»Tag. Wann sind Se an Bord kamen?«
»Klock tein hüt Morgen.«
»Wie lang fohrt Se no See to?«
»Föftein Johr.«
»Ik will Ju man seggen; wi hevt vel to dohn mit de Seils, könnt Se Seils
neihn?«
»Jo, dat kann ik.«
»Wir haben nicht Zeit genug, die Segel an Land auszubessern, das muß auf
See geschehen.«
»Jo, dat doh ik.«
»Hevt Se Ehr Tüg an Bord?«
»Ne, noch nich mal min Matratz.«
»Na, denn gehn Se man nachher an de Arbeit.«
Ich esse ordentlich wieder mal Bohnen in Bouillon, richtig wieder im
Logis, über meinen großen Emailletopf, den Mock, über den Tisch gelehnt.
(Bloß nicht zeigen, daß du Offizier bist. Ich habe ja fünfzehn Jahre zur
See gefahren.) Ich lege mich nach dem Essen in die Koje und frage: »Ist
denn keine Handharmonika da?«
»Jo, Hein hett een'.«
»Geihst du von Bord hüt abend, Hein?«
»Ne, ik hev keen Geld.«
»Denn spel man! Ik giw ok 'n Kasten Beer ut.«
... Richtig, abends wird Feierabend gemacht, Handharmonika gespielt, die
Motorbarkasse kommt heran, wo Bier in Kisten verkauft wird, und ein
Kasten wird heraufgeholt. Um halb sieben kommt die Plätterin. Sie war
ein ganz nettes Mädchen, hatte so ein bißchen die Blattern gehabt, hatte
so eine hochsitzende Fladuse, einen gewissen »_flying jib_«, aber sonst
war sie ganz nett. Ihren Hein, den mochte sie ganz gern; sie hatte einen
tüchtigen Pott mit Essen mitgebracht. »Dat magst du wohl, Jung.«
Wir sitzen so, da sehe ich, wie er einen Tuschkasten herausholt. Und
während wir draußen sitzen und das Abendlicht auf dem Wasser glitzert,
malt er ihr eine Tätowierung auf den Arm. Ein tüchtig großes Herz mit
einer großen Flamme daraus; dann mußte der Name rein. Er machte mal eine
kleine Pause, denn sie konnte es nicht ganz aushalten. »Dat is ne feine
Deern, de löt sik alles gefallen, de is so treu wie Gold.« (Nur sah der
Vogel nicht so treu aus.) Er hatte ihr schon viel vorgeredet, Pläne
gemacht. Sie wollten nach Australien, Gold suchen.
Ich bin ganz vergnügt, absolut in meinem Fett. So geht es den einen wie
den andern Tag. Mit dem Steuermann konnte ich nicht gut umgehen, ich war
ihm zu altbacksch. Er verpetzte mich immer. Ich wollte aber auch kein
Freund vom Steuermann sein, sondern ein richtiger Matrose. Mit dem
Kapitän unterhielt ich mich auch dann und wann einen Augenblick. Den
dritten Tag kommt mein Freund, der Reeder, und will mich mit dem
Motorboot abholen. Er will nach vorn kommen. Ich rufe: »Bloß mich nicht
verraten.« »Wann kommst du an Land?« »Um sieben Uhr. Wir treffen uns im
Commercial Room.«
Der Steuermann und der Kapitän hatten schon gemerkt, wie der Reeder
ankam, aber nicht, daß er mit mir sprach.
»Tag, Herr Direktor.«
»Tag, Kapitän, na, was gibt es Neues? Geht das Laden gut vorweg? Wieviel
Leute haben Sie schon?«
»Wir haben fünf Mann mit dem Steuermann.«
So gingen sie auf und ab. »Kapitän, ich lade Sie zu heute abend ein,
seien Sie um acht Uhr im Englischen Hotel.«
»Jawohl, Herr Direktor.« -- --
Wie ich den Reeder treffe, bitte ich ihn, den Kapitän zum Atlantic
mitzubringen, aber nichts zu verraten. Ich komme in meiner Seemannskluft
ins Atlantic, da gucken die Leute mich von oben herab an, und ich
witsche in mein Zimmer. Der Geschäftsführer erkennt mich und zwinkert
mit den Augen. Ich ziehe meine Uniform an, gehe noch ein wenig
spazieren, und allmählich wird es halb neun. Im Hotel ist eine prächtige
große Halle mit blumengeschmückten runden Tischchen. Wie ich
zurückkomme, sitzt der Kapitän schon da. Er ist ein wenig befangen. Der
Reeder stellt vor: »Kapitän Erdmann von der Hannah.« -- »Graf Luckner.«
Dann sitzen wir bei einer Pulle Wein.
Erdmann guckt mich immer so an und dreht mit dem Weinglas hin und her
und entdeckt wohl eine gewisse Ähnlichkeit. Man sieht es ordentlich
seinem Gesicht an, daß ich nach seiner Meinung einem Matrosen ähnlich
sehe, aber er kämpft es offenbar nieder, denkt wohl, daß es gerade keine
Schmeichelei für einen Seeoffizier sei, wenn er das sage.
Wie ich einmal hinausgegangen bin, fragt er den Reeder: »Wie rede ich
ihn eigentlich an, er ist doch Oberleutnant und Graf?«
»Ja,« sagt der Reeder, »man nennt ihn nur Graf.«
»Sie müssen denken, ich bin beinahe herausgeplatzt mit der Sprache, denn
er sieht einem Matrosen so ähnlich, ich dachte, es wäre sein Bruder,
denn so was von Ähnlichkeit habe ich noch nie gesehen.«
Wir sitzen da, essen und trinken, er guckt mich immer so an, der olle
Kaptein, kommt aber nicht aus sich heraus.