Das Kniffen der Papierstreifen wird in folgender Weise ausgeführt:
Die Enden der 15 mm breiten Probestreifen werden so aufeinander
gelegt, daß sich beim Zusammendrücken die zwei Streifenhälften deckend
aufeinander legen. Dieser leicht zusammengefaltete Streifen wird so in
die Rinne der Bahn gelegt, daß die Längskanten des Streifens parallel
zu den Führungsrändern der Rinne verlaufen. Hierauf wird die Rolle von
den freien Streifenenden her durch leisen seitlichen Druck über den
Probestreifen geführt und dieser auf diese Weise einmal stark geknifft.
Der Streifen wird dann aus der Rinne genommen, in dem Falz in der
entgegengesetzten Richtung umgelegt und zum zweiten Male geknifft.
Beim zweiten Kniffen läßt man jedoch das Gewicht nicht von den freien
Streifenenden gegen den Falz rollen, sondern gegen diesen direkt.
Nachdem man auf diese Weise je 5 Streifen aus der Maschinenrichtung und
Querrichtung geknifft hat, ermittelt man ihre Festigkeit und Dehnung
in gleicher Weise, wie man zuvor die Festigkeit des betreffenden
Papiers an ungeknifften Streifen bestimmt hat. Die Einbuße, welche die
Papiere durch das Falzen in ihrer Festigkeit erleiden, der sogenannte
„Kniffverlust“ oder „Falzverlust“, wird in Prozenten der ursprünglichen
Bruchbelastung und Dehnung ausgedrückt.
Nach diesen Vorbemerkungen soll auf die in der Versuchsanstalt zur
Beurteilung des +Kirchner+schen Vorschlages gemachten Versuche
eingegangen werden.
Der Prüfung wurden insgesamt 87 Normalpapiere, aus 27 verschiedenen
Fabriken herrührend, zu Grunde gelegt und zwar zunächst Proben jeder
Verwendungsklasse von 1-4b, welche die Bedingungen für ihre jeweilige
Klasse erfüllten; es waren dies
8 Papiere der Klasse 1 aus 5 verschiedenen Fabriken
10 „ „ „ 2a „ 6 „ „
10 „ „ „ 2b „ 7 „ „
10 „ „ „ 3a „ 5 „ „
10 „ „ „ 3b „ 8 „ „
10 „ „ „ 4a „ 8 „ „
10 „ „ „ 4b „ 8 „ „
Außerdem wurden noch 19 Papiere der Klassen 3a-4b, herrührend aus
10 verschiedenen Fabriken, zum Vergleich herangezogen, welche im
Widerstand gegen Zerknittern hinter den für die jeweiligen Klassen
verlangten Werten um 1-2 Stufen zurückbleiben.
Das Kniffen der Streifen wurde mit einer 7500 g schweren Rolle von 150
mm Durchmesser in der vorher geschilderten Weise ausgeführt. (Kniffen
und Gegenkniffen durch je einmaliges Überführen der Rolle.)
Die Länge betrug bei allen Streifen 180 mm, die Breite 15 mm. Sämtliche
Versuche wurden bei Zimmerwärme und einer Luftfeuchtigkeit von 65%
ausgeführt.
Die bei der Prüfung erhaltenen Werte[19] zeigten zunächst folgendes:
1. +Sowohl in der Maschinenrichtung als auch in der
Querrichtung ist der Dehnungs-Falzverlust größer als der
Festigkeits-Falzverlust.+
2. +Der+ =Festigkeits-Falzverlust= +ist in der Maschinenrichtung
größer als in der Querrichtung.+
3. +Der+ =Dehnungs-Falzverlust= +ist in den meisten Fällen in der
Maschinenrichtung größer als in der Querrichtung.+
Die aus der Maschinenrichtung entnommenen Streifen erleiden also
durch das Falzen eine größere Einbuße in ihrer Festigkeit als die
Querstreifen; diese Tatsache findet wohl in der Lagerung der Fasern
ihre Erklärung. Die Anzahl der Fasern, welche mehr oder weniger
parallel zur Maschinenrichtung liegen, ist größer als die der quer
hierzu liegenden; demgemäß werden beim Falzen der Streifen aus der
Maschinenrichtung mehr Fasern geknickt (und hierdurch geschwächt) als
bei den Querstreifen.
Bildet man unter Zugrundelegung der mittleren Falzverluste Gruppen von
5 zu 5% und stellt diesen gegenüber die bei den verschiedenen Papieren
durch Handknitterung ermittelten Widerstandsstufen, so ergibt sich
nachstehende Übersicht: