_*Die Radebeule_, auch Radobyl genannt, ist jener mächtige Basaltkegel

im Westen der Stadt, welcher mit dem ihm gegenüberliegenden Lobosch

gewissermassen die Wache am Eingange der böhmischen Schweiz hält. Ein

gewaltiges gusseisernes Kreuz krönt den Berg, von dessen Gipfel man

eine herrliche Rundsicht über einen grossen Theil des nordwestlichen,

sowie des mittleren Böhmen geniesst. Ein gut gangbarer Weg führt von

Leitmeritz aus auf den Berg, dessen Fuss von Reben umrankt wird.

Nördlich von der Radebeule erhebt sich der _*Kamaiker Eisberg_. Von

Leitmeritz gelangt man in einer Stunde auf der Kamaiker Strasse nach

dem Orte Kamaik mit der Burgruine gleichen Namens. Oberhalb dieser

Ruine, die weithin in's Elbethal sichtbar ist, liegt der erwähnte

Eisberg, merkwürdig dadurch, dass man in heissen Sommertagen, besonders

nach einem Regen, in den vom Steingerölle umgebenen Gruben Eis findet.

Am nördlichen Abhange des Eisberges steht, eine anmuthige Idylle

bildend, die Kapelle des heil. Johannes des Täufers in der Wüste,

von wo aus, unter den Aesten mächtiger Eichen hinweg, das Auge über

eine prächtige Elbelandschaft zu schweifen vermag. Die Aussicht ist

besonders nach Süden und Südosten reizend. Von Kamaik kann man nun

entweder den Abstieg zur Elbe nach Gross-Tschernosek oder auch nach

Libochowan nehmen.

_Gross-Tschernosek_ liegt in der Richtung gegen Milleschau und ist

berühmt wegen des dort gebauten Weines. Unter dem Namen »Tschernoseker«

kommt eigentlich aller im Leitmeritzer Elbegau producirte Wein in

den Handel. Eine Sehenswürdigkeit in Tschernosek bildet der _*gräfl.

Nostiz'sche Weinkeller_, der horizontal in den Berg hineingebaut ist.

Dieser Keller stammt zum Theil aus dem 13. Jahrhundert und zeichnet

sich durch seine riesige Ausdehnung aus. 50.000 Eimer Wein vermögen

darin ganz gut untergebracht zu werden. Durchschnittlich enthält er

8000 Eimer.

_Nach Libochowan_ führt von Kamaik aus eine Fahrstrasse über das

obstbaumreiche Dorf Rschepnitz zur Elbe. Bei Libochowan befinden sich

Wälle aus der Keltenzeit, wie auch in der Nähe des genannten Dorfes vor

einigen Jahren Heidengräber entdeckt wurden. Zwischen Tschernosek und

Libochowan erhebt sich an der Elbe _der Dreikreuzberg_.

Sehr beliebte und sehr besuchte Ausflugsorte sind die Einsiedelei

_*Skalitz_, die _Villa *Mentau_ und _*Kundratitz_. Wir können alle

drei Punkte in einem auf einen Nachmittag berechneten Spaziergange

besuchen. Unser erstes und nächstes Ziel sei die Einsiedelei Skalitz,

welche dort am Bergesabhange zwischen grünen Waldbäumen hervorlugt.

Wir können entweder den Weg über das nahe Pokratitz in nördlicher

Richtung einschlagen, um am Bachesrande im schattigen Thale vorwärts

zu schreiten, oder wir können auch auf der bequemeren, von zwei

Obstbaumalleen begrenzten Schüttenitzer Strasse über das zwischen

Obstbäumen gelegene Dorf Schüttenitz, welches das mildeste Klima in

Böhmen besitzen soll, die Skalitzer Höhe erreichen. Die so anmuthige

Einsiedelei ist gegenwärtig von einem Förster bewohnt, bei welchem

man einen ganz guten Kaffee, sowie Bier u. s. w. erhält. Unweit des

Försterhauses streckt ein kleines Kirchlein seinen Thurm in die Höhe,

und unterhalb des Hauses zeigt man eine Höhlung in Sandsteinfelsen,

welche dem Einsiedler als Wohnung diente. Natürlich geniesst man von

hier eine prachtvolle Fernsicht auf die weite Ebene, durch welche sich

der Elbstrom schlingt.

Etwas höher und westlich von Skalitz blickt die _Villa Mentau_ vom

Bergesabhange in's weite Thal hinab. Diese Villa wurde erst im Jahre

1878 von dem Herrschaftsbesitzer und Grossindustriellen Edlen von

Schroll in Liebeschitz, dem Besitzer des Waldes, welcher diese Höhen

schmückt, mit einem Kostenaufwande von 40.000 fl. erbaut und dient

ebenfalls einem Förster, der gleichzeitig Restaurateur ist, als

Wohnung. Unten in der Thalschlucht, dem Melbiner Thale, verborgen

hinter mächtigen Bäumen, klappert die Melbiner Mühle, wo man auch

leibliche Stärkung erhalten kann, und an unser Ohr dringt das

einförmige und doch so anheimelnde und wohlthuende Rauschen des klaren

Gebirgsbaches, der sich durch dichtes Gebüsch über Stock und Stein

seinen rauhen Weg gebahnt.

Doch wir müssen weiter; noch einen Blick auf das grosse und schöne

Panorama zu unseren Füssen, und wir setzen unseren Bergstock wieder

fest auf, um über Wiesen und Fluren und durch den schattigen Wald

den Bergesrücken zu erklimmen, hinter welchem ein wahres Kleinod des

böhmischen Mittelgebirges verborgen liegt, wir meinen die Sommerfrische

_*Kundratitz_. Hier sei erwähnt, dass man von Mentau aus auch auf den

Berg _Hradisken_ gelangen kann, der sich durch eine schöne Rundsicht

auszeichnet. Unser Ziel ist jedoch, wie gesagt, Kundratitz. Zwischen

den Waldbäumen sehen wir nach halbstündiger Wanderung, nördlich von

Mentau, die Villa »Henriettenruh« hervorschimmern und bald ruhen wir

im Schatten des Waldes, unmittelbar an der Villa, von unserem immerhin

etwas anstrengenden Marsche aus. Man kann Kundratitz auch von einer

anderen Seite von Leitmeritz aus erreichen, indem man auf der Strasse

über Pokratitz nach Hlinay geht, wobei sowohl Skalitz als Mentau

rechts liegen bleiben. Nachdem wir uns gestärkt, betreten wir die

Terrasse der Villa und erquicken unser Herz an der überraschend schönen

Fernsicht, die man von hier aus geniesst. Ein landschaftliches Bild,

wie es lieblicher, prächtiger nicht gedacht werden kann, eröffnet sich

da vor unseren Augen; mehr als dreissig kegelförmige Bergspitzen des

Mittelgebirges, mit dem Vater »Milleschauer« in der Mitte, erheben sich

in den duftigen Aether, während im Vordergrunde sich das _Tlutzner_

Thal, eingeschlossen von grünen Waldesflächen, mit seinen tausenden

von Obstbäumen, aus denen die Dächer der Orte Kundratitz und Tlutzen

verführerisch hervorlugen, ausbreitet. Fürwahr, es ist entzückend

schön, dieses Landschaftsbild und immer und immer wieder schweift der

Blick wie trunken über diese anmuthigen Scenerien, die ihres Gleichen

nicht bald wieder haben.

Sind wir einmal 599 m über der Meeresfläche, so können wir auch noch

etwas weiter steigen und dem in einer guten Viertelstunde erreichbaren

_Warhorscht_ einen Besuch abstatten. Von diesem ringsherum frei

dastehenden Berggipfel ist die Rundsicht eine vollständige, aber auch

eine grossartig schöne. Von hier aus überblickt man das Teplitzer Thal

und das ganze herrliche Thal von Aussig, Kulm bis Teplitz, weiter

Dux, Ossegg u. s. w. Der schwarze Maulwurfshügel in der Ebene ist der

Teplitzer Schlossberg, der uns leider die alte Thermenstadt verdeckt.

Dort oben am Kamme des Erzgebirges winkt das Mückenthürmchen herüber,

während weiter im Norden die Nollendorfer Kirche sichtbar wird. Recht

deutlich bemerkt man auch den hohen Schneeberg bei Bodenbach. Mehr im

Vordergrunde windet sich die Elbe durch die Berge, und soeben sehen

wir vor uns in der Tiefe den Dampfer in Salesl landen. Nördlich,

wo die Elbe in den Bergen verschwindet, klebt nett und winzig der

Schreckenstein, der uns nicht gestattet, mehr als bloss einige Häuser

der gewerbefleissigen Elbestadt Aussig zu sehen. Gegen Nordosten

schimmern in blauer Ferne die Berge des Isergebirges und vom Jeschken

bei Reichenberg ragt der Gipfel, für unser Auge sichtbar, gegen den

Himmel. Wenden wir uns nunmehr gegen Süden, so ist die Landschaft eine

ganz veränderte; eine meilenweite Ebene erstreckt sich nach Süden, in

welcher sich bei Raudnitz der Říp und einige weniger bedeutende Höhen

erheben. Es würde zu weit führen, wollten wir hier eine ausführliche

Schilderung dieser wundervollen Rundsicht, die in dieser Gegend

jedenfalls nur von jener des Milleschauer übertroffen wird, wiedergeben.

Kundratitz gewinnt als Sommerfrische von Jahr zu Jahr an Beliebtheit

und sind es Familien aus Dresden, Berlin, Prag usw., die mehrere Wochen

des Sommers in stiller Abgeschiedenheit hier zubringen.

Ein von Kundratitz in einer guten halben Stunde zu erreichender

Aussichtspunkt ist die _*Wache_, ein Gebirgsvorsprung unterhalb

des Warhorscht, mit einem herrlichen Einblick in's Elbethal. Ein

weiterer Spaziergang von Kundratitz aus ist _das lange Loch oder der

Höllengrund_, ein Felsenabsturz rechts von der Strasse nach Tschersing.

Das Dorf Tschersing ist in ¾ Stunden von Kundratitz zu erreichen. Von

hier führt eine romantische Thalschlucht zum Elbethal gegen Sebusein.

Eine Reihe prächtiger Waldpartien, die freilich noch weniger bekannt

sind und von Fremden ohne Führer nicht gemacht werden können, lassen

sich von Skalic aus unternehmen. Wir nennen hier Neuhof, die Tetschner

Aussicht und das Dorf Babina.

_Grössere Partien_: Wer einen ganzen Tag aufwenden will, ohne sich

dabei anzustrengen, dem ist die Partie nach Triebsch zu empfehlen.

Von Leitmeritz aus schlagen wir die Aerarialstrasse nach _Trnowann_

ein. Hinter diesem Orte führt die Strasse über den _*Weissen Berg_,

welchen bereits in diesem Jahre ein Standbild Kaiser Josefs II.

krönen wird, das die Landwirthe des Ploschkowitzer Thales dem grossen

Volkskaiser zu errichten gedenken. Von der Höhe des Weissen Berges

bietet sich dem Beschauer ein reizendes landschaftliches Gemälde

dar. Ueber Leitmeritz hin breitet sich die weite Ebene aus, die von

den Bergen des Mittelgebirges begrenzt wird, während in der Richtung

gegen Ploschkowitz, das Ploschkowitzer Thal, mit seinen überaus

fruchtbaren Fluren, seinen ungezählten Obstbäumen und den Bergeshöhen

wie ein Schmuckkästchen der Natur daliegt. Wieder am Fusse des

Hügels angelangt, weichen wir links von der Auschaer Strasse ab und

schlagen die Bezirksstrasse nach _*Ploschkowitz_ ein, das wir in einer

Viertelstunde (von Leitmeritz 1½ St.) erreichen. Ploschkowitz besitzt

ein prächtiges kaiserliches Schloss mit einem Parke im französischen

Styl.

Wir wenden uns nördlich über Techobusitz gegen Triebsch, das sich

anmuthig am Fusse des Kelchberges ausbreitet und das zweit grösste

Dorf des Leitmeritzer Bezirkes ist. (3 Stunden von Leitmeritz.) _Der

Kelchberg_ steigt in 2 Terrassen auf; er ist bequem zu besteigen und

bietet eine schöne Aussicht nach allen Richtungen. Im Orte Triebsch

befindet sich ein Herrenhaus mit einem sehr hübschen Parke.

Den Rückweg nach Leitmeritz schlagen wir über Kudeslawitz ein. Dieses

Dorf liegt am südlichen Abhange der »Dreiberge« und erfreut sich

schöner Waldungen, die von Strassen durchschnitten werden, so dass der

Wald einen parkähnlichen Charakter erhält. Am Bergabhange führt die

Strasse über Pohorschan nach Schüttenitz und von da nach Leitmeritz.

Von Pohorschan windet sich die Strasse zwischen dem langen Berge und

dem Goldberge hindurch.

Wenn man nun die Trnowanner Strasse, statt unterhalb des Weissen Berges

abzuzweigen, weiter einschlägt, so gelangt man nach dem Marktflecken

Liebeschitz (2½ St. von Leitmeritz) mit einem herrschaftlichen Schloss

und Park des Edlen von Schroll. In einer guten halben Stunde erreicht

man die Stadt _Auscha_, bekannt durch ihren Hopfenhandel.

Nördlich hievon liegt der _*Geltschberg_, der höchste Berg der Gegend.

Am Fusse desselben befindet sich die Kaltwasseranstalt _*Geltschbad_

mit schönen Spaziergängen und Waldpartien. (1 Stunde von Auscha.)

Unweit hievon das Städtchen Lewin (1 Stunde von Auscha) auf

einer Anhöhe gelegen, zeichnet sich durch einen regen Handel und

Gewerbefleiss aus.

Von Auscha eine Stunde entfernt, ist die Burg _Hradek_; ferner ist zu

erwähnen das Dorf Konojed (1 Stunde von Auscha), mit Schloss, einem

ehemaligen Kloster und Garten.

Unweit von Konojed erhebt sich der _Eichberg_, an dessen Ostseite ein

interessanter Basaltsteinbruch mit schiefliegenden Basaltsäulen sich

befindet.

In derselben Richtung liegen _Graben_ und _Drum_. Im letzteren Orte ist

ein bischöfliches Schloss.

Eine Partie, die man per Bahn unternehmen kann, ist die nach _Liboch_

a. d. Elbe. Liboch zeichnet sich durch hervorragenden Weinbau aus.

Romantisch ist das östlich gelegene Thal _Kokorschin_.

Eine grössere Partie über das Mittelgebirge bildet die von Leitmeritz

nach _*Grosspriesen_, und kann man zwei Wege einschlagen. Die erste

Tour hält sich an die Strasse, welche über Schüttenitz, Pohorschan,

Stankowitz, Ritschen und Proboscht, wo sich in einer Felsenschlucht

die romantische Kaisermühle befindet, in das Grosspriesner Thal führt.

Dieser Weg ist ungemein anziehend, da er lange Strecken durch herrliche

Forste hinzieht. Im Grosspriesner Thal sind bei Salesl die Kohlenwerke

bemerkenswerth. Der Bergverwalter Herr Kastelly besitzt eine reiche

mineralogische Sammlung, die er Besuchern gern zeigt.

Der zweite Weg ist schwer zu finden und kann nur zu Fuss zurückgelegt

werden; er zieht sich über Skalitz, Neuhof, den Hohenstein und die

Tetschner Aussicht nach Proboscht.

Es liessen sich noch mancherlei herrliche Partien in der Umgebung von

Leitmeritz anführen, allein dieselben sind zu wenig bekannt und von

Fremden nicht so leicht auffindbar. In diesem herrlichen Gau hätte

ein Gebirgsverein eine grosse und schöne Aufgabe zu erfüllen, und wir

wollen hoffen, dass es doch noch gelingt, dieses schöne Stück Erde dem

Touristenstrom zu erschliessen.

Aussig.

=Eisenbahnen=: 1. _Oesterreichische Staatsbahn-Linie_:

Aussig-Bodenbach-Dresden; Aussig-Prag-Wien. 2.

_Oesterreichische Nordwestbahn_, rechtes Elbeufer --

nach _Tetschen_ in 50, nach _Leitmeritz_ in 50 Minuten.

3. _Aussig-Teplitzer Bahn_ -- nach Teplitz (40 Min.),

Dux-Bilin-Brüx-Komotau und Anschluss nach Karlsbad-Eger. 4.

_Bielathal-Bahn_, Bahnhof in der Nähe der chemischen Fabrik,

nach Bilin-Sauerbrunn in 2 Stunden.

=Dampfschifffahrt= gegen Leitmeritz und gegen Tetschen,

Herrenskretschen, Schandau, Dresden.

=Gasthöfe=: »Goldene Krone« am Marktplatz, »englischer Hof« in

der Lindenstrasse, »Goldener Engel«, »Stadt London«, »Stadt

Prag« am Markt, Hohes Haus« bei der Bahn.

=Restaurationen=: Belvedere- und Dampfschifffahrts-Restauration

mit schöner Aussicht; Schmidt's Restauration und Garten, grosse

Wallstrasse, Elisium mit Garten, Ostervorstadt; Ferdinandshöhe

auf einem Vorsprung des Galgenberges mit prächtiger Aussicht.

=Post- u. Telegrafenamt. -- Buchhandlung.=

_Aussig_ liegt am linken Elbeufer, an der Mündung der Biela in die

Elbe, sowie am Fusse des Střezowitzer und des Marienberges, welcher

letztere, aus Klingstein bestehend, wegen der mannigfaltigen Mineralien

merkwürdig ist. Vom Gipfel desselben geniesst man eine herrliche

Aussicht in das Elbthal und die Gebirgsketten diesseits und jenseits

des Stromes, von dessen Ufern sich der Marienberg fast senkrecht

erhebt. Unmittelbar über der Stadt erhebt sich _*die Ferdinandshöhe_

mit prachtvoller Aussicht (früher waren hier die Ruinen der Burg

Witrusch).

=Geschichtliches=: Die Gründung der Stadt soll schon im J. 827 erfolgt

sein. Im Jahre 1277 wurde sie der Krone von Böhmen einverleibt, 1282 an

Otto von Brandenburg abgetreten und vom Kaiser Rudolf von Habsburg der

böhmischen Krone wieder zurückgegeben.

Während des Husitenkrieges verpfändete Kaiser _Sigmund_ die Stadt an

die Meissner, was eine grosse Erbitterung in Böhmen hervorrief und

eine Belagerung der Stadt zur Folge hatte. Ein meissnisches Ersatzheer

wurde zwar am 16. Juni 1426 vollständig besiegt, allein die Stadt

dabei so eingeäschert und verwüstet, dass sie drei Jahre lang ganz

verödet blieb. Ein zweites, trauriges Loos traf die Stadt am 8. Mai

1538, wo ein grosser Theil derselben sammt der Stadtkirche in Flammen

aufging. Ferdinand I. gab der Stadt Aussig für die Treue, welche sie

ihm gelegentlich der Zwistigkeiten zwischen Karl V. und dem Kurfürsten

_Johann Friedrich_ von Sachsen bewies, nebst vielen anderen Vorrechten

auch Sitz und Stimme im Landtage. Während des 30jährigen Krieges wurde

Aussig 1631 von sächsischen Truppen verwüstet und in Brand gesteckt,

dagegen ist es während des 7jährigen Krieges und bei dem Einfalle der

Franzosen im J. 1813 von grösseren Unglücksfällen verschont geblieben.

In neuester Zeit ist die Stadt durch ihre äusserst günstige Lage

an der schiffbaren Elbe, in unmittelbarer Nähe des ausgedehnten,

reichhaltigen nordwestböhmischen Braunkohlenbeckens, durch die

zahlreichen Eisenbahnen ein bedeutender Handels- und Industrieplatz

geworden. Die Einwohnerzahl ist seit 1869 bis zum 31. Dezember

1880 von 10.000 über 16.000 gestiegen. Die im J. 1857 von einer

Actiengesellschaft gegründete _chemische Fabrik_ für chemische und

metallurgische Production ist eine der grössten Europas und beschäftigt

über 1300 Arbeiter. Sie liefert Schwefelsäure, Sulfate, Salzsäure,

Superphosphate u. s. w., besitzt eine eigene Gasanstalt, welche

auch die Stadtbeleuchtung besorgt, eine Dampfziegelei u. s. w. Der

Flächenraum des Fabriksgebietes beträgt 58 Hekt. An Arbeitslöhnen wird

wöchentlich die Summe von 12.000 fl. ausgezahlt. Der Kohlenverbrauch

belief sich im Jahre 1880 auf 12.734 Waggon zu 11 Tonnen.

Weitere industrielle Etablissements befinden sich hier: eine

Lederfabrik, zwei Siderolithwaarenfabriken, Baumwollspinnerei,

Glasfabrik, Paraffinfabrik, Webewaarenfabrik, Bandfabrik u. s. w. Viele

Braunkohlenniederlagen. Die Kohlenverfrachtung auf der Aussig-Teplitzer

Bahn grossartig.

In Aussig wurde am 12. März 1728 während eines vorübergehenden

Aufenthaltes seiner in Dresden wohnhaften Eltern _Anton Raphael Mengs_

geboren.

=Sehenswürdigkeiten=: 1. Die im sogenannten altgothischen Style erbaute

und mit einer kunstreich gearbeiteten steinernen Kanzel versehene

Dekanalkirche. Dieselbe besitzt eine kostbare _*Madonna_, die sich

in einem feuerfesten eingemauerten Schreine befindet und nur bei

hohen Festen ausgestellt ist. Dieses prachtvolle Bild von bedeutendem

Kunstwerthe ist nach dem Urtheile gewiegter Kenner (auch Göthe schloss

sich dieser Ansicht 1813 an) ein Werk Carlo Dolce's. Fälschlich hat

man es dem obgenannten Anton Raphael Mengs zugeschrieben, welche

Annahme aus dem Grunde unstatthaft ist, als Raphael Mengs zur Zeit

der testamentarischen Uebergabe des Bildes an die Decanalkirche

(1737) 9 Jahre alt war. Das Gerücht mag deshalb entstanden sein,

dass die Erblasserin Margaretha Fischer geb. Rochus von Lindenfels

die Besitzerin des Geburtshauses des wiederholt genannten Raph.

Mengs gewesen und das Bild nach der übereinstimmenden Aussage vom

Vater Raphaels, dem sächsischen Hofmaler Ismael Mengs, zum Geschenke

erhielt. 2. Die St. Adalbertskirche bei dem Dominikanerkloster, im

Renaissancestyl erbaut. 3. Die grossartige _eiserne Elbbrücke_, welche

die Nordwestbahn mit den Bahnen des linken Elbufers verbindet. 4. Die

neue Knabenschule und zwei andere grosse Schulgebäude. 5. Die älteste

Kirche ist die Maternus-Kirche, deren Friedhof seit vielen Jahren

aufgelassen ist und jetzt in einen Park verwandelt wird. (Die _Touren_

ins böhmische Erz- und Mittelgebirge siehe »Der Besuch des böhmischen

Erz- und Mittelgebirges von Teplitz-Bilin, eventuell Lobositz« aus.)

Hier sei Erwähnung gethan der herrlichen Ausflüge zur _*Ruine

Schreckenstein_ (½ St.) und auf die _*hohe Wostrey_ (2 St.). Wir gehen

von Aussig süd-südöstlich auf das rechte Elbufer und erreichen in einer

halben Stunde den Klingsteinfelsen, auf welchem sich die malerischen

Ruinen der alten _Veste Schreckenstein_ erheben, die im Sommer der

Gegenstand zahlreicher Besuche von Einheimischen und Fremden sind.

Der Felsen steht senkrecht 80 m hoch über dem Spiegel der Elbe, ist

nur von einer Seite zugänglich und macht einen imposanten Eindruck.

Zwischen dem Burgfelsen und dem grünbewaldeten Schanzenberge liegt die

sogenannte _Schäferei_. Von hier führt der einzige Zugang zur Burg,

ein schmaler Gang, auf dessen beiden Seiten niedrige Gebäude stehen,

darunter das alte Bräuhaus, während der Burgfelsen auf der Ostseite

auch hier 37·9 m hoch senkrecht wie eine Wand aufsteigt. Wir kommen zu

dem gut erhaltenen Burgthor, das mittelst einer Treppe passirt wird.

Durch das Thor treten wir in den Burghof, welcher mit einer starken

Ringmauer umgeben ist. Hier befindet sich die Restauration, für die es

seit 1877 ein eigenes Gebäude mit Fremdenzimmern gibt.

Der sogenannte Rittersaal steht mit dem Burghofe durch einen schmalen

Gang in Verbindung. Durch die nach der Elbe gerichteten sechs Fenster

hat man einen prächtigen Blick in das Thal. Daneben befindet sich

ein kleines Gebäude, welches zu Restaurationszwecken verwendet

wird. Von hier führt links ein Fusspfad nach einem Felsenvorsprung,

einer ehemaligen Warte, welche mit einem Dache versehen ist und

einen vorzüglichen Blick auf die eigenthümliche Steinschichtung des

Felsens gewährt. Von diesem unteren Theile steigen wir auf einer

Treppe in _die Hauptburg_ und dann in _die Burgkapelle_ mit schönen

Spitzbogenfenstern; da ist ein Vorsprung mit schöner Aussicht.

Sehenswerth sind noch die _Burgherrenwohnung_, _die Citadelle_,

von welcher noch die Reste von zwei halbrunden Bastionen und ihrer

Verbindungsmauer vorhanden sind, und _der Wartthurm_, welcher mit einem

Holzdache versehen ist und bis jetzt den Stürmen der Zeit getrotzt hat.

Von hier können wir die Tour auf _die hohe Wostrey_ fortsetzen (1½ St.)

oder nach Aussig zurückkehren.

Aussig-_hohe *Wostrey_. Wir gehen von Aussig in südöstlicher Richtung

nach Ober-Sedlitz, einem Dorfe ¼ St. von der Elbe und am Fusse des

Gebirges und kommen nach Neudörfel (1 St.), wo bereits der Milleschauer

(im Südwesten) zum Vorschein kommt, während im Rücken (Norden) des

Wanderers der Schneeberg mit seinem weitsichtbaren Thurme auftaucht.

Neben einem grossen Nussbaum theilt sich der Fahrweg; wir benützen

weiter den Seitenweg rechts und langen bei einer, zwischen zwei

hohen Eichen angebrachten Ruhebank an, von wo aus wir, auf dem

windungsreichen Fusswege links fortschreitend, die Spitze dieses 583 m

hohen Basaltkegels erreichen. Derselbe ist einer der bedeutungsvollsten

und lohnendsten Aussichtspunkte im Norden unseres Heimathslandes.

Wir haben eine prachtvolle Waldlandschaft unmittelbar vor uns. Das

herrliche Elbthal können wir weit verfolgen. Im Norden wird der Thurm

des Schneeberges sichtbar, der sich als ein langgedehnter, nordöstlich

laufender Bergrücken über ein hohes, aus dem Elbthale und dem Eulauer

Thale östlich und südlich steil aufsteigendes, an seinen Rändern durch

tiefe Thaleinschnitte zerrissenes Plateau erhebt. Vor dem Erzgebirge

ist die mit allen Reizen einer üppigen Natur geschmückte Thalebene,

welche ihren Anfang bei Arbesau nimmt, mit dem Eulauer Thale durch

einen niedrigen Pass zusammenhängt und sich bei Kulm und darüber

hinaus erweitert, ausgebreitet. Rechts vom Schneeberge sehen wir die

Ruine des, wahrscheinlich im 30jährigen Kriege zerstörten Schlosses

Blankenstein, von dem man eine sehr weite und schöne Aussicht,

namentlich auf den Elbstrom geniesst.

Im Vordergrunde liegt Aussig. Westwärts lassen wir unsere Blicke über

das herrliche Mittelgebirge schweifen und nehmen den Milleschauer,

Kletschen, Radelstein, die Klotzberge, den Kostial, den Lobosch und

ganz im Hintergründe die Hasenburg wahr. Unmittelbar unter uns liegt

das Dorf Birnay, am rechten Elbufer, am Fusse des Prutschelberges. Im

Osten sehen wir den Geltsch bei Auscha, nordwestlich den Zinkenstein,

links davon im Hintergrunde den Rosenberg bei Tetschen.

Tetschen.

=Tetschen=, Stadt, an der Elbe, zählt über 5000 Einwohner; sie ist mit

dem linken Elbufer durch die prächtige Kaiserin Elisabeth-Kettenbrücke

verbunden. Die Stadt hat viele Neubauten aufzuweisen, was auf einen

nicht unbedeutenden Aufschwung schliessen lässt. Obst-, Getreide- und

Holzhandel ist gross. Alle Holzgattungen werden bis Hamburg verschifft

und verflösst. Bedeutend ist auch der Schiffbau.

=Gasthäuser=: Stadt Prag, Krone, silberner Stern am Ring, Hôtel

Ullrich an der Elbe, das Schützenhaus in prächtiger Lage mit

einem schönen Garten; Hôtel zum Dampfschiff, neben der Brücke

an der Elbe; Restaurationen; Weinstuben.

=Eisenbahnen=: Oesterreichische Staatsbahn, Nordwestbahn,

böhmische Nordbahn nach Warnsdorf und Böhmisch-Leipa,

Dux-Bodenbacher Bahn von dem gegenüberliegenden _Bodenbach_ aus.

Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete · 第 25 / 27 段