4. Kapitel.

Der Finger Gottes.

Zwischen der Barrière d'Italie und der Barrière de la Santé hat man auf

dem innern Boulevard, der zum Botanischen Garten führt, eine Aussicht,

die den Künstler und selbst den von Augenweiden aller Art übersättigten

Reisenden entzücken muß. Wenn man eine mäßige Anhöhe erreicht hat, von

der aus sich der Boulevard im Schatten seiner hohen dichten Bäume wie

ein grüner, stiller Waldweg anmutig hinzieht, sieht man zu seinen Füßen

ein tiefes, von ländlichen Gebäuden erfülltes, mit lichtem Grün besätes,

von den braunen Wässern der Bièvre und der Gobelins durchströmtes Tal.

Am gegenüberliegenden Abhange umfassen ein paar tausend Dächer,

aneinandergedrängt wie die Köpfe einer Menge, das Elend des Faubourgs

Saint-Marceau. Die prächtige Kuppel des Pantheons, der düstere,

schwermütige Dom des Val-de-Grâce beherrschen stolz eine ganze

amphitheatralisch aufgebaute Stadt, deren Terrassen von den gewundenen

Straßen eigenartig umrissen werden. Von dort aus erscheinen die

Proportionen der beiden Bauwerke riesenhaft; hoch überragen sie nicht

nur die baufälligen Häuser, sondern auch die Wipfel der höchsten Pappeln

des Tales. Zur Linken erscheint wie ein schwarzes, hageres Gespenst die

Sternwarte, und durch ihre Fenster und Galerien scheint das Licht

hindurch, phantastische Bilder hervorrufend.

In weiterer Ferne leuchtet der elegante durchbrochene Turm der

Invalidenkirche zwischen den bläulichen Baummassen des Luxembourgparks

und den grauen Türmen von Saint-Sulpice. Von dort gesehen, vermischen

sich die Umrisse dieser Bauwerke mit Laubwerk und mit Schatten und sind

den Launen des Himmels unterworfen, der unaufhörlich Farbe, Licht und

Aussehen wechselt. Fern von dir türmen sich Gebäude in die Luft; in

deiner Nähe schlängeln sich wogende Bäume und ländliche Pfade. Rechts

siehst du durch einen breiten Einschnitt in dieser einzigartigen

Landschaft die lange, blanke Fläche des Sankt Martinkanals, von roten

Steinen eingefaßt, geschmückt mit Lindenbäumen, umrahmt von den im

echten romanischen Stil gehaltenen Bauten der zahlreichen Speicher.

Dort verlieren sich auch die dunstigen Hügel von Belleville, bestanden

von Häusern und Mühlen, mit ihren Geländewellen in den Wolken.

Aber zwischen der Reihe von Dächern, die das Tal umrahmen, und dem

Horizont, der ebenso undeutlich ist wie eine Erinnerung aus der

Kindheit, liegt eine Stadt, die du nicht sehen kannst -- eine ungeheure

Stadt, versunken in einen Abgrund zwischen der Höhe, auf der das

»Hospital zur Pietät« liegt, und dem Gipfel, der den Ostkirchhof trägt,

also gewissermaßen zwischen dem Leiden und dem Tode. Sie läßt ein

dumpfes Brausen hören, wie der Ozean, wenn er hinter einem Felsenriff

brandet, als wolle sie dir zurufen: »Da bin ich.« Wenn die Sonne ihre

Fluten von Licht über das Antlitz von Paris ausgießt, wenn sie die

Linien der Stadt rein und flüssig erscheinen läßt, wenn sie ein paar

Fensterscheiben in Brand setzt, die Ziegel bestrahlt, die goldenen

Kreuze aufflackern läßt, die Mauern weiß färbt und die Atmosphäre zu

einem Gazeschleier verwandelt; wenn sie durch phantastische Schatten

reiche Kontraste schafft, wenn der Himmel azurblau ist und die Erde

braust und dröhnt und die Glocken reden, dann bewunderst du von dort aus

eins jener eindrucksvollen Zauberbilder, das die Phantasie niemals

vergißt, das du anbetest, das dich berauscht wie ein wundervoller

Anblick von Neapel, Stambul oder Florida. Diesem Blicke fehlt nichts zur

vollen Harmonie. Hier braust der Lärm der Welt und murmelt der Friede

der Einsamkeit -- man hört die Stimmen von Millionen von Menschen und

auch die Stimme Gottes. Dort liegt eine Weltstadt unter den friedlichen

Zypressen des Père-Lachaise gebettet.

An einem Frühlingsmorgen, zur Zeit, als die Sonne alle Schönheiten

dieser Landschaft erglänzen ließ, habe ich sie bewundert, gelehnt an

eine große Ulme, die ihre gelben Blüten dem Winde gab. Im Anblick dieser

reichen, erhabenen Bilder dachte ich mit Bitterkeit an die

Geringschätzung, die wir bis in unsere Bücher hinein gegen unser

Vaterland von heute bekunden. Ich verwünschte die armen Reichen, die,

unseres schönen Frankreichs überdrüssig, für Geld sich das Recht

erkaufen, ihr Vaterland zu verachten, im Galopp zu reisen und durch ein

Lorgnon die Gegenden Italiens betrachten, das jetzt schon »jeder

Schuster« kennt. Ich betrachtete mit Liebe das moderne Paris, ich

träumte, als plötzlich das Geräusch eines Kusses meine Einsamkeit störte

und die Philosophie zum Teufel jagte.

In der Seitenallee, entlang dem steilen Abhang, an dessen Fuß das Wasser

hinströmt, gewahrte ich eine Frau, die mir noch ziemlich jung erschien.

Sie war einfach und doch höchst elegant gekleidet, und ihr sanftes

Gesicht schien vom heiteren Glück der Landschaft widerzustrahlen. Ein

schöner junger Mann setzte den hübschesten kleinen Jungen, den man sehen

kann, auf die Erde, so daß ich niemals habe erfahren können, ob der Kuß

auf der Wange der Mutter oder des Kindes erklungen war.

Ein und derselbe zarte, lebhafte Sinn leuchtete in den Augen, den

Gebärden, dem Lächeln dieser beiden jungen Leute. Sie reichten sich den

Arm in so glücklichem Einvernehmen und näherten sich in einem so

wunderbaren Gleichmaß der Bewegung, daß sie, ganz in sich versunken,

meine Anwesenheit gar nicht bemerkten.

Aber ein zweites, unzufriedenes und schmollendes Kind, das ihnen den

Rücken kehrte, warf mir Blicke zu, deren Ausdruck mich seltsam

berührte. Es ließ seinen Bruder allein gehen und war bald hinter, bald

vor seiner Mutter und dem jungen Manne. Ebenso anmutig, ebenso schön wie

das andere, aber von zarten Formen, verhielt es sich stumm und steif und

machte fast den Eindruck einer in Schlaf versunkenen Schlange. Es war

ein kleines Mädchen.

Die Gangart der hübschen Frau und ihres Gefährten hatte etwas seltsam

Übereinstimmendes. Es war fast, als wenn zwei Maschinen sich bewegten,

so sehr entsprachen einander die Bewegungen der beiden. Aus

Zerstreutheit vielleicht legten sie nur die kurze Strecke zwischen der

kleinen Brücke und einem an der Biegung des Boulevards haltenden Wagen

zurück und begannen diesen Spaziergang immer von neuem, wobei sie

stehenblieben, sich ansahen und lachten, wie es die Laune eines bald

belebten, bald schmachtenden, bald ernsten, bald närrischen Gesprächs

mit sich brachte.

Verborgen hinter der großen Ulme, bewunderte ich diese reizende Szene

und würde mich sicherlich behutsam entfernt haben, wenn ich nicht auf

dem Gesicht des kleinen, träumerischen und schweigsamen Mädchens die

Spur eines über sein Alter hinausgehenden Denkens bemerkt hätte. Wenn

die Mutter der Kleinen und der junge Mann, in ihre Nähe gekommen, wieder

umdrehten, dann senkte sie oft heimlich den Kopf und warf ihnen, wie

auch ihrem Bruder, einen verstohlenen und wirklich recht seltsamen Blick

zu. Aber nichts könnte die durchdringende Verschlagenheit, die boshafte

Naivität, die wilde Aufmerksamkeit wiedergeben, die dieses Kindergesicht

mit den leichten Ringen um die Augen plötzlich belebten, sobald die

hübsche Frau oder ihr Begleiter die blonden Locken, den frischen Hals

des kleinen Jungen streichelten oder seinen weißen Kragen

zurechtstrichen, wenn er in kindlichem Eifer neben ihnen herzulaufen

versuchte.

Es sprach jedenfalls die Leidenschaft eines Erwachsenen aus dem schmalen

Gesicht dieses seltsamen Mädchens. Es war leidend oder grüblerisch

veranlagt. Und was verkündet bei diesen kaum erblühten Geschöpfen

sicherer den nahen Tod? Das im Körper steckende Leiden oder das

frühreife Grübeln, das die Seele verzehrt, die noch fast im Keim liegt?

Eine Mutter weiß das vielleicht. Ich für meinen Teil kenne nichts

Gräßlicheres als greisenhaftes Sinnen auf einer Kinderstirn. Die

Gotteslästerung auf den Lippen einer Jungfrau ist noch weniger

ungeheuerlich.

Die fast stumpfsinnige Haltung dieses schon grüblerischen Kindes, seine

spärlichen Bewegungen, alles interessierte mich. Ich beobachtete die

Kleine neugierig. Aus einer bei Menschenkindern natürlichen Laune

verglich ich sie mit ihrem Bruder und suchte die Ähnlichkeiten und

Verschiedenheiten zwischen beiden zu erspähen. Die Schwester hatte

braunes Haar, schwarze Augen und eine früh entwickelte Kraft -- das

alles bildete einen starken Gegensatz zu dem blonden Haar, den

meergrünen Augen und der graziösen Schwäche des Knaben. Das ältere Kind

mochte etwa sieben oder acht Jahre alt sein, das jüngere kaum vier.

Sie waren in der gleichen Weise gekleidet. Als ich sie jedoch aufmerksam

betrachtete, bemerkte ich an den weißen Kragen ihrer Hemdchen einen ganz

unbedeutenden Unterschied, der mich aber später einen ganzen Roman in

der Vergangenheit und ein ganzes Drama in der Zukunft übersehen ließ.

Und es war doch nur eine Kleinigkeit. Ein einfacher Saum umgab den

Kragen des kleinen braunen Mädchens, während hübsche Stickereien den des

Knaben schmückten und ein Herzensgeheimnis verrieten, eine

stillschweigende Bevorzugung, die die Kinder aber doch in der Seele

ihrer Mutter erkennen, gleich als sei der Geist Gottes in ihnen.

Sorglos und lustig, glich der Blonde einem kleinen Mädchen, so zart war

seine weiße Haut, so anmutig seine Bewegungen, so süß sein Gesicht;

während die ältere trotz ihrer Kraft, trotz der Schönheit ihrer Züge und

ihres blendenden Teints einem kleinen kränklichen Jungen glich. Ihre

lebhaften Augen hatten nicht jenen feuchten Schleier, der Kinderaugen

soviel Reiz verleiht; sie schienen von einem innern Feuer ausgetrocknet

zu sein, wie etwa bei Leuten, die in der Atmosphäre eines königlichen

Hofes leben müssen. Das Weiße ihrer Augen hatte auch einen gewissen

Stich ins Fahle, Gelbliche -- ein Zeichen für einen ungestümen

Charakter.

Zweimal hatte ihr kleiner Bruder ihr mit einer rührenden Anmut, mit

fröhlichem Blick und einer ausdrucksvollen Miene, die unsern Kindermaler

Charlet entzückt haben würde, das kleine Jagdhorn hingereicht, auf dem

er von Zeit zu Zeit blies. Aber jedesmal hatte das Mädchen auf seine in

liebkosendem Tone gestellte Frage: »Willst du's haben, Helene?« nur mit

einem barschen Blick geantwortet.

Sie trug eine unbekümmerte Miene zur Schau und war dennoch finster, ja

schrecklich; denn sie zitterte und wurde rot, wenn ihr Bruder sich ihr

näherte. Aber der Kleine schien die düstere Stimmung seiner Schwester

nicht zu bemerken, und sein Wesen, halb Sorglosigkeit, halb Interesse,

vollendete den Gegensatz zwischen ihm und der Schwester: hier der wahre

Charakter der Kindheit, dort die Sorge und das Wissen des Erwachsenen,

scharf ausgeprägt auf einem schon verdüsterten Mädchengesicht.

»Mama, Helene will nicht spielen,« rief der Kleine und benutzte, um eine

Beschwerde vorzubringen, einen Augenblick, wo seine Mutter und der junge

Mann schweigend auf der Gobelinsbrücke stehengeblieben waren.

»Laß sie, Karl. Du weißt, sie murrt immer.«

Diese Worte, die die Mutter leicht hinwarf, während sie sich gleich

darauf mit dem jungen Manne wieder umdrehte, entlockten Helene Tränen.

Sie verschluckte sie stumm, warf ihrem Bruder einen jener tiefen Blicke

zu, die mir unerklärlich schienen, und betrachtete mit einer Miene, die

fast einen unheilvollen Scharfsinn verriet, erst den schroffen Abhang,

auf dessen Spitze der Kleine stand, dann den Bièvrefluß, die Brücke und

mich.

Ich fürchtete, von dem glücklichen Paar gesehen zu werden, dessen

Unterhaltung ich dann ohne Zweifel gestört haben würde; ich zog mich

leise zurück und suchte Zuflucht hinter einer Hollunderhecke, deren

Laubwerk mich völlig allen Blicken verbarg. Ich setzte mich ruhig auf

den Rand des Abhangs und betrachtete schweigend bald die wechselnden

Schönheiten der Gegend, bald das wilde Mädchen, das ich durch die Lücken

des Hollunders noch genau sehen konnte, denn ich hatte den Kopf an den

Fuß der Hecke gelehnt, wo er sich fast in gleicher Höhe mit dem

Boulevard befand.

Als Helene mich nicht mehr sah, schien sie unruhig; ihre schwarzen Augen

suchten mich in der Ferne der Allee, hinter den Bäumen, kurz, sie sah

sich mit unerklärlicher Neugierde nach mir um. Was hatte sie an mir? In

diesem Augenblick erschallte in der Stille das naive Lachen Karls wie

der Gesang eines Vogels. Der junge Mann, ebenso blond, ließ ihn in

seinen Armen tanzen und küßte ihn, wobei er ihn mit einer Fülle von

zusammenhanglosen Koseworten überschüttete, wie wir sie eben an Kinder

richten, ohne uns an den eigentlichen Sinn der Worte zu kehren.

Die Mutter sah lächelnd diesem Spiele zu und sprach von Zeit zu Zeit mit

leiser Stimme wohl ein paar von Herzen kommende Worte; denn ihr Gefährte

hielt dann ganz glücklich inne und sah sie mit seinen blauen Augen voll

Feuer, voll Anbetung an. Ihre Stimmen, wie sie sich so mit der des

Kindes vermischten, hatten etwas überaus Zärtliches, Inniges an sich.

Sie bildeten alle drei ein entzückendes Bild, und dieses zärtliche Bild

verlieh der großartigen Landschaft, in die es hineingestellt war, eine

unsagbare Anmut und Weichheit.

Eine schöne, weiße, lachende Frau, ein Kind der Liebe, ein in Jugend

strahlender Mann, ein reiner Himmel und alle Harmonie der Natur -- das

alles schmolz zu einem Einklang zusammen, der der Seele unendlich

wohltat. Ich ertappte mich über einem Lächeln, als wenn das Glück mein

eigenes gewesen wäre. Der schöne junge Mann hörte es neun schlagen.

Nachdem er seine fast ernst und traurig gewordene Gefährtin geküßt

hatte, kehrte er zu seinem zweiräderigen Wagen zurück, den ein alter

Diener langsam heranführte. Der junge Mann küßte ein letztes Mal noch

das Kind, das dazwischen lustig schwatzte. Als der Herr hinwegfuhr und

die junge Frau dem rollenden Wagen nachsah, der in der grünen Allee des

Boulevards eine Staubwolke hinter sich zurückließ, lief Karl zu seiner

Schwester, die an der Brücke stand, und ich hörte ihn mit silberner

Stimme zu ihr sagen:

»Warum hast du nicht auch meinem guten Freund Adieu gesagt?«

Als Helene ihren Bruder an dem Rande des Abhanges sah, warf sie ihm den

entsetzlichsten Blick zu, der je die Augen eines Kindes entflammt hat,

und gab ihm einen heftigen Stoß. Der Knabe glitt an dem steilen Hang aus

und stolperte über Wurzeln, so daß er gegen die scharfen Steine der

Mauer fiel. Er zerschlug sich die Stirn an ihnen, und gleich darauf

stürzte er blutend in das schlammige Wasser des Flusses, das in tausend

braunen Kreisen vor seinem hübschen blonden Kopf zur Seite wich. Ich

hörte den schrillen Schrei des armen Kleinen; aber bald war nichts mehr

zu hören -- er verschwand im Schlamme mit einem gurgelnden Laut, wie ein

Stein, wenn er versinkt. Der Sturz hatte sich mit Blitzesschnelle

vollzogen. Ich erhob mich rasch und stieg auf einem Pfade hinab. Helene

war außer Fassung und schrie herzzerreißend:

»Mama! Mama!«

Die Mutter war neben mir. Sie war wie ein Vogel geflogen. Aber weder die

Augen der Mutter, noch die meinen konnten die Stelle entdecken, wo das

Kind versunken war. Eine große Fläche des schwarzen Wassers war in

brodelnde Bewegung geraten. Das Bett der Bièvre hat an dieser Stelle

zehn Fuß tiefen Schlamm. Das Kind mußte darin sterben, es war unmöglich,

es zu retten. Zu dieser Stunde -- es war ein Sonntag -- feierte alles,

und man sah weder Kähne noch Fischer. Ich sah nicht einmal eine Stange,

um den modrigen Fluß zu untersuchen, und kein Mensch war weit und breit

zu sehen.

Warum hätte ich nun von diesem unheilvollen Vorgange sprechen oder das

Geheimnis dieses Unglücks verraten sollen? Helene hatte vielleicht ihren

Vater gerächt. Ihre Eifersucht war ohne Zweifel das Schwert Gottes.

Dennoch erfaßte mich ein Schauder, als ich die Mutter ansah. Welchem

entsetzlichen Verhör würde nicht ihr Mann, ihr ewiger Richter, sie

unterwerfen? Und sie hatte immer einen unbestechlichen Zeugen bei sich.

Kinder haben eine durchsichtige Stirn und Haut, und die Lüge ist bei

ihnen wie ein Licht, das selbst den Blick erröten läßt. Die

unglückselige Frau dachte noch nicht an die Strafe, die zu Hause ihrer

harrte. Sie starrte in die Bièvre.

Ein solches Ereignis mußte das Leben jeder Frau furchtbar erschüttern,

und es war das einer der schrecklichsten Schläge, die von Zeit zu Zeit

über Juliens Liebe hereinbrachen.

* * * * *

Zwei oder drei Jahre später befand sich ein Notar bei dem Marquis de

Vandenesse, der jetzt um seinen Vater trauerte und den Nachlaß zu ordnen

hatte. Es war am Abend nach dem Diner. Dieser Notar war keiner von der

Art, wie der Romanschriftsteller Sterne sie schildert. Es war kein

kleiner englischer Notar, sondern ein großer, dicker Notar aus Paris,

einer jener schätzbaren Männer, die ihre Albernheiten in das Gewand der

Würde kleiden, ungekannte Wunden plump mit Füßen treten und obendrein

noch fragen, warum man sich beklage. Wenn sie zufällig einmal das Wie

und Weshalb ihrer schrecklichen Blödheit merken, dann sagen sie einfach:

»Meiner Treu, davon habe ich nichts gewußt.« Kurz, es war ein Notar,

dessen Albernheit sich sehen lassen konnte und für den die Akten der

Inbegriff der Welt waren.

Der Diplomat hatte Frau d'Aiglemont bei sich. Der General hatte sich

noch vor dem Ende des Essens höflichst verabschiedet, um mit seinen

beiden Kindern ins Ambigu-Comique oder ins Gaietétheater zu gehen.

Obwohl die Melodramen das Gemüt übermäßig aufregen, ist man in Paris der

Meinung, daß Kinder sie ohne Gefahr sehen können, weil darin immer die

Unschuld siegt. Der Vater war gegangen, ohne auf den Nachtisch zu

warten, denn seine Tochter und sein Sohn konnten es nicht erwarten, ins

Theater zu kommen, und wollten auf jeden Fall vorm Aufgehen des Vorhangs

dort sein.

Der Notar, der unerschütterliche Notar, dachte nicht daran, sich zu

fragen, warum Frau d'Aiglemont wohl ihre Kinder und ihren Mann ins

Theater schicke, ohne mitzugehen, und blieb nach dem Essen wie

angewurzelt auf seinem Stuhle sitzen. Eine Erörterung hatte den

Nachtisch ein wenig in die Länge gezogen, und die Leute ließen sich auch

mit dem Auftragen des Kaffees Zeit. Diese Zufälle verschlangen eine

zweifellos kostbare Zeit, denn die hübsche Frau verriet Zeichen der

Ungeduld; man hätte sie mit einem Rennpferd vergleichen können, das vor

dem Laufe den Boden stampft. Der Notar kannte aber weder Pferde noch

Frauen und fand einfach die Marquise sehr lebhaft, ja etwas

quecksilberig.

Entzückt, sich in der Gesellschaft einer Modedame und eines berühmten

Staatsmannes zu befinden, begann dieser Notar den Geistreichen zu

spielen. Er faßte das gezwungene Lächeln der Marquise, die auf Kohlen

saß, für Beifall auf und legte sich nun erst recht ins Zeug. Der Herr

des Hauses hatte im Einverständnis mit seiner Gefährtin schon mehrmals

Schweigen beobachtet, wo der Notar eine lobende Antwort erwartete; aber

während dieses vielsagenden Schweigens sah der Teufelskerl ins Feuer

und sann auf neue Anekdoten. Dann hatte der Diplomat in seiner

Verzweiflung sogar die Uhr gezogen. Endlich hatte die hübsche Frau den

Hut aufgesetzt, als wenn sie gehen wollte, aber sie ging nicht. Der

Notar sah nichts, verstand nichts; er war von sich selbst entzückt und

überzeugt, er interessiere die Marquise so sehr, daß sie das Gehen

vergessen hätte.

»Sicher wird diese Frau mich in Zukunft zu ihrem Rechtsanwalt machen,«

sagte er zu sich selbst.

Die Marquise war aufgestanden, zog die Handschuhe an, bewegte nervös die

Finger und sah bald den Marquis de Vandenesse an, der ihre Ungeduld

teilte, bald den Notar, der überaus geistreich dreinsah. Bei jeder

Pause, die der würdige Mann machte, atmete das hübsche Paar auf und

sagte sich: »Endlich wird er gehen.«

Doch mit nichten. Es war ein moralisches Alpdrücken und mußte

schließlich dahin führen, daß die beiden Personen, auf die der Notar

ebenso wirkte, wie eine Schlange auf Vögel, außer sich gerieten und zu

irgendeiner Grobheit gezwungen wurden. Mitten in einem schönen Bericht

über die unwürdigen Mittel, durch die Tillet, ein damals sehr beliebter

Geschäftsmann, sein Vermögen gemacht hätte und die der geistreiche Notar

bis ins kleinste auseinandersetzte -- hörte der Diplomat es an seiner

Stutzuhr neun schlagen; er sah ein, sein Notar war ganz entschieden ein

Esel, dem man den Laufpaß geben müsse, und er unterbrach ihn nun kurzweg

durch eine Handbewegung.

»Wünschen Sie die Feuerzange, Herr Marquis?« fragte der Notar, sie

seinem Klienten hinreichend.

»Nein, Herr, ich muß Sie jetzt wegschicken. Die gnädige Frau wird ihren

Kindern entgegengehen, und ich werde die Ehre haben, sie zu begleiten.«

»Schon neun Uhr! In liebenswürdiger Gesellschaft vergeht die Zeit doch

zu schnell,« sagte der Notar, der schon eine ganze Stunde lang allein das

Wort führte.

Er suchte seinen Hut, pflanzte sich dann vor dem Kamin auf, unterdrückte

mit Mühe einen Schluckauf und sagte zu seinem Klienten, ohne die

vernichtenden Blicke zu bemerken, die die Marquise ihm zuwarf.

»Lassen Sie uns zusammenfassen, Herr Marquis. Die Geschäfte gehen allem

vor. Morgen werden wir also Ihrem Bruder eine Vorladung zustellen

lassen, um ihn zur Erfüllung seiner Verbindlichkeiten aufzufordern. Wir

werden das Inventar aufnehmen, und nachher -- nun ja --«

Der Notar hatte die Absichten seines Klienten so schlecht verstanden,

daß er die Angelegenheit gerade im umgekehrten Sinne der Weisungen, die

der Marquis ihm eben erteilt hatte, in die Hand nahm. Das war denn doch

eine heikle Sache, und Vandenesse mußte wohl oder übel dem tölpelhaften

Notar von neuem seine Wünsche klarmachen. Daran knüpfte sich

notwendigerweise eine abermals zeitraubende Erörterung.

»Nun hören Sie,« sagte schließlich der Diplomat auf ein Zeichen hin, das

die junge Frau ihm gegeben hatte, »Sie machen mich nervös. Kommen Sie

morgen um neun Uhr wieder mit meinem Advokaten.«

»Aber ich gestatte mir, Sie darauf aufmerksam zu machen, Herr Marquis,

wir können morgen nicht mit Bestimmtheit darauf rechnen, Herrn Desroches

zu treffen. Wenn die gerichtliche Zustellung nicht bis morgen mittag

erlassen ist, läuft die Frist ab, und dann ...«

In diesem Augenblick fuhr ein Wagen auf den Hof, und als die arme Frau

dieses Geräusch hörte, drehte sie sich rasch um, um die Tränen zu

verbergen, die ihr in die Augen schossen. Der Marquis klingelte, um

sagen zu lassen, er sei weggegangen; aber der General, der unvermutet

aus dem Gaietétheater zurückkam, trat vor dem Kammerdiener ein. Er hielt

an der einen Hand seine Tochter, deren Augen rot waren, und an der

andern seinen kleinen Jungen, der ein mürrisches Gesicht zog.

»Was ist euch denn passiert?« fragte die Frau ihren Mann.

»Ich werde es Ihnen später sagen,« antwortete der General und schritt in

ein anstoßendes Zimmer, dessen Tür offen stand, und wo er Zeitungen

liegen sah.

Die Marquise warf sich verzweifelt auf ein Kanapee.

Der Notar glaubte gegen die Kinder den freundlichen Herrn spielen zu

müssen und schlug einen gezierten Ton an, indem er den Kleinen fragte:

»Nun, mein Kleiner, was wurde denn im Theater gespielt?«

»Das Tal des Gießbachs,« antwortete Gustav mürrisch.

»Nun, ich bitte Sie,« rief der Notar, »unsere Schriftsteller sind halb

verrückt! Das Tal des Gießbachs! Warum nicht der Gießbach des Tals? Es

ist möglich, daß ein Tal keinen Gießbach hat, und wenn der Verfasser

gesagt hätte: Der Gießbach des Tals, so hätte er eine klare,

charakteristische, verständliche Form gewählt. Doch lassen wir das. Wie

kann sich denn aber in einem Gießbach und in einem Tal ein Drama

abspielen? Nun, allerdings! heutzutage liegt das hauptsächliche

Lockmittel dieser Art von Schauspielen in den Dekorationen, und dieser

Titel deutet eine imposante Ausstattung an. Du hast dich da wohl

trefflich amüsiert, mein kleiner Freund?« setzte der Notar hinzu, indem

er sich vor das Kind setzte.

Als der Notar gefragt hatte, was für ein Drama sich wohl auf dem Grunde

eines Gießbachs abspielen könne, drehte die Tochter der Marquise sich

langsam um und weinte. Die Mutter war so ärgerlich gestimmt, daß sie die

Bewegung ihrer Tochter nicht bemerkte.

»O ja, Herr, ich habe mich gut amüsiert,« antwortete das Kind. »In dem

Stück kam ein kleiner Junge vor, der war sehr hübsch und war ganz allein

auf der Welt, weil sein Papa nicht sein Vater sein durfte. Und da kam er

an eine große Brücke, die hoch über den Gießbach hinführt, und da kam

ein großer Vagabund mit einem Bart und ganz schwarz angezogen, und der

hat ihn ins Wasser geworfen. Da hat Helene angefangen zu weinen und laut

zu schluchzen, und alle Leute haben sich über uns aufgehalten, und da

hat der Vater uns ganz schnell, ganz schnell hinausgeführt.«

Herr de Vandenesse und die Marquise standen bestürzt da, wie unter dem

jähen Schlag eines Unglücks, das ihnen die Kraft, zu denken und zu

handeln, raubte.

»Gustav, wirst du den Mund halten!« rief der General. »Ich habe dir doch

verboten zu erzählen, was im Theater geschehen ist, und du vergißt schon

mein Geheiß?«

»Euer Gnaden mögen verzeihen,« sagte der Notar, »die Schuld trifft mich,

denn ich habe ihn gefragt -- aber ich wußte ja nicht, wie ernst ...«

»So durfte er nicht antworten,« sagte der Vater und sah seinen Sohn

streng an.

Der Diplomat und die Marquise hatten nun aber doch die Ursache erfahren,

weshalb die Kinder und der Vater so plötzlich zurückgekehrt waren. Die

Mutter sah ihre Tochter an, sah sie weinen und erhob sich, um zu ihr zu

gehen; aber ihr Gesicht verzog sich dabei heftig und nahm den Ausdruck

einer maßlosen Strenge an.

»Genug, Helene,« sagte sie zu ihr, »trockne im Nebenzimmer deine

Tränen.«

»Was hat sie denn getan, diese arme Kleine?« sagte der Notar, der

zugleich die zornige Mutter und die weinende Kleine beschwichtigen

wollte. »Sie ist so hübsch -- sie muß das gescheiteste Kind von der Welt

sein. Ich bin überzeugt, gnädige Frau, sie macht Ihnen nur Freude. Nicht

wahr, meine Kleine?«

Helene sah zitternd ihre Mutter an, wischte die Tränen ab, versuchte,

ein ruhiges Gesicht zu zeigen, und flüchtete ins Nebenzimmer.

»Und gewiß,« schwatzte der Notar noch immer weiter, »gnädige Frau sind

eine gute Mutter und werden alle Ihre Kinder in gleichem Maße lieben.

Sie sind übrigens zu tugendhaft zu jener traurigen Bevorzugung, deren

unheilvolle Folgen ganz besonders deutlich wir Notare zu sehen bekommen.

Uns läuft die Gesellschaft sozusagen durch die Finger. Wir sehen daher

auch die Leidenschaften in ihrer häßlichsten Gestalt: der Selbstsucht.

Hier will eine Mutter die Kinder ihres Mannes um ihr Erbe bringen

zugunsten der Kinder, denen sie den Vorzug gibt. Auf der andern Seite

will der Mann manchmal sein Vermögen ganz dem Kinde zukommen lassen, das

den Haß der Mutter verdient hat. Und da gibt es dann Kämpfe, Urkunden,

Gegenverschreibungen, Scheinverkäufe, Fideikommisse -- kurz, ein

bedauernswertes Tohuwabohu -- auf Ehre, bedauernswert! Hier bringen

Väter ihr Leben lang Kinder um ihr Erbe, indem sie das Gut ihrer Frauen

stehlen -- ja, stehlen ist das richtige Wort. Wir sprachen vom Drama.

Ach, ich versichere Ihnen, wenn wir das Geheimnis gewisser Schenkungen

ausplaudern könnten, würden unsere Dichter entsetzliche bürgerliche

Tragödien daraus machen können. Ich weiß nicht, was für eine Macht die

Frauen gebrauchen, um das zu erreichen, was sie wollen. Denn, so zart

und schwach sie aussehen, sie behalten immer die Oberhand. Ach ja, ja!

Mich fangen sie nie, mich nicht! Ich erkenne immer den Grund solcher

Bevorzugung, von denen man in der Welt höflicherweise immer sagt: »Wir

wissen selbst nicht recht, weshalb.« Aber die Ehemänner kommen nie

dahinter, diese Gerechtigkeit muß man ihnen angedeihen lassen. Sie

werden mir darauf antworten, es gäbe eben liebevolle Kinder und --«

Helene war mit ihrem Vater aus dem Nebenzimmer in den Salon

zurückgekehrt und hörte aufmerksam dem Notar zu. Sie verstand ihn so

gut, daß sie auf ihre Mutter einen furchtsamen Blick warf und mit dem

ganzen Instinkt der Jugend ahnte, dieser Umstand werde die strenge

Behandlung verdoppeln, die ihr bevorstand. Die Marquise erbleichte und

machte Vandenesse durch eine Gebärde des Entsetzens auf ihren Gatten

aufmerksam, der nachdenklich die Blumen der Tapete betrachtete. In

diesem Moment konnte der Diplomat sich trotz aller Lebensart nicht mehr

bezwingen und schleuderte dem Notar einen niederschmetternden Blick zu.

»Kommen Sie hier hindurch, Herr,« sagte er zu ihm und schritt rasch auf

das Gemach zu, das vor dem Salon lag.

Der Notar folgte ihm zitternd, ohne seinen Satz zu vollenden.

»Herr,« sagte nun der Marquis de Vandenesse, der die Tür des Salons

heftig zuwarf, wo er das Ehepaar zurückließ, mit verhaltener Wut zu dem

Juristen, »seit dem Diner haben Sie hier eine Dummheit nach der andern

begangen und lauter Albernheiten gesagt. Um Gotteswillen, machen Sie,

daß Sie hinauskommen! Sie richten sonst noch das größte Unglück an. Sie

mögen ein ausgezeichneter Notar sein, aber dann bleiben Sie bei Ihren

Leisten. Wenn Sie sich mal zufällig in Gesellschaft befinden, dann

befleißigen Sie sich eines vorsichtigeren Benehmens ...«

Dann ließ er den Notar ohne Abschiedsgruß stehen und kehrte in den Salon

zurück. Der Notar stand einen Augenblick da, wie vor den Kopf

geschlagen, fassungslos, ohne zu wissen, wo er sich befände. Als das

Summen aufhörte, das ihm in den Ohren klang, glaubte er Seufzen und Hin-

und Herlaufen im Salon zu hören, und darauf wurde heftig geklingelt. Er

hatte Angst, dem Marquis de Vandenesse noch einmal zu begegnen, und da

ihm die Beine nicht länger den Dienst versagten, erreichte er die Treppe

und gab Fersengeld. Aber an der Tür der Gemächer stieß er erst noch

einmal mit den Dienern zusammen, die hineineilten, um die Befehle ihres

Herrn zu vernehmen.

»So sind diese großen Herren,« sagte er zu sich selbst, als er endlich

auf der Straße stand und seine Droschke suchte, »erst fordern sie einen

auf, was zu sagen, ermuntern einen durch allerlei Komplimente, und man

bildet sich ein, ihnen Spaß zu machen -- hat sich was! Impertinenzen

kriegt man zu hören, es wird abgewinkt, und schließlich wird man gar an

die Luft gesetzt -- ganz ohne Umstände. Dabei bin ich überaus geistreich

gewesen. Ich habe nicht einmal was Unsinniges gesagt -- und alles in

hübsche Worte gekleidet -- und alles anständig. Sieh an, er empfiehlt

mir, mehr Vorsicht zu beobachten -- daran lasse ich's nicht fehlen. Ach,

pfeif' drauf! Du bist Notar und Mitglied der Kammer. Der Herr Gesandte

hat mal so einen Rappel bekommen -- diesen Leuten ist ja nichts heilig.

Morgen soll er mir die Erklärung geben, inwiefern ich bei ihm nichts wie

Dummheiten angestellt und nichts wie Albernheiten gesagt hätte. Ich

werde Rechenschaft von ihm fordern -- das heißt, dafür -- für seine

grobe Zurechtweisung. Mein Gott ja -- vielleicht habe ich auch unrecht

-- ei was, fällt mir nicht ein, mir den Kopf darüber zu zerbrechen! Was

mache ich mir daraus?«

Der Notar kam zu Hause an und unterbreitete das Rätsel der Frau Notarin,

indem er Punkt für Punkt die Geheimnisse des Abends erzählte.

»Mein lieber Crottat, Seine Exzellenz hat vollauf recht gehabt, als er

dir sagte, du hättest lauter Dummheiten angestellt und nichts wie

Dummheiten gesagt.«

»Wieso?«

»Mein Lieber, das würde ich dir sagen -- aber du machst es deswegen ja

doch morgen wieder genau so schlau. Ich empfehle dir, in Gesellschaften

immer nur das zu sagen, was deines Amtes ist.«

»Wenn du es mir nicht sagen willst, dann werde ich morgen schon wissen,

wen ich zu fragen habe.«

»Mein Gott, die dümmsten Menschen geben sich Mühe, so etwas niemand

merken zu lassen, und du glaubst, ein Gesandter wird es dir sagen? Aber,

Crottat, ich habe dich noch niemals so schwerfällig gesehen.«

»Danke, meine Liebe.«

Die Frau von dreißig Jahren · 第 11 / 14 题