Ein stattliches, gut ausgestattetes, mit reichem Bilderschmuck

versehenes Werk von zwei Bänden mit insgesamt 872 Seiten Text liegt

vor uns. Es ist also dem Verfasser für den großen Gegenstand, den

er behandelt, auch der nötige Raum von der Verlagsanstalt bewilligt

worden, um nicht nur das eigentliche Leben und Wesen seines Helden,

sondern auch die wirtschaftlichen, staatlichen, geistigen und

religiösen Zustände des ganzen Zeitalters ausführlich darzustellen.

Und daß der Verfasser in alle diese Verhältnisse hineinleuchtet, zeigt

schon die ins einzelne gehende Gliederung des Stoffes. Der erste Band

enthält die fünf großen Abschnitte: 1. Der Prinz. 2. Fürstenrecht.

3. Der König. 4. Das Volk. 5. Der Staat; und dieser 5. Abschnitt

z. B. gliedert sich wieder in die Kapitel: Regierung und Hof. Die

Stände. Steuern. Geld. Geldgeschäft. Gewerbepolitik. Die öffentliche

Meinung. Der zweite Band enthält die drei Abschnitte: 6. Die Kirche.

7. Industrie und Handel. 8. Die Kunst. In diesen Abschnitten und

Kapiteln wird eine erstaunliche Fülle von Stoff vor uns ausgebreitet,

so daß man dem Verfasser wegen seines Fleißes und seiner Belesenheit

die Bewunderung nicht versagen kann. Freilich ist man verhältnismäßig

selten in der Lage, die Herkunft und Zuverlässigkeit des Stoffes zu

prüfen, da die Quellenangaben meist fehlen. Gurlitt sagt darüber

im Vorwort: »Es schien mir dabei nötig, alle fachwissenschaftliche

Belastung von dem Buche fern zu halten, um es nicht allzusehr

auszudehnen.« Aus diesem Grunde hat Gurlitt seine Quellen in dem

»zeitgenössischen Schrifttum« gesucht, das ihm die Sächsische

Landesbibliothek in ausgiebigstem Maße zur Verfügung stellte, nicht

aber in einem ausgedehnten Studium des noch ungedruckten in den

Archiven ruhenden Stoffes. Trotzdem ist nicht zu verkennen, daß unser

Wissen über August den Starken durch Gurlitts Buch erweitert worden

ist, da er aus der Geschichte der Technik und der Künste – Gebiete, mit

denen Gurlitt ganz besonders vertraut ist –, vieles zur Beurteilung

Augusts des Starken heranzieht, was man in den bisher über diesen

Fürsten geschriebenen Büchern nicht liest. Mit Recht weist er immer

wieder (z. B. II, 158) darauf hin, daß »der Zug, durch Wissenschaft die

Erfolge des Gewerbes zu heben« zwar schon vor August dem Starken in der

sächsischen Kultur bemerkbar ist, aber gerade durch August den Starken

und seine Verbindung mit Männern wie Leibniz und Tschirnhausen sehr

stark entwickelt worden ist.

Bei der Fülle des Gebotenen hat sich da und dort auch ein Fehler

eingeschlichen. So ist z. B. Hans Ernst von Knoch (I, 20 f.),

der Erzieher Augusts, nicht erst gegen das Ende seiner Laufbahn

geadelt worden, sondern entstammte einer altadeligen Familie aus

dem Anhaltischen, auch war die Habsburgerin Maria Josefa, die

Schwiegertochter Augusts, nicht »die erste Frau« aus kaiserlichem Hause

in der Stammrolle der Wettiner (I, 12g) und die ~Academia Leopoldina

naturae curiosorum~ (II, 147) hat nichts mit »Merkwürdigkeiten« zu

tun. Man kann auch nicht allen von Gurlitt ausgesprochenen Urteilen

beipflichten. Ob dem Prinzen August zu der Zeit, als er sich zur

»großen Tour« anschickte, das Prädikat »im Auftreten schüchtern«

zukam, kann man bezweifeln. Schilderte sich doch August selbst (I,

18) »als einen frischen Jungen, der nichts achtete« und stellte doch

auch Liselotte v. d. Pfalz fest (I, 27), er habe »mehr Vivazität als

sein Bruder.« Ganz verfehlt ist es, wenn Gurlitt (I, 126) Augusts

Übertritt zum Katholizismus mit der Haltung des Herzogs Moritz im

Schmalkaldischen Kriege auf eine Stufe stellt. Moritz hat nie daran

gedacht überzutreten, er war in einer schweren Notlage eine kurze

Zeit Bundesgenosse Karls V., wurde aber bald darauf der Retter des

Protestantismus und eines unabhängigen Deutschlands. Auch die großen

politischen Probleme, die August den Starken beschäftigten, sind nicht

klar genug formuliert und leiden an einer gewissen Unsicherheit des

Urteils, die sich da und dort in einem die Wirkung beeinträchtigenden

Hinundher der Darstellung bekundet. Am höchsten nach Inhalt und

Form sind die Kapitel zu bewerten, die über die wirtschaftlichen,

gewerblichen und künstlerischen Verhältnisse des Zeitalters Augusts des

Starken berichten. Hier kommt die einzigartige Erfahrung, die Gurlitt

durch mehr als ein Menschenalter an Denkmalspflege und an Studium

der Bau- und Kunstgeschichte Sachsens hinter sich hat, glänzend zur

Erscheinung. Alles in allem ist Gurlitts Werk eine sehr beachtliche

Leistung. Es ist nicht die Geschichte Augusts des Starken, auf die

wir schon längst warten, die aber ohne gründliche und umfassende

Archivstudien nicht geschrieben werden kann, wohl aber ist es ein unser

Gesamtwissen über August den Starken vermehrendes und auf eine breitere

Basis stellendes Werk und zugleich ist es ein Denkmal der Universalität

des Strebens, zu dem sich sein Verfasser in einem überaus tätigen und

erfolgreichen Leben durchgearbeitet hat.

_Otto Eduard Schmidt_

Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner

Schmidt – Druck: Lehmannsche Buchdruckerei

Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden –

Photographische Platten »Sigurd« und »Satrap«, photographische,

sowie kinematographische Aufnahme- und Wiedergabeapparate

»Ernemann«

Bücherbesprechungen:

=Sächsischer Bauern-Kalender 1926.= Herausgegeben von der

Landwirtschaftskammer für Sachsen. Bearbeitet von Dr. Horst Höfer,

Meißen, Bildschmuck von A. Weßner-Collenberg. Preis 3 M. Zu haben im

Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse 24.

Zum fünften Male nimmt der stattliche Bauern-Kalender seinen Weg hinaus

in das sächsische Land. Was er bei seinem erstmaligen Erscheinen

versprach, hat er treulich gehalten; er ist ein Kulturwerk geworden,

auf das wir Sachsen stolz sein können. Der künstlerisch vollendet

ausgestattete Kalender ist als Pionier des guten Geschmacks in das

Bauernhaus gezogen, wo er vielfach der bevorzugte Lesestoff des Jahres

ist, und hat dort die ärmlichen, ja oft erbärmlichen Kalendermachwerke

früherer Zeit verdrängt und den Sinn für das Gute und Schöne geweckt.

Aber nicht nur das! Der Bauern-Kalender ist auch ein treuer Pfleger

des Schollenbewußtseins und der Heimatliebe. In jedem der vielen

prächtigen Bilder von der Meisterhand A. Weßner-Collenbergs spiegelt

sichs wieder: Wie schön ist doch unser liebes Sachsenland! Und aus

jedem der zahlreichen, belehrenden und unterhaltenden Aufsätze klingts

hervor: Wie reich ist unser Bauernland und wie kraftvoll und stark ist

noch unser Bauernstand, der Urquell unserer Volkskraft. Nicht nur der

Landmann wird seine Freude an dem prächtigen Kalenderbuche haben, jeder

Freund des ländlichen Sachsens – und wer wäre das nicht! – wird sich

mit hohem Genuß hinein vertiefen. Daß die Auswahl des Stoffes und die

ganze Zusammenstellung und Ausstattung des Kalenders nichts zu wünschen

übrig lassen, war nach dem, was die früheren Jahrgänge geboten haben,

nicht anders zu erwarten.

_Klengel._

=Weicher, Dr. G. und Wiese, A. Die Augen auf!= Heimatbücher für

die weitere Umgebung von Dresden. Band I: Gesteine und Landschaft.

Leipzig, F. Hirt & Sohn. 1926. M. 4.50. Zu beziehen vom Heimatschutz,

Dresden-A., Schießgasse 24.

Ein feiner geographischer Beobachter und ein tüchtiger Photograph

(Studienräte an einer Dresdner Oberrealschule) haben sich

zusammengefunden, um die Heimatlandschaft wissenschaftlich zu

analysieren und dem denkenden Wanderer durch Bild und kurze

Beschreibung die Augen zu öffnen – zunächst für die Zusammenhänge

zwischen Erdgeschichte und Landschaftsform. »Erdgeschichtliche

Urkunden« haben wir einmal in den Heimatschutzvorträgen das genannt,

was hier geboten wird. Die Auswahl der Bilder, ihre photographische

Qualität und die technische Wiedergabe sind gleich lobenswert. Der

Text ist sehr geschickt dem Raum angepaßt, kurz und klar. Die ganze

Aufmachung des Quartbandes ist im besten Sinne »friedensmäßig« – eine

schöne Gabe für den Weihnachtstisch!

_Dr. P. Wagner._

Ein deutsches Weihnachtsspiel:

»Im Stall zu Bethlehem«

In vier Aufzügen mit Text, Buntfiguren und Anleitung zum Bühnenbau

bearbeitet von _M. Brethfeld_ und _Th. Göhl_

Verlag: Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse

24

Preis M. 2.—

Bestellkarte in diesem Heft

Infolge Arbeitsüberhäufung durch die mit sehr schönem Erfolg

abgeschlossene Geldlotterie unseres Vereins, bei der unsere Mitglieder

in dankenswerter Weise mithalfen, ist es uns nicht möglich, in diesem

Jahre noch weitere Nummern unserer Mitteilungen erscheinen zu lassen.

Wir holen aber das fehlende Heft im nächsten Jahre bestimmt nach.

Besucht das Landesmuseum für Sächsische Volkskunst im Weihnachtsschmuck!

=Dresden-N., Asterstraße 1= (beim Zirkus)

Gesänge, weihnachtliche Darbietungen von Kindern, Schülern und

Schülerinnen, _Kurrendensängern_, Vereinen und Einzel-Sänger und

-Sängerinnen

Vom 17. Dezember 1925 bis mit 3. Januar 1926, wochentags 9–2 Uhr,

Sonntags 11–1 Uhr, alle Nachmittage 5–7 Uhr

Außerdem noch =drei Abendfeiern=: Sonntag, den 20. Dezember und 27.

Dezember und Mittwoch, den 30. Dezember =8–10 Uhr=

Donnerstag, den 24. Dezember und Donnerstag, den 31. Dezember

_nachmittags geschlossen_

Die Eröffnung findet Donnerstag, den 17. Dezember, 5 Uhr, mit einigen

Christspielszenen statt

O. Seyffert R. Bürckner

Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-N.

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die

Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.

Die Bandnumerierung auf S. 321 weicht vom Titel ab, da

ursprünglich ein weiterer Band geplant war (s. letzte Seiten).

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XIV, Heft 9-12 · 第 7 / 7 段