Berlin d: 18: Demb 1809

Theure SchwiegerEltern wir grüßen Sie herzlich, und wünschen zu wißen

wie Sie Sich befinden, und wie's Ihnen geht; mein Mann ist Gottlob

gesund, nur ist seine Linkehand, noch so wie Sie sie im Sommer sahn, und

das Rechtebein schmerzt auch dann und wann, er wird künftigen Sommer

wieder nach _Töplitz_ gehn müßen, um völlig _curiert_ zu werden; da

werden wir das Vergnügen haben Sie zu besuchen. Sein Geist ist heiter,

so daß er wieder arbeiten kann, und izt Vorlesungen hält, die auch wohl

gedruckt werden werden.

Unser _Hermann_ ist Gottlob auch gesund, lernt braf, und grüßt seine

lieben GroßEltern herzlich; er hat 4: _Th_ von seinem Taschengeld dieses

Jahr erspahrt, um sie seinen GroßEltern schiken zu können, damit Sie

sich eine kleine Weinachtsfreude machen, und auch ein gläschen guten

Wein zu Ihrer Erquikung trinken, thun Sie das doch ja mit der guten

Grosmutter, die wir herzlich grüßen, und gedenken Sie dabei unser.

Gott schenke Ihnen einen gesunden frohen Winter, und laße freudig in's

NeueJahr eintreten: das wünscht von ganzem Herzen Ihre Sie aufrichtig

liebende

Johanna Fichte

g: _Rahn_

Zum zweiten Male ging Fichte im Jahre 1810 nach Teplitz und auf der

Rückreise besuchte er seinen Geburtsort.

39.

Dresden, d. 7. Jun. 1810.

Mein lieber Vater,

Gestern Abend sind wir hier zu Dresden angekommen, um übermorgen nach

Teplitz, zur völligen Wiederherstellung meiner Gesundheit reisen. Ich

bin jezt doch noch zu angegriffen, um die Reise nach Rammenau machen zu

können; ich werde aber bei meiner Rükkehr aus den Böhmischen Bädern,

etwa im =August=, ganz gewiß meine lieben Eltern besuchen

Ich bin =im ganzen= sehr gesund, nur ist der Gebrauch des einen Beins

noch schwierig. Meine Frau, und mein Herrmann sind gleichfalls wohl. Wir

bitten Sie herzlich, das beiliegende als ein kleines Feyertagsgeschenk

anzunehmen.

Meine Frau, und mein Sohn grüßen herzlich.

Ihr Sie liebender Sohn

Gottlieb Fichte.

40.

Teplitz, d. 7. August, 1810.

Mein theurer Vater,

Ich werde, wenn alles nach meiner Berechnung geht, künftigen Montag

d. 13. Abends mit den meinigen, Sie besuchen; auch d. 14ten noch

größtentheils bei Ihnen zuzubringen. Das Nachtlager jedoch werde ich,

um Ihnen nicht unangenehme Weitläuftigkeiten, und Zurüstungen zu

verursachen, zu Bischofswerda im Gasthofe nehmen

Ich hoffe Sie alle in der besten Gesundheit anzutreffen, und dann

mündlich das mehrere. Jezt nimmt meine Frau, die lieber schreibt, denn

ich, die Feder.

[Der nächste Satz von Johanna:]

Ich grüße Sie alle von ganzem Herzen, und hoffe Sie bald zu umarmen,

Leben Sie wohl, auf ein glükliches Wiedersehn

_Fichte_.

Aufschrift:

Herrn Christian _=Fichte=_

zu

_=Rammenau=_

_p. Bischofswerda_.

Noch in demselben Jahre erlitt sein Vater einen Unfall, wobei

namentlich auch Johanna sich zärtlich besorgt zeigt. Die im nächsten

Briefe und später erwähnte Hannchen war Fichte's Nichte, die er zu

sich genommen.

41.

Berlin, d. 1. Dezember. 1810.

Lieber Vater,

Die Nachricht von Ihrem Falle hat mich schmerzlich betrübt, so wie uns

Alle. Ich hoffe aber, daß dies, bei Ihrer übrigen Gesundheit von keinen

weitern übeln Folgen seyn soll. Um mich desto fester zu versichern, daß

Sie sich an Pflege und Heilmittel nichts abgehen laßen, sende ich

sogleich jezt das Quartal auf Weyhnachten. Bei uns steht alles beim

Alten. Daher übergebe ich meiner Frau die Feder, die schon noch Worte

finden wird.

[Von Johanna:]

Ich übernehme die Feder gerne, um Ihnen zu sagen, daß wir sie inständig

bitten, sich ja zu schonen, und zu pflegen; die gute Großmutter, die

ich auch herzlich grüße, versteht ja das so schön, und thut gewis alles

mögliche um Sie wieder herzustellen. Ich danke Gott daß mein Mann in der

Lage ist, Ihnen diese Kleinigkeit schiken zu können; und hoffe auch von

der Güte Gottes, daß er Sie erhalte, und daß wir Sie künftigen Sommer

fröhlich wiedersehn.

Wir sind Gottlob alle gesund, auch Hannchen ist gesund, dann und wann

hat sie ein wenig Kopfweh, dann schik ich sie in's Beth, wenn sie genug

geschlafen hat, so steht sie wieder gesund auf. Wir grüßen Sie alle von

ganzem Herzen, und wünschen bald frohe Nachricht von Ihnen.

Achtundvierzig Briefe von Johann Gottlieb Fichte und seinen Verwandten · 第 14 / 23 题