allen denen, die da geglaubt hatten, die politische Entwicklung werde
allein durch Bündnisverträge und papierne Urkunden bestimmt. Die
englische Regierung hatte sich durch das Bündnis mit Japan auf der gegen
Rußland gerichteten Front eine gewisse Rückendeckung geschaffen. Da
dieses Bündnis sich nur auf Ostasien bezog, war es klar, daß seine
Paragraphen für den europäischen Krieg zunächst nicht in Betracht kamen.
Immerhin hatte man gehofft, daß Japan sich nach englischem Muster
»wohlwollend neutral« verhalten würde. Ausschließlich in dem
Gedankengang europäischer Politik sich bewegend, hatte man den
japanischen Egoismus und den Rasseninstinkt der Vormacht der
mongolischen Völker zu niedrig eingeschätzt. Stellte man diesen in
Rechnung, so bot Japans Verhalten allerdings keinen Grund, irgendwie
erstaunt zu sein. Einzelne deutsche Schiffe hatten japanische Häfen
aufgesucht und diesen wurde von der japanischen Regierung verboten,
während der Dauer des Krieges die betreffenden Häfen wieder zu
verlassen. Ob sie hier lagen oder draußen von englischen Kreuzern
vernichtet oder abgefangen wurden, blieb sich in seiner Wirkung
vollkommen gleich, es waren kaltgestellte Figuren auf dem Schachbrett
des Welthandels.
Ein japanisches Geschwader kreuzte während der ersten Wochen des Krieges
an der chinesischen Küste und der japanische Kreuzer »Naniwa«
beobachtete auf der Reede von Tsingtau die Vernichtung des kleinen
deutschen Geschwaders, um dann nach Sasebo heimzukehren und dem Tenno
schadenfroh zu melden, daß Kiautschou aufgehört habe eine deutsche
Pachtung zu sein und daß ein unbequemer Konkurrent in Ostasien von der
Bildfläche verschwunden sei. Dann kamen die ersten Nachrichten über die
Tätigkeit japanischer Agenten in Indien, dem französischen Hinterindien,
in Singapore und an der ganzen chinesischen Küste. Die Bewegung unter
den Eingeborenen und vor allem ein Aufstand in Französisch-Indochina
zwang die kriegführenden Mächte ihre Seestreitkräfte, soweit sie nicht
nach der Heimat zurückbeordert wurden, in den kolonialen Häfen
stationiert zu halten. Auf französischer Seite erinnerte man sich jetzt
zu spät, daß man einst die Gefahr unterschätzt hatte, als während des
russisch-japanischen Krieges japanische Agenten ganz Indochina bereisten
und dort Millionen von Flugschriften und Bilderbogen verteilt hatten,
auf denen in phantastischer Form dargestellt war, daß wie jetzt die
Japaner die Moskowiter geschlagen, so in Zukunft die Heere des Tenno
auch mit allen europäischen Eindringlingen aufräumen würden. Diese
damals ausgestreute Saat stand jetzt in den Halmen. Das
englisch-japanische Bündnis war wie ein Klang aus längst verschollenen
Zeiten.
Durch die Festhaltung der europäischen Seestreitkräfte in den Kolonien
war man außerstande, die Tätigkeit japanischer Emissäre auf dem
Kontinent verhindern zu können. Wohl kamen aus Schanghai, aus Tientsin,
Peking und anderen Städten Meldungen, die die Schuld an der immer
stärker anschwellenden Bewegung unter den Chinesen fast ausschließlich
der japanischen Wühlarbeit zuwiesen, doch hatte man keine direkten
Beweise in Händen, und in London hütete man sich, unbequeme Anfragen
nach Tokio zu richten. Man beobachtete nur und schwieg. Wohl aber
dämmerte in England die Erkenntnis auf, daß das englisch-japanische
Bündnis ein Verrat an der Zukunft der weißen Rasse gewesen sei. Als dann
die von europäischen und japanischen Offizieren gedrillten chinesischen
Regimenter, mit europäischen Waffen ausgerüstet, heranrückten und die
ersten Gefechte auf chinesischem Boden stattfanden, wurden unter den
Toten auf der Walstatt Dutzende von japanischen Offizieren aufgelesen.
Dann erst wurde der englische Gesandte in Tokio beauftragt, der
japanischen Regierung ernste Vorstellungen zu machen. Drohen konnte man
nach den Verlusten der Flotte vor Helgoland nicht mehr, wollte man sich
von den Gelben nicht auslachen lassen. Es war natürlich kein Zweifel,
daß die Erhebung der mongolischen Rasse das Werk der Japaner war, die
sich jedoch vorsichtig im Hintergrund hielten. Die Antwort in Tokio
zeugte davon, daß man sich dort in die europäische Diplomatie gut
eingelebt hatte, sie lautete: Gewiß, es befänden sich wohl einzelne
japanische Offiziere im chinesischen Heere, doch seien sie aus der
japanischen Armee vorher ausgeschieden. Für jedes japanische
Offizierspatent, welches bei einem gefallenen Japaner auf chinesischem
Boden gefunden werde, mache sich die japanische Regierung anheischig
eine Million Pfund als Entschädigung zu zahlen. -- Es wurde
selbstverständlich nie ein solches Offizierspatent gefunden, was bei der
mongolischen Schlauheit kein Wunder war. Weiter hieß es in der
japanischen Erklärung: Die Regierung sei außerstande, Leute, die nicht
mehr dem japanischen Heere angehörten, und aus Sympathie für ein
befreundetes und stammverwandtes Volk sich an einigen Kämpfen
beteiligten, zur Rechenschaft zu ziehen. Oder habe England etwa
Deutschland den Krieg erklärt, als es auf den südafrikanischen
Schlachtfeldern deutsche Offiziere gefangen genommen hätte. Man hatte
viel gelernt in Tokio.
Noch stehen unsere Truppen in China, noch sucht eine große
internationale Armee von den Küstenstädten aus, langsam ins Innere ihre
Posten vorschiebend, den verlorenen Boden wieder zu gewinnen und das an
europäischer Kulturarbeit wieder aufzurichten, was die Schuttlawine des
chinesischen Aufstandes erdrückt und vernichtet hat.
Im englischen Parlament.
Es fielen zwei große Tage für die Londoner Bevölkerung zusammen. Am
Morgen war die heldenmütige Besatzung der beiden deutschen Kanonenboote
»Tsingtau« und »Vaterland« an Bord des englischen Dampfers »Colombo« in
Portsmouth eingetroffen; mittags rüstete sich die englische Hauptstadt
zum Empfang der deutschen Gäste. Und an demselben Tage hatte im
englischen Unterhause der Hauptredner der Opposition eine Interpellation
der Regierung, wegen der Besetzung des Hafens von Bender-Abbas an der
persischen Küste durch die russische Flotte angekündigt. Die Nachricht
von der russischen Flaggenhissung war zwei Tage zuvor in London
eingetroffen und hatte dort große Erregung hervorgerufen.
Der Sitzungssaal des Unterhauses war bis auf den letzten Platz besetzt.
Selbst hinter den Sitzreihen standen noch Abgeordnete, andere säumten
die Galerien. Lautes Stimmengewirr durchschwirrte den hohen Raum, das
noch mehr anschwoll, als der Staatssekretär des auswärtigen Amtes, der
sich zur Beantwortung der Interpellation bereit erklärt hatte, seinen
gewohnten Platz einnahm und vor sich auf den Tisch des Hauses eine
Aktenmappe niederlegte. Es lag etwas wie Krisenstimmung in der Luft. Der
Lärm verstummte, als sich nunmehr der Redner des Tages erhob.
Er gab zunächst einen kurzen Überblick über die Kriegsereignisse des
letzten Jahres. Noch einmal entrollte sich das gewaltige Drama des
Riesenkampfes vor seinen Zuhörern, dann zog er, unter Beifallsrufen
seiner Parteigenossen, in kurzen, knappen Sätzen die Bilanz dieser
Ereignisse: »Die Regierung hat dies Land, sagte er, mit allzugroßer
Leichtherzigkeit in einen Krieg hineingeführt, dessen Folgen sie nicht
übersah, die sie aber bei vorsichtiger Einschätzung der politischen Lage
und der Kräfte unserer Gegner hätte voraussehen müssen. Doch an der
Vergangenheit ist nichts mehr zu ändern. Fassen wir das Ergebnis des
Krieges zusammen, so ist es das folgende: Die Vernichtung des größten
Teiles der deutschen Flotte hat unserer Marine schwerere Verluste
gekostet, als wir bei Beginn der Feindseligkeiten erwarten durften. Wir
sind stolz auf unsere Erfolge zur See. Aber die Marine Kaiser Wilhelms
hat mehr geleistet als wir glaubten. Ein Drittel unserer Schlachtflotte
liegt am Grunde des Meeres, ein Drittel unserer Panzerschiffe befindet
sich im Dock zur Reparatur, und die schwere Artillerie der noch
gefechtsfähigen Schiffe ist so sehr durch den Kampf mitgenommen, daß sie
kein Seegefecht mehr riskieren kann. (Lebhafte Unruhe im Hause.) Ich
verrate keine Geheimnisse. Es ist allgemein bekannt, daß die Lebensdauer
der schweren Geschütze auf unseren Linienschiffen sich nur auf eine
beschränkte Anzahl von Schüssen erstreckt, und diese ist überall fast
erreicht. Sehen wir ab von den Neubauten, die auf unsern Werften ihrer
Vollendung entgegengehen, so ist unsere Schlachtflotte, die aus dem
Kriege zurückgekehrt ist, _wehrlos_, sie kommt für einen Kampf zur See
nicht mehr in Betracht, bis sie neue Geschütze erhalten hat.
Also ist es das Ergebnis des Krieges, daß dieses Land die Seeherrschaft
auf dem Ozean verloren hat auf kürzere oder längere Zeit. (Unruhe im
ganzen Hause.) Wir müssen ehrlich sein gegen uns selber und das nicht
übersehen, was andere auch sehen. Daß die französische Flotte noch mehr
gelitten hat als unsere, ist kein Trost für uns, und auch die
Vernichtung der deutschen Marine kann uns für den Verlust der britischen
Seeherrschaft nicht entschädigen. _Es gibt heute nur noch eine große
Flotte auf dem Ozean_, das ist die _Flotte der Vereinigten Staaten_.
(Der Redner wird mehrfach unterbrochen und macht eine längere Pause.)
Was dieser Erfolg des Krieges für England bedeutet, will ich nicht
weiter erörtern, es genügt, die Tatsache festzustellen.
Deutschland befindet sich in ähnlicher Lage wie wir. Ehemals die größte
Militärmacht in Europa, hat es diesen Rang für eine Zeit wenigstens an
Rußland abtreten müssen. Diese beiden Tatsachen bedeuten nichts mehr und
nichts weniger, als _daß die Entscheidung über die Geschicke der Welt
nicht mehr in der Hand der beiden Seemächte der germanischen Völker
liegt, nicht mehr bei England und Deutschland steht_, sondern zu Lande
Rußland zugefallen ist und zur See von der amerikanischen Union abhängt.
Petersburg und Washington sind an die Stelle von Berlin und London
getreten. _Darum_ haben wir dreiviertel Jahr gekämpft. _Darum_ haben wir
Hunderttausend Soldaten auf französischer Erde begraben, _darum_ sind
unsere Flotten in den Wogen der See versunken. Ich klage die Regierung
nicht an; ich folge dem alten Wahlspruch unseres Volkes ^Right or wrong,
my country!^ (Vereinzelte Cheers.) Dieser Krieg hat der Vormacht des
Slaventums und der anspruchsvollen uns nicht freundlich gesinnten
Regierung der Vereinigten Staaten, ohne daß sie einen Finger zu rühren
brauchten, zu einer Weltmachtstellung verholfen, die wir zurückerobern
müssen (laute Cheers), in der Zukunft zurückerobern müssen, denn heute
ist unsere Flotte zu schwach.
Was kann uns die Vermehrung und Konzentrierung unseres afrikanischen
Kolonialbesitzes für solche Verluste entschädigen? Wir müssen unsere
Kolonien in Afrika von neuem erobern. Ebenso Deutschland und Frankreich.
Ich spreche nicht von Riesenverlusten unseres Handels, von den
finanziellen Einbußen durch die Belastung unseres Budgets mit den
unerhörten Ausgaben für diesen Krieg. Und sind wir unseres Besitzes
sicher? Ich erinnere das Haus an das, was sich in Südafrika, in Canada,
in der ^Commonwealth^ von Australien vorbereitet. Ich erinnere daran,
daß Kolonien nicht dankbar sondern anspruchsvoll sind. Was soll daraus
werden? (Lebhafte Bewegung im ganzen Hause.)
Das Gespenst der Sorge um Indien ist der Hausgeist der englischen
Politik. Verlieren wir Indien, so wankt uns der Boden unter den Füßen.
Jetzt weht die russische Flagge über den Strandbatterien von
Bender-Abbas. Unsere indische Bastion wird durch die russische Erwerbung
flankiert. Sollen wir das dulden? Verträgt das die Ehre dieses Landes?
(Rufe: Nein, nein!) _Wir dürfen nicht mehr Nein sagen._ Wir müssen Ja
sagen (Lebhafter Widerspruch). Wir müssen Ja sagen, weil wir dieses Land
nicht um einen persischen Hafen in einen neuen Krieg stürzen dürfen, in
dem wir ohne Verbündete dastehen. Oder ist das Bündnis mit Japan mehr
als ein wertloses Stück Papier. Wir müssen uns abfinden mit der
Tatsache, daß Bender-Abbas Rußland gehört, daß Persien eine russische
Interessensphäre ist. Wir dürfen nicht in denselben Fehler verfallen wie
im Winter vorigen Jahres, als wir glaubten, die Welt sei zu klein, als
daß große Völker nebeneinander existieren könnten. Für Deutschland war
neben England Raum genug, jetzt hat Amerika uns _beiden_ den Platz
eingeengt. Für Rußland ist auch neben England Raum genug in Asien. Wir
erwarten, daß die Regierung in Petersburg die Verhandlungen in diesem
Sinne führt. Wir dürfen dann hoffen, daß Bender-Abbas ein Ventil für das
russische Expansionsbedürfnis wird, daß hier das Streben Rußlands nach
dem Meere ein Endziel findet und daß dadurch die afghanisch-indische
Grenze von einem unerträglichen Druck entlastet wird. Wenn Englands Ehre
angetastet wird, steht die Bevölkerung dieses Landes zusammen wie ein
Mann, wir sind gewohnt für die Macht und Herrlichkeit des Vaterlandes
das Letzte zu opfern. Hier handelt es sich aber nicht um unsere Ehre,
sondern um unseren Ehrgeiz, um den Verzicht auf ein Phantom, um den
Verzicht auf einen Besitz, der uns nie gehört hat. Und wir sind heute
nicht mehr reich und mächtig genug, um einen Krieg zu führen, der nur
unsere nationale Eitelkeit befriedigen kann«.
Donnernder Beifall folgte diesen Worten auf _beiden_ Seiten des Hauses.
Die Abgeordneten drängten sich an den Redner heran, schüttelten ihm die
Hände und sprachen eifrig auf ihn ein. Es war kein Zweifel, er hatte
allen aus dem Herzen gesprochen, die bitteren Wahrheiten, die man in so
klaren Sätzen eben gehört, hatten ihren Eindruck nicht verfehlt. Von dem
lauten Stimmengewirr wurde die Ankündigung des Sprechers des Hauses, daß
der Staatssekretär des Äußeren nach fünf Minuten die Interpellation
beantworten werde, völlig übertäubt. Überall standen Gruppen der
Abgeordneten in lebhaftem Gespräch zusammen. Durch die hohen Fenster des
Sitzungssaales tönte von draußen her das dumpfe Brausen des
Straßenverkehrs herein, wie der ewig gleiche Tonfall der Meeresbrandung.
Jetzt schwoll diese einförmige Melodie auf dem Resonanzboden der
Riesenstadt zu größerer Stärke an, laute Cheers erschollen draußen und
dann setzten in der Ferne die schmetternden Klänge einer Militärkapelle
ein. Geleitet von den stürmischen Willkommengruß der Londoner
Bevölkerung zogen die deutschen Marinesoldaten in London ein. Noch
lauschte man im Sitzungssaale diesen ungewohnten Tönen, da erhob sich
der Staatssekretär des Äußeren von seinem Platze:
»Das sehr ehrenwerte Mitglied des Hauses hat die Meinung seiner
politischen Freunde in einer Weise zum Ausdruck gebracht, die sich, wenn
auch in weniger schroffer Form, mit den Anschauungen des Ministeriums,
welches ich zu vertreten die Ehre habe, deckt. Die Regierung dieses
Landes weiß die bedauerlichen Folgen des Krieges vollauf zu würdigen,
sie gibt sich über den Zustand unserer Seemacht keinen Täuschungen hin
und ist ebenfalls der Ansicht, daß es gefährlich wäre, sich auf
irgendwelche politische Experimente einzulassen, die das Land in neue
unabsehbare Verwicklungen stürzen könnten. Die Besetzung von
Bender-Abbas durch das russische Geschwader bedeutet an sich keine
Bedrohung unserer indischen Machtstellung. Wenn die Richtung der
russischen Expansionspolitik durch die Einnahme von Bender-Abbas eine
andere wird, so wird England keinen Einspruch dagegen erheben, unter der
Voraussetzung, daß Englands Interessen in Persien -- die keine
politischen sind und es nie gewesen sind -- nicht beeinträchtigt werden.
Unser Botschafter in Petersburg ist in diesem Sinne beauftragt, eine
Erklärung der russischen Regierung zu fordern. Sobald diese erfolgt,
werde ich dem Hause weitere Mitteilungen machen. Vorläufig bitte ich,
diesen Gegenstand verlassen zu dürfen«.
Der Staatssekretär machte eine Pause und suchte zwischen den
Papierblättern in seiner Mappe. Draußen erklangen jetzt die vollen
kräftigen Akkorde der deutschen Militärmusik. Der Staatssekretär begann
von neuem.
»Das sehr ehrenwerte Mitglied des Hauses hat erwähnt, daß nach den
bedauerlichen Verlusten des Krieges die amerikanische Flotte gegenwärtig
die stärkste Seemacht der Welt darstellt. Ich bitte das hohe Haus, sich
dieses Umstandes zu erinnern, wenn ich jetzt zu meinem Bedauern eine
sehr ernste Mitteilung zu machen habe. (Der Staatssekretär räusperte
sich und rückte an seinem Halskragen, als sei ihm dieser plötzlich zu
eng geworden.) Unser Botschafter in Washington teilt uns soeben mit, daß
ihm die Regierung der Vereinigten Staaten eine diplomatische Note
zugestellt habe des Inhalts: _Die Regierung der Vereinigten Staaten
fordert die Regierung Großbritanniens auf, aus ihren kolonialen
Besitzungen in Westindien, aus Jamaica, den Bahama-Inseln,
Britisch-Honduras und Britisch-Guyana die englischen Garnisonen
zurückzuziehen._
Das gleiche Ersuchen werde in Paris, in Kopenhagen und im Haag
überreicht. Der Bau des Panamakanales lege der Regierung der Vereinigten
Staaten die Notwendigkeit nahe dafür zu sorgen, daß diese wichtige
Schiffahrtsstraße nicht durch irgendwelche Macht im Kriege gesperrt
werden könne, und Amerika könne es nicht mehr dulden, daß der
Schiffahrtsweg an den Bastionen europäischer Festungswerke vorüberführe.
Da die europäischen Kolonien in Westindien nur noch geringe
wirtschaftliche Bedeutung hätten, sie aber als Militärstationen aufhören
müßten zu bestehen, verlange die amerikanische Regierung die Räumung
dieser Besitzungen, die nunmehr unter amerikanischen Schutze selbständig
werden sollten. Zum Schlusse der Note heißt es: die Regierung in
Washington habe diesen Zeitpunkt für ihre Maßnahme gewählt, da er die
größte Garantie biete für eine friedliche Erledigung der Angelegenheit.
Nach den großen Verlusten im Kriege und bei dem gegenwärtigen Zustande
der europäischen Flotten sei selbst eine europäische Koalition nicht
imstande, mit Aussicht auf Erfolg der amerikanischen Flotte
entgegenzutreten. Die Vereinigten Staaten und _Japan_ seien zur Zeit die
einzigen wirklichen Seemächte. Die europäischen Regierungen müßten daher
jetzt endlich auch praktisch der Monroedoktrin die Stellung zubilligen,
die Deutschland wenigstens theoretisch bereits freiwillig anerkannt
habe.«
Da ward es totenstill im Hause. Alle fühlten es: Es fuhr ein Schlag
hernieder, den man nicht mehr parieren konnte. Durch die hohen Fenster
strich die laue Frühlingsluft. In der Ferne verklang der Pariser
Einzugsmarsch.
Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung, Theodor Weicher, Leipzig
Otto Julius Bierbaums
Goethe-Kalender
auf das Jahr 1906
herausgegeben von Otto Julius Bierbaum, mit Buchschmuck von E.
R. Weiß, einem Dreifarbendruck nach einem Gemälde M. A.
Stremels sowie mehreren Holzschnitten, Ätzungen nach alten
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Der Grundgedanke dieser Veröffentlichung ist: Einführung d.
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Lebenskunst, der dem deutschen Volke aus dem Leben und
Schaffen Goethes geworden ist, in das tägliche Leben jedes
einzelnen. Daher die Kalenderform.
Lichtenbergs Briefe.
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Drei Bände m. zahlr. Abbildg. nach Handzeichnungen. (Die drei
Bände sind auch einzeln käuflich.)
Broschiert 30 Mark, gebunden 37 Mark 50 Pf.
Otto Julius Bierbaum sagt über Lichtenbergs Briefe: Diese drei Bände
gehören zu den Büchern, die sich der Erfahrene in seiner
Schlafstube aufstellt, damit sie ihn abends leicht hinüberleiten
in diese wunderliche, dunkle Lebenszeit, wo zuweilen das Unbewußte
wach wird, während das Bewußtsein schläft, und damit sie ihn beim
Erwachen mit als erste wieder begrüßen, wenn es gilt, sich für
das helle Gebrause eines neuen Tages zu rüsten, der wer weiß was
für Schönheiten oder Scheußlichkeiten auf uns loszulassen bereit
ist. Sie sind nicht soviel wert wie das freundliche Lächeln einer
freundlichen Frau, die mit diesem Lächeln sagt: Was kommen mag,
ich bin bei dir. So viel kann kein Buch. Aber Bücher wie dieses
und ähnliche Bücher, die nicht Kunst, sondern das Leben selber sind,
und zwar das Leben von Menschen der »schenkenden Tugend«, will
sagen von Menschen, die so voll von Geist und Gemütskraft sind,
daß jede, auch die unbedeutendste Äußerung voll ist vom Hauche
innersten Lebens, der sich mitteilt wie der Duft von Blumen --
solche Bücher sagen einem, wo immer man sie aufschlagen mag, auch
einen wirklich schönen »Guten Morgen!«
Druck von G. Kreysing in Leipzig.
Anmerkungen zur Transkription
Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t oder kursiv sind, wurden
mit Unterstrichen wie _hier_ gekennzeichnet. Textstellen, die in Antiqua
gesetzt waren, wurden ^so^ markiert.
Offensichtliche Druckfehler wurden berichtigt wie hier aufgeführt
(vorher/nachher):
[S. 4]:
... Vortop des weißen Kreuzers draußen auf der Reede über der
weiten ...
... Vortopp des weißen Kreuzers draußen auf der Reede über der
weiten ...
[S. 14]:
... dem Wasser, am Großtop weht noch weiß und stolz die Flagge
des ...
... dem Wasser, am Großtopp weht noch weiß und stolz die Flagge
des ...
[S. 25]:
... bevor aus der pantomimischen Vorstellung, die der lebhafte
gestikulierende ...
... bevor aus der pantomimischen Vorstellung, die der lebhaft
gestikulierende ...
[S. 50]:
... Elbmündung herein. Unter dem dicken braunen Rauchfahnen, die
ihren ...
... Elbmündung herein. Unter den dicken braunen Rauchfahnen, die
ihren ...
[S. 56]:
... Uferdamm Schaummassen spritzend und dann wieder in
unwiderstehlichen ...
... Uferdamm Schaummassen spritzend und dann wieder in
unwiderstehlichem ...
[S. 69]:
... hin. Sie waren teilweise aus dem meterhohen Papierrollen
hergestellt, ...
... hin. Sie waren teilweise aus den meterhohen Papierrollen
hergestellt, ...
[S. 82]:
... Befehl zum Feuern, und mit Donnergetöse entsanden die
englischen ...
... Befehl zum Feuern, und mit Donnergetöse entsandten die
englischen ...
[S. 88]:
... befand, erfolgte abends gegen 10 Uhr plötzlich, fast
gleichzeitig ...
... befand, erfolgten abends gegen 10 Uhr plötzlich, fast
gleichzeitig ...
[S. 91]:
... Den Rückzug der schwer havarierten drei Panzer »Suffrien«, ...
... Den Rückzug der schwer havarierten drei Panzer »Suffren«, ...
[S. 95]:
... und portugisischen Korps gegenüber standen. ...
... und portugiesischen Korps gegenüber standen. ...
[S. 96]:
... und die Vereinigten Staaten aneinander zubringen und sich
dabei ...
... und die Vereinigten Staaten aneinander zuzubringen und sich
dabei ...
[S. 105]:
... von den Reitern und warf die Protze quer über die Chaussee,
des Geschütz ...
... von den Reitern und warf die Protze quer über die Chaussee,
das Geschütz ...
[S. 120]:
... anderer Küstenbatterien in englischen Besitz. Doch war der
Feind ...
... anderer Küstenbatterien in englischem Besitz. Doch war der
Feind ...
[S. 123]:
... von sechs englischen Panzerkreuzer zeigten draußen weit auf
der Reede, ...
... von sechs englischen Panzerkreuzern zeigten draußen weit auf
der Reede, ...
[S. 129]:
... Posten die Hand der Radwelle des Paternosterwerkes, das aus
schwarzer ...
... Posten die Hand an der Radwelle des Paternosterwerkes, das
aus schwarzer ...
[S. 137]:
... die Grenze ihre auf nur ca. hundert Schuß berechnete
Leistungsfähigkeit ...
... die Grenze ihrer auf nur ca. hundert Schuß berechnete
Leistungsfähigkeit ...
[S. 137]:
... in Dar-es-Salaam, Swakopmund, Tsingtau usw. dem kolonialen
Kriege ...
... in Dar-es-Salam, Swakopmund, Tsingtau usw. dem kolonialen
Kriege ...
[S. 151]:
... Luft der kleine Fesselballon der Funkentelegraphie, dessen
elektrischen ...
... Luft der kleine Fesselballon der Funkentelegraphie, dessen
elektrische ...
[S. 157]:
... nicht viel die Rede, die Manschaften sanken, bis auf das
Äußerste ermüdet, ...
... nicht viel die Rede, die Mannschaften sanken, bis auf das
Äußerste ermüdet, ...
[S. 158]:
... Brand der Städte und Dörfer erhell wurde, als stände eine
Welt in ...
... Brand der Städte und Dörfer erhellt wurde, als stände eine
Welt in ...
[S. 164]:
... stumm und teilnahmlos dahin, ein Leben, dem jede
Zukunftshoffnung ...
... stumm und teilnahmslos dahin, ein Leben, dem jede
Zukunftshoffnung ...
[S. 167]:
... an verwaister Stätte festen Fuß zu fassen. Uber die Phrasen
von ...
... an verwaister Stätte festen Fuß zu fassen. Über die Phrasen
von ...
[S. 170]:
... Casablanca ermordet worden seien. Eine aus dem Lager vor
Marsaille ...
... Casablanca ermordet worden seien. Eine aus dem Lager vor
Marseille ...
[S. 177]:
... Wut des alten Glaubenshasses. Anfang November öffnete
Damaskus ...
... Wut des alten Glaubenshasses. Anfang November öffneten
Damaskus ...