Von älteren Bortenwirkereien wären besonders die sogenannten
sizilischen und die Kölner Arbeiten hervorzuheben, von denen erstere
noch in romanische, letztere in gotische Zeit fallen.[24]
Vereinzelt sind auch durchbrochene Posamenterien des Mittelalters
erhalten; reicher treten diese und die bortenartigen aber erst mit
dem XVII. Jahrhunderte auf. In späterer Zeit, besonders zu Anfang
des XIX. Jahrhunderts, gehört Wien zu den Hauptpflegestätten dieses
kunstgewerblichen Zweiges, und es sind ziemlich viele Proben hiervon in
der Sammlung enthalten.
Nebenabteilungen der Textilsammlung bilden eine kleine Kollektion von
gepreßten und bemalten Ledertapeten und derartigen Lederornaten (des
XVII. und XVIII. Jahrhunderts) und eine Sammlung von Papiertapeten;
unter diesen wären besonders einige Friese von Moquin (1809)
hervorzuheben.
Auch besitzt das Museum eine große Anzahl alter hölzerner Model für den
Stoffdruck und Darstellungen verschiedener Stadien wichtigerer und
seltenerer Techniken, wie der alten indischen Batikerzeugung.[25]
Zur Erläuterung der früheren Verwendung von Stoffen, Stickereien
und insbesondere von Spitzen ist auch eine Sammlung von Bildnissen
angelegt, die bemerkenswerte Kostüme aus der Zeit des XVII., XVIII.
und XIX. Jahrhunderts zeigt; doch konnte wegen Raummangels bisher nur
ein Teil des Vorhandenen zur Ausstellung gebracht werden. Besonders
hervorheben wollen wir ein Damenbildnis in der Art des Lely, das eine
besonders merkwürdige Tragart der Spitzen im XVII. Jahrhundert erkennen
läßt (Saal VI) oder ein Kinderbildnis aus der späteren Louis XIV-Zeit,
das ein Kleid aus schabloniertem ostasiatischen Stoffe zeigt.
Der Verbindungsgang vom alten zum neuen Hause im ersten Stocke wird
gewöhnlich zur Ausstellung von Leihgaben oder Neuerwerbungen der
Textilsammlung verwendet.
[Illustration: ERSTES STOCKWERK.
A. Bibliothek. B. Sitzungssaal. C. Orientalisches Zimmer. D. Bureau des
Direktors.]
[4] Bei den Tapisserien wird der Schuß nicht wie bei den sonstigen
Geweben prinzipiell durch die ganze Breite der Stücke geführt,
sondern nur so weit, als es die einzelne Farbe für das Muster
erfordert. Als kunstvolle Arbeit ist diese Handweberei älter als
die höher ausgebildete eigentliche Weberei. Sie ist zwar während
der Ausführung als Handarbeit schwieriger, bedarf aber nicht so
kunstvoller Vorbereitungen wie die eigentliche Weberei, sobald diese
reichere Muster geben will. Die tapisserieartige Handweberei ist auch
heute noch als Volkskunst im Oriente, bei den Südslawen und anderswo
üblich; die noch zu besprechenden ägyptischen Funde sind zumeist in
dieser Art ausgeführt.
Der bei uns übliche Ausdruck „Gobelin“ bezieht sich eigentlich nur
auf französische Arbeiten der „Manufacture des Gobelins“.
[5] Und in der Porzellanabteilung: Widmungen von Karl und Rosalia
Goldschmidt in Wien.
[6] „Erstürmung einer Minneburg“ und „wilde Männer bei verschiedenen
ländlichen Arbeiten“. Die wilden oder Waldmänner suchen in der Poesie
und bildenden Kunst des späten Mittelalters eine Art Naturzustand zu
versinnlichen, wie später das Hirtenleben im XVIII. Jahrhundert. Vgl.
Jakob von Falke, Mitteilungen des k. k. Österreichischen Museums. N.
F. VII, S. 105 ff.
[7] Der eine mit einer Variante der Schwanenrittersage. Die Arbeiten
stammen aus einer abgebrannten Krakauer Kirche. Eine dieser
Tapisserien zeigt noch Brandspuren.
[8] Darstellungen aus der Geschichte des verlorenen Sohnes.
[9] „Gastmahl der Dido“, ein Geschenk des Freiherrn Albert von
Rothschild.
[10] Geschichtlich nicht unwichtig sind auch zwei kleinere Arbeiten
mit Darstellungen aus der Geschichte von Amor und Psyche nach
Apulejus, französische Erzeugnisse der Louis XIII- oder der frühen
Louis XIV-Zeit.
[11] Jedoch zumeist auch auf der Rückseite sichtbar.
[12] Riegl, A., Die ägyptischen Textilfunde im k. k. Österr. Museum.
Allgemeine Charakteristik und Katalog. Mit 13 Tafeln. 1889. --
(Aufsatz von M. Dreger in „Kunst und Kunsthandwerk“, 1911, S. 239 ff.)
[13] Wollstoffe sind wohl größtenteils auch durch Mottenfraß zerstört
worden; immerhin finden sich in der Sammlung selbst einige spätantike
vor. -- Die meisten frühen Stoffproben entstammen der Sammlung des
Kanonikus Bock, die unmittelbar nach Gründung des Museums erworben
werden konnte. Doch ist auch diese Abteilung seither vielfach ergänzt
worden.
[14] Eine solche ist mit besonderer Rücksicht auf die Sammlung des
Museums von M. Dreger als „Künstlerische Entwicklung der Weberei
und Stickerei“ (Wien 1904) erschienen, und weiter in zahlreichen
Aufsätzen in „Kunst und Kunsthandwerk“ ergänzt worden. Seither wurde
die Sammlung besonders in den bis dahin weniger gepflegten Gebieten
der Barock-, Rokoko- und klassizistischen Kunst ergänzt; doch wurden
auch andere wichtige Erwerbungen gemacht. Wo die neuere Forschung
(neuerdings O. v. Falke) zu abweichenden Ergebnissen gelangt ist, ist
dies an den Gegenständen verzeichnet.
[15] Wir erwähnen, daß der Goldfaden der späteren mittelalterlichen
Gewebe zumeist aus einem Leinen- oder Seidenfaden besteht, der
mit einem schmalen Streifen vergoldeten Häutchens umgeben ist
(„cyprisches Gold“). Vom XV. Jahrhundert an nimmt der Gebrauch des
heute üblichen Goldfadens (mit umsponnener vergoldeter Metallamelle)
zu, wodurch die Stoffe glänzender, aber auch steifer werden, +eine+
Ursache des Wandels im Schnitte der Kirchengewänder. Auch diese
Änderung der Meßgewandformen läßt sich übrigens in der Sammlung des
Museums verfolgen.
[16] Durch die seefahrenden Völker, besonders durch die Holländer
kamen auch viele original-ostasiatische Stoffe in unsere Länder oder
es wurden europäische Muster nach Ostasien in Arbeit gegeben, wofür
die Sammlung bemerkenswerte Beispiele enthält. -- Besonders kamen
auch +bedruckte+ persische, indische und ostasiatische Gewebe nach
Europa.
[17] Besonders sei hingewiesen auf eine Dalmatika, die zu den
schönsten erhaltenen Webereien der Florentiner Frührenaissance gehört
und auf eine Kasel aus prächtigem spanischen Renaissancestoffe (mit
spanischer Lasurstickerei, siehe unten). Bemerkenswert ist auch eine
italienische Kasel aus der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts mit
einem, teilweise mit der Schere aufgeschnittenen, Ornamente.
[18] Bemerkenswert sind auch drei große Wandbespannungen
ostasiatischer Herkunft, mit Modeln gedruckt und der Hand bemalt, von
der Art, wie sie im XVIII. Jahrhundert in österreichischen Schlössern
vielfach verwendet wurden. Ein Stück trägt einen (Einfuhr-) Stempel
von 1731.
[19] Vgl. die Rekonstruktion in „Kunst und Kunsthandwerk“, XI, S. 613
ff.
[20] Große Antependien u. a. in Saal VI und VII.
[21] Vgl. M. Dreger, „Zeitschrift für christliche Kunst“, Köln 1906,
S. 391 ff.
[22] Ein Teil ist abgebildet in der „Entwicklungsgeschichte der
Spitze“ von M. Dreger, 2. Auflage, Wien (A. Schroll und Cie.) 1910.
[23] In Alençon wurden, urkundlich erwiesen, alle Arten von
Nähspitzen erzeugt; doch nennt man Spitzen mit umwickeltem Netzgrunde
gewöhnlich Argentan.
Die Brüsseler Spitzen (alter Art) bestehen aus getrennt geklöppelten
Formen, die dann erst zusammengearbeitet werden; meist ist der Rand
der Formen dabei durch Überschlagen der Fäden verdickt. Die Mechler
Spitzen (Malines) sind in Einem gearbeitet (nicht mit besondern
Fäden für Form und Grundnetz), haben aber einen dickeren glänzenden
Konturfaden eingeschlagen; die Valenciennes verzichten auf diesen
und zeigen besonders dichte Bindung. Diese Formen und Namen können
auch nach alten Urkunden geschieden werden; zahlreiche sonst übliche
Bezeichnungen beruhen meist nur auf Konvention. In Brüssel wurde
übrigens auch mit der Nadel gearbeitet, und es mag ein großer Teil
der gewöhnlich als französisch bezeichneten Spitzen dorther stammen.
Über „point d’Angleterre“, „Pottenkanten“ etc. s. a. a. O.
[24] Nebenbei erinnern wir hier an gewisse sizilische oder verwandte
tapisserieartige Gewebe der romanischen Zeit, von denen das Museum
einige bemerkenswerte Beispiele besitzt.
[25] Stoffdrucke (patronierte Stoffe usw.) sind in größerer Zahl
vorhanden, auch schon aus dem europäischen Mittelalter.