Was dabei herauskam, läßt sich denken. Sang man doch in

Aus der Geschichte der menschlichen Dummheit

Von Dr. _Max Kemmerich_ erschien im Verlage von

_Albert Langen_:

Kultur-Kuriosa Erster Band Zehntes Tausend

Kultur-Kuriosa Zweiter Band Sechstes Tausend

Dinge, die man nicht sagt Siebentes Tausend

Prophezeiungen Alter Aberglaube oder neue

Wahrheit? Viertes Tausend

Aus der Geschichte

der

menschlichen Dummheit

Von

Dr. Max Kemmerich

[Illustration: Dekoration]

Albert Langen

Verlag für Literatur und Kunst

_München_

Copyright 1912 by Albert Langen, Munich

Inhaltsverzeichnis

Seite

Vorwort VII

1. Kapitel: Die Bibel als Maßstab der Wahrheit 1

2. Kapitel: Die Askese 43

3. Kapitel: Der Hexen- und Teufelswahn in der

mittelalterlichen Kirche 72

4. Kapitel: Der Kampf um die religiöse Dummheit 111

5. Kapitel: Religiöse Zwangserziehung 154

6. Kapitel: Der Teufel in der jüngsten Vergangenheit und

Gegenwart 192

7. Kapitel: Die heilige Garderobe und ähnliches 211

8. Kapitel: Die Dummheit der Massen 234

Literaturnachweis 286

Vorwort

Eine Geschichte der menschlichen Dummheit zu schreiben überstiege

meine Kräfte: sie müßte umfangreicher werden, als die chinesische

Enzyklopädie. Darum begnüge ich mich mit diesem Streifzuge, der einem

ganz bestimmten Gebiete gilt. Der Zufall war es nicht, der mich

leitete.

Nicht nur dem Vorwurfe der Unvollständigkeit sehe ich mit Gemütsruhe

entgegen. Auch auf den andern bin ich gefaßt: was mir dumm erschiene,

sei so fabelhaft gescheit, daß ich es nur nicht verstünde.

Nun -- jedem Narren gefällt seine Kappe.

_München_, im Mai 1912

_Der Verfasser_

I. Kapitel

Die Bibel als Maßstab der Wahrheit

Jede Offenbarungsreligion lehrt, daß Gott in eigener Person

übernatürliche Wahrheiten oder zum mindesten Wahrheiten von

absolutem Werte den Menschen zukommen läßt. Für die Christen sind

diese göttlichen Willensäußerungen im Alten und Neuen Testament

niedergelegt. Da nun in früheren Zeiten und teilweise auch heute noch

die Theologen des frommen Glaubens sind, daß Gott, wenn auch nicht

persönlich die Schriften abgefaßt, so doch jedenfalls die Autoren

inspiriert habe, ihnen gleichsam in die Feder diktierte, so ist es

klar, daß jedem Worte der Bibel die denkbar größte Bedeutung von

dieser Seite beigelegt wird.

Der Glaube an Gott, sowie der an Offenbarung -- denn wenn Gott

existiert, ist nichts näherliegend, als die Annahme, daß er auch mit

der Menschheit in Kontakt bleibt, ihr Winke oder Befehle zukommen

läßt, sie belohnt und straft, kurz sich ihr oder ihren auserlesensten

Vertretern gegenüber irgendwie äußert -- mag irrig sein. Daß er

nicht töricht ist, bedarf keines Beweises. Und die Annahme, daß

die höchsten iten nicht etwa in der Zendavesta, den vier Veden,

dem Alten Testament oder dem Koran niedergelegt sind, sondern in

den Schriften des Neuen Testamentes, versteht sich beim gläubigen

Christen von selbst. Denn würde er der Offenbarung einer anderen

Religion größeren Wahrheitsgehalt beimessen, dann hätte er aufgehört

ein gläubiger Christ zu sein.

Liegt es uns also auch völlig fern den Offenbarungsglauben --

ohne ihn zu teilen -- für dumm zu halten, so ist der Umfang, in

dem der Bibel absolute Autorität in Fragen der Weltanschauung

und Lebensführung eingeräumt wird, allerdings ein Gradmesser der

Intelligenz.

Wenn frühere Jahrhunderte, unkundig der Natur und ihrer Gesetze,

die biblische Kosmologie als lautere Wahrheit hinnahmen, so ist

das verständlich. Wenn sie aber auch festgehalten wurde, nachdem

unwiderleglich ihre Irrtümlichkeit nachgewiesen war, so läßt uns das

hinsichtlich der Bibel nur die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten.

Entweder beweist die Unstimmigkeit zwischen der Heiligen Schrift

und der Wahrheit, daß die ganze Bibel _keine_ Offenbarung ist, wenn

wir nämlich annehmen, daß der allwissende, unfehlbare Gott sie

quasi diktiert hat, daß es sich also um eine Fälschung handelt, --

oder daß Gott zwar die frommen Verfasser der einzelnen Schriften

mit seinem Geist erfüllt hat, daß er ihnen aber die Form überließ,

beziehungsweise sie als Menschen ihrer Zeit sich auch nur gemäß dem

damaligen Wissen ausdrücken konnten. Letztere Annahme hat aber die

Konsequenz eines Verzichtes auf die Verbalinspiration der Bibel. Daß

Gottes Diktat keine Fehler enthalten kann, ist ebenso klar, wie

daß die Schriften selbst der hervorragendsten Männer der Vorzeit

nicht dem heutigen Wissen in allen Punkten entsprechen können. Daß

Jesus von Nazareth, nach dem Evangelium, das schöne Wort sprach:

»der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig«, gibt jenen einen

autoritativen Helfer, die ihrer eigenen Vernunft nicht vertrauen.

Wer also in Fragen der Kosmologie, Geologie, Biologie, Geschichte und

vieler anderer Gebiete eine Inkongruenz zwischen Bibel einerseits,

Vernunft und Erfahrung anderseits erkennt und daraus weder folgert,

daß die Bibel als Ganzes keine geoffenbarte Wahrheit sei oder aber,

daß er den Umfang der Offenbarung zu weit ausdehnt, der begeht einen

Denkfehler.

Wer nun weiterhin aus solchen der Vernunft und Erfahrung

widersprechenden Bibelstellen oder gar aus einzelnen Worten

weitgehende Schlüsse irgendwelcher Art zieht, sein Leben danach

modelt, auf den Gebrauch seines Verstandes verzichtet, sich um sein

gutes Recht bringen läßt oder gar sein Leben opfert, der handelt dumm.

Diese Dummheit werden wir nun nicht etwa nur in alter Zeit finden,

in der wir sie ja kaum so bezeichnen können, sondern auch noch

in der jüngsten Vergangenheit, ja in der Gegenwart. Gibt es doch

eine mächtige Richtung, die den durch Fragen der Weltanschauung

nicht minder als solche des Wirtschaftslebens hervorgerufenen

Kämpfen unserer Zeit dadurch begegnen zu können vermeint, daß sie

den biblischen Buchstabenglauben als Panazee anrufen! Wenn diese

Männer so handeln gegen besseres Wissen, dann ie nicht anständig.

Handeln sie so aus Überzeugung, so sind sie dumm. Zudem erzielen sie

naturgemäß bei der Intelligenz, auf die es doch allein ankommt, das

Gegenteil dessen, was sie bezwecken.

Bekanntlich folgert das Papsttum seine auf Allmacht hinauslaufenden

Ansprüche aus der Bibelstelle »Du bist Petrus und auf diesen Felsen

will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen

sie nicht überwältigen. Und will dir des Himmelreichs Schlüssel

geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel

gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch

im Himmel los sein.« (Matth. 16, 18-19.) Ergänzt wird diese Stelle

durch das Wort Christi an den gleichen Apostel »Weide meine Schafe«

(Ev. Joh. 21, 16). Zu diesem Mandat des Stifters unserer Religion

tritt noch nach kirchlicher Lehre eine historische Begründung des

Rechtsanspruches hinzu: Petrus sei der erste Bischof von Rom, der

erste Papst, gewesen; sein Geist aber habe sich durch Tradition

ungeschwächt erhalten.

Nachdem die Bischöfe von Rom es verstanden haben durch anderthalb

Jahrtausende in immer steigendem Maße ihre Ansprüche durchzusetzen,

muß man ihrer Intelligenz und ihrer politischen Genialität die

größte Bewunderung zollen. Anders aber steht es um die Klugheit der

beherrschten Völker.

Lassen wir es ganz dahingestellt sein, ob es nicht für eine Kirche

wünschenswert ist eine Spitze zu besitzen, so daß praktische

Motive die Errichtung des Papsttums hinlänglich rechtfertigen

würden, so scheint es desto wichtiger die römische _Begründung_ des

Machtanspruches zu prüfen, bzw. die _Bereitwilligkeit, mit der

diese Begründung hingenommen wurde_, zu beleuchten. Wir lassen dabei

auch die Frage offen, ob nicht die angeführten Evangelienstellen

Interpolationen sind, die das Papsttum vornahm, um die tatsächliche

Machtstellung durch die höchste Autorität zu legitimieren.

Man stelle sich vor: Ein armer Zimmermannssohn verleiht einem armen

und nahezu gänzlich ungebildeten Fischer ein Recht, das er selbst

nicht besitzt. Denn wenn der Stifter einer Religion denen, die an ihn

glauben, auch gewiß für die Ewigkeit, für das Himmelreich, bindende

Vorschriften machen kann, es ihnen öffnen oder verschließen darf,

da er sich ja hier mit einem gewissen Recht als Herr fühlen kann,

so gilt das doch ganz gewiß nicht für die reale, materielle Welt.

Daß das Papsttum aber die Herrschaft über diese beansprucht, sich

ausdrücklich höher einschätzt, als alle Könige der Erde, ist jedem

Geschichtskundigen bekannt.

Also; Jemand verleiht angeblich einem andern ein Recht, das er nicht

besitzt. Der andere (Petrus) übt es auch gar nicht aus, ist es doch

sehr zweifelhaft, ob er je Bischof von Rom war und wenn, dann war

er Oberhaupt einer kleinen und damals noch ganz bedeutungslosen

Gemeinde. Und dieser Mann vererbt sein »Recht« auf ewige Zeiten! Man

glaubt seinen Nachfolgern -- angenommen, die Bischöfe von Rom wären

das wirklich -- und Könige und Kaiser beugen sich ihnen!

Welche Fülle von Klugheit auf päpstlicher Seite! Welche Dummheit auf

weltlicher!

Dieser Fiktion fügen sich die mächtigsten Herrscher, desgleichen

ihre Völker. So wird England päpstliches Lehen, Heinrich IV.

erscheint als Büßer vor dem Papst, ein Friedrich Barbarossa hält ihm

den Steigbügel, er greift in die Wahl der deutschen Könige ein und

vernichtet ganze Geschlechter, er verteilt gar die neue Welt als

anerkannte höchste irdische Instanz! Diese wenigen, ins Unendliche zu

vermehrenden Beispiele sind eines der grandiosesten Beweise für den

Sieg der überlegenen Intelligenz über die stultitia hominum.

Die notwendige Voraussetzung dieser über ein Jahrtausend die

Weltgeschichte bestimmenden Fiktion, deren praktische Verwirklichung

Könige und Völker nur zu sehr am eigenen Leibe erfahren mußten, war

aber ein _blinder Bibelglaube_.

Und wenn es heute noch Leute gibt, die die päpstlichen Ansprüche mit

päpstlicher Begründung verteidigen, wenn es den Anschein hat, daß

diese Leute sogar Boden gewinnen, dann möchte man an der Zukunft der

Menschheit verzweifeln.

Dieser blinde Bibelglaube oder Glaube an die geistliche Autorität

kommt auch den Lehrmeinungen und Dogmen zugute. Man interessierte

sich infolgedessen in früheren Zeiten für die entlegensten Dinge,

soweit sie mit dem Glauben im Zusammenhang standen. Hätte man

den gleichen Scharfsinn für Nützliches verwandt, man würde um

Jahrhunderte früher die jetzige Kulturhöhe erklommen haben.

Die Wurzel des Übels war und ist zum Teil heute noch die

_Todesfurcht_ bzw. die _Sorge um das jenseitige Leben der Seele_.

Daß es eine Unsterblichkeit gibt, kann mit ebenso triftigen Gründen

behauptet, wie bestritten werden; aber angenommen sie existiert,

so ist doch soviel gewiß, daß wir von ihrer Beschaffenheit nichts

Näheres wissen, noch wissen können. Gerade diese Frage aber

beschäftigte und beschäftigt gläubige Gemüter zum Übermaß. Und da

man es verstanden hatte dieser Form der Feigheit -- denn schließlich

läuft die ganze Sorge um das Fortleben der Seele auf die Furcht

vor dem Nichts hinaus oder auf die noch jämmerlichere in einem

vorausgesetzten Jenseits die Verantwortung für seine diesseitigen

Handlungen tragen zu müssen -- durch Erhebung zur »Religiosität«

oder »Frömmigkeit« das Mäntelchen der Tugend umzuhängen, so galt

es auch noch für verdienstvoll sich über die größten das Jenseits

betreffenden Nichtigkeiten den Kopf zu zerbrechen. Hier stets im

Rahmen des Dogmas und der Bibel zu bleiben, Erfahrung und Vernunft

nicht allzusehr zu verletzen, war gewiß nicht immer leicht.

Ist es schon eine Dummheit auf unlösliche Fragen Zeit und Energie zu

verwenden, so wird sie dadurch gewiß nicht geringer, daß Jahrhunderte

ihr huldigten. Die Zeit der Scholastik aber hatte es sich zur Aufgabe

gestellt Glauben und Vernunft in Einklang zu bringen. Was nicht

erreichbar war -- und das war sehr vieles, etwa die Dreiheit des

Monotheismus, die unbefleckte Empfängnis, die leibliche Auferstehung

und Himmelfahrt Christi, die Verwandlung von Wein in Blut, von

Brot in den Leib des Heilandes u. a. m. -- das wurde als »Wunder«

angestaunt. Und das geschieht auch heute noch von ungezählten

Millionen.

Gewiß hat die Scholastik auch das Denkvermögen verfeinert, aber sie

schliff eine Waffe, nicht um sie im Kampfe gegen die Rätsel der Natur

zu verwenden, sondern um damit Haare zu spalten.

Als einst vor König Philipp von Makedonien ein Jongleur seine Kunst

produzierte, darin bestehend, daß er in die Luft geworfene Erbsen

mit einer Nadel auffing, da verweigerte ihm der kluge König eine

Belohnung. Er ließ ihm lediglich einen Scheffel Erbsen übergeben.

Wäre ein kluger Papst beim Aufwerfen der ersten Spitzfindigkeiten

mit der ganzen scholastischen Richtung ebenso verfahren, dann hätte

die gelehrte und fromme Dummheit niemals solche Dimensionen annehmen

können.

Solche scholastische Fragen sind etwa folgende:

Steht oder liegt Gott Vater?

Kann er ein Kind schaffen ohne Vater? Einen Berg ohne Tal, eine Hure

wieder zur Jungfrau machen?

Tanzen die Engel Menuett oder Langaus?

War es Lucifer, der den ersten Purzelbaum schlug?

Ist eine Entweihung der Sakristei auf einem Ziegelstein Entheiligung

der ganzen Kirche, oder nur der Sakristei?

Geht das »Vater unser« Gott allein an, oder auch die Heiligen?

Prinzipaliter (in der Hauptsache) Gott, minus prinzipaliter (in der

minderen Hauptsache) auch die Heiligen?

Am Hof zu Konstantinopel stritt sich im 14. Jahrhundert nicht nur die

Geistlichkeit, sondern auch der Hof und die ganze Nation über die

Frage, ob das Licht auf Tabor ein erschaffenes oder unerschaffenes

Licht gewesen sei.

Besonders fein sind die Fragen über die Sakramente; namentlich die

Taufe: Ist ihr Wesen das Wort oder das Wasser? Ersteres, denn sonst

könnten ja Fische in der Taufe leben, und ein Esel, der Taufwasser

saufe, ein getaufter Christ sein wollen. Ob man auch mit Erde, Luft,

Feuer, Wein, Bier usw. taufen dürfe? Einige waren für das Bier, wenn

es so hell wie Wasser von der Wand fließe. Ob man in jeder Sprache

taufen dürfe? Ob eine bedingte Taufe, z. B. »wenn du kein Bastard

bist« oder eine unterbrochene Taufe, wenn ein Balken herabfiele und

der Priester im Schrecken ausrufe: »Sakrament! was ist das!« gültig

sei? Ob Engel oder Teufel gültig taufen können und was zu tun sei,

wenn sich das Kind gar ungebührlich aufgeführt habe? Man war sich

darin doch ziemlich einig, daß der Prophet Ezechiel reines Wasser

verlangt.

Die berühmten Scholastiker _Scotus_, _Lombardus_, _Thomas von

Aquino_, _Occam_, _Bonaventura_, _Albertus Magnus_ usw. prüften die

Fragen: ob Gottes Sohn sich auch in einen Ochsen, Esel, Kürbis oder

Teufel verwandeln könne.

Wieviele Chöre der Engel es gäbe, wie sie sitzen und was für

Instrumente sie spielen.

Was man in der Hölle treibe und wie hoch die Hitze steige?

Wohin sich der transsubstanziierte Leib begäbe, wenn etwa eine Maus

oder ein Wurm ins Ciborium gerate? Ob der Mund dieser Tiere so unrein

sei, wie der des Sünders?

Ob auch das mit dem Wein im Kelch etwa vermischte Wasser sich in Wein

oder Blut verwandle und ob man mit Bier, Apfelmost, Branntwein und

Essig nicht ebensogut kommunizieren könne, als mit Wein?

Die Lächerlichkeit der Scholastik wird glänzend illustriert durch

folgendes Gespräch dreier Oxforder Mönche, die den König baten ein

Türchen durch die Stadtmauer brechen zu dürfen und die uns Ant.

_Wood_ in seiner Historia et Antiquitates Universitas Oxoniensis

(Oxford 1674) überliefert hat:

»Erleuchtetster Herr König!« -- »Wer seid ihr denn?« -- »Wir sind

Magister in Euren Diensten.« -- »Was für Magister?« -- »Magister

vom ehrwürdigen Haus der Kongregation.« -- »Was für ein Haus ist

denn das?« -- »Habt ihr die Materie im Auge _woraus_: aus Kalk und

Steinen; habt ihr die Materie im Aug' _wofür_: für die Erteilung der

göttlichen Gnade; -- habt ihr die Materie im Aug' _worauf_: auf dem

Gottesacker der heiligen Jungfrau.« -- »Was ist euer Begehren?« --

»Wir wollen eine Türe gemacht haben,« sprach der erste Mönch. Der

zweite sagte: »wir wollen nicht eine gemachte Tür, sondern daß eine

gemacht werde.« Und der dritte sagte: »Wir wollen nicht, daß eine

Türe gemacht werde, sondern daß eine gemachte Tür vorhanden sei.«

Hierauf erwiderte der König: »Vortreffliche Herrn Magister, tretet ab

und werdet einig untereinander und dann sollt ihr die Türe haben[1].«

Die scholastischen Spitzfindigkeiten haben ihre Vorläufer im

Judentum, das ja nicht geringeren Wert auf die geschriebene Autorität

legte, als unser Mittelalter. Die Kasuisten der Israeliten konnten

besonders an der Sabbatfeier ihren Scharfsinn nicht genug üben. So

war es am Sabbat verboten, einen Knoten zu machen oder aufzulösen.

Da diese Bestimmung aber viel zu allgemein schien, entschied man:

»Folgendes sind die Knoten, über deren Anfertigung man schuldig

wird: der Knoten der Kameltreiber und der der Schiffer; und so wie

man schuldig ist wegen deren Schürzung, so ist man auch schuldig

wegen deren Lösung. R. Meir sagt: Wegen eines Knotens, den man mit

der einen Hand lösen kann, ist man nicht schuldig. Es gibt Knoten,

wegen welcher man nicht wie bei dem Kameltreiber- und Schifferknoten

schuldig wird. Ein Frauenzimmer darf den Schlitz ihres Hemdes

zuknüpfen, so auch die Bänder der Haube, die einer Leibbinde, die

Riemen der Schuhe und Sandalen, Schläuche mit Wein und Öl, einen

Topf mit Fleisch.« Da der Knoten an der Leibbinde gestattet war, so

wurde festgesetzt, daß man auch einen Eimer über den Brunnen mit der

Leibbinde festknüpfen dürfe, nur nicht mit einem Stricke.

Das Schreiben am Sabbat war verboten, und wenn es auch nur zwei

Buchstaben gewesen wären. Aber nicht ohne Einschränkung: »Schreibt

einer in dunkle Flüssigkeiten, in Fruchtsaft, oder in Wegestaub,

in Streusand oder überhaupt in etwas, worin die Schrift nicht

bleibt, so ist er frei. Schreibt einer mit verkehrter Hand, mit dem

Fuße, mit dem Munde, mit dem Ellenbogen ... oder wenn jemand einen

Buchstaben auf die Erde und einen an die Wand schreibt, oder auf

zwei Wände des Hauses, oder auf zwei Blätter des Buches, so daß sie

nicht miteinander gelesen werden können, so ist er frei. Wenn er

in zweienmalen vergessend zwei Buchstaben schrieb, etwa einen des

Morgens und den andern gegen Abend, so erklärt ihn R. Gamaliel für

schuldig; die Gelehrten sprechen ihn frei.«

Am Sabbat war es nicht nur verboten Feuer anzuzünden, sondern auch

es zu löschen, selbstverständlich unter Ausdehnung auf Lichter und

Lampen: »Wer ein Licht auslöscht, weil er sich fürchtet vor Heiden,

vor Räubern, vor bösem Geist, oder um eines Kranken willen, damit

er einschlafe, ist frei. Geschieht es aber, um die Lampe, das Öl

oder den Docht zu schonen, so ist er schuldig. R. Jose spricht ihn

in jedem Falle frei, außer in betreff des Dochtes, weil er dadurch

gleichsam eine Kohle bereitet.« »Man darf ein Gefäß zum Auffangen der

Funken unter die Lampe setzen, aber nicht Wasser hineintun, weil man

dadurch löscht.« Daß man eine Feuersbrunst am Sabbat nicht löschen

durfte, versteht sich von selbst.

Die Gesetzeshüter dehnten ihre Verbote auch auf Handlungen aus,

die nur möglicherweise eine Sabbatverletzung herbeiführen konnten.

Demnach eine Analogie zum berühmten dolus eventualis unserer Richter:

»Der Schneider gehe bei einbrechender Dunkelheit nicht mit einer

Nadel aus; denn er könnte vergessen und (nach Eintritt des Sabbat)

damit ausgehen. Auch nicht der Schreiber mit einem Rohre.« Ferner

ist es am Sabbat verboten, bei Lampenlicht zu lesen, oder Kleider

von Ungeziefer zu reinigen. Beides sind nämlich Handlungen, bei

denen helles Licht besonders nötig ist, daher liegt die Versuchung

besonders nahe, die Lampe zu neigen, um ihr mehr Öl zuzuführen.

Das wäre aber ein Verstoß gegen das Verbot des Feueranzündens. Dem

Schullehrer ist zwar gestattet zuzusehen, wie Kinder bei Licht

lesen, er selbst darf es aber nicht.

Ein Arzt darf am Sabbat einem Kranken nur Beistand leisten, wenn

Lebensgefahr vorhanden ist. R. Matthija ben Charasch erlaubt sogar

einem an Halsschmerzen Leidenden am Sabbat Heilmittel in den Mund

zu tun, weil es vielleicht lebensgefährlich sein könnte. Dies

wird jedoch nur als Ansicht dieses einen Gelehrten und keineswegs

als allgemein gültig angeführt. Jedenfalls darf der Arzt nur bei

Lebensgefahr helfen: »Man darf nicht einen Bruch (eines Gliedes)

wieder einrichten. Wer sich die Hand oder den Fuß verrenkt hat, darf

sich nicht mit kaltem Wasser begießen.« Daher auch die Anfeindungen

Jesu durch die Pharisäer wegen seiner Krankenheilungen am Sabbat!

Auch die jüdischen Soldaten beobachteten die Sabbatruhe gewissenhaft.

So ließ sich am Anfang der makkabäischen Erhebung eine Schar von

Gesetzestreuen lieber bis auf den letzten Mann niedermachen, als

daß sie zum Schwert gegriffen hätte. Von da an beschloß man auch am

Sabbat das Schwert zu gebrauchen, jedoch nicht zum Angriff, sondern

nur zur Verteidigung.

Daß die Gesetze über Reinheit und Unreinheit mindestens ebenso

sophistisch waren, wie die über die Sabbatruhe, ist hinlänglich

bekannt. Uns genügen die mitgeteilten Beispiele[2].

Doch zurück zur Scholastik!

Man wird zur Entschuldigung dieses Unsinns ins Treffen führen, daß

nur wenige Jahrhunderte, besonders die zweite Hälfte des 11., das 12.

und 13., ihn kultivierten. Nun wäre es ja an sich schon hinlänglich

betrübend, wenn zweieinhalb Jahrhunderte lang -- tatsächlich

herrschte die Scholastik ja die doppelte Zeitdauer, wenn auch nicht

so absolut, wie von etwa 1050 bis 1300 -- die fähigsten Köpfe der

Christenheit nichts besseres zu tun gehabt hätten, als leeres Stroh

zu dreschen. Aber selbst diese lahme Entschuldigung ist nicht

stichhaltig. Denn wie man bereits im 5. Jahrhundert in Konstantinopel

an allen Straßenecken über Dogmatik, über Gottähnlichkeit und

Gottgleichheit disputiert hatte (vgl. Kultur-Kuriosa I, S. 180), so

hatte man auch schon Jahrhunderte früher im Abendlande diesem müßigen

Sport gehuldigt.

So zerbrechen sich im 9. Jahrhundert -- um nur ein Beispiel zu

nennen -- Nonnen den Kopf darüber, ob Maria geboren habe, wie andere

Frauen. Die Frage wurde in allen Details behandelt, was der Ausmalung

geschlechtlicher Dinge den weitesten Spielraum ließ. Als nun nach

Alt-Corvey die Kunde kam, gewisse Leute wagten zu lehren, Maria

habe trotz der übernatürlichen Empfängnis Jesus ebenso geboren, wie

andere Frauen ihre Kinder, erhob sich das lauteste und heftigste

Geschrei über diese Häresie. _Paschasius Radbertus_ und _Ratramnus_,

beides Autoritäten, widersprachen mit leidenschaftlichem Eifer.

Man schuf eine Physiologie des Irrsinns, um die Jungfrauschaft der

Gottesgebärerin aufrecht erhalten zu können[3].

Das war im finstersten Mittelalter! wird man einwenden. Nun, gar so

finster war in mancher Hinsicht das 9. Jahrhundert gar nicht, wie

die Entscheidung Karls des Großen gegen den Bilderdienst oder die

Schriften des Erzbischofs _Agobard von Lyon_[4] beweisen, der sich

gegen das Wettermachen der Hexen u. a. wendet. Aber immerhin sei

zugegeben, daß die Menschen von damals noch sehr barbarisch dachten,

ihre Kenntnisse gering waren, ihre Frömmigkeit kindlich.

Die Scholastik verbunden mit widerlicher Frömmelei, saß unsern

Altvordern noch Jahrhunderte lang so tief in den Knochen, daß

sich auch die Poesie von ihr nicht freimachen konnte. Der neue

Meistergesang des ausgehenden 15. Jahrhunderts, der in Nürnberg seine

Wiege hatte, schuf nicht nur eigene Töne mit eigenen Namen, sondern

war auch anscheinend bestrebt, den Gesängen einen neuen Inhalt zu

geben. Aber das war nicht so einfach, denn die älteren Meister zum

mindesten konnten auf die scholastischen Grübeleien und auf die

Metaphysik nicht verzichten. Besonders wurden kirchliche Dogmen und

kirchliche Traditionen als Gegenstand der Poeterei erkoren.

Was dabei herauskam, läßt sich denken. Sang man doch in

scholastischer Weise mit allen Künsten der Dialektik, aber natürlich

mit steter Unterordnung unter die kirchliche Lehre, über so

hochpoetische Themen wie: Wo Gott gewesen, ehe die Welt geschaffen

war. Wie das Verhältnis der drei Personen in der Trinität beschaffen

sei. Wie sich die Gottheit von ihrem eigenen Geschöpf habe gebären

lassen können. Wie es möglich gewesen, daß die Geburt Gottes des

Sohnes mit der Unbeflecktheit der Jungfrau sich habe vereinigen

lassen. Wie die Ubiquität Gottes des Sohnes im Sakrament des

Altars zu fassen sei. Selbst Hans _Folz_, der ja als Neuerer des

Meistergesanges auftrat, beschäftigte sich in vielen Gedichten

ganz in althergebrachter Weise mit diesen Dingen. Von den übrigen

Meistern der Schule aber, soweit ihre Gedichte mit Wahrscheinlichkeit

ermittelt werden können, hat sich kaum einer mit einem andern

Gegenstande befaßt[5].

So weit kann also eine gelehrte Dummheit von ihrer Zeit Besitz

ergreifen, daß selbst die Poesie keinen andern Stoff findet, als

diesen schon für prosaische Behandlung zu langweiligen, und daß die

Rechtgläubigkeit und dogmatische Korrektheit höher gewertet wird, als

freischaffende Phantasie!

Doch das ist ja alles noch Mittelalter, wird man einwenden.

Was aber sagt der unverbesserliche Lobredner menschlicher Intelligenz

zu Schriften, die vor wenigen Jahrhunderten, ja noch an der Schwelle

der Gegenwart im gleichen Geiste abgefaßt wurden? Was dazu, wenn er

erfährt, daß es sich um _protestantische_ Theologen handelt, denen

man ja geneigt ist gegenüber ihren katholischen Amtsbrüdern eine

gewisse geistige »Freiheit«, ein größeres Anpassungsvermögen an die

realen Bedürfnisse des Lebens, an den Zeitgeist, nachzurühmen? Sehen

wir uns diese Literatur einmal an!

»Schriftmäßige Abhandlung von dem _Dienste der Engel bey den

Eheverbindungen der Frommen_, über Gen. XXIV, 7 und 40 ...« heißt

eine Broschüre, die im Jahre 1753 in Altenburg aus der Feder des

Gymnasialprofessors Salomon _Ranisch_ erschien. Er beweist nicht

nur aus der Bibel sein Thema für die Vergangenheit, sondern spricht

auch die Meinung aus, daß noch heute Engel als Heiratsvermittler

fungieren. Allerdings nur bei Frommen.

Dieses Thema schien den Theologen so bedeutend, daß der gräflich

Schönbornsche Konsistorialprofessor Christoph _Haymann_ im gleichen

Jahre in Waldenburg eine Abhandlung erscheinen ließ, von deren schier

endlosem Titel wir den Anfang zitieren »Zufällige Gedanken über

des Hochedlen und hochgel. M. Salomon Ranischens, des Hochfürstl.

Sächsis. Gymnasii illustris in Altenburg hochverordneten Professors

...« Hier wird der Abhandlung zwar Beifall gezollt, jedoch

bezweifelt, ob der Beweis zwingend dafür erbracht sei, daß der

Engel, der Elieser auf seiner Reise unterstützte auch den gemessenen

Befehl gehabt hätte ihm beim Vermählungsgeschäft behilflich zu sein.

Er glaubt vielmehr, daß Gott selbst die Umstände und Herzen der in

Frage kommenden Personen nach dem Wunsche Eliesers gelenkt habe. Auch

fehle der zwingende Beweis dafür, daß Isaak durch eine Erscheinung,

Botschaft oder Anzeige des Engels bestimmt worden sei der Rebekka

entgegenzugehen.

Der Fall wird mit größtem Scharfsinn und natürlich auch unter

Zurückgreifen auf den hebräischen Urtext geprüft. Das war aber auch

nötig, denn Salomon Ranisch antwortete in einem »_Sendschreiben_

an den Hochehrwürdigen, hochachtbaren und hochgelahrten Herrn M.

Christoph Heymann (sic!) usw.« Altenburg 1754.

Er meint es trage die »Schwäche des menschlichen Verstandes« Schuld

an der Gleichgültigkeit der Ausleger, die der Tätigkeit des Engels

bei der Vermählung Isaaks nicht die nötige Beachtung geschenkt

hätten. Vielleicht hätten sie unter dem Engel den unerschaffenen

Engel des Bundes verstanden, vielleicht auch sich den Schein der

Gelehrsamkeit beigelegt, als ob die Interpretation der Tätigkeit des

Engels so leicht sei, daß man stillschweigend darüber hinweggehen

könne. Ihm aber sei ein Licht aufgegangen durch die Vorlesungen des

Professor _Crusius_, der dozierte, daß Gott die Welt regiere teils

durch den Lauf der Natur, teils durch die Hilfe der Wunder, teils

aber auch durch den Dienst der Engel. Wenn es ihm auch ferne läge

zu bestreiten, daß der Engel die Aufgabe hatte Elieser auf seiner

Reise zu beschützen, so seien wir doch auch gezwungen, ihn als »einen

Beystand der gestifteten Ehe« anzusehen. Das beweist er denn auch

philologisch. Ja, der Engel sei sogar mit dem Messias identisch. Weit

entfernt sich widerlegen zu lassen, ist Ranisch der Ansicht, daß

gerade diese Ehegeschichte ein wunderschönes Beispiel dafür sei, daß

_Gott durch den Dienst der Engel die Ehen der Frommen stifte_[6].

* * * * *

In der Abhandlung »_Adam der erste Vasall_« erbringt Joh. Dan. _von

Hoven_ (Lingen 1753) den Beweis, daß das _Paradies ein Lehen war_,

mit dem _Gott als Lehnsherr Adam als ersten Vasall_ belehnt hatte.

Der Lehnsherr Gott, zugleich unumschränkter Landesherr, führt einen

doppelten Namen im Hebräischen in diesen seinen beiden Eigenschaften.

Der Lehnsherr wird eigentlich Herr genannt, nicht sowohl weil er

die Oberherrschaft sich vorbehalten wollte, als wegen der Treue und

Pflichten, die der Vasall ihm zu leisten schuldig ist. Der an einen

Lehnsherrn zu stellenden Forderung, daß er freie Verfügung über die

zu vergebenden Güter habe, entspricht Gott durchaus. Er handelte

jedoch weniger als kontrahierende Partei, denn aus freiem und

unumschränkten Wohlgefallen.

Was nun Adam betrifft, so ist er namentlich benannt. Er ist als

Vasallus capitaneus zu betrachten, das Weib aber nur als Valvasor.

Das Lehensgut ist ein unbewegliches Grundstück, das aus besonderer

Gnade verliehen wird und eigentlich weder ge- noch verkauft werden

darf. Ein solches beneficium war der Garten Eden: a) er war ein

unbewegliches Grundstück, b) der Mensch hatte aus sich selbst kein

Recht darauf, sondern c) es lediglich aus Gnade erhalten und zwar

d) für sich und seine Leibeserben e) mit allen Regalien, f) sowohl

geistlichen als weltlichen. Zwar hatte Gott dem Menschen erlaubt sich

die Erde untertan zu machen, dabei aber den Garten Eden ausdrücklich

abgesondert und für sich selbst vorbehalten. Es handelt sich hier

also um ein Lehn in curte oder territorio des Landesherren und damit

zugleich ein feudum ligium.

Die Belohnung geschieht durch Einräumung, tätliche Einführung und

Übergebung des Grundstückes vom Herrn an seinen Vasallen im Beisein

wenigstens zweier Zeugen, wogegen sich der Vasall durch den Lehnseid

seinem Herrn verpflichtet, was jedoch auch erlassen werden kann. Die

Einsetzung erfolgt nach Gen. II, 8 und 15 ordnungsgemäß vermutlich in

Gegenwart einiger Engel, da diese auch bei der Austreibung anwesend

waren. Fehlte auch der Lehnseid, wie ja zulässig, so empfing Adam

doch Instruktionen bezüglich seiner Dienstpflichten, nämlich den

Garten zu bebauen und zu bewahren. Auch war das Servitut auferlegt

vom Baum der Erkenntnis nichts zu essen bei Verlust des Lehens.

Dieser erfolgte ganz rechtmäßig wegen eines crimen feloniae -- das

unerlaubte Essen und Verhandlungen mit der Schlange als Feindin

des Lehnsherren -- und crimen lesae majestatis, da er bei der

Untersuchung den Lehnsherren selbst beschuldigte[7].

* * * * *

Im Jahre 1756 erschien in Jena »Johann Georg _Walchs D. Abhandlung

vom Glauben der Kinder im Mutterleibe_, aus dem lat. ins deutsche

übersetzet und mit Anmerckungen erläutert von M. Adam Lebrecht

Müller« in zweiter Auflage!

Diese wenn auch nicht lesenswerte, so doch sicherlich gelesene

Untersuchung stellt fest, daß gar kein Zweifel darüber bestehe, daß

getaufte, in zarter Kindheit sterbende Kinder des ewigen Lebens

teilhaftig werden. Wie aber, wenn Kinder sterben, deren Eltern

keine Christen sind? Die Ansichten über das Schicksal ihrer Seelen

weichen voneinander ab. Der Verfasser hält dafür, daß sie infolge

der Erbsünde der ewigen Seligkeit verlustig gehen. Kinder aber von

christlichen Eltern erlangen die ewige Seligkeit auch wenn sie

ungetauft sterben, wofern die Taufe unmöglich war. Aber wie läßt sich

das begründen? Höchst einfach! Da es unmöglich wäre ihnen das ewige

Leben zu verleihen ohne Glauben, aber unbillig sie unverschuldet der

Verdammnis zu überliefern, so folgt daraus, daß »_Gott den Glauben in

den Kindern, da sie noch im Mutterleibe sind bewirkt_!« Er kann das

nach Matth. XIX, 26 und Luk. I, 37 tun. Von Johannes wird Luk. I, 15

sogar ausdrücklich erzählt, daß er noch im Mutterleibe vom heiligen

Geist erfüllt wurde. »Wir finden Exempel solcher Kinder, welche Gott

bereits im Mutterleibe zu heiligen Ämtern ausersehen hat. Jer. I, 5.

Gal. I, 15 sqq. Also kann Gott im Mutterleibe heiligen[8].«

* * * * *

Ein Thema, dessen Aufwerfung nicht geringere Intelligenz erfordert,

als seine Beantwortung, behandelt der Prediger Johann Friedrich

_Wachsmann_ in seiner 1751 zu Helmstedt erschienenen Schrift betitelt

»Untersuchung der Frage, _warum Gott den gefallenen Engeln keinen

Erlöser gegeben habe_?«

Er geht mit bewundernswertem Scharfsinn zu Werke, wenn er nach

der Feststellung, daß viele Engel durch eigene Schuld in Sünde

fielen, im Gegensatz zu den verführten Menschen, schließt, daß es

also keineswegs unmöglich wäre, sie durch einen Erlöser daraus zu

befreien. Und zwar weder unmöglich bei Gott, da dieser ja allmächtig,

noch beim Erlöser. Denn diese Unmöglichkeit müßte entweder darin

bestehen, 1. daß der Sohn Gottes, ob er sich gleich mit der

menschlichen Natur habe vereinigen können, doch unvermögend gewesen,

die Natur der Engel anzunehmen und sie zu erlösen. Oder 2. daß,

weil die englische Natur trefflicher sei, als die menschliche der

Sohn Gottes eine Unmöglichkeit gefunden habe, die englische Natur

anzunehmen; oder 3. daß, weil die Sünde der gefallenen Engel größer,

als die Sünden der Menschen gewesen, es dem Sohne Gottes unmöglich

gefallen, für ihre Sünde eine vollkommene Genugtuung zu leisten, wenn

er auch ihre Natur angenommen hätte; oder 4. daß außer der Annahme

der englischen Natur, wenn sie unmöglich gewesen wäre, sonst kein

anderer Weg auf seiten des Erlösers habe sein können, die gefallenen

Engel aus ihrem kläglichen Elende zu erlösen.

Nun ist es klar, daß sowohl Gott, als auch dem Erlöser das alles sehr

wohl möglich gewesen wäre. Gab also Gott den gefallenen Engeln keinen

Erlöser, so kann nur sein Wille, nicht sein fehlendes Können, daran

schuld gewesen sein.

Aber warum wollte Gott nicht?

Die Antwort würde uns sehr schwer fallen, uns schlaflose Nächte

verursachen, vielleicht uns ein Gemütsleiden zuziehen, hätte nicht

Herr Pastor Wachsmann auch sie richtig gefunden.

Ja, warum wollte Gott nicht? Er wollte nicht entweder aus Güte, oder

aus Gerechtigkeit, oder aus Heiligkeit! Der Verfasser entscheidet

sich für die letztere. Und er hat mit seiner Motivierung recht:

Eigentlich wollte er ja den gefallenen Engeln einen Erlöser geben,

unter der Bedingung, daß sie glaubten. Aber er sah bei seiner

Allwissenheit vorher, daß sie das ganz und gar nicht tun würden, und

deshalb unterließ er es.

Zu dieser hochaktuellen Untersuchung von unabsehbarer praktischer

Bedeutung hat der hochwürdige Herr Abt _Schubert_ eine Vorrede

geschrieben, die zugleich eine kritische Würdigung ist.

Zwar ist er der Ansicht, daß es zur Seligkeit nicht nötig sei zu

wissen, warum Gott den bösen Engeln keinen Erlöser sandte, nachdem

aber der Rostocker Gottesgelahrte D. Johann _Fecht_ in seinen

Noctibus Christianis p. 359-887(!!!) weitläufig untersucht habe,

_ob Christus unter allen Menschen die schönste Gestalt habe_?,

billigt er die Frage. Hat doch schon der hl. Augustinus (Enchirid

c. 29. Opp. Tom. VI. p. 207) die Ansicht ausgesprochen, Gott habe

deshalb den gefallenen Engeln keinen Erlöser gesandt, weil das ganze

Menschengeschlecht, aber nur ein Teil der Engel gefallen sei, ein

Verlust, der durch die Anzahl der erlösten und auserwählten Menschen

wieder habe ersetzt werden müssen! Auch der hl. Gregorius (Lib. IX

Moral c. 28) hat sich zu dieser wichtigen Frage geäußert, desgleichen

Bernhard (in Tr. de grad. hum. p. 975). Wenn auch Wachsmanns

Ausführungen im allgemeinen zuzustimmen sei, so müsse doch bedacht

werden, daß die gefallenen Engel nur deshalb so verstockt seien und

an den Erlöser nicht glauben würden, weil sie wüßten, daß sie auf

ewig verdammt sind. Trotzdem wäre Gott auch die Erlösung dieser

hartgesottenen Sünder möglich gewesen, jedoch nur durch unendliche

Leiden seines Sohnes. Und da Christus sich dazu nicht freiwillig

erbot, wollte Gott ihn nicht zwingen. Zudem wäre ihre Erlösung »ein

unnützes und überflüssiges Werk« gewesen. Und so etwas macht Gott

nicht.

Der Herr Abt schließt sein Gutachten mit der Hoffnung, es mögen sich

noch viele »geschickte und gelehrte Männer« dadurch veranlaßt sehen,

»solche Fragen in der Theologie zu untersuchen, die bisher noch nicht

hinlänglich entschieden worden, damit das Licht unserer Erkenntnis

zum Preis der göttlichen Majestät immer klarer und heller gemacht

werde«[9].

* * * * *

Die _Gründe, aus denen Kain von Abel erschlagen wurde_, ließen die

Theologen nicht schlafen. Doch die Erleuchtung blieb nicht aus. Man

fand, daß _religiöse Differenzen_ den Brudermord verursacht hätten.

Kain hätte behauptet, daß es weder ein ewiges Leben, noch Belohnung

für die guten und Bestrafung für die bösen Taten gäbe, daß die Welt

nicht durch Gottes Barmherzigkeit erschaffen worden sei usw. Abel

widersprach und da ihm bessere Argumente fehlten, tat er, was man in

solchen Fällen noch heute den Freidenkern gegenüber gern tun würde,

er erschlug den gläubigen Bruder[10]!

* * * * *

M. Joh. Jacob _Plitts_ »Vernunft und Schriftmäßige Gedanken über

_diejenigen Menschen, welche bald nach ihrem Tode wieder auferwecket

und größtentheils zweymahl gestorben sind_«, Marburg 1752,

repräsentieren vielleicht einen noch höheren Grad gelehrter Dummheit.

Diese schon durch ihren Titel -- man beachte das »größtenteils

zweimal gestorben!« -- beachtenswerte Untersuchung befaßt sich

auch mit der hochwichtigen Frage, _wo die Seelen der Auferweckten

gewesen sind_. »Die Gottesgelahrten haben es vor die schwerste Frage

dieser Sache gehalten, wo denn die Seelen dieser Verstorbenen bis zu

der Zeit, da sie wieder auferwecket sind, geblieben wären? Die hl.

Schrift redet von zwei Orten nach dem Tode, und versichert, daß aus

der Hölle keine Erlösung sey, und wer einmahl in dem Himmel ist, auch

ewig darinne bleibe ... Die Schwierigkeiten werden am glücklichsten

gehoben, wenn man annimmt, daß diese Seelen bis zur Auferweckung in

ihren Leibern geblieben, ob sie gleich keine weitere Gemeinschaft mit

denselben gehabt haben. 1. Diese Meynung hat nichts widersprechendes,

und ist also möglich: denn die räumliche Trennung der Seele von dem

Leibe gehöret nicht zu dem Wesen des Todes nothwendig; 2. es stimmt

weit besser mit den göttlichen Vollkommenheiten, wenn die Seelen, die

bald wieder mit ihrem Cörper haben sollen vereiniget werden, nicht

an einem besonderen Ort versetzet worden. Die Ursachen, warum die

Seelen gleich nach der Trennung von ihren Leibern an einen gewissen

Ort versetzet werden, fielen weg, und den Menschen würde es schwer

werden, eine Ursache zu entdecken, warum Gott die Seelen der zweymahl

Verstorbenen auf eine so kurtze Zeit aus ihrem bisherigen Orte in

einen andern sollte versetzet haben, in welchem sie natürlicher Weise

nach dem Tode des Leibes geblieben wären. Ueberdies häuffet Gott

die Wunder nicht ohne Noth, sondern wählet immer den kürtzten Weg,

einen gewissen Endzweck zu erreichen. Es war also ein kürtzer Weg,

wenn die Seelen in ihren Cörpern blieben, als wenn sie in den Himmel

versetzet, und kurtz hernach wieder mit dem vorigen Leibe vereiniget

würden«[11].

* * * * *

Welcher fromme Christ fürchtet nicht das jüngste Gericht, das Ende

aller Dinge? Vor allem, daß es ihn nicht wachend und betend ereilt?

Da ist es natürlich von ungeheurem praktischen Werte, annähernd zu

wissen, wann dieses schreckliche Ereignis eintrifft. Bekanntlich

glaubte man im Jahre Tausend unserer Zeitrechnung nunmehr sei alles

aus, und in diesem Glauben wanderte der fromme Kaiser Otto III.,

das Weltwunder, nach Gnesen. Die Adventisten leben in unseren Tagen

noch der Meinung, daß die Katastrophe plötzlich hereinbrechen könne.

Wie töricht! Hat doch schon längst M. Gottfried _Büchner_ die Frage

in durchaus befriedigender Weise gelöst und dadurch jeden wahrhaft

Frommen von einem schweren Alb befreit.

Zu Jena erschien im Jahre 1751 die Abhandlung »_Daß der jüngste Tag

und das Ende der Welt gewiß aber noch lange nicht komme_, suchet aus

der Schrift und Vernunft zu beweisen M. Gottfried Büchner«.

Die Beweisführung ist durchaus zwingend. Wenn auch der gelehrte

Verfasser sich nicht getraut, das Jahr oder gar Tag und Stunde des

jüngsten Tages genau anzugeben, so weist er doch mit Recht auf

Habakuk III, 2 hin, wo es heißt »Herr ich habe dein Gerücht gehöret,

daß ich mich entsetze; Herr du machest dein Wort lebendig mitten in

den Jahren und lässest es kund werden mitten in den Jahren.« Nun

ist es ja evident, daß das lebendig gewordene Wort Gottes Christus

ist. Da es mitten in den Jahren kommt, d. h. in der Mitte zwischen

Schaffung und Untergang der Welt, so ist es nicht allzuschwer, den

letzteren Termin zu bestimmen. Wissen wir doch, daß Christus etwa im

Jahre 4000 nach der Schöpfung auftrat. Wir können daraus folgern, daß

der jüngste Tag 4000 Jahre nach ihm eintritt, haben also noch über

2000 Jahre Zeit, uns unseres Lebens und unserer Sünden zu freuen. Und

das wollen wir hiermit auch tun[12]!

* * * * *

Die für das Seelenheil nicht minder wertvolle, als für jene wahre

Wissenschaft, die wir alle erstreben, notwendige Frage, ob die _Erde

im Herbst oder im Frühjahr geschaffen wurde_, ließ begreiflicherweise

die Theologen nicht zur Ruhe kommen. Schon die alte Kirche hatte

sich mit ihr befaßt. Nach der großen Glaubensspaltung lieferten

orthodoxe Katholiken, Lutheraner und Calvinisten etwa in gleicher

Stärke Verteidiger der einen, wie der anderen Meinung. Die meisten

Katholiken treten zwar für die Erschaffung im Frühjahr ein, so auch

_Cajetan_, _Molina_, _Valentia_, _a Lapide_, _Tornielli_ usw.,

aber auch große Autoritäten, wie _Arias_, _Montanus_, _Pererius_,

_Mesenne_ und _Petavius_ entscheiden sich für den Herbst. Von

lutherischen Theologen sind sich _Luther_, _Melanchthon_, _Agid.

Hunnius_, _Joh. Gerhard_, _Somson_, _Gottfried Wegner_ u. a. darin

einig, daß die Erschaffung der Welt nur im Frühjahr stattfinden

konnte, während der berühmte Leipziger Chronologe _Calvisius_ ([+]

1617), _Abrah. Calov_, _Strauch_, _Runge_, _Walther_ usw. gute

Gründe für die andere Jahreszeit hatten. Auch unter den Reformierten

gab es bedauerlicherweise zwei Lager: _Alsted_, _Polanus_, _L.

Capellus_, _G. J. Vossius_, _Jul. Caesar Scaliger_ und _Pareus_

brachen für den Frühling Lanzen, während _Danäus_, _Zanchius_,

_Piscator_, _Voetius_, _Maresius_, _Burmann_, _Heidegger_,

_Turretin_ usw. die Ehre des Herbstes als Weltschöpfungstermin

verteidigten. Es war ein harter Kampf, um so mehr, als der berühmte

Kartograph _Mercator_ ([+] 1594) berechnet hatte, daß die Welt nur

im _Hochsommer_ entstanden sein konnte. Natürlich fand auch diese

wissenschaftliche Erkenntnis ihre Anhänger, wenn auch nicht viele.

Noch zu Anfang des 18. Jahrhunderts hatten sich die Gemüter nicht

beruhigt, wie die damals erschienene Schrift des Geraer Rektors

_Hogel_ beweist, der herausgerechnet hatte, daß _Gott am 26. Oktober

abends zu schaffen angefangen hatte_[13].

Hauptsächlich in reformierten Kreisen herrschte

Meinungsverschiedenheit darüber, ob der Schöpfungsakt Gottes jedesmal

den ganzen _Zeitraum von 24 Stunden_ einnahm oder ob er in kürzerer

Zeit fertig wurde oder ob er -- wozu besonders die strenge Orthodoxie

neigte -- mit einem Schlage und ohne jeden Zeitaufwand erfolgte.

Zwischen den Lutheranern aber gab es Differenzen über den Zeitpunkt,

in denen _die Engel erschaffen_ wurden: ob er auf den _ersten oder

zweiten Schöpfungstag_ zu legen sei oder ob man ihn ganz unbestimmt

lassen müsse[14].

* * * * *

Der Lübecker Generalsuperintendent August _Pfeiffer_ ([+] 1698),

ein durch seine wissenschaftlichen Arbeiten bekannter Theologe,

ließ unter dem Titel »Pansophia Mosaica e Genesi delineata,

d. i. _Grundriß aller Weisheit darinnen aus dem 1. B. Mosis alle

Glaubensartikul; die Widerlegung der Atheisten, Heiden, Juden,

Türcken, und aller Ketzer; alle Disciplinen in allen Facultäten;

der Ursprung aller Sprachen; der Extract von allen Historien,

Antiquitäten und Curiositäten; alle Professiones, Handwerke und

Handthierungen; alle Tugenden und alle Laster; aller Trost kurz und

deutlich gewiesen werden_« (Leipzig 1685), ein Werkchen in Duodez

erscheinen, das selbst unter den an Albernheit gewiß den höchsten

Ansprüchen genügenden theologischen Untersuchungen noch einen

Ehrenplatz einnimmt. Er führt den Nachweis, daß das 1. Buch Mosis

der Inbegriff aller göttlichen und menschlichen Weisheit ist und

findet darin u. a. sogar die sämtlichen 28 Artikel der Augsburger

Konfession. Auch alle Rechtswissenschaft, Medizin, Philosophie,

Redekunst haben hier ihre Wiege.

Pfeiffer ist ganz und gar nicht verwaist unter den gelehrten

Dummköpfen. So schrieb _Dorsch_ eine Theologia Zachariana

(1637), _Majus_ eine Theologia Jeremiana (1696), _Bebel_ eine

Daniel-Theologie und _Hinckelmann_ vier Jahre später (1687) eine

Hiob-Theologie. Den Vogel aber schießt _J. Deutschmann_ ab mit der

Schrift »_Theologie Adams, des ersten wahren Lutheraners_« (Theologia

primi theologi Adami vere Lutherani, Wittenberg 1689)[15].

* * * * *

Wenn Naturvölker, Zeiten, die vom Naturgeschehen noch keine richtige

Vorstellung haben im Erdbeben mit seinen Schrecken einen Eingriff

Gottes in den Lauf der Natur erblicken, daraus sein Grollen entnehmen

wollen, so werden wir das für Unwissenheit, nicht aber für Dummheit

halten können. Wie aber, wenn im aufgeklärten 18. Jahrhundert in

einer Abhandlung, die die natürlichen Ursachen der Erdbeben durchaus

nicht bestreitet, ein Diakon Johann Christian _Leo_ in seiner Predigt

»_Die Offenbahrungen Gottes im Erdbeben_«, Weißenfels 1757, darlegt,

daß _Gott im Erdbeben seine Gerechtigkeit und Güte offenbart_! Wie

völlig alles Verstandes beraubt muß eine Konfession oder Zeit sein,

die nach der schrecklichen Katastrophe von Lissabon und unter deren

unmittelbarem Eindruck solche Folgerungen ziehen kann[16]!

Wenn irgend etwas den Beweis zu liefern vermag, daß der blinde

Bibelglaube die Vernunft lähmt und dadurch verdummt, so ist es

zweifellos ein Symptom wie dieses: unter allen Umständen ist ein

Eingriff Gottes in das Naturgeschehen eine gute Handlung. Wir sehen

zwar das genaue Gegenteil, aber da Gott alle guten Eigenschaften hat

und Vater der Menschen ist, so trügen uns eben Augen und Verstand!

Betrachten wir nun des Näheren die lähmende Rolle, die dieser

Bibelglaube spielt, zumal, wenn er noch durch den an die unfehlbaren

Interprätationen der Autoritäten gestützt wird!

* * * * *

Die Frage von der Existenz der _Antipoden_ gehört zu den wenigen

wissenschaftlicher Art, die die alte Kirche beschäftigten. Da

die Manichäer zufällig das Richtige trafen, widersetzen sich die

Kirchenväter ihrer Ansicht, waren doch die Manichäer als Ketzer

verdammt. Der Mönch _Cosmas_, der zu Beginn des 6. Jahrhunderts in

Alexandrien lebte, hatte in seiner »Topographia Christiana«[A] die

Resultate seiner weiten Reisen niedergelegt, sowie eingehend Stellung

genommen zum Verhältnis der Wissenschaft zur Bibel. Er bestreitet die

Existenz der Antipoden, und zwar aus folgenden zwingenden Gründen:

Aus der Geschichte der menschlichen Dummheit · 第 1 / 19 段