2. Eine Pincette.

3. Ein beliebiges Reagens auf Holzschliff (Phloroglucin,

schwefelsaures Anilin o. a.).

4. Eine Reihe von Papieren mit bekanntem Holzschliffgehalt; wenn

möglich innerhalb der Grenzen 1-10% um je 1%, innerhalb 10-30% um

je 5% und von da ab um je 10% steigend; wenn diese Papiermuster

außerdem in verschiedenen Dicken zur Verfügung stehen, so ist dies

für die Ausführung der Prüfung sehr vorteilhaft.

Die Art der Versuchsausführung selbst ist folgende.

Zunächst wird festgestellt, ob das Quadratmeter-Gewicht des

zu prüfenden Papiers +ungefähr+ übereinstimmt mit dem der

Vergleichsproben; ist dies nicht der Fall, so wird beim Versuch durch

Aufeinanderlegen von zwei oder mehreren Blättern der dünneren Sorte

der Unterschied möglichst ausgeglichen; durch eine kleine Vorprobe mit

Phloroglucinlösung überzeugt man sich, ob das in Frage kommende Papier

viel oder wenig Holzschliff enthält, damit nicht alle Abstufungen zum

Vergleich herangezogen werden müssen. Von denjenigen Mustern, die man

auf Grund dieser Vorprüfung ausgewählt hat, schneidet man kleine etwa

3 qcm große Stücke ab, ebenso ein solches von dem zu untersuchenden

Papier. Sämtliche Proben bringt man in eine Schale von Glas oder

Porzellan, welche eine Phloroglucinlösung von beliebiger Stärke

enthält; man verfährt hierbei derart, daß die nächste Probe erst dann

in die Flüssigkeit gebracht wird, wenn die vorhergehende bereits von

beiden Seiten benetzt worden ist. Auf diese Weise vermeidet man das

Zusammenhaften der einzelnen Blätter, welches oft ein allseitiges

Benetzen verhindert. Nachdem die Lösung etwa zwei bis drei Minuten (bei

schwachen Lösungen fünf Minuten) eingewirkt hat, nimmt man zunächst

die Proben von bekanntem Gehalt heraus, läßt die daran haftende Lösung

abtropfen und legt sie mit wachsendem oder abnehmendem Gehalt an

Holzschliff der Reihe nach nebeneinander auf die Glasplatte; die zu

untersuchende Probe legt man unter diese Reihe.

Man tut gut, die Proben nun sowohl im auffallenden als auch im

durchfallenden Licht zu betrachten, das letztere besonders bei Proben

von gleicher Dicke. Man wird sich weit eher als bei den anderen

kolorimetrischen Methoden für einen bestimmten Gehalt an Holzschliff

entscheiden können.

Von besonderem Wert hat sich dies Verfahren erwiesen bei Papieren,

welche sehr wenig Holzschliff enthalten, beispielsweise weniger als 10%.

Eine Schwierigkeit des Verfahrens liegt zur Zeit noch in der

Beschaffung der Vergleichspapiere, die im Handel nicht zu haben sind;

vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, die eine oder die andere

Papierfabrik zur Herstellung solcher Muster zu veranlassen, wobei die

weiter unten aufgeführten Gesichtspunkte zu beachten sein würden.

Der Versuchsanstalt liegen bei ihren Prüfungen Papiere zu Grunde, die

seitens einiger Papierfabrikanten mit besonderer Vorsicht hergestellt

und der Anstalt zum Geschenke gemacht sind; sie enthalten 0,5,

1,0, 1,5 u. s. w. bis zu 90% Holzschliff und bilden ein wertvolles

Material zur annähernden Bestimmung dieses Faserstoffes im Papier.

Eine weitere Reihe von Papieren ist in der Versuchsanstalt mit den

denkbar einfachsten Mitteln hergestellt worden und dürften solche in

Ermangelung anderer, in einer Papierfabrik mit allen Hilfsmitteln

erzeugten Proben auch gute Dienste leisten.

Eine sehr wertvolle Unterstützung der vorbeschriebenen annähernden

Bestimmung der Menge des im Papier vorhandenen Holzschliffes bietet die

mikroskopische Untersuchung, vorausgesetzt, daß der Untersuchende im

mikroskopischen Arbeiten und insbesondere im Schätzen der Bilder einen

gewissen Grad von Übung besitzt.

Bei der Schätzung des Holzschliffes im mikroskopischen Bilde ist

natürlich, wie ausdrücklich hervorgehoben werden mag, ebensowenig ein

genaues Ergebnis zu erwarten wie bei dem geschilderten kolorimetrischen

Verfahren; indessen hat die Erfahrung gezeigt, daß die Schätzungen bei

genügender Übung im allgemeinen mit einem Fehler von weniger als 10%

behaftet sind.

Um für die Schätzungen einen festen Anhalt zu haben, ist zunächst die

Herstellung bestimmter Stoffmischungen erforderlich; die Mischungen

werden nicht in Blättern geschöpft, sondern als Brei aufbewahrt, da sie

nur in dieser Form Verwendung finden.

Auf die Herstellung der Präparate, sowohl des zu untersuchenden Papiers

als auch der Mischungen, ist große Sorgfalt zu verwenden. Man nehme für

die Präparate, soweit dies der Augenschein gestattet, immer möglichst

gleich viel Material, breite dies immer auf eine möglichst gleich große

Fläche aus und betrachte das Bild stets mit derselben Vergrößerung. Ein

Wechsel in den Objektiven und Okularen erzeugt große Unsicherheit im

Urteil. Die Abgabe des Urteils erfolgt nach dem Gesamteindruck, den das

Auge erhalten hat.

Spuren oder ganz geringe Mengen Holzschliff in als holzfrei gehandelten

Papieren haben schon oft Veranlassung zu unliebsamen Erörterungen

zwischen dem Erzeuger und Abnehmer der Ware gegeben. Wenn auch ein

Fabrikant holzfreier Papiere lediglich holzfreie Rohstoffe verarbeitet,

so ist doch in jeder Fabrik die Möglichkeit gegeben, daß das fertige

Papier verholzte Fasern und zwar in erster Linie Holzsplitterchen

enthält. Die Ansichten über die Möglichkeit, Bedeutung und Zulässigkeit

solcher Verunreinigungen sind in Fachkreisen sehr geteilt, und ein

allgemein anerkannter Handelsbrauch darüber, ob und bis zu welchem

Grade als holzfrei gehandelte Papiere durch verholzte Fasern

verunreinigt sein dürfen, ohne als holzhaltig angesehen zu werden,

besteht nicht.[50]

Die Versuchsanstalt hat von jeher den Standpunkt eingenommen, daß man

ein Papier nicht ohne weiteres als holzhaltig ansprechen soll, wenn man

verholzte Fasern in ihm nachweisen kann; der Papierfabrikant verlangt

mit Recht, daß man auch den Fabrikationsumständen bei der Beurteilung

solcher Fragen Rechnung trägt, und diese sind wie erwähnt derart,

daß unter den gewöhnlichen hier in Frage kommenden Verhältnissen

Verunreinigungen durch verholzte Fasern nicht sicher zu vermeiden sind.

Die Möglichkeiten solcher Verunreinigungen werden um so mehr in den

Hintergrund treten, je besser und wertvoller das erzeugte Papier ist,

und man wird um so mehr mit ihnen zu rechnen haben, je geringer die

Güte des erzeugten Materials ist. Aus diesem Grunde werden auch die

Ansprüche, die man an das Papier stellt, verschieden sein, und man

wird z. B. an ein Packpapier 5a und an ein Schreibpapier 3a, die beide

holzfrei sein sollen, nicht den gleichen Maßstab legen. Man wird in

jedem einzelnen Falle unter Berücksichtigung der Güte des Materials,

der Preislage und des Verwendungszweckes seine Entscheidung treffen

müssen.

Von diesem Gesichtspunkt aus dürfte es sich, sofern nicht besondere

Fälle vorliegen, vielleicht empfehlen, bei holzfreien Packpapieren,

Aktendeckeln u. s. w. einen Gehalt an verholzten Fasern bis zu 3%

zuzulassen; bei Schreib- und Druckpapieren aus Lumpen mit oder ohne

Zusatz von Erde dürften höchstens bis zu 0,5%, bei den übrigen holzfrei

verlangten Sorten höchstens bis zu 1% an verholzten Fasern zulässig

sein.

Diese Spielräume tragen wohl in reichlichem Maße den vorher

geschilderten Umständen Rechnung, ohne andererseits die Güte des

Papiers herabzudrücken; sind diese Grenzen aber überschritten, dann

kann man wohl nicht mehr verlangen, daß der Empfänger die „holzfrei“

bestellte Ware als solche ansieht und abnimmt.

Einen Anhalt zur Abschätzung geringer Mengen Holzschliff gibt Tafel

XVI; sie ist die Wiedergabe einer Zeichnung[51] nach Originalmustern.

Papiere mit 0,5%, 1%, 2%, 3% und 5% Holzschliff, etwa 75 g das qm

schwer, wurden mit salzsaurer Phloroglucinlösung behandelt und dann im

auffallenden Licht gezeichnet.

[45] Sitzungen der Polytechnischen Gesellschaft zu Berlin 1882.

[46] Papierzeitung 1887, Nr. 14ff.

[47] Die qualitative und quantitative Bestimmung des Holzschliffes im

Papier. Von Dr. +A. Müller+. Julius Springer, Berlin.

Der Gedanke, Kupferoxydammoniak zur Bestimmung des Holzes im

Papier zu verwenden, ist auch von +Merz+ durchgeführt worden; er

hat eine Anzahl von Versuchen angestellt (Papierzeitung 1886),

ist indessen nicht zu befriedigenden Ergebnissen gelangt.

[48] Über die quantitative Bestimmung des Holzschliffes im Papier.

Von +Richard Godeffroy+ und +Max Coulon+. Mitteilungen des k.

k. Technologischen Gewerbe-Museums in Wien. Neue Folge. II.

Jahrgang 1888, Nr. 1 und 2, S. 18ff., S. 67 und 1889, S. 9ff.

[49] Über eine quantitative Reaktion des Lignins. Von +Rudolf

Benedikt+ und +Max Bamberger+. Monatshefte für Chemie 1890,

S. 260.

Zur Bestimmung des Holzschliffes im Papier. Von Prof. +Rudolf

Benedikt+ und +Max Bamberger+. Chemiker-Zeitung 1891, Nr. 14,

S. 221.

[50] Vergl. Holzfreie Papiere. Vom Verfasser. Mitt. a. d. techn.

Vers.-Anst. 1900, S. 279.

[51] Angefertigt von meinem Kollegen Dr. +Wisbar+.

Bestimmung der Art der Leimung.

Tierische Leimung.

+Kiliani+ empfiehlt, zur Bestimmung des tierischen Leims dessen

Fähigkeit, in der Siedehitze gelbes Quecksilberoxyd zu reduzieren, zu

benutzen.

Zum Versuch wird das Papier (10-15 g) möglichst fein zerkleinert und in

einem Becherglase mit destilliertem Wasser ausgekocht.

Während des Kochens versetzt man in einem zweiten Becherglase eine

Lösung von Quecksilberchlorid mit verdünnter Ätznatronlösung, wobei man

darauf zu achten hat, daß letztere im Überschuß zugesetzt wird.

Zu dem ausgefällten gelben Quecksilberoxyd fügt man den durch Kochen

des Papiers erhaltenen wässerigen Auszug.

Kocht man diese Mischung eine Zeit lang, so wird bei Anwesenheit

von tierischem Leim der gelbe Niederschlag erst schmutziggrün, dann

schwarz; nach dem Kochen setzt sich am Boden des Becherglases ein

schwarzer Niederschlag von metallischem Quecksilber ab.

Ist in dem Papier Tierleim nicht vorhanden, so verändert sich entweder

die gelbe Farbe des Quecksilberniederschlages nicht, oder sie geht nur

in Schmutziggrün über.

Den erhaltenen Niederschlag bringt man zur weiteren Untersuchung auf

ein Filter, wäscht ihn mit Wasser und später mit verdünnter Salzsäure

aus. Bleibt bei diesem Auswaschen auf dem Filter ein schwarzer

Rückstand (metallisches Quecksilber), so ist in dem Papier Tierleim

vorhanden.

Bei nicht tierisch geleimten Papieren löst sich der auf dem Filter

befindliche Niederschlag vollständig auf.

Man tut gut, sich den Verlauf der Reaktion zunächst durch Kochen des

Niederschlages mit Gelatinelösung selbst vor Augen zu führen.

Empfindlicher und einfacher als diese Quecksilberreaktion ist der

Nachweis des Tierleims durch Gerbsäure, der darauf beruht, daß letztere

mit Tierleim einen Niederschlag von gerbsaurem Leim (Leder) bildet.

Versetzt man eine nicht allzu dünne Leimlösung mit Gerbsäure, so

entsteht ein dicker gallertartiger Niederschlag, und selbst bei starker

Verdünnung der Lösung ist noch eine milchig-weiße Trübung zu bemerken,

aus welcher sich bald Flocken absetzen.

Behufs Ausführung des Versuchs zieht man zunächst das Papier mit

destilliertem Wasser aus und dampft den Auszug etwas ein, damit die

Reaktion schärfer zu beobachten ist; zu diesem Auszug setzt man nach

dem Erkalten Chlorammonium (als Salz) und nach dem Auflösen verdünnte

Jod-Jodkaliumlösung im Überschuß; hierdurch fällt die mit aufgelöste

Stärke als blaue Jodstärke aus; sie wird abfiltriert und das Filtrat

mit einigen Tropfen Alaunlösung und dann mit einer Lösung von Gerbsäure

in Wasser versetzt. War das Papier tierisch geleimt, so entsteht

ein mehr oder weniger dicker, flockiger Niederschlag, der sich aber

zuweilen erst nach einiger Zeit bildet.

Will man sich hiermit allein nicht begnügen, so filtriert man den

Niederschlag ab, trocknet und glüht ihn mit Natronkalk. War Tierleim

vorhanden, so bildet sich Ammoniak, das man mit Curcuma- oder rotem

Lackmuspapier (feucht) nachweisen kann, wenn es sich nicht schon durch

den Geruch bemerkbar macht.

Zum Nachweis ganz geringer Mengen Tierleim oder wenn zur Prüfung nur

sehr wenig Material verfügbar ist, wie bei der Untersuchung alter

Handschriften, schlägt +Wiesner+ das +Millon+sche Reagens vor, welches

auf Eiweißstoffe, und diese sind ja im tierischen Leim stets vorhanden,

sehr empfindlich reagiert.

Eine gewogene Menge metallisches Quecksilber wird mit dem gleichen

Gewicht rauchender Salpetersäure versetzt und einige Stunden lang an

einem kalten Orte sich selbst überlassen; hierauf setzt man eine gleich

große Menge destilliertes Wasser hinzu und läßt das Ganze 24 Stunden

stehen.

Das zu untersuchende Papier wird auf ein Deckgläschen gelegt und

mit dem Reagens befeuchtet; hierauf bringt man es auf ein Drahtnetz

und erwärmt langsam. Ist tierischer Leim vorhanden, so färbt sich

das Papier in wenigen Minuten rot und zwar je nach der Menge des

vorhandenen Leims rosenrot bis ziegelrot. Später bräunt sich das

Papier, weshalb auf den Beginn der Färbung genau zu achten ist.

Aus dem Zutreffen der +Millon+schen Reaktion kann aber nur unter

bestimmten Voraussetzungen auf Tierleim geschlossen werden. Diese sind:

Papierprüfung: Eine Anleitung zum Untersuchen von Papier · 第 49 / 90 题