»Doch, er war's, und morgen soll er seine Strafe haben,« rief der Herzog.
»Jetzt will ich schlafen.«
Das wollten alle Leute im Schloß. Bald herrschte die allertiefste Stille,
nichts rührte und regte sich.
In Kasperles Kammer aber flog ein kleiner Kauz; der flatterte Kasperle um
die Nase herum, und davon wachte er auf. Er schrie aber nicht so
erschrecklich wie die Prinzessin Gundolfine, sondern griff zu und fing den
Kauz. Hach, dachte er, der kann auch durch den Schornstein zurückfliegen,
hinaus kommt der schon! Und flink tat er das Türlein auf und steckte den
armen Kauz hinein. Mochte er sich selber weiterhelfen.
Na, so sehr gemütlich fand der das nicht, durch einen Schornstein zu
fliegen. Er fing also an zu schrein, und wieder fuhr der Herzog erschrocken
in seinem Bett empor. Das schrie und rauschte und flatterte, und der Herzog
kroch unter sein Deckbett und schrie um Hilfe.
Da wurde es wieder lebendig im Schloß, wieder rannte der Haushofmeister
hinab und fand Kasperle schlafend. Diesmal nahm er Kasperle einfach beim
Wickel und trug ihn in des Herzogs Zimmer. »Da ist er,« rief er, »er
schläft wieder.«
»Er ist es nicht,« rief der Kammerdiener, »es schreit noch immer.«
Ja, es schrie noch immer, denn der arme kleine Kauz fand nicht so schnell
zum Schornstein hinaus.
»Uaah, uaah!« gähnte Kasperle. Den hatte der Haushofmeister auf den Boden
gelegt, denn er hatte keine Lust, wieder Kasperles Fuß in sein Gesicht zu
bekommen.
»Er ist es wirklich nicht,« rief der Herzog zitternd. Der Kauz flog jetzt
gerade durch den Schornstein seines Zimmers und er klagte laut.
»Das ist ein Gespenst,« flüsterte der Kammerdiener.
»Rissel, rassel,« schnarchte Kasperle am Boden.
Noch einmal klagte der Kauz in der Esse wie ein kleines Kind, dann war
alles still; der Kauz hatte hinausgefunden. Kasperle schnarchte am Boden
und der Herzog sagte seufzend: »Weckt ihn, er soll mir etwas vorkaspern!«
Ja, Kasperle wecken, wenn er tat, als schliefe er, war ein schweres Ding!
Aber endlich bequemte sich Kasperle doch, riß seine Augen weit auf und
fragte: »Was soll ich?«
»Hast du vergessen, daß du mich unterhalten willst, wenn ich verdrießlich
bin?« fragte der Herzog brummig.
»Nä!« Kasperle grinste, und dann fing er an Purzelbäume zu schlagen. Eins,
zwei, drei, klirrrr! ging der große Pfeilerspiegel in Scherben, weitherum
spritzten die Glasstücke, und der Herzog rief erschrocken: »Aufhören,
aufhören!«
Da saß das Kasperle schon mitten auf seinem Bett, steckte sich sein eigenes
Bein in den Mund und schickte sich an, auf dem Herzog und dem Bett
herumzukollern.
»Um Himmels willen, nehmt ihn weg, sperrt ihn ein! Aber nicht unten in die
Kammer, irgendwo, wo er nicht ausreißen kann,« rief der Herzog. »Ganz
schlecht soll er es haben.«
Der Haushofmeister, der bald umfiel vor Müdigkeit, nahm das Kasperle,
zerrte es mit sich fort, und draußen sagte er: »Kasperle, wenn du mir
versprichst, ganz brav zu sein, kannst du auf meinem Sofa schlafen; sonst
mußt du unten in eine dunkle Kammer gehen.«
»Will brav sein,« rief Kasperle erschrocken.
»Still, still!« mahnte der alte Haushofmeister, dem der arme kleine Schelm
trotz des Nasenstübers leid tat, »damit es der Herr Herzog nicht hört,
sonst geht es uns beiden übel.«
Und er nahm Kasperle mit in seine Stube. Kasperle durfte sich auf ein
weiches, rotes Sammetsofa legen und ungestört schlafen, und der alte
Haushofmeister dachte, als Kasperle flink einschlief: Armer kleiner Bursch,
wie wird es dir hier noch ergehen! Unserm Herzog es recht zu machen, wenn
er schlechte Laune hat, ist ein übles Ding.
Und dann legte er sich selbst in sein Bett, und nach ein paar Minuten
schliefen alle im Schloß. Nur der Herzog nicht, der war putzmunter vor
lauter Aufregung geworden. Er drehte sich rechtsum, linksum, lag auf dem
Rücken, lag auf dem Bauch, drehte das Kopfkissen um, einschlafen konnte er
nicht.
»Daran ist nur Kasperle schuld,« brummte er; »ich werde einen Käfig machen
lassen und ihn hineinstecken. Warte nur, Kasperle, zum Teufel schicke ich
dich nicht, aber schlimm soll es dir ergehen, wenn du weiter so unnütz
bist.«