich auf

allen Bänken das Geheimnis von Doktor Brömmels erneuten Hoffnungen

zu. Sobald diese Tatsache für ausgemacht galt, beschäftigten wir uns

während der Unterrichtsstunden Brömmels vornehmlich mit Epigrammen

und Xenien, denen es oblag, unsere Entdeckung nach ihrer sittlichen,

kulturgeschichtlichen und nationalökonomischen Seite zu kritisieren.

Eine hervorragende Rolle in diesen rhythmischen Kleinigkeiten spielte

Niobe, als das Urbild eines überschwenglichen Mutterstolzes. Auch

Danaos und andere mythische Gestalten woben sich zwanglos in unsere

Distichen ein. Und da sich mir bei einer tieferen Würdigung der

Sachlage die Erwägung aufdrängte, wie es Herrn Brömmel dereinst wohl

gelingen möchte, seine zahlreichen Töchter glücklich und vorteilhaft zu

verheiraten, so schuf ich, die Ereignisse antizipierend, eine Ballade,

die mit den Versen anhub:

Herr Brömmel ist von Töchtern

Allmählich ganz umringt;

Er denkt und sinnt und dichtet,

Wie er sie unterbringt.

Schon sind Amandens Locken

Mit zartem Grau meliert,

Und Ostern wird die Jüngste,

So Gott will, konfirmiert.

Im weiteren Verlauf der Dichtung schob ich nun dem unglücklichen

Lehrer eine endlose Reihe von Machinationen unter, von denen keine zum

erwünschten Ziele führt. Da ergreift ihn die helle Verzweiflung. Die

Hände zum Zeus erhoben, bricht er in die klagenden Worte aus:

O Herr, sieh du in Gnaden

Auf meiner Töchter Zahl

Und hilf mir, Allerbarmer,

In meiner Vaterqual!

Da läßt Zeus seine Donner rollen, und eine vernichtende Stimme ruft dem

erschrockenen Bittsteller zu:

Was du dir angerichtet,

Ertrage mit Geduld:

Hast du zu viele Töchter,

So bist du selber schuld!

Der Leser wird schon bei der Lektüre dieser wenigen Proben die

Überzeugung gewinnen, daß unsere Lieblosigkeit einen wahrhaft

beängstigenden Höhegrad erreicht hatte. Was war indes meine Ballade

gegen die Xenien Wilhelm Rumpfs oder die Vierzeiler Emanuel Boxers?

Eines dieser Quatrains lautete z. B.:

Und gibt's ein Zwillingspaar,

So sind's der Kinder zwei;

Und gibt's noch eines mehr,

So sind es ihrer drei.

Ein anderes:

Wie zärtlich strahlt dein Angesicht,

Und wonnig glüht der Liebe Feuer!

Doch eines, Kind, bedenkst du nicht:

Das Geld ist rar, das Leben teuer.

Ein drittes griff die Sache noch ironischer und beißender an. Es

lautete:

Flocken, Flocken streut der Winter,

Zahllos wie der Sterne Heer,

Zahllos wie der Sand am Meer,

Zahllos wie Herrn Brömmels Kinder.

Oder in knapperer Form:

»Wie ist die Stadt verwaist!«

Die Brömmels sind verreist.

Ja, selbst ethnographische Streiflichter blitzten aus unseren

geistsprühenden Epigrammen:

»Das deutsche Volk vermehrt sich flott,

Und Frankreich senkt beschämt die Fahne ...«

Kein Wunder das, beim ew'gen Gott!

Herr Doktor Brömmel ist Germane!

Unter solchen und ähnlichen Perfidien verstrich Woche um Woche, und nun

ging es ungefähr, wie ich nachstehend verzeichne.

Es war etwa in der Nachmittagsstunde zwischen zwei und drei. Doktor

Brömmel erging sich gerade in einer ausführlichen Darlegung der

griechischen Literaturverhältnisse seit dem Tode des Euripides ...

Plötzlich vernahm man an der Tür des Schulsaales ein schüchternes

Pochen.

»Herr Professor, es klopft!«

Über die Züge Brömmels flog ein eigentümliches Leuchten.

»So, es klopft?« sagte er mit unsicherer Stimme. »Sehen Sie einmal

nach, Boxer, wer da ist.«

Boxer ging, um zu öffnen. Im Rahmen der Pforte ward das ernste Haupt

des Pedells sichtbar.

»Ah, Sie sind es, Quaddler«, sagte der Professor, nur mit Mühe eine

gewisse Erregung bewältigend. »Was wollen Sie?«

»Herr Professor, Ihr Mädchen ist draußen, Sie möchten doch rasch mal

nach Haus kommen.«

Durch die versammelte Sekunda ging ein leises, fast unhörbares Murmeln.

Boxer, der sich wieder auf seinen Platz zurückzog, streckte uns

bedeutsam die Zunge heraus und zog die Brauen in die Höhe, als wollte

er sagen: »~Jamjam adest!~« Professor Brömmel aber beauftragte den

Primus, einstweilen ein Kapitel aus Xenophons Memorabilien übersetzen

zu lassen, griff hastig nach Stock und Hut und eilte ins Freie.

Sofort bemächtigten wir uns des Pedells.

»Was ist denn los, Herr Quaddler?« riefen wir, eine naive Unkenntnis

heuchelnd. »Die Frau Professorin ist doch nicht krank geworden?«

Quaddler schüttelte unwillig das Haupt.

»Ach, die Herren Sekundaner müssen immer ihre Possen machen«, sagte er

ärgerlich. »Sie werden wohl sehr gut wissen, was geschehen ist.«

»Aber wir haben keine Ahnung, bester Herr Quaddler!« riefen wir im Chor.

»Ach, gehen Sie weg, ich kenne das. Seit zwanzig Jahren bin ich Pedell,

und die Herren Sekundaner haben es noch jedesmal so gemacht.«

»Das ist wohl bis jetzt in jedem Semester passiert?« fragte Boxer.

»Herr Boxer,« sagte Quaddler sehr ernst, »ich muß mir gütigst erlauben,

zu vermerken, daß ich unmöglich zugeben kann, wo es sich um den Respekt

handelt, und wofern Sie immer so Narrenspossen im Kopfe haben!«

»Aber ich frage ja nur, -- ereifern Sie sich doch nicht! Also es ist

wirklich was Kleines?«

Quaddler wurde jetzt ungemütlich.

»Wenn Sie meinen, Sie können hier Ihren Spott mit mir treiben, so muß

ich mir ergebenst zu vermerken erlauben, daß Sie gütigst im Irrtum

sind. Wenn der Herr Professor zurückkommen, werde ich vermelden, was

vorgefallen ist.«

»Was? Er droht?« rief jetzt eine Stimme von den hinteren Bänken.

»'naus! 'naus!« donnerte eine zweite.

Quaddler richtete sich hoch auf.

»'naus, sagen Sie? 'naus? Wissen Sie was, wenn Sie mir so kommen und

'naus sagen, dann gehe ich.«

Und hiermit machte er kehrt und verschwand im Korridor.

Jetzt brach ein unendlicher Jubel los. Einer von uns bestieg den

Katheder und machte seine Mitschüler in einer kurzen Ansprache auf

das Wichtige und Erhebende des Momentes aufmerksam. Am Schluß dieser

Rede betonte er die Notwendigkeit, dem gefeierten Lehrer durch eine

möglichst glänzende und einstimmige Demonstration die Teilnahme der

Sekunda an dem freudigen Ereignis recht unmittelbar auszudrücken. Nach

längeren Debatten ward der Beschluß gefaßt, Herrn Brömmel des anderen

Tages bei seinem Erscheinen im Lehrzimmer ein großes Bukett und eine

~ad hoc~ zu verfertigende lateinische Ode zu überreichen. Da wir nichts

Besseres zu tun hatten, so gingen unsere berufensten Lateiner sofort

ans Werk, das projektierte Festgedicht in seinen Umrissen zu Papier zu

bringen. Sechs oder sieben Entwürfe gelangten zur Verlesung. Es fand

sich da eine reiche Auswahl der wunderbarsten und überraschendsten

Wendungen. Eine dieser Hymnen begann mit den Worten:

~Praeceptori nostro caro,

Viro justo ac praeclaro,

Ridet Zeus haud ita raro --~

eine Strophe, deren Schlußwendung nicht der Grazie entbehrt. Ich selbst

hatte eine tiefempfundene Ode verfaßt, die mit dem Ausrufe begann:

~Iterum iterumque ...~

Sie wurde jedoch von der Majorität meiner Kameraden als zu

karzergefährlich abgelehnt.

Des anderen Tages mit dem Glockenschlag neun trat Doktor Brömmel

nicht ohne eine gewisse Befangenheit in das Schulzimmer. Sofort erhob

sich der Primus von Obersekunda und streckte die Rechte wie zum

Eidschwur nach der Decke. Auf dieses verabredete Signal brach die ganze

Klasse in ein stürmisches Hoch aus: Hoch! und abermals Hoch! und zum

drittenmal Hoch! Doktor Brömmel wußte nicht, ob er danken oder eine

Untersuchung einleiten sollte. Ehe er sich jedoch über dieses Dilemma

entschieden hatte, trat unser bester Redner aus den Bänken, schritt,

in der Linken das riesige Bukett, in der Rechten die auf sauberes

Velinpapier geschriebene Ode haltend, nach dem Katheder hin und begann

seine Deklamation. Das Festgedicht war so eingerichtet, daß nach jeder

achtzeiligen Strophe der Chor einfallen mußte, was denn auch jedesmal

bestens besorgt wurde. Herr Doktor Brömmel schwankte während der ganzen

Zeremonie fortwährend zwischen den verschiedenartigsten Stimmungen hin

und her. Einmal biß er sich so entschieden auf die Lippe und legte die

geballte Faust auf die Kathederfläche, daß wir unbedingt überzeugt

waren, er würde die ganze Klasse wegen Komplotts beim Lehrerkollegium

anzeigen; dann aber, unseren heiligen Ernst wahrnehmend, lächelte

er still vor sich hin und gedachte an Berta, die ja in der Tat, die

ja wirklich, die ja genau so, wie es in dem Festgedicht hieß, sein

Haus mit Freude und Segen erfüllt hatte. Im stillen aber mochte er

Gott danken, daß der ganze Umfang seines Glückes den Schülern zurzeit

noch verborgen geblieben war. Hätten wir gewußt, daß sich das oben

mitgeteilte Quatrain Boxers verwirklichen sollte, hätten wir geahnt,

daß die Welt um +zwei+ junge Brömmels reicher geworden war: wir würden

ohne Zweifel zwei Redner ins Feld gesandt, zwei Oden gedichtet und zwei

Buketts überreicht haben, eine Huldigung, deren unverkennbare Komik

die Reserve, mit welcher Doktor Brömmel uns jetzt anhörte, unmöglich

gemacht hätte.

Nachdem unser Spruchvermelder seine Aufgabe erledigt hatte, sagte

Doktor Brömmel mit gemessener Freundlichkeit: »Ich danke Ihnen. Wir

wollen uns durch diesen Zwischenfall indessen nicht weiter stören

lassen und unsere Arbeit da wieder aufnehmen, wo wir sie unterbrochen

haben.«

Es dauerte zwei Tage, bis wir erfuhren, daß die Sonne des Brömmelschen

Hauses in das Zeichen der Zwillinge getreten war. Jetzt aber kannte

die Flut der Epigramme, Distichen und Quatrains keine Grenzen mehr.

Boxer verfertigte allein an zweihundert Vierzeiler, und da wir seine

Aperçus in hohem Grade originell fanden, so beschlossen wir, dieselben

auf gemeinschaftliche Kosten drucken zu lassen. Gedacht, getan. Jeder

von uns bekam zwei Exemplare der köstlichen Sammlung: die übrigen

zerschnitten wir in kleine Streifen, und zwar so, daß jedesmal

ein Quatrain durch diese Teilung isoliert wurde, und verstreuten

die eigentümlichen Bonbonzettel kurz vor dem Beginne der nächsten

Brömmelschen Lehrstunde im Schulzimmer und insbesondere auf dem

Katheder.

Brömmel erschien wie gewöhnlich mit einer gewissen Schüchternheit. Der

Soldat mag noch so oft den Donner der Schlachten gehört haben: beim

Beginn des Gefechts verspürt er immer ein gewisses Unbehagen, das er

erst nach und nach im Laufe des Treffens bemeistern lernt.

Auf dem Katheder angelangt, bemerkte Brömmel zu seiner größten

Überraschung, daß man seinen Ehrenplatz heute in höchst eigentümlicher

Weise dekoriert hatte. Er runzelte die Stirn und wollte sich eben

erkundigen, »wer sich einen so witzlosen Streich erlaubt habe«, als

sein Blick auf dem Namen Brömmel haften blieb, der sich in großen

Buchstaben aus dem typographischen Karree einer sauber ziselierten

Strophe hervorhob. Der Schulmann sah näher zu und vermochte nur mit

Mühe einen Ausruf des Entsetzens zu unterdrücken.

»Sehr gut, sehr gut!« stöhnte er nach einer Weile, heftig die Nüstern

blähend. »Und wer ist der saubere Kamerad, der sich dieser wohlfeilen

Späße erfrecht? Er möge sich nennen, der Feigling, damit ich ihm zeigen

kann, was einem solchen ehrlosen Streiche gebührt!«

In den Räumen der Sekunda herrschte lautlose Stille.

»Nun, will sich der wohl melden, der mir diese schmutzigen Wische da

auf den Katheder gelegt hat? Ich frage nicht zum dritten Male!«

Über den Subsellien brütete eine unheimliche Grabesruhe. In der Tat

hatten wir keine Veranlassung, der Aufforderung des Herrn Professors

nachzukommen, da er uns so energisch versicherte, zum drittenmal würde

er nicht fragen.

»So!« rief Brömmel nach einer längeren Pause, furchtbar die Augen

rollend; »der will sich also nicht melden? Gut! Sehr gut! So werde ich

die ganze Klasse über Mittag hier behalten!«

Jetzt erhob sich auf den hinteren Bänken ein Brummen des Unwillens,

dem sich bald ein sehr dezidiertes Scharren mit den Stiefelabsätzen

zugesellte.

»Was? Brummen wollen Sie? Scharren wollen Sie? Kindsköpfe, die Sie

sind! Ich werde Ihnen einmal einen Quartaner herauf holen, der soll

Ihnen sagen, was Lebensart ist!«

Gelächter auf allen Bänken.

Jetzt riß Herrn Brömmel die Geduld. Er eilte mit großen Schritten

auf Boxer zu, den er in dem begründeten Verdacht hatte, einer der

Haupträdelsführer bei jedem Skandal zu sein, und rief mit Donnerstimme:

»Sie sind mir für diesen himmelschreienden Unfug verantwortlich!

Entweder Sie machen mir den Schuldigen ausfindig, oder ich sperre Sie

vier Tage auf den Karzer.«

»Meinen Sie mich?« lächelte Boxer mit der Unschuld eines

vierzehnjährigen Mädchens.

»Ja, Sie! Ich sehe Ihnen an, daß Sie die ganze Geschichte angestiftet

haben! Kein Wort mehr!«

»Aber, Herr Doktor, ich versichere Sie, daß ich keine Ahnung habe, um

was es sich eigentlich handelt. Gebrummt habe ich diesmal nicht, und

wegen Nichtbrummens zu brummen fällt mir gar nicht ein.«

»Lassen Sie Ihre schlechten Witze, sonst werden Sie Ihre Lage nur noch

verschlimmern! Wollen Sie mir kurz und bündig gestehen, was Sie von der

Sache wissen?«

»Von welcher Sache, Herr Doktor? Gebrummt habe ich nicht, denn ich

sitze viel zu weit vorn, und gescharrt habe ich auch nicht, denn ich

habe heut' Stiefel an, die mir so eng sind, daß ich keinen Fuß rühren

kann. Also wovon soll ich wissen?«

»Mensch, Sie verstellen sich in einer Weise, die geradezu empörend ist.

Ich frage Sie, was wissen Sie über den Autor der schamlosen Pasquille,

die man mir dort auf den Katheder gelegt hat?«

Gesammelte Schulhumoresken · 第 1 / 18 段