Tafel 1: Tannenbewachsene Felsschlucht. 1848 bis 1849
” 2: Heroische Landschaft. Um 1850/52
” 3: Kentaur und Nymphe. 1855
” 4: Bildnis der Frau Böcklin. Vielleicht 1862
” 5: Diana an der Quelle. Um 1855
” 6: Pan im Schilf. 1857/59
” 7: Zeit der Kultur, rechte Hälfte. 1858
” 8: Zeit der Kultur, linke Hälfte. 1858
” 9: Die Götter Griechenlands. 1859
” 10: Pan erschreckt einen Hirten. 1860
” 11: Der Mord im Schloßgarten. 1859
” 12: Venus und Amor. 1860
” 13: Hirtin bei ihrer Herde. 1860
” 14: Jagd der Diana. 1862
” 15: Villa am Meer. 1. Fassung. 1864
” 16: Villa am Meer. 2. Fassung. 1864/65
” 17: Anachoret. 2. Fassung. Um 1863
” 18: Altrömische Weinschenke. 1865
” 19: Frühlingslandschaft mit Kindern,
welche Maipfeifen schnitzen. 1865
” 20: Signorina Clara. 1863
” 21: Die Klage des Hirten. 1866
” 22: Magdalenas Trauer an der Leiche Christi. 1867
” 23: König David. 1868
” 24: Der Gang nach Emmaus. 1868
” 25: Rast auf der Flucht nach Ägypten. 1868
” 26: Liebesfrühling. 1868
” 27: Frühlingsreigen (Wiesenquelle). 1869
” 28: Magna Mater. Ende 1868
” 29: Flora. 1869
” 30: Die Geburt der Venus
(Venus Anadyomene. 1. Fassung). 1869
” 31: Ideale Frühlingslandschaft. 1870
” 32: Die Felsenschlucht. 1870
” 33: Der Ritt des Todes. 1871
” 34: Bergschloß. 1871
” 35: Überfall von Seeräubern. 1872
” 36: Altrömische Maifeier. 1872
” 37: Selbstbildnis. 1872
” 38: Venus Anadyomene. 2. Fassung. 1873
” 39: Kentaurenkampf.
Erste als Bild ganz vollendete Fassung. 1873
” 40: Kentaurenkampf. 2. Fassung. 1878
” 41: Pietà. 1873
” 42: Landschaft mit maurischen Reitern. 1873
” 43: Die Muse des Anakreon. 1873
” 44: Quellnymphe. 1874
” 45: Triton und Nereide. 1. Fassung. 1873 bis 1874
” 46: Triton und Nereide. 3. Fassung. 1875
” 47: Ceres und Bacchus. 1874
” 48: Flora, Blumen streuend. 1875
” 49: Klio. 1875
” 50: Hochzeitsreise. Um 1876
” 51: Kreuzabnahme. 1876
” 52: Flora, die Blumen weckend. 1876
” 53: Die Gefilde der Seligen. 1878
” 54: Rückblick auf Italien
(Hochzeitsreise. Letzte Fassung). 1878
” 55: Meeresbrandung. 1879
” 56: Frühlingsabend. 1879
” 57: Tritonenfamilie. 1880
” 58: Die Insel der Toten. 2. Fassung. 1880
” 59: Die Insel der Toten. 3. Fassung. 1883
” 60: Flötende Nymphe. 1881
” 61: Sommertag. 1881
” 62: Der Abenteurer. 1882
” 63: Frühlings Erwachen. 1880
” 64: Quell in einer Felsschlucht. 1881
” 65: Heiliger Hain. 1882
” 66: Gotenzug. 1881
” 67: Malerei und Dichtung. 1882
” 68: Ruine am Meer. 1883
” 69: Prometheus. 1882
” 70: Im Spiel der Wellen. 1883
” 71: Frühlingstag (Die drei Lebensalter). 1883
” 72: Odysseus und Kalypso. 1883
” 73: Heiligtum des Herakles. 2. Fassung. 1884
” 74: Faune, eine schlafende Nymphe belauschend. 1884
” 75: Der Eremit. 1884
” 76: Das Schweigen des Waldes. 1885
” 77: Selbstbildnis. 1885
” 78: Burgruine mit zwei kreisenden Adlern. Um 1886
” 79: Herbstgedanken. 1886
” 80: Spiel der Najaden. 1886
” 81: Meeresidylle. 1887
” 82: Meeresstille. 1887
” 83: Die Heimkehr. 1888
” 84: Sieh, es lacht die Au. 1887
” 85: Frühlingshymne. 1888
” 86: Kentaur in der Dorfschmiede. 1888
” 87: Kampf auf der Brücke (Römerschlacht). 1889
” 88: Vita somnium breve. 1888
” 89: Der Gang zum Bacchustempel. 1890
” 90: In der Gartenlaube. 1891
” 91: Mariensage. 1890
” 92: Der heilige Antonius predigt den Fischen. 1892
” 93: Francesca da Rimini. 1. Fassung. 1893
” 94: Venus Genitrix. Bezeichnet 1895,
im wesentlichen vollendet Frühjahr 1892
” 95: Der Krieg. 2. Fassung. 1896
” 96: Pan mit tanzenden Kindern. 1898/1900
[Illustration:
SANDSTEINMASKE AN DER BASLER KUNSTHALLE]
[Illustration:
PUTTO 1859]
Arnold Böcklin gehört zu jenen Malern, die in den zwanziger und
dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts geboren, in den fünfziger und
sechziger Jahren mit den Traditionen der Corneliusschule gebrochen und
in Deutschland eine neue Kunst heraufgeführt haben, eine Blütezeit der
Malerei, wie sie seit den Tagen Dürers und Holbeins nicht mehr gewesen
war. Er ist ein Altersgenosse von Anselm Feuerbach, Viktor Müller (auch
von Piloty, Knaus und Vautier) und ging Lenbach, Hans von Marées, Hans
Thoma, Toni Stadler, Karl Haider, Gabriel Max und Makart um ein
Jahrzehnt oder wenig mehr voraus. Als er sich der Malerei zuwandte,
hat Cornelius den Karton der apokalyptischen Reiter geschaffen, begann
Rethel die Fresken im Aachener Rathause und die Holzschnitte des
Totentanzes und es folgten die duftigsten Werke von Schwind, wie das
Aschenbrödel und die Wartburgfresken, und die reifsten Holzschnittfolgen
von Ludwig Richter bald nach.
Die führenden Geister aber der in dieser Zeit heranwachsenden Generation
haben im Kolorit ihr kräftigstes Ausdrucksmittel gefunden. Sie begannen
die Koloristen unter den Meistern der früheren Jahrhunderte zu
studieren. Es richtete sich das neue Interesse hauptsächlich auf
die Farbenkomposition, die Kunstmittel, mit denen die koloristische
Gesamthaltung in früheren Zeiten erzielt worden war, aber auch auf
die Malmittel, die technischen Verfahren, die handwerkliche Praxis,
welche die vorausgehende Zeit vernachlässigt hatte. Böcklin meinte
gelegentlich: Wer heute in der Kunst noch etwas erreichen wolle, müsse
die Malerei von neuem erfinden. Die heranwachsende Generation wandte
sich nach Belgien und nach Paris, hauptsächlich zu Couture, sie lernte
von Delacroix und den Meistern von Barbizon. Die Mehrzahl aber,
wenigstens gerade die Bedeutendsten und Einflußreichsten, haben
schließlich nicht in Frankreich, sondern in Italien im Umgang mit den
Werken der alten Kunst die entscheidende Richtung für ihr ganzes Leben
gefunden und diese im Umgang mit Kollegen und Schülern weitergebildet.
Böcklin ist einer der ältesten, selbständigsten und eigenartigsten unter
diesen Künstlern. Er ist noch mehr als alle übrigen seine eigenen Wege
gegangen, am meisten verschrieen und verhöhnt worden, war während der
größten Zeit seines Wirkens wie Feuerbach, Thoma, Hans von Marées, nur
von wenigen erkannt, abseits gestanden und hat schließlich die größte
Fülle von Beifall geerntet.
Er gehört zur deutschen Kunst, so gut wie die anderen, obwohl er in
Basel geboren und aufgewachsen ist und auch von schweizerischen Eltern
stammt, obwohl auch für seine Kunst ein Aufenthalt in Paris von einiger
Bedeutung, und der erste siebenjährige in Italien entscheidend war. Der
einzige Lehrer und der einzige Studiengenosse, der auf seine Richtung
von tieferem Einfluß war, waren Deutsche ihrer Kunst und Herkunft
nach, ebenso die Mehrzahl der Freunde und Kollegen, die er in den
entscheidenden Jahren um sich sah. Er ist, was gewöhnlich übersehen
wird, aus der heroischen Landschaftsmalerei herausgewachsen, die seit
Asmus Carstens und Jos. Anton Koch in Deutschland gepflegt wurde und
immer Verständnis gefunden hat. Er ist der Sohn und Erbe dieser ganzen
Richtung. Er hat auch fast nur in deutschen Landen zuerst Verständnis
und später allgemeinen Beifall gefunden, und die Erfolge, die er in
Deutschland errungen hat, haben sein Ansehen in seiner Vaterstadt erst
recht befestigt. Von französischer Seite sind einzelne Stimmen schon
früh laut geworden, die Böcklins Bedeutung anerkannten, aber sie blieben
ganz vereinzelt. In England ist der Meister so gut wie unbekannt. Noch
heute befindet sich das Werk des Künstlers mit ganz wenigen Ausnahmen
in deutschem, deutsch-schweizerischem und österreichischem Besitz.
Bezeichnend ist auch, daß die Polemik, die sich vor dem Kriege in
Deutschland gegen Böcklin erhob und ihm jedes wahre Künstlertum
absprach, aus den Kreisen derer stammt, die für die unbedingte
Überlegenheit der Franzosen in der bildenden Kunst eintraten.
Dies alles war nur zum kleineren Teile Zufall. Seine Art ist im letzten
Grunde deutsch. Immer stärker treten in seinem Stil gewisse Neigungen
hervor, die für die Kunst der Festlandgermanen von jeher bezeichnend
gewesen sind, und sie von der der latinisierten Völker unterscheiden. Er
steht diesseits der Kulturgrenze, die vom Jura bis zur Nordsee reicht.
Sein Ideal ist im letzten Grunde nicht die regelnde Ordnung und das
Ebenmaß, sondern das sprühende Leben, die Wucht des Ausdrucks und die
Macht der Stimmung.