Alle Rechte, im besondern das der Übersetzung in fremde
Sprachen, von der Verlagsbuchhandlung vorbehalten
Copyright 1924 by Grethlein & Co. in Leipzig
Druck von G. Kreysing in Leipzig
~Hafis-Ausgabe~
[Illustration]
~Robert Hohlbaum~
dem Freunde, dem Dichter, dem Deutschen!
1
Um die kahlen, von harzigen Knospen geschwellten Ulmenriesen
des Harvestehuder Weges brandete der Märzsturm. Auf den breit
anschwellenden Rasenflächen der Villa Freimann taute letzter Schnee.
Der Generaldirektor kam schleppenden Schrittes die breite Freitreppe
herunter. Fröstelnd zog er den Nerzpelz um seine Schultern zusammen.
Der legt mächtig ein! dachte der Chauffeur. Und im tiefsten Herzen des
altbewährten Bediensteten regte sich doch fast unbewußt etwas wie eine
geheime Genugtuung des Kleinen, des Knechtes, über den unverhehlbaren
Verfall des Mächtigen, des Hochmögenden ... Dies Gefühl war den
Tönen jenes Liedes verwandt, dessen verwehte Klänge durch den trüben
Vorlenzmorgen von der Lombardsbrücke herüberflatterten:
»Was hoch und stolz, das fällt
im Sturm der neuen Zeit --
jetzt bringen wir der Welt
die rote Seligkeit!«
Auch der Generaldirektor horchte auf. Eine neue Falte querte sich
senkrecht durch die tiefen Furchen seiner schmal gewordenen Stirn.
Der Chauffeur gewahrte dies Lauschen, dies Stutzen.
»Meinen Herr Präsident nicht, daß es besser wäre, heute nicht --«
»-- nicht zu fahren, Hansen? Das souveräne Volk von Hamburg nicht zu
reizen? Es ist alles eins ... Haben Sie übrigens eine Ahnung, was los
ist?«
»Sie sind mal wieder sehr unruhig da drinnen ... Seit gestern kommen
immerfort Züge mit heimkehrenden Kriegsgefangenen aus Rußland an«,
berichtete der Chauffeur. »Die haben uns grad noch gefehlt. Alles die
reinsten Bolschewisten, Herr Präsident!«
Der Generaldirektor zuckte die Achseln. Aber dann schauderte er in
seinem schweren Pelz doch sekundlich zusammen. Ihn schüttelte der Ekel
... Diese Zeit -- dieses Volk ...