46.-65. Tausend

Alle Rechte, im besondern das der Übersetzung in fremde

Sprachen, von der Verlagsbuchhandlung vorbehalten

Copyright 1924 by Grethlein & Co. in Leipzig

Druck von G. Kreysing in Leipzig

~Hafis-Ausgabe~

[Illustration]

~Robert Hohlbaum~

dem Freunde, dem Dichter, dem Deutschen!

1

Um die kahlen, von harzigen Knospen geschwellten Ulmenriesen

des Harvestehuder Weges brandete der Märzsturm. Auf den breit

anschwellenden Rasenflächen der Villa Freimann taute letzter Schnee.

Der Generaldirektor kam schleppenden Schrittes die breite Freitreppe

herunter. Fröstelnd zog er den Nerzpelz um seine Schultern zusammen.

Der legt mächtig ein! dachte der Chauffeur. Und im tiefsten Herzen des

altbewährten Bediensteten regte sich doch fast unbewußt etwas wie eine

geheime Genugtuung des Kleinen, des Knechtes, über den unverhehlbaren

Verfall des Mächtigen, des Hochmögenden ... Dies Gefühl war den

Tönen jenes Liedes verwandt, dessen verwehte Klänge durch den trüben

Vorlenzmorgen von der Lombardsbrücke herüberflatterten:

»Was hoch und stolz, das fällt

im Sturm der neuen Zeit --

jetzt bringen wir der Welt

die rote Seligkeit!«

Auch der Generaldirektor horchte auf. Eine neue Falte querte sich

senkrecht durch die tiefen Furchen seiner schmal gewordenen Stirn.

Der Chauffeur gewahrte dies Lauschen, dies Stutzen.

»Meinen Herr Präsident nicht, daß es besser wäre, heute nicht --«

»-- nicht zu fahren, Hansen? Das souveräne Volk von Hamburg nicht zu

reizen? Es ist alles eins ... Haben Sie übrigens eine Ahnung, was los

ist?«

»Sie sind mal wieder sehr unruhig da drinnen ... Seit gestern kommen

immerfort Züge mit heimkehrenden Kriegsgefangenen aus Rußland an«,

berichtete der Chauffeur. »Die haben uns grad noch gefehlt. Alles die

reinsten Bolschewisten, Herr Präsident!«

Der Generaldirektor zuckte die Achseln. Aber dann schauderte er in

seinem schweren Pelz doch sekundlich zusammen. Ihn schüttelte der Ekel

... Diese Zeit -- dieses Volk ...

Das Land unserer Liebe · 第 3 / 23 题