Nachdem das Abendessen eingenommen, hatte sich der Vetter mi

Achim von Arnim

Die Majoratsherren

Achim von Arnim

Die Majoratsherren

Mit 24 Federzeichnungen

von

Alfred Kubin

Avalun-Verlag · Wien und Leipzig

Alle Rechte vorbehalten

Wir durchblätterten eben einen ältern Kalender, dessen Kupferstiche

manche Torheiten seiner Zeit abspiegeln. Liegt sie doch jetzt schon wie

eine Fabelwelt hinter uns! Wie reich erfüllt war damals die Welt, ehe

die allgemeine Revolution, welche von Frankreich den Namen erhielt, alle

Formen zusammenstürzte; wie gleichförmig arm ist sie geworden!

Jahrhunderte scheinen seit jener Zeit vergangen, und nur mit Mühe

erinnern wir uns, daß unsere früheren Jahre ihr zugehörten. Aus der

Tiefe dieser Seltsamkeiten, die uns Chodowieckis Meisterhand bewahrt

hat, läßt sich die damalige Höhe geistiger Klarheit erraten; diese

ermißt sich sogar am leichtesten an den Schattenbildern derer, die ihr

im Wege standen, und die sie riesenhaft über die Erde hingezeichnet hat.

Welche Gliederung und Abstufung, die sich nicht bloß im Äußern der

Gesellschaft zeigte! Jeder einzelne war wieder auch in seinem Ansehn, in

seiner Kleidung eine eigene Welt, jeder richtete sich gleichsam für die

Ewigkeit auf dieser Erde ein, und wie für alle gesorgt war, so

befriedigten auch Geisterbeschwörer und Geisterseher, geheime

Gesellschaften und geheimnisvolle Abenteurer, Wundärzte und prophetische

Kranke die tiefgeheime Sehnsucht des Herzens, aus der verschlossenen

Brusthöhle hinausblicken zu können. Beachten wir den Reichtum dieser

Erscheinungen, so drängt sich die Vermutung auf, als ob jenes

Menschengeschlecht sich zu voreilig einer höheren Welt genahet habe und,

geblendet vom Glanze der halbentschleierten, zur dämmernden Zukunft in

frevelnder Selbstvernichtung fortgedrängt, durch die Notdurft an die

Gegenwart der Erde gebunden werden mußte, die aller Kraft bedarf und uns

in ruhiger Folge jede Anstrengung belohnt.

Mit wie vielen Jahrhunderten war jene Zeit durch Stiftungen aller Art

verbunden, die alle ernst und wichtig gegen jede Änderung geschützt

wurden! So stand in der großen Stadt ... das Majoratshaus der Herren von

..., obgleich seit dreißig Jahren unbewohnt, doch nach dem Inhalte der

Stiftung mit Möbeln und Gerät so vollständig erhalten, zu niemands

Gebrauch und zu jedermanns Anschauen, daß es, trotz seiner

Altertümlichkeit, noch immer für eine besondere Merkwürdigkeit der Stadt

gelten konnte. Da wurde jährlich, der Stiftung gemäß, eine bestimmte

Summe zur Vermehrung des Silbergeschirrs, des Tischzeugs, der Gemälde,

kurz zu allem dem verwendet, was in der Einrichtung eines Hauses auf

Dauer Anspruch machen kann, und vor allem hatte sich ein Reichtum der

kostbarsten, ältesten Weine in den Kellern gesammelt. Der Majoratsherr

lebte mit seiner Mutter in der Fremde und brauchte bei dem übrigen

Umfange seiner Einnahme nicht zu vermissen, was er in diesem Hause

unbenutzt ließ. Der Haushofmeister zog der Stiftung gemäß alle Uhren auf

und fütterte eine bestimmte Zahl von Katzen, welche die nagenden Mäuse

wegfangen sollten, und teilte jeden Sonnabend eine gewisse Zahl von

Pfennigen an die Armen im Hofe aus. Leicht hätten sich unter diesen

Armen, wenn sie sich dessen nicht geschämt hätten, die Verwandten dieses

Hauses einfinden können, dessen jüngere Linien bei der Bildung des

großen Majorats völlig vergessen worden waren. Überhaupt schien das

Majorat wenig Segen zu bringen, denn die reichen Besitzer waren selten

ihres Reichtums froh geworden, während die Nichtbesitzer mit Neid zu

ihnen aufblickten.

So ging täglich vor dem Majoratsgebäude zu bestimmter Stunde ein Vetter

des jetzigen Besitzers, ihm durch dreißig Jahre überlegen, aber an

Vermögen ihm sehr untergeordnet, mit ernsten Schritten vorbei und

schüttelte den Kopf und nahm eine Prise Tabak. Niemand war vielleicht so

bekannt bei alt und jung in der ganzen Stadt, wie dieser alte, rotnasige

Herr, der gleich dem eisernen Ritter an der Rathausuhr durch sein

Heraustreten, noch ehe die Glocke angeschlagen, den Knaben zur

Erinnerung der Schulstunde diente, den älteren Bürgern aber als

wandernde Probeuhr, um ihre hölzernen Kuckucksuhren darnach zu stellen.

Er trug bei den verschiedenartigen Klassen von Leuten verschiedene

Namen. Bei den Vornehmen hieß er der Vetter, weil seine Verwandtschaft

mit den ersten Familien des Reiches unleugbar und er diese einzige, ihm

übrig gebliebene Ehre auch gern mit dieser Anrede geltend machte. Unter

den gemeinen Leuten hieß er nur der Leutnant, weil er diese Stelle in

seinen jungen Jahren bekleidet hatte, sowie sie ihn noch jetzt bekleiden

mußte. Es schien ihm nämlich völlig unbekannt, daß der Kleiderschnitt

sich in den dreißig Jahren, die seitdem verflossen, gar sehr verändert

hatte. Etwas stärker mochte das Tuch damals wohl noch gearbeitet werden,

das zeigten jetzt die mächtigen, wohlgedrehten Fäden, nachdem die Wolle

abgetragen war. Der rote Kragen war schon mehr verdorben und gleichsam

lackiert; die Knöpfe aber hatten die Kupferröte seiner Nase angenommen.

Gleiche Farbe zeigte auch der fuchsrote, dreieckige Militärhut mit der

wollenen Feder. Das Bedenklichste des ganzen Anzuges war aber das

Portepee, weil es nur mit einem Faden am Schwerte, wie das Schwert über

dem Haupte des Tyrannen am Haare, hing. Das Schwert hatte leider das

Unglück des armen Teufels gemacht und den Lebensfaden eines vom Hofe

begünstigten Nebenbuhlers in den Bewerbungen bei einer Hofdame

durchschnitten; und diese unglückliche Ehrensache, bei welcher ihm doch

niemand mehr Schuld als seinem Gegner zumessen konnte, hatte seine

militärische Laufbahn versperrt. Wie er sich seitdem durch die Welt

fortgeholfen, war freilich seltsam, aber es war ihm doch gelungen. Er

hatte eine höchst vollständige Wappensammlung mit unablässig dreistem

Fordern und unermüdlichem Briefschreiben zusammengebracht, verstand

diese in verschiedenen Massen nachzuformen, auch abzumalen, wo jenes

nicht gelang, sauber aufzukleben, und verkaufte diese Sammlungen durch

Vermittlung eines Buchhändlers zu hohen Preisen, sowohl zum Bedürfnisse

der Erwachsenen als der Kinder eingerichtet. Nebenher war es eine

Liebhaberei von ihm, Truthähne und anderes Federvieh zu mästen und

Raubtauben über die Stadt auszusenden, die immer mit einigen

Überfliegenden in die geheime Öffnung seines Daches heimkehrten. Diesen

Handel besorgte ihm seine Aufwärterin Ursula, eine treue Seele; ihm

durfte niemand von diesem Handel sprechen, ohne sich Händel zuzuziehen.

Von dem Erworbenen hatte er sich ein elendes, finsteres Haus im

schlechtesten Teile der Stadt, neben der Judengasse, und vielerlei alten

Kram gekauft, womit die Auktionen seine Zimmer geschmückt hatten, die er

dabei in einer Ordnung erhielt und in einer Einsamkeit, daß niemand

wußte, wie es eigentlich darin aussehe. Übrigens war er ein fleißiger

Kirchengänger und setzte sich da einer Wand gegenüber, die mit alten

Wappen von Erbbegräbnissen geschmückt war, machte aber übrigens alles

mit wie andere Menschen, welche in die Kirche zum Zuhören gehen. Nach

der Kirche aber pflegte er jedesmal bei der alten Hofdame anzutreten,

vor deren Tür er an anderen Tagen mit einer Prise Schneeberger

Schnupftabak, auf die er wohl funfzig Male niesen mußte, den

geckenhaften schöntuenden Hahnentritt und Stutzerlauf sich vertrieb, der

ihn in das Haus hineinzutreiben drohte, während ihm dabei der Degen, den

er nach alter Art durch die Rocktasche gesteckt hatte, zwischen die

Beine schlenkerte. Diese alte, hochauf frisierte, schneeweiß

eingepuderte, feurig geschminkte, mit Schönpflästerchen beklebte Hofdame

übte auch nach jenem unglücklichen Zweikampfe seit dreißig Jahren

dieselbe zärtliche Gewalt über ihn aus, ohne daß sie ihm je ein

entscheidendes Zeichen der Erwiderung gegeben hatte. Er besang sie fast

täglich in allerlei erdichteten Verhältnissen, in kernhaften Reimen,

wagte es aber nie, ihr diese Ergießungen seiner Muse vorzulegen, weil er

vor ihrem Geist besondere Furcht hegte. Ihren großen, schwarzen Pudel

Sonntags in ihrer Nähe unter hergebrachten Fragen zu kämmen, war der

ganze Gewinn des heiß erflehten Sonntags; aber ihr Dank dafür, dies

angenehme Lächeln, war auch ein reicher Lohn, -- wer ihn nur zu schätzen

wußte. Andern Leuten schien dies starre, in weiß und rot mit blauen

Adern gemalte Antlitz, das am Fenster unbeweglich auf eine Filetarbeit

oder in den Spiegel der nahen Toilette blickte, eher wie ein seltsames

Wirtsschild. Sie lebte übrigens sehr anständig von den Pensionen zweier

Prinzessinnen, die sie bedient und überlebt hatte, und die Besuche von

Hofleuten und Diplomaten an ihrer silbernen Toilette, während welcher

sie vielerlei Brühen zur Erhaltung ihrer Schönheit zu genießen pflegte,

waren zu einer herkömmlichen Feierlichkeit geworden und zugleich zu

einer Gelegenheit, die Neuigkeiten des Tages auszutauschen.

Es geschah aber an einem Frühlingssonntage, daß die Hofdame durch ein

Zusammenlaufen der Leute in der Straße auf eine außerordentliche

Neuigkeit aufmerksam gemacht wurde. Diese Außerordentlichkeit war aber

diesmal der Leutnant, oder vielmehr sein vom Frühling verjüngtes Laub.

Ein neuer, moderner Hut mit einer Feder statt der Wolle, ein glänzendes

Degengehenk, eine neue Uniform mit geschmälerten Rockschößen, verkürzten

Taschen an der Weste und neue, schwarze Samthosen verkündeten eine neue

Periode der Weltgeschichte. Auch trat der Leutnant bald mit frohem

Gesichte ins Zimmer und mit dem Berichte ihr entgegen: »Liebe Kusine,

der Majoratsherr kommt in diesen Tagen; seine Mutter ist gestorben, ihm

ist von einer prophetischen Kranken geraten, hierher zu gehen, wo er

seine Ruhe finden werde, nachdem ihn ein heftiges Fieber um seine

Gesundheit gebracht hat. Nun denken Sie sich, der junge Mann hat aus den

Erzählungen der Mutter einen Abscheu gegen das Majoratshaus; er will

durchaus bei mir wohnen und hat mich ersucht, ihm bei mir ein Zimmer

recht bequem einzurichten, wozu er mir ein Kapital übermache. Mein

Häuschen ist für einen so verwöhnten, reichen Herrn nicht eingerichtet;

in unsern hohen Familien ist es leider wie bei den Katzen, ein junges

wird als erstgebornes gut aufgefüttert, und alle jüngern Geschwister

werden ins Wasser geworfen.« -- »Sie waren einmal schon recht nahe, das

Majorat zu erhalten?« sagte die Hofdame. -- »Freilich,« antwortete er,

»ich war dreißig Jahre alt, mein Oheim sechzig und hatte in erster Ehe

keine Kinder bekommen. Da fällt es ihm ein, noch einmal ein junges

Fräulein zu heiraten. Umso besser, dachte ich, die Junge ist des Alten

Tod. Aber umso schlechter gings; sie brachte ihm kurz vor seinem Tode

einen jungen Sohn, diesen Majoratsherrn, -- und ich hatte nichts!« --

»Wenn der junge Mann stürbe, würden Sie Majoratsherr,« sagte ruhig die

Hofdame; »junge Leute können sterben, alte Leute müssen sterben.« --

»Leider!« antwortete der Leutnant; »der Prediger sprach heute auch davon

auf der Kanzel.« -- »Was wurde denn gesungen?« fragte die Hofdame; »ich

wollte es zu meiner Hausandacht wissen.« -- Der Leutnant schlug die

Lieder auf; sie sang leise, und er kämmte den Pudel nach Gewohnheit,

indem er ihr mit Bewunderung zuhörte. -- Als er sich empfahl, trug ihm

die Hofdame auf, den jungen Vetter doch gleich, wenn er angekommen, bei

ihr einzuführen.

Als der Leutnant zu Hause kam, trat ihm ein großer, bleicher, junger

Mann entgegen, in einer Kleidung, wie er sie noch nicht gesehen: seine

Haare waren phantastisch ohne strenge Ordnung emporfrisiert, und

Figaroslocken in leichten, dünnen Röhren umliefen wie ein Halbkreis die

Ohren. Hinten vereinigte ein dicker Katillon die Haare, welche in einer

Locke hinübergekämmt waren. Ein streifiger Rock mit prächtigen

Stahlknöpfen und große silberne Schuhschnallen verrieten ihm den

Reichtum des Majoratsherrn. Auch dieser hatte aus den Briefen an die

Mutter gleich den Vetter erraten und berichtete ihm, daß er Tag und

Nacht mit Kurierpferden gereist sei und ihm nicht genug sein

Wohlgefallen über das Haus ausdrücken könne, das ganz nach seinem

Geschmack sei, nur müsse er ihm erlauben, daß er neben dem für ihn

bereiteten großen Zimmer auch ein kleines nehme, das nach der engen

Gasse hinaussehe; denn da er nie oder selten ausgehe, so liebe er vor

allem diese Beweglichkeit der engen Straßen. -- Der Vetter bewilligte

ihm gern das schlechte Zimmer an der Judengasse und wollte gleich

Anstalt machen, die trüben, von der Sonne verbrannten Fenster durch

andere mit großen Scheiben zu ersetzen. -- »Mein lieber Herr Vetter!«

rief der Majoratsherr, »diese trüben Scheiben sind meine Wonne; denn

sehen Sie, durch diese eine helle Stelle seh ich einem Mädchen ins

Zimmer, das mich in jeder Miene und Bewegung an meine Mutter erinnert,

ohne daß sie mich bemerken kann.« -- »Ei, das gesteh ich,« sagte der

Vetter und setzte sich in die Schultern und fing an gegen das Fenster zu

streichen, mit seinem Liebestritt, daß er in Eil eine Prise nahm, nieste

und kaltblütig sagte: »Die da ist ein Schickselchen.« -- »Mein

Schicksal?« fragte der Majoratsherr bestürzt. »Wie Sie es nennen

wollen,« fuhr der Vetter fort, »ein Schicksalchen also, ein

Judenmädchen; sie heißt Esther, hat unten in der Gasse ihren Laden, eine

gebildete Jüdin, hat sonst mit ihrem Vater, der ein großer Roßtäuscher

war, alle Städte besucht, alle vornehme Herren bei sich gesehen, spricht

alle Sprachen; das war eine Pracht, wenn sie hier ankam, und die

Stiefmutter Vasthi mit den jüngern Kindern ging ihnen in Schmutz

entgegen. Es konnte niemand was dagegen sagen; die Ursach, warum? Weil

sie mit ihrem Wesen dem Vater gute Käufer anlockte. Aber zuletzt hatte

der Vater großes Unglück durch einen Handelsgenossen, der ihm mit dem

Vermögen durchging. Da gings ihm knapp; das konnt er nicht vertragen und

starb. Dieser Tochter erster Ehe, der Esther, hinterließ er ein kleines

Kapital, damit sie von der Stiefmutter nicht zu Tode gequält würde; aber

das läßt sich die alte Vasthi doch nicht nehmen.« -- »Das ist ja

entsetzlich!« sagte der Majoratsherr, »zwei Leute, die sich hassen, die

sich totärgern, in einem Hause! Ich habe die alte Vasthi auch schon am

Fenster gesehen: ein schrecklich Gesicht!« -- »Sie wohnen wohl in einem

Hause,« antwortete der Vetter, »aber jede hat ihren besonderen Laden und

Wohnung.« -- »Ich will ihr bald etwas zu verdienen geben,« sagte der

Majoratsherr. »Es scheinen hier viele Juden zu wohnen.« »Nichts als

Juden,« rief der Vetter, »das ist die Judengasse, da sind sie

zusammengedrängt wie die Ameisen; das ist ein ewig Schachern und Zanken

und Zeremonienmachen, und immer haben sie so viel Plackerei mit ihrem

bißchen Essen; bald ist es ihnen verboten, bald ist es ihnen befohlen,

bald sollen sie kein Feuer anmachen; kurz der Teufel ist bei ihnen immer

los.« -- »Nein, lieber Vetter, Sie irren sich darin,« sagte der

Majoratsherr und drückte ihm die Hände. »Wenn Sie gesehen hätten, was

ich in Paris bei meiner Kranken sah, Sie könnten den Teufel nicht für

den Vater des Glaubens ansehen; nein, ich versichere es Ihnen, er ist

der Feind allen Glaubens! Aller Glaube, der geglaubt wird, kommt von

Gott und ist wahr, und ich schwöre Ihnen, selbst die heidnischen Götter,

die wir jetzt nur als eine lächerliche Verzierung ansehen, leben noch

jetzt, haben freilich nicht mehr ihre alte Macht, aber sie wirken doch

immer etwas mehr als gewöhnliche Menschen, und ich möchte von keinem

schlecht sprechen. Ich habe sie alle mit meinem zweiten Augenpaar

gesehen, sogar gesprochen.« -- »Ei der Tausend, da erstaune ich,« rief

der Vetter, »das könnte uns erstaunliches Gewicht bei Hofe geben, wenn

wir sie den hohen Herrschaften zeigen könnten.« -- »So geht das nicht,

lieber Vetter,« antwortete jener ernst, »der Mensch, der sie sieht, muß

noch mehr darauf vorbereitet sein durch jahrelanges Nachdenken, als jene

Geister, die ihm erscheinen sollen; sonst entsetzen sich beide

voreinander, und der sterbliche Teil erträgt es nicht. Aber wer auch bis

zu der innern Welt vorgedrungen, -- wenn auch noch scheinbar lebend wie

ich -- ist dennoch abgestorben bei ihrem Bestreben, ihrer Tätigkeit. Das

wußte meine Mutter von mir und war darum so unruhig auf ihrem

Totenbette, was aus mir werden sollte. Sie hatte bis dahin alle

Geschäfte mit großer Einsicht und Ordnung betrieben, während ich mich

den Studien und der Beschauung hingab. Ich habe meine Zeit mit großer

Anstrengung genutzt, ich habe gerungen wie keiner, ich habe erreicht,

was wenigen zuteil geworden. Aber verloren war ich, erdrückt, bis zum

Wahnsinn zerstreut von den Geschäften, die nach dem Tode der Mutter auf

mich eindrangen, ich wollte mich bezwingen, das Höhere dem Niedern zu

opfern; die Qual brachte mich um meine Gesundheit. Eine Kranke, deren

Blick weit reicht, sagte mir zu, daß ich hier Ruhe finden würde bei

Ihnen, Vetter; Sie hätten ein seltenes Geschick für das praktische

Leben, mein Vermögen würde sich unter Ihrer Spekulation verdreifachen. O

Vetter! nehmen Sie mir die Last des Geldes und der Güter ab, genießen

Sie des Reichtums, ich brauche wenig, und auch auf den Fall, daß ich den

Luftgeist der Erde wieder binden könnte, daß Kinder mein Haus füllten,

soll Ihnen die Hälfte meiner Einnahmen für die Besorgung des Ganzen

bleiben.« -- Bei diesem Vortrage flossen zwei edle Tränen aus den Augen

des Majoratsherrn, während die großen Augen des Vetters mit

heraufgezogenen Augenbrauen ihn verwunderlich von der Seite anstierten,

ohne dem köstlichen Vortrage Glauben beimessen zu können. Dann fuhr der

Majoratsherr, um das Gespräch zu ändern, fort: »Als ich mit schwellendem

Gefühl, was mir in der Stadt bevorstehe, in welcher der Kreis meines

Lebens angefangen, die große Straße herabfuhr, da begegneten mir

ausgemergelte Leute, die sich kaum zu den Kaffeehäusern hinbewegen

konnten, denn sie wurden fast gewaltsam an den Röcken von unglücklichen

Seelen zurückgezogen, die wegen ungeendigter Prozesse nicht zur Ruhe

kommen konnten und jammervolle Vorstellungen ihnen nachtrugen. Auch

meinen Vater sah ich dabei wegen des einen Konkursprozesses, dessen Ende

wohl keiner erleben wird. Schaffen Sie Ruhe seiner Seele, lieber Vetter,

ich bin zu schwach.« -- »Wahrhaftig,« rief der Vetter, »zu dem Tore

gehen Sonntags die Räte, Schreiber und Kalkulatoren des großen Gerichts

gewöhnlich mit ihren Frauen und Kindern zum Kaffeegarten hinaus.« --

»Der Postillon meinte auch, das wären Kinder, die sich ihnen an die

Röcke gehangen«, fuhr der Majoratsherr fort, »aber solche jammervolle

Gesichter haben Kinder nicht, das sind die Plagegeister, die sie wegen

ihrer Nachlässigkeit umgeben. Lieber Vetter! befriedigen Sie meines

Vaters, Ihres Oheims, arme Seele.« -- Der Vetter sah sich ängstlich in

dem trüben Zimmer um, ihm war es zumute, als ob die Geister, wie der

Schnupfen, in der Luft lägen. »Alles, alles will ich tun, was sie

wünschen, bester Vetter«, rief er dann, »ich bin nicht glücklich, wenn

ich nicht so etwas zu betreiben habe. Prozesse sind mir lieber als

Liebeshistorien, und Ihre Angelegenheiten sollen bald in eine Ordnung

kommen wie meine Wappensammlung.« Bei diesen Worten führte er ihn in ein

Vorderzimmer und hoffte, den Majoratsherrn durch den Anblick seiner

zierlichen, gebohnten Schiebkasten, in welchen die Wappen, zum Teil mit

Zinnober abgedrückt, die Namen in Frakturschrift beigefügt, glänzten, zu

zerstreuen und zu befriedigen. Der Majoratsherr schien auch hierin, wie

in allen Kenntnissen wohlbewandert; der Vetter mußte seine Bemerkungen

achten. Als er aber den Schrank mit dem französischen Wappen eröffnete,

da fuhr der Majoratsherr auf: »Gott! welch ein Lärmen! Wie die alten

Ritter nach ihren Helmen suchen, und sie sind ihnen zu klein, und ihre

Wappen sind mottenfräßig, ihre Schilde vom Rost durchlöchert; das bricht

zusammen, ich halte es nicht aus, mir schwindelt, und mein Herz kann den

Jammer nicht ertragen!« Der Vetter rückte den unglücklichen Schrank fort

und führte den Majoratsherrn ans Fenster, daß er Luft schöpfen möchte.

»Und wer fährt dort?« rief er, »der Tod sitzt auf dem Bocke, Hunger und

Schmerz zwischen den Pferden, einbeinige und einarmige Geister fliegen

um den Wagen und fordern Arme und Beine von dem Grausamen zurück, der

sie mit kannibalischer Begierde ansieht. Seine Ankläger laufen mit

Geschrei hinter ihm drein; es sind die Seelen, die er vorzeitig der Welt

entriß -- bester Vetter! ist denn hier keine Polizei?« -- »Ich will den

Mann rufen, lieber Vetter, daß er Ihren Puls fühle,« entgegnete der

Vetter, »es ist unser bester Arzt und Chirurgus. Sie haben ihn gewiß an

seinem schmalen, einsitzigen Wagen erkannt; sein Kutscher ist freilich

mager und seine Pferde abgetrieben, aber die den Wagen umflattern, sind

Sperlinge, und die ihm nachbellen, Gassenhunde.« -- »Nein,« antwortete

der Majoratsherr, »um Gotteswillen rufen Sie keinen Arzt! Wenn die

meinen Puls fühlen, der immer in abwechselnden Takten sich bewegt, dann

ganz stille steht, so schreien alle, ich sei schon gestorben; und am

Ende haben sie recht, denn mich erhält nur der Gedanke einer guten

Seele, die auch krank ist. Übrigens habe ich Sie diesmal ohne Grund

erschreckt, lieber Vetter, meine Worte drückten nur die Gefahr aus,

worin sich der französische Adel befindet; ich bildete mir die Unruhe

ein, die Frankreich in den alten Schlössern von den Geistern erfahren

muß, Ihre Sammlung ist Geist-los. Ich kann genau unterscheiden, was ich

mit dem Auge der Wahrheit sehen muß, oder was ich mir gestalte; wirklich

bin ich ein guter Beobachter meiner selbst, und die Physik der Geister

war von je mein Lieblingsstudium.«

Der Leutnant, der mit dieser Physik der Geister durchaus nichts zu tun

haben mochte, brachte die Rede auf häusliche Einrichtungen. Der

Majoratsherr erklärte, daß er nur wenig Aufwartung bedürfe, nur die

wenigsten um sich leiden könne und deshalb sich selbst frisiere und

rasiere, auch alle Dienerschaft entlassen habe. »Die Aufwärterin hier«,

sagte er, »ist eine herrliche Seele, sie trägt nicht mit Unrecht diesen

Heiligenschein um ihr Haupt.« -- »Heiligenschein?« brummte der Vetter

vor sich, »das ist wohl das weiße Tuch, womit sie sich den Kopf

eingebunden hat!« Dann sprach er laut: »Wenn Gott aus der eine Heil'ge

schnitzeln wollte, die ginge wohl ganz in die Späne!« Noch berichtete

der Majoratsherr, daß er gewöhnlich bei Tag schlafe und erst, wenn die

Sonne im Sinken, aus dem Bette aufzustehen und seine stille Arbeit zu

betreiben pflege, wogegen der Vetter heimlich brummte: »Davon kommt der

Geisterspuk im Kopfe; er lebt ja wie die Nachteulen.«

Nachdem das Abendessen eingenommen, hatte sich der Vetter mit einer

guten Nacht empfohlen. Auch die Aufwärterin war zu Bette gegangen,

während der Majoratsherr sein großes Zimmer mit Wachskerzen tageshell

erleuchtet hatte, um seine Bücher und Handschriften, auf- und abgehend,

mit gleicher Bequemlichkeit zu durchlaufen und die Hauptarbeit seines

Lebens, sein Tagebuch, fortzuführen. Dieser glänzende Kerzenschein war

eine neue Erscheinung für die Bewohner der Gegend und die erste Unruhe,

die er ihnen machte; denn bei der Sparsamkeit des Leutnants mußten sie

vermuten, daß dort ein Feuer ausgebrochen sei. Als sie sich aber vor dem

Hause sammelten und die klagenden Töne einer Flöte durch das offene

Fenster erschallen hörten, beruhigten sie sich wieder und freuten sich

des neuen Lichtes, das ihnen den Schmutz der Straße deutlich machte. Der

Flötenspieler war der Majoratsherr, aber seine Töne sollten sich

eigentlich zu Esther hinrichten, die er am Fenster des dunklen

Nebenzimmers belauschte, wie sie ihre Kleider abwarf und im zierlichsten

Nachtkleide vor einem eleganten Spiegeltische ihre Haare flocht. Der

enge Bau jener Gasse, in welche die Balkenlagen jedes Stockwerkes immer

weiter hinausragten, um den Zimmern noch etwas Raum zu gewinnen, brachte

ihm ihr Fenster so nahe, daß er mit einem kühnen Sprunge zu ihr hinüber

hätte fliegen können. Aber das Springen war nicht seine Sache; dagegen

übte er die seltene Feinheit seines Ohres, das auf bedeutende Entfernung

ihm hörbar machte, was jedem andern verhallte. Er hörte zuerst einen

Schuß oder einen ähnlichen Schlag; da sprang sie auf und las ein

italienisches Gedicht mit vielem Ausdruck, in welchem der Dienst der

Liebesgötter bei einem Putztische beschrieben wurde; und gleich sah er

unzählige dieser zartbeflügelten Gestalten das Zimmer beleben, wie sie

ihr Kamm und Bänder reichten und ein zierliches Trinkgefäß, wie sie die

abgeworfenen Kleider ordneten, alles nach dem Winken ihrer Hände, dann

aber, als sie sich in ihr Bett gestreckt, wie ein gaukelnder Kreis um

ihr Haupt schwebten, bis sie immer blässer und blässer sich im Dampfe

der erlöschenden Nachtlampe verloren, in welchem ihm dagegen die Gestalt

seiner Mutter erschien, die von der Stirn des Mädchens eine kleine

beflügelte Lichtgestalt aufhob und in ihre Arme nahm, -- wie das Bild

der Nacht, die das Kindlein Schlaf in ihrem Gewande trägt -- und in dem

Zimmer bis zur Mitternacht damit auf- und niederschwebte, als wenn sie

ihm die unruhigen Träume vertreiben wollte, es dann aber über den

schwindelnden Straßengrund dicht an das Auge des Staunenden trug, der

Esthers verklärte Züge in der Lichtgestalt deutlich erblickte, sie aber

mit einem Schrei des Staunens unwiderruflich zerstreute. Denn mit diesem

Schrei war er aus dem höheren Seelenzustande, aus dem Kern in die Schale

zurückgesunken, und kein Wunsch führte ihm diesen seligen Anblick

zurück. Er sah Esther in ihrem Bett nicht mehr liegen, ihr Zimmer war

dunkel, nichts regte sich in der Gasse als die Ratten, die eine muntere

Jagd unter den Brücken der Gossen hielten, auch hustete die alte Vasthi

mit hoher Pelzmütze aus einem Fenster und fing an zu beten, als ein

Stier in der Nähe ein heftiges Gebrüll erhob. Diesem Gebrüll ging der

Majoratsherr im Hause nach und erblickte durch ein Hinterfenster beim

Schein des aufgehenden Mondes auf grüner, mit Leichensteinen besetzten,

ummauerten Fläche einen Stier von ungeheurer Größe und Dicke, der an

einem Grabsteine wühlte, während zwei Ziegenböcke mit seltsamen

Kreuzsprüngen durch die Luft sich über sein Wesen zu verwundern

schienen. Hier stand dem Majoratsherrn der Verstand still; diese

schreckliche Wirtschaft auf einem Gottesacker empörte ihn, er klingelte

der Aufwärterin. Sie erschien bald und fragte ihn, was er befehle?

»Nichts, gar nichts,« antwortete er, »aber was deutet dieser Spuk?« --

Die Frau trat ans Fenster und sagte: »Ich sehe nichts als die

Majoratsherren der Juden, das sind die erstgebornen Tiere, welche sie

nach dem Befehle ihres Gesetzes dem Herrn weihen, die werden hier

köstlich gefüttert, sie brauchen nichts zu tun; wenn sie aber ein Christ

erschlägt, so tut er den Juden einen rechten Gefallen, weil er ihnen die

Ausgabe spart.« -- »Die unglücklichen Majoratsherren,« seufzte er in

sich, »und warum haben sie Nachts keine Ruhe?« -- »Die Juden sagen, daß

einer aus der Sippschaft stirbt, wo sie nachts so wühlen am Grabe,«

antwortete die Frau; »hier, wo dieser wühlt, ist der Vater der Esther,

der große Roßtäuscher, begraben.« -- »O Gott nein!« rief er und ging in

den betrübtesten Gefühlen auf sein Zimmer und suchte sich wieder mit

heftigem Flötenspiel zu zerstreuen.

Endlich wurde es Tag; die großen Schatten der Häuser lagerten sich unter

dem hellen Himmel, die Mägde sprangen frisch geschuht, als ob sie sich

an diesem Tage durchaus nicht beschmutzen wollten, von einem trocknen

Stein zum andern, die Schwalben dagegen kreuzten hin zu dem köstlichen

Baumörtel, den ihnen der gestrige Regen bereitet hatte, und füllten

damit alle Lücken der menschlichen Architektur. Auch an dem Fenster, das

zu Esther blickte, hatten sich heute zwei von den zwitschernden

Grauröcken eingefunden und wollten ihr Nest gerade da ankleben, wo er

durch die einzige helle Scheibe zu Esther hinblickte. Da stand der

Majoratsherr zweifelnd, ob er sie stören, ob er alles abwarten solle,

was ihm so bedeutend erschien. Seine Sinnesart überwog für das Abwarten.

Nun ihm Esther verborgen, konnte er sich an den lieben Geschöpfen, an

ihrer Lust, an ihrem Fleiße nicht satt sehen, es war ihm zumute, als ob

er sich selbst da anbaue, als hänge sein Glück davon ab, daß sie fertig

würden, und ehe er sich zu Bette legte, sang er noch zu seiner

Mandoline:

Die Sonne scheinet an die Wand,

Die Schwalbe baut daran;

O Sonne, halt nur heute Stand,

Daß sie recht bauen kann.

Es ward ihr Nest so oft zerstört,

Noch eh es fertig war,

Und dennoch baut sie wie betört,

Die Sonne scheint so klar!

So süß und töricht ist der Sinn,

Der hier ein Haus sich baut, --

Im hohen Flug ist kein Gewinn,

Der fern aus Lüften schaut,

Und ging er auch zur Ewigkeit,

Er paßt nicht in die Zeit,

Er ist von ihrer Freudigkeit

Verschieden himmelweit.

Den Abend, als er aufwachte, fand er den Vetter schon mit einem guten

Abendessen in seinem Zimmer, auch sprach er von einer unangenehmen

Überraschung, die er ihm gemacht. -- Deswegen führte er ihn in das

Nebenzimmer, von wo er die Gasse beobachten könnte, und der Majoratsherr

fand es mit Sofa und Stühlen, mit Schränken und Tischen geschmückt, auch

war das Fenster gewaschen -- aber die Schwalben waren herabgestoßen.

»Meine guten schützenden Engel sind vertrieben«, dachte der

Majoratsherr. »Ich soll sie sehen, meinen Todesengel, soll den ganzen

Traum durchleben, der mich plagte; denn eins ist schon erfüllt, was ich

im Schlafe sah.« -- »Warum so traurig, Vetter?« fragte der Leutnant. --

»Ich habe unruhig geschlafen,« antwortete der Majoratsherr, »und mir

träumte von der Esther, sie sei mein Todesengel. Närrisches Zeug! Ihr

Kleid hatte unzählige Augen, und sie reichte mir einen Schmerzensbecher,

einen Todesbecher, und ich trank ihn aus bis zum letzten Tropfen!« --

»Sie hatten Durst im Schlafe,« sagte der Leutnant. »Setzen Sie sich zum

Essen, da steht guter Wein, echter Unger, ich habe ihn selbst gemacht,

aus Rosinen und schwarzem Brote. Apropos, Sie müssen die gute alte

Hofdame bald einmal besuchen; sie hat mich heute halbtot gequält, daß

ich Sie zu ihr bringe, sie wäre eine Freundin Ihrer Eltern.« -- »Dazu

muß ich einen Tag leben, und ich verschlafe meine Tage viel lieber,«

antwortete der Majoratsherr. »Lassen wir das, nehmen Sie meinen Dank für

die Ausschmückung des Zimmers! Eins möchte ich mir noch kaufen, seidene

Vorhänge vor jenes Fenster; Sie haben die Scheiben so hell polieren

lassen, daß ich nicht mehr versteckt bin, wenn ich in die Gasse schaue.«

-- »Die finden Sie gleich unten bei der schönen Esther,« rief der

Vetter, »da können Sie ihre Bekanntschaft viel näher machen als durch

die Fensterscheiben. Alle unsere Majoratsherren waren verliebter

Komplexion, Sie müssen keine Ausnahme machen, bester Vetter! Ich will

Sie auch begleiten, damit Sie im Handel nicht betrogen werden, und daß

Sie sich nicht abschrecken lassen, wenn das Mädchen sehr spröde tut.« So

gingen beide, der Majoratsherr vom Leutnant fortgezogen, in die Gasse,

und der letztere konnte sich eines Schauers nicht erwehren; ihm wars,

als wären die hohen, hölzernen Häuser nur aus Pappdeckeln

zusammengebaut, und die Menschen hingen wie ein Spielzeug der Kinder an

Fäden und regten sich, wie es das Umdrehen der großen Sonnenwalze ihnen

geboten. Jetzt fingen sie an, ihre Läden zu schließen, räumten auf,

zählten den Gewinn, und der Majoratsherr wagte in dem Lärmen, in dem

Dufte nicht aufzublicken.

»Hier, hier!« rief der Leutnant, und der Majoratsherr wollte eben in

einen Laden treten, als er statt der Esther ein grimmig Judenweib, mit

einer Nase wie ein Adler, mit Augen wie Karfunkel, einer Haut wie

geräucherte Gänsebrust, einem Bauch wie ein Bürgermeister, darin

erblickte. Sie hatte sich ihm schon mit ihren Waren empfohlen und

gefragt, ob sie auf sein Zimmer kommen solle, sie wolle ihm das Schönste

zeigen, auch wenn er keine Elle kaufen möchte; denn er sei ein schöner

Herr! -- Schon wollte er eintreten, als der Leutnant ihn am Rock zupfte

und zuflüsterte: »Hier im andern Laden ist die schöne Esther!« -- Da

wendete er sich fort und sagte verlegen, er wolle nichts kaufen, er

hätte sich nur nach einem Komödienzettel an der Ecke umgesehen, und mit

diesen Worten wandte er sich nach dem Nebenladen, wo er Esther zu sehen

erwartete. Aber die alte Jüdin ließ ihn noch nicht los. Sie rief eifrig:

»Junger Herr! hier im Winkel ist auch ein Zettel, ich habe vielleicht

auch einen im Laden! Treten Sie ein, ich habe auch den Zettel von den

spanischen Reitern!« Der Majoratsherr ward dadurch gestört und blickte

sich um, erschrak aber, daß die Jüdin einen schwarzen Raben auf dem

Kopfe trug, und verweilte. Unterdessen hatte der Leutnant schon ein

Gespräch mit Esther angeknüpft, welche ihm ohne Zudringlichkeit Bescheid

gegeben. Dieser zog den Majoratsherrn in den Laden der Esther, und nun

erschallte hinter ihm ein fürchterliches Rabengekrächze aus dem Munde

der alten Jüdin. In halb hebräischen Schimpfreden und im verzerrtesten

Judendialekt zeihte sie die arme Tochter der Unkeuschheit, mit der sie

Christen in ihren Laden locke, um ihrer eigenen Mutter den Verdienst zu

rauben, und verfluchte sie dabei zu allen Martern. Endlich ließ der Atem

des wütenden Weibes nach, der trotz der warmen Luft wie im Winter

geraucht hatte, und sie hetzte vergeblich ein paar vorübergehende kleine

Buben auf, daß sie ihr sollten schimpfen helfen, wofür sie ihnen Kuchen

versprach. Esther glühte von Schamröte, aber sie erwiderte nichts.

Endlich lief die Alte fort, weil ein Käufer kam. Der Majoratsherr

fragte, wer die grimmige Alte mit dem Raben auf dem Kopfe gewesen? --

»Meine Stiefmutter,« antwortete Esther, »haben Sie vielleicht das

schwarze Tuch mit den langen Zipfeln für einen Raben angesehn?« -- Der

Klang der Stimme schien dem Majoratsherrn nun erst bekannt, nun er sie

so nahe hörte; noch deutlicher als aus dem Fenster durchdrang ihn die

Ähnlichkeit mit seiner Mutter. Esther war nicht frischer, aber

jugendlicher; eine schmerzliche Blässe hatte das zarte Antlitz, selbst

die feingeformten Lippen, wie ein schädlicher Frühlingsnebel überzogen;

auch ihre Augen schienen dem Lichte zu schwach und verengten sich

unwillkürlich, wie Blumen gegen Abend die Blätter um ihren Sonnenkelch

zusammenziehen. Während sie mit Eilfertigkeit seidene Zeuge entrollte,

suchte sie der Leutnant in ziemlich ungeschickter Art zu trösten, indem

er ihr die Hoffnung zusicherte, ihre Stiefmutter werde bald sterben. --

»Ich wünsche ihr langes Leben,« antwortete die Gute, »sie hat noch

Kinder, für die sie sorgen muß. Wer weiß, wer zuerst den bittern Tropfen

des Todesengels kosten muß. Ich fühle mich heute in allen Nerven so

gereizt und schwach.« -- Der Majoratsherr meinte einen Todesengel nicht

nur fliegen zu sehen, sondern auch sein Flügelsausen zu hören: »Wie

schrecklich seine Flügel sausen!« -- Aber Esther sprang nach einer

Hintertür, schlug sie zu und entschuldigte sich wegen des heftigen

Zuges; ihr kleiner Bruder habe die Tür offen gelassen. Der Majoratsherr

wählte nun unter den Zeugen, fragte aber nach einer Farbe, die nicht im

Vorrate war. Gleich sprang Esther zu ihrer Mutter nach dem andern Laden,

und diese brachte mit fröhlichem Antlitz den verlangten Stoff, als ob

der Gewittervorhang mit einem Hauche fortgezogen worden wäre. Der

Leutnant wollte viel abdingen; aber der Majoratsherr warf das Geld hin,

was verlangt worden. Da gab ihm Esther einige Taler heraus, denn soviel

betrüge ihr Vorschlag; darüber fing die Mutter wieder an zu wettern,

aber diesmal ganz hebräisch. Als Esther wieder geduldig die Augen

niederschlug, antwortete der Leutnant ihr auf Hebräisch, so daß die

Alte, ganz erstaunt über seine seltene Fertigkeit, das Feld räumte und

sich in ihr Schneckenhaus verkroch. Esther schien sich darüber noch mehr

zu kränken als über den Schimpf, den sie erdulden müssen, und der

Majoratsherr zog aus Schonung den Vetter, der schon Triumph ausrufen

wollte, mit sich fort, indem er zugleich das seidene Zeug unter dem Arme

selbst forttrug.

Als sie zu Hause, fragte er den Leutnant, woher er das Hebräische wisse?

-- »Das brauchte ich zu meinem Verkehr mit den Juden,« antwortete er,

»und was es mir kostet an Büchern und Lehrmeistern, hat es mir reichlich

wieder eingebracht, denn ich konnte nun alle ihre Heimlichkeiten

verstehen. Sehen Sie, Vetter, in dem Schranke sind lauter jüdische

Sagenbücher und Beschreibung ihrer Sitten und Gebräuche. Wissen Sie, was

die Alte zuletzt sagte? Sie freue sich darauf, wenn Esther stürbe, da

würde es eine schöne Auktion geben! Wirklich ist sie auch aus dem

Nachlasse ihres Vaters mit allen eleganten Möbeln versorgt, und die

Leute erzählen, weil nun die feinen Herren nicht mehr, wie bei ihres

Vaters Lebzeiten, zu ihr kommen, daß sie sich abends prächtig anputze

und Tee mache, als ob sie Gesellschaft sehe, und dabei in allen Sprachen

rede.« -- Aber der Majoratsherr hörte wenig mehr darauf, denn er war mit

ganzer Seele über die Sagenbücher hergefallen. Der Leutnant wünschte ihm

gute Nacht, und kaum hatte er ihn verlassen, so sah der Majoratsherr

beim Lesen der alten Bücher in seinem Zimmer alle Patriarchen und

Propheten, alle Rabbinen und ihre wunderlichen Geschichten aus den

Sagenbüchern hervorgehen, daß die Stube zu eng schien für die ungeheure

Zahl. Aber der Todesengel schlug sie endlich alle mit seinen Flügeln

hinweg, und er konnte sich nicht satt lesen an seiner Geschichte: »Lilis

war die Mitgeschaffne Adams im Paradiese; aber er war zu scheu und sie

zu keusch, und so gestanden sie einander nie ihr Gefühl, und da erschuf

ihm der Herr im Drange seines Lebens ein Weib aus seiner Rippe, wie er

es sich im Schlafe träumte. Aus Gram über diese Mitgenossin ihrer Liebe

floh Lilis den Adam und übernahm nach dem Sündenfalle des ersten

Menschen das Geschäft eines Todesengels, bedrohte die Kinder Edens schon

in der Geburt mit Tod und umlauert sie bis zum letzten Augenblicke, wo

sie den bittern Tropfen von ihrem Schwert ihnen in den Mund fallen

lassen kann. Tod bringt der Tropfen, und Tod bringt das Wasser, in

welchem der Todesengel sein Schwert abwäscht.«

Unruhig lief der Majoratsherr bei diesen Worten im Zimmer umher, dann

sprach er heftig: »Jeder Mensch fängt die Welt an, und jeder endet sie.

Auch ich liebte scheu und fromm eine keusche Lilis, sie war meine

Mutter; in ihrer ungeteilten Liebe ruhte das Glück meiner Jugend. Esther

ist meine Eva, sie entzieht mich ihr und gibt mich dem Tode hin!« -- Er

hielt es nicht aus bei dem Anblick des Todesengels, den er immer hinter

sich lauernd zu schauen glaubte; er eilte auf die Straße im Mantel

verhüllt, um sich an dem Nachhall des Tages zu zerstreuen. Endlich

setzte er sich ermüdet hinter das Fußgestell einer Bildsäule, die in der

Nische eines hohen Hauses stand, und sah den eiligen Läufern zu, die mit

Fackelglanz einem rollenden Wagen vorleuchteten; die Lilis zog hinter

ihm her. Jubelnde Gesellschaften zogen lärmend aus der Trinkstube nach

Hause und klapperten noch mit den Nägeln gegen die Saiten, die sie so

lange hatten schwingen lassen; aber auch ihnen zog der Todesengel nach

und -- blies sie an aus einem Nachtwächterhorn. Und es wurden der

Todesengel so viele vor seinen Augen, daß sie zueinander traten und

paarweis wie Liebende nebeneinander gingen in traulichen Gesprächen. Und

er horchte ihnen zu, damit er wüßte, wie er zu Esther reden müsse, um

ihr seine Liebe kund zu tun. Aber die Liebenden wurden von den

Geschäftigen verdrängt, und er mochte nicht eher zuhören, bis ihm die

Stimme der Vasthi auffiel, die mit einem alten Rabbiner vorüberging und

ihm sagte:

»Was soll ich die Esther schonen; ist sie doch nicht das Kind meines

Mannes, sondern ein angenommenes Christenkind, der er den größten Teil

seines Geldes zugewendet hat.« -- »Sei Sie still,« sagte der Rabbiner,

»weiß Sie denn, wieviel der Mann mit dem Kinde bekommen hat?« »Alles. Er

hatte nichts und konnte damit anlegen großen Handel. Was kann das

Mädchen dafür, daß ihm sein Geld ist gestohlen worden?« -- Hier kamen

sie ihm aus dem Bereich seines scharfen Gehörs, er eilte ihnen nach,

aber sie hatten sich schon in irgend ein Haus begeben. Auch hier war er,

wie gewöhnlich, zu spät zu einem Entschluß gekommen, doch war ihm der

Fingerzeig seltsam bedeutend und führte ihn sinnend hin in sein Haus.

Als er sich kaum ein paar Minuten ausgeruht hatte, hörte er einen Schuß,

er sah zum Fenster hinaus, aber niemand schien es gehört zu haben.

Beruhigt rückte er auf seine Warte am Fenster und wagte es, einen

Fensterflügel zu öffnen, so daß er noch genauer, als die Nacht vorher,

das Zimmer der, schönen Esther übersehen konnte. -- Da hatte sich vieles

verändert, die Kappen der Stühle waren abgenommen, und sie glänzten in

weißem Atlas um einen prachtvollen Teetisch, auf welchem eine silberne

Teemaschine dampfte. Esther schüttete wohlriechendes Wasser auf eine

glühende Schippe, dann sprach sie in die Luft: »Nanni, es ist höchste

Zeit, daß ich meine Locken mache, meine Gäste müssen bald kommen.«

Esther antwortete darauf mit veränderter Stimme: »Gnädiges Fräulein, es

ist alles bereit.« -- Im Augenblicke des Worts stand eine zierliche

Kammerjungfer vor Esther und half ihr die Locken ausziehen und ordnen.

Dann reichte sie Esther den Spiegel, und diese klagte: »Gott, wie bin

ich bleich! Hat es denn nicht Zeit mit dem Erbleichen, bis ich tot bin?

Du sagst, ich soll mich schminken. Nein, dann gefalle ich dem

Majoratsherrn nicht, denn er ist auch blaß wie ich, gut wie ich,

unglücklich wie ich; wenn er nur heut käme, die Gesellschaft macht mir

ohne ihn keine Freude.« Nun war alles im Zimmer geordnet, und Esther,

sehr elegant angezogen, legte einige schön gebundene englische Bücher

aufs Sofa und begrüßte auch englisch das erste Nichts, dem sie in ihrer

Gesellschaftskomödie die Tür öffnete. Kaum antwortete sie englisch in

seinem Namen, so stand da ein langer, finsterer Engländer vor ihr, mit

der Art Freiheit und Anstand, die sie damals vor allen Nationen in

Europa auszeichnete. Mit solchen Luftbildern von Franzosen, Polen,

Italienern, endlich auch mit einem kantischen Philosophen, einem

deutschen Fürsten, der Roßhändler geworden, einem jungen aufgeklärten

Theologen und einigen Edelleuten auf Reisen belebte sich der Teetisch.

Sie war in einer unerschöpflichen Bewegung durch alle Sprachen. Es

entspann sich ein Streit über die Angelegenheiten Frankreichs. Der

Kantianer demonstrierte, aber der Franzose wütete. Sie suchte sehr

gewandt die Streitenden auseinander zu halten und schüttete endlich, als

ob sie angestoßen wäre, eine Tasse heißen Tee dem Kantianer auf die

Unterkleider, um eine Diversion zu machen. Das gelang auch; es wurde

entschuldigt, abgewischt, und sie versicherte, den Tritt des

Majoratsherrn zu hören, eine neue Bekanntschaft, die sie erst jetzt

gemacht, ein ausgezeichneter junger Mann, der Frankreich erst kürzlich

verlassen habe und jene streitigen Fragen am besten beantworten könne.

-- Bei diesen Worten durchgriff eine kalte Hand den Majoratsherrn. Er

fürchtete, sich selbst eintreten zu sehen; es war ihm, als ob er wie ein

Handschuh im Herabziehen von sich selbst umgekehrt würde. Zu seiner

Beruhigung sah er gar nichts auf dem Stuhle, den Esther ihm hinrückte,

aber den andern Mitgliedern der eleganten Gesellschaft mußte sein

Ansehen etwas Unheimliches haben, und während Esther zu ihm flüsterte,

empfahlen sich diese, aber einer nach dem andern. Als alle sich entfernt

hatten, sprach Esther lauter zu dem leeren Stuhle: »Sie haben mir in

aller Kürze gesagt, ich sei nicht, was ich zu sein -- scheine, und ich

entgegne darauf, daß auch Sie nicht sind, was Sie scheinen.« Darauf

antwortete Esther, indem sie zum Staunen des aufhorchenden Majoratsherrn

seine Stimme täuschend nachahmte: »Ich will mich erklären: Sie sind

nicht die Tochter dessen, den die Welt Ihren Vater nennt, Sie sind ein

geraubtes Christenkind, Ihren wahren Eltern, Ihrem wahren Glauben

geraubt, und mein Entschluß, Sie dahin zurückzuführen, hat mich

bestimmt, Ihnen meine Aufwartung zu machen. Erklären Sie sich mir jetzt

auch deutlicher.« -- Esther: »Es sei. Ich bin Sie und Sie sind ich;

sollte aber die Sache wieder in Ordnung gebracht werden, so zweifle ich,

daß ich dabei gewinnen kann, Sie aber verlören unglaublich viel, und nur

der schreckliche, rotnasige Vetter würde zu einer schwindelnden Höhe

erhoben.«

Sie schwieg und flehte sich selbst mit der Stimme des Majoratsherrn an,

weiter zu reden, denn eine Ähnlichkeit mit der geliebten Mutter

enthüllte ihm nun halb das Geheimnis. -- Dann fuhr sie fort: »Ist Ihnen

denn der Eigensinn eines alten Majoratsherrn, der von seinem Vetter, dem

Leutnant, mehrmals gekränkt worden, einem eignen Sohne die geliebten

Reichtümer überlassen möchte, so geheimnisvoll? Nehmen Sie an, daß die

Erfüllung dieser Hoffnung ihm nahe bevorstand, daß seine Frau in Wochen

kommen sollte, daß ihn aber die Furcht quälte, die Geburt eines Mädchens

könne alles vereiteln. Wenn diese oft geäußerte Furcht eine listige

Hofdame benutzt, um ihm einen Knaben aufzuschwatzen, den sie eine Woche

früher insgeheim geboren: bedarf es da mehr als einer oft bestochenen

Hebamme, wenn nun die Furcht erfüllt wird, und ich statt eines Knaben

geboren werde? Ich werde einem dienstbaren Juden überliefert, der, außer

dem Vorteil, auch seiner Religion dadurch etwas zuzuwenden hofft. Haben

Sie Nathan den Weisen gelesen?« -- Majoratsherr: »Nein!« -- Esther: »Nun

gut, Sie werden der Mutter an die Brust gegeben, wie die Nachtigall auch

Kuckuckseier ausbrütet, doch es versteht sich, ohne etwas Böses damit

sagen zu wollen. Und daß ich dies alles weiß, danke ich der Sterbestunde

meines Pflegevaters; er versicherte mir noch dabei, daß jenes Kapital,

was er mir zurücklasse, mehr betrage, als was ich nach der Stiftung des

Majorats fordern könne; er habe aber wohl das Dreifache vom alten

Majoratsherrn empfangen, um das Geheimnis zu bewahren, es sei die

Grundlage seines großen Handelsverkehrs geworden. Sie verstummen, Sie

zweifeln, was zu tun sei? Sie verfluchen die Eitelkeit des männlichen

Geschlechts, seinen Namen allein in Ansehen erhalten zu wollen? Aber was

ist zu tun? Lassen Sie denn den alten, lächerlichen Vetter Ihres

Reichtums mit froh werden, wie Sie schon jetzt getan; meine Bahn ist

bald durchlaufen, und ich ertrage keinen großen Wechsel der Witterung.

Aber Sie lieben mich, sagen Sie. Ach ich habe Ihre Augen beim ersten

Anblick verstanden, aber unsre Liebe ist nicht von dieser Welt; diese

Welt hat mich mit aller ihrer Torheit zerstört. Freund, nicht alle

Männer meinten es mit mir so ehrlich wie Sie, und sie umstrickten mich

mit jeder Eitelkeit des kindischen Verstandes. Scheiden wir für heute,

denn es kostet mir viel Zeit, Ihnen zu sagen, daß ich Ihnen kein ganzes

Herz mehr schenken kann; es brach, es ging in Stücken, und nur dort

heilt sich der Riß.« -- Bei diesen Worten verfinsterte eine Tränenflut

die Augen des Majoratsherrn. Als er aufblickte, lag Esther, nachdem sie

das Nachtlicht ausgelöscht, in ihrem Hemdchen im Fenster und atmete

heftig die kalte Nachtluft ein; dann ging sie zu Bette, und er setzte

sich zu seinem Tagebuche, um alles Wunderbare, so treu er vermochte,

aufzuzeichnen.

Die Majoratsherren · 第 1 / 3 段