BIBLIOTHEK.

Die Bibliothek des Österreichischen Museums enthält als Fachbibliothek

solche Werke, welche sowohl durch Abbildungen als durch historische,

künstlerische oder wissenschaftliche Erläuterungen die Zwecke des

Museums zu fördern geeignet sind. Sie besteht aus zwei Abteilungen, aus

der eigentlichen Büchersammlung und aus der Sammlung von Kunstblättern.

Die letztere umfaßt eine reichhaltige Sammlung von Ornamentstichen aus

der Zeit vom XV. bis XVIII. Jahrhundert[26] und eine Vorbildersammlung,

bestehend aus Einzelabbildungen von vorzugsweise kunstgewerblichen

Arbeiten aller Art in Originalzeichnungen, Kupferstichen,

Holzschnitten, Lithographien und photomechanischen Druckverfahren.

Eine spezielle Erwähnung verdient die stattliche Anzahl von

Fachzeitschriften, welche in einem eigenen Zeitschriftenlesesaale

(dem ehemaligen Vorlesesaale) dem Publikum auf die bequemste Art

zugänglich sind, ferner die bedeutende Sammlung von kunsttheoretischen

und kunsttechnischen Schriften, von Schreib- und Zeichenbüchern aus

dem XVI. bis XVIII. Jahrhundert, von Kostümwerken und die kostbare

Kollektion von Original-Stick- und Spitzenmusterbüchern aus dem XVI.

und XVII. Jahrhundert. Weiters enthält die Büchersammlung eine große

Zahl von Abbildungswerken aus den Gebieten der Architektur, Skulptur

und Malerei und eine lange Reihe der besten Vorlagenwerke für sämtliche

Zweige des Kunstgewerbes.

Den Grundstock der Kunstblättersammlung bildet die im August 1863

erworbene Kollektion von Ornamentstichen aus dem Besitze des

Kunsthändlers W. Drugulin in Leipzig, bestehend aus 5000 Blättern nebst

87 Kunstbüchern aus dem XVI. bis XVIII. Jahrhundert.

[Illustration: Ornament von Aldegrever]

[Illustration: Ornament von H. S. Beham]

[Illustration: Ornament von B. Beham

(aus der Ornamentstichsammlung)]

[Illustration: Ornamente von Virgil Solis

(aus der Ornamentstichsammlung)]

Diese Sammlung wurde seither durch Einzelankäufe auf mehr als das

Dreifache vermehrt und ist gegenwärtig in zwölf Gruppen angeordnet,

deren erste das Ornament im allgemeinen umfaßt und dessen

Stilwandlungen vom Ende des XV. Jahrhunderts bis zur Zeit Ludwigs

XVI. vor Augen führt; daran schließen sich in Gruppe II Stick- und

Spitzenmuster und Kostümdarstellungen und weiters in den Gruppen

III bis XII verschiedene mustergültige Vorbilder für die einzelnen

Zweige des Kunstgewerbes, als: Mobilien, Schmiede- und

Schlosserarbeiten, Waffen, Uhren, Goldschmiedearbeiten, Gefäße und

Geräte, Heraldik u. s. f.

[Illustration: Goldschmiedornamente von Johannes Hanias

(aus der Ornamentstichsammlung)]

[Illustration: Niellierte Goldschmiedverzierung von Jean Vovert

(aus der Ornamentstichsammlung)]

[Illustration: Goldschmiedornamente von Abraham de Bruyn

(aus der Ornamentstichsammlung)]

Besonders reich ist die Sammlung an Blättern der sogenannten

Kleinmeister in der Gruppe der allgemeinen Ornamente, dann an Entwürfen

für in Email oder Niello auszuführende Goldschmiedeverzierungen,

an Vorbildern für getriebene Gefäße, an Entwürfen für Juweliere

und an heraldischen Musterblättern, zu welchen auch eine im

Jahre 1878 angelegte Kollektion von verzierten Buchhändler- und

Buchdrucker-Signeten zu rechnen ist.

Hierzu kommt noch eine schöne Sammlung von etwa 14.000 Blättern

Initialen aus deutschen, französischen, italienischen und

niederländischen Druckwerken des XV. bis XVIII. Jahrhunderts. Der

größte Teil dieser Sammlung. 12.631 Blätter, wurde im September 1867

aus dem Besitze des Glasmalers H. von Holtorp in London erworben.

Der übrige Teil der Kunstblättersammlung besteht aus

Originalzeichnungen und Abbildungen von Kunst- und kunstgewerblichen

Objekten in Photographie, Lithographie etc. und ist nach Gegenständen

geordnet. Die größte und wertvollste Bereicherung erhielt dieser

Teil der Museumsbibliothek im Jahre 1866 durch die Überweisung der

Fachbibliothek der aufgelassenen k. k. Porzellanmanufaktur. In der

hierdurch in den Besitz des Museums gelangten, 5757 Blätter zählenden

Mustersammlung der Fabrik waren auch 1438 Blätter Originalzeichnungen,

Entwürfe zu Tassen, Tellern und verschiedenen andern Gefäßen sowie für

deren Verzierung enthalten.

Einen sehr wertvollen Bestandteil der Kunstblättersammlung bildet eine

Kollektion von Originalaufnahmen, Federzeichnungen und Aquarellen,

welche die Direktion des Museums im Laufe der Jahre nach Kunstwerken,

welche dem Institut zur leihweisen Ausstellung überlassen wurden, mit

Zustimmung der Besitzer anfertigen ließ.

Der gesamte Bestand der Bibliothek betrug am Jahresschlusse 1913:

Büchersammlung zirka 41.000 Bände

Kunstblättersammlung, und zwar:

Ornamentstiche 15.873 Blätter

Initialen 14.000 „

Originalzeichnungen, Photographien etc. 45.670 „

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Zusammen 75.543 Blätter

Führer durch das k. k. österreichische Museum für Kunst und Industrie · 第 54 / 89 题