8. Die Krone der Ehren.

Gordon wußte, daß er in den Tod ging, er schrieb verschiedene

Abschiedsbriefe, die ihre Bestimmung erreichten; es sind die Worte

eines, der das dunkle Thal schon vor sich sieht. Seiner Schwester

schrieb er:

»Gott der Herr regiert, und da Er zu Seiner Ehre und unserem Besten

regiert, so geschehe Sein Wille. Ich hin ganz zufrieden und kann mit

Lawrence[16] sagen, ich habe versucht, meine Pflicht zu thun ....

Wenn Gott es einem Menschen geschenkt hat, viel im Umgang mit Ihm zu

leben, so kann der Tod für einen solchen nichts Schmerzliches sein;

ja, was ist der Tod für den gläubigen Christen!«

Es steht wohl auf jeder Seite der Lebensgeschichte dieses Mannes

geschrieben, daß er seinem Gott vertraute -- in seltener Weise

vertraute. Sollte es Leser geben, die fragen, was hat ein Mann wie

Gordon nun vor anderen voraus, hat er nicht in schmählicher Weise, von

Freunden verlassen, von Feindeshand fallen müssen, und der Gott, dem

er vertraute, hat ihm ~nicht~ geholfen? so giebt Gordon selbst

die Antwort darauf in den tiefrührenden Worten an seine Schwester:

»Du darfst nicht vergessen, daß unser Herr niemand versprochen hat,

ihn das Glück und den Frieden in diesem Leben finden zu lassen.

Er hat uns im Gegenteil Trübsal verheißen. Wenn es also ein übles

Ende nimmt nach dem Fleisch, so ist Er dennoch treu. Was Er thut,

geschieht in Liebe, und Sein Erbarmen ist über mir. Mein Teil ist

Ergebung in Seinen Willen, wie dunkel derselbe auch sei.«

Einem fernerstehenden Freund schrieb er:

»Alles vorbei. Ich erwarte die Katastrophe innerhalb zehn Tagen. Es

wäre nicht so gegangen, hätten unsere Leute besser dafür gesorgt, mir

Nachricht zukommen zu lassen. Lebt alle wohl. -- C. G. Gordon.«

Dem Sir Charles Wilson, der ihm mit einem Teil der Entsatz-Mannschaft

die erste Hilfe bringen sollte, schrieb er, er hoffe, daß nach Gottes

Willen die Engländer rechtzeitig kommen könnten, um ihn und andere

zu retten, aber er fürchte, sie würden zu spät kommen; er wisse, daß

Verrat im Anschlag sei, und er könne es nicht hindern. Noch jetzt

stünde es in seiner Macht sich zu flüchten, aber das wolle er nicht;

er werde auf seinem Posten bleiben und nicht zuletzt noch davonlaufen.

Gefangen nehmen lassen werde er sich nicht; also bleibe der Tod.

Und so starb der Held. Die heiße Schlacht war verloren er aber war

dennoch ein Sieger, einer von denen, die gekrönt werden nach dem

Kampf. Daß die unverwelkliche Krone ihm wurde, wer könnte daran

zweifeln! Aber auch eine irdische Krone der Ehren ist ihm behalten,

wie wenigen seines Geschlechts, in der Bewunderung, ja, in der Liebe

von Tausenden, die um ihn trauern wie um einen nahestehenden Freund.

Nicht nur England, die weite Welt erkannte den Verlust. Wie mit

leuchtenden Buchstaben stand es auf einmal vor aller Augen, dieser

Mann war ein Held in unserm Jahrhundert, wie sonst nur Sage und Sang

aus längst vergangenen Zeiten uns von Helden berichten, und er ist

tot! Die Kunde traf England ins Herz. Wer an jenem 5. Februar, der die

Nachricht brachte -- den »schwarzen Donnerstag« hat man ihn seither

genannt -- durch die Straßen von London ging, der konnte auf allen

Gesichtern lesen, daß Trauer auf das Land gefallen war. Seit der

indischen Meuterei hat nichts das Land in ähnlicher Weise erschüttert,

wie der Fall von Khartum. Es war, als handelte es sich für jeden um

einen persönlichen Verlust. Hoch und nieder, reich und arm hatten nur

die eine Klage: Gordon ist tot! Kein König ist je so betrauert worden.

England wußte es jetzt, was es an ihm verlor, und viele Tausende

schlugen dabei an ihre Brust. Was einer seiner Landsleute aussprach,

als es sich um ein Gordon-Denkmal handelte, war die Stimmung des

Volkes seinen Führern gegenüber:

Ein Denkmal unserm Gordon -- gut!

So lang im Nil sich spiegelt Nacht und Tag,

Der in Khartum sich färbte rot mit Blut,

Sei nicht vergessen, wie der Held erlag.

Ja, richtet ihm ein Denkmal auf,

Und wenn in Marmorstein sein Ruhm erblüht,

Schreibt auch als Denkschrift das Bekenntnis drauf:

»Aus Dankbarkeit das Volk, das ihn verriet!«

Nur erwähnt sei die Thatsache, daß am Abend des Tages, der ganz

England mit Trauer erfüllte, einer am andern Morgen erschienenen

Zeitungsnotiz zufolge Gladstone die komische Oper mit seiner

Anwesenheit beehrte! Wie zu erwarten stand, hielt dieser Minister dem

gefallenen Helden Englands einen glänzenden Nachruf im Parlament;

als er aber mit einem namhaften Beitrag dem projektierten Denkmal

beitreten wollte, da lehnten sich Stimmen aus allen Volksklassen

in der Tagespresse dagegen auf. Was das Denkmal für eine Gestalt

annehmen solle, ob die eines Spitals in Port Said, oder in England

-- im Gedanken an Gordons »Prinzen« -- die eines Rettungshauses

für verwahrloste Knaben, darüber ist viel verhandelt worden. Ein

Ehrendenkmal von Stein ist äußerst bezeichnender Weise erst lang

nachher zu stand gekommen. Gordon braucht keines. Am 10. Mai 1886

wurde eine Anstalt unter dem Namen »+The ›Gordon‹ Boys Home+«

eröffnet, in welcher verwahrloste Jungen im allgemeinen, wenn

auch nicht ohne Ausnahme für den Soldatenstand erzogen werden.

Schon im Herbst 1885 wurde ein Anfang dazu gemacht, die nötigen

Mittel flossen aber nur spärlich. Wäre eine ungenannte Dame nicht

mit der schönen Summe von hunderttausend Mark zu Hilfe gekommen,

welche Gabe sie bei der Eröffnung verdoppelt hat, die Anstalt wäre

vielleicht noch heute nicht eröffnet! Wie Gordons Bruder, Sir

Henry Gordon, übrigens treffend bemerkt hat, bestehen in England

bereits gegen fünfhundert derartige Rettungshäuser, und es hätte

dem bescheidenen und praktischen Sinn Gordons mehr entsprochen, die

Zinsen des eingegangenen Kapitals in unmittelbarer Weise für arme

Kinder zu verwenden, wenn man sie in bereits bestehenden Anstalten

untergebracht, oder sonst für ihr Fortkommen gesorgt hätte, wie Gordon

selbst in Gravesend gethan, als eine neue Anstalt zu errichten,

deren bloße Gründung die gezeichneten Mittel verschlingen mußte.

-- Vom englischen Parlament sind auf Wunsch der Königin Viktoria

vierhunderttausend Mark bewilligt worden, die Gordons verwitweten

Schwestern und Schwägerinnen, nach deren Tod aber seinen zahlreichen

Nichten und Neffen zu gut kommen sollen. Für diese Bestimmung diente

sein vor der Abreise nach Khartum verfaßtes Testament als Richtschnur.

Nicht als ob ~er~ viel zu hinterlassen gehabt hätte, nur den Wert

seines Offizierspatents, etwa zwölftausend Mark. Er konnte ja nie

Geld in der Hand behalten, so lang es Hilfsbedürftige gab, und wenn

er gerade bei Kasse war, so war eine ›milde Gabe‹ von zwei oder mehr

tausend Mark nichts ungewöhnliches bei ihm.

Die Lebensgeschichte eines solchen Mannes ist ein Saatkorn im Acker

der Zeit; es wird aufgehen und Frucht bringen, und von Gordon gilt das

Wort: er redet noch, wiewohl er gestorben ist. Die Schönheit eines

solchen Lebens wird von allen anerkannt, selbst von denen, die am

wenigsten die Kraft besitzen, das darin gegebene Vorbild nachzuahmen.

Viele aber werden sich daran aufrichten und suchen, an ihrem Teil

etwas von der Kraft zu gewinnen, die Gordon stark machte. Im Kampf

stehen wir alle. Helden im großen Sinn können nicht alle sein; aber

die Selbstaufopferung, die Demut, die kerngesunde Aufrichtigkeit

des Mannes können auch andere erreichen. Das Wunderbare bei Gordon

war, daß der natürliche Mannesmut seines Wesens mit der christlichen

Demut eins wurde und ihn zum idealen Menschen gestaltete. Es ist ein

Beweis, daß das Christentum die natürliche Eigenart des Menschen

nicht vernichtet, sondern sie veredelt und zu ihrer schönsten Blüte

bringt. Und bei Gordon hat sich dies so völlig bewährt, daß ihm nicht

leicht ein ebenbürtiger Charakter an die Seite zu stellen ist. Wir

blicken auf und nieder in der Geschichte der Völker, wo finden wir

einen, in dem jede Gestalt der Selbstsucht so völlig unterdrückt war,

der in all seinem Denken und Thun nur um andere sorgte? wo einen,

der es sich so ernstlich angelegen sein ließ, sein Leben nach dem

Willen Gottes in der Nachfolge Christi zu gestalten? wo einen, der den

seltenen Mut in solchem Maße besaß, sich um Menschenurteil nicht zu

kümmern, wo es mit der Stimme des Gewissens oder dem Wort der Schrift

im Widerspruch steht? Reichtum, Ehre, die Würde hoher Stellung,

alles galt ihm nichts, oder doch nur so viel als er glaubte, dadurch

Gelegenheit zu finden, Gutes zu vollbringen. Von dem Verlangen, sich

einen guten Namen zu machen, das sonst auch vortrefflichen Menschen

selbst dann noch anhängt, wenn gröbere Gebrechen überwunden sind, war

er völlig frei. Sein einziger Ehrgeiz, wenn man es so nennen kann,

war der Wunsch, seinem Gott zu dienen und seinen Mitmenschen Gutes

zu thun. Und wie viel ließe sich von seinen anderen Eigenschaften

sagen, seinem unerschöpflichen Humor, seinem frischen Sinn, seiner

unendlichen Thatkraft, seinen Mut, seiner Tapferkeit, seiner

Menschenfreundlichkeit, seiner hochherzigen Treue! Ja, es ließe sich

das ganze Register menschlicher Tugenden aufzählen, und man hätte nur

wenige Gebrechen seines Wesens dagegen zu stellen, obschon er selbst

der erste war, sich mit Paulus unter den Sündern den vornehmsten zu

nennen.

Es war nicht möglich, die Lebensgeschichte dieses Mannes zu schreiben,

ohne hervorzuheben, welch rückhaltlose Bewunderung er verdient.

Gordon selbst sagte einmal, und gewiß mit voller Aufrichtigkeit:

Lieber tot sein, als gelobt werden! Die edelsten Handlungen seines

Lebens hat er so angesehen, als ob sie sich von selbst verstünden;

sie waren auch nichts anderes, als die natürliche Frucht seines vom

Christentum durchdrungenen Wesens, und in diesem Sinn allerdings

selbstverständlich. Es ist gesagt worden, daß Gordon ein idealer

Mensch gewesen sei, der nicht recht ins neunzehnte Jahrhundert paßte;

wenn dem so wäre, dann müßte man das Jahrhundert bedauern und die

Menschen, die darin leben. So viel ist sicher, Gordon war einer von

den wenigen, die den Mut haben, ihr Ideal in allen Dingen, in jeder

Lage zur Geltung zu bringen, d. h. so zu leben, wie er es mit seinem

innersten und besten Wesen als gut erkannte. Gäbe es doch viele

Idealisten in diesem Sinn!

Es gehört mit zu den Rätseln des Lebens, warum Menschen wie Gordon

oft in der Fülle ihrer Kraft abgerufen werden. Er war fast auf den

Tag zweiundfünfzig Jahre alt; wie viel hätte er noch hier thun können

beides zur Ehre Gottes und zum Besten seiner Mitmenschen! Aber, wie

Staupitz einst zu Luther sagte, es braucht der Herr auch in der andern

Welt tüchtige Leute, und wenn Er hier Arbeit für solche hat, nicht

minder dort. Der Himmel ist nicht nur ein Land der Harfen und Kronen

und des Ruhens von allem Jammer der Zeitlichkeit; wohl das, aber

er ist auch ein Land des völligeren Gottdienens, wo es, um mit den

Worten des Gleichnisses zu reden, Städte zu verwalten giebt, was diese

nun sein mögen. Und als Gordon aus dem Kampf seines Lebens in die

Wohnungen des Friedens einging, wird er wohl die Stimme seines Herrn

vernommen haben, die zu ihm sagte:

»=Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu

gewesen, ich will dich über viel setzen. Gehe ein zu deines Herrn

Freude.=«

[Illustration]

Fußnoten:

[1] englische Meilen = 45 Kilometer.

[2] Die Sohnestreue des Mannes giebt sich öfter kund. Ein Missionar,

der ihn im Sudan kennen lernte, sagt unter anderem: »Es ist seine Art,

rasch von einem Gegenstande zum andern überzugehen. Mitten im Gespräch

unterbrach er mich z. B. mit der Frage: Haben Sie an Ihre Mutter

geschrieben? Und auf meine bejahende Antwort fuhr er fort: Das ist

recht; lassen Sie nur immer Ihre Mutter wissen, wie's Ihnen geht. Wie

lieb hat meine Mutter mich gehabt!«

[3] Schon vor Sebastopol hatte Gordon hievon einen Beweis gegeben.

Er kam einmal dazu, wie ein Korporal seine Leute zum Aufwerfen einer

Schanze mitten in den Kugelregen schickte, während er selbst gedeckt

stand. Gordon sprang ohne ein Wort zu sagen hinzu und legte mit den

Soldaten selbst Hand an. »Man muß die Leute nie etwas thun heißen,

wovor man sich selbst scheut,« belehrte er nach vollbrachter Arbeit den

Korporal.

[4] »+Soldier of fortune+« sagte die Times -- »Held von Gottes Gnaden«

wäre richtiger.

[5] Von Heinrich +IV.+ zur Belohnung für ausgezeichnete Kriegsdienste

gestiftet und so benannt, weil die Ritter als Sinnbild ihrer geistigen

Reinigung vor der Aufnahme ein Bad nehmen mußten.

[6] »Die ihn angeschmiert haben,« sagte ein Armer, »haben's selber am

meisten bereut, wenn sie merkten wie gut er war; und erst recht leid

mußte es ihnen thun, als sie hörten, er sei tot!«

[7] Obschon ein Kriegsheld wie wenige, so war er's doch keineswegs

aus Liebe zum Krieg. Er selbst sagt: »Die Leute irren sich, wenn sie

meinen, ein Krieg sei etwas Glorreiches. Es ist nichts anders als

organisierter Totschlag, Plünderung, Grausamkeit. Und es sind nicht die

Soldaten, auf die die schlimmste Last fällt, sondern Frauen und Kinder

und alte Leute. Man mag's betrachten wie man will, so ist der Krieg ein

rohes, grausames Handwerk.«

[8] Diese etwas eigentümliche Begrüßungsformel beschreibt der englische

Afrikareisende Petherick folgendermaßen: »Der Häuptling ergriff meine

rechte Hand und spuckte herzhaft hinein; dann blickte er mir ernsthaft

ins Gesicht und wiederholte die Zeremonie mit aller Umständlichkeit.

Im ersten Augenblicke stand ich verblüfft, dann erfaßte mich ein

wütendes Verlangen, den Menschen durchzuprügeln; er guckte mich aber so

leutselig an, daß ich statt der ihm zugedachten Züchtigung mich damit

begnügte, ihm seinen Gruß mit gleicher Münze heimzugeben, und zwar mit

reichlichen Zinsen. Da überkam ihn eine gewaltige Freude: ich müsse ein

großer Häuptling sein! sagte er zu seinem Hofstaat.«

[9] Sir Samuel Baker erzählt in seinem Buch »Ismailia«, daß der Thron

der Könige von Unyoro aus einem sehr kleinen und alten, aus Holz und

Kupfer verfertigten Stuhl besteht, der seit Generationen von König auf

König übergeht und als ein Talisman gilt. Gelänge es einem Feind, des

Stuhles habhaft zu werden, so würde der König so lange aller Autorität

verlustig sein, als der kostbare Sessel nicht wieder zurückerobert

würde. Der König und sein Sitz sind deshalb fast unzertrennlich; wo er

hingeht nimmt er ihn mit.

[10] Als Streiflicht hierzu dient folgendes: Gordon schreibt auf dem

Weg nach Kairo anläßlich der von ihm nicht gebilligten Anstellung

eines jener europäischen ›Mitregenten‹: -- »Ich habe meinen Gehalt von

hundertzwanzigtausend Mark auf die Hälfte herabgesetzt; ich habe genug

mit sechzigtausend Mark, und die andern sechzigtausend können dem Land

das wieder ersetzen, was diese Anstellung kostet. Aber ich fürchte,

ich thue dies mehr aus Zorn als in Liebe ... Je älter man wird, um so

besser lernt man so an seinen Nebenmenschen handeln, als wären sie

leblose Gegenstände, d. h. für sie thun was man kann, ohne sich im

geringsten darum zu kümmern, ob sie es einem Dank wissen oder nicht. So

handelt Gott gegen uns. Er läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.

Dank findet er selten; im Gegenteil, er wird selbst meist vergessen.«

[11] Der ungenügende Zustand des Gesetzes ergiebt sich aus folgender

Mitteilung Gordons: »Ich besitze vier Erlasse, 1. einen persönlichen

Befehl des Khedive, alle Sklavenhändler mit dem Tod zu bestrafen; 2.

den Vertrag (zwischen der englischen und ägyptischen Regierung, zur

Unterdrückung des Sklavenhandels, Alexandrien 4. August 1877), welcher

Sklavenjagd als Raub, beziehentlich als Raubmord kennzeichnet; 3. eine

gleichzeitige Verordnung des Khedive, welche dieses Verbrechen mit

Gefängnis von fünf Monaten bis zu fünf Jahren bestraft haben will;

4. ein Telegramm des Nubar Pascha folgenden Wortlauts: >Der An- und

Verkauf von Sklaven in Ägypten ist gesetzlich gestattet‹«!

[12] Mit welcher Klarheit Gordon in die Zukunft sah, ergiebt sich

aus diesem im April 1879 geschriebenen Satz: »Wenn die Befreiung

der Sklaven i. J. 1884 im eigentlichen Ägypten stattfindet, und die

Regierung in ihrem gegenwärtigen System verharrt, dann ist ein Aufstand

hier (im Sudan) zu erwarten; unsere (die englische) Neuerung aber

schläft ruhig weiter, bis es zu spät ist, und dann handelt man +à

l'improviste+.«

[13] Die abessinische Kirche erhält seit Jahrhunderten ihren Abuna

von der koptischen Kirche in Alexandrien; durch die Mißhelligkeiten

zwischen den Regierungen entbehrte Abessinien zur Zeit dieses

Würdenträgers und der König hatte niemand, der ihm seine Feinde

exkommunizierte.

[14] Leider hat in letzter Zeit der Branntweinhandel im Basutoland

Eingang gefunden mit traurigen Folgen für die Eingebornen. Nicht

ernstlich genug kann es den europäischen Regierungen, die in Afrika

Einfluß gewinnen, ans Herz gelegt werden, diesem verderblichen Handel

möglichst zu steuern. Das ist doch der geringste »Schutz,« den die

europäischen Machthaber den unwissenden Eingebornen Afrikas angedeihen

lassen können!

[15] Gordons Aufzeichnungen, oder richtiger Stewarts Tagebuch aus

dieser Zeit, das, wie Gordon in seinen »Tagebüchern« bemerkt, auch

als ~sein~ Tagebuch anzusehen sei, ist, wie späterhin ersichtlich,

dem Mahdi in die Hände gefallen, weshalb über diese fünf Monate nur

spärliche Berichte vorliegen.

[16] Sir Henry Lawrence, der in Indien vorzügliche Dienste leistete

und während der Meuterei bei der Verteidigung von Laknau fiel -- ein

tüchtiger Soldat und demütiger Christ. Er hatte den Wunsch geäußert,

daß man ihm keine andere Grabschrift setzen möge als: »Hier liegt Henry

Lawrence, der versucht hat, seine Pflicht zu thun.«

Gordon, der Held von Khartum · 第 22 / 22 题