In Bodenbach achte man darauf, nicht auf dem Dux-Bodenbacher Bahnhof

auszusteigen. Der Zug fährt eben in den Staatsbahnhof, man ist dann

gleich mitten in dem Industrieorte. Ebenso beim Einsteigen. Man bekommt

die Karte am südlichen Ende des Staatsbahnhofes, der Zug steht auf

dem letzten Schienenstrange gegen die an die Häuser von Bodenbach

angrenzende Mauer. Ausserdem ist Bodenbach von Teplitz zu erreichen auf

der Aussig-Teplitzer Bahn. Zu achten, dass man in Aussig-Neustadt bei

der chemischen Fabrik nicht aussteigt, denn von hier fährt über die

Brücke der Omnibuszug zum Bahnhof der Nordwestbahn nach Schreckenstein

(früher Aussig -- rechtes Ufer).

Diese Bahn fährt durch das Braunkohlengebiet, daher viele Schächte

und Fabriken -- bei Mariaschein eine grosse Cementfabrik. Von

Mariaschein bis Karbitz nördlich das Kulmer Schlachtfeld, von hier

bis Schönfeld die Bihana, das Locale der Husitenschlacht (16. Juni

1426). Die alterthümliche Laurentiuskapelle nördlich von Nerbitz

soll eine Erinnerung an die Schlacht sein. Von hier bis Aussig im

Norden der Střisowitzer Berg (340 m hoch). In Türmitz Obstbau,

grosse Zuckerfabrik, Schloss des Grafen Nostitz mit einem Park. Die

Bielathalbahn -- derselben Actiengesellschaft wie die Aussig-Teplitzer

gehörig, zumeist Kohlenverkehr -- zweigt sich hier ab. Hübscher

Ausblick in das Bielathal.

Von Aussig empfiehlt es sich, das Dampfschiff zu benützen. (Die Karten

sind in Teplitz, Bahnhof, Tabak-Trafik zu bekommen.) Die Fahrt ist eine

der schönsten, die überhaupt die Flüsse Europas aufweisen können. Die

Fahrt von Leitmeritz über Aussig, Tetschen, Herrenskretschen bis über

Pirna zu bis Dresden ist so reich an landschaftlicher Schönheit, dass

sie mit den schönsten Rheinpartien verglichen, ja selbst von Kennern

ihnen vorgezogen wird. (Siehe Tetschen!)

Bodenbach hat eine prachtvolle Lage und einen hohen Aufschwung

genommen, wovon die zahlreichen Villen im Elbthale ein beredtes

Zeugniss abgeben, ebenso wie die vielen Industrie-Etablissements:

Cichorien- und Chocoladenfabrik, Siderolithwaaren-Fabrik.

Bodenbach -- von Eulau- oder Bodenbache so benannt, früher

ein einsamer Meierhof zur Herrschaft Tetschen gehörig --

hat folgende Gasthöfe: das Posthôtel (beim Bahnhof), Stadt

Hamburg, Hôtel Frieser, zum Stern, Krone, Engel, Stadt Prag, in

Obergrund -- nördlich von der Kettenbrücke am linken Elbeufer,

hier zahlreiche und geschmackvolle Villen -- ist noch das

Bade-Hôtel zu erwähnen. Restauration Lerchenfeld. Der Ort ist

von Sommerfrischlern und Kurgästen (Josefsbad) sehr besucht.

=An Spaziergängen und Ausflügen= ist diese Gegend sehr reich. Um nicht

den Rahmen des Buches zu überschreiten, seien sie nur kurz erwähnt.

Schöne, mannigfach wechselnde Aussichten und angenehme Spaziergänge in

den waldigen Höhen sind ihr Hauptreiz.

1. _Die Brücke_ selbst (2 Kr. Brückengeld).

2. _Die Bohemia_ hinter dem Tetschner Schützenhaus und der Nordwestbahn

(¼ St.) einst hier der Galgenberg.

3. _Der Quaderberg_ auf der hier befindlichen Höhle eine fliegende

Restauration, rechts von der Bohemia nach dem Promenadenwege bis zur

Tafel (½ St.), dieser Weg geht nach Laube und in die Schlucht nach

Loosdorf.

4. _Die Leopoldshöhe_ 10 Min. weiter, fort links durch den Wald.

5. _Die Laubenschlucht_, ein tief eingeschnittenes Felsenthal. Auf der

Höhe am Rande, von der Leopoldshöhe fort bis zur Tafel, die nach Nr.

3 weist, dann links auf Serpentinen in's Thal bis zu einem Weg, auf

diesem dann rechts. Dann am Ende Sandsteintreppen, ein Waldweg, der Ort

Loosdorf (Gasthaus Blumentritt's). Auch auf der Allee von Tetschen in 1

St. bergauf zu erreichen.

6. _Die Rosenwände_ (2 St.) oder Rosenkämme. Bei dem Wirthshause in

Laube fuhrt der Weg hinauf.

7. _Die Schäferwand_ (½ St.) unmittelbar über Bodenbach, über dem

Tunnel der sächsischen Bahn. Zu ersteigen durch das Thor bei der

Kettenbrücke oder auf den Stufen beim Posthotel in der Nähe eines

Muttergottesbildes in der Mauer. Zickzackwege.

8. _Das Spitzhütel_ (1½ St.) Entweder nach 7 oder am Badehotel vorbei,

dann bei einer Mühle rechts in den Wald, oder von Starks Villa auf

einem Serpentinweg. Es ist ein Felsenvorsprung, vielleicht die

lohnendste Aussicht unter diesen Punkten.

9. Im Pulnitz- oder Polzenthale: Liebwerd ½ St., Bensen 2 Stund.

(Nordbahnstation), ½ Stunde weiter die schöne Ruine _Scharfenstein_.

10. _Herrenskretschen_ (siehe Tetschen).

11. _Der Sperlingstein_, auch _Heidenschloss_. Dampfschiff bis

Topkowitz, besser Tichlowitz, oder Eisenbahn bis Tichlowitz, dann über

Nieder-Welhotten und Scheras ½ St. Zu Fuss über Krischwitz, Veschwitz

(auch Bahnstation) Scheras in 3 St.

12. _Der Zinkenstein._ Am besten über Rongstock, über die Elbe

nach Pschira, Wittine und (Alt) Hummel zu erreichen. Die Aussicht

grossartig, in den Basaltspalten eine Eishöhle, Eis nur an heissen

Sommertagen.

13. _Der hohe Schneeberg._

14. _Die Tyssaer Wände._

Zu erwähnen noch die Johanniskapelle, bei dem Dux-Bodenbacher Bahnhof

(20 Min.). Die Familiengruft der gräfl. Thun'schen Familie, die hier

weithin die meisten Besitzungen hat.

I. Der Besuch der Städte *Leitmeritz, *Aussig, *Tetschen bis

*Herrenskretschen mit dem *Edmundsgrund und *Prebisch-Thor.

Leitmeritz.

=Gasthöfe=: Hôtel »Krebs« am Stadtplatz, Gasthof »zum

Hirschen«, Lange Gasse, Gasthof »zum schwarzen Adler« am

Stadtplatz, Brosche's Gasthaus, Lange Gasse, »Cocanda« Eck der

Ferdinandsstrasse und des Rossmarktes, Gasthof »zum Kaiser von

Oesterreich«, Ferdinandsstrasse.

Von =Restaurationen= wären zu erwähnen: Elbschlossbräuhaus

an der Tschalolitzer Strasse, Elberestauration am

Dampfschifflandungsplatze, Restauration zum »Rudolfsgarten« mit

Sommertheater in der Rudolfsgasse, Schützeninselrestauration,

Bahnhofrestauration der Nordwestbahn, Eisendörfel am linken

Elbeufer an der Theresienstädter Strasse; =Café=: Schubert am

Stadtplatz, oberhalb des »Hôtel Krebs«, zum schwarzen Adler,

in Verbindung mit dem Gasthause gleichen Namens am Stadtplatz;

=Conditorei= und Café Bärwinkel am Stadtplatz, Schustermannel

in der Nähe der bischöfl. Residenz, beste Weinstube.

=Post- und Telegraphenamt=, Jesuitengasse im alten Gymnasium,

ebenerdig.

=Post- und Eisenbahnverbindungen=: k. k. priv. österr.

Nordwestbahn. Von Leitmeritz in der Richtung nach Tetschen. In

der Richtung nach Lissa-Wien.

K. k. priv. österr. Staatsbahn; Station Theresienstadt

(Bauschowitz): In der Richtung Aussig-Bodenbach und in der

Richtung Prag-Wien.

=Postverbindung= nach _Auscha_.

=Omnibusfahrten= von den Gasthöfen »Krebs« und »zum Hirschen«

zu den Bahnen.

Das =Dampfschiff= verkehrt von Leitmeritz um halb 9 Uhr

Vormittags bis Dresden und um 2 Uhr Nachmittags bis Tetschen.

=Fahrgelegenheiten= sind zu haben im »Hôtel Krebs« (Ferd.

Krombholz), im Gasthof »zum Hirschen«, sowie Einspänner bei dem

Lohnfuhrwerker Kühnel in der Langen Gasse.

Die Stadt Leitmeritz, ehemals königliche Stadt, liegt am rechten Ufer

der Elbe, dort, wo dieser Strom in das deutsche Sprachgebiet tritt und

sich seinen Lauf durch das böhmische Mittelgebirge zu bahnen sucht.

Leitmeritz zählte am 31. December 1880 in über 900 Häusern ca. 10.900

anwesende Personen, welche Bevölkerungszahl sich mit den Studenten

auf rund 12.000 erhöht. 1869 betrug die Einwohnerzahl in 800 Häusern

10.023. Die geographische Lage ist 50° 31´ 38´´ nördl. Br. und 31° 47´

50´´ östl. Länge. Sich ansehnlich über das Niveau des Flusses erhebend,

bietet die Stadt von der Elbe, sowie von der Theresienstädter Strasse

aus einen ungemein malerischen Anblick. Im Vordergrunde sind die

hervorragendsten Gebäude der Stadt, nämlich die Elbschlossbräuerei,

die bischöfliche Residenz, die Villa Georg, das bischöfliche Seminar

mit der Jesuitenkirche, die Klosterschule u. s. w., dann lehnt sich

unmittelbar hinter der Stadt gegen Norden eine Hügelkette, die

Maschkahora (auch mastna hora, eigentlich mostská hora) an, die dann

an die waldbedeckten Höhen des Mittelgebirges, an den »Kreuzberg« mit

dem »langen Berge«, den Hradischken und im Westen an die Radebeule

(fälschlich Radobyl genannt) anschliessen. Die Berge ringsumher gehören

der Basaltformation an, während im Thale Plänerkalk mit Sandstein und

dem reinen Angeschwemmten der Elbe wechseln. Nach Süden öffnet sich die

weite Ebene ins Innere Böhmens, welche bloss den »Říp« (Georgsberg) bei

Raudnitz als bedeutendere Bodenerhebung aufzuweisen hat.

Leitmeritz, bis vor wenigen Jahren die bedeutendste Stadt des nach ihr

benannten Kreises, hat sich weit über die Grenzen unseres Vaterlandes

hinaus einen bedeutenden Ruf als Schulstadt erworben; die Mittelschulen

erfreuen sich eines sehr zahlreichen Besuches.

_Das k. k. Obergymnasium_ ist seit 1879 in einem palastartigen neuen

Gebäude untergebracht.

_Die Communal-Oberrealschule_ wurde in ihrer heutigen Gestalt 1864

eröffnet und befindet sich seit 1865 in einem neuen prachtvollen

Gebäude.

_Die k. k. Lehrerbildungsanstalt_ ist leider nur nothdürftig

untergebracht.

_Die theologische Lehranstalt_, in Verbindung mit einem bischöflichen

Priesterseminar, befindet sich in den Räumen des ehemaligen

Jesuitencollegiums.

_Das Taubstummen-Institut_ wurde 1858 gegründet und wird vornehmlich

vom Lande unterstützt.

Ausser der städtischen _Knabenvolks-_ und der städtischen

_Mädchenvolks-_ und _Bürgerschule_ besteht in Leitmeritz auch noch

eine _fünfklassige Mädchenschule_ der Schulschwestern vom heil. Karl

Boromäus mit _Pensionat_.

Von industriellen Unternehmungen sind anzuführen:

1. _Die Actienbrauerei_ zum »Elbschloss«.

2. _Die bürgerliche_ (städtische) Brauerei.

3. _Die Dampf- und Kunstmühle._

4. _Die Malzfabrik_ der Firma Bergwein im ehemaligen Schanzenbräuhause.

5. _Die Actiengesellschaft_ für Kalk- und Ziegelbrennerei.

6. _Die Spinnfadenfabrik._

Ferner bestehen von Gewerbsunternehmen die _Brettsägen_ von Frz.

Gudera, sowie Ed. Salomon, _die Essigfabrik_ von Herrnheiser, _die

Metall-_ und _Glockengiesserei_ von F. Herold, _die Eisengiesserei_

von Mandler, _die Maschinenschlosserei_ von Josef Fiedler, _die

Lederfabrik_ von Joachim Taussig's Söhnen u. s. w.

_Von Geldinstituten_ wären zu nennen: 1. _Die Communalsparkasse_, 2.

_der Spar- und Vorschussverein_ für Leitmeritz und Umgebung, sowie 3.

_die Filiale der böhmischen Eskomptebank_.

Geschichte:

Wie bei so vielen andern Orten verliert sich auch die Gründung der

Stadt Leitmeritz in das Dunkel der Geschichte Böhmens. Abgesehen von

zahlreichen Gräberfunden, welche erst vor 2 Jahren wieder auf den

Lehmfeldern der Lopata'schen Ziegelei erfolgten, die beweisen, dass

das fruchtbare Elbethal schon in der vorgeschichtlichen Zeit stark

bewohnt war, wissen wir, dass nach der Einwanderung der Slaven sich ein

Stamm derselben, die Luthomirici, hier niederliess. Als Mittelpunkt

des Stammes galt eine Burg, die denselben Namen wie der Stamm,

nämlich Luthomirici, führte und am jetzigen Domhügel lag. Gegenwärtig

sind keine Spuren davon mehr wahrnehmbar. Um die Burg herum lagen

schon in uralter Zeit zahlreiche Dörfchen, die ihren Namen noch bis

heute erhalten haben. Die Verwaltung der Burg und des dazugehörigen

Landstriches leiteten Gaugrafen. Schon um das Jahr 1057 wurde auf der

Leitmeritzer Burg eine Kirche gegründet und dem heil. Stefan geweiht;

sie stand an der Stelle der jetzigen Domkirche.

In der Nähe der Burg und ihrer Kirche siedelten sich allmählig unter

den letzten Regenten aus dem Hause der Pržemysliden zahlreiche, aus

Deutschland hereingekommene Familien an; sie legten so den Grund zu

der eigentlichen Stadt Leitmeritz, die schon vom König Wenzel I.

mehrfache Freiheiten und Rechte erhielt, welche seine Nachfolger nicht

nur bestätigten, sondern auch vermehrten. So wurde das Magdeburger

Stadtrecht in Leitmeritz eingeführt und zur Handhabung desselben ein

eigener Gerichtshof daselbst eingesetzt. Neben dem Ackerbau bildeten

Handel und Gewerbe die vorzüglichste Nahrungsquelle der Bevölkerung;

besonders blühte der Handel; niemand durfte stromauf- oder abwärts

Waaren verfrachten, ohne sie vorher in Leitmeritz ausgeladen und zum

Verkaufe ausgestellt zu haben. Zum Zeichen des letzteren Rechtes, des

Stapelrechtes, wurde eine aus Stein gehauene Figur in der Nähe des

Stromes aufgestellt, der sogenannte »Roland«, der gegenwärtig an der

nördlichen Ecke des alten Rathhauses, in dem sich jetzt das k. k.

Kreisgericht befindet, auf einem Pfeiler steht.

Einer besonderen Begünstigung erfreute sich Leitmeritz, wie alle

Städte Böhmens, unter der Regierung des städte- und bürgerfreundlichen

Karls IV., welcher der Stadt grosse Strecken Wald, Ackerland und

Weinberge schenkte, die Neuanlage von Weinbergen begünstigte, wodurch

er den Weinbau im Elbethal ungemein förderte. Zu jener Zeit erfreute

sich Leitmeritz bereits einer hohen Blüte, und Wohlstand, ja selbst

Reichthum waren in der trefflich gelegenen Stadt keine Seltenheit.

Aber bald sollte die Stadt von Zeiten des Schreckens heimgesucht

werden; es kamen die verheerenden Husitenkriege. Am 29. Mai 1421 fiel

nach langem, energischen Widerstand die Stadt in die Hände der Husiten.

Die vertriebenen Bürger und Priester zogen theils in die noch deutschen

Städte des Bielathales, theils nach Meissen. Jahrelang tobte der Kampf

der Parteien um die Mauern der Stadt. Auch als Leitmeritz unter die

Botmässigkeit König Sigismunds (1436) zurückgekehrt war, blieb die

Stadt tschechisch, und die Deutschen, die sich des Handels und der

Gewerbe wegen in der Stadt eingefunden hatten, waren nach wie vor von

Aemtern und Würden ausgeschlossen.

Auch die folgende Zeit des Streites zwischen den Städten und dem

Adel in Böhmen war für die Stadt nicht günstig. Sie konnte in dem

Streite umsoweniger verschont werden, da rings umher eine gute Anzahl

adeliger Burgen und Schlösser lag. Diese Streitigkeiten verzehrten

bedeutende Summen. Zwar wurden die alten Handelsrechte der Stadt,

auf die in den bewegten Zeiten so oft vergessen worden war, wieder

hergestellt, aber bald darauf der Handel mit dem Auslande untersagt,

wodurch eine wichtige Einnahmequelle versiegte. Ueber Leitmeritz erging

wegen seines Widerstandes gegen Ferdinand I. das Strafgericht, indem

das alte Magdeburger Stadtrecht abgeschafft und königliche Richter

eingesetzt, sowie die Güter der Stadt eingezogen wurden. Leitmeritz

war tiefer gedemüthigt als je. Als kümmerlichen Ersatz erhielt

Leitmeritz das Collegium im Jahre 1549, aus dem sich das heutige k. k.

Obergymnasium entwickelte.

Nach einigen Jahrzehnten der Erholung brach der dreissigjährige Krieg

herein. Der Friede von 1648 brachte auch Leitmeritz Ruhe und Frieden.

Ausser der Kriegsfurie wüthete 1649 auch noch eine furchtbare Pest und

im Jahre 1655 eine grosse Ueberschwemmung.

Erwähnt sei die Errichtung des Leitmeritzer Bisthums im Jahre 1655. Der

erste Bischof war Maximilian Rudolf Freiherr von Schleinitz. Er baute

die jetzige Domkirche, deren Thurm erst jetzt vollendet werden soll.

Kurz nach dem dreissigjährigen Kriege wurde Leitmeritz wieder eine

deutsche Stadt.

Auch die Kriege unter Maria Theresia gingen an Leitmeritz nicht

spurlos vorüber. Im Jahre 1741 hausten polnische und sächsische,

1742 französische Truppen in der Stadt, und im Jahre 1757 nach der

Schlacht bei Kolin wohnte Friedrich II. selbst durch eine Woche in

der bischöflichen Residenz. Am 1. Oktober 1756 tobte der Kampf in der

unmittelbaren Nähe der Stadt, indem an diesem Tage die Schlacht bei

Lobositz geschlagen wurde.

Im Jahre 1780 wurde unter Kaiser Josef II., der siebenmal Leitmeritz

besuchte, die Festung Theresienstadt gegründet. Die Napoleonischen

Kriege berührten die Stadt nicht unmittelbar, und so konnte sich im

letzten Jahrhundert die Stadt ruhig entwickeln.

=Sehenswürdigkeiten.= Leitmeritz, welches in die eigentliche Stadt

und mehrere Vorstädte zerfällt, die freilich mit einander unmittelbar

zusammenhängen, macht auf den Besucher den Eindruck einer Stadt, die

schon in früheren Jahrhunderten von einiger Bedeutung gewesen sein

muss. Der Ringplatz oder der Stadtplatz bildet den Mittelpunkt der

Stadt und ist von grosser Ausdehnung; seine Länge beträgt 235, die

Breite 126 Schritte. Die Häuser sind meist neuerer Bauart; doch hie und

da schaut noch ein Giebel hervor, dem man es ansieht, dass er schon

manches Menschengeschlecht, manches Jahrhundert an sich vorüberwandeln

sah. Die Laubengänge sind meist schon verbaut. Wir wollen nun die

hervorragendsten Bauwerke hier anführen:

1. _Das alte Rathhaus_, an der Ostseite des Stadtplatzes gelegen,

beherbergt jetzt das k. k. Kreisgericht in seinen Räumen.

2. _Das Gemeindehaus_, ebenfalls am Stadtplatze, enthält die

Kanzleien des Bürgermeisteramtes, der Sparkasse und im Parterre die

Gasthauslocalitäten »zum schwarzen Adler«. Im Hofe befindet sich das

Stadttheater. Im Bürgermeisteramte wird das hochinteressante und

historisch äusserst werthvolle _*Cantional_ aufbewahrt, eine Sammlung

lateinischer Kirchengesänge aus der Zeit der husitischen Herrschaft

in Leitmeritz und zum gottesdienstlichen Gebrauche bestimmt. Das

gewaltige, in Leder gebundene und mit kunstvollen Messingbeschlägen

gezierte Buch umfasst 465 Pergamentblätter, ist 29 Zoll hoch, 19 Zoll

breit und wiegt 110 Pfund. Das Buch ist über und über mit herrlichen

_Initialen_ und prachtvollen _Miniaturen_ bedeckt, viele Buchstaben

und Noten sind mit reinem Golde auf das Pergament aufgetragen. Dies

reichgeschmückte Cantional gehört zu dem Bedeutendsten, was die Kunst

dieser Art in Böhmen geleistet.

3. _Die *Dekanalkirche zu Allerheiligen_ nächst dem Stadtplatz. Eine

besondere Erwähnung verdient das in der Kirche beim Seitengange

stehende zinnerne Taufbecken aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, eines

der schönsten Werke dieser Art in Böhmen. Unmittelbar an der Kirche

erhebt sich der mächtige _Stadtthurm_, 53 m hoch. Sein Inneres birgt

ein wahres Meisterwerk der Holzbaukunst, den gewaltigen Glockenstuhl,

der vom Grund des Bodens ganz frei ohne jede Verbindung mit der Mauer

aus Eichenholz hergestellt ist. Er trägt 7 Glocken, von denen die

grösste 81 Centner, die nächste 47 Centner wiegt. Von der Gallerie des

Thurmes aus bietet sich eine _herrliche *Aussicht_ über die Stadt und

ihre Umgebung dar.

4. _Das *Kelchhaus am Stadtplatz_, erbaut von dem reichen

utraquistischen Bürger Johann Mraz von Mileschowka und um 1584

vollendet. Von dem kelchartigen Thurme, dem utraquistischen Symbole,

der seitdem ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt geblieben

ist, geniesst man ebenfalls eine _weite *Rundsicht_. Nach dem

dreissigjährigen Kriege wurde das Kelchhaus als Proviantmagazin

benützt, daher noch der heutige Name desselben, Provianthaus.

Gegenwärtig ist in demselben -- allerdings nicht besonders zweckmässig

-- die städtische Mädchen-Volks- und Bürgerschule untergebracht. In

einem Parterrelocale befindet sich auch _das *Gewerbemuseum_, das recht

interessante Gegenstände aufweist.

5. _Die Schulpaläste_, nämlich die Communal-Oberrealschule und das k.

k. Obergymnasium in den Anlagen, haben wir schon weiter oben besprochen.

6. _Der Dom._ Die Bauten des Domes erheben sich auf einem Hügel,

zu dem man durch die Domgasse von der Stadt aus gelangt. Nach

Erhebung zum Bisthume legte der erste Bischof Maximilian Rudolf von

Schleinitz den Grundstein zur gegenwärtigen _*Cathedrale_, welche

von dem zweiten Bischof Franz Grafen von Sternberg 1681 eingeweiht

wurde. Die Domkirche ist im nüchternen Baustyle des 17. Jahrhunderts

aufgeführt. Mit einem gedeckten Gang ist mit dem Dom _die bischöfliche

Residenz_ verbunden. Dieselbe enthält ausser einer ziemlich

umfangreichen Bibliothek auch eine Sammlung _*werthvoller Gemälde_,

die vom gegenwärtigen hochw. Bischof Dr. Ludwig Anton Frind zum

Theil restaurirt worden sind. Ferner erheben sich auf dem geräumigen

Domplatze _das Consistorialgebäude_, kenntlich durch das an demselben

angebrachte Wappen des Bischofs M. A. von Lachsen usw.; endlich die

aneinander gereihten Wohnungen der einzelnen Domherren. _Die Lage der

bischöflichen Residenz_ gewährt eine weite und ungemein _reizende

*Aussicht_ auf den ganzen Lauf der Elbe von Raudnitz bis Lobositz, wo

sie sich nordwärts in's Gebirge wendet, sowie auf den grössten Theil

der Stadt und der jenseits derselben und am linken Ufer der Elbe sich

ausbreitenden Fluren zwischen dem Mittelgebirge und der Eger.

7. _*Elbschlossbrauerei._ In der That wie ein stolzes Elbschloss

thront auf einem Plateau an der Elbe die Elbschlossbrauerei, der

wir schon oben Erwähnung gethan haben. Sehenswerth ist die schöne

geräumige _*Braustätte_, mit ihrer kühnen Wölbung, ferner die

grossartigen _Kellerräume_, die mit ihren labyrinthartigen Gängen

eine kleine unterirdische Stadt bilden. _Die *Gartenrestauration_ mit

den schattigen Kastanienbäumen, sowie dem amerikanischen _*Pavillon_

gewährt einen recht angenehmen Aufenthalt während der schönen

Sommertage. _Herrliche Aussicht!_

8. _Das bischöfliche Seminar_, welches in dem ehemaligen

Jesuitencollegium untergebracht ist, ist mit der Kirche Maria

Verkündigung, für gewöhnlich Jesuitenkirche genannt, verbunden.

In einer Nische unterhalb der Bogenwölbung an der sogenannten

Jesuitenstiege erhebt sich das Denkmal des vaterländischen Dichters

Josef Emanuel Hilscher, der am 22. Jänner 1806 in Leitmeritz geboren

wurde und nach einem unglücklichen Soldatenleben im Mai 1837 als

Feldwebel starb.

9. _Das Kapuzinerkloster_ mit der Kirche der heil. Ludmilla am

Kapuzinerplatz.

10. _Das Dominikanerkloster_ mit der Kirche des heil. Jakob in der

Dominikanergasse.

11. _Die Kirche des heil. Adalbert_ in der Vorstadt Sasada.

12. _Die Kirche des heil. Wenzel_, während der Pest 1713 in Folge eines

Gelübdes von dem italienischen Baumeister Broggio im italienischen

Renaissancestyl erbaut, später aufgehoben und als Getreideschüttboden

benützt, seit 1852 wieder dem Gottesdienste geweiht.

13. _Die Kirche des heil. Johann des Täufers_ unterhalb des Domhofes

in der Rudolfsgasse an der Nordwestbahn, 1465 gegründet, im

dreissigjährigen Kriege zerstört und 1682 wieder hergestellt.

14. _Das Marien-Hospital_ an der Schüttenitzer Strasse, im Jahre 1845

vom Bischof Augustin Bartholomäus Hille erbaut.

15. _Die alte Sct. Georgskirche_ nächst dem Domhofe, oberhalb der

Vorstadt Fischerei auf einem Hügel gelegen, von Leitmeritzer Fischern

gegründet und zur Pfarrkirche der Vorstadt Fischerei bestimmt. Auf dem

Friedhofe rings um die Kirche wurden die Leitmeritzer Fischer beerdigt;

jetzt erhebt sich dort die dem Leitmeritzer Bürger Baschta gehörige

Villa Georg.

Wenn wir nun noch

16. _die Elbebrücke_ erwähnen, so haben wir die bedeutendsten

Bauten und Sehenswürdigkeiten von Leitmeritz angeführt. Der Bau der

gegenwärtigen ärarischen Eisenbrücke, nach Schiffkorn'schem System

construirt, wurde 1857 bewilligt und 1858 bis 1859 vollendet.

Spaziergänge:

(Bis zu 2 Stunden.)

Ehe wir daran gehen, die Umgebung von Leitmeritz, die an

Naturschönheiten so reich ist, aufzusuchen, müssen wir vor allem

dem Lieblingsspaziergange der Leitmeritzer, der lieblichen

_*Schützeninsel_, in unmittelbarer Nähe der Stadt, einen Besuch

abstatten. Die Schützeninsel ist zum grössten Theile mit herrlichen

Bäumen, darunter mehrhundertjährigen majestätischen Eichen bewachsen

und wurde in den letzten Jahren durch die Fürsorge des im Jahre 1868

gegründeten Anpflanzungsvereines zu einem Parke umgestaltet, der selbst

einer Grossstadt zur Zierde gereichen würde. In der Mitte der Insel

befindet sich das mit einer Restauration verbundene Schützenhaus.

Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete · 第 24 / 27 段