Am 17. März, morgens 7 Uhr, erhielt Dr. Solf vom amerikanisc

Seestern

»1906«

Der Zusammenbruch der

alten Welt

Zwanzigste Auflage

== 96. bis 100. Tausend ==

Leipzig

Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung

Theodor Weicher.

Alle Rechte,

besonders des Recht der Übersetzung

in fremde Sprachen, vorbehalten.

Wir stehen am Ende. Das furchtbare Jahr, in dem die alte Welt von Blut

so rot war, ist vorüber. Wir haben ihn gehabt, den frischen fröhlichen

Krieg. Noch stehen europäische Heere draußen, um Schritt für Schritt das

zurückzuerobern, was der Trümmersturz des Riesenkampfes verschüttet hat.

Das wieder aufzubauen, was dieses Jahr an friedlicher Kulturarbeit

vernichtet hat, wird ein Jahrzehnt kosten. Und die, welche heimkehren

aus Feindesland, sind ein der Arbeit entwöhntes Geschlecht. Die Herzen

sind härter geworden in diesem Jahr, da die Welt nach Blut roch. Die

Länder sind leerer geworden; es sind zu viele schlafen gegangen unter

den grünen Erdhügeln da draußen.

Wir stehen am Ende des gewaltigsten Krieges, den die Geschichte der

Menschheit sah; das Jahr 1906 ist ihr mit blutroten Lettern eingebrannt.

Wir stehen am Ende, und dem Historiker liegt es ob, sich noch einmal

Szene um Szene die Entwicklung des furchtbaren Dramas zu

vergegenwärtigen, das in den unheilvollen Märztagen 1906 vor Samoa

seinen Anfang nahm und alle Völker der alten Welt in seinen Wirbelsturm

mit hineinriß. Alle die Unverantwortlichen, die in den Parlamenten, in

Volksversammlungen, in der Presse jenseits wie diesseits des Kanals

immer wieder den Völkerhaß geschürt, die da gemeint hatten, ein

Waffengang zwischen Deutschland und England werde nur wie ein Gewitter

die Luft reinigen, und man werde in der Lage sein, nach Gutdünken heute

oder morgen, wenn die Spannung gelöst, »das Ganze Halt« blasen zu

lassen, über sie alle war der Gang der Ereignisse rücksichtslos

hinweggeschritten. ^Caesar supra grammaticos!^

Das hatten sie nicht berechnet, daß ein europäischer Krieg bei den

tausendfältigen Beziehungen zu den überseeischen Neuländern, deren

Millionenvölker widerwillig einer Handvoll Weißer gehorchten,

notwendigerweise die Welt in Flammen setzen mußte. Wie eine Bora, wie

ein glutheißer alle schlummernden Gefühle aufpeitschender Wüstensturm

ging es durch die Länder des Islam, wie ein elektrischer Strom zuckte es

durch die scheinbar so indolenten Völkermassive Asiens, als Europas

Boden vom Waffenlärm widerklirrte. Die Diplomaten des Berliner

Kongresses mühen sich jetzt den neuen Most in neue Schläuche zu füllen;

noch liegt nichts Fertiges, Abgeschlossenes vor, aber die Umrißlinien

sind gegeben. Da mögen wir noch einmal rückwärts schauen, und das Ganze

uns noch einmal vergegenwärtigen, wie es sich entwickelt hat. Nur ein

Querschnitt durch die Ereignisse soll hier gegeben werden, nur die

Hauptpunkte sollen hervorgehoben werden, nur die Meilensteine, die den

Weg des Jahres 1906 bezeichneten. Allein die _Einigkeit_ der Völker

Europas kann das, was ihnen verloren gegangen ist, die unbestrittene

politische Macht und die Seeherrschaft auf dem Weltmeer wieder

zurückgewinnen. Heute liegt der politische Schwerpunkt in Washington,

Petersburg und Tokio.

Im Mai 1907.

Seestern.

Der Zwischenfall von Samoa.

Irgend etwas lag in der Luft. Nicht daß gerade die politischen

Nachrichten irgend jemandem Sorge gemacht hätten. Drüben jenseits des

Meeres erscheinen Ereignisse, die in der Heimat wochenlang die Presse in

Atem halten, mikroskopisch klein. Die große Distanz und die

Zeitdifferenz läßt sie gewissermaßen mit einem umgedrehten Fernglas

sehen. Recht, recht gleichgültig ist unseren Landsleuten drüben der Gang

der großen und der kleinen Politik, von der man im stillen Winkel doch

so gut wie nichts verspürt. Trotzdem machte es einen tiefen Eindruck,

als die »Samoanische Ztg.« am 3. März durch eine Extraausgabe mitteilte,

der deutsche Reichstag habe die neuerdings geforderte Auslandsflotte,

auf die man beim Flottengesetz von 1900 verzichtet hatte, abgelehnt.

Am Abend des Tages saßen einige deutsche Kaufleute und mehrere

Angestellte der deutschen Plantagengesellschaft in der Veranda eines

Landhauses, von dem aus man den schönsten Blick auf Apia und die Reede

hat. Am anderen Ufer der Bucht flatterte träge in der lauen Abendluft

über dem kaiserlichen Gouvernement die Flagge des Reiches. Leise

rauschend schlugen die Wellen an den Strand, während die nach Norden

offene Reede sonst gerade im Märzmonat von heftigen Stürmen heimgesucht

wird. Gleich einem riesigen Gerippe lag das Wrack des Kreuzers »Adler«

auf der Korallenbank, auf der sich eine Schar Samoaner tummelte. Hin und

wieder erschien eine der geschmeidigen Gestalten zwischen den

Stahlrippen des Wracks. Der feurige Sonnenball stand dicht am Rande des

westlichen Horizontes. Von der »Möwe«, die auf der Reede lag[1], klangen

die melancholischen Töne des Zapfenstreiches über die ruhige

Meeresfläche, langgezogen und klagend. In der traumhaften Stille des

Abends glaubte man fast die Ruderschläge der Gig zu hören, die einige

Offiziere der »Möwe« dem Lande zutrug. Wie eine weiße Raupe kroch das

Boot über den kupferfarbenen Seespiegel, während mit dem Scheiden der

Sonne die Flagge am Heck des Kriegsschiffes verschwand.

[Fußnote 1: Die »Möwe« war nach ihrem Eintreffen in Tsingtau noch einmal

nach Apia zurückbeordert worden, da der in der Südsee stationierte

Kreuzer »Condor« eine Havarie erlitten hatte.]

»Dort kommen unsere Gäste«, sagte der Hausherr, der für diesen Abend die

Offiziere S. M. S. »Möwe« zu sich geladen hatte, da das

Vermessungsschiff, ein häufiger Gast in Apia, am nächsten Tage die Reede

verlassen sollte, um seine letzte Reise nach Tsingtau anzutreten, um

dort als Hulk seine Tage zu beschließen. Man brach auf und begab sich in

das Speisezimmer, um dort die Marineoffiziere zu begrüßen. Noch bevor

sie die kurze Strecke von dem gebrechlichen Landungssteg am Strande bis

zum Landhause, das am sanften Abhange des Berges lag, zurückgelegt

hatten, erschien dort ein Soldat der eingeborenen Polizeitruppe mit

einem Briefe für den Hausherrn. Nachdem er ihn durchflogen, wandte er

sich zu seinen Gästen: »Schade, unser Gouverneur Dr. Solf bittet, ihn

für heute abend als entschuldigt gelten zu lassen und außerdem will er

uns noch einen unserer Gäste entführen. Schade, es hätte so nett werden

können«. In diesem Augenblick betraten die Marineoffiziere, lebhaft

begrüßt, das Haus. Während die übrigen Herren abschnallten, nahm der

Hausherr den Kapitänleutnant Schröder beiseite und verständigte ihn von

dem Wunsche des Gouverneurs.

Bei einer vorzüglichen Bowle entwickelte sich schnell eine rege

Unterhaltung, die sich bald auch dem Ereignis des Tages, dem

Reichstagsbeschlusse über die Auslandsflotte, zuwandte.

»Nun, allzu tragisch dürfen wir's nun doch wohl nicht nehmen. Was

bekommen wir in Apia von der Auslandsflotte überhaupt zu sehen? Ja

früher, da lagen hier oft unsere großen Kreuzerfregatten, aber seit

1889, seit dem Unglück, schickt man uns doch nur kleine Kähne. Das sind

Sie, sagte einer der Pflanzer zu den Offizieren, mit Ihrer >Möwe<, die

sieht ja recht nett aus, aber glauben Sie, daß sie unseren englischen

und amerikanischen Freunden imponiert? Eine >Antiquität aus Williams

Museum< nennen sie den Kahn. Nun, die >Möwe< geht ja jetzt auch ins alte

Eisen in der Tsingtauer Rumpelkammer. Höchstens kommt sonst mal der

>Falke< seligen Andenkens oder der >Cormoran< auf eine Stippvisite. Von

Ihren Auslandsschiffen merken wir hier verdammt wenig; wenn Sie Ihre

Schiffe nicht ins Ausland schicken, dann können wir uns die Kosten auch

sparen. Überhaupt sieht's friedlich genug aus in der Politik. Wer will

denn auch heute einen Krieg anfangen? Jeder scheut doch die

Verantwortung.«

»Friedlich«, meinte der Herausgeber der »Samoanischen Zeitung«, »sieht

es nun gerade nicht aus. Wenn ich den Zusammenhang auch nicht ganz

verstehe, so muß doch irgend etwas in der Luft liegen, was sich über das

Niveau des diplomatischen Kleinkrieges, den wir seit Monaten verfolgen

können, hinaushebt. Nach einer Depesche, die ich heute aus New York

bekam, die allerdings unterwegs stark ramponiert sein muß, hat England

sein Mittelmeergeschwader mobil gemacht. -- Außerdem wird von

verdächtigen Schiffsbewegungen im Kanal berichtet. Doch ist der Zweck

dieser Maßnahmen so unklar, daß es ebenso gut eine amerikanische Ente

sein kann. Sie wissen ja wie das amerikanische Kabel arbeitet. Die

reinen Rösselsprünge depeschieren sie uns, wenn es ihnen paßt«.

»Ach was, das englische Säbelrasseln kennen wir; warten wir ab und

trinken wir Tee oder besser diese geradezu erhaben komponierte Bowle.

Laßt uns lieber ein lustiges Lied singen«.

Wie immer, wenn Deutsche beisammen sind, war's kein lustiges, sondern

ein wehmütiges Lied --

Hier in weiter, weiter Ferne

Wie's mich nach der Heimat zieht!

Lustig singen die Gesellen,

Doch es ist ein falsches Lied,

Doch es ist ein falsches Lied ....

klangs voll und kräftig aus zwanzig Männerkehlen in die tropische

Sommernacht hinaus. Mit ernstem Gesicht hörte der Kapitänleutnant

Schröder, der, vom Gouverneur zurückgekehrt, unbemerkt das Zimmer wieder

betreten hatte, dem Gesange zu ....

Andere Mädchen, andere Städtchen

O wie gerne kehrt' ich um .....

hallte es noch nach. Er trat jetzt an den Tisch: »Meine Herren

Kameraden, Sie haben eben mit Nachdruck versichert, daß Sie gerne

umkehrten; ich muß Sie nun leider auch tatsächlich bitten, mit mir

umzukehren und mit mir an Bord zu gehen. Und Sie, verehrter Herr

Gastgeber, bitte ich, zu entschuldigen, daß ich gewissermaßen als

steinerner Gast, als Störer der Freude erscheine. Aber die Pflicht ruft.

Im übrigen brauchen wir uns heute noch nicht zu verabschieden, denn die

»Möwe« bleibt noch einige Tage im Hafen liegen«.

Ein rasches Abschiednehmen, dann ruderte die Gig wieder in die

Finsternis hinaus, auf die Laterne zu, die wie ein einsamer Stern am

Vortopp des weißen Kreuzers draußen auf der Reede über der weiten

Meeresfläche schwebte.

Leise rauschend legte das Boot am Fallreep an, die beiden Fallreepsgäste

erschienen mit ihren Laternen, die Deckswache salutierte. Als man außer

dem Hörkreis der Mannschaften war, ersuchte der Kommandant die

Offiziere, ihm in seine Kajüte zu folgen.

Die Ordonnanz, die Licht gemacht, verschwand lautlos. Erwartungsvoll

blickten die Herren ihren Vorgesetzten an. Nach einer kurzen Pause sagte

er mit leicht stockender Stimme: »Meine Herren, ich will Ihre Zeit nur

auf ein paar Minuten in Anspruch nehmen. Der kaiserliche Gouverneur,

Herr Dr. Solf, hat mir aus einer amtlichen Meldung mitgeteilt, daß die

politische Lage die Möglichkeit eines Kriegs zwischen England und

Deutschland nicht ausgeschlossen erscheinen läßt. Es wird von

deutschfeindlichen Kundgebungen in England berichtet«. Mit leiser,

erregter Stimme fortfahrend, setzte er hinzu: »Unsere Kameraden von S.

M. S. »Sperber« sind in Durban vom englischen Pöbel insultiert worden.

Die Lage ist ernst. Einstweilen ist angeordnet worden, daß S. M. S.

»Möwe« vor Apia bleibt. Im Falle eines Krieges hat die »Möwe« bis auf

weiteres den Schutz der Kolonie zu übernehmen. Durch treue

Pflichterfüllung werden wir das Vertrauen Seiner Majestät, unseres

obersten Kriegsherrn, ehren. Meine Herren Kameraden, diese Mitteilungen

sind nur für Sie bestimmt; sie sind Dienstgeheimnis. Und nun, meine

Herren, lassen Sie uns ruhen.« Mit festem Händedruck verabschiedete sich

der Kommandant von seinen Offizieren.

Keiner fand Schlaf diese Nacht. Krieg? S. M. Kriegsschiff »Möwe«,

Kriegsschiff? Vermessungsschiff sagte die Schiffsliste. Außerdem zum

Tsingtauer Hulk kondemniert! Einerlei: Kriegsschiff. Langsam, mit

hallenden Schritten ging der Posten auf Deck auf und ab, auf ... und ...

ab, auf ... und ... ab. Tapp-tapp ... Kriegsschiff, Kriegs ... schiff.

Antiquität hatte der Engländer gesagt. Ach was, ein deutsches Lied

singen »Wie's mich nach der Heimat zieht« ... Heimat ... ja Heimat ...

aber erst der Krieg ... Kriegsschiff ... Kriegs ... schiff ... Einerlei,

hier stand man auf Posten, der Schutz Samoas, und man würde ja auch

nicht allein gelassen werden. »Des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr«,

hatte das nicht der Alte damals gesagt? Nein, nicht Dienst: _Pflicht_.

Leise plätschernd schlugen die Wellen gegen den schlanken Leib der

»Möwe«. Hin und wieder schnellte ein Fisch empor und fiel klatschend

wieder aufs Wasser zurück. Knarrend drehte sich nur manchmal eine Stenge

oder ein Tau im leichten Nachtwinde. Sonst Totenstille. Auch im

Gouvernementsgebäude am Strande erlosch in dieser Nacht das Licht nicht.

* * * * *

Die nächsten Tage verliefen völlig ruhig. Die Mannschaft der »Möwe«

erhielt keinen Landurlaub mehr. Nur die Dampfpinasse fuhr mehrmals am

Tage zwischen dem Gouvernementsgebäude und dem Kriegsschiff hin und her.

Dr. Solf teilte dem Kommandanten am 10. März ein amtliches

Chiffretelegramm mit, das letzte, welches er aus der Heimat erhielt. Es

lautete -- vorsichtig abgefaßt, im Hinblick auf eine mögliche

Entzifferung von unberufener Seite -- »Handelt im Einvernehmen mit

>Möwe<. Gefahr drohend von Washington und London. >Thetis< und

>Cormoran< unterwegs.« So konnte man binnen einiger Tage auf das

Eintreffen der beiden Schiffe, des ersten von Batavia, des zweiten von

Jaluit aus hoffen. Bereits machte sich die Bedeutung des

englisch-amerikanischen Kabelmonopols geltend. Obige Depesche war wie

erwähnt das letzte Chifferntelegramm, das überhaupt auf dem

amerikanischen Kabel über Pago-Pago weitergegeben wurde. Es war

vorsichtigerweise schon an eine Mittelsperson gerichtet.

Mindestens so gut wie auf deutscher Seite, waren die englischen und

amerikanischen Einwohner Apias über die politischen Vorgänge in Europa

unterrichtet. Die Konsuln beider Länder standen in steter

telegraphischer Verbindung mit ihren Regierungen. Den Depeschenverkehr

schon jetzt einer Zensur zu unterwerfen, lag für die deutsche Behörde

einstweilen kein völkerrechtlicher Grund vor. Daß man genügend

informiert war, zeigte sich in dem sehr zurückhaltenden Benehmen der

Engländer und Amerikaner gegenüber den Deutschen. Man ging sich

gegenseitig aus dem Wege. Im übrigen zeigte Apia sein alltägliches

Aussehen, und nichts ließ äußerlich darauf schließen, daß die Luft mit

elektrischem Fluidum gesättigt war.

Die »Möwe« blieb ruhig vor dem Hafen liegen. Der kleine, wackelige

englische Postdampfer »Kawau«, der den Verkehr Samoas mit der Außenwelt

vermittelt, fuhr noch am 12. März mit zahlreichen amerikanischen

Passagieren nach Pago-Pago auf Tutuila ab.

Unter der Hand verständigte ein schnell gebildetes Komitee der deutschen

Bewohner Apias den Gouverneur, daß »im Ernstfall« die Kolonie, meistens

gediente Leute, sofort aus sich selber heraus eine Schutztruppe bilden

würde, und Herr Dr. Solf nahm, da die samoanische Polizeitruppe von 30

Mann doch nur ein fragwürdiges Kriegsinstrument war, das Anerbieten an

-- auf alle Fälle. Er unterrichtete auch das Komitee davon, daß die in

einem Schuppen hinter dem Gouvernementsgebäude liegenden Armeegewehre

»im Ernstfall« zur Verfügung ständen. So war man, wenn auch nicht

gerüstet, so doch vorbereitet.

* * * * *

Am Nachmittag des 13. März erschien am westlichen Horizont eine

Rauchwolke, und kurz vor 5 Uhr warf ungefähr 200 m seewärts von der

»Möwe« der englische Kreuzer »Tauranga«, von Sidney kommend, Anker, ein

alter Bekannter auf der Reede von Apia. Nach Erledigung der

vorschriftsmäßigen Salutschüsse ließ sich der britische Kommandant an

Land setzen, um dem Gouverneur einen Besuch zu machen. Dr. Solf ersuchte

unter Hinweis, daß von seiten der »Möwe« dasselbe geschehe, den

Engländer, bei den gegenwärtigen Mißhelligkeiten, deren Einfluß sich

schon bis Apia geltend machte, seiner Mannschaft einstweilen keinen

Landurlaub zu geben, was Kapitän Hopkins auch bereitwillig zusagte.

Hierauf verweilte er eine halbe Stunde -- ein längerer Besuch wäre

aufgefallen -- im englischen Konsulat und fuhr dann an Bord der »Möwe«.

Ein etwas wärmerer Ton kam in die anfangs streng förmliche Unterhaltung,

als beide Schiffskommandanten sich als Kameraden vom Seymourzuge auf

Peking erkannten. Noch an demselben Abend erwiderte Kapitänleutnant

Schröder den Besuch auf der »Tauranga«.

Am Abend desselben Tages wurde dem Gouverneur gemeldet, daß ein

amerikanischer Missionar von Eingeborenen windelweich durchgeprügelt

worden sei, weil er durch reichliche Schnapsspenden und durch klingende

Dollars versucht hatte, einige ehemalige Anhänger Malietoas gegen die

Deutschen aufzuwiegeln. Der treffliche Seelenhirte -- man sagte ihm

nach, er habe vor seiner »Erweckung« einen längeren Urlaub nach

Sing-Sing (dem bekannten amerikanischen Gefängnis) gehabt -- war bei

seinem sauberen Handel von zwei Soldaten der eingeborenen Polizeitruppe

überrascht worden, die alsbald die Rolle des Richters Lynch übernahmen

und den Reverend weidlich verdraschen. Der amerikanische Konsul sandte

alsbald ein amtliches Schreiben: »Hoffentlich (^I hope sincerely^)

genössen doch amerikanische Untertanen auch unter den gegenwärtigen

Umständen den Schutz der deutschen Regierung«.

Die Sache war fatal wegen der Beteiligung der beiden Polizeisoldaten.

Dr. Solf teilte dem Konsul mit, beide Übeltäter säßen bereits im Arrest,

er bäte ihn aber, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß sich

amerikanische Untertanen auch jeder politischen Wühlerei enthielten, nur

dann könnte er garantieren usw.

* * * * *

Am 15. März beschwerte sich der englische Konsul, daß betrunkene

Eingeborene -- der Schnaps stammte von dem amerikanischen Seelenhirten

-- nachts in einige englische ^stores^ eingebrochen seien. Hierauf

erließ Dr. Solf eine strenge Verfügung, die jede Verabfolgung von

Spirituosen an Eingeborene oder Chinesen mit strengen Strafen belegte.

Am Nachmittage erschienen auf der Reede der amerikanische Kreuzer

»Wilmington« und der von Sidney kommende englische Kreuzer »Wallaroo«

und ankerten neben der »Tauranga«. Am späten Abend fuhr vom »Wilmington«

ein Boot an Land; ein Offizier begab sich ins amerikanische Konsulat und

kehrte von dort erst spät wieder an Bord zurück. Ein Zollwächter

berichtete, man habe zwei schwere Kisten aus dem Boot ins Konsulat

geschafft; seiner Ansicht nach könnten sie nur Gewehre enthalten.

Um die Sache aufzuklären, ließ sich Dr. Solf auf 9 Uhr am anderen Morgen

beim amerikanischen Konsul anmelden. Er teilte ihm mit, was ihm

gemeldet sei, und machte den Konsul darauf aufmerksam, daß das

Waffeneinfuhrverbot nach wie vor bestehe. Der Konsul Mr(!) Schumacher

wollte nichts von Kistentransporten und gar nichts von Gewehren wissen.

Zwei Stunden darauf wurde einem eingeborenen Arbeiter auf einer

amerikanischen Plantage, ein verdächtiges Paket abgenommen, das drei

amerikanische Marinekarabiner enthielt. Der Bursche konnte entfliehen,

die Waffen wurden ins Gouvernementsgebäude gebracht. Dr. Solf sandte Mr.

Schumacher ein offizielles Schreiben, in dem er seine Warnung

wiederholte.

Am Nachmittage bat Dr. Solf sämtliche Schiffskommandanten und beide

fremden Konsuln zu einer Konferenz zu sich. In kurzen Worten skizzierte

er die politische Lage und bat die Vertreter der fremden Mächte, alles

zu tun oder zu unterlassen, was zu einer Störung des Friedens führen

könnte.

Es herrschte eine schwüle Atmosphäre in dem engen Raum. Die Besprechung

hatte etwas Gezwungenes, und das gegenseitige Vertrauen fehlte.

Plötzlich fiel ein Schuß draußen, wildes Geschrei folgte.

Der Kommandant des »Wilmington« eilte in nervöser Hast ans Fenster.

Draußen wurde ein Chinese mit Kolbenstößen von eingeborenen

Polizeisoldaten in den kleinen Vorhof geführt, welcher zum Gouvernement

gehört. Eine Ordonnanz trat ein und meldete, der Chinese habe nach

kurzem Wortwechsel einen Polizeisoldaten auf offener Straße erschossen.

Erschossen??!

Hier ist das Gewehr; die Ordonnanz überreichte es.

Ein Zucken ging über Dr. Solfs bartloses Gesicht. Er stieß den Kolben

des Gewehres mit kraftvoller Hand schmetternd auf den Fußboden, trat,

die Faust an dem Gewehrlauf, an den Beratungstisch, und den

durchdringenden Blick auf Mr. Schumacher geheftet, sagte er: »Es ist

heute das zweite Mal, daß mir amerikanische Marinegewehre ins Haus

getragen werden. In einer halben Stunde werden zwei Doppelposten vor dem

Konsulatsgebäude der Regierung der Vereinigten Staaten von Nordamerika

stehen, damit keine Gegenstände aus dem Gebäude mehr -- gestohlen werden

können.« Die Amerikaner grüßten eisig und empfahlen sich. Die Engländer

folgten ihnen. Zu kurzer Beratung blieben Kptlt. Schröder und Dr. Solf

noch zusammen, dann kehrte auch dieser an Bord zurück.

Eine halbe Stunde später setzte die »Möwe« 30 Marinesoldaten an Land,

die ein Alarmquartier in der Nähe des Gouvernementsgebäudes bezogen und

alsbald den Sicherheitsdienst in den Straßen Apias übernahmen. Die

Tätigkeit der eingeborenen Polizeitruppe blieb auf das samoanische

Viertel beschränkt. Zugleich erließ Dr. Solf eine Verfügung, daß niemand

nach Sonnenuntergang ohne Erlaubnisschein die Straße betreten dürfe, was

sofort auch den fremden Konsuln amtlich mitgeteilt wurde.

* * * * *

Glühend rot versank der Sonnenball im Meere. Auf der stillen Flut

wiegten sich leise die schlanken weißen Leiber der vier Schiffe. Scharf

und deutlich drangen die schnarrenden Trommelwirbel und die

langgezogenen Horntöne des Zapfenstreichs zum Lande hinüber. Langsam und

ruckweise kletterte die weiße Toplaterne wie ein blasser Stern am

Fockmast der »Möwe« empor. Wie ein Spielschiff nahm sie sich mit ihrer

hohen Takelage gegenüber den ernsten, ausgesprochen kriegerisch

aussehenden fremden Kreuzern aus. Nur zwei Batterienpforten unterbrachen

die Reeling der »Möwe«, nur zwei größere Geschütze gegenüber zwei

Dutzend englischen und amerikanischen, im Ernstfall ein von vornherein

verlorenes Spiel. Hinter der »Möwe« der groteske Bau des »Wilmington«,

ein schwimmendes Plätteisen mit einem Fabrikschornstein drauf, ungefähr

als wäre in diesem Fahrzeug mit dem überlangen Schlot wieder eines jener

frühesten unbeholfenen, unproportionierten Dampfboote lebendig geworden,

wie sie noch hie und da in stillen Hafenwinkeln rosten.

Schnell brach die tropische Nacht herein. Unter ihrem Schutze näherten

sich zwei amerikanische Schiffsboote dem Strande; beide Kommandanten

begaben sich ins amerikanische Konsulat. Nur eine Bootswache blieb am

Strande zurück.

Um 2 Uhr nachts wurden mehrere total betrunkene Seehelden vom

Sternenbanner von deutschen Marinesoldaten im Arrestlokal eingeliefert.

Während die Patrouillen mit der Bändigung dieser Gesellen -- es waren

zwei Neger darunter -- beschäftigt waren, spielten sich im eigentlichen

Apia wüste Szenen ab. Eine Schar wiskybegeisterter amerikanischer

Matrosen war in mehrere Eingeborenenhütten eingebrochen. Aus einer

Prügelei war ein regelrechter Kampf geworden. Schüsse fielen von beiden

Seiten. Die Samoaner, denen vor Jahren alle Waffen von den deutschen

Behörden abgenommen, d. h. abgekauft worden waren, hatten

unerklärlicherweise plötzlich amerikanische Karabiner; sie stammten, wie

sich später herausstellte, aus dem Waffenlager im Konsulat. Zwei

amerikanische Matrosen wurden getötet, vier verwundet, acht sinnlos

betrunkene Leute waren im Arrest. Von den Samoanern waren acht tot,

vierzehn verwundet.

Noch vor Tagesanbruch fand ein lebhafter amtlicher Verkehr zwischen dem

Gouverneur und den Konsulaten statt. Es war eine böse Nacht.

* * * * *

Am 17. März, morgens 7 Uhr, erhielt Dr. Solf vom amerikanischen und

gleich darauf vom englischen Konsul ein Schreiben des Inhalts: Da

bewaffnete Eingeborene amerikanische Seesoldaten überfallen hätten,

müßten sie als Schiffskommandanten ihrer Regierung ersuchen, eine

Abteilung Mannschaften zum Schutze der Konsulate zu landen.

Dr. Solf antwortete: Die Konsulate ständen unter dem Schutze der

deutschen Regierung; er erstrecke sich allerdings nicht auf Leute, die

die Hütten friedlicher Eingeborener überfielen, wie das geschehen sei.

Eine Landung fremder Marinemannschaften könne er nicht erlauben. Er

wolle über den Fall telegraphisch Instruktionen seiner Regierung

einholen. Bis dahin müßte es bei diesem Bescheide bleiben. Die Benützung

des Kabels sei vor der Hand nur für gewöhnliche, nicht chiffrierte

Depeschen zulässig. Die verhafteten Amerikaner müßten bis auf weiteres

im Arrest verbleiben.

Antwort beider Konsuln: Wenn bis um 9 Uhr keine zustimmende Antwort des

Gouverneurs vorliege, würde die Landung zweier Abteilungen ohne

Erlaubnis stattfinden.

Antwort Dr. Solfs: Einer bewaffneten Landung würde er mit Waffengewalt

entgegentreten. Der Kommandant S. M. S. »Möwe« werde instruiert werden,

jedes Boot mit bewaffneter Macht unter Feuer zu nehmen.

Die Uhr schlug die 8. Stunde; alle Arbeit ruhte in Apia. Überall wurden

die Ereignisse der Nacht besprochen. Auf den Straßen standen lebhaft

sich unterhaltende Gruppen; die englischen und amerikanischen Ansiedler

hatten sich in der Nähe ihrer Konsulate versammelt. Die Hügel hinter

Apia waren dicht besetzt von Eingeborenen; das reine Amphitheater

»^Caesar, morituri te salutant^« .... 5 Minuten nach 8 Uhr glitt das von

8 eingeborenen Polizeisoldaten geruderte Gouvernementsboot rasch aus dem

Hafen hinaus. Dr. Solf begab sich an Bord der »Möwe«. Eine Viertelstunde

später verabschiedete er sich am Fallreep von Kapitänleutnant Schröder

mit einem langen Händedruck. Auf der Rückfahrt begegnete Dr. Solf dem

Boote des amerikanischen Konsuls, das wenige Minuten später beim

»Wilmington« anlegte und kurz darauf zurückkehrte. Am Lande hieß es Mr.

Schumacher habe dem Kommandanten des »Wilmington« eine wichtige Meldung

überbracht.

½9 Uhr. Tausend Augen blickten hinaus aufs Meer voll banger Sorge. Man

war auf sich selber angewiesen, ganz allein auf sich. Das Kabel hatte,

nachdem der amerikanische Konsul noch eine Depesche erhalten, versagt,

von der übrigen Welt war man abgeschnitten. Draußen lagen die drei

weißen Schiffe mit ihren blanken drohenden Geschützen, der Feind,

daneben dem Lande zu die kleine »Möwe«. Und die Minuten rannen. Stolz

flattert des Reiches Flagge über dem Gouvernementsgebäude in der

frischen Brise. Dicke Ballen Rauch warfen die Schlote der Kriegsschiffe

aus; er sank nieder auf die Wasserfläche, auf ihr sich zerteilend zu

einem feinen braunen Schleier. Ab und zu drang ein Signal herüber.

Klick, klick, klack, klick, klick, klack tönte es scharf und regelmäßig

-- die Anker gingen auf, gleichzeitig erschien eine sprudelnde Welle am

Heck .... man ließ die Schraube angehen. Und die Minuten rannen. Die

_kleine_ »Möwe«, die arme »Möwe«. Ihr Schicksal war besiegelt. Was

nützte es, daß man die Faust ballte, daß man die Zähne zusammenbiß. Die

_arme_ »Möwe« und unsere braven, blauen Jungen. Totenstill lag Apia da.

Alle blickten sie hinaus mit brennenden Augen, alle Deutschen auf des

Reiches äußersten verlorenen Posten, alle, alle.

Gewehr bei Fuß stand das gelandete Marinekommando im Vorhof des

Gouvernementsgebäudes. »Kerls das ist gräßlich. Wer doch wenigstens an

Bord sein könnte, um den verfluchten Hunden eins aufs Fell zu brennen«,

knirschte der führende Leutnant zwischen den Zähnen hervor. Die Sekunden

wuchsen, aber sie schwanden Tropfen um Tropfen. Am Gouvernementsgebäude

sammelten sich die Deutschen. Mit kurzem Händedruck begrüßte man sich,

man sprach nur flüsternd, die Sekunden rannen. Da tönte plötzlich der

heulende Schrei einer Dampfpfeife zum Lande herüber, an dem langen

Schlot des »Wilmington« erschien eine weiße Dampfwolke. Am Bug des

Schiffes wallte das Wasser auf. Langsam glitt der »Wilmington« zwischen

den beiden Engländern hindurch und verließ nun unter Volldampf die

Reede, weit draußen auf der offnen See einen flachen Bogen nach Osten

beschreibend und dann die Richtung nach Pago Pago nehmend. Der

amerikanische Konsul hatte dem Kommandanten des »Wilmington« das

Telegramm seiner Regierung noch rechtzeitig übermitteln können, welches

die Anweisung enthielt, auf _jeden Fall_ einen Konflikt zu vermeiden,

bei Ausbruch von Feindseligkeiten Apia zu verlassen und alles weitere

der Regierung der Vereinigten Staaten zu überlassen. Die beiden

Engländer blieben auf ihren Plätzen.

¾9 Uhr. Trug der Wind nicht den Ton einer Trillerpfeife herüber? Auf dem

Achterdeck der »Möwe« trat die Mannschaft an.

Kapitänleutnant Schröder hielt eine kurze Ansprache: »Kameraden! die

Kommandanten der englischen und amerikanischen Schiffe haben verlangt,

Mannschaften landen zu dürfen zum Schutze ihrer Konsulate. Fremde

Konsulate auf deutschem Boden stehen unter deutschem Schutz und bedürfen

keines anderen. Unser Gouverneur hat das Ansinnen deshalb rundweg

abgelehnt und erklärt den Versuch einer Landung mit Waffengewalt

verhindern zu müssen. Da der »Wilmington« in See geht, scheint der

Amerikaner seine Forderung zurückgezogen zu haben. Die beiden Engländer

werden aber sicherlich Ernst machen. Kameraden! Wir lassen deutschen

Boden nicht vom Feinde betreten, einen Boden, auf dem so viel deutsches

Blut geflossen ist. Kameraden! Wird die Landung versucht, so sprechen

unsere Geschütze. Kerls, ich wollte wir hätten hier ein anderes Schiff

unter den Füßen. Wenn um 9 Uhr der erste Schuß fällt, so wird eine

Viertelstunde später die »Möwe« aller Voraussicht nach nicht mehr

existieren. Kameraden! Zeigen wir der Welt, wie deutsche Seeleute ihre

Flagge zu verteidigen wissen. Noch nie hat ein deutsches Kriegsschiff

die Flagge vor dem Feinde gestrichen, der letzte von uns nehme sie hinab

mit ins dunkle Grab. Und nun Kameraden, fassen wir alles, was uns

bewegt, in dem Rufe zusammen: Unser allergnädigster Kriegsherr, hurra,

hurra, hurra!«

Das brausende Hurra fand am Lande ein tausendfaches Echo; die gepreßte

Brust machte sich Luft in dem alten Kriegsruf.

5 Minuten vor 9 Uhr. Dr. Solf erscheint auf der Veranda des

Gouvernementsgebäudes. Die Matrosenabteilung tritt an. Mit einem Ruck

fliegen die Gewehre empor. Totenstille. Alle Nerven gespannt. Arme

»Möwe«. Einer zeigt nach dem westlichen Horizont, wo ein qualmiger

Rauchstreifen über dem Wasser liegt. Wer spricht da plötzlich von Hilfe

und Rettung? .... Baum, baum .... 9 Uhr.

Am Flaggenstock des englischen Konsulats fliegt eine Signalflagge empor

bis dicht unter die Landesflagge. Die Entscheidung! Alle Augen suchen

Dr. Solf, dessen eiserne Gesichtszüge keine Bewegung verraten. Jetzt

nimmt er den Federhut ab, tritt an die Brüstung der Veranda und

umklammert mit beiden Händen das Geländer, festen Auges aufs Meer

blickend. Vom Bord der »Wallaroo« geht ein Boot zu Wasser, ebenso von

der »Tauranga«.

An allen Geschützen hinter den Panzerschilden und an den

Maschinengewehren sieht man die Bedienung stehen. Jetzt legen sich die

Bootsmannschaften in die Riemen. Ruckweise schießen die Boote vor, jetzt

kommen sie aus dem Schatten der Schiffskörper, eine leichte Kurve, jetzt

sind sie im offenen Wasser. Man glaubt fast den Rudertakt zu hören. Ruck

... Ruck ... Ruck ...

Aller Augen sind auf die »Möwe« gerichtet. An den dunklen Geschützrohren

leuchten die weißen Anzüge der Matrosen. Ein schriller Pfiff, an der

vorderen Revolverkanone erscheint eine blaue Wolke, ein Blitz ... eine

zweite Wolke, ein zweiter Blitz ... Platschend schlagen die Geschosse

vor beiden Booten ins Wasser. Es ist, als ob sie zaudern. Nein, sie

rudern weiter. Pratsch gehen die Ruder ins Wasser, pratsch ... pratsch

...

Wer hat angefangen? ... irgendwer. Das alte Sturmlied vom »Iltis«.

Stolz weht die Flagge schwarz-weiß-rot

von unseres Schiffes Mast.

Alle Häupter entblößen sich am offenen Grabe unserer blauen Jungen.

Manch eine Träne rollt über wettergebräunte Wangen. Ein letzter Gruß von

deutschem Mund ward ihnen das Flaggenlied.

... Am Heck der »Möwe« schäumt's auf. Dicht entquellen dem Schlote die

Rauchwolken. Bis 20 sollten die Kanoniere zählen nach dem ersten

scharfen Warnungsschuß ... zwanzig. Eine blaue Wolke hüllt die

Revolverkanonen ein. Splitter und Holzscheite stieben empor an beiden

Booten. Hoch spritzt das Meerwasser auf in Dutzenden von Fontänen.

Einige Planken treiben auf dem Wasser, hie und da taucht ein Kopf, ein

Arm auf. Das war alles, was man sah. Denn in dem Moment, da die

Revolverkanonen der »Möwe« zu spielen beginnen, rast und tobt es draußen

los, als ob die Hölle sich öffnete. In einem ungeheueren, grauweißen

Rauchschleier[2] verschwinden alle drei Schiffe. Rote und gelbe Blitze

flammen auf. Dumpf hallende Schläge, heulendes Pfeifen, helles

Zusammenkrachen von Eisenteilen, rollendes Kettenfeuer, donnernde

Explosionen, die die Luft zerreißen und darüber das harte metallische

Knattern der Maschinengewehre. Vereinzelte Geschosse schlagen am Lande

ein, hier knickt ein Palmbaum, glatt abgeschnitten, in der Mitte

zusammen, dort wirft eine berstende Granate gewaltige Erdmassen auf, ein

Haus brennt. Im Hafen steigen an hundert Stellen zugleich springende

Wassersäulen auf.

Nach 10 Minuten wird es stiller, hie und da noch ein Schuß, Hornsignale,

heulende Sirenentöne, dann Hurragebrüll, das gemarterte Trommelfell

vermag die plötzliche Stille kaum zu empfinden, und der Höllenlärm

klingt noch stundenlang im Ohre nach. Die dichte Rauchwand sinkt in sich

zusammen, die leichte Brise reißt große Stücken von ihr los.

[Fußnote 2: Die alte rauchstarke Geschützmunition wird in den meisten

Marinen beim Salutschießen und von den Schiffen auf den Außenstationen

aufgebraucht. Das war vor Apia auf beiden Seiten der Fall.]

Mastspitzen werden sichtbar, qualmende Schlote. Endlich zerteilt ein

Windstoß den Rauch, der wie eine Nebelwolke fortgeschoben wird. Die

Sonne bescheint eine Stätte wüster Vernichtung.

Die »Möwe« ist verschwunden. Nur die Masten ragen noch aus dem Wasser,

am Großtopp weht noch weiß und stolz die Flagge des Reiches. Die brave

Besatzung hatte, so weit sie nicht getötet war, in treuer

Pflichterfüllung ein Grab in den Wellen gefunden. Nur einzelne hatten

sich in die Toppen gerettet.

Ein Boot von der »Tauranga« ruderte auf das Wrack der »Möwe« zu, um die

Überlebenden an Bord zu bringen.

Die »Tauranga« schien ziemlich unversehrt zu sein, nur ein 10 cm

Geschütz war aus der Lafette geworfen und lag schief über der Reeling.

Der Panzerschild war wie ein Blechkasten seitlich zusammengedrückt.

Schwer beschädigt schien dagegen die »Wallaroo« zu sein. Sie lag quer zu

dem Wrack der »Möwe«, die ungefähr 30 m seewärts von dem Riff, das die

Fortsetzung der Landspitze von Mulinuu bildet, gesunken war. Die

»Wallaroo« lag offenbar bis zur Mitte des Schiffes _auf_ dem Riff -- wie

er dahin geraten, war ein Rätsel -- mußte auch schwer leck sein, denn

die Lenzpumpen warfen an beiden Bordseiten mächtige Wasserstrahlen aus.

Die Vernichtung der »Möwe« war vom Feinde teuer erkauft worden.

Während vor dem Gouvernementsgebäude das vor zwei Tagen gebildete ca.

160 Mann starke Freiwilligenkorps unter Gewehr antrat, stieß gegen ½11

Uhr von der »Tauranga« ein Boot unter der Parlamentärsflagge ab. Der

erste Offizier des Schiffes überbrachte die Forderung, der Gouverneur

sollte die deutsche Flagge niederholen und Apia den fremden

Schiffskommandanten übergeben.

Dr. Solf antwortete kühl: Wer die deutsche Flagge haben wolle, möge sie

sich nur holen.

Punkt 11 Uhr eröffnete die »Tauranga« ein zwar heftiges, in seinen

Wirkungen aber ziemlich harmloses Bombardement auf Apia. Der Erfolg war

gleich Null; mehrere Samoaner wurden getötet und verwundet, ein paar

Gebäude verwüstet; das war alles.

Um 12 Uhr nahm die Dampfpinasse der »Tauranga« drei stark besetzte Boote

in Schlepp und näherte sich unter dem Feuer der Schiffsgeschütze dem

Lande. Als man Gefahr lief, die eigenen Leute zu treffen, verstummte das

Bombardement, und nun begann das Kleingewehrfeuer, unterstützt von dem

Bootsgeschütz in der englischen Pinasse. Wacker griff das deutsche

Freikorps in den Kampf ein, und die 30 Marinesoldaten, in guter Deckung

liegend, machten dem Feinde arg zu schaffen. Schon hatten die

Bootsmannschaften mehrere Tote verloren, aber trotzdem mußte der Feind

in ein paar Minuten den Strand erreichen; einige Seesoldaten sprangen

bereits über Bord und wateten, bis an den Hals im Wasser stehend, ans

Land. Die letzte Entscheidung nahte ....

Da stieß plötzlich die Dampfsirene der »Tauranga« heulende Warnungsrufe

aus, die Vorwärtsbewegung der Landungstruppen stockte, und zu gleicher

Zeit scholl von der See her ein dumpfer Knall, und zwei Sekunden später

platzte auf dem Achterdeck der »Tauranga« eine Granate.

Es war dies einer jener Momente, die später allen Beteiligten bei

ruhigem Nachdenken einfach unbegreiflich erscheinen. Das Interesse des

Feindes war so sehr auf die Vorgänge am Lande konzentriert gewesen, und

andererseits hatte man dort nur Augen für die angreifenden Boote, mußte

sich auch vor den einschlagenden Granaten in Deckung halten, so daß fast

niemand das Näherkommen zweier Schiffe von der See her bemerkt hatte.

Wie plötzlich aus dem Meer emporgetaucht lagen die vor einer Woche schon

angekündigten deutschen Kreuzer »Thetis« und »Cormoran«, zwei Seemeilen

vom Feinde entfernt und eröffneten ein energisches und gut geleitetes

Feuer. Nur Dr. Solf hatte das Erscheinen der Retter in der Not seit zwei

Stunden beobachtet, und nur in seiner Umgebung war man unterrichtet.

Freudig atmete man auf, als man mit scharfen Gläsern ½12 Uhr die

deutsche Kriegsflagge am Heck beider Schiffe erkannt hatte. Und doch

hing die schließliche Entscheidung an einigen Minuten.

Der Feind war in übler Lage. Die Hälfte der intakten Mannschaften befand

sich in den Booten, andere waren mit Reparaturarbeiten -- auf der

»Wallaroo« schon mehr Rettungsarbeiten -- beschäftigt, so konnten die

Geschütze einstweilen nur ungenügend bemannt werden. Die Boote wurden

schleunigst zurückgerufen. Nichtsdestoweniger nahm der Feind mit

anerkennenswerter Fixigkeit das neue Gefecht auf. Schlimm stand es nur

um die »Wallaroo«, die wie ein gestrandeter Pottwal auf dem Korallenriff

hing.

Ungefähr stand die Partie gleich. »Tauranga« und »Thetis« waren

gleichwertig und der kleinere »Cormoran« konnte es mit der havarierten

»Wallaroo« aufnehmen. Nun kam der starke Mannschaftsverlust auf seiten

des Feindes hinzu.

Ein glücklicher Schuß traf die zurückkehrende Dampfpinasse, durchschlug

den Kessel, der explodierte, und in einer halben Minute war das Fahrzeug

von den Wogen verschlungen; auch ein anderes Boot ward von einer Granate

getroffen. Das voreilige Landungsmanöver kostete dem Feinde in 5 Minuten

über 60 Mann, da die rasch näher kommenden Deutschen das Feuer der

leichten Geschütze auf die Boote konzentrierten. Die Einzelheiten des

Gefechtes ließen sich infolge des Pulverdampfes, -- »Thetis« und

»Cormoran« waren mit ihrer rauchschwachen Munition sehr im Vorteil --

den die englischen Geschütze entwickelten, nicht genau verfolgen.

»Wallaroo« litt furchtbar. Die Geschosse vom »Cormoran« fegten das Deck,

die ohnehin spärliche Bedienungsmannschaft der Geschütze wurde

niedergemäht. Deckaufbauten und Schornstein wurden heruntergeschossen.

Doch die Engländer zeigten, daß man unter dem Union Jack noch zu sterben

wisse. Gegen ½2 Uhr ward es still auf der »Wallaroo«, die wie ein totes

Werk, eine qualmende Ruine auf dem Riff lag. Der Wind drückte den

Pulverdampf nieder, rastlos klapperten die Maschinengeschütze, in kaum

sekundenlangen Pausen entsandten die 10 cm Geschütze ihre heulenden

Projektile. Aber schon wurden die Zwischenräume zwischen den feindlichen

Schüssen größer. Die »Tauranga« hatte nur noch einen Schornstein; vom

»Cormoran«, der mehrere Volltreffer aufwies, war ein Mast über Bord

gegangen. Scheinwerfer und Peilkompaß glichen einem wüsten Gewirr von

Eisenstäben. Weiter tobte der Kampf. Jetzt verließ die »Tauranga« ihre

Position, sie machte eine brillante Wendung nach Steuerbord und

schrammte in fliegender Fahrt mit dem Heck fast den »Cormoran«. Dieser

Augenblick wurde mit scharfem Blick von einem englischen Kanonier

erfaßt. Ein Geschoß traf die Mündung des Backbordtorpedorohres des

»Cormoran«. Ein weißer Blitz, eine betäubende Detonation -- hoch stob

der Gischt empor, in der Breitseite des »Cormoran« klaffte bis unter die

Wasserlinie ein meterbreiter Riß, durch den gurgelnd und brandend das

Wasser in das Innere stürzte. Außerdem war einer der Backbordkessel

zertrümmert, und weißer Dampf brach aus allen Decksöffnungen.

Das Schiff lag gefährlich nach Backbord über; die Situation war

kritisch. Kurz entschlossen gab daher der Kommandant das Kommando in die

Maschine: »Volldampf voraus«. In voller Fahrt passierte der »Cormoran«

die drohenden Korallenbänke, erreichte die innere Bucht von Apia und

lief sicher gesteuert auf dem weichen Schlickgrund des Hafens auf, just

an derselben Stelle, wo 1889 die »Olga« durch ein ähnliches Manöver

einer anderen Gefahr entging. Sowie der Schiffsboden so einen Stützpunkt

gefunden hatte, pendelte der Kreuzer wieder in die horizontale Lage

zurück und lag jetzt ruhig wie ein Block in der leichten Brandung. Der

Choc warf eine mächtige Welle auf den Strand.

Freilich schied der »Cormoran« so aus dem Gefechte aus, aber Schiff und

Besatzung waren gerettet, und die »Thetis« hatte ja auch nur noch mit

der arg zusammengeschossenen »Tauranga« zu tun, deren Maschinenleistung

durch Versagen eines Kessels und durch Zerstörung eines anderen durch

eine deutsche Granate, die das schwache Panzerdeck durchschlagen hatte,

erheblich reduziert war. In dem Moment der Explosion auf dem »Cormoran«

hatte die »Tauranga« einen kurzen Vorsprung vor der »Thetis« gewonnen.

Diese folgte ihr jetzt und es entspann sich ein laufendes Feuergefecht,

das aber nicht lange dauern konnte, da die »Thetis« noch ziemlich intakt

war.

Die Absicht des englischen Kommandanten war klar; er wollte das

aussichtslose Gefecht mit Ehren zu Ende führen. Er hielt den Kurs eine

Seemeile vom Lande parallel der Küste.

Die »Thetis« folgte unter voller Maschinenkraft und lief der »Tauranga«

schnell auf. Deren zwei Heckgeschützen gegenüber hatte die »Thetis«

sechs 10 cm-Geschütze im Gefecht und dieser Umstand entschied bereits

nach 20 Minuten, zumal die Bedienung der beiden englischen Geschütze

(dreimal abgelöst) unter dem Schloßenhagel der Maschinengeschütze

schnell zusammenschmolz. Kurz nach 2 Uhr schor die »Tauranga« nach

Steuerbord aus und lief auf dem Korallenriff auf. Das Vorschiff bäumte

sich hoch auf, das Heck fast unter Wasser drückend. Der furchtbare

Anprall warf alle zu Boden.

Der Kampf war zu Ende. Die »Thetis« stoppte 100 m von der »Tauranga«,

die den Union Jack herunterholte. Im selben Moment gingen zwei Boote der

»Thetis«, die einzigen noch verwendbaren, zu Wasser, um die Überlebenden

der »Tauranga«, der sämtliche Boote zerschossen waren, herüberzuholen.

Als der englische Kommandant das Fallreep der »Thetis« betrat, schlug

der Tambour den Ehrensalut, die Mannschaft präsentierte. Kapitänleutnant

Hartmann begrüßte den geschlagenen Gegner mit einem Händedruck und wies

dessen Degen mit stummer Gebärde zurück. Als die »Thetis« dann drehte

und den Kurs wieder auf Apia nahm, rutschte das Wrack der »Tauranga« von

dem Riff herunter und versank in den Fluten, ein ungeheurer Sarg für die

an Bord zurückgelassenen Toten.

Brausender Jubel empfing die Sieger am Lande. Ernst und würdig war aber

der Ton der Begrüßung. Dr. Solf ließ sich sofort an Bord der »Thetis«

rudern. In stummer Ergriffenheit schüttelte er Kptlt. Hartmann immer

wieder die Hände. Apia war gerettet, aber unter welchen Opfern! und auf

wie lange! denn das war jetzt der Krieg. In diesem Augenblicke loderten

vielleicht schon überall auf dem ganzen Erdenrund die Flammen empor.

Es ist nur noch wenig über die Ereignisse in Apia nachzutragen: Am

folgenden Tage wurden die Toten, Freund und Feind, soweit sie nicht auf

dem Grunde des Meeres ruhten, nebeneinander bestattet. Aus den Berichten

der 5 Geretteten von der »Möwe« ging hervor, daß das Schiff gleich in

den ersten Minuten von den feindlichen Geschossen furchtbar zerfetzt

worden war. Sonderbarerweise blieb die Maschine intakt. Da faßte der

Kommandant den verzweifelten Entschluß, die »Wallaroo« zu rammen. Als

die »Möwe« ungefähr noch 50 m von der »Wallaroo« entfernt war, ließ der

Engländer die Maschine rückwärts schlagen und rannte so mit voller Kraft

auf das dicht hinter ihm liegende Korallenriff auf. So war die Strandung

zu erklären.

Die »Wallaroo« aus dem die deutschen Seeleute mit eigener Lebensgefahr

mehrere Verwundete geborgen hatten, brannte in der Nacht gänzlich aus,

eine gigantische Todesfackel über dem Grabe der Gefallenen.

In den nächsten Tagen ging es an das Ausflicken der »Thetis«, bei der es

nur einige Schußlöcher im Rumpf und in den Schornsteinen und die Boote

zu reparieren gab. Zwei stark beschädigte Maschinenkanonen wurden an

Land geschafft. So war der Kreuzer schon nach zwei Tagen wieder fertig.

Schlimmer sah es mit dem »Cormoran« aus. Auf die Reparatur des

Dampfkessels mußte verzichtet werden. In die zerschmetterte Bordwand

fügte man einige Stahlplatten vom Wrack der »Wallaroo« ein, die leidlich

passend gemacht wurden und so war der »Cormoran« nach einer Woche

einigermaßen wieder zurechtkalfatert. Schön sah das Pflaster zwar nicht

aus, aber mit Farbe läßt sich dem Auge manches verdecken. Dann wurde der

»Cormoran« geleichtert und von der »Thetis« abgeschleppt. Nirgends

zeigte sich ein Leck. Mit den Kohlenvorräten am Lande füllte man die

Bunker wieder auf, und am 26. März lagen beide Schiffe vollkommen

gefechtsbereit wieder auf der Reede.

Was war inzwischen aber in der Welt vorgegangen!

Im deutschen Reichstag.

Der Abgeordnete Stadthagen redete bereits zwei Stunden. Die meisten der

spärlich erschienenen Volksvertreter hatten sich vor der alten

Phrasengießkanne in die Restaurationsräume geflüchtet, denn nach dem

durch jahrelange Gewohnheit geheiligten Brauch benutzte der grauhaarige

Genosse die Beratung des Etatskapitels: Gehalt des Reichskanzlers, um

alles das, was die sozialdemokratische Presse im Laufe des letzten

Halbjahres ihren gläubigen Lesern an wirklichen und erlogenen

Skandalgeschichten aufgetischt hatte, noch einmal wiederzukäuen. Unter

lebhaften Gestikulationen und bei den hinausgeschrieenen Kraftstellen

mit der Stimme umkippend redete der zappelige Volkstribun allbereits

zwei volle Stunden über die tausend Kleinigkeiten, die die kochende

Volksseele angeblich zum Überschäumen gebracht haben sollten. Jede

Backpfeife, die einem renitenten Rekruten auf dem sandigen Kasernenhofe

verabfolgt war, jeder freundschaftliche Rippenstoß ward hier zu einer

»unerhörten Beleidigung des geknechteten rechtlosen Volkes«. Und weiter

plätscherte der Strom der geschwätzigen Rede, wie ein Wasserhahn den man

vergessen hat zuzudrehen, weiter und weiter in ermüdendem Tonfall.

Der Vizepräsident des hohen Hauses starrte wie geistesabwesend vor sich

hin; in dem allgemeinen Stumpfsinn ward es ihm schwer, die

Präsidialgewalt irgendwie imponierend zu markieren.

»1906«. Der Zusammenbruch der alten Welt · 第 1 / 21 段