Für die Provision 42 1

Für andere Packhofsgebühren (wie billig!) 19 3½

----------------

Ich zahlte mithin für eine Parthie Waaren,

wofür ich 1241 Piaster ausgezahlt erhielt,

wie nebenstehend 485 7½

obgleich die Commissionaire gemäß der Bescheinigung des Ober-Tribunals

gar nichts bezahlt hatten, und somit floß diese ganze Summe in

die Tasche der Commissionaire. Dies beweist mithin meine frühere

Behauptung, daß man mit Zurechnung der Spesen von Europa bei Sendungen

nach Westindien stets auf 50 Procent Unkosten gefaßt sein muß.

Jetzt bleibt mir noch zu beweisen übrig, wie hoch sich die von Moyer

in Rechnung gestellten Zölle belaufen und wie viel er nach der

Bescheinigung des Tribunals davon für sich erbeutet hat.

Piaster Realen

Was er mir berechnete, beläuft sich

auf nicht mehr und nicht weniger, gemäß

dessen eigenhändig unterzeichneten Rechnungen 291 3½

Und wie viel hat er nach der Bescheinigung

des Tribunals für jene benannte

Summe bezahlt? Auch nicht mehr und

nicht weniger als 58 4½

--------------

Er kürzte mithin die Revenuen der Regierung

um 232 8

Es ist jetzt noch meine Schuldigkeit, zu beweisen, daß es nicht allein

in Havana, nein! daß es, wie ich behauptet habe, in ganz Westindien

in dieser Hinsicht nicht besser ist. Zu diesem Endzweck und zur

Einsicht für jeden nach der neuen Welt Handelslustigen will ich eine

Verkaufs-Rechnung über 450 Stück Kattun nach Mexico über Vera-Cruz im

Belauf von 4500 Piaster des wirklichen Verkauf-Preises liefern. Sie ist

wie folgt:

+¾ Vara breite Kattune.+

10 Ballen à 45 Stück in jedem Ballen, à 10 Piaster jedes

Stück 4500

+Unkosten in Vera-Cruz.+

Seefracht 28 -

Seezoll 12,600 Yd. oder 13,608 Vara

mit 8 Proc. 1701

Internation à 10¾ - 283 4

Vermehrung à 3½ - 56 5

Introduction etc. 35 -

H. M. Gebühren 2 4

----------

2106 5

Prämie 4 Procent 84 2

----------

2190 7

Transport 4500 -

Transport 2140 7

Landfracht 110 -

Alkials 16⅔ Procent 283 4

Kleine Kosten und Porto’s 6 4

Courtage ½ - }

Del credere 2½ - } 180 -

Lagermiethe 1½ - }

Provision 7½ - 337 4

3108 3

-----------

Verbliebe mithin für den Versender ein

reines Provenue wie zeigt von Piaster 1391 5

Nach diesen klaren Aufstellungen werden es die geehrten Leser natürlich

finden, daß mein Haß gegen die hiesigen Commissionaire einen guten

Grund hatte und nach dieser Erfahrung noch stärker wurde, so daß ich

ihnen ohne Rückhalt sagte: „ihr seid Diebe!“ Hierüber wurde ich von

Mehreren zur Rede gestellt, besonders aber von einem in Bordeaux

geborenen Deutschen, dem Compagnon eines angesehenen Spaniers und einem

Schottländer N.. Der Erstere meinte, der Europäische Kaufmann könne

nichts dagegen haben, wenn sich die hiesigen beim Zollamte Vortheile

zu verschaffen wissen und Jener sei nicht berechtigt, Ansprüche auf

einen Theil der ersparten Summe zu machen, weil das hiesige Haus das

Risico des Verlustes habe und den Werth der Waaren nöthigenfalls dem

Europäer ersetzen müßte. Meine Erwiederung war, daß der Europäer unter

den jetzigen Umständen, d. h. wenn Alles glücklich geht, nie mehr als

die Hälfte vom Werth seiner Güter zurückerhält, daß er aber, wenn die

Waaren fortgenommen würden, ganz gewiß gar nichts erhalten würde.

Der Schottländer N.. meinte, daß ich diese Behauptung in Hinsicht

der Deutschen, aber nicht der Engländer hätte aufstellen sollen,

weil die Deutschen ohne Ausnahme mehr Neigung für das Metier der

Schmuggelei hätten, als irgend eine andere Nation. Er drohte, auf

meinen Reisepaß Beschlag zu legen, versicherte mir, daß ich in den

ersten 12 Jahren nicht von der Insel fortkommen würde, er habe bereits

die Unterschriften mehrerer Kaufleute gesammelt, um ein Gesuch zu

diesem Endzweck einzureichen. Ich nannte ihm Mehrere, an die er sich

hauptsächlich mit gutem Erfolge wenden könnte und blieb ganz ruhig

dabei, da der Gouverneur meine Meinung theilte und auf meiner Seite

war. Sehr bald erhielt ich denn auch meinen preußischen Cabinets-Paß

aus den Händen des Gouverneurs, von ihm selbst visirt und gratis (er

kostet sonst 6-8 Piaster). -- Meine Bekanntschaft mit dem Gouverneur

war bald stadtkundig geworden; die Deutschen zogen jetzt andere Saiten

auf und fingen an, mich mit mehr Artigkeit zu behandeln, woran mir

eigentlich wenig gelegen war.

Früher aber hatten sich die Commis in der Restauration belle Europe

zurückgezogen, wobei der Wirth natürlich sehr viel verlor, denn alle

seine theuren Sächelchen, als da war: saurer Moselwein, welcher von

den deutschen Commis als Schloß-Johannisberger getrunken und bezahlt

wurde, seine von Frankreich eingegangenen Forellen und grünen Erbsen,

welche letztere in Havana nur aufgewärmt wurden und wovon die kleinste

Portion, so wie auch von den Forellen 1½ bis 2 Piaster kostete: alle

diese schönen Dinge sahen jetzt nach dem Ausbleiben der Deutschen

ihrem Untergang entgegen. Mit diesen Erbsen wird nicht selten Jemand

angeführt, was auch mir passirte, -- ein Vorfall, den ich des Scherzes

halber erzählen will.

Als ich nämlich eines Tages in der genannten Restauration zum

Mittagsessen kam, fand ich keinen Platz und war schon im Begriff,

fortzugehen, als mich ein Commis einer meiner Commissionaire zum

Bleiben aufforderte; sie rückten zusammen und ich setzte mich. Er

beorderte eben grüne Erbsen als Gemüse für sich und fragte mich, ob

er auch für mich dieses vortreffliche Gericht bestellen solle. Ich

ersuchte ihn darum, in der Meinung, daß es eingeborene Havaneser wären,

da die gewöhnlichen Gemüse hier stets auf den Märkten angetroffen

werden. Wie erstaunte ich, als mir die Rechnung gereicht wurde und ich

diese in Frankreich vor vielleicht vier Jahren zubereiteten Erbsen

mit 1½ Piaster aufgeführt fand. Anfänglich glaubte ich, daß die

jungen Leute, die sich, wie alle Deutsche, wegen meiner eingezogenen

ökonomischen Lebensweise moquirten, den Aufwärter zu einem Scherz

bewogen hätten. „Nein, nein!“ fiel einer der Leckermäuler ein, als

ich dies äußerte, „kein Scherz! diese in Frankreich zubereitete

Délices kostet so viel, und wir finden es so billig, daß wir sie jeden

Abend als Souper genießen“ -- wobei er einen langen Sermon über die

chemische Processe beim Einkochen u. s. w. anknüpfte. Ich erwiederte

ihm kurz, daß Commis, deren Herren 25,000 Cigarren für 2000 Thlr. an

Zahlungsstatt geben, freilich 1½ Piaster für drei Löffel voll grüner

Erbsen auszugeben im Stande seien, ein ehrlichdenkender Deutscher aber

könne dies nicht. Er erwiederte, diese Behauptung sollte ich auf der

Gerichtsstube verantworten; ich aber bezahlte 1½ Piaster für ein

aufgewärmtes Gemüse, welches ich frisch für ein Real hätte genießen

können und ging weg.

Auf solche Weise werfen die Deutschen mit dem Gelde um sich, was wir

europäische Deutsche verlieren, weshalb man mit Recht sagen kann: hier

ist des Deutschen Feind der Deutsche. Sie sind in keiner Hinsicht

mit andern Nationen, am wenigsten aber mit den dortigen Franzosen zu

vergleichen, welche ihre Landsleute ohne Ausnahme mit Herzlichkeit

empfangen, bei jeder Gelegenheit ihnen thätig zur Hand gehen und die

bedrängten unterstützen. Man hat Beispiele, daß Franzosen, welche sich

auf Waarenspekulationen nach Westindien eingelassen hatten und dadurch

fast ruinirt wurden, sich durch Hülfe ihrer dort etablirten Landsleute

wieder erholten, indem diese Artikel von ihnen kauften, wobei sie

bedeutend verloren, um jene aus der Noth zu befreien, oder um ihnen

zur Rückkehr nach dem Vaterlande behülflich zu sein. In Legionen sieht

man die Franzosen in Westindien herumziehen, die Alle in der Absicht

hinkommen, ihr Glück zu machen. Niemand will dort weniger als 40,000

Piaster ärndten.

Welch ein Contrast bildet dies Benehmen mit dem der Deutschen daselbst;

da ist nichts von Herzlichkeit und Patriotismus zu finden; Geld! ist

das Losungswort und die Parole bei ihren Manövern und bei allem ihrem

Thun und Treiben. Deshalb werden denn auch alle Artikel, in welchen

die deutschen Fabrikanten Meister sind, den dort umherschwärmenden

englischen Reisenden zum Copiren gegeben. „Mischen Sie die Waare

mit Baumwolle,“ sprechen sie, „machen Sie dieselbe schmäler, auch

allenfalls von kürzerem Maaße, nur copiren Sie treu die Appretur und

das Zeichen; für das Uebrige werden wir sorgen.“ Der Reisende kennt

seine Pappenheimer; er weiß, daß die Commissionaire in Havana weniger

Kenntnisse im Waarenfache besitzen, als die Leipziger oder Berliner

Dienstmädchen, und versichert ihnen daher, wenn sein Prinzipal die

bestellte Quantität doppelt schickt, diese Parthie sei das Non plus

Ultra! „Sehen Sie,“ sagt er, „Alles dieses hier, was Sie in dem Zeuge

sehen, ist von leinenem Garn gemacht“ und der Commissionair -- was kann

er auch bei seiner Unwissenheit anders thun? -- schenkt ihm Glauben.

Das Höchste, was er noch thut, ist, daß er seine Legion bepantoffelter

Commis und cigarrenrauchender Portiers, Neger und Trabanten herbeiruft,

damit sie sich von der Vortrefflichkeit der englischen Copieen

überzeugen und den herrlichen Einfall ihres Herrn und Meisters

bewundern. Indeß, was ist der Erfolg? Die Havaneser kaufen diese

Creasse, Platillien etc., die aus einem durch Maschinen zerstampften

Flachse, mit Baumwolle vermischt, verfertigt sind, natürlicher Weise

zu einem viel geringern Preise, als die deutschen Waaren derselben

Art verkauft werden können, und die letztern bleiben liegen. Erst im

Gebrauch bemerkt der Käufer, daß er hintergangen worden ist, indem die

gepriesenen wohlfeilen englischen Stoffe über alles Erwarten rasch

zerrissen sind. Unterdeß haben die Commissionaire ihren Endzweck

erreicht: sie haben eine doppelte Quantität Waaren in Commission

erhalten, sie verdienen die doppelte Summe von Provision und können

demzufolge doppelte Portionen von den in Frankreich präparirten grünen

Erbsen und von den theuern Forellen u. s. w. essen.

Einst hatte ich Gelegenheit, einem Commissionair, und zwar einem sehr

erprobten, zu widerlegen, da er sich wegen der Nachlässigkeit der

deutschen Fabrikanten beschwerte, welche, wie er meinte, nicht mit der

Zeit fortgingen und von Engländern sich vordrängen ließen; ich bewies

ihm, daß alle deutschen Leinen den englischen vorzuziehen seien, weil

der von der Natur im Flachs erzeugte Faden nicht zerstampft, sondern

unversehrt in den Stoff eingewebt wird u. s. w.

Wenn ich den geneigten Leser mit der weitläuftigen Erzählung meiner

eigenen Angelegenheiten so lange hingehalten und vielleicht ermüdet

habe, so bitte ich um Verzeihung und glaube, einige Ansprüche auf

dieselbe zu haben. Da Behauptungen Beweise erfordern und diese nur dann

als triftig gelten können, wenn sie sich auf bestimmte Erfahrungen

stützen, so mußte ich diese ausführlich mittheilen. Es wird mich nicht

gereuen, dieselben auf meine Unkosten theuer erworben und bezahlt zu

haben, wenn die Saat, die ich hier zum Nutzen des europäischen Handels

ausstreue, auch wirklich aufgeht und Früchte trägt. Zum Beschluß

will ich, ehe ich zu Gegenständen anderer Art übergehe, Einiges über

Meta-Geschäfte von dort auf Europa anführen, ein Gegenstand, der

besondere Berücksichtigung verdient.

Meta-Geschäfte nenne ich solche, bei welchen gewöhnlich drei

Unternehmer interessirt sind, nämlich: ein Schiffseigenthümer, ein

hamburger, bremer etc. Kaufmann, und endlich ein havanesischer

Commissionair. Diese contrahirenden Personen verbinden sich mit der

Ueberzeugung, daß Einer über den Andern so viel Vortheile als möglich

erringen wird. Der Schiffseigenthümer liegt in Havana und kann für sein

Schiff nur Fracht à 2 L. Sterl. pro Tonne finden, und doch möchte er 3

L. Sterl. 10 Sh. bis 3 L. Sterl. 15 Sh. bedingen. Wie wäre es, spricht

er jetzt, wenn ich mein Schiff mit Caffee oder Zucker für den letztern

Frachtpreis belüde? Ein Commissionair findet sich hierzu bereit, wenn

der Rheder den dritten Theil der Ladung für seine Rechnung auf Gewinn

oder Verlust übernehmen will, was dieser annimmt. -- Der Commissionair

schafft die Quantität zum Beladen an und findet vielleicht unterdessen

Einige, die zu dieser enorm hohen Fracht beiladen, wodurch denn

natürlich schon ein Gewinn für die drei Interessenten entsteht. Für

den Commissionair, der unter der Firma Spanische Regierung Europäer

et Comp. dieses Geschäft entrirt, muß unbedingt ein gewisser Gewinn

bei solchen Geschäften erzeugt werden, denn er hat Provision für den

Einkauf, den Rabatt, welchen die mit Maulthieren zum Anfahren der Güter

beschäftigten Fuhrleute ihm erlauben (indem er nämlich das Fuhrlohn

ganz in Rechnung stellt); er hat ferner die Sporteln, welche er sich

beim Ausgangs-Zoll zu verschaffen weiß, so wie auch die Provision und

anderen Sporteln auf die Waaren, die er für die europäischen verkauften

Waaren, welche durch den Antheil dieser Ladung bezahlt werden, sich

zu machen verstand, und endlich die Provision auf die Waaren, welche

nach dem Verkauf des Zuckers an Zahlungsstatt nach Havana befördert

werden. Der Europäer hingegen entschädigt sich durch Provisionen für

die eingegangenen Colonial- und ausgehenden Manufactur-Waaren. Somit

muß sich Einer auf Unkosten des Andern zufriedenstellen. Gern möchte

ich einmal die Abrechnung von einem solchen Geschäft sehen, um die

Erfahrung zu machen, wie viel den deutschen Fabrikanten von ihrem

Capital, welches sie den Bremern oder Hamburgern in Waaren gegen

Vorschuß zum Versenden nach Havana übergeben haben, übrig bleibt!

Manche sind der irrigen Meinung, Waaren von Westindien seien Retouren,

und deshalb müsse man daran verlieren. Wenn es jeder Europäer dem

westindischen Commissionair zur Pflicht machte, keine anderen Retouren

als Wechsel auf London oder Paris zu überschicken, so würden keine

Colonial-Waaren zu einem so niedrigen Preise herabsinken, als man

täglich erfährt. Tauschhandel findet in ganz Westindien nicht statt;

es können demzufolge keine anderen Retouren als baares Geld existiren.

Colonial-Waaren müssen stets für baares Geld eingekauft werden und

selbst, wenn sie Jemand mit Salomonischer Weisheit einkaufte, so

müßte er, glaube ich, daran verlieren: ich habe in diesem Punkte eine

Erfahrung an einer Parthie Caffee gemacht, auf welche ich in Havana

verdienen konnte, in Europa hingegen verlieren soll.

Die Nordamerikaner sind, meiner Ueberzeugung nach, die einzigen, welche

Geschäfte von Westindien nach ihren Staaten mit Nutzen betreiben

können, weil beide so nahe Nachbarn sind und jene häufig ihre Einkäufe

mit einem hübschen Gewinn realisirt haben, während ähnliche, zu

derselben Zeit auf Europa unternommene Spekulationen noch erst am

Anfange stehen und die Schiffs-Capitaine dorthin noch kaum zur Hälfte

mit dem Einladen fertig sind.

Sieht man hierselbst die Anzahl von Geschäftsleuten, insbesondere von

Einkäufern aus den V. S., die tagtäglich in Massen ankommen, so muß es

jedem Unbefangenen bald klar werden, daß die Preise von allen hiesigen

Erzeugnissen sehr hoch sein müssen, und auf Europa nicht Rechnung geben

können. Der amerikanische Einkäufer bedient sich wohlweislich der

amerikanischen oder spanischen Commissionaire, mit denen er jedoch vor

dem Abschluß hinsichtlich der Provision eine Uebereinkunft trifft und

sehr selten mehr als 1¼ Procent accordirt. Fragt man den Deutschen,

warum er nicht auch so billig arbeite, so erhält man zur Antwort: „weil

wir nicht, den Creolen gleich, Hülsenfrüchte essen und Catalonische

Weine trinken wollen.“ Der Verkehr mit den V. S. ist in Havana so

bedeutend, daß jede Woche aus jedem Hafen derselben ein bis zwei, ein-

und eben so viele von Havana auslaufen.

Für Havana allein brachten diese Schiffe im abgewichenen Jahre

125-130,000 Fässer Mehl, d. h. so viele erlegten den Zoll; man kann

eine bedeutende Anzahl geschmuggelter hinzunehmen; die Einfuhr auf

Matanzes und St. Jago ist mir unbekannt. Dessenungeachtet fehlte es

einmal während meiner Anwesenheit in Havana wegen der widrigen Winde,

welche die Schiffe am Einlaufen verhinderten, dermaßen an Mehl, daß

keiner von den Bäckern mehrere Tage hindurch Brod zum Verkauf hatte

und man zu den Schiffs-Zwiebacken seine Zuflucht nehmen mußte. Ein

Schiff, welches in dieser bedrängten Zeit einlief, machte einen Preis

von 32 Piaster pro Faß, der sich jedoch nur einige Tage behauptete,

denn unmittelbar darauf kam so vieles Mehl an, daß die Preise in

wenigen Tagen von 32 Piaster auf 18 herabsanken. Rindfleisch wird auf

Cuba nur von Montevideo, in Friedenszeiten aber auch von Buenos-Ayres

eingeführt; es langen etwa 100 Ladungen an. Es wird dort gesalzen und

in der Sonne getrocknet, riecht nicht angenehm und ist nicht allein für

den Neger bestimmt, sondern auch für den Ausländer; ist mir selbst doch

sehr oft in den Restaurationen ein daraus zubereitetes Steak gereicht

worden, allein mir kam es stets ungenießbar vor.

Bei dieser Gelegenheit will ich dem geneigten Leser zur Uebersicht

eine kleine Tabelle von den wichtigsten, aus den V. S. in Havana

eingeführten Lebensmitteln vorlegen; merkwürdig ist hierbei die

Quantität flüssiger Fettwaaren.

389796 Arrobas Reis, die Arroba à 25 Pfund 9,744900

12498 - Butter - 25 - 312450

261097 - Schweineschmalz oder 6,527425

101842 Pfund Oel in Fässern 101842

248392 Flaschen dito à 2 Pfund 496784

Diese Quantitäten sind es, die den gesetzlichen Zoll erlegt haben;

außerdem kommt noch in Betracht die Quantität Butter, welche

Capitaine für ihre eigene Rechnung mitbringen, womit sie den Zoll zu

umgehen wissen, so wie auch die Quantität Rindsfett von den auf Cuba

geschlachteten Thieren, welche den Fettwaaren angereiht zu werden

verdienen.

Geht schon aus diesem kleinen Verzeichniß die Wichtigkeit Cubas für

die V. S. hervor, so stellt sich dieselbe doch noch mehr heraus, wenn

man auch folgende Artikel hinzurechnet, die auf Cuba, wegen Mangel an

Menschen nicht verfertigt werden, nämlich: das Holz, aus welchem die

750,000 Kisten zum Verpacken des auf Cuba erzeugten Zuckers gemacht

werden, wofür der Producent dieses Artikels 3½ Piaster für jede vom

Käufer wieder erhält; ferner die Masse Schweinefleisch, Lichter,

Aepfel-Champagner, Knoblauch und Zwiebeln, von welchen ganze Ladungen

anlangen; Stühle, Bänke, Tische, kurz Alles, was in den Häusern nöthig

ist. Für alles dieses fließen den Amerikanern von Cuba ungeheure

Summen zu, welche jedoch sehr oft nicht zureichen, den Belauf der von

den Amerikanern aus Cuba bezogenen Artikel, als: Tabacke, Cigarren,

Caffee, Melasse, Branntweine, Zucker, Früchte etc. zu decken. Es giebt

sehr oft in Havana so viele Wechsel auf alle Handelsplätze in den

V. S., daß den Käufern oder Abnehmern freiwillig eine Prämie von 3,

zuweilen gar 4½ Procent angeboten wird. Bei diesen Umständen und bei

solchen Gelegenheiten könnten die deutschen Commissionaire freilich

sehr zum Nutzen ihrer Freunde in Europa agiren, wenn sie nämlich statt

Colonial-Waaren Wechsel auf New-York für dieselben kaufen wollten und

von dort auf London Wechsel anschaffen ließen. Allein dies geschieht

nie; jeder deutsche Commissionair, welchem Credit in London zu Gebote

steht, schickt seinem europäischen Freunde seine von ihm selbst auf

London gezogenen Wechsel als Rimessen und berechnet die in Havana

statt findende Prämie, welche gewöhnlich mehrere Procente höher, wie

die in New-York ist. Es ist demnach mit Gewißheit anzunehmen, daß der

deutsche Commissionair in Havana neben den 2½ Procent, welche er für

die Anschaffung von Rimessen dem Europäer in Rechnung stellt, durch

jene Operation noch 3-4 Procent verdient.

~Ueber die

Feste und Vergnügungen~

der

Havaneser.

„Heute nimmt der Carneval seinen Anfang!“ sagte meine Wirthin, als

ich eines Morgens aus meiner Arche in ihr Zimmer trat, um mich zu

einem Spaziergange an der Seeküste wegzubegeben; „heute,“ fuhr sie

fort, indem sie eben Caffee schlürfte,[C] „müssen Sie sich einmal

ganz dem Vergnügen hingeben, denn bis jetzt haben Sie wenig oder

gar nicht gelebt.“ Während dessen vernimmt sie das Ausschreien von

Lotterie-Loosen durch einen hausirenden Collecteur. Wie der Blitz war

sie zur Hausthür hin, welche zugleich die Thüre ihres Visiten-Zimmers

ausmachte, mit der einen Hand dieselbe öffnend, mit der andern

die Tasse Caffee haltend, „vielleicht -- ja“ aussprechend, um ihr

Schärflein zu diesen Regierungs-Revenuen beizusteuern. Die Nummern

der Loose wurden sorgfältig durchgesehen und gemustert und ein

Viertel-Loos in Gemeinschaft mit einem zufällig anwesenden jungen

Franzosen gekauft. Von derselben Nummer hatte der Collecteur noch ein

anderes Viertel, welches zu nehmen sie mich persuadiren wollte; da

ich indessen diese Lotterie, wegen der unverhältnißmäßigen Anzahl der

Nieten zu den Gewinnen haßte, so schlug ich es ab. Zufällig kaufte es

der zum Frühstück nach Hause gehende Sohn meiner Wirthin und sonderbar

genug, daß dieselbe Nummer in wenigen Tagen die höchste Prämie von

25,000 Piaster erhielt. Es wäre freilich ein erfreuender Carneval für

meine Finanzen gewesen, sagte ich, als mir die Liste und das Loos beim

Frühstück gezeigt wurde, allein sein Sie überzeugt, daß, wäre ich

Inhaber dieses Looses gewesen, Sie nichts gewonnen hätten, weil Fortuna

die einzige im Frauengeschlecht ist, welche mir, da mein eiserner Fleiß

ihren Gnadenbezeugungen stets getrotzt hat, stets entgegen trat und

mich zum Hasser des schönen Geschlechts hätte machen können, wenn ich

es nicht wegen der so vielen guten Eigenschaften so tief verehrte. Und

dennoch ein Hagestolz? fragt vielleicht eine geehrte Leserin. Ja, meine

Schöne, würde ich antworten, Hagestolz und zwar aus dem Grunde, weil

ich täglich neue Bekanntschaften unter Ihrem Geschlecht und täglich

bessere Eigenschaften zu entdecken Glück und Gelegenheit hatte, so daß

ich die vollkommenste Frau aufzufinden mich entschloß und bei diesem

Suchen ergraut bin, wodurch mir denn nur Ansprüche auf Ihren Geist,

aber keine auf Ihre Herzen übrig geblieben sind.

Als ich beim Fortgehen vom Hause über die Worte der Wirthin

reflektirte, daß ich mich dem Vergnügen hingeben müsse, dachte ich bei

mir selbst: worin kann und soll denn ein Mann in deinem Alter Vergnügen

finden? Sollst du noch mehr thun, als anständig leben und dich kleiden?

was allein schon in Havana Einem schwer wird. -- Aber es ist ja

Carneval, dachte ich; du mußt also versuchen, auf die in diesem Lande

übliche Weise das Geld todtzuschlagen.

Zuerst also beschloß ich, von meiner Gewohnheit abzuweichen und ein

großes Frühstück einzunehmen. Du mußt deinem Gaumen den Carneval

durch Austern kund thun, dachte ich und ging demzufolge nach einem

mit Zugwinde versehenen Lokale. Durch die Dienstfertigkeit der

cigarrenrauchenden Marqueurs stand bald eine Portion Austern auf meinem

Tisch, an welchem sich mehrere junge Herren in derselben Absicht

befanden. Ich beguckte diese so wie die mir vorgesetzten Austern und,

sonderbar genug! es erging mir mit den Austern nicht besser, wie mit

den Herren; eben so wenig als ich wegen der großen Backenbärte die

Gesichter der letztern zu beurtheilen im Stande war, eben so wenig

wollte es mir gelingen, die wirklichen Austern aus dem Bart und aus den

Schalen herauszufinden. -- Ich bezahlte ¾ Piaster für dieses frugale

große en miniature aufgetragene Frühstück und dies war gut -- für? --

den Wirth.

Durch den vermeinten Austernschmaus war mein Appetit rege geworden,

allein er verging mir bald wieder, als ich mich gegen Mittag der

belle Europe näherte, als ich im Entree die verschiedenen Gerüche von

Lampenöl, Knoblauch u. s. w., womit die Speisen zubereitet worden,

einathmete, als ich das Reinigen der Messer und Gabeln von Seiten eines

Negers sah. Der Oberkellner war damit beschäftigt, aus den Neigen der

in verschiedenen Flaschen vom Abend zuvor übrig gebliebenen Weine,

durch Zusammenschütten volle Flaschen zu erzeugen. In Havana nämlich

ist es gebräuchlich, daß vor jedem der Couverte eine volle Flasche,

d. h. ¾ Flasche steht; es wird jedoch nur so viel dafür bezahlt als

daraus getrunken ist und mit den Neigen wird dann der erwähnte Prozeß

vorgenommen, denn von ihnen gilt das, was in Wallensteins Lager der

Rekrut mit zerrissenen Kleidern spricht:

Stellt mich morgen in Reih’ und Glied dar,

Wer sieht mir’s an, was ich gestern war!

Ich nun bekam auch ein solches Mixtum-Compositum von Catalonischen und

Französischen Weinen, ein Steak aus dem Fleisch von Montevideo und

gesäuertes,[D] mit Schweineschmalz gebackenes Brod und eine Flasche des

allerbesten, vor vielleicht vier Wochen eingesammelten Regenwassers,

unfiltrirt: wofür ich etwa 1 Thlr. bezahlte; wieder gut für die belle

Europe, von deren Schönheit ich kein Anbeter war.

Nach dem Mittagsessen entschloß ich mich, einen Spanier, der mich

zum Caffee eingeladen hatte, aufzusuchen, welches hier, da es keine

Wohnungs-Anzeiger giebt, die Namen der Hausbesitzer auch nicht an

den Thüren gefunden werden, eine sehr schwierige Aufgabe ist; die

Kaufleute haben sogar keine Firma; die Läden haben wie in den deutschen

Badeörtern ihre eigene Benennung als: der Hirsch, die blaue Kuh,

Columbus etc. Erst nach langem Suchen fand ich meinen Spanier, der

mich mit seinen beiden funfzehn- und eilfjährigen Töchtern, die mit

ihren brennenden Cigaro’s da saßen, erwarteten. -- Als der Caffee

servirt wurde, fand ich in den kleinen Unterschalen zu meinem Erstaunen

statt der Theelöffel sehr große und schwere Suppenlöffel die mich

einigermaßen genirten. Indeß sah ich denn doch, daß die Suppenlöffel,

die hier in großen Vorräthen bei den Silberschmieden aufgehäuft liegen,

eine Bestimmung haben, denn die Suppen sind in Havana so kompakt,

daß sie mit dem Messer verzehrt werden können. -- Es wurde viel

Caffee getrunken und eben so viel von allen Seiten Cigarren geraucht,

wobei ich mich an der Virtuosität der jungen höchst liebenswürdigen

Spanierinnen ergötzte, während ich mich, wie jene, in einem von den

Schaukelstühlen wiegte. -- So wurde der erste Carnevalstag auf eine

comfortable Weise todtgeschlagen, bis ich um neun Uhr in meine Arche

zurückkehrte.

Um dem Willen meiner Wirthin nach Vermögen nachzukommen, wandte ich am

andern Morgen zunächst meine Aufmerksamkeit einem bessern Essen zu, was

doch auch mit zu einer vergnüglichen Existenz gehört. Was wir Europäer

unter: Gut essen verstehen, das konnte, wie ich aus meinen bisherigen

Erfahrungen wußte, nicht gut in Havana möglich gemacht werden. Durften

doch selbst bei meinem Commissionair, dem Fleisch-Inhaber, unter den

vielen Schüsseln die besten nicht angetastet werden, weil sie für

seine außer dem Hause wohnende Maitresse bestimmt waren; den Gästen

wurden sie nur gezeigt und dann fortgetragen, wobei es sich glücklich

ereignete, daß keine neugierigen Eva’s-Töchter zugegen waren. Ich indeß

wünschte nur einen Tisch zu finden, auf welchen genießbare Speisen

aufgetragen würden und berieth mich deshalb mit einem Franzosen. Dieser

wies mir das Haus einer Französin an, woselbst ich für 30 Piaster pro

Monat recht gut und zugleich in angenehmer Gesellschaft diniren und

frühstücken könnte.

Ich begab mich nach diesem Hause. Eine der Hauptzierden des

Tisches war ein Bocksbraten, incognito, unter dem Namen Mouton in

Knoblauchs-Uniform, um nicht verrathen zu werden. Das Dessert bestand

aus vielen Kuchenarten und eingemachten Früchten; aus den erstern blies

Jeder, bevor er sie genoß, die Ameisen und andere artige Insekten;[E]

die Gesellschaft war angenehm, die Dienerschaft zeigte viel Gehorsam

und besondere Aufmerksamkeit für die Gäste; man hatte sogar für

einige Knaben und Mädchen gesorgt, die, da es gerade sehr heiß war,

durch Eventails die Hitze der Mitspeisenden weniger fühlbar zu machen

suchten; nur hätte man auch auf reinliche Wäsche und Kleider derselben

sehen sollen. Am folgenden Morgen sollte ich erklären, ob ich, wie mein

Freund, für die Dauer Abonnent sein wollte. Ich wollte jedoch zuvor zu

einer ähnlichen Maßregel schreiten, als wenn ich mit Hauderern reisen

wollte; wie ich dann zuerst die Pferde und Wagen mir besah, so wollte

ich jetzt die Küche etwas ansehen.

Ueber dieselbe etwas Näheres zu berichten, würde überflüssig sein,

wenn die Leser mit der chirurgischen Operation bekannt geworden

sind, die ich hier wahrnahm. Ich fand nämlich eine Negerköchin in

einer solchen begriffen, indem sie einen etwa dreijährigen Knaben

von einer hartnäckigen Obstruction befreien wollte. Da sie jedoch

während dieses wichtigen Geschäftes durch das Ueberkochen eines

Fricassés zur Kastrolle abgerufen wurde, so legte sie rasch das

chirurgische Instrument nieder und lief ohne Weiteres zur Kastrolle,

um dort die nöthigen Operationen vorzunehmen. Nachdem ich diese

saubere Carnevals-Scene gesehen, beschloß ich sofort, eine für mich

befriedigendere Carnevals-Speise aufzusuchen und dies gelang mir denn

auch bald in einem Gasthof ohne Zeichen, dessen Wirthin, Madame Henry,

eine gefällige Amerikanerin ist. Sie giebt für einen Piaster ein gutes

Mittagessen und ausnahmsweise auch von dem für sich ohne Sauerteig und

Schweinefett gebackenen Brode. Der Wein nur hatte hier, wie überall in

der neuen Welt, chemische Processe zu ertragen gehabt. Hinsichtlich

der Küchen-Revisionen dachte ich aber jetzt, wie Gellert in seinen

Briefen von den Landkutschen: „Einmal in der Landkutsche gefahren und

nie wieder.“

Nachdem ich meinen Magen so ziemlich versorgt wußte, fing ich an,

Nahrungsstoffe für den Geist aufzusuchen. Das Erste für die Havaneser

in dieser Beziehung ist das Stiergefecht. Das Lokal zum Martern dieser

Thiere befindet sich auf der andern Seite des Flusses in einem kleinen

Orte, Redler genannt, dessen wohlhabende Bewohner viele Geschäfte

mit Wachs und Honig treiben. Um dieses schauderhafte Vergnügen zu

genießen, bezahlt man 6 Realen (etwas mehr als 1 Rthlr). Es befanden

sich an jenem Tage gegen 2-3000 Zuschauer im Circus, der in Betreff

der Baukunst nichts Angenehmes darbietet. Die Stiere befinden sich in

den Händen des Gouverneurs, weshalb das Schauspiel erst nach dessen

oder seines Deputirten Ankunft seinen Anfang nimmt. Sobald diese hohe

Person erschienen ist, tritt der Direktor in alt-spanischem Costüme

unter die Loge, aus welcher ihm die Schlüssel des Ankleide-Zimmers der

stierkämpfenden Schauspieler herabgeworfen werden; er nimmt dieselben

mit einer tiefen Verneigung in Empfang und öffnet sogleich die Thür,

um eine der Bestien herauszutreiben. Muthig zeigt sich nun der erste

dem in Leinen gekleideten Publikum, (denn unter allen Anwesenden

waren nicht 100 in Tuchröcken); dort stehen die Marterer mit den

Spießen, die sie den Thieren in die Ohren werfen müssen, damit sie

wüthend werden. Im Uebrigen ist die dabei statthabende Musik, welche

durch eine ungeheure Trommel, mehrere Posaunen, Trompeten und Becken

hervorgebracht und durch Neger geleitet wird, ganz geeignet, die Ochsen

zur Wuth zu reizen.

Wird der agirende Ochs nicht in den ersten fünf Minuten rasend,

so zischt ein großer Theil des Publikums und drückt sogar sein

Mißfallen durch Worte aus, um die hetzenden Diener, welche zu Pferde

oder auch zu Fuße mit Spießen, couleurten Fahnen, Tüchern etc. umher

rennen, anzutreiben. Diese aber haben ihre Schlupfwinkel und werden

oft, wenn sie in dieselben nicht rasch genug zu retiriren wissen,

getödtet. Das Pferd eines dieser reitenden Diener wurde an diesem

Tage so zugerichtet, daß die Eingeweide desselben wohl ¼ Elle

lang heraustraten und es sogleich niederfiel. Die Thiere werden bis

zum Niederstürzen gemartert; fallen sie, so tritt ein privilegirter

Henkersknecht mit einem langen Spieß heran und beendet das große Werk.

Als dies geschehen war, erschien ein Postzug von drei Pferden (in die

Länge gespannt) und der getödtete Stier wurde in vollem Trabe, unter

Jubelgeschrei und Beifallsklatschen der Anwesenden hinausgezogen. Und

sofort wird ein anderes Thier hinausgetrieben, um das Schicksal des

erstern zu haben. -- Die allermuthigsten werden gewöhnlich erst am

Ende auf den Kampfplatz gebracht. Der letzte war auch der glücklichste

von allen; trotz aller Mühe, welche man sich gab, ihn zum Stürzen zu

bringen, bestand er jede Probe, ja selbst die Feuerprobe; er wurde

nämlich in eine mit Feuerwerk gefüllte weibliche Figur hineingetrieben

und entkam der Gefahr, und unter Klatschen und Beifallrufen kehrte er

in seinen Stall zurück.

Nicht weit von Redler liegt ein kleiner Flecken, wo ein bedeutendes

Geschäft mit Melassen, einem Syrup, den man nicht wie in Europa beim

Raffiniren, sondern aus dem rohen Zucker gewinnt, getrieben wird.

Ueber die Art und Weise, wie das Produkt erzeugt wird, will ich

nichts anführen, indem ich voraussetze, daß Herr von Humboldt und

andere Gelehrte in ihren Abhandlungen über den Zuckerbau hierüber das

Wissenswertheste gesagt haben. Ich langte gerade in jenem Flecken an,

als der Inhalt eines Fasses, nach Freiheit strebend, den Boden des

Fasses zum Nachgeben gezwungen hatte und frei herauslief. Zwei Neger

waren sogleich bei der Hand, die Melasse zu sclavischem Gehorsam

zurückzuführen und beschäftigten sich damit, diesen flüssigen Stoff mit

ihren schwarzen Händen (weshalb es für das Urtheil des Profanen ungewiß

blieb, ob sie schmutzig waren oder nicht) vom Boden aufzuschöpfen und

einzugießen. Welch ein erfreuender Anblick, dachte ich, müßte diese

Operation für einen Nord-Amerikaner sein, welche beim Caffee oder Thee

zum Frühstück einen Pfannkuchen, in solchem Syrup getränkt, zu genießen

pflegen.

Von den Prozessionen, die ich hier gesehen, verdient zunächst die am

Carneval übliche angeführt zu werden, weil schon die Tendenz derselben

sehr lobenswerth ist, nämlich den Kranken und Schwachen, welche an

den Carnevals-Freuden Theil zu nehmen verhindert sind, Kunde davon zu

geben. Jeder Conditor und Bäcker nämlich hat Brod- und Kuchen-Arten

für den Zustand des Kranken, aber auch der Gesunden zubereitet,

welche aus ihren Wohnungen der vorüberziehenden Prozession auf großen

Präsentir-Tellern gereicht werden und Träger finden sich bald bereit,

um sich ihren Magen und den Hospitälern nützlich zu erzeigen. Auch wird

von den Spanierinnen Charpie in großen Quantitäten auf eben solchen

großen Präsentir-Tellern den bereitwilligen Trägern übergeben.

An demselben Tage bemerkte ich auch das Leichenbegängniß eines

Staatsdieners; ganz in prozessionsartigem Zuschnitte lag die Leiche

im offenen Sarge in vollem Ornate, mit den dieser Person gewordenen

Ehrenzeichen. Eine schlechte Anordnung in solchem heißen Lande! Gern

hätte ich auch den Leichenzug eines Havanesischen Kaiser Napoleon

mit beigewohnt, ein Kirchendiener nämlich, der wegen der täuschenden

Aehnlichkeit mit diesem großen Manne, sich eben so zu kleiden pflegte,

wie dieser. In jüngern Jahren soll er auch nach Europa gereist sein,

um die feinen Nuancen im Benehmen des Kaisers beobachten und copiren

zu können. Ich wurde aber durch Geschäfte abgehalten, der Beerdigung

desselben beizuwohnen und kann deshalb darüber nichts Näheres berichten.

Mit großen Lettern prangte heute auf den Theater-Zetteln, die im

allergrößten Formate an allen Straßenecken angeklebt waren, Rossini’s

beliebte Oper: der Barbier von Sevilla, im Opernhause, nur von

italienischen Künstlern ersten Ranges dargestellt, und präcise um

sechs Uhr befand ich mich zum ersten Male auf dem Wege nach dem

Opernhause. Da aber der liebe Gott die Tabacks-Produzenten unterdessen

mit einem lang erflehten Regen erfreut hatte, so war diese Reise

nicht ohne bedeutende Schwierigkeiten auszuführen, indem selbst die

Volanten nur mit Mühe durch den Lehm sich durcharbeiteten. Als ich

endlich unversehrt anlangte, zeigte mir das Gedränge an der Kasse

bald die Unmöglichkeit, eine Einlaßkarte lösen zu können, und schon

war ich im Begriff fortzugehen, als mir Jemand eine anbot zu sechs

Realen (1 Thlr.). Mein Erstaunen war nicht gering, als ich erfuhr, daß

diese sechs Realen bloß für die Erlaubniß ins Haus zu treten bezahlt

seien, daß ich, wenn ich einen Sitz haben wolle, noch 1½ Piaster

hinzuzulegen hätte, weil jeder einzelne Platz für 51 Piaster auf 24

Vorstellungen abonnirt sei. Da die Logenthüren stets offen bleiben,

fiel ein in kurzer Entfernung stehender Deutscher ein, würden Sie wohl

daran thun, sich an einer von den Logenthüren aufzuhalten, wenn Ihnen

das Stehen nicht zu lästig ist. Diesen Rath befolgte ich und er fand

sich auch als der erste vernünftige, der mir während meines Hierseins

von einem Deutschen ertheilt wurde.

Die Logen-Abonnenten langten successive an; an jeder Loge befand sich

ein gallonirter Neger als Begleiter und Beschützer der Frauen. Dieses

letztern Ausdruckes darf ich mich eigentlich nicht bedienen, weil

alle Damen ohne Kopfbedeckung erschienen und ich mithin nicht wissen

konnte, welche von ihnen unter die Haube gekommen war. Die Sänger waren

größtentheils +Invaliden+, wenn ich sie mit denen der großen

Londoner und Berliner Oper vergleiche. Es war kein +Rosinchen+

von französischem oder italienischem Weinstock, nein! es war eine

derbe von Malagaschen Trauben erzeugte Rosine, welche dessenungeachtet

derb gefiel; ein Nasen-Tenorist; ein mit hölzernem Spiel und ditto

Stimme begabter Figaro und alle übrigen Mitwirkenden ließen ihre Arme

und Beine für die Hauptsache sorgen. Die Chöre bemühten sich, einen

Galamathias zu schreien; der Musik-Direktor, ein Holtér von Geburt,

klopfte derb auf und machte es „holter“ recht. Das Orchester war brav,

indem es aus Musikern der dortigen Regimenter zusammengesetzt war.

Der Vorstellung und besonders des Stehens überdrüssig, sehnte ich

mich jetzt nach einem Sitz, wobei ich gestehen muß, daß, wäre ich

vielleicht 20 Jahre jünger gewesen, ich mich wegen der beiden höchst

liebenswürdigen Spanierinnen, hinter deren Sitz ich stand, zum ewigen

Stehen (NB. diesen Theater-Abend) würde bereit gefunden haben. Ich

bemerkte bald, daß der Inhaber des Erfrischungs-Saales vor dem in

demselben angebrachten Fenster mit Gittern stand und seinen Cigarr

schmauchte; von dort aus aber konnte man durch eine offen stehende

Logenthür die Bühne übersehen und jeden Ton deutlich vernehmen. Rasch

ließ ich meine schönen Spanierinnen im Stich, eilte nach diesem Saal

und bestellte ein Glas Aqua de Panaly[F] und schaute und hörte bis zu

Ende des ersten Aktes. Jetzt aber füllte der Saal sich so übermäßig

mit Cigarrenrauchern, daß ich mich zum Abzuge entschloß. Ich machte

jetzt die Ronde hinter den Logen und stieß jede zwei Schritte auf einen

mit blankem Seitengewehr in der Hand postirten Militair. Ich hörte,

daß die Mannschaft, die hier den Dienst verrichtet, sich auf eine

complette Compagnie belaufe und alle Gewehre scharf geladen seien. Es

geschieht dies wegen der Masse von Negern, die hier beisammen sind.

Im Parquet bemerkte ich jetzt Niemand, denn Damen gehen nicht hinein

und die Herren rauchten alle einen Cigarr im Caffeehause; ich machte

während der Pausen eine Promenade auf das italienische Dach. Die

mondhelle Nacht bot mir etwas dar, was jeden mit Gefühl für Natur und

Kunst begabten Europäer überraschen mußte. Ich war tief ergriffen, als

ich auf die im Strome vor Anker liegenden Schiffe (in allen Größen, ja

sogar Kriegsschiffe) herabsah und auf der ans Opernhaus angränzenden

Promenade die spazierlustige Welt, um sich von der Tageshitze zu

erholen, mit brennenden Cigarren umherwandernd, erblickte. -- Als ich

aus den höhern Regionen dieses schönen Musentempels in die untern Räume

zurückkehrte, wo die Diener des Mars walteten, rollte eben der Vorhang

zum zweiten Akt herauf. Eingedenk der Gefahr, die ich bei meiner

Hieherkunft in Beziehung auf die Volanten zu bekämpfen hatte, welche

nach Beendigung der Vorstellung noch größer zu werden versprach, trat

ich die Wanderschaft nach meiner Arche an.

Meine Wirthin war, als sie sich durch die mitgebrachte Contre-Marque

von meiner Gleichgültigkeit gegen die gepriesene italienische Oper

überzeugt hatte, sehr aufgebracht und meinte es sei nun bald Zeit für

mich, in mein deutsches Sibirien, Berlin genannt, zurückzukehren. --

Auch die Ratten feierten in meiner Arche ihren Carneval, sie ließen

mir wenig Ruhe und mußten während der Nacht sehr ausgelassen (trotz

unseren deutschen Rheinländern, den Cölnern) gewesen sein, denn als ich

mich am andern Morgen von meinem Stickrahmen erhob, waren zwei Fuß aus

der Wand zunächst meinem Lager zusammengearbeitet. Dies erzeugte in

mir den Gedanken, die Redoute im Theater de Tacon an diesem Abend zu

besuchen, um mich ermüdet und des Schlafens gewiß niederzulegen.

Es werden hier stets zwei aufeinander folgende Redouten gegeben;

da der Spanier sich in Masken-Anzügen am besten gefällt, so ist es

nichts Seltenes, daß an demselben Abend 3-4 statt haben. Also nach

der Redoute! dachte ich. Aber ist es nicht eine Sünde gegen das achte

Gebot für einen Mann, wie ich, auf die Redoute zu gehen? -- Wird

doch, tröstete ich mich, die edle Zeit ohne Furcht und fortdauernd

von so Vielen getödtet; so tödte denn auch du einmal dieselbe aufs

+beste+. Schon um acht Uhr des Morgens verkündigten die sehr

langen und breiten Anschlagezettel, daß an diesem Abend die größte

aller Redouten statt finden solle, indem 10,000 Personen sich einfinden

würden. Mit Sehnsucht wartete ich auf den Abend, dies Wunder zu sehen,

aber meine Freude wurde zu Wasser, denn es fing plötzlich an zu regnen,

als sollte eine Sündfluth statt finden. Die Straßen werden unpassirbar

und ich entschließe mich, zu Hause zu bleiben. Indeß zur Freude des

Unternehmers dachten nur wenige so wie ich; es wimmelte trotz des

Morastes in den Straßen von Masken in weißen und farbigen Anzügen; die

Wirthe beeilten sich, den zu Fuß wandernden Masken hülfreiche Hand zu

leisten; in den unpassirbaren Straßen werden Nothbrücken und Trottoirs

von Brettern gelegt und siehe da! der Saal ist noch, wie mir versichert

wurde, gepfropft voll gewesen.

Meine Wirthin nahm selbst zwar an keinem Vergnügen mehr Theil,

bekümmerte sich aber nichts destoweniger um alle; sie wußte jede

Neuigkeit, wußte, wo es Schmausereien und Bälle gegeben hatte und geben

würde. Sehr glücklich für Sie, fing sie eines Morgens an, daß der Regen

vor einigen Tagen Sie von der Redoute zurückgehalten hat; Sie bekommen

übermorgen für Ihr Geld eine weit hübschere zu sehen, eine Redoute

romantique nach der Form eines bal masqué romantique, der vor einigen

Tagen von einem reichen Spanier zum ersten Male gegeben wurde. Ich

wußte in der That nicht, was es mit dieser Romantik des Balles für eine

Bedeutung haben solle, und die gute Wirthin fuhr erklärend fort: Sehen

Sie! ein reicher Spanier hatte die Absicht, sich zu verheirathen. Nun

hatte er die Bekanntschaft sehr vieler Damen; unter diesen aber waren

10-12 gleich schön und liebenswürdig, so daß er unter diesen zu wählen

sich nicht entschließen konnte, da er keinen Grund hatte, der einen

oder der andern den Vorzug zu geben. Um nun aber nicht, wie jener Esel,

der sich nicht zu einer Wahl zwischen mehreren Heuhaufen entschließen

konnte, ewig auf derselben Stelle stehen zu bleiben und zu hungern,

gerieth er auf folgendes Manöver. Er gesteht frank und frei jeder der

Damen sein Unvermögen zur Wahl und eröffnet ihnen dabei seinen Plan:

er werde die Damen alle gemeinschaftlich zu einem Balle einladen und

die Einladungskarte mit einer Nummer versehen; alle 12 Nummern sollten

in ein Glücksrad geworfen und unter Cupido’s und Hymens Schutz tüchtig

durchgemischt werden, und Fortuna solle dann beim Herausziehen einer

der 12 Nummern für ihn entscheiden, welche von den 10-12 Auserkornen

die auserkorenste sein soll. -- Da die Spanierinnen hinsichtlich des

Verheirathens wie alle Europäerinnen denken, d. h. mit dem Wunsch,

sich zu verheirathen, zu Bette gehen und wieder aufstehen, so fand

ein solches Unternehmen keine Schwierigkeit und -- der junge Mann hat

eine recht niedliche und zugleich gute Frau bekommen. Und sehen Sie,

fuhr sie fort: auf ähnliche Weise wird die nächste Redoute romantique

statt finden, nur mit dem Unterschiede, daß hier eine Frau von Ihnen

erhascht werden kann und zwar eine sehr ruhige, friedliebende, nämlich

eine leblose mit einer goldenen Kette, (im Werth von vier Dublonen)

geschmückte, -- Figur. Sehr gut! erwiederte ich, bei einer solchen

Heirath riskirt man doch nicht seine häusliche Ruhe; ich werde mich

um sie bewerben. -- Mit dem Glockenschlage 10 stand ich an der

Kasse, legte bescheidener Weise einen Piaster nieder und erhielt mit

einem Billet Hoffnung zum Besitz einer der anspruchlosesten Frauen

-- indessen Fortuna gestattete mir auch hier nicht, Hymens Fessel

anzulegen.

Der Saal entsprach übrigens nicht meiner Erwartung, indem man mir oft

gesagt hatte, das Carlo-Theater in Neapel sei ein Miniatur-Gebäude

gegen dieses de Tacon; ich fand diesen Saal nicht größer als den

des neuen Hamburger Schauspielhauses bei Redouten. Das Haus ist

durch und durch von Holz, die Beleuchtung sehr schwach, welches

wohl dem bedeutenden Verbrauch des Oels bei Zubereitung der Speisen

zuzuschreiben ist; man konnte, obgleich die Logen des ersten Ranges

in keiner zu großen Entfernung sind, nichts von den in denselben

herumschweifenden Masken unterscheiden.

Die Masken-Ordnung ist eine sogenannte zwanglose, d. h. Unordnung.

Die Neger ausgenommen, ist Jedem der Zutritt gestattet, mag er in

schmutzigen oder reinlichen Hauskleidern erscheinen. Im Saale ist das

Cigarrenrauchen erlaubt, weshalb beinahe Alle rauchen. Da der Spanier

für Hazard-Spiele und das schöne Geschlecht mehr Neigung hat, als

irgend eine andere Nation, so konnte der Unternehmer wohl die Anzahl

seiner Besucher vorausbestimmen und auf 12,000 angeben, und so groß

war auch wirklich die Anzahl der vertheilten Entréekarten, obgleich

höchstens für 3000-3500 Personen Platz im Saale ist. Die, welche keinen

Platz im Saale fanden, spazirten in den blühenden Orangen-Alleen und

athmeten bessere Düfte als die im Saale.

Die Alleen glichen einem Lustlager; man fand hier Reihen erleuchteter

Buden mit Erfrischungen aller Art: da standen in Oel gesottene

Ziegenfüße, dort eben so zubereitete kleine Fischchen, die wegen ihrer

kleinen niedlichen Gestalt ihren Namen Petit-nets verdienen. Dort

bemerkt man Buden mit eingemachten Früchten und Confituren, auf welchen

sich Blumenstücke von den vorzüglichsten Ameisen und andern dort

einheimischen Insekten, nicht nach dem Leben, sondern nach dem Ableben

derselben gebildet hatten. In manchen Buden wurden Milch- und andere

Punsch-Sorten geschenkt. Zwischen den Buden lagen die respektiven Köche

auf dem durch die Hitze seit einigen Tagen ausgetrockneten Lehmboden

hinter dem Feuer von Holzkohlen, und die reich gekleideten Masken sah

man lüstern auf die in Oel siedenden Gerichte hinblicken. Ich glaube

nicht zu übertreiben, wenn ich die Anzahl der Menschen, die sich

herumtrieben, auf 10 bis 12,000 angebe. Es war ein herrlicher Anblick,

in der mondhellen Nacht eine solche Masse lebenslustiger Menschen unter

Gesang und Spiel umherschwärmen zu sehen und nicht einen einzigen

Betrunkenen zu bemerken. Aecht Spanisch! Jeder und beinahe Jede mit

einem brennenden Cigarr im Munde, aber alle nüchtern.

Auch die Negersclaven begehen acht aufeinander folgende Stunden den

Carneval. Am heiligen Drei-Königs-Tage, des Vormittags um 10 Uhr, hört

man überall Trommelschläge, die Signale, daß der Carneval seinen Anfang

nehmen wird. Es gruppiren sich jetzt in allen den Straßen, in welchen

jene Signale gegeben worden sind, diejenigen, welche an der aus jener

Straße abziehenden Gesellschaft Theil zu nehmen versprochen haben.

In jeder dieser Gruppen befindet sich nur ein wohlgestalteter Neger

en masque; da sieht man dieselben in Häuten wilder Thiere Ungeheuer

vorstellend in der einen Gruppe, oder auf Stelzen; in der andern

sieht man Neger, deren Körper bis zum Unterleibe förmlich lackirt

sind, auf dem Leibe Tigerflecken und Zebrastreifen nach dem Leben

gezeichnet, die Wangen weiß oder roth lackirt, welches einen höchst

komischen Effect macht; Andere wiederum erscheinen mit dem Kopfputz

eines indianischen Fürsten, indem sie statt der Bekleidung ihren Körper

mit den verschiedenartigsten Lumpen englischer Baumwollen-Waaren

behängt haben. Jeder solche maskirte Neger wird von einem großen Trupp

begleitet, dessen Geschrei und Lärmen mit der Trommel wetteifert; sie

ziehen durch alle Straßen und werden von allen Vorübergehenden oder

Fahrenden beschenkt. Bei den Spaniern finden an diesem Tage Feten

statt: es werden Freunde geladen, welche, sobald sich eine Trommel

vernehmen läßt, den Gitterfenstern zueilen, um die vorbeiziehende

Gruppe zu sehen. Um sechs Uhr Abends darf sich keiner derselben mehr

in den Straßen zeigen, jetzt kehren sie in die Schenken ein, um die

empfangenen milden Gaben ihren Gurgeln mildthätig zukommen zu lassen.

Vor jeder solcher Schenke befindet sich eine militärische Patrouille

mit scharf geladenen Gewehren.

Der Spanier ist in der That ein ganz vortrefflicher, liebenswürdiger

Mensch; er besitzt alle geselligen Tugenden, um in dieser Rücksicht

als Vorbild für die menschliche Gesellschaft zu dienen. Dies gilt

hauptsächlich von dem Gebildeten: er ist artig, zuvorkommend,

gastfreundschaftlich und im höchsten Grade genügsam. Man beleidige

und reize ihn nicht und man wird in ihm einen Freund und Rathgeber

finden. Seine Feinheit im Umgang steht weit über der des Franzosen und

dabei ist er inniger und flößt mehr Vertrauen ein; was der Franzose

oft aus Politik und Politesse thut, das kommt bei dem Spanier aus

dem wirklichen Antriebe seines guten Herzens. -- Unter diesen und

ähnlichen Reflexionen trat ich die Rückkehr nach meiner Arche an. Ohne

Zweifel, dachte ich, als ich durch diese tapfer essenden munteren Leute

durchpassirte, werden diese ihre Speisen besser verdauen, als ich meine

hiesigen Geschäfte, und im schlimmsten Falle ist für diese Glücklichen

eine Hungerkur anwendbarer als für verdorbene Finanzen.

Mit dem Carneval und den Redouten ist’s jetzt vorüber, sagte ich zu

meiner Wirthin am folgenden Morgen, als ich die Redoute verdaut hatte.

Keineswegs, entgegnete sie, ist dies die letzte Redoute gewesen; in

einigen Wochen haben wir zwei ungewöhnliche Festtage und demzufolge

noch zwei Redouten zu erwarten. Diese Festtage waren, wie sie mir

erklärte, folgende: Bis jetzt befand sich der Appellations-Gerichtshof

für alle auf der Insel Cuba vorkommenden Prozeßsachen in Principi,

was für Havana, wo es die meisten Prozesse giebt, eben so lästig

als kostspielig war und dies um so mehr, da die dortigen Advokaten

die Sachen, so lange wie sie nur immer wollten, in die Länge

ziehen konnten. In Madrid war jetzt beschlossen worden, daß dieser

Appellations-Gerichtshof von jenem Orte hierher verpflanzt werden

solle. Zu diesem Endzweck wurde aus jener Residenz ein für dieses neue

Gericht bestimmtes, dort angefertigtes neues Reichs-Petschaft hieher

geschickt? Dieses sollte nun mit großer Ceremonie nach der Kirche

zur Einweihung geschafft, alsdann aber in großer Prozession durch

alle Straßen der Stadt getragen werden. Dazu sagte meine Wirthin,

sollen Illuminationen, Redouten und vielerlei Vergnügungen zwei Tage

ununterbrochen statt finden, und es wird während dieser Zeit keine

Arbeit verrichtet, indem diese Anordnung zum Glück der Einwohner

Havana’s, von welchen Viele durch jenen Gerichtshof an den Bettelstab

gebracht worden sind, gereicht. --

Das Thema der Unterhaltung wurde jetzt das neue, noch nie statt gehabte

Fest. Endlich erschien der ersehnte Tag. Um fünf Uhr eines Nachmittags

wurde das von Madrid angelangte Reichs-Petschaft in einem mit

Edelsteinen verzierten Kasten durch vier hohe Staatsbeamte in Volanten

und eine starke militairische Bedeckung nach der Cathedral-Kirche

gebracht, und hierauf durch den Donner der Kanonen vom Fort die Ankunft

desselben den Einwohnern Havanas kund gethan. -- Auch ich besah das

lang erwartete und vielbesprochene Kleinod. Der Kasten, in welchem

sich das Petschaft befand, stand auf dem Altare und neben demselben

lag eine Medaille mit dem Bildniß der kleinen Königin, welches

Jedem, der dem Altare sich näherte, durch einen in langer schwarzer

Robe als Wache dabeistehenden Staatsbeamten gezeigt wurde. Andere

desgleichen saßen und standen in der Nähe, so wie auch Militair zur

Bedeckung, und dies ganze Personale mußte die ganze Nacht auf dem

Posten bleiben. Die Kirche war höchst brillant erleuchtet, dagegen

fand ich die Illumination in der Stadt keinesweges so erheblich, als

ich nach dem vielen Gerede davon erwartet hatte. Sie bestand nämlich

in nichts anderem, als daß an der Außenseite der Häuser bemittelter

Leute eine Glas-Laterne mit einem brennenden Lichte, bei den Vornehmern

und Reichern zwei oder vier hingen. Um der Sache einen Anstrich zu

geben, hing in der Nähe der Laternen ein Flick von ponceau oder einem

gelben seidenen Zeuge, welches gewöhnlich als Zeichen der kirchlichen

Procession bei Reichen über den Armlehnen des Balcons baumelte; diesmal

aber baumelten dergleichen Flicke, jedoch im verjüngten Maßstabe, neben

jeder Laterne.

Die Damen hatten sich an jenem Abend sehr geschmackvoll gekleidet, und

saßen wohl eine Stunde früher als gewöhnlich in ihren Schaukelstühlen.

In der Regel sind die sechs Fuß hohen Gitterfenster bis 6 Uhr Abends

mit einer etwa zwei Ellen langen wollenen Decke bedeckt; diesen

Abend wurden sie zur Freude aller Vorübergehenden schon um fünf

Uhr weggenommen, damit die schönste der Damen des Hauses sich in

Lebensgröße präsentiren und, wo möglich, den Einen und den Andern

zur Unterhaltung hineinziehen könne. Dieses ist die Art, wie die

Havaneser in der Regel ihre Abendgesellschaften bilden, denn die Herren

machen gleich den Damen, um fünf Uhr Toilette, kleiden sich von Kopf

bis zu den Füßen ganz um, als ginge es zum Ball und suchen von den

Fenstern her ihre Abend-Parthieen auf. Bei diesen ist das Rauchen die

Hauptsache; man conversirt über die gleichgültigsten Gegenstände; mit

dem Glockenschlag der neunten Stunde zieht man ab, ohne etwas Anderes,

als Cigarren genossen zu haben.

Der Priesterinnen der Venus giebt es in Havana eine Unzahl; es ist

ihnen unbenommen, in jeder beliebigen Straße zu wohnen, weshalb

sie sich denn auch meistens in den Hauptstrassen, und zwar vis à

vis oder neben den ersten Männern der Stadt paarweise oder auch

en trois einmiethen. Sie sind aufs brillanteste eingerichtet und

beobachten dieselben Gebräuche bei den Abendparthieen, wie alle

übrigen Damen. Auch sie präsentiren sich, da sie niemals ausgehen, bei

eintretender Nacht mit einem brennenden Cigarr im Munde vor ihren hohen

Gitterfenstern, wobei jedoch die Ausnahme statt findet, daß sie hier

niemals verdeckt sind; auch sie sitzen auf ihren Schaukelstühlen, um

schaukellustige Herren anzulocken. Der Spanier genirt sich nicht und

die Deutschen ahmen ihm hierin nach; man conversirt erst eine Weile an

den Gitter-Fenstern -- und dies fällt Niemandem auf. Sehr oft habe ich

mich darüber gewundert, noch während der Tageszeit die anständigsten

Herren vor den Fenstern solcher Dirnen oder wohl in den Zimmern in

Conversation begriffen zu bemerken.

Gegen die zehnte Stunde fing man an, die Laternen einzuziehen und

Alles kehrte nach Hause zurück, weil am Morgen früh um sechs Uhr die

Procession beginnen sollte. -- Am folgenden Morgen schon sehr früh

waren alle Straßen dermaßen mit Menschen und Volanten überfüllt,

daß ich beinahe nicht durchkommen und zu dem Hause eines Bekannten

gelangen konnte. Als ich dort mit vieler Mühe angelangt war, fand ich

den sehr geräumigen Balcon, auf welchem mir ein Platz zugesichert war,

bereits überfüllt, jedoch erhielt ich noch ein Plätzchen. Erst um etwa

neun Uhr wurde durch einige Lanciers in der gedrängten Menschenmasse

auf die bescheidenste Weise Platz für die heranziehende Procession

gebeten. Den Zug eröffnete der Gouverneur mit einer starken Suite

aller Staatsbeamten Cuba’s, sowohl der Militairs als der Civilisten;

diesen schlossen sich die Consuln aller Mächte in ihren verschiedenen

Uniformen an; dann kam ein höchst brillanter Triumph-Wagen in

alt-römischem Stile, bespannt mit sechs arabischen Schimmeln, deren

Führer in Ponceau-Sammt und Gold-Stickereien gekleidet waren und ihre

Hüte mit Federbüschen geziert hatten und eben so Wagen und Geschirre.

Auf diesem Wagen stand der Kasten mit dem Petschafte und daneben

lagen die Symbole der Gerechtigkeit, die Waage und das Schwerdt von

nobelm Metall. Jetzt folgte die Geistlichkeit sämmtlicher Kirchen

auf Cuba in ihren prächtigsten Kirchenkleidern. Sie gewährten einen

höchst imponirenden Anblick, der noch dadurch vermehrt wurde, daß die

Baldachine, unter welchen sich die aus massivem Silber verfertigten,

mit Edelsteinen verzierten Bilder der Mutter Gottes und des Heilandes

befanden, von höchst brillant gekleideten Männern getragen und von

einer Anzahl reich gekleideter Sänger aus den vielen Kirchen begleitet

wurde. Die vielen Infanterie-Regimenter in Havana, ein ausgezeichnetes

Militair, bildeten Spaliere in den schmalen Straßen, durch welche

der Zug ging, und die Musik-Chöre derselben waren stets in voller

Beschäftigung; nur die Cavallerie schloß sich der Procession an.

Diese währte beinahe bis zum Mittage, weil keine der Hauptstraßen

unberücksichtigt blieb.

Am Abend war es in den Straßen lebhafter als am Abend zuvor, da der

Gouverneur an der Außenseite seines Pallastes, der auf einem freien

Platze steht, von allen Seiten mit vielfarbigen Glas-Lampen hatte

illuminiren lassen, welche letztere an den vielen kleinen Balcons der

Fenster angebracht waren; auch war das Bild der jungen Königin in

einem roth sammtnen Rahmen, zwischen einem der Fenster angebracht.

Alles drängte sich nach dieser Gegend hin, um das Bild der jungen,

unschuldigen Königin zu sehen. Das Gedränge war um so größer, da auch

für den Gehörsinn durch die treffliche Militair-Musik gesorgt war.

Indeß wurde die Aufmerksamkeit sehr bald von diesem Bilde auf einen

andern Gegenstand hingeleitet. An der entgegengesetzten Seite des

Pallastes nämlich hatte sich ein Aufzug hingestellt, wie es mir vorkam,

eine Satire auf den von diesem Morgen. Auf demselben Wagen befand sich

jetzt eine maskirte Dame, die Gerechtigkeit vorstellend und Gedichte

ausstreuend. Die Gerechtigkeit wurde diesmal nicht von vier Pferden,

vielmehr nur durch zwei kraftlos scheinende Klepper transportirt. Das

Gefolge dieses Zuges bestand in etwa hundert Personen, welche ihre

ordinair schwarze Roben über die Schultern geworfen und dreieckige, mit

Nummern versehene Hüte trugen; die Herolde waren beritten u. trugen

spanische National-Kleidung. Die Gerechtigkeit sprach, und versprach,

wie mir gesagt wurde, sehr viel; es war, sagte man, die Schülerin eines

gewandten dortigen Advokaten. Als der Spaß beendet war, zog dieser Zug

nach dem Redouten-Saal; auf der Promenade fanden sich unterdeß viele

andere Masken ein. Der Abend war ausgezeichnet schön, dessenungeachtet

war um zehn Uhr, als die Musik-Chöre abgingen, Alles vorüber und

in einer Viertel-Stunde die ungeheure Menschenmasse verschwunden;

jedoch fand ich auf dem Rückwege die Maskenverleiher-Buden in voller

Thätigkeit; sie machten, was selten vorkommen mag, eine gute Aerndte --

unter Beistand eines Gerichtshofes.

Die Zeit meiner Abreise von hier nähert sich jetzt; indeß will ich

doch, ehe ich von Havana mich trenne, noch Einiges bemerken über die

Art und Weise, wie das Osterfest hier begangen wird, was für den

Charakter eines Volkes etwas Bemerkenswerthes hat.

Am grünen Donnerstage wird durch das Geläute sämmtlicher Glocken die

Gefangenschaft des Heilandes angekündigt. Sobald dieses geschehen

ist, darf sich kein Pferd oder Maulthier mehr in den Straßen blicken

lassen. In Betreff der Esel scheint indeß nichts bestimmt zu sein, da

ich während des Festes sehr viele sah, aber keine Pferde, Maulthiere,

Volanten, Karren. Man konnte jetzt ruhig und ohne Furcht in den Straßen

umherwandern; Ruhe und Stille herrschten in der ganzen Stadt; man

athmete Luft und keinen Kalkstaub ein.

Mit Eintritt der Dunkelheit an diesem Donnerstage öffnen sich die

Thüren sämmtlicher Kirchen (etwa 17), fast möchte ich behaupten in

derselben Minute. Noch nie habe ich eine so brillante Beleuchtung

wahrgenommen, als die der Havaneser Kirchen an diesem Abend.

Die Wachslichter brannten in solcher unendlichen Anzahl, daß wohl,

wie ich glaube, über 1000 in jeder Kirche verbrannt worden sind; man

konnte hier von einer neuen Seite den Fleiß der Bienen bewundern,

deren Zucht auf Cuba so sehr im Flore ist. Indeß sah ich mich bald

genöthigt, meine Aufmerksamkeit von der schönen Beleuchtung nach einer

andern Seite hinzulenken; eine mächtige Anzahl schöner, sehr schöner

spanischer Sünderinnen lagen auf den Knieen und baten um Abnehmung

der alten Sünden wegen Mangel an Raum zu neuen; hinter ihnen rutschten

ihre gallonirten Neger sehr andächtig auf den Knieen. Nachdem jene wohl

eine gute Stunde in dieser peinlichen Lage zugebracht hatten, erhoben

sie sich insgesammt und gingen nach dem Place des Armes; hier und in

den benachbarten Straßen waren eine Menge von Bänken aufgestellt, damit

sich die Sünderinnen von ihren Strapazen erholen könnten und bald

waren auch alle besetzt. Zur Aussöhnung mit dem Allmächtigen wegen des

Vergehens gegen die Neger, welche nach der Meinung jedes Spaniers frei

sein müßten, es aber wegen Willkühr derselben nicht sind und auch so

bald noch nicht sein werden, wenn es von der Willkühr der Einzelnen

abhängt -- also zur Ausgleichung dieser Schuld halten die Spanier es

für Pflicht, ihre Sclaven während des Osterfestes in den allerfeinsten

Kleidungsstücken, mit Diamanten und Perlen geschmückt, auftreten zu

lassen, so wie auch mit Confituren und den allerbesten Speisen zu

füttern. Besonders sah man viele Negerinnen besser gekleidet und

schöner geschmückt, als ihre Gebieterinnen selbst. Bis um 10 Uhr blieb

man zusammen und ergötzte sich bei trefflicher Musik.

Am Charfreitage strömte Jung und Alt in schwarzen Anzügen nach

den Kirchen, die alle gefüllt waren. Ziegenfüße sowohl als andere

Fleischspeisen blieben an diesem Tage unangetastet; nichts als

Fastenspeisen! Am Nachmittage war eine sehr große Prozession; die

Mutter Gottes und der Heiland wurden mit Trauermusik und einer starken

militärischen Escorte durch alle Straßen getragen, jedoch war diesen

Abend in keiner von allen Kirchen, die ich besuchte, Gottesdienst. Die

Billards waren mit weißen Decken versehen, auf welcher Maschine und

Queues ein Kreuz bildeten; sie waren beleuchtet, es durfte aber nicht

gespielt werden. Auf dem Place des Armes ging es wie am vorigen Abend

zu.

Am Sonnabend sollten die Kirchenglocken und das Abfeuern der Kanonen um

10 Uhr die Auferstehung Christi ankündigen, aber diesmal geschah es zur

Bequemlichkeit der Christenheit ½ Stunde früher. Bald wurden auch die

zur Hälfte von den Wunden geheilte Maulthiere aus den Ställen gezogen

und ihrem alten Joche überliefert; das Getöse der Karren und Volanten

begann und die Neger waren wieder um nicht viel besser als in puris

naturalibus zu sehen, nur die mit Fleisch hausirenden erschienen in

sehr hübsch gestickten schottischen Roben.

Die Thätigkeit beim Steueramte war wieder eingetreten und die

segelfertigen Schiffe wurden noch bis zum Mittag expedirt und die

deutschen Commissionaire wetteiferten schon wieder mit den Engländern

in richtiger Abtragung der Zollgefälle.

Schon lange war es meine Absicht, hierselbst etwas Näheres über die

Behandlung der Tabacksblätter zu erfahren, um, wo möglich, manchen

meiner Landsleute, die sich mit diesem Artikel beschäftigen, nützlich

zu sein. Der Zufall war mir hierbei günstiger, als ich vermuthete; ich

lernte einen Tabacksbauer kennen, der, da er mich offen und freimüthig

fand, auch seinerseits mir mehrere schätzbare Mittheilungen machte, von

welchen ich hier nur diejenige anführen will, welche sich am meisten

auf ein abweichendes Verfahren bei der Bereitung bezieht.

„In Betreff des auf allen Tabacksblättern befindlichen Syrups, welcher

den eigentlich aromatischen Geruch erzeugt, aber durch viele und

anhaltende Regengüsse oft von den Blättern abgeschwemmt wird, bedienen

wir uns, wenn dieser Fall eintritt, zur Wiederherstellung desselben

folgenden Mittels. Wir nehmen, eine Quantität Tabacks-Stengel von einem

vorzüglichen Jahrgange, legen diese in ein wasserdichtes Gefäß und

füllen dasselbe alsdann mit Regenwasser, welches so lange darin stehen

bleibt, bis sich Würmer darin zeigen. Sobald wir diese sehen, nehmen

wir die sehr trockenen, dem Pulver an Trockenheit ähnlichen Blätter,

legen sie behutsam auf die Diele, tränken einen großen Schwamm in jenem

mit Würmern versehenen Regenwasser und besprengen damit die Blätter;

diese nassen Blätter legen wir behutsam über einander, verpacken

dieselben, gleich einem Ballen, in Palmblättern.“

Die Zeit meiner Abreise war jetzt herangerückt; ich wollte von hier

zunächst nach New-Orleans übersetzen; da ich indeß auf die Abfahrt des

Paquet Douglas, mit welchem ich fahren wollte, noch etwas warten mußte,

so behielt ich noch Zeit zu manchen Erkundigungen, wovon ich Einiges

anführen will. Nichts ist häufiger in Havana als die Hökerläden.

Einmal habe ich deren 463 gezählt und hatte nur einen geringen Theil

der Stadt durchstrichen; ich schätze die Anzahl derselben auf 3000.

Die Höker beschäftigen sich aber auch mit Allem, was zum gewöhnlichen

und luxuriösen Leben erforderlich ist: es sind Italiener in optima

forma; sie haben Marasquino, aber auch Kartoffeln, Champagner und alle

anderen Weine, Schweinefett, Rüben, eingemachte Früchte, Talglichter,

Nägel, Bürsten, seidene Tücher, bedeutende Vorräthe von Holzkohlen[G]

und französische Delicatessen jeder Art. Als ich mich bei einem

derselben genauer nach dem Geschäft erkundigte, sagte er: „wir kaufen

Alles, was uns vorkommt, weil wir Alles wieder verkaufen können. Jede

Wirthschaft läßt, was sie im Hause braucht, den täglichen Bedarf und

nichts weiter, von uns holen: wird ein Licht gebraucht am Abend, so

wird es kurz vor Abend geholt. Besonders auch wird dies Verfahren

bei Kohlen und fließenden Fettwaaren angewendet, weil die Köche und

Köchinnen zu lüstern auf Schweinefett und Oel sind und anderseits zu

verschwenderisch mit Kohlen umgehen.“

Also doch auch eine Oekonomie! dachte ich.

Als ich meine Abschieds-Visite beim Gouverneur machte und er sich wie

immer sehr gütig gegen mich bewies, erlaubte ich mir, seine Meinung

über die spanische Schuld zu erbitten. Der Gouverneur versicherte, er

sei überzeugt, daß, sobald der Bürgerkrieg in Spanien beendigt sei,

Alles bei Heller und Pfennig bezahlt werden würde. -- Beim Abschiede

versicherte er mir wohlwollend, daß ihm mein Wohlergehen Freude machen

werde.

Endlich befand ich mich auf dem Douglas, um meine langersehnte

Rückreise nach Europa über New-Orleans etc. anzutreten. -- Mit einem

wohlfeilen Reisepaß in der Hand, wartete ich jetzt muthig den Beamten

ab, der darauf Acht haben soll, daß nur Wohlhabende hineinkommen und

von den dortigen Commissionairen Gebrandschatzte abreisen. Allein

Niemand kam und als ich wahrnahm, daß unser Capitain einer in einer

Galeere in kurzer Entfernung vorbeipassirenden Person ein Paquet

Scripturen zeigte, erkundigte ich mich, was diese Formel zu bedeuten

habe, worauf er erwiederte, daß die Pässe der Passagiere sich in diesem

Paquet befänden; -- nicht immer jedoch gehe die Revision so ab, wie

diesesmal und schon mehreremal seien Reisende ohne Pässe von ihm aus

dem Schiffe in seiner Galeere mitgenommen worden.

Unterdessen waren wir bei dem Fort von Havana vorbeigefahren und

ich freute mich, wie ein Kind, dem Marcipan gereicht wird, diese

so zuckerreiche, aber in anderer Hinsicht höchst gepfefferte Stadt

im Rücken zu haben -- eine Stadt, deren Bewohner hauptsächlich aus

Commissionairen, Sclavenhändlern, Wucherern, Spielern, Advokaten und

Scribenten besteht. Voller Freude richtete ich meine Blicke nach

dem Mexikanischen Golf, der sich bald in unermeßlicher Weite vor uns

ausbreitete. Bei diesem Umherschweifen in weiter Entfernung von der

Heimath gedachte ich einer früheren Reise nach der entgegengesetzten

Richtung hin, wie ich in den verhängnißvollen Jahren 1812-16 den Oby

in Sibirien durchschiffte. In welcher enormen Entfernung liegt dies

von hier! Wie viele Meilen sind dies wohl? Es fehlte mir an Papier und

Feder, um dies zu berechnen, mag’s der Leser selbst in einer müßigen

Stunde thun.

Es fahren wohl noch beliebtere Pakete zwischen Havana und New-Orleans,

als der Douglas; ich wählte dieses, eingedenk der Unbequemlichkeiten,

die ich früher auf der Norma erduldet hatte. Hier konnte man weder

ächten noch copirten Champagner erwarten, da das Passagiergeld 10

Piaster weniger kostete; allein in Betreff des Schlafens und Ankleidens

versprach ich mir, viel besser daran zu sein, und war es auch in der

That, denn ich hatte ein kleines Gemach für mich, und mit der Speisung

konnte ebenfalls ein nicht Verwöhnter zufrieden sein.

Die Gesellschaft war nicht sehr geeignet zu einer angenehmen

Unterhaltung, denn sie bestand, außer einem Amerikanischen Kaufmann

mit seiner Frau, aus lauter nach New-Orleans auf Spekulation reisenden

Creolen, französischen und englischen Maschinenbauern und einigen nach

der letzten Revolution verwiesenen herumirrenden Polen. Das Paquetboot

glich meinem Zimmer in Havana, einer Arche, weil fast jeder Passagier

ein Männchen und ein Weibchen von den merkwürdigsten Thierarten

Westindiens auf Spekulation nach New-Orleans führte; auch an Ratten

fehlte es nicht, die jedoch an dem Bull-dog eines englischen Mechanikus

einen erbitterten Verfolger fanden. Ueberdies war das Paquet mit allen

Arten Westindischer überreifer oder auch unreifer Früchte beladen,

welche, da wir nicht die geschwindeste Ueberfahrt machten, ihrem

Verderben immer näher kamen.

Alle diese Spekulanten schienen mehr auf den Einkauf als Verkauf in

den V. S. bedacht zu sein und mit Spekulanten solcher Art sind jene

Staaten reichlich versehen, indem dieselben dort stündlich Gelegenheit

haben, ihre mitgebrachten Comptanten gut anzulegen, weil es daselbst

sehr viele Gegenstände giebt, welche rasch geräumt und eben so rasch

aus dem Lande fortgeschafft werden müssen und bei Verkäufen nach

Westindien die Ermittelung in den V. S. unmöglich bleibt. Spekulanten

dieser Art sieht man in Havana häufig, man weiß, daß sie reich sind,

aber wodurch sie ihr Vermögen erworben haben, weiß man meistens nicht.

Bedenkt man indeß, daß öftere Reisen an einen und denselben Ort zu

Bekanntschaften führen, daß es auf der ganzen Welt nicht sehr schwer

hält, mit Zollbeamten in freundschaftliche Verhältnisse zu kommen;

wirft man ferner einen Blick auf die europäischen Auswanderer nach den

V. S., erinnert man sich ihrer frühern Geldgier, die in den V. S.,

wo es zur Befriedigung der Leidenschaften so viel Gelegenheit giebt,

eher sich vermehrt als vermindert: so ist jenes Räthsel auf der Stelle

gelöst. Daß aber solche Spekulanten als Ungeziefer und Gift für das

solide Geschäft zu betrachten sind, ist keinem Zweifel unterworfen,

indem sie auf der einen Seite mit wenigem Gelde Märkte räumen, auf der

andern Seite die Verdauungswerkzeuge gesunder Märkte zerstören und für

die soliden Kaufleute Verluste herbeiführen.

Ich glaube, behaupten zu dürfen, daß ich viele Erfahrungen in der

merkantilischen Welt durchgemacht und dieselben sorgfältig beachtet

habe. Das Resultat derselben ist kein anderes als dieses: der größere

Theil der in derselben groß titulirten Kaufleute hat sich nur auf

Unkosten anderer Kaufleute auf diese Höhe geschwungen. Komisch klingt

es für mich, wenn ich so häufig behaupten höre, in Amerika könne man

als Kaufmann sehr bald reich werden; die Leute, die dies sagen, wissen

nicht, was sie sprechen. Nur der direkte oder indirekte Fußkünstler,

d. h. die Ballettänzer und die Schuster können hier viel Geld verdienen,

die letztern noch mehr als die erstern, denn die Yankees wissen das

Schuhwerk noch besser, als das Fuß- und Bein-Werk zu beurtheilen,

weshalb sie auch, mit Ausnahme der Banquiers, sehr gut gestiefelt sind.

-- Der rechtlich- und ehrlichdenkende Kaufmann kommt nie so rasch zu

Vermögen, als der entgegengesetzt denkende. Es verhält sich hiermit,

wie mit dem Hazard-Spiele: man bemerkt an den Banken nur entweder sehr

Reiche oder arme Teufel, die gern „viel gewinnen“ wollen. Auf diesen

Gegenstand werde ich später zurückkommen und sage nur noch dieses:

wer als Aventurier nach der neuen Welt gegangen ist und, wie man oft

hört, als ein sehr reicher Mann nach Europa zurückkehrt, der hat sich

bei seinem Erwerb nicht sehr mit dem Gewissen berathen. Gäbe es in

der neuen Welt weniger Advokaten und bessere wohlfeilere Justiz, so

würde mancher von diesen zurückgekehrten Reichen noch in der Reihe der

Bettler stehen.

Nach einer Fahrt von sieben Tagen erreichten wir gegen 12 Uhr

Mitternachts die Barr, d. h. den Hafen von New-Orleans; es war daher

kein Dampfschiff bereit, um uns im Schlepptau nach New-Orleans hinauf

zu führen. Der Capitain ließ eine Lampe am Vordertheil des Schiffs

aufstecken, um dadurch den Dampfschiffen seine Ankunft anzuzeigen und

nach Verlauf einer guten Stunde kam auch eins heran. Wir wurden ins

Schlepptau genommen und etwa fünf Meilen weiter gebracht, wo wir ankern

mußten, weil das Dampfschiff noch Arbeit an drei andern angekommenen

Schiffen hatte. -- Als es uns am andern Morgen um neun Uhr mit jenen

zusammen weiter schleppte, war es auf halbem Wege so unglücklich, beide

Schäfte zu zerbrechen, wodurch es außer Thätigkeit gesetzt wurde. Was

nun machen? Die sämmtlichen Passagiere wollten, wegen ihrer Früchte,

so rasch als möglich, in New-Orleans ankommen und so erboten sie sich

denn selbst, den schweren Dienst des Dampfschiffes zu übernehmen.

Eine lange und starke Leine wurde jetzt dieser nicht unbedeutenden

Passagiers-Masse gegeben; sie begannen mit gutem Muth und Singen

diese harte Arbeit. Die Hitze war drückend, allein die Angst vor dem

gänzlichen Faulen der Früchte besiegte die Hitze und machte sie nicht

fühlbar. Sie arbeiteten wacker darauf los und nach einer sechsstündigen

ununterbrochenen Arbeit erreichten wir ein Dampfschiff derselben

Compagnie, welcher dasjenige gehörte, was uns früher gezogen hatte, und

dies brachte uns noch an demselben Abend glücklich nach New-Orleans.

~Dritte Abtheilung.~

Ueber

die Vereinigten Staaten.

~New-Orleans und die Reise bis New-York.~

Ehe ich die Stadt betrat, amüsirte ich mich noch erst an dem Treiben

der Käufer und Verkäufer auf unserm Schiffe, denn viele Einwohner aus

New-Orleans waren an Bord gekommen, aber unsere Spekulanten waren

so überrascht, daß Anfangs keiner von ihnen verkaufen wollte: weder

Früchte noch Vögel oder Hunde waren feil. Nur der englische Mechanikus

machte hiervon eine Ausnahme: es hatte sich ein Hunde-Liebhaber aus

New-Orleans eingefunden, um einen Bologneser zu kaufen, diesen suchte

er zum Kaufen seines Rattenfängers zu überreden und hierzu schien ihm

jetzt der Augenblick günstig zu sein, da keiner von den Creolen einen

Preis fordern wollte. Er bot das schwerste Geschütz seiner Beredsamkeit

dazu auf, den Käufer von der Vortrefflichkeit seines großen Bull-dogs

zu überzeugen, und siehe da! es gelang ihm in der That und der Käufer,

der ein kleines Schoßhündchen für seine Gemahlin hatte erstehen wollen,

überbrachte derselben jetzt einen 12jährigen großen Bull-dog.

In der Stadt quartierte ich mich sofort in einem an der Wasserseite

gelegenen Hotel, -- es gehörte nicht zu denen der ersten Klasse, welche

mehr in die Stadt hinein liegen; ich aber zog dieses vor, weil auf dem

Schilde: „öffentliche Bäder“ bemerkt war. Die Rechnung, die mir bei

meiner Abreise überreicht wurde, war eben so schwer als der Schmutz,

den ich in den Zimmern dieses Hotels antraf.

Eins meiner ersten Geschäfte hierselbst war, zwei Briefe nach Havana

zu schreiben, einen an Moyer, den andern an Dakin, in welchen ich die

mir abgenommenen Summen reklamirte, und am Schluß erklärte: „Ich habe

den Königlich preußischen Consul beordert, die mir von Ihnen zukommende

Summe von 1014 Piaster in Empfang zu nehmen. Sollten Sie sich weigern,

meinem gerechten Verlangen Genüge zu leisten, so werden Ihnen die

Folgen von meinen Demarchen mehr Furcht einflößen, als des Herrn Dakins

Drohung mit dem Federmesser und das Herbeirufen der Neger von Ihrer

Seite in mir erregt haben u. s. w.“ Auf diesen und noch zwei andere

Briefe erhielt ich natürlich keine Antwort.

Auf dem grünen Markt, den ich sogleich am andern Morgen besuchte,

fand ich trotz der noch so frühen Jahreszeit (im Mai) Kartoffeln,

Artischocken etc. in solchem Ueberfluß und von solcher Größe, wie man

sie in Europa oft noch nicht im Monat August antrifft. Sodann begab ich

mich nach dem Packhofe, um einen Erlaubnißschein zum Empfang meiner

Sachen vom Schiffe zu erlangen. Ich mußte, nachdem ich die rechte

Bude im Zollhause erreicht hatte, zuerst die Anzahl der Stücke meines

Gepäcks angeben -- was auf einen halben Bogen niedergeschrieben wurde;

sodann wurde ich zum Collecter geschickt und mußte endlich für die

Erlaubniß, als Reisender mein Gepäck nach Hause nehmen zu dürfen, in

Summa Summarum 75 Cents (1 Thlr. Courant) bezahlen, wovon der Advokat

als Anfertiger der Supplik ⅔; und der Collecter ⅓ erhält. Die Revision

durch die auf dem Schiffe stationirten Zollbeamten war nicht nach

französischer oder englischer, sondern nach preußischer Weise, d. h.

liberal.

Eine schwere Aufgabe war es jetzt, die Sachen vom Schiffe nach dem

etwa 60 Schritte entfernten Hotel zu bekommen; ich verweilte wohl eine

volle Stunde am Bollwerke, aber von den vorübergehenden Arbeitsleuten

hatte keiner zu einer solchen Bagatelle Zeit. Auf dem Bollwerke sah

ich Knaben und Mädchen aus der ärmern Klasse beschäftigt, um die beim

Ausladen umhergestreuten einzelnen Caffeekörner und Zuckerstückchen

aufzulesen, wovon, wie mir ein ebenfalls zusehender Herr bemerkte,

morgen ein tüchtiger, gesüßter Caffee mit Wohlgefallen werde verzehrt

werden. Sehr viele Familien hierselbst existiren hierdurch und durch

das Einsammeln der Baumwolle, welche im Zupfen der Proben niederfällt

und liegen bleibt. Glücklicherweise gelang es mir, während dieser

Unterredung, einen vorübergehenden Mulatten für den Transport meiner

Sachen für etwa 12 Gr. Courant zu dingen.

Unterdessen war die Börsenzeit herangekommen. Ich passirte sehr viele

reinliche Straßen, welche den Namen der Hauptstraßen von Paris führen

-- da New-Orleans ja eine französische Colonie war. Alles sprach hier

französisch, auch die Leute aus der niedern Klasse, wie denn z. B.

Jemand, den ich um den Weg fragte, mir sagte, daß er das Englische

nicht verstehe. Auf meinem Wege nach der sogenannten französischen

Börse, welche indeß von der ganzen Kaufmannschaft errichtet worden ist,

zog am meisten meine Aufmerksamkeit auf sich ein freier, mit Bäumen

besetzter Platz, auf welchem sich das Rathhaus und die katholische

Kirche befinden, zwei Gebäude, die, obgleich unbedeutend, von Außen

keinen unangenehmen Anblick gewähren. Außerdem berührte ich auf meiner

Tour nach der Börse den Baumwoll-Markt und die sehr bemerkenswerthen

Canäle, ferner die Bank-Gebäude, welche eben so leer an Metall sind,

als die Taschen vieler Amerikaner überfüllt mit ihren unbezahlt

gebliebenen Noten. Die Börse ist ein wahres Pracht-Gebäude, mit einer

Kuppel gleich der St. Pauls-Kirche in London. Im Eingang, der von

großem Umfang ist, befindet sich ein Buffet, in welchem durch einen

französischen Restaurateur alle Erfrischungen von der allerbesten

Qualität für einen mäßigen Preis verkauft werden. Tritt man aus diesem

Entrée in den zirkelförmigen Saal hinein, so wird man durch die

schöne Bauart und die höchst geschmackvolle Einrichtung überrascht.

Man bemerkt eine Tribüne für jeden Wechselplatz der alten und neuen

Welt, in jeder derselben befindet sich ein Wechsel-Mäkler, um die für

diesen Tag durch sie bestimmten Course zu proklamiren, und die ganze

Börsenversammlung harrt auf diese Aussprüche, um sie ehrfurchtsvoll

entgegenzunehmen. Der ganze obere Theil des Börsen-Gebäudes ist zum

Empfang der Reisenden höchst brillant eingerichtet.

Als ich die Börse verlassen hatte, schlenderte ich ohne weitem Plan am

Ufer hinunter, um die Schiffe zu mustern und bemerkte, daß sehr Viele

mit dem Hinausholen beschäftigt waren. Auf meine Frage, ob alle diese

Schiffe in See gingen, wurde erwiedert, daß sie alle diese Schiffe

außerhalb der Stadt hinauslegen, woselbst sie beinahe vier volle Monate

verbleiben würden. „Die Comptoire“, fuhr der Berichterstatter fort, „so

wie überhaupt alle kaufmännischen Geschäfte, werden von dem 16ten Juni

ab geschlossen und Jeder, der Geld aufbringen kann, reiset während der

Fieber- und Cholera-Zeit nach den nördlichen Staaten und Badeörtern.“

-- Auch ich hielt es, nachdem ich alle meine Angelegenheiten und

alle Rücksichten erwogen hatte, für gerathener, aufs baldigste von

hier abzureisen; sogleich nach Tische erkundigte ich mich nach einem

Dampfschiff.

Schilderungen des Treibens im Leben und Handel in den Vereinigten Staaten und Havana. Gezeichnet auf Reisen in den Jahren 1838 und 1839 · 第 21 / 24 题