[C] Der Warmraum ist fälschlicherweise von ~Du Cange~ und ~M

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1906 so weit

wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Offensichtliche Fehler

wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr

verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert.

Seitenüberschriften wurden als Randnotizen in diese Ausgabe

übernommen, mit Ausnahme der ganzseitigen Abbildungen und

Fortsetzungen vorhergehender Randnotizen.

Die im Original mit Sternchen (*) markierten Fußnoten auf den

jeweiligen Seiten werden in der vorliegenden Bearbeitung am Ende

eines jeden Kapitels zusammengefasst. Dabei werden diese mit

Großbuchstaben fortlaufend alphabetisch geordnet, jeweils wieder

mit dem Buchstaben [A] beginnend. Die nummerierten Anmerkungen

(z.B. [427] finden sich als Endnoten im Kapitel ‚Literatur‘ mit der

Nummerierung 1. bis 700. wieder. Letztere sind im fortlaufenden Text

nicht zwangsläufig numerisch geordnet, sondern orientieren sich an

ihrer jeweiligen Position in der Literaturliste.

Die Berichtigungen am Ende des Buches wurden bereits in den Text

eingearbeitet.

Besondere Schriftvarianten werden im vorliegenden Text mit Hilfe der

folgenden Symbole gekennzeichnet:

kursiv: _Unterstriche_

Kapitälchen: ~Tilden~

gesperrt: +Pluszeichen+

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ALFRED MARTIN

DEUTSCHES BADEWESEN

IN VERGANGENEN TAGEN

NEBST EINEM BEITRAGE ZUR GESCHICHTE

DER DEUTSCHEN WASSERHEILKUNDE

MIT 159 ABBILDUNGEN NACH ALTEN HOLZSCHNITTEN

UND KUPFERSTICHEN

[Illustration]

VERLEGT BEI EUGEN DIEDERICHS IN JENA 1906

INHALTSVERZEICHNIS

Seite

Das deutsche Bad von der Urzeit bis zur Zeit der Karolinger 1

Badebräuche, die dem Urgermanentum entstammen 10

Baden und Schwimmen unter freiem Himmel 39

Die ehehaften Badestuben und das Badergewerbe 64

Die privaten Bäder 102

Die Vorgänge in den öffentlichen Badestuben 144

Badeleben im späteren Mittelalter und in nachmittelalterlicher

Zeit 172

Rückgang und Aufhören der öffentlichen Badestuben, Ersatz

derselben in der Neuzeit 196

Die deutschen Mineralbäder im Mittelalter und die aus diesem in

die Neuzeit hinübergenommenen Badegebräuche 222

Die Gesundbrunnen in nachmittelalterlicher Zeit bis zum

Dreißigjährigen Kriege 272

Die deutschen Mineralbäder seit dem Dreißigjährigen Kriege. Die

Wasserheilkunde 352

Nachtrag 399

Literatur 408

Verzeichnis der Abbildungen 433

Namenregister 439

Ortsregister 445

DAS DEUTSCHE BAD / VON DER URZEIT / BIS ZUR ZEIT DER KAROLINGER

Tacitus berichtet uns in seiner Germania, „daß die Germanen gleich nach

dem Schlafe, den sie meistens bis in den Tag hinein ausdehnen, sich

öfters baden in warmem Wasser, weil bei ihnen die meiste Zeit über

Winter ist“[1]. Welcher Art das warme Bad war, können wir nur vermuten.

Vielleicht handelte es sich um ein Wasserbad, das durch Hineinwerfen

von heißen Steinen erhitzt wurde, eine Methode, der sich Mitte des

19. Jahrhunderts die Tiroler an der Val-Sinistra-Quelle in Graubünden

noch bedienten, während die Einheimischen längst mitgebrachte

Kessel benutzten[2]. Die Sprachwissenschaft hat uns jedoch gezeigt,

daß das Wort Stube, das erst in späterer Zeit für ein heizbares

Zimmer gebraucht wird, mit dem althochdeutschen stiuban, stioban =

stieben und stoup = Staub, auch stiebendes Wasser zusammenhängt und

ursprünglich eine einfache Vorrichtung zur Erzeugung von Wasserdampf

bezeichnete. Dann ging der Name auf das Badehaus über. Die Deutschheit

und ursprüngliche Bedeutung dieses gemein germanischen Wortes, das

nur gotisch nicht überliefert ist (aber altnordisch, angelsächsisch,

althochdeutsch vorkommt), ist völlig sicher, sagt ~Moritz Heyne~[3].

Durch Goten und Langobarden kam der Name nach Italien (stufa) und wurde

auch von den Slaven übernommen (litt. stuba, altslav. istuba) und damit

auch die Einrichtung der Badestube.

Die erste Erwähnung findet die Badestube in den alten germanischen

Volksrechten. In der noch zur Merovingerzeit entstandenen Lex

Alemannorum wird die Brandstiftung an der Stube mit der an Schaf- und

Schweineställen verglichen, und die Lex Bajuvariorum führt als Gebäude

für sich neben Küche, Backhaus und anderen kleineren Baulichkeiten

den balnearius[A] auf. Die Badestube war demnach ein leicht gebautes,

selbständiges Gebäude. Ihre Einrichtung und Benutzung kennen wir jedoch

nicht.

[Sidenote: _Die slavischen / germanischen und finnischen Dampfbäder_]

Dagegen haben wir eine Schilderung der ähnlich gebauten slavischen

Bäder aus älterer Zeit. Der jüdische Arzt Ibrahim-ibn-Jakub, der

973 mit einer Gesandtschaft des Kalifen von Corduwa bei Otto I. in

Merseburg weilte, besuchte von dort aus slavische Länder, Mecklenburg

und Böhmen. Wo er beobachtete, sagt er nicht, sondern hält sich im

allgemeinen. Sein Bericht lautet: „Bäder haben die Slaven nicht, aber

sie machen ein Gemach von Holz, dessen Ritzen sie zustopfen mit

etwas, das auf ihren Bäumen wächst und wie Wassermoos aussieht und sie

moch[B] nennen. Sie gebrauchen das auch zu ihren Schiffen statt Pech.

In einem Winkel dieses Gemachs bauen sie einen Feuerherd von Steinen

und lassen darüber eine Öffnung, um den Rauch hinauszulassen. Wenn nun

der Herd erhitzt ist, so verstopfen sie das Luftloch und verschließen

die Tür. In dem Gemache sind Gefäße mit Wasser, woraus sie nun Wasser

auf den glühenden Herd gießen, so daß der Dampf aufsteigt. Jeder hat

ein Büschel Heu in der Hand, womit er die Luft bewegt und an seinen

Leib treibt. Dann öffnen sich die Poren und das Überflüssige vom Körper

kommt heraus und läuft in Strömen von ihnen ab, so daß an keinem von

ihnen mehr eine Spur von Ausschlag oder Geschwulst zu sehen ist. Sie

nennen einen solchen Verschlag itba“[3: 312].

[Illustration: Abb. 1. Pörte und Badehaus (rechts) im Kirchspiel

Pihtipudas, Tavastland (Finnland). Holzschnitt aus: ~Gustav Retzius~,

Finland. Stockholm 1881.]

In Anbetracht der Ergebnisse der Sprachforschung, der Tatsache, daß

in den späteren öffentlichen Bädern die Verhältnisse ähnliche waren,

und nach den kurzen Angaben in den Volksrechten müssen wir uns Bauart,

Einrichtung und Gebrauch der Badestuben auf den einzelnen germanischen

Höfen gleich oder ähnlich vorstellen.

Dampfbäder in dieser primitiven Form bestehen heute noch in Rußland,

Esthland, Livland und Finnland[4] (Abb. 1). Die Finnen baden Sommer

und Winter, während der Erntezeit jeden Abend, die ganze Familie mit

dem Gesinde, auch neugeborene Kinder. Selbst der arme Mann muß sein

Badehaus haben, und wenn es auch noch so klein und ärmlich wäre, daß

man nicht einmal darin gerade stehen oder liegen kann. Es ist ein

aus Balken gebautes viereckiges Häuschen mit einem großen Ofen von

Feldsteinen in der einen Ecke, sowie einem hochgelegenen, großen und

breiten Hängeboden oder Bretterregal, der Schwitzbank, auf welche

die Badenden hinaufklettern, um ihr Dampfbad zu nehmen. Der Dampf

wird dadurch erzeugt, daß Wasser schaufel- oder eimerweise von einer

Frau auf den Haufen erhitzter Steine gegossen wird. Dabei peitschen

sich die Badenden mit Birkenreisern und übergießen sich von Zeit zu

Zeit mit kaltem Wasser (Abb. 2). Das finnische Dampfbad ist nach

Angabe einheimischer Ethnographen von auswärts eingeführt, ob von den

slavischen oder germanischen Nachbarn, bleibt zweifelhaft. Es wird im

finnischen Volksepos Kalewala oft erwähnt und eingehend beschrieben,

und dieses Epos entstand erst nach der Einwanderung der Finnen aus dem

Innern Rußlands ins heutige Finnland, also an die germanische Grenze,

die um 800 n. Chr. erfolgte. Auch die Skandinavier hatten nicht näher

beschriebene kleine Badehäuser auf ihren Höfen[5].

[Illustration: Abb. 2. Inneres einer größeren finnischen Badestube.

Holzschnitt aus: ~Gustav Retzius~, Finland. Stockholm 1881.]

[Sidenote: _Ansichten über das germanische Bad der Urzeit_]

[Sidenote: _Das Dampfbad der Völker Amerikas / Die deutschen

Badegefäße_]

Ich bin im Vorhergehenden, soweit die Sprachwissenschaft in Frage

kommt, ~Moritz Heyne~ gefolgt. Nach ihm ist das Dampfbad urgermanisch

und später von den Slaven übernommen worden, eine Ansicht, die vor

ihm schon ~E. Martin~[6], wenn auch nicht in so bestimmter Weise,

vertrat. Dieser Anschauung ist ~Kochendörffer~[7] entgegengetreten, der

die umgekehrten Verhältnisse annimmt und im altgermanischen Bade ein

Wannenbad sieht. Eine weitere Anschauung läßt das Dampfbad als eine

indogermanische Einrichtung gelten[7]. Wir finden es aber auch bei

den Völkern Amerikas. Meist sind es steinerne Gebäude, bisweilen so

kleine, daß nur 1 oder 2 Personen darin Platz haben. Sie werden mit dem

aztekischen Worte Temescal oder mit dem spanischen Estufa bezeichnet.

Die Glut wird darin mit Wasser besprengt. Die Indianer Guatemalas

schlagen sich selbst oder gegenseitig während des Bades mit Zweigen,

die sie vorher in eine Schüssel mit heißem Wasser getaucht haben. In

den größeren Dampfbädern Neu-Mexikos finden sich in der Mitte ein

viereckiger Steinherd und ringsherum Bänke[232].

Es muß befremden, daß die von Ibrahim-ibn-Jakub geschilderte

Einrichtung diesem erst auffällt, als er die germanisch-slavische

Grenze überschreitet, nachdem er sich vorher in deutschen Ländern

aufgehalten hat. Zudem sind die ersten schriftlichen Zeugnisse über

germanische Bäder nur Belege für Wasserbäder, so daß die Möglichkeit

nicht von der Hand zu weisen ist, daß die germanischen Badehäuser

Wannen enthielten und später erst die slavischen Dampfbäder eingeführt

wurden, vorausgesetzt, daß der viereckige Herd und die Bänke auf

dem noch zu besprechenden Bauriß des Klosters St. Gallen nicht eine

Dampfbadeeinrichtung darstellen, die neben den Wannenbädern bestand.

[Illustration: Abb. 3. Taufe des Herzogs Rathold von Friesland.

Holzschnitt aus: ~Stumpf~, Schweizerchronik. Zürich, Froschauer, 1548.]

[Sidenote: _Das Taufen in Badegefäßen / Die Bäder im Kloster St.

Gallen_]

Das zum Wasserbade benutzte Gefäß war in alter Zeit nur kreisrund und

dem Namen stunz nach aus einem ausgehöhlten Baumstamme hergestellt

(~Heyne~). Bei den schon erwähnten Quellen im Val Sinistra fand sich

noch 1874 ein halbverfaulter Baumstamm vor, der von den Landleuten aus

der Umgebung und Tirolern bis in die 60er Jahre als Badewanne benutzt

worden war (s. auch später). Im Bauriß des Klosters St. Gallen[8]

vom Jahre 820 sind die Badegefäße rund gezeichnet (Abb. 4, 5). Diese

Form hat sich bis heute im Taufstein erhalten, der wohl ursprünglich

in seinem Äußern der Badewanne glich; ja man benutzte Badewannen zum

Taufen. Herzog Rathold von Friesland zog es vor, nachdem er schon

mit dem einen Fuß „in den Zuber und die Tauf getreten war“, dereinst

ungetauft zur Hölle zu fahren, weil er dort mehr Menschen als im Himmel

antreffen würde[9] (Abb. 3). Eine Massentaufe von Pommern in Kufen

oder Fässern, die zum bequemen Einsteigen der Täuflinge in die Erde

eingegraben waren, beschreibt ~Herbord~ im Leben des Bischofs Otto von

Bamberg (1124)[10]. Das Salzburger Antiphonar aus dem 12. Jahrhundert

bildet den heiligen Rupertus ab, wie er erwachsene Heiden in einem

runden Holzfasse tauft[532]. In ärmeren Gemeinden versah noch in

späteren Zeiten die Badewanne die Stelle des Taufsteins. Der Verfasser

der Stretlinger Chronik, ~Eulogius Kiburger~, Kirchherr des Paradieses

zu Einingen (Kanton Bern) erwähnt, daß er im Jahre 1446 einen Taufstein

machen ließ, da man vorher in einem „hölzernen Stande oder Kübel“

zu taufen genötigt war[11]. ~Maaler~ übersetzt 1561 Baptisterium mit

Badstein[162]. Nach dem Nürnberger Meistersinger ~Hans Foltz~ muß der

Vater „ein padmulter“ zur Taufe kaufen[12].

[Illustration: Abb. 4. Aus dem Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahre

820.

_a_: subtus calefactoria domus supra dormitorium (unten der Warmraum,

oben der Schlafsaal). _b_: lecti similiter (Betten und ähnliches).

_c_: caminus ad calefaciendum (Kamin zum Heizen). _d_: evaporatio fumi

(Ableitung des Rauches). _e_: egressus de pisale (Ausgang aus dem

Warmraum). _f_: balneatorium et lavandi locus (Bad und Waschraum). _g_:

exitus ad necessarium (Ausgang zum Abtritt). _i_: sedilia (Abtritte).

Nach ~Keller~.]

[Sidenote: _Die Bäder im Kloster St. Gallen_]

Im Kloster St. Gallen waren für die Wannenbäder eigene Zimmer

vorgesehen, die in Verbindung mit anderen Einrichtungen in

freistehenden Gebäuden untergebracht waren. Vom Wohnhaus der Brüder

führte ein langer Gang (egressus de pisale) zu einem kleinen Gebäude

(balneatorium et lavandi locus), das einen Wasch- und einen Baderaum

enthielt. Der Grundriß zeigt in ersterem einen viereckigen Herd, an

den Wänden ringsherum Bänke. Durch eine Bogentür gelangte man in den

Baderaum mit 2 runden Badegefäßen; auch hier waren an den Wänden Bänke

aufgestellt (Abb. 4_f_). Über diese Räumlichkeiten sind wir durch

St. Galler Schriftsteller genauer unterrichtet. Das Wohnhaus der

Brüder (Abb. 4_a_) enthielt nach dem Baurisse im oberen Stockwerke

den Schlafsaal (dormitorium), im unteren einen Warmraum (calefactoria

domus), der durch einen Kamin (_c_, caminus ad calefaciendum) geheizt

wurde. Auffallenderweise liegt der Abzugskanal des Rauches (evaporatio

fumi, _d_) nicht über diesem. Die Entfernung des Schornsteines läßt

darauf schließen, daß der Rauch und die mit ihm gemischte heiße

Luft auf dem Wege zu diesem noch Verwendung fand und vielleicht zur

Erwärmung des Zimmers diente, indem er den hohl angelegten Fußboden

durchstrich, daß also eine Hypokaustanlage nach römischem Muster

vorlag. In kleinerem Maßstabe besaßen sie die innere Schule und

das Krankenhaus. Gestützt wird diese Ansicht durch die Erwähnung

eines Hypokaustes im St. Galler Codex No. 915[13], allerdings als

Reinigungsort für Hände und Kopf. Dies widerspricht scheinbar den

Angaben im Bauriß. Doch gibt uns der 4. ~Ekkehart~ in seinen Casus

St. Galli (wahrscheinlich 1053 vollendet) Aufschluß[13]. Er berichtet

von einer Untersuchung der Klosterzustände durch eine kaiserliche

Kommission. Diese gelangt auch in den Warmraum (pyrale)[A], in

diesem in das lavatorium und in die dem Warmraume zunächstliegende

Schreibstube, „und“, fährt ~Ekkehart~ fort, „sie versicheren, daß

diese 3 Räumlichkeiten vor allen, welche sie jemals gesehen, die

regelrechtesten seien“. Das lavatorium liegt also im Warmraume und

ist doch eine selbständige Räumlichkeit. Das stimmt mit dem Bauriß

gut überein. Wir müssen demnach die Vorgänge, die sich im Warmraume

abspielen und zu Baden und Waschen Beziehung haben, in jenen durch

einen Gang mit dem eigentlichen Warmraume verbundenen kleinen

Bau verlegen, den der Bauriß als balneatorium et lavandi locus

bezeichnet[C]. Hier ließ Bischof Adalbero von Augsburg im Jahre 908

(St. Galler Codex No. 915) bei seinem Besuche als Geschenke für die

Mönche elfenbeinerne Kämme an ehernen Ketten aufhängen, denen er für

jeden einzelnen Handtücher hinzufügte. Wo sich in diesen Räumen die

Rute befand, und ob sie zum Bade benutzt wurde, läßt sich nicht sagen;

jedenfalls wird sie nur als Prügelinstrument erwähnt (s. Anm. S. 6).

Kehren wir zu den Badeanlagen auf dem Bauriß zurück. Westlich vom

Gebäude der inneren Schule, aber durch eine Gasse von diesem getrennt,

stand die Küche der Studenten mit einem Herd in der Mitte. Neben ihr

und unter demselben Dache befand sich ein Badezimmer (Abb. 5) mit

4 Wannen, 2 Bänken und einem Feuerherde in der Mitte. Ein ebenso

eingerichtetes Gebäude gehörte zum Krankenhaus; nur diente hier die

Küche noch zum Aderlassen. Ein viertes Bad (Abb. 6) war im Gesindehaus,

das aus Küche, Speisekammer, Badezimmer und 3 hinter diesen gelegenen

kleineren Kammern bestand. Hier fehlten die Badegefäße. Neben diesen,

lediglich zu Wasch-und Badezwecken dienenden Räumen boten auch andere

Zimmer Badegelegenheit. So erzählt uns ~Ekkehart~ eine köstliche

Badegeschichte, die im Haus der Fremden und Armen (domus peregrinorum

et pauperum auf dem Bauriß) spielt, die hier folgen soll.

[Illustration: Abb. 5. Aus dem Bauriß des Klosters St. Gallen vom

Jahre 820. _a_: balneatorium (Bad). _b_: coquina eorundem (Küche der

Studenten). Nach ~Keller~.]

[Illustration: Abb. 6. Aus dem Bauriß des Klosters St. Gallen vom

Jahre 820. _a_: coquina (Küche). _b_: cellarium (Speisekammer). _c_:

balneatorium (Bad). _d_, _e_, _f_: cubilia famulantium (Kammern der

Diener). Nach ~Keller~.]

[Sidenote: _Heilung eines Hysterischen im Bad des Klosters St. Gallen_]

„Weil aber auch ~Ekkehart~ (I.) selbst an sich Almosener war,

werden wir von ihm etwas Ergötzliches erzählen. Da ~Ekkehart~ einen

gewissen Mann von der Hausdienerschaft zu dem Zwecke bestimmte, daß

derselbe, wenn ihm von jenem etwa Arme oder Fremde bezeichnet würden,

dieselben heimlich in dem dazu bestimmten Hause wüsche und schöre, die

Bekleideten erfrischte und bei Nacht von sich entließe, mit dem Befehl,

es keinem Menschen zu sagen, geschah es eines gewissen Tages, daß er

demselben nach Gewohnheit einen Lahmen, einen Wälschen von Geschlecht,

welcher auf einer Karre herbeigefahren worden war, anvertraute. Als

nun jener den Kranken, welcher nämlich ein dicker und starker Mann

war, mit aller Anstrengung seiner Kräfte mit Mühe in das Badegefäß

vorwärts gewälzt hatte und, wie er geheißen war, die Türe hinter ihnen

beiden allein verschloß, sprach er — denn er war zornmütig — unter

Schimpfworten: „Fürwahr, heute weiß ich keinen einfältigeren Menschen

als meinen Herrn, welcher nicht zu unterscheiden weiß, wem er wohltun

soll, und auch mir einen so fetten Schlemmer auf den Rücken zu heben

aufgebürdet hat.“ Da aber dem Lahmen das Wasser des Bades allzu warm

zu sein schien, sagte er in seiner bäurischen Weise: „Cald[D], cald

est!“ Aber jener antwortete, weil das in der Sprache der Deutschen:

Es ist kalt — bedeutet: „Und ich will ihm warm machen“, und er goß

aus dem vor Hitze wallenden Kessel geschöpftes Wasser in das Bad

hinein. Jener jedoch rief mit schauerlichem Geschrei: „Ei mi! Cald

est, cald est!“ „Ja wahrhaftig“, sprach der Diener, „wenn es noch kalt

ist, so will ich, bei meinem Leben, es dir heute warm machen“, und er

schöpfte noch glühenderes Wasser und goß es hinein. Wie jedoch jener

die Hitze des wallenden Wassers zu ertragen nicht aushielt, vergaß er

seine Lahmheit und erhob sich rasch, sprang aus dem Bade, um die Tür

aufzuschließen und zu entfliehen, kämpft aber nach schnellem Laufe eine

Zeitlang mit dem hemmenden Riegel. Allein auch der Diener, wie er nun

den Mann als einen Betrüger vor sich sah, riß, schneller als ein Wort,

vom Feuer ein halbbrennendes Scheit und schlug dem Nackten schwere

Streiche ohne Zahl auf.“

Aus dieser Darstellung erfahren wir, daß man das Wasser im Kessel

erwärmte und in die Badewanne schöpfte, und des weiteren, daß mit

dem Baden das Scheren, d.❆h. das Rasieren verbunden wurde. Der

Ruodlieb (gedichtet um 1030) erzählt uns, wie ein Held und sein junger

Verwandter sich im Bad rasieren, dann die Bütte verlassen und sich

im Bademantel aufs Bett legen bis die Hitze weicht[6]. Diese große

Toilette fand in der Regel vor Feiertagen und festlichen Gelegenheiten

statt; denn man badete nicht täglich. Kaiser Ludwig der Fromme nahm

jeden Samstag ein Bad, wie uns der Mönch von St. Gallen[E] berichtet,

und von demselben erfahren wir, daß ein Diakonus, ehe er vor Karl dem

Großen das Evangelium las, früh ein Bad nahm, sich den Bart ganz glatt

abnehmen ließ, die Nägel reinigte und die Haare ganz kurz schnitt.

[Sidenote: _Baden vor dem Feste / Baden der Geistlichen_]

Der heilige Benedikt gestattete in seiner 515 entworfenen Ordensregel

den Ordensbrüdern mäßigen Gebrauch der Bäder. Kranke sollten baden, so

oft es der Zustand erforderte, junge Leute nur selten. Die Hirsauer

Mönche badeten bloß zweimal im Jahre, vor dem Weihnachts-und dem

Pfingstfeste (~Wilhelm~, Hirsaugens., gest. 1091), Kranke jedoch nach

Bedürfnis. Der heilige Udalrich (gest. 973), Bischof von Augsburg,

badete nur Samstags vor den Fasten, in der Mitte derselben und am

Karsamstage[16].

[Sidenote: _Baden von Armen und Kranken / Enthaltung vom Bade_]

Das Bad vor dem kirchlichen Feiertag galt als geistige Reinigung;

denn als sich die Eltern des gelehrten St. Galler Mönchs ~Iso~ (gest.

871) nach dem Bade gegen kirchliche Einrichtungen vergingen, badeten

sie zum zweiten Male (~Ekkehart~). Überhaupt wurden begangene Sünden

durch das Bad „abgewaschen“, und als eine besondere Buße galt es, Arme

und Pilger zu baden. Ein Bischof von Neustrien, der zur Fastenzeit

Fleisch gegessen hatte, forderte am heiligen Osterabend aus der ganzen

Stadt viele Badewannen zusammen und ließ allen Dürftigen bis zum Abend

warme Bäder darbieten. Er selbst nahm jedem einzelnen den Bart ab und

reinigte mit seinen Fingern die Geschwüre ihrer borstigen Körper.

Zuletzt ging er selbst ins Bad und stieg mit gereinigtem Bewußtsein

daraus hervor (Mönch von St. Gallen). Auch die heilige Wiborad, eine

Klausnerin beim Kloster St. Gallen (gest. 925), badete Arme.

~Zappert~[16] führt zahlreiche Beispiele aus dem 10. bis 13.

Jahrhundert an, nach denen hochgestellte Personen weltlichen und

geistlichen Standes (die Bischöfe von Mainz und Utrecht, die Gemahlin

Kaiser Heinrichs I., die Tochter Kaiser Ottos II., die Mutter Kaiser

Heinrichs IV., die heilige Elisabeth) durch Baden von Armen und Kranken

Barmherzigkeit übten. Aus diesen Quellen, wie auch aus dem Mönch von

St. Gallen, ersehen wir, daß der Aussatz schon vor den Kreuzzügen bei

uns Einkehr gehalten hatte und mit Warmwasserbädern behandelt wurde.

Gesunden galt Baden für eine Hauptannehmlichkeit des Lebens, und den

Klosterschülern von St. Gallen war solches an ihren Ergötzungstagen

eine ihrer Hauptfreuden, wie uns ~Ildefons von Arx~ für den Zeitraum

von 920–1076 berichtet[17]. Deswegen wurde Enthaltung vom Bade als

kirchliche Strafe auferlegt, was wir noch im 12. Jahrhundert antreffen.

Der exkommunizierte Kaiser Heinrich IV. brachte die Weihnachtsfeiertage

1105 in Bichelsheim non balneatus et intonsus — nicht gebadet und

ungeschoren — zu, und der Teichner klagt im 14. Jahrhundert, daß

Wallfahrer, die doch zu den Büßenden zählen, sich scheren und „gen

gein pat“[16]. Aus diesem Grunde enthielt man sich zur Fastenzeit des

Bades (~Ekkehart~), und besonders fromme Personen verzichteten dauernd

auf den Genuß desselben. Der Bischof Reginard von Lüttich (gest. 1037)

badete nie, und die heilige Elisabeth erklärte mit dem Eintauchen eines

Fußes in das Wasser das Bad für beendet, als sie sich auf Zuspruch

endlich entschlossen hatte, ein solches zu nehmen[16]. ~Cäsarius von

Heisterbach~ erzählt, wie ein frommer Mönch eine Weltdame, die in

sündiger Liebe zu ihm entbrannt war, auf immer dadurch heilte, daß er

ihr seinen von Unsauberkeit und Ungeziefer starrenden Körper zeigte[18].

[A] Der balnearius ist ein Gebäude und nicht, wie öfters übersetzt

wurde, der Bademeister. Dieser tritt erst später auf.

[B] Das slavische Wort moch wird heute noch in der Gegend der

Untermulde für kurzes Moos gebraucht; mochig ist dumpf, feucht.

[C] Der Warmraum ist fälschlicherweise von ~Du Cange~ und ~Meyer von

Knonau~ als Kapitelsaal bezeichnet worden. Dem Bauriß nach wurde

als solcher der an der Kirche hinlaufende Flügel des Kreuzganges

benutzt. ~Kochendörffer~[7] trat der Ansicht der beiden Forscher

entgegen und gab folgende Erklärung: „Wenn es im Cod. Sangall.

nr. 915 heißt ad mundandas manus et capita, cui in hypocausto

locus erat, so geht daraus erstens hervor, daß die Mönche sich im

hypocaustum wuschen, und zweitens, daß der Waschraum der Mönche nach

Art des alten laconium geheizt wurde, oder mit anderen Worten, da

eine derartige Heizung keinen anderen Zweck haben konnte, daß die

Mönche ein dem römischen ähnliches Schwitzbad hatten.“ Der Warmraum

hieß im Mittelalter auch pyrale, und da ~Ekkehart~ gelegentlicher

Züchtigungen die im pyrale aufgehängte Rute erwähnt, ~Kochendörffer~

diese als Badegerät auffaßt, glaubt er einen weiteren Beweis für

die Benutzung des Warmraums als Bad zu erbringen. Er geht dabei

von der falschen Voraussetzung aus, daß eine Hypokaustanlage nur

mit einem Schwitzbade verbunden sein könne. Wir wissen aber, daß

in den römischen Villen nordwärts der Alpen auch die Wohnzimmer

durch Fußbodenheizung erwärmt wurden im Gegensatz zum Badezimmer,

das auch Wandheizung besaß[13]. Für ein Schwitzbad im Kloster St.

Gallen haben wir keinen Anhalt. Es ist die Möglichkeit nicht von

der Hand zu weisen, daß in kleineren Klöstern Waschen und Baden im

Warmraume selbst vorgenommen wurde, fand doch in anderen Klöstern

(z.❆B. in Wettingen) der Aderlaß im calefactorium statt, während

auch hierfür St. Gallen seinen eigenen Raum besaß. In jüngster Zeit

hat ~Stephani~[14] zwar nicht im Warmraume, sondern in dem als

balneatorium et lavandi locus bezeichneten Hause eine Badeanlage

nach römischem Muster gesehen. Während er auf Grund der Mitteilungen

~Ekkeharts~ für das 10. Jahrhundert Wannenbäder annimmt, läßt er

diese, obwohl sie der Mönch von St. Gallen[15], wenn auch nicht im

Kloster St. Gallen, erwähnt, für das 9. Jahrhundert nicht gelten.

Wohl auf Grund der Sprachforschung kommt er zu folgender Deutung

der betreffenden Stelle des Baurisses: „Durch die im Badehause

eingezeichneten Kreise werden nicht Badewannen, oder richtiger gesagt

Badefässer angedeutet, sondern runde Steinöfen, welche erhitzt und

mit Wasser begossen Dampf stäubten. Mithin konnten in dem Badehause

nicht Wasser-, sondern ausschließlich Dampfbäder genommen werden. Der

dem Baderaume korrespondierende, wörtlich als Waschhaus bezeichnete

Raum scheint jedoch nicht das gewesen zu sein, was wir heute unter

diesem Worte begreifen, ein Haus zur Reinigung der Wäsche, sondern

vielmehr ein Raum zur Vornahme kalter Abwaschungen (frigidarium),

welche römischer Sitte gemäß nach dem Dampfbade genommen wurden.“

Auch glaubt ~Stephani~, um eine weitere Übereinstimmung mit

dem römischen Bade geltend zu machen, daß in Abb. 5 die Küche

wahrscheinlich als Auskleideraum (apodyterium) gedient habe. Vergl.

damit meine obigen Ausführungen.

[D] cald, calidus = warm.

[E] Als Kaiser Karl der Dicke 883 das Kloster St. Gallen besuchte,

forderte er den „Mönch von St. Gallen“ auf, die ihm von alten Brüdern

überlieferten Geschichten aufzuzeichnen[15].]

BADEBRÄUCHE / DIE DEM URGERMANENTUM ENTSTAMMEN

Ehe wir die geschichtliche Entwicklung des Badelebens weiter verfolgen,

müssen wir hierher gehörige Bräuche und Sitten besprechen, die

teilweise bis in die jüngste Zeit bestanden oder noch bestehen und zu

einem beträchtlichen Teile im Urgermanentum wurzeln.

[Sidenote: _Das Frühlingswasser_]

Die Ankunft des Sommers, des Maies oder, wie wir jetzt sagen, des

Frühlings wurde von alters her festlich begangen. Das Eintreten des

Sommers erfolgte aber nicht auf einen bestimmten Tag des Jahres,

sondern wurde nach zufälligen Zeichen wahrgenommen, aufblühenden Blumen

oder anlangenden Vögeln[19]. Im Gebirge trat noch das Hervorsprudeln

der Quellen hinzu, die im Herbst versiegt waren, der Maibrunnen (fontes

majales). „Sie quellen gemeinlich in dem Meyen einsmahls, und mit

solchem Geräusch hervor, daß, wer darbey stehet, erschricket“, sagt

~Scheuchzer~[20]. Von einem solchen oberhalb Schwanden im Glarnerland

gelegenen Quell berichtet er: „Es gewahren die Anwohner von disem Bach,

daß er nicht anfangt fließen, bis der Winter völlig vorüber, und keine

rauhe Winterkälte mehr dahinden, daß daher der Fluß dises Wassers

angesehen wird als ein Zeichen der vorstehenden Frühlingswärme“, und

~Paracelsus~[21] glaubt vom Pfäferswasser, seine Verjüngung gehe mit

dem Frühling an und terminiere sich mit dem Winter, es wachse mit den

Kräutern und sterbe mit ihnen ab. Diese Ansicht scheint heute noch im

Volk zu herrschen und deshalb schon vor ~Paracelsus~ bestanden zu

haben, obwohl sie nicht den Tatsachen entspricht. Vor der Herstellung

der heutigen technischen Anlagen blieb das Wasser wohl mehrmals des

Winters aus, floß aber auch zuweilen, so 1596 und 1628[20], und der

als Chirurg bedeutende Berner Stadtarzt ~Fabricius Hildanus~ (geb.

1560) war der Ansicht, des ~Paracelsus~ Ausspruch sei nur bildlich zu

nehmen[22]. Auch das Leuker Thermalwasser nahm im Mai dem Volksglauben

nach an Heilkraft zu, und die Anwohner von Sitten gebrauchten es zu

~Scheuchzer~s Zeit, wenn es „in dem Meyen etliche Tag nacheinander von

weißer Kalck-Materi“ trüb lief, „sonderlich, weilen sie es zur selben

Zeit am kräftigsten zu seyn bedunken, vornehmlich, wann der April

und Meymonat einen großen Grad der Wärme außgehalten“. Der Glaube an

eine besondere Heilkraft der Bäder im Frühjahr war weit verbreitet

und nicht nur auf germanische Länder beschränkt; auch im Gebiete der

welschen Zunge, an den Wormser Thermen (Bormio) im Veltlin lockten die

ersten warmen Frühlingstage schon zu Ende Januar und Anfangs Februar

zahlreiche Scharen von Talbewohnern zu den naturwarmen Quellen von S.

Martino[23].

[Illustration: Abb. 7. Wasserbad. Holzschnitt von ~Urs Graf~ aus:

Kalender des Doctor Kung (Kungsberger). Zürich, Hans am Wasen. 1508.]

[Illustration: Abb. 8. Schmausen und Zechen von Mann und Frau im

Wasserbad. Holzschnitt aus dem Kalender von 1481. Augsburg, Johannes

Blaubirer.]

Nicht die Schule von Salerno mit ihren im 12. Jahrhundert aufgestellten

Gesundheitsregeln hat das Maibad im Mittelalter und der nachfolgenden

Zeit zu Ansehen verholfen. Es war uralte Sitte, die durch den Glauben

an die heilende und stärkende Kraft der wieder erwachenden Natur

erstand und aufrecht erhalten wurde, sei es im naturwarmen oder

erwärmten Quell oder den Maikräutern, die dem Wannenbad zugesetzt

wurden.

„Man sagt wol: in dem meien

da sind die brünlein gsund“,

wenn’s auch der zechende Sänger dieses Volksliedes nicht glaubt[24].

„Arbeyten in dem Meyen ist dir nit schad

Loss dyn odern vnd mach ein lustiges bad“,

sagt das Straßburger Regimen sanitatis vom Jahre 1505[25]. Und wie

lustig es im Maienbade zuging, zeigen die Illustrationen aus jener

Zeit. Gewöhnlich stellen sie das Gegenteil von dem dar, was der Text

sagt. Verboten auch die Ärzte Essen und Trinken während des Bades,

setzt auch Urs Graf seinem Bilde im Züricher Kalender von 1508 die

Worte vor: „Ich bad nach des artzet lere“, dem Badenden läßt er doch

den Becher reichen (Abb. 7)[26]. In der Regel saßen Mann und Frau im

Bad und schmausten und zechten am „zwerchen Standenbrett“ (Abb. 8 und

andere), das im 17. Jahrhundert noch seinen Sänger fand:

„Das zwerche Standenbrett ist eines Bäders Tisch,

Der nicht ist Vogelscheuch; liebt Hüner, Krebs, und Fisch“[27].

[Illustration: Abb. 9. Darstellung des Planeten Venus. Holzschnitt aus

dem 15. Jahrhundert. Berliner Blockbuch.]

[Sidenote: _Beziehung des Badens zur Venus_]

[Sidenote: _Das Maibad_]

Auch das Liebesspiel der Maifeste durfte im Bad nicht fehlen. In einem

geistlichen Lied des 15. Jahrhunderts findet sich folgende Strophe:

„Gar warm solt du dich halten

vnd dich nit lon erkalten

noch diser mynne bad.

Din baden bůle sye

die allerschönst Marie,

ein gott vnd namen drye

mit andocht zů dir lad“[28].

Diese Verse ins Weltliche übertragen, würden die Badebuhlen in keinem

günstigen Lichte erscheinen lassen. Wir besitzen genug Illustrationen,

die das belegen. Sehen wir von tendenziösen Übertreibungen, wie

Virgil Solis Wiedertäuferbadstube ab, so betreffen die Darstellungen

zügellosen Liebeslebens ausschließlich Wannenbäder, und Wannenbad

findet sich meist gleichbedeutend mit Maibad gebraucht. ~Hans Sachs~

sieht im großen Höllenbade die Hurer und Ehebrecher paarweise im

Vollbad sitzen[29], und ~Thomas Murner~s Illustration zum „lürlesbad“

(Narrenbad, Schilderung der Hölle) in der Narrenbeschwörung (1512)

zeigt Mann und Frau in der Bütte. Der Mann hält einen Maiblumenstrauß

in der Hand[30]. Sämtliche Darstellungen des Planeten Venus haben

Bäder, meist Wannenbäder (Abb. 9 u. 10), nur bei ~Beham~ wird in einem

Teiche unter freiem Himmel gebadet.

In den Kurorten sah es ähnlich aus.

[Illustration: Abb. 10. Darstellung des Planeten Venus. Holzschnitt

aus: Eyn nyge Kalender recht hollende, 1519. Lübeck, Steffen Arndes.]

Jm meyen farend wir gen baden (in der Schweiz)

Lug das der seckel sy geladen

Denn das bad hat solche art

Wer mit wybren daryn fart

Vnd bringt nit pfenniggelt domit

So würckt dasselbig bad do nit

Denn syn natürlich würckung thut

Das du verdouwest gelt und gut.“

höhnt ~Murner~ 1519 in der Geuchmatt[31]. Das Liebesspiel konnte aber

auch durchaus harmloser Natur sein. In dem auf der Wolfenbüttler

Bibliothek befindlichen Reisebuche ~Hansens von Waldheim~, Ratsmeisters

zu Halle an der Saale, das ungefähr um 1474 geschrieben wurde,

berichtet dieser von seiner in der Pfingstwoche begonnenen Badekur

zu Baden in der Schweiz. Adlige und geistliche Herrn nahmen ihn in

ihr Privatbad auf, und einer derselben, „Hans von Emsz, rittere szu

Friborg, in deme Breiszkouwe wohnhafftigk, eyn rad des hochgebornen

fürsten herczogin Albrechtis, erczherzogen in Osterich“ bat ihn in sein

Haus und tat ihm viel Ehre und Gutes „und“, fährt ~Waldheim~ fort, „gab

mir syne huszfrawe zou eynem meyenbulen“[32].

[Sidenote: _Baden und Maispiele_]

Die älteste Darstellung des Maibades möchte ich in einem Bilde

der sog. Mannessischen Handschrift, jetzigen großen Heidelberger

Liederhandschrift, sehen, das aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts

stammt (Abb. 45)[33]. Auf blumenbedeckter Wiese sitzt der alte Herr

Jakob von Warte in der Badekufe im Schatten einer Linde, deren grüne

Laubkrone singenden Vögeln zum Aufenthalte dient. Soll das etwas

anderes darstellen als den Lenz, den die Minnesänger so oft besungen?

„Es get gen des maien zeit,

Die uns neue freüde geit.

Die vogl alle singen,

Die plüml schön entspringen.

Jch sag euch fürwar das,

Es grünet schon laub und gras,

Der summer uns vil nahen leit.“

So die Schilderung in ~Neithart~s Veilchen[12]. Und wie im späteren

Maibade darf hier der Becher nicht fehlen, den eine Jungfrau dem Ritter

darbietet. Eine andere setzt ihm den Kranz auf den kahlen Scheitel, und

ich möchte ihr mit demselben Liede ~Neithart~s die Worte der fünften

Jungfrau Afra in den Mund legen:

„Jch han eu im herzen hold.

Mein maienpuel solt ir sein,

Jch pin eur und ir seit mein.

Was mir in ern wol an stat,

Daß will ich laisten fruo und spat.

Wer mich mit eren ganzlich maint,

Mit dem so will ich sein veraint.

Wir süllen frölich hie nun leben.

Jch will euch das kranzlein geben.“

Man führe gegen diese Deutung des Bildes nicht an, daß der dargereichte

Kranz aus Rosen gewunden ist. In dem angeführten Neithartspiele

wird aller Naturwissenschaft zum Trotz vor dem Auffinden des ersten

Veilchens zweimal der „Rosenkranz“ als Tanzpreis (für Mann und

Jungfrau) ausgesetzt. Der Begriff „Rose“ wurde in einem weiteren

Sinne als heute gebraucht; auch die Veilchen werden als „Veiolroesen“

bezeichnet. Vielleicht war Rose gleichbedeutend mit wohlriechender

Blume, und deren Darstellung geschah unter dem Bilde der Rose.

Bei der Hildesheimer „Maigrevenfahrt“ erhält der Maigreve einen

Kranz und bewirtet die Holzerben. In der kölnischen „Holzfahrt“

mußte der von den Bürgern gewählte „Rittmeister“ von Kopf bis zu Fuß

gewappnet sein, und nach dem nicht näher beschriebenen Zug in den

Wald wurde ihm ein Kränzchen aufgesetzt, wofür er ein Gastmahl zu

geben hatte, das wieder „Kränzchen“ hieß[34]. Dies Kränzchen finden

wir unter den Badegebräuchen in der „Morgensuppe“ zu Baden in der

Schweiz wieder (Abb. 87); es kam sogar unserem heutigen dadurch

näher, daß der Gastgeber abwechselte und das Kränzchen der Reihe nach

umging. ~Pantaleon~[35] berichtet 1578: „Man bettet vor vnd nach der

morgensuppen vnnd dancket dann mit einem kurtzweiligen Lied dem Wirt,

damit er lang mit ehren lebe, biß er jnen wider gibt. Nach disem

bestellet man ein anderen Wirt, auff welchen die ordnung kommet, setzet

jm einen Krantz auff, vnd dröwet jhm in dem gesang man wölle morgen

zu jm kommen, mit Pfeyffen vnd mit Trommen“. In „Ein badenfart guter

gsellen“[36] heißt es darum:

„Also lieber Vintzentz von Bernn

gib ich dir das krentzli gernn

Das du morn sigist vnser wirt.“

und

„All vol lassend vns frölich singen

ich wil den krantz dem basler bringen

Vnd jm den setzen vff mit pracht

lůg heinrich das die sup werd gmacht.“

Als man nicht mehr ausschließlich im Mai badete, hielt man natürlich

die Morgensuppe die ganze Badesaison hindurch. Nach dem Meistersinger

~Hans Foltz~[37] konnte man sich in Baden zwar im „meyen zuo vorauß“,

aber auch im Herbst „ermeyen“.

[Sidenote: _Baden in der Walpurgisnacht zu Pfäfers und im Baseler

Gebiete_]

Das Maibad steht mit dem altgermanischen Heidentum in enger Beziehung.

Das Landvolk aus der Umgebung von Pfäfers wickelte noch 1631 seine

Maibadekur in einer einzigen Nacht ab und zwar zu Walpurgis. „Vnder

andern, so pflegt auff den ersten Tag Maij, alten Calenders, ein

vnzehlbare menge Volcks, zu Vesper vnd Abendts zeit, auß allen

benachbarten Dörffern, Thälern vnd Gebirgen, mit einem Wort alles

gemein, vnnd lauffige Gesinde, theyls Gesund(heits), theyls Lust vnd

Fürwitz halber, herbey zukommen, in die Badschwämme, einzusitzen, vnnd

die gantze Nacht, darinn wachtsamb zuzubringen, auch dise Nachtfrist,

einer gantzen Bad Chur, jhres Sinns abzuschätzen; Alsdann, folgenden

Morgen, wann sie abreisen wöllen, jhre Hembter, zuvor in das Badwasser

wol einzutrucken, vnd also anzuziehen, mit mainung, einer mit sich

hinweg tragenden großen gefunden Krafft, welches gleichfalls auch

fürnehmer vnnd Edler, mit einnetzung jhrer Hembter vnnd Leylacher, zu

jhrem Abzug pflegen[349].

[Sidenote: _Der Glaube an das Maibad und dessen Bekämpfung_]

Sonst finde ich Maibäder in diesem Sinne neben anderen, später zu

erwähnenden nur noch im Baseler Gebiete[A]. Hauptsächlich kam das auf

der Jurahöhe, damals schwierig zugängliche Bad Ramsen in Betracht. Die

Kirchenbehörde kämpfte vergeblich gegen den Brauch. 1572 findet sich in

den Akten die Angabe der Prediger im Amte Homburg, in deren Sprengel

das Bad lag: Bei dem Bad Ramsen „tryben sy uff den mey und Sant Johans

oben Superstitiones“. Noch 1606 verzeichnen die Akten des Waldenburger

Kapitels „Anzug des Bades halben zu Ramsen in Homburger Vogtey gelegen,

von wegen dz es, aus Aberglauben, vom Landvolck auff den tag der

Himmelfahrt, Meytag und S. Johanstag besucht wirt“. Darauf wurde

erkannt, dem Obervogt auf Homburg vorzuschlagen, er solle den Badewirt

anhalten, an den obengenannten Tagen keine Gäste aufzunehmen, „welches

leicht geschehen könnte, so der wirt oder bader das bad nit heitzen

wurde“.

Die Bedeutung der Walpurgisnacht kommt auch in folgenden Erlassen des

Markgrafen Christof vom Jahre 1488 für Baden-Baden zur Geltung: „Vff

das hat der vorgenannt min gnediger Herr geordnet, vnd will gehabt

haben, daß das gemelt groß Frybad hinfür allweg durch das ganz jahr,

one +am Meyabend, so man die Meypfennig gitt+, fry sin vnd blyben, vnd

von niemand mee, er sy frembd oder heimsch, vmb badens willen gelt

darin genommen, .... +wie von alter herkommen ist+“, und die beiden

Bäder sollen frei sein „dann vff den Maiabent, da soll ein jede person,

vßgenommen kindere, es gang vff denselben Abent in die fryen Bedere

oder nit, Hans Vlrichen oder siner Husfrowen vnd sinen Erben geben vnd

antwurten 1 pfenning, als das von alter herkomen vnd gewonheit gewesen

ist“[40].

Das Maibad ist stets ein Wasserbad. In keinem der vielen Kalender,

die ich durchgesehen habe, ist in diesem Monat das Schweißbad

empfohlen, wohl aber in anderen. Es findet sich meist die allgemein

gehaltene Vorschrift, im Mai zu baden. In einer astrologischen

Gesundheitsanweisung von 1556 wird Baden im Gegensatz zu Schweißbaden

gesetzt[41]. Daraus geht auch hervor, daß das Baden im Mai Wasserbaden

war. Es finden sich auch solche, die Kräuterbäder empfehlen und zwar

nur in diesem Monat. Die eben erwähnte Anweisung zur Gesundheit sagt:

„Alle bad seind gutt, besonder kreuter bad“. Eine Münchener Handschrift

des 15. Jahrhunderts hat: „Vnd von würczen adele uolpade sie Die zymen

wol dem Leibe dein“[42]. In dem 1428 von ~Johannes Gredinger~ zu

Nürnberg geschriebenen Kalender[43] heißt es: „Pad mit guten krewtern

in eym schaff, daz oben wol bedeckt sei“, in einem von 1467 der

Züricher Stadtbibliothek (Msc. E. 102): „bad ist gut vnd besunder wurtz

beder“ und in gedruckten Züricher Kalendern, z.❆B. von 1569 und 1641:

„Von aller wurtz vnd krütern bad“.

Es handelt sich selbstverständlich immer um frische Frühlingskräuter,

denen man eine besondere Wirkung zuschrieb. Daß man auch das Wasser an

sich im Frühling für gesünder als zu anderen Zeiten hielt, ist schon

erwähnt worden. Man muß den Begriff des Maibades deshalb etwas weiter

fassen und gleich Frühlingsbad setzen. Die Mainauer Naturlehre (13.

Jahrhundert) macht ihre Badevorschläge nicht für Monate, sondern für

Jahreszeiten. Vom Lenz sagt sie: „so ist och decheine zit besser ....

zu badenne“ [44]. Ein Frühlingsbild, das wahrscheinlich von ~Michael

Wohlgemuth~ stammt, bringt das gemeinsame Bad von Mann und Frau bei

Saitenspiel und Trank, das durch Maiblumen als Maibad charakterisiert

wird (Abb. 11)[45].

[Illustration: Abb. 11. Der Frühling. Holzschnitt aus: Conradi Celtis

quatuor libri amorum. Nürnberg. 1502.]

[Sidenote: _Frühlingsbad_]

[Sidenote: _Märzenbäder_]

Mancherorts wurden die Frühlingsbäder schon im März gehalten. Die

Badstuben- oder Badwaid-Ordnung von Sonthofen in Bayern von 1544

schrieb vor, im ganzen Jahr wöchentlich 1 Bad am Samstag zu halten,

aber „mörzenbäder an den 3 Dornstag in Mörzen“, und zu Rorbach fanden

„an den dreyen pfinztagen (Donnerstagen) im Merzen die Merzenpäder“

statt[46]. In Kalenderversen ~Oswalds von Wolkenstein~ (15.

Jahrhundert) heißt es beim März:

„âdryânns der wardt gesund

phincztages inn merczischen pad“[313].

~Brunssfels~ (16. Jahrhundert) spricht sonderbarerweise von Bädern „in

dem andern Meyen“, die im Gegensatz zu den eigentlichen Maibädern gegen

auswendige Schäden gut sein sollen[47].

Im engeren Sinne sind unter Maibädern die in der Walpurgisnacht

genommenen zu verstehen. Man muß berücksichtigen, daß es früher Brauch

war, bei einer rechten Badekur eine bestimmte Anzahl Tage und an diesen

mehrere Stunden im Bad zu sitzen. Unter der Landbevölkerung war der

Glaube verbreitet, der Erfolg wäre derselbe, wenn man die gesamte

Kur hintereinander im Bade absäße. Es gibt Berichte, nach denen die

Leute noch im 17., auch vereinzelte noch im 19. Jahrhundert tagelang

ununterbrochen im Bad zubrachten und darin sogar schliefen. Man

glaubte deshalb, daß einen Tag ununterbrochen gebadet genüge, um die

Gesundheit während des ganzen Jahres zu erhalten. Noch heute kommen

die Schwarzwaldbauern aus diesem Grunde jährlich einmal in die bei

Freiburg gelegenen Bäder Kuckucksbad, Glotterbad und Silberbrünnlein,

wo gelegentlich zwölf Wannen in einem Raume zusammenstehen, in denen

die Bauern die Zeit mit Baden und Zechen zubringen[6]. Man darf nicht

erstaunt sein, wenn man in früherer Zeit diesen Badetag auf Walpurgis

oder an den noch zu nennenden Tagen abhielt, an denen man dem Wasser

besondere Kraft zuschrieb.

Schon im 16. Jahrhundert verstand man unter Maienbad ein gewöhnliches

Warmwasserbad, aber „fürnemlichen im früling“[48]; der Zusatz von

Kräuterabsuden scheint eher nicht erforderlich gewesen zu sein.

~Ryff~ beginnt ein Kapitel: „nechst volgendt die warmen wasser vnnd

lieplichen Mayen badt“. Er spricht dann aber nur vom Wasserbad in der

Wanne und sagt: „Zum wasser Badt oder gemeinen Mayen Badt, ist auch das

Regen wasser wo man es haben mag, am aller bequemsten“ und besser als

Brunnen- und fließendes Wasser, weil es reiner, subtiler ist, die Wärme

des Sonnenscheins und kräftige Influenz des Gestirns und dadurch seine

schädliche Kraft zum Teil verändert und gemildert hat[48].

[Sidenote: Geschenke ins Maibad_]

Das Volk scheint aber im Maienbad ein mit Wohlleben, d.❆h. ein mit

Essen und Trinken, vielleicht auch mit Venusdienst verbundenes gesehen

zu haben. „Sie kamen in kein Maienbad“, heißt es höhnisch im Gedicht

auf die Bergtheimer Schlacht (1400)[49]. Die sogenannten Badschenken,

die man Vorgesetzten oder Freunden vor einer Badekur oder auch ins Bad

sandte, waren ursprünglich nur Nahrungs- und Genußmittel, und da man

ehedem nur im Mai ins Bad fuhr, erscheint es nicht auffällig, wenn im

Mittelalter öfters Geschenke ins „Maibad“ gegeben werden. So sind in

Ulm „vff Pfingsten 3 Pfund Schmalz in das Maienbad“ verzeichnet[50].

1466 wurde gestattet, dem Bürgermeister, den Richtern und den Räten zu

Ulm ein Maß Malvasier oder dessen Wert ins Maienbad zu schenken[51].

Das kurgemäß gebrauchte Maienbad konnte auch in einer Badestube

stattfinden. 1429 fing ~Caspar Sommerer~ in Augsburg ein Maienbad an,

„daß man badete für den Wertachbruggerthor“. Nach einer Biberacher

Chronik wurde im 17. Jahrhundert Maienbad und Maienmilch dem Kranken im

Spital verordnet. Der lutherische Sittenprediger ~Martinus Bohemus~,

der keinen der üblichen Maibräuche bestehen lassen will, hält dagegen

die Maibäder für recht, „das man seiner Gesundheit pflege, das man warm

bade, auch kreuterbade gebrauche“[51].

Sogar von einem zwangsweise gebrauchten Maienbade wird berichtet. Die

Mitglieder der Schneidergilde zu Hildesheim waren verpflichtet, an

den sogenannten „freien Montagen“, d.❆h. am Montage nach Ostern, St.

Johannis und in der Maiwoche unmittelbar nach Beendigung der Messe das

Bad aufzusuchen. „Wem nicht gelüste zu baden, der soll dem Schaffer

(der Gilde) einen Pfennig zahlen“[52].

Daß man in den Mineralbädern ursprünglich nur im Mai und nicht im

Herbst, wenigstens nicht gern badete, geht aus der Mainauer Naturlehre

aus dem Ende des 13. Jahrhunderts hervor, wo es beim Herbst heißt:

„Aber da wider so derret unde swechit den lip .... daz man bade in

den badern die mit listen gemaht sint, daz siu selber warment“[44].

1436 aber hielt sich Frau Anna von Weinsberg vom 15. September bis

zum 1. Oktober zur Kur im württembergischen Wildbad auf[53], 1481 die

Pfalzgräfin Amalie von Veldenz, die Tochter des Kurfürsten Albrecht von

Brandenburg, im August in Baden-Baden[54]. ~Anemorinus~ (~Wintperger~)

schlägt für Baden bei Wien 1511 sogar unter Weglassung des Mais den

Juni, Juli, August und September als Kurzeit vor[16], ja ~Dryander~

will 1535 für Ems Winterbäder eingeführt wissen[55]. Im allgemeinen

herrschte aber die alte Ansicht vor, die dem Mai eine Sonderstellung

zuschrieb. Nach ~Ryff~ sind für die, „welche allein gesundtheit zu

pflegen zu sonderlichem leiblichem wollust“, „fürnemlichen im früling

die Meyenbad zugerichtet“[48], und ebenso war es für Kranke. 1597

sagt ~Feurbergk~ (~Pyrmontanus~), der den Schriftstellern seiner Zeit

gegenüber als Fortschrittler betrachtet werden muß: „Nim in acht die

fröliche Meyzeit, dan zu derer zeit ist der Brun (zu Pyrmont) am

krefftigesten“[56], und im 16. Jahrhundert singt der freigeistige

Stadtpfarrer ~Johann Jakob Müller~ von Luzern (er wagte als erster den

berüchtigten Pilatussee zu durchwaten):

„Im Meyen ist die beste Zeit

Ein Badenfahrt anstellen“[38].

Nach ~Pictorius~’ Baderbüchlein (1560) erfordern etliche Krankheiten

den Mai zum Baden[152].

[Sidenote: _Rückgang des Maibades_]

Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen · 第 1 / 53 段