Zur Messung der Feuchtigkeit der Luft werden +Koppe-Saussure+sche
Prozenthaarhygrometer mit Einstellvorrichtung benutzt, welche
wöchentlich zweimal mit einem +Aßmann+schen Psychrometer kontrolliert
werden.
Dieses Hygrometer besteht aus einem gut entfetteten Haar, welches am
oberen Ende befestigt und am unteren um eine kleine Rolle geschlungen
ist, deren Achse einen Zeiger trägt (Fig. 5). Es wird durch ein
angehängtes Gewichtchen von 0,5 g gespannt. Bei trockener Luft verkürzt
sich das Haar und dreht den Zeiger nach links, beim Feuchtwerden
verlängert es sich, und das Gewicht bewirkt eine Bewegung des Zeigers
nach rechts. Bei vollkommener Sättigung der Luft mit Wasserdampf muß
der Zeiger auf den Punkt 100 rücken und dort stehen bleiben.
Ein besonderer Vorzug dieses Feuchtigkeitsmessers gegenüber anderen
Haarhygrometern ist der, daß er zu jeder Zeit leicht auf die
Richtigkeit seiner Angaben geprüft werden kann; zu diesem Zweck wird
das dem Apparat beigegebene, mit Mousselin überzogene Rähmchen in
Wasser getaucht und auf der Rückseite des Instrumentes in eine hierfür
angebrachte Nute geschoben. Hierauf wird der Apparat vorn durch eine
Glasscheibe, hinten durch den Schieber geschlossen. Der abgeschlossene
Raum füllt sich nun in verhältnismäßig kurzer Zeit mit Feuchtigkeit,
das Haar sättigt sich, und der Zeiger rückt auf 100 vor.
Sollte infolge von Veränderungen des Instrumentes durch äußere
Einflüsse dies nicht der Fall sein, so hat man nur den Schlüssel
durch das oben in der Glasscheibe befindliche Loch auf den Vierkant
aufzusetzen und durch Drehen den Zeiger genau auf 100 einzustellen.
Dabei ist es zweckmäßig, etwas auf das Kästchen zu klopfen, um die
Reibung des Zeigers zu überwinden.
Nun ist das Instrument eingestellt und wird, nachdem Schieber,
Rähmchen und Glas entfernt sind, etwa 24 Stunden später die relative
Feuchtigkeit des Versuchsraumes richtig angeben. Unmittelbar nach der
Prüfung darf es nicht benutzt werden, da dann die Feuchtigkeit der Luft
zu gering angegeben wird.
Man begegnet vielfach der irrigen Auffassung, daß das Haarhygrometer
zur Bestimmung der Luftfeuchtigkeit für wissenschaftliche Versuche
nicht geeignet sei. Prof. Dr. +Galle+, welcher über diesen Gegenstand
eine große Reihe eingehender Versuche angestellt hat, bemerkt hierzu
(Ergebnisse der meteorologischen Beobachtungen im Jahre 1882.
Veröffentlicht vom königlichen meteorologischen Institut Berlin 1883):
„Unterzieht man sich bei den Haarhygrometern alle 8-14 Tage der
geringen Mühe einer Bestimmung des Sättigungspunktes und sorgfältiger
Reinigung des Instrumentes, soweit dies nötig erscheint, so wird man
mit diesem Instrument die relative Feuchtigkeit mit mindestens ebenso
großer Genauigkeit und meist (namentlich im Winter) wohl +noch genauer+
ablesen können, und zwar ohne alle Rechnung, als mit dem Psychrometer.“
Es sei noch besonders bemerkt, daß das Hygrometer am besten neben dem
Zerreißapparat aufzustellen ist und daß die Versuchsstreifen neben
dem Hygrometer zur Aufnahme der nötigen Feuchtigkeit auszulegen sind,
da die Feuchtigkeit an verschiedenen Stellen des Versuchsraumes,
namentlich in verschiedenen Höhenlagen, verschieden ist.
In der Praxis ist es nun nicht immer möglich, die Prüfungen bei 65%
relativer Luftfeuchtigkeit vorzunehmen; man ist zuweilen gezwungen,
die Versuche bei einer anderen Feuchtigkeit auszuführen, wodurch die
Ergebnisse mehr oder weniger von den maßgebenden (bei 65% gewonnenen)
abweichen.
Durch eingehende Versuche hat +Dalén+[7] für Reißlänge und Dehnung
Faktoren ermittelt, mit Hilfe deren man in der Lage ist, die bei zu
hoher oder zu niedriger Feuchtigkeit ermittelten Werte umzurechnen. Die
Fehler, die man hierbei zu befürchten hat, sind um so größer, je mehr
die Luftfeuchtigkeit von 65% abweicht. Aus diesem Grunde dürfte es,
damit die berechneten Werte einigermaßen zuverlässig werden, angebracht
sein, die Umrechnungen auf den zwischen 40% und 80% relativer
Luftfeuchtigkeit liegenden Spielraum zu beschränken.
In nachstehender Tabelle sind innerhalb dieser Grenzen die Faktoren
zusammengestellt, mit denen man die gefundenen Werte für Reißlänge und
Dehnung multiplizieren muß, um annähernd Werte zu erhalten, die einer
Luftfeuchtigkeit von 65% entsprechen.
Relative Luftfeuchtigkeit Faktor für
beim Zerreißen in % Reißlänge Dehnung
80 1,18 0,80
75 1,11 0,87
70 1,04 0,93
60 0,97 1,08
55 0,94 1,16
50 0,92 1,25
45 0,90 1,36
40 0,88 1,47
Mit Recht bemerkt aber +Dalén+ am Schluß seiner Abhandlung, daß man
diese Umrechnung nur als +Notbehelf+ ansehen soll, wenn es ganz
unmöglich ist, die Versuche bei 65% auszuführen.
Die Versuchsstreifen brauchen, um sich dem Feuchtigkeitszustand von
65% anzupassen, mindestens eine halbe Stunde. Damit sie der Luft
möglichst viel Oberfläche darbieten, bedient man sich zweckmäßig
eines Rahmens, wie ihn Fig. 6 darstellt. In diesem Rahmen stehen die
Streifen schwach gekrümmt auf der hohen Kante, gestatten somit der Luft
ungehinderten Zutritt und sind außerdem durch ihre geringe Anspannung
gegen das Fortwehen durch Zugluft geschützt.
[Illustration: Fig. 6.