Die Bucheinbände des späten Mittelalters bestehen meistens aus
Holztafeln, die mit kostbarem Stoffe oder mit Leder überzogen sind.
Dieses wird durch mit dem Falzbein in das Leder gezeichnete Linien
in Felder geteilt, in denen dann mittels Stanzen Ornamente blind
eingepreßt werden. Es gab noch eine andere Art der Blindpressung, die
mittels Plattenstempel (Stöcke), der sogenannte Plattendruck; seltener
wurden die Ledereinbände durch Schneiden, Ritzen, Punzen etc. verziert.
Um den Einband vor dem Abnützen zu schützen, werden Buckeln oder
Ecken aus Metall angebracht, oft wird das Buch mittels einer Schließe
verschlossen.
Im XVI. Jahrhundert waren in Deutschland die weißen
Schweinsledereinbände sehr beliebt, deren Pressungen in Stockdruck oft
große Feinheit in der Zeichnung zeigten. Häufig wurde in der Mitte ein
Ornament (oft auch ein Wappen) angebracht und die Ränder mit Streifen
geschmückt, die durch wiederholtes Nebeneinandersetzen von Stempeln
entstanden und sich in den Ecken ohne Rücksicht auf das Ornament
überschnitten oder tot liefen.
In der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts findet in Deutschland
eine neue Art der Dekoration, die Handvergoldung in Verbindung mit
Plattendruck, von Italien her Eingang und gewinnt immer größere
Verbreitung.
Häufig werden die so gezierten Einbände noch durch Bemalung geschmückt.
Auch in Frankreich wird diese Art der Buchverzierung übernommen und
geübt, bis in den Einbänden um 1600 eine neue Art des Schmuckes durch
kleine Zweige, Blättchen, Spirallinien und dergleichen allgemeine
Verbreitung findet. Eine weitere Neuerung ist das meistens in Gold
aufgepreßte Spitzenmuster und die Dekoration mittels Punktstempels, so
zwar, daß alle Linien und Ornamente durch zahlreiche aneinandergefügte
Punkte entstehen.
In allen Ländern und ungeheuer häufig wird um diese Zeit das
Fächermuster, so genannt wegen der strahlenförmigen Anordnung der
einzelnen Motive, verwendet. Im XVIII. Jahrhundert beschränkt sich die
Dekoration eines Einbandes vorzüglich auf den Schmuck der Ecken und der
Mitte des Deckels. Laub- und Bandwerkmuster, sowie die Blumengewinde
des Rokokos werden auf das meistens rote Leder aufgepreßt und häufig
Malerei zum Schmucke des Bandes verwendet.
In den Vitrinen sind die Bucheinbände nach Ländern geordnet,
Deutschland, Frankreich, England und Italien. Auch einige moderne
Bucheinbände sind ausgestellt.