Jemand sagte: »Dort in der Ecke, der ist's!«

Eine andere Stimme antwortete: »Nur leise, leise, damit sie im Schloß

nichts hören!«

»Sie schlafen alle, kein Fenster ist mehr hell,« erwiderte die erste

Stimme.

Die andere sprach: »Nimm dich in acht, hier sind große Pfützen, platsch'

nicht hinein! Werden auch die Hunde schweigen?«

»Ach die! Denen habe ich jedem eine Wurst zugeworfen,« sagte wieder der

erste. Und der zweite fragte: »Weißt du, wo der Koffer mit all den goldenen

Orden und Diamanten steht?«

»Freilich, gleich links an der Seite; ich habe doch den Wagen oft packen

helfen.«

Nun lachten beide und rippelten und rappelten draußen am Schloß, und dabei

sagte die erste Stimme: »Der Prinzessin Gundolfine ihre Staatskleider sind

auch im Wagen, vielleicht finden wir sie.«

»Ich hab' eine Laterne, die kann ich im Wagen anzünden,« antwortete der

andere wieder, und diese Stimme kam Kasperle merkwürdig bekannt vor.

Wer konnte das nur sein?

Kasperle zitterte vor Angst. Sicher waren es Diebe. Wenn die ihn fanden, --

oh, dann konnte es ihm schlimm ergehen! Ich krieche unter die Hauben,

dachte er, aber gleich fiel es ihm ein, wenn er recht, recht laut schrie,

dann hörte man es wohl im Schloß, und vielleicht rissen die Diebe auch aus

und stahlen nichts.

»Potz Wetter, aber das ist fest verschlossen!« brummte einer.

Rippel, rappel, der Wagen schwankte hin und her, da tuschelte draußen die

Stimme: »Jetzt geht's.«

Krach, sprang das Schloß auf, zwei Männer schauten in das Dunkel hinein.

Einer tastete mit der Hand nach links und sagte enttäuscht: »Jetzt steht ja

der kleine Koffer nicht mehr da!«

»Ich zünde die Laterne an.«

»Tu's lieber nicht!« mahnte der erste.

»Ach was, hier sieht es ja niemand!« erwiderte der zweite. Er begann auf

sein Feuerzeug zu schlagen, ein Fünkchen flammte auf, und gleich darauf

brannte eine kleine Laterne.

»Wir müssen alles durchsuchen,« sagte der erste.

Kasperle wurde es glühheiß vor Angst. Ich muß sie erschrecken, dachte er.

Und auf einmal fiel ihm ein, er wollte so ein essigsaures Gesicht wie die

Prinzessin Gundolfine machen.

Er hatte es kaum gedacht, da schoß er auch schon aus dem Haubenkoffer

heraus. Die große Haube der Prinzessin wackelte auf seinem Kopf, und die

beiden Diebe brüllten entsetzt: »Die Prinzessin, die Prinzessin!«

Noch mehr als sie aber brüllte Kasperle, und eins, zwei, drei schlug er den

beiden die Hauben um die Köpfe, daß denen Hören und Sehen verging.

Klirr, fiel die Laterne zu Boden, schreiend wollten beide fliehen, beide

rannten an die Schuppentüre, pardauz! schlug sie dem einen an den Kopf,

bums! dem andern. Der erste verlor das Gleichgewicht, purzelte und versank

draußen in einer großen Pfütze, der andere stolperte über ihn, -- platsch!

lag er auch da. »Au,« stöhnte er, »mein Bein!«

»Meine Nase!« ächzte der andere.

Innen aber brüllte Kasperle, so gellend laut er nur konnte, und da wurde es

hell im Schloß und im nahen Stall; der Pächter kam, Knechte kamen, die

Hofleute wurden wach, und ehe die beiden Diebe noch auf den Beinen standen,

da waren sie schon umringt.

»Hallo, das ist der Kasperlemann!« rief einer.

»Hallo, der fortgejagte Klaus!« schrie ein anderer.

»Jemine, aber wer schreit im Wagen so schrecklich?« fragte der Pächter.

»Ach du lieber Himmel, das ist ja Kasperle!« Der eine Diener leuchtete mit

einer Laterne, ein paar andere drängten nach, während die Knechte die

beiden Diebe fortschleppten. Da stand der Gepäckwagen auf und da --

»Die Prinzessin!« rief der erste Diener entsetzt.

»Alle guten Geister, die Prinzessin sitzt im Gepäckwagen!« kreischten die

andern. Und weil sie alle vor der Prinzessin eine große Angst hatten,

rannten sie alle zurück und schrien nur immerzu: »Die Prinzessin sitzt im

Gepäckwagen, die Prinzessin sitzt im Gepäckwagen!«

Kasperle auf Burg Himmelhoch · 第 23 / 45 题