Eine Felsgruppe, 340 ~m~ hoch gelegen, die eine weite Aussicht

gewährt. Dabei Gasthaus und hübsche Parkanlagen mit Teich.

Umfassender ist die Aussicht von dem neuen Taurastein-Turm,

einer Verbindung von Wasser- und Aussichtsturm, im Jahre 1913

seiner Bestimmung übergeben. Die Höhe beträgt 39 ~m~, der

Turm ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen für die Gegend um

Burgstädt. Von der Kuppel aus eine prächtige Fernsicht auf

Erzgebirge und Niederland.

Vom Gasthause in gerader Richtung hinab zur Landstraße. Nun rechts

weiter. Links Gasthof »Bellevue«. Der Weg bietet verschiedene

Ausblicke. Das Chemnitztal wird nach und nach sichtbar. Rechts

auf der Höhe eine weithin sichtbare 100jährige Linde. Das lang

ausgedehnte Taura zieht sich hinab ins Tal. Am Gasthaus »Walhalla«

sind wir bei einer Straßenkreuzung angekommen. Die Straße links geht

direkt nach Schweizertal. Wir gehen erst über die Chemnitzbrücke,

hinter der das Dorf _Markersdorf_ beginnt. Vor uns liegt die Station

Markersdorf-Taura, über der Bahn ist der _Karolapark_, eine bekannte

Gartenwirtschaft, zu sehen. Nach Schweizertal benützen wir nicht

die direkte Straße, sondern folgen dem Wegweiser »Weg n. d. Walde«.

Wegweiser machen auf den verschlungenen Waldwegen auf verschiedene

besondere Punkte aufmerksam, z. B. »Talblick«, »Schreckenstein«,

»Ullrichsburg«, »Bärenhöhle«, »Hockstein«. Prächtige Ausblicke

auf den schäumenden Fluß mit den seinen Lauf hemmenden mächtigen

Rollblöcken, denen er jedenfalls seinen Namen ~Camenice~, d. i.

Steinbach, verdankt. Nun rechts über den Brückensteg mit der Aufschrift

»Gasthaus Schweizertal« zur Talstraße. Diese rechts abwärts, an der

Spinnerei C. A. Tetzner & Sohn vorüber zur Diethensdorfer Mühle mit

Holzschleiferei. Wir wandern die Talstraße weiter, über den Eingang des

Bahntunnels, unter der Bahnbrücke hinweg. Das Tal wird wieder enger und

interessanter. Wir gelangen zur Nähfadenfabrik von H. Dignowity bei der

Station Mohsdorf. Nun über die Brücke und zum _Chemnitztal-Restaurant_,

prächtig gelegen und gern aufgesucht.

Zurück über die Brücke. Dem Wegweiser folgen, der Richtung

»Mohsdorf-Burgstädt« angibt. Immer auf dem viel begangenen Fußweg

bleiben, der am Gebüsch sanft zur Höhe führt. Beim Bahnwärterhaus über

die Geleise, am Bahndamm entlang, die Mohsdorfer Landstraße kreuzen.

Bei der nächsten Wegteilung nach rechts. Wir kommen zu den ersten

Häusern von _Burgstädt_. Der Fußweg verbreitert sich links zu einer

kurzen Straße. Bei der Straßenteilung links durch die Georgenstraße,

weiter die Kaiser Wilhelm-Straße abwärts bis zum Hotel »Sächsischer

Hof« und die Bahnhofstraße (links) aufwärts zum Bahnhof.

Rückfahrt nach Chemnitz.

~c~) _Burgstädt_ -- _Brauselochtal_ (60 Min.) -- _Rochsburg_ (30 Min.)

-- _Höllmühle_ (45 Min.) -- _Burgstädt_ (60 Min.).

Wanderzeit: 3¼ Stunde.

Ausgangspunkt: Bahnhof Burgstädt.

Rechts die Bahnhofstraße abwärts. Beim Kriegerdenkmal links durch die

Augustus- und später Albertstraße. Rechts zum Markt, durch das Turmtor,

über den Friedhof, die Stufen abwärts nach _Burkersdorf_, mit Burgstädt

eng verwachsen. Die Dorfstraße rechts hinab nach _Heiersdorf_. Am

Gasthaus »Zur Quelle« vorbei. Nach Verlassen des Dorfes rechts beim

Gebüsch zeigt ein Wegweiser rechts: »_Brauselochtal_«. Dieses, anfangs

ein heiteres, waldumgebenes Wiesental, verengt sich und nimmt durch

seine grotesken Felsbildungen einen wildromantischen Charakter an. Wir

gehen über zwei Stege. Hinter dem zweiten rechts ein Stolleneingang,

ein Überrest des in alter Zeit hier betriebenen Bergbaues. Endlich

kommen wir im Muldental an, an dieser Stelle hervorragend schön. Wir

wandern links, stromaufwärts. Von waldumrauschter Höhe grüßt die

prachtvolle Rochsburg, ein steinerner Zeuge aus Sachsens Vergangenheit.

Nach Überschreiten des Drahtseilsteges (Brückengeld!) rechts am Ufer

entlang, später ansteigend. Wegteilung: rechts hinauf zum Gasthof zur

Rochsburg, mit schönem Garten am Eingang der _Rochsburg_.

Die Rochsburg ist die besterhaltenste Ritterburg Sachsens

aus dem 12. Jahrhundert. Ihr Name stammt aus dem Slavischen

und rührt von ihrer Lage her (~roh~ = Horn, Felsvorsprung).

Urkundlich bereits 1200 erwähnt, gelangte sie im 16.

Jahrhundert in den Besitz der Herren von Schönburg. Der jetzige

Besitzer ist Graf Joachim von Schönburg-Glauchau. Starke

Mauern mit Zinnen und Türmchen, ein in den Felsen gehauener

tiefer Graben, über den eine Zugbrücke führt, schirmen die

Burg. Die Besichtigung ist, in Abwesenheit der Herrschaften,

gegen ein Trinkgeld an den Kastellan gestattet. Durch das mit

Wappen gezierte Tor gelangt man in den Zwinger, der von einer

alten mit Schießscharten versehenen Ringmauer eingefaßt ist.

Ein zweites Tor öffnet uns den äußeren Schloßhof, in welchem

sich der 25 ~m~ hohe Turm, der früher als Pulverturm diente,

erhebt. Auf einer breiten Treppe gelangen wir zum Schlosse, das

eine Anzahl sehenswerter Räume, wie Ahnensaal, Konzertsaal,

Bibliothek usw. enthält. Die Schloßkapelle stammt aus dem Jahre

1500. Auf dem Hofe befindet sich ein 150 ~m~ tiefer Brunnen,

von dem aus ein geheimer Gang ins Freie führt. Der 32 ~m~ hohe

Hauptturm mit der Kuppel enthält das Burgverließ. Vor dem

Eintritt ins Schloß geht man links den Promenadenweg in den

Burggraben hinab. Im Graben, bevor man an den Felsendurchgang

kommt, geht man rechts hinauf auf steilem Pfad zu einem

angeblich 1000 Jahre alten Efeustock. Der herrliche Wald des

Schloßberges ist zu einem öffentlichen Park geworden.

Zurück über die Drahtseilbrücke, am rechten Muldenufer rechts entlang.

Wegweiser »Höllmühle«. Diesem folgend im Walde links aufwärts auf

reizendem Wege zur idyllisch gelegenen _Höllmühle_, einem ländlichen

Gasthaus mit Mehl- und Schneidemühle, zu Chursdorf gehörig. Ein Teich

mit Gondelgelegenheit ist vorhanden. Aus dem Gasthause tretend links im

Walde aufwärts. Die »wüsten Güter« bleiben rechts. Durch den Peniger

Forst nach Burgstädt. Die Stufen zum Kirchhof hinauf, zum Friedhof. Zum

Bahnhof wie eingangs beschrieben. Mit der Bahn nach Chemnitz zurück.

~d~) Von der _Rochsburg_ über _Lunzenau_ (45 Min.) nach _Cossen_ (20

Min.).

Wanderzeit: 1 Std. 5 Min.

Ausgangspunkt: Gasthof zu Rochsburg.

Ungefähr zwei Minuten abwärts eine Laterne. Rechts ein herrschaftliches

Gut. Wenige Schritte weiter abwärts Wegteilung. Rechts den breiten

ebenen Fußweg weiter auf die Fahrstraße. Diese ca. 2 Minuten nach

links, dann rechts weiter. Aussichtsreicher Weg. Der Weg senkt sich.

Wegeteilung an der Waldecke: links am Waldrand abwärts. Bergauf und

bergab, über drei Brücken und durch Wald. Links liegt der Wildpark

des Geh. Kommerzienrates Vogel-Lunzenau. Unweit davon die Besitzung

mit Park des Rentier Eben. Park kann nach vorheriger Anmeldung beim

Gärtner (Grundstück Nr. 43) besichtigt werden. Eine Reihe Villen und

Arbeiterwohnhäuschen folgen, bis wir zur Weberei und Papierfabrik

Vogel gelangen. Eine Tafel am Eingang nennt die Namen der Besitzer des

Etablissements. Am Fabrikgebäude hin auf die Königstraße und zum Markt

von _Lunzenau_.

Lunzenau hat über 4000 Einwohner und ist seit 1838 Stadt.

Hübsche Villen und freundliche Arbeiterwohnungen. Die schon

genannte Papierfabrik und Holzschleiferei ist eines der größten

Unternehmen auf diesem Gebiete. Weiter besitzt die Stadt an

Industrie: Mechanische Webereien, Schuhmachereien, Strumpf- und

Zigarrenfabriken.

Am Ende des Marktes rechts, über die Muldenbrücke. Bei der Wegteilung

die breite Straße geradefort, allmählich enger, über die Bahn und zum

Bahnhof Cossen.

Nach Chemnitz zurück.

~e~) _Burgstädt_ -- _Helsdorf_ (1¼ Std.) -- _Höllmühle_ (25 Min.) --

_Rochsburg_ (1 Std. 20 Min.).

Wanderzeit: 3 Std.

Ausgangspunkt: Bahnhof Burgstädt.

Die Bahnhofstraße hinab bis zum Kriegerdenkmal, links die

Augustusstraße weiter, die sich in die Albertstraße fortsetzt. Bis

Albertstraße Haus Nr. 12. Nun nach rechts zum Markt. Dann links durch

das alte Turmtor zum Kirchhof. Links an der Kirche hin. Nach Verlassen

des Friedhofes die Stufen hinab nach _Burkersdorf_. Rechts über die

steinerne Brücke bis Restaurant »Börse«. Links weiter zur Wegteilung.

Die Wegsäule zeigt uns die Richtung nach _Helsdorf_. Dem Wege, ohne

nach links oder rechts abzugehen, folgen bis zu einem mit Pappeln

bepflanzten Weg. Auf diesem nach rechts. Bei der nächsten Wegsäule

wiederum der Angabe »Helsdorf« folgen. Der Weg geht in den Rochsburger

Forst. Nach Verlassen desselben macht der Weg einige Bogen. Im Tale

wird Chursdorf sichtbar. Wir kommen nach _Helsdorf_.

Die Ableitung des Namens von Hel, der alten germanischen Göttin

der Unterwelt, ist nicht begründet. Vielleicht hängt der Name

mit dem der Höllmühle zusammen.

Das eigentliche Dorf befindet sich rechts von unserem Wege. Dieser geht

erst etwas bergab, steigt aber dann wieder an und führt in den Wald.

Nach kurzer Waldwanderung Wegteilung. Wir bleiben in der alten Richtung

und gehen den mittelsten Weg weiter im Walde abwärts. Nach wenigen

Minuten erneute Wegteilung. Unser bisheriger Weg biegt scharf nach

rechts. Wir gehen links hinab durch den Hohlweg zur _Höllmühle_.

Ein Idyll voll echter Mühlenpoesie. Gewaltige Linden, lauschige

Lauben, auch Gelegenheit zum Gondelfahren auf dem ansehnlichen

Zuflußteiche.

Wir gehen nun durch das Gehöft hinab in den Wald. Links ein Steinbach.

Der Weg führt uns zu dem Bache hinab. Wir überschreiten zwei Brückchen,

ein kühler Waldgrund nimmt uns auf. Mit dem Höllmühlenbach wandern wir

bis zu seiner Mündung in die Mulde. Am anderen Ufer bemerken wir die

_Wollspinnerei Amerika_. Gehört zum Dorfe Arnsdorf und ist eine der

bedeutendsten Baumwollspinnereien Sachsens.

Nun an der Mulde nach rechts, dem Flusse folgend. Eine prächtige

Wanderung, befinden wir uns doch an einer der schönsten Strecken des

Muldentales. Bei Wegteilung links am Flusse weiter. Nach ungefähr 20

Minuten an unserem Wege links eine Fichte, angeblich über 200 Jahre

alt. Wir gelangen zu den »Pferdeställen«, mächtige bis 60 ~m~ hohe

Felsen. Der Name stammt aus dem 30jährigen Kriege, in dem die Bauern

der umliegenden Dörfer ihre Pferde hier verborgen hielten. Bald sehen

wir auch das Dorf Rochsburg mit dem stimmungsvollen Kirchlein. Über

die Drahtseilbrücke (Brückengeld!). Nun rechts am Ufer weiter, langsam

ansteigend. Bei der Wegteilung nach rechts empor zum Gasthaus zur

Rochsburg, dicht bei der Burg.

~f~) _Rochsburg_ -- _Berthelsdorf_ (1 Std.) -- _Hohenkirchen_ (20 Min.)

-- _Cossen_ (20 Min.).

Wanderzeit: 1 Std. 40 Min.

Vom Schlosse hinab zur Mulde und über die Drahtseilbrücke. Links

weiter, immer am Flußufer hin. Nach ¼ Stunde über eine kleine

Brücke. Nach Überschreiten, bei der Wegteilung, links weiter, bis

zur Einmündung des Brausetalbaches. Immer am Flusse weiter. Bei der

Wegteilung beliebigen Weg einschlagen, da sich beide Wege wieder

vereinigen. Durch Gebüsch. Wiederum Wegteilung, rechts hinauf, nach

einer Minute erneute Teilung, nun links. Wir sehen eine Eisenbahnbrücke

und rechts daneben die _Amtmannskluft_, eine hervorstehende Felsgruppe.

Unser Weg überschreitet ein Bächlein und geht scharf rechts bergauf,

nach 2 Minuten links hinauf. Nach weiteren 1--2 Minuten geht ein

schmaler Fußweg links durch den Busch zur _Amtmannskluft_. Nach einem

Rochsburger Amtmann benannt, der sich hier von der Höhe hinab in

die Mulde gestürzt haben soll. Der Felsen gewährt einen Blick ins

Muldental. Wir gehen den Fußweg zurück bis zu unserem Wege und weiter

bergan. Wenige Minuten nach Verlassen des Waldes verändert unser Weg

seine Richtung nach rechts. Durch eine mit Pflaumenbäumen bepflanzte

Straße gelangen wir nach _Berthelsdorf_. Wir bemerken zunächst das

Rittergut, der Familie v. Wilucki gehörig. Der Teich bleibt links.

Wir gehen an ihm entlang. Bei Haus 23 teilt sich der Weg. Wir folgen

dem Wegweiser links hinauf nach _Hohenkirchen_, das wir in 15 Minuten

erreichen. Die Kirche lassen wir links und gelangen zum Gasthaus

»Heiterer Blick«. Ein Wegweiser zeigt uns den Weg nach Göritzhain, wir

folgen ihm nach rechts abwärts. Nach knapp zehn Minuten teilt sich der

Weg. Wir gehen links auf die breite Landstraße und auf dieser rechts

hinab zum Bahnhof _Cossen_.

Rückfahrt nach Chemnitz.

~g~) _Burgstädt_ -- _Chemnitztal_ (50 Min.) -- _Stein_ (40 Min.) --

_Göritzhain_ (30 Min.) -- _Seitenhain_ (40 Min.) -- _Wechselburg_ (40

Min.) -- _Rochlitzer Berg_ (1 Std.) -- _Rochlitz_ (1 Std.).

Wanderzeit: 6 Std.

Ausgangspunkt: Bahnhof Burgstädt.

Vom Bahnhof durch die Bahnhofstraße bis zum Sächsischen Hof, dann

die Kaiser Wilhelmstraße rechts weiter, nach wenigen Schritten die

Georgenstraße links gehen bis zu ihrem Ende, ungefähr 1 Minute nach

links hinab bis zu Hausnummer 478. Hier rechts abgehen. Ein breiter

Fußweg führt uns aufs Feld hinaus. Über die Mohsdorf-Burgstädter

Straße. Weiterhin beim Bahnwärterhaus (links) über die Bahn. Dahinter

den mittleren Weg gehen (also nicht in Richtung des Bahnwärterhauses!)

Wir gehen nicht rechts und links von unserem Wege ab, der uns

schließlich auf die Fahrstraße bringt. Diese gehen wir weiter in das

_Chemnitztal_ hinab bis zum _Chemnitztal-Restaurant_.

Nun die Chemnitztalstraße abwärts an einer Pappenfabrik vorüber zur

Gastwirtschaft »Schweizerschlößchen«. Das Tal zeigt seine Schönheiten.

Mächtige Felsblöcke sperren den Lauf des Flusses. Wir gelangen nach

_Stein_. Am Wege liegen verschiedene Fabriken. Das Dorf, 830 Einwohner

zählend, zieht sich rechts am Hang hinauf. Die Straße führt dicht am

Flusse unterhalb einer Felswand, im Volksmunde der Wachholderberg

genannt, entlang. Bei den Pappenfabriken von Gerstäcker kommen wir

nach Göritzhain (Gasthof zum Stern), wo links über die Brücke der Weg

in ½ Stunde zum Bahnhof Cossen mit Anschluß nach Chemnitz führt. Drei

Minuten abwärts vom Dorf verläßt der Fahrweg das Tal. Wir folgen dem

Wegweiser nach _Seitenhain_. Hier auf der Höhe den Fahrweg links dem

Muldental zu. Beim Gasthof Wegteilung. Wir gehen auf der bisherigen

Straße auf der Höhe weiter. Nach ¼ Stunde erschließt sich der Blick auf

das Muldental. Wechselburg mit Schloß, darüber der Rochlitzer Berg,

links der Göhrener Viadukt werden sichtbar. Unten durch den Bahndamm

nach _Wechselburg_.

Wechselburg gilt nicht mit Unrecht als Perle des Muldentales.

Der anmutig gelegene Marktflecken zählt gegen 1600 Einwohner.

Die weinumsponnenen Häuser sind mit Gärten und Bäumen umgeben

und gewähren reizende Anblicke. Es wurde im Jahre 1174 vom

Markgrafen Dedo von Rochlitz als Augustinerkloster mit Namen

Zschillen gegründet. Dedo war ein Sohn Otto des Reichen und

soll übermäßig fett gewesen sein. Darum war er auch in größter

Verlegenheit, als ihn der Kaiser Heinrich VI. aufforderte, ihn

nach Italien zu begleiten. Er entschloß sich daher, von einem

Wunderarzte das hinderliche Fett aus dem Leibe schneiden zu

lassen. Das geschah mit so unglücklichem Erfolge, daß er wenige

Tage darauf, am 16. August 1199 unter schrecklichen Schmerzen

seinen Geist aufgab.

Die Mönche des Klosters Zschillen trieben es derart, daß der

Markgraf Heinrich der Jüngere das Augustinerkloster aufhob.

1289 ward es in eine Komturei des Deutschherrnordens

umgewandelt und galt als eines der reichsten geistlichen

Besitztümer des Ordensbezirkes Thüringen. Nach Einführung der

Reformation kam es in den Besitz Herzog Heinrichs, der es 1543

an den Grafen von Schönburg gegen dessen Besitzungen Wehlen,

Hohnstein und Lohmen im Meißnischen auswechselte. Dabei wurde

auch der Name in Wechselburg umgewandelt. An der Stelle des

Klosters steht jetzt das mächtige Schloß, nur Kirche und

Kreuzgang blieben als Reste des Klosters erhalten. Die Kirche

ist eine Basilika mittlerer Größe, in Kreuzform gebaut und

der Jungfrau Maria geweiht. Die Skulpturen und die Vorhalle

zählen zu den schönsten deutschen Werken. Der größte Teil ist

aus rotem Rochlitzer Porphyr aufgeführt. Hochaltar, Kanzel,

das säulenartige Portal, ferner das Grabmal des Stifters Dedo

des Fetten und seiner Gemahlin Mechthildis, vor allem aber der

Hochaltar mit seiner herrlichen weltberühmten Kreuzesgruppe,

in allen kunsthistorischen Werken genannt und gepriesen, sind

Kunstwerke allerersten Ranges und Ruhmestaten der sächsischen

Bildhauerkunst. Die Kirche wurde 1869 und 1874 von dem Grafen

Karl von Schönberg renoviert und gilt als der berühmteste

romanische Bau in Sachsen. Evangelischer Gottesdienst findet

nur einmal im Jahre statt, sonst dient die Kirche dem

katholischen Ritus.

Gegenwärtiger Besitzer des Schlosses ist der Graf v.

Schönburg-Glauchau.

Der Eingang zum Schlosse befindet sich auf der Südseite. Das Portal ist

mit einem Wappen und einer Madonnenfigur verziert. Im Torhause erhält

man Erlaubnis zum Besuche der Schloßkirche (1 bis 3 Personen 1 Mark,

jede weitere Person 20 Pfennige, es werden aber höchstens 12 Personen

zu gleicher Zeit eingelassen).

Sehr sehenswert ist auch der Schloßpark mit den Gewächshäusern. Man

melde sich beim Schloßgärtner (1 bis 5 Personen 1 Mk., jede weitere

Person 20 Pfg.).

Vom Schlosse über den Markt hinunter zur Muldenbrücke und jenseits

derselben am Ufer rechts ab. Nach kurzer Zeit in den Wald. Über eine

Bachbrücke. Ein Wegweiser zeigt uns den Weg nach rechts zum Rochlitzer

Berg, den wir erst bei ziemlicher, später mäßiger Steigung erreichen.

Der Rochlitzer Berg ist 353 ~m~ hoch und besteht größtenteils

aus rotem Porphyr, der in zahlreichen Steinbrüchen abgebaut

wird. Das Gestein, richtiger Porphyrtuff, auch Rochlitzer

Sandstein genannt, wird nachweislich schon seit der Bronzezeit

verarbeitet und gibt jetzt noch ein vorzügliches Baumaterial.

Der massive Turm ist daraus gebaut worden. Er ist 26 ~m~

hoch und wurde 1860 als Denkmal an den am 9. August 1854

verstorbenen König Friedrich August errichtet.

Die Aussicht ist überaus umfassend und gilt als eine der

schönsten aller sächsischen Berge. Bei günstigem Wetter sollen

sogar der Brocken und die Dome zu Merseburg und Freiburg a. d.

Unstrut zu sehen sein.

Eintrittspreis zum Turm: 15 Pfennige, Kinder 10 Pfennige. Man

erwerbe sich beim Kastellan einen Orientierungsplan, der die

gewaltige Aussicht erklärt.

Verschiedene Waldwege führen nach Rochlitz.

Wir schlagen am Stein 21 rechts den Promenadenweg ein, den uns

ein Wegweiser angibt. Nach kurzer Wanderung überschreiten wir die

Wechselburg-Rochlitzer Fahrstraße. Ein Gedenkstein erinnert an

verschiedene Rochlitzer, die sich um die Anlage der Promenadenwege

verdient gemacht haben. Von einem Rundteil genießen wir ein malerisches

Bild auf Schloß und Stadt Rochlitz. Wir folgen immer den Wegweisern und

gelangen nach Rochlitz, zunächst zum Schlosse.

Rochlitz, 170 ~m~ hoch gelegen, zählt 6300 Einwohner.

Die Industrie umfaßt hauptsächlich Mechanische Weberei,

Zigarrenfabrikation und Schuhfabrikation. Rochlitz wird bereits

im Jahre 981 genannt und war im Jahre 1000 schon Sitz eines

Burgwarts. Im Mittelalter genoß es durch seine Leinewebereien,

Tuchmacherei und Steinmetzerei ziemliches Ansehen. Die Stadt

entwickelte sich im Anschluß an das mächtige Schloß mit den

beiden Bergfrieden auf der Schmalseite, die den Namen »Juppen«

führen und 1390 gebaut wurden.

1547 wurde hier der Markgraf Achilles von Brandenburg

überfallen und gefangen. Der Schloßhof macht einen malerischen

Eindruck. In der interessanten Schloßkapelle befindet sich das

Museum des Rochlitzer Geschichtsvereins. (Besichtigungszeiten

sind aus dem Anschlag zu ersehen). Rochlitz ist der Sitz

verschiedener Behörden und Schulen. Sehenswert ist neben

der Petrikirche, an Stelle einer früher hier befindlichen

romanischen Kirche im 15. Jahrhundert erbaut, besonders

die Kunigundenkirche. Sie zeigt romanische, gotische und

spätgotische Architektur. Vor der Kirche ein Denkmal des als

Freund Luthers und Liederdichters bekannten Pfarrers Mag. Joh.

Mathesius, eines Sohnes der Stadt Rochlitz.

Wir wandern vom Schlosse an der St. Petrikirche entlang durch die

Schloßstraße zum Markt. Entfernung zum Bahnhofe 20 Minuten.

Rückfahrt kann mit der Muldentalbahn erfolgen. Entweder nach

Wechselburg, umsteigen und weiter nach Chemnitz oder nach Lunzenau

fahren, nach Bahnhof Cossen zu Fuß (20 Minuten) und von Cossen nach

Chemnitz fahren.

Man kann auch von Rochlitz über Narsdorf (umsteigen!) nach Chemnitz

fahren.

~h~) _Markersdorf-Taura_ -- _Schweizertal_ (20 Min.) _Chemnitztal_

(20 Min.) -- _Göritzhain_ (1¼ Std.) -- _Seitenhain_ (40 Min.) --

_Wechselburg_ (40 Min.) -- _Rochlitzer Berg_ (1 Std.) -- _Narsdorf_ (1

Std.).

Wanderzeit: Reichlich 5 Stunden.

Ausgangspunkt: Bahnhof Markersdorf-Taura.

Hierher von Chemnitz mit der Bahn. Vom Bahnhof Fußweg mit Wegweiser

»Nach dem Walde«. Am Rande desselben hin. Verschiedene Felsvorsprünge

-- Ullrichsburg, Hockstein -- gewähren Talblicke. Vom Hockstein hinab

zur Bahn, über dieselbe und wieder aufwärts zum Brückensteg im engen

Tale mit den, den Lauf des Flusses hemmenden Felsen im Flußbette.

Mächtige Gneisblöcke mit Strudellöchern. Über den Steg dem Wegweiser

»Gasthaus Schweizertal« folgend. Nun auf der Talstraße rechts weiter

nach Schweizertal mit Fabriken, sowie Villa Tetzner. Das Tal weitet

sich und wird sehr sonnig. Wir gehen geradeaus, biegen rechts, über

den Tunneleingang der Bahn hinweg und dem Flusse folgend, weiterhin

wieder unter der Bahnbrücke beim Tunnelausgang hindurch. Eine sehr

lohnende Wanderung durch das interessante Granulitgebiet. Bei der

Station Mohsdorf über die Brücke zum _Chemnitztal-Restaurant_. Von hier

zum Rochlitzer Berg (siehe 7 ~g~, Seite 44).

_Vom Rochlitzer Berg nach Bahnhof Narsdorf_ (1 Std.).

Vom Berggasthaus die Waldstraße links abwärts. Nach Austritt aus dem

Walde wenige Schritte, dann links den schmalen Fußweg ab, um ein Stück

Straße abzuschneiden. Am Kilometerstein 4,4 wieder auf die Landstraße.

Die Landstraße ist ziemlich reizlos. An Mutzscheroda vorüber und

endlich zum Bahnhof _Narsdorf_.

Fahrt über Cossen nach Chemnitz.

~i~) _Cossen_ -- _Göhrener Viadukt_ (30 Min.) -- _Altzschillen_ (30

Min.) -- _Wechselburg_ (30 Min.) -- _Rochlitzer Berg_ (1 Std.).

Wanderzeit: 2½ Std.

Ausgangspunkt: Bahnhof Cossen.

Mit der Bahn von Chemnitz nach Cossen. Eine sehr lohnende und viel

unternommene Wanderung!

Aus dem Bahnhofe tretend gehen wir die Fahrstraße abwärts. Nach 2

Minuten Wegkreuzung, rechts ab zum Dorf Cossen. Auf der Straße abwärts

in einer knappen halben Stunde zum _Göhrener Viadukt_.

Diese drittgrößte Eisenbahnbrücke Sachsens ist 68 ~m~ hoch,

8 ~m~ breit und 412 ~m~ lang. Die Mittelbogen sind 26 ~m~

breit. Die Brücke wurde 1870/71 erbaut. Die Namen der Erbauer

künden drei Schilder an der oberen Brückenseite. Man zählt 21

obere und 5 untere Bogen.

Wir wandern durch die Brücke am linken Ufer hin. Bald gelangen wir an

die Mündungsstelle der Chemnitz in die Mulde. Wenige Minuten davon

beginnt _Altzschillen_.

Wir genießen einen schönen Blick auf Schloß und Flecken Wechselburg und

im Hintergrund den Rochlitzer Berg. Endlich zur Muldenbrücke und nach

Wechselburg.

Von Wechselburg zum Rochlitzer Berg siehe 7 ~g~, Seite 44.

Abstiege vom Rochlitzer Berg Seite 45, 47.

~k~) _Pumpschenke Chursdorf_ -- _Höllmühle_ (50 Min.) -- _Spinnerei

Amerika_ (50 Min.) -- _Penig_ (1 Std.)

Wanderzeit: 2 Std. 40 Min.

Ausgangspunkt: Pumpschenke Chursdorf.

Hierher mit dem Auto. Abfahrt vom Alten Stadttheater Chemnitz.

Durch die Kirschenallee rechts ab. Wir durchschreiten das

langgestreckte Dörfchen Chursdorf bis zum unteren Ende. Von hier

links weiter zur _Höllmühle_. Nun zwischen den Gebäuden hindurch am

schäumenden Höllmühlenbach hinab ins Muldental. Der Bach wird an

verschiedenen Stellen auf schmalen Stegen überschritten. Wir gelangen

(½ Stunde ab Höllmühle) auf den Rochsburger Weg am rechten Muldenufer.

Eine Wegtafel weist uns nach »Restauration Amerika«. Am anderen Ufer

liegt die _Spinnerei Amerika_. Wir überschreiten die Brücke. Nun durch

den Wald am linken Muldenufer dem Flusse entgegen nach _Penig_.

Erzgebirgisches Wanderbuch 148 Ausflüge und Wanderungen in die Umgebung von Chemnitz und das Erzgebirge · 第 3 / 20 段