Gordon wußte, daß er in den Tod ging, er schrieb verschiedene
Abschiedsbriefe, die ihre Bestimmung erreichten; es sind die Worte
eines, der das dunkle Thal schon vor sich sieht. Seiner Schwester
schrieb er:
»Gott der Herr regiert, und da Er zu Seiner Ehre und unserem Besten
regiert, so geschehe Sein Wille. Ich hin ganz zufrieden und kann mit
Lawrence[16] sagen, ich habe versucht, meine Pflicht zu thun ....
Wenn Gott es einem Menschen geschenkt hat, viel im Umgang mit Ihm zu
leben, so kann der Tod für einen solchen nichts Schmerzliches sein;
ja, was ist der Tod für den gläubigen Christen!«
Es steht wohl auf jeder Seite der Lebensgeschichte dieses Mannes
geschrieben, daß er seinem Gott vertraute -- in seltener Weise
vertraute. Sollte es Leser geben, die fragen, was hat ein Mann wie
Gordon nun vor anderen voraus, hat er nicht in schmählicher Weise, von
Freunden verlassen, von Feindeshand fallen müssen, und der Gott, dem
er vertraute, hat ihm ~nicht~ geholfen? so giebt Gordon selbst
die Antwort darauf in den tiefrührenden Worten an seine Schwester:
»Du darfst nicht vergessen, daß unser Herr niemand versprochen hat,
ihn das Glück und den Frieden in diesem Leben finden zu lassen.
Er hat uns im Gegenteil Trübsal verheißen. Wenn es also ein übles
Ende nimmt nach dem Fleisch, so ist Er dennoch treu. Was Er thut,
geschieht in Liebe, und Sein Erbarmen ist über mir. Mein Teil ist
Ergebung in Seinen Willen, wie dunkel derselbe auch sei.«
Einem fernerstehenden Freund schrieb er:
»Alles vorbei. Ich erwarte die Katastrophe innerhalb zehn Tagen. Es
wäre nicht so gegangen, hätten unsere Leute besser dafür gesorgt, mir
Nachricht zukommen zu lassen. Lebt alle wohl. -- C. G. Gordon.«
Dem Sir Charles Wilson, der ihm mit einem Teil der Entsatz-Mannschaft
die erste Hilfe bringen sollte, schrieb er, er hoffe, daß nach Gottes
Willen die Engländer rechtzeitig kommen könnten, um ihn und andere
zu retten, aber er fürchte, sie würden zu spät kommen; er wisse, daß
Verrat im Anschlag sei, und er könne es nicht hindern. Noch jetzt
stünde es in seiner Macht sich zu flüchten, aber das wolle er nicht;
er werde auf seinem Posten bleiben und nicht zuletzt noch davonlaufen.
Gefangen nehmen lassen werde er sich nicht; also bleibe der Tod.
Und so starb der Held. Die heiße Schlacht war verloren er aber war
dennoch ein Sieger, einer von denen, die gekrönt werden nach dem
Kampf. Daß die unverwelkliche Krone ihm wurde, wer könnte daran
zweifeln! Aber auch eine irdische Krone der Ehren ist ihm behalten,
wie wenigen seines Geschlechts, in der Bewunderung, ja, in der Liebe
von Tausenden, die um ihn trauern wie um einen nahestehenden Freund.
Nicht nur England, die weite Welt erkannte den Verlust. Wie mit
leuchtenden Buchstaben stand es auf einmal vor aller Augen, dieser
Mann war ein Held in unserm Jahrhundert, wie sonst nur Sage und Sang
aus längst vergangenen Zeiten uns von Helden berichten, und er ist
tot! Die Kunde traf England ins Herz. Wer an jenem 5. Februar, der die
Nachricht brachte -- den »schwarzen Donnerstag« hat man ihn seither
genannt -- durch die Straßen von London ging, der konnte auf allen
Gesichtern lesen, daß Trauer auf das Land gefallen war. Seit der
indischen Meuterei hat nichts das Land in ähnlicher Weise erschüttert,
wie der Fall von Khartum. Es war, als handelte es sich für jeden um
einen persönlichen Verlust. Hoch und nieder, reich und arm hatten nur
die eine Klage: Gordon ist tot! Kein König ist je so betrauert worden.
England wußte es jetzt, was es an ihm verlor, und viele Tausende
schlugen dabei an ihre Brust. Was einer seiner Landsleute aussprach,
als es sich um ein Gordon-Denkmal handelte, war die Stimmung des
Volkes seinen Führern gegenüber:
Ein Denkmal unserm Gordon -- gut!
So lang im Nil sich spiegelt Nacht und Tag,
Der in Khartum sich färbte rot mit Blut,
Sei nicht vergessen, wie der Held erlag.
Ja, richtet ihm ein Denkmal auf,
Und wenn in Marmorstein sein Ruhm erblüht,
Schreibt auch als Denkschrift das Bekenntnis drauf:
»Aus Dankbarkeit das Volk, das ihn verriet!«
Nur erwähnt sei die Thatsache, daß am Abend des Tages, der ganz
England mit Trauer erfüllte, einer am andern Morgen erschienenen
Zeitungsnotiz zufolge Gladstone die komische Oper mit seiner
Anwesenheit beehrte! Wie zu erwarten stand, hielt dieser Minister dem
gefallenen Helden Englands einen glänzenden Nachruf im Parlament;
als er aber mit einem namhaften Beitrag dem projektierten Denkmal
beitreten wollte, da lehnten sich Stimmen aus allen Volksklassen
in der Tagespresse dagegen auf. Was das Denkmal für eine Gestalt
annehmen solle, ob die eines Spitals in Port Said, oder in England
-- im Gedanken an Gordons »Prinzen« -- die eines Rettungshauses
für verwahrloste Knaben, darüber ist viel verhandelt worden. Ein
Ehrendenkmal von Stein ist äußerst bezeichnender Weise erst lang
nachher zu stand gekommen. Gordon braucht keines. Am 10. Mai 1886
wurde eine Anstalt unter dem Namen »+The ›Gordon‹ Boys Home+«
eröffnet, in welcher verwahrloste Jungen im allgemeinen, wenn
auch nicht ohne Ausnahme für den Soldatenstand erzogen werden.
Schon im Herbst 1885 wurde ein Anfang dazu gemacht, die nötigen
Mittel flossen aber nur spärlich. Wäre eine ungenannte Dame nicht
mit der schönen Summe von hunderttausend Mark zu Hilfe gekommen,
welche Gabe sie bei der Eröffnung verdoppelt hat, die Anstalt wäre
vielleicht noch heute nicht eröffnet! Wie Gordons Bruder, Sir
Henry Gordon, übrigens treffend bemerkt hat, bestehen in England
bereits gegen fünfhundert derartige Rettungshäuser, und es hätte
dem bescheidenen und praktischen Sinn Gordons mehr entsprochen, die
Zinsen des eingegangenen Kapitals in unmittelbarer Weise für arme
Kinder zu verwenden, wenn man sie in bereits bestehenden Anstalten
untergebracht, oder sonst für ihr Fortkommen gesorgt hätte, wie Gordon
selbst in Gravesend gethan, als eine neue Anstalt zu errichten,
deren bloße Gründung die gezeichneten Mittel verschlingen mußte.
-- Vom englischen Parlament sind auf Wunsch der Königin Viktoria
vierhunderttausend Mark bewilligt worden, die Gordons verwitweten
Schwestern und Schwägerinnen, nach deren Tod aber seinen zahlreichen
Nichten und Neffen zu gut kommen sollen. Für diese Bestimmung diente
sein vor der Abreise nach Khartum verfaßtes Testament als Richtschnur.
Nicht als ob ~er~ viel zu hinterlassen gehabt hätte, nur den Wert
seines Offizierspatents, etwa zwölftausend Mark. Er konnte ja nie
Geld in der Hand behalten, so lang es Hilfsbedürftige gab, und wenn
er gerade bei Kasse war, so war eine ›milde Gabe‹ von zwei oder mehr
tausend Mark nichts ungewöhnliches bei ihm.
Die Lebensgeschichte eines solchen Mannes ist ein Saatkorn im Acker
der Zeit; es wird aufgehen und Frucht bringen, und von Gordon gilt das
Wort: er redet noch, wiewohl er gestorben ist. Die Schönheit eines
solchen Lebens wird von allen anerkannt, selbst von denen, die am
wenigsten die Kraft besitzen, das darin gegebene Vorbild nachzuahmen.
Viele aber werden sich daran aufrichten und suchen, an ihrem Teil
etwas von der Kraft zu gewinnen, die Gordon stark machte. Im Kampf
stehen wir alle. Helden im großen Sinn können nicht alle sein; aber
die Selbstaufopferung, die Demut, die kerngesunde Aufrichtigkeit
des Mannes können auch andere erreichen. Das Wunderbare bei Gordon
war, daß der natürliche Mannesmut seines Wesens mit der christlichen
Demut eins wurde und ihn zum idealen Menschen gestaltete. Es ist ein
Beweis, daß das Christentum die natürliche Eigenart des Menschen
nicht vernichtet, sondern sie veredelt und zu ihrer schönsten Blüte
bringt. Und bei Gordon hat sich dies so völlig bewährt, daß ihm nicht
leicht ein ebenbürtiger Charakter an die Seite zu stellen ist. Wir
blicken auf und nieder in der Geschichte der Völker, wo finden wir
einen, in dem jede Gestalt der Selbstsucht so völlig unterdrückt war,
der in all seinem Denken und Thun nur um andere sorgte? wo einen,
der es sich so ernstlich angelegen sein ließ, sein Leben nach dem
Willen Gottes in der Nachfolge Christi zu gestalten? wo einen, der den
seltenen Mut in solchem Maße besaß, sich um Menschenurteil nicht zu
kümmern, wo es mit der Stimme des Gewissens oder dem Wort der Schrift
im Widerspruch steht? Reichtum, Ehre, die Würde hoher Stellung,
alles galt ihm nichts, oder doch nur so viel als er glaubte, dadurch
Gelegenheit zu finden, Gutes zu vollbringen. Von dem Verlangen, sich
einen guten Namen zu machen, das sonst auch vortrefflichen Menschen
selbst dann noch anhängt, wenn gröbere Gebrechen überwunden sind, war
er völlig frei. Sein einziger Ehrgeiz, wenn man es so nennen kann,
war der Wunsch, seinem Gott zu dienen und seinen Mitmenschen Gutes
zu thun. Und wie viel ließe sich von seinen anderen Eigenschaften
sagen, seinem unerschöpflichen Humor, seinem frischen Sinn, seiner
unendlichen Thatkraft, seinen Mut, seiner Tapferkeit, seiner
Menschenfreundlichkeit, seiner hochherzigen Treue! Ja, es ließe sich
das ganze Register menschlicher Tugenden aufzählen, und man hätte nur
wenige Gebrechen seines Wesens dagegen zu stellen, obschon er selbst
der erste war, sich mit Paulus unter den Sündern den vornehmsten zu
nennen.
Es war nicht möglich, die Lebensgeschichte dieses Mannes zu schreiben,
ohne hervorzuheben, welch rückhaltlose Bewunderung er verdient.
Gordon selbst sagte einmal, und gewiß mit voller Aufrichtigkeit:
Lieber tot sein, als gelobt werden! Die edelsten Handlungen seines
Lebens hat er so angesehen, als ob sie sich von selbst verstünden;
sie waren auch nichts anderes, als die natürliche Frucht seines vom
Christentum durchdrungenen Wesens, und in diesem Sinn allerdings
selbstverständlich. Es ist gesagt worden, daß Gordon ein idealer
Mensch gewesen sei, der nicht recht ins neunzehnte Jahrhundert paßte;
wenn dem so wäre, dann müßte man das Jahrhundert bedauern und die
Menschen, die darin leben. So viel ist sicher, Gordon war einer von
den wenigen, die den Mut haben, ihr Ideal in allen Dingen, in jeder
Lage zur Geltung zu bringen, d. h. so zu leben, wie er es mit seinem
innersten und besten Wesen als gut erkannte. Gäbe es doch viele
Idealisten in diesem Sinn!
Es gehört mit zu den Rätseln des Lebens, warum Menschen wie Gordon
oft in der Fülle ihrer Kraft abgerufen werden. Er war fast auf den
Tag zweiundfünfzig Jahre alt; wie viel hätte er noch hier thun können
beides zur Ehre Gottes und zum Besten seiner Mitmenschen! Aber, wie
Staupitz einst zu Luther sagte, es braucht der Herr auch in der andern
Welt tüchtige Leute, und wenn Er hier Arbeit für solche hat, nicht
minder dort. Der Himmel ist nicht nur ein Land der Harfen und Kronen
und des Ruhens von allem Jammer der Zeitlichkeit; wohl das, aber
er ist auch ein Land des völligeren Gottdienens, wo es, um mit den
Worten des Gleichnisses zu reden, Städte zu verwalten giebt, was diese
nun sein mögen. Und als Gordon aus dem Kampf seines Lebens in die
Wohnungen des Friedens einging, wird er wohl die Stimme seines Herrn
vernommen haben, die zu ihm sagte:
»=Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu
gewesen, ich will dich über viel setzen. Gehe ein zu deines Herrn
Freude.=«
[Illustration]
Fußnoten:
[1] englische Meilen = 45 Kilometer.
[2] Die Sohnestreue des Mannes giebt sich öfter kund. Ein Missionar,
der ihn im Sudan kennen lernte, sagt unter anderem: »Es ist seine Art,
rasch von einem Gegenstande zum andern überzugehen. Mitten im Gespräch
unterbrach er mich z. B. mit der Frage: Haben Sie an Ihre Mutter
geschrieben? Und auf meine bejahende Antwort fuhr er fort: Das ist
recht; lassen Sie nur immer Ihre Mutter wissen, wie's Ihnen geht. Wie
lieb hat meine Mutter mich gehabt!«
[3] Schon vor Sebastopol hatte Gordon hievon einen Beweis gegeben.
Er kam einmal dazu, wie ein Korporal seine Leute zum Aufwerfen einer
Schanze mitten in den Kugelregen schickte, während er selbst gedeckt
stand. Gordon sprang ohne ein Wort zu sagen hinzu und legte mit den
Soldaten selbst Hand an. »Man muß die Leute nie etwas thun heißen,
wovor man sich selbst scheut,« belehrte er nach vollbrachter Arbeit den
Korporal.
[4] »+Soldier of fortune+« sagte die Times -- »Held von Gottes Gnaden«
wäre richtiger.
[5] Von Heinrich +IV.+ zur Belohnung für ausgezeichnete Kriegsdienste
gestiftet und so benannt, weil die Ritter als Sinnbild ihrer geistigen
Reinigung vor der Aufnahme ein Bad nehmen mußten.
[6] »Die ihn angeschmiert haben,« sagte ein Armer, »haben's selber am
meisten bereut, wenn sie merkten wie gut er war; und erst recht leid
mußte es ihnen thun, als sie hörten, er sei tot!«
[7] Obschon ein Kriegsheld wie wenige, so war er's doch keineswegs
aus Liebe zum Krieg. Er selbst sagt: »Die Leute irren sich, wenn sie
meinen, ein Krieg sei etwas Glorreiches. Es ist nichts anders als
organisierter Totschlag, Plünderung, Grausamkeit. Und es sind nicht die
Soldaten, auf die die schlimmste Last fällt, sondern Frauen und Kinder
und alte Leute. Man mag's betrachten wie man will, so ist der Krieg ein
rohes, grausames Handwerk.«
[8] Diese etwas eigentümliche Begrüßungsformel beschreibt der englische
Afrikareisende Petherick folgendermaßen: »Der Häuptling ergriff meine
rechte Hand und spuckte herzhaft hinein; dann blickte er mir ernsthaft
ins Gesicht und wiederholte die Zeremonie mit aller Umständlichkeit.
Im ersten Augenblicke stand ich verblüfft, dann erfaßte mich ein
wütendes Verlangen, den Menschen durchzuprügeln; er guckte mich aber so
leutselig an, daß ich statt der ihm zugedachten Züchtigung mich damit
begnügte, ihm seinen Gruß mit gleicher Münze heimzugeben, und zwar mit
reichlichen Zinsen. Da überkam ihn eine gewaltige Freude: ich müsse ein
großer Häuptling sein! sagte er zu seinem Hofstaat.«
[9] Sir Samuel Baker erzählt in seinem Buch »Ismailia«, daß der Thron
der Könige von Unyoro aus einem sehr kleinen und alten, aus Holz und
Kupfer verfertigten Stuhl besteht, der seit Generationen von König auf
König übergeht und als ein Talisman gilt. Gelänge es einem Feind, des
Stuhles habhaft zu werden, so würde der König so lange aller Autorität
verlustig sein, als der kostbare Sessel nicht wieder zurückerobert
würde. Der König und sein Sitz sind deshalb fast unzertrennlich; wo er
hingeht nimmt er ihn mit.
[10] Als Streiflicht hierzu dient folgendes: Gordon schreibt auf dem
Weg nach Kairo anläßlich der von ihm nicht gebilligten Anstellung
eines jener europäischen ›Mitregenten‹: -- »Ich habe meinen Gehalt von
hundertzwanzigtausend Mark auf die Hälfte herabgesetzt; ich habe genug
mit sechzigtausend Mark, und die andern sechzigtausend können dem Land
das wieder ersetzen, was diese Anstellung kostet. Aber ich fürchte,
ich thue dies mehr aus Zorn als in Liebe ... Je älter man wird, um so
besser lernt man so an seinen Nebenmenschen handeln, als wären sie
leblose Gegenstände, d. h. für sie thun was man kann, ohne sich im
geringsten darum zu kümmern, ob sie es einem Dank wissen oder nicht. So
handelt Gott gegen uns. Er läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.
Dank findet er selten; im Gegenteil, er wird selbst meist vergessen.«
[11] Der ungenügende Zustand des Gesetzes ergiebt sich aus folgender
Mitteilung Gordons: »Ich besitze vier Erlasse, 1. einen persönlichen
Befehl des Khedive, alle Sklavenhändler mit dem Tod zu bestrafen; 2.
den Vertrag (zwischen der englischen und ägyptischen Regierung, zur
Unterdrückung des Sklavenhandels, Alexandrien 4. August 1877), welcher
Sklavenjagd als Raub, beziehentlich als Raubmord kennzeichnet; 3. eine
gleichzeitige Verordnung des Khedive, welche dieses Verbrechen mit
Gefängnis von fünf Monaten bis zu fünf Jahren bestraft haben will;
4. ein Telegramm des Nubar Pascha folgenden Wortlauts: >Der An- und
Verkauf von Sklaven in Ägypten ist gesetzlich gestattet‹«!
[12] Mit welcher Klarheit Gordon in die Zukunft sah, ergiebt sich
aus diesem im April 1879 geschriebenen Satz: »Wenn die Befreiung
der Sklaven i. J. 1884 im eigentlichen Ägypten stattfindet, und die
Regierung in ihrem gegenwärtigen System verharrt, dann ist ein Aufstand
hier (im Sudan) zu erwarten; unsere (die englische) Neuerung aber
schläft ruhig weiter, bis es zu spät ist, und dann handelt man +à
l'improviste+.«
[13] Die abessinische Kirche erhält seit Jahrhunderten ihren Abuna
von der koptischen Kirche in Alexandrien; durch die Mißhelligkeiten
zwischen den Regierungen entbehrte Abessinien zur Zeit dieses
Würdenträgers und der König hatte niemand, der ihm seine Feinde
exkommunizierte.
[14] Leider hat in letzter Zeit der Branntweinhandel im Basutoland
Eingang gefunden mit traurigen Folgen für die Eingebornen. Nicht
ernstlich genug kann es den europäischen Regierungen, die in Afrika
Einfluß gewinnen, ans Herz gelegt werden, diesem verderblichen Handel
möglichst zu steuern. Das ist doch der geringste »Schutz,« den die
europäischen Machthaber den unwissenden Eingebornen Afrikas angedeihen
lassen können!
[15] Gordons Aufzeichnungen, oder richtiger Stewarts Tagebuch aus
dieser Zeit, das, wie Gordon in seinen »Tagebüchern« bemerkt, auch
als ~sein~ Tagebuch anzusehen sei, ist, wie späterhin ersichtlich,
dem Mahdi in die Hände gefallen, weshalb über diese fünf Monate nur
spärliche Berichte vorliegen.
[16] Sir Henry Lawrence, der in Indien vorzügliche Dienste leistete
und während der Meuterei bei der Verteidigung von Laknau fiel -- ein
tüchtiger Soldat und demütiger Christ. Er hatte den Wunsch geäußert,
daß man ihm keine andere Grabschrift setzen möge als: »Hier liegt Henry
Lawrence, der versucht hat, seine Pflicht zu thun.«