An Härte dem Porzellan nahekommend, aber weder dessen feine
durchscheinende Masse noch dessen Widerstandsfähigkeit gegen raschen
Temperaturwechsel aufweisend, bildete das Steinzeug in Deutschland
bereits im Mittelalter ein beliebtes Material für Trink- und
Schenkkrüge. Die Gegend von Koblenz bis Köln, wo sich die geeignetsten
Tonlager für diese Ware befinden, war mit ihren Hauptorten Höhr,
Grenzhausen, Siegburg, Köln, Frechen und Raeren im XVI. und XVII.
Jahrhundert der Mittelpunkt ihrer Fabrikation. Die Masse brannte sich
weiß, grau oder braun und erhielt eine einfache Salzglasur, das heißt
in einem bestimmten Stadium des Brandes wurde Kochsalz in den Ofen
geworfen, das Chlor entwich als Chlorwasserstoff, und das Natrium
verband sich mit der Kieselsäure des Tones und bildete eine dünne
Glasur. Aufgelegte Reliefverzierung, den Vorbildern deutscher und
französischer Kleinmeister folgend, und mit eingepreßten Zierformen
abwechselnd, bildeten das Charakteristische dieser Arbeiten. Sie
sind in den folgenden beiden Schränken ausgestellt. In der obersten
Reihe des nächst dem Pfeiler befindlichen Schrankes finden wir
Westerwälder und Raerener Krüge darunter einen Schnabelkrug nach einem
Modell von Hans Hilgers, einen Musketierkrug, einen besonders großen
Steinkrug, in der Mitte, und einen Raerener Krug mit Bauerntanz. Die
darunter befindliche Reihe besteht aus weißen Siegburger Krügen
vom Anfang bis über die Mitte des XVI. Jahrhunderts, beginnend mit
den frühen Trichterbechern. In der Mitte zwei prächtige Schnellen
mit figuralem Reliefschmuck, am Schluß der Reihe ein Birnkrug des
Meisters Anno Knütgen mit dem kursächsischen Wappen, datiert 1574. In
der folgenden Reihe spätere niederrheinische Krüge, in der Mitte ein
Westerwälder Sternkrug. Zu unterst Steinzeuggefäße des XVII. und XVIII.
Jahrhunderts, darunter zwei Perlenkrüge aus Sachsen-Altenburg.
Im folgenden Schranke in der obersten Reihe zwei sogenannte
Trauerkrüge mit Kerbschnitt aus Freiberg in Sachsen. Anschließend
oben und an der einen Langseite die dunkelbraunen Krüge aus Kreußen
bei Bayreuth. Darunter zwei Apostelkrüge, ein Jagdkrug und einer
mit den vier Kirchenvätern. Charakteristisch ist ihre niedere Form
und der mit Emailfarben und Gold bemalte Reliefdekor. An der andern
Langseite besonders hübsche braune Steinzeugkrüge aus Raeren und
Köln: Sündenfall-Schnelle, Krug mit Bauerntanz, Schnelle mit den
drei göttlichen Tugenden aus der Eigelstein-Werkstatt und andere. In
der folgenden Reihe ein Meckenheimer Maßkrug und andere größtenteils
niederrheinische Trinkkrüge des XVII. und XVIII. Jahrhunderts, die in
der untersten Reihe, wo auch das Steinzeug aus Marburg in Hessen und
aus Bunzlau in Preußisch-Schlesien vertreten ist, ihre Fortsetzung
finden.