50. Carolins, oder 300 rthr. Sächsisch,

als soviel ich hierdurch übersende, nicht mehr als 30. bis 32. Gr.

Porto machen, und dies halte ich denn doch für Kleinigkeit, und trage

kein Bedenken, auch diese Unkosten zu verursachen.

Ich erwarte mit umlaufender Post den Empfangsschein, weil ich nicht

weiß, wie viel der kleinen Nebenpost, durch die das Geld zu erhalten

ist, zuzutrauen werde.

Ich erwarte die Auszahlung von 4. pro Cent, welche ich selbst an meine

Frau, deren Schwester dieses Geld gehört, =aus meinem Beutel bezahle --

abgeredeter Maassen an meinen Vater, als eine kleine Pension= -- ~ganz

allein zu seiner eigenen Erleichterung bei seinem Alter~; =besonders,

daß er nicht mehr so schwere Lasten trage=.

Du, und Bruder Gottlob steht mir für dieses Geld; und ich =erwarte

darüber des nächstens eine Verschreibung eures Vermögens; insoweit es

dafür nöthig ist=. Der Schein wird ausgestellt nicht auf 300. thlr.

sächsisch, weil dieser Werth wandelbar ist, sondern auf 50. Stük neue

französische _Louisd'or_. -- Der Schein wird auf =jährige Aufkündigung=

gemacht.

Ihr verwendet dieses Geld so, daß es so viel möglich auch meinen übrigen

Brüdern mit zu Nutz komme: -- es versteht sich, daß dies, da ihr beide

allein mir dafür steht, nach eurer eignen Einsicht geschieht. -- ... ...

So viel über dieses Geschäft. Was den übrigen Inhalt Deines Briefs

anbetrift, so wäre darüber viel zu sagen. Was darin unsere Mutter

anbetrift, hat mich gerührt; und ich beklage die gute Frau. Gott, der

ein anderes Gericht führt, als wir, wird ihr vergeben. Was Du von den

übrigen Gliedern unserer Familie, den Vater, und Dich ausgenommen,

sagst, hat mich befremdet. Diese drolligen Geschöpfe haben also

geglaubt, daß ich, nach ihrem ehemaligen niederträchtigen Betragen gegen

mich, noch Pflichten gegen sie hätte, über deren Beobachtung =sie=

Richter wären, und nach denselben mich beurtheilen dürften? Daß ich

jetzt durch meinen Besuch diese Pflichten gegen sie erfüllt habe, und

daß nunmehr erst sie =ihre= Niederträchtigkeit =mir= verzeihen könnten?

und Du, mein besserer, und wie ich glaubte, vernünftigerer Bruder,

trägst kein Bedenken, mir dies zu schreiben, als ob Du halb, und halb

derselben Meinung zugethan wärest?

Grüsse mir herzlich den Vater, und lebe wohl.

Dein treuer Bruder

J. G. Fichte.

... ... ...

Indem ich den Brief schliessen will, fällt mir ein, daß es doch sichrer

ist, ihn anderwärts hin, als nach Rammenau, zu addressiren; und ich

schike ihn daher durch Einschlag an Bursche zu Pulßnitz.

Das Specielle, was Fichte's Mutter betrifft, ist nirgends genau

bezeichnet und kann deshalb nicht aufgeklärt werden. Nach einer Stelle

am Schlusse des Briefes muß Fichte einige seiner Verwandten besucht

haben; die folgenden Briefe aber lehren, daß er in Rammenau nicht

gewesen ist.

Der nächste Brief ist nach dem bezeichneten Alter seines Sohnes, der

am 18. Juli geboren wurde, vielleicht an demselben 11. October 1797

geschrieben, wie der an des Kindes Pathen Johann Erich von Berger

gerichtete (II, 479), oder doch an einem der nächsten Tage.

22.

Mein lieber Bruder,

Ich habe bis jezt so viel Arbeit gehabt, daß ich nicht habe schreiben

können. Deiner Bitte um Geld konnte ich nicht willfahren, weil ich das

verlangte nicht entbehren konnte. Ich habe das Haus, das ich in Jena

bewohnte, und welches Du kennst, gekauft. Das kostet mehr, als das

Deinige. Nun ist das zwar nicht von meinem, sondern von meiner Frau

Gelde geschehen: aber theils habe ich Vorschüsse machen müssen: theils

lasse ich auch fortgesezt darin bauen, und dies geht von meinem Gelde.

Da kannst Du nun berechnen, ob viel baares Geld bei mir seyn mag.

Ferner, habe ich diesen Sommer Kindtaufe gehabt. Ja: es ist mir ein

herrlicher, gesunder, starker Knabe gebohren, der jezt in die 13. Woche

geht. Sage das unsern guten Eltern, die ich dadurch zu GroßEltern

gemacht habe.

Ueber eine Reise nach Hause habe ich hin und her gedacht: aber es ist

nicht möglich gewesen. =Zeit= ist mir das edelste Gut, und ich konnte

ihrer für diesmal nicht so viel verlieren, als dazu gehört hätte. =Gewiß

versprochen= habe ich es nicht. -- Ich hoffe, es künftige Ostern möglich

zu machen. Vertröste den guten, trefflichen Vater. Gewiß werde ich ihn

sehen, und mehrmals, hoffe ich, sehen. Meine Frau will sich's nicht

ausreden lassen, mich, mit ihrem Kinde, zu begleiten. Ich gestehe, daß

ich dies in mancher Rüksicht nicht gern sehe; und auch das hat mich

bisher abgehalten.

Ferner ist solch eine Reise unter hundert, und mehr Thalern nicht

gemacht und auch diese habe ich nicht so geradezu zu verlieren. Die

glückliche Zeit ist vorbei, da ich meinen Stab nahm, und zu Fusse ging,

durch die weite Welt. Jezt bin ich allenthalben gefesselt.

Lebe recht wohl.

Dein treuer Bruder

F.

23.

Jena, d. 2. Jänner 1798.

Lieber Bruder,

Meine Frau hat es sich nicht wollen nehmen lassen, an unsern guten Vater

zu schreiben. Es ist beiliegender Brief, den ich durch Dich überschike.

Es wundert uns nicht wenig, daß wir die Papiere über das übersendete

Geld, die nach wenigen Wochen folgen sollten, nicht erhalten haben.

Br. Christian hat mir abermals geschrieben. Sein Brief traf zu einer

Zeit ein, da ich ihm nicht antworten konnte, weil ich keine Zeit hatte.

Auch jetzt habe ich sehr wenig Zeit: ich bitte also =Dich=, ihn zu

benachrichtigen, =daß es gänzlich ausser meiner Macht liege, ihm in

seinem Begehren zu willfahren, und daß er eine völlig unrichtige

Vorstellung von meiner Lage zu haben scheine=.

Wie geht es euch allen, und wie geht es besonders Dir, und Bruder

Gottlob bei eurem Unternehmen geht; ob ihr Hofnung habt, etwas vor euch

zu bringen? -- ob ihr auch dem Vater das accordirte gebt, und ob es ihm

in der That zu einiger Erleichterung dient? Besonders auf das letzte

wünsche ich eine bestimmte Antwort.

Lebe recht wohl.

Dein treuer Bruder

F.

24.

Jena, d. 21. August. 98.

Mehrere Gründe haben mich verhindert, Deinen Brief früher zu beantworten.

Ich hoffe, daß es jezt mit euerm Unternehmen besser geht. Daß Ihr den

Vater mit hineingezogen, ist mir nicht ganz recht. Er hat nun gesorgt,

und gearbeitet genug, und meine Absicht war nicht, daß die kleine Pension,

die ich ihm zu geben vermochte, als ein Theil des Handelscapitals

betrachtet würde, sondern daß er sie in guter Musse genösse.

Nehmt euch ja in Acht, daß das Kapital nicht schwindet. Es gehört, wie

ich mehrmals gesagt, nicht mein; auch nicht einmal meiner Frau, sondern

einer armen unverheiratheten Schwester derselben. Ich würde es ersetzen

müssen, und, wenn ich auch nicht sonst Ursache hätte, bedächtig mit dem

meinigen umzugehen, schon dadurch in die Unmöglichkeit versezt werden,

euch weiter zu unterstützen.

Aber ich habe Ursache, die Zeiten des Wohlstandes behutsam zu nutzen.

Meine Besoldung ist so gering, daß ich durch sie kaum Holz und Licht

bestreiten kann. Ich muß von meiner Arbeit leben; und daß diese mir

etwas eintrage, hängt von dem Flor dieser Universität ab. Dieser aber

könnte in ein paar Jahren ganz sinken, denn schon jezt hat der Kaiser

von Rußland alle seine hier studirenden Unterthanen, deren Anzahl sich

bis in die 80. belief, zurükberufen, und es ist zu fürchten, daß andere

Regierungen diesem Beispiele folgen.

Wenn einer von euch etwas vom Landbaue verstünde, so würde ich ihn zu

mir nehmen und mir Ländereien ankaufen. So könnte ich es etwa mit der

Zeit zum Besitze eines Rittergutes bringen. Aber auch dies kann ich

vor der Hand nicht, weil ich nicht weiß, ob ich noch lange in diesen

Gegenden bleiben werde. Ich habe nemlich Vocationen, die annehmbar sind,

wenn Jena in Verfall kommt; bei denen ich mich aber verschlimmere, wenn

die Lage bleibt, wie sie jezt ist. Kurz, mein ganzer Zustand ist

schwankend.

... ... ...

Die herzlichsten Grüße von mir und meiner Frau an Eltern und Geschwister.

Dein

treuer Bruder

J. Gottlieb Fichte

Die hier erwähnten Vocationen beziehen sich ohne Zweifel auf die

beabsichtigte neue Organisation der Universität zu Mainz, bei der man

Fichte in's Auge gefaßt hatte (I, 299 ff.).

25.

Jena, d. 16ten 7br. 98.

Lieber Bruder,

Deine Briefe habe ich erhalten. Wenn du, wie ich hoffe, diesen Brief zu

rechter Zeit erhältst, d. i. wenigstens den 20sten dieses (Donnerstags)

so sey den 21sten (Freytag) bei guter Zeit in Dresden, und frage mir im

Gasthofe zum (goldnen glaube ich) =Engel= nach. Der Wirth heißt Eichhof.

Bin ich etwa nicht da, so werde ich doch dort meine Addresse lassen. --

Richte Dich so ein, daß Du die Nacht von Hause abwesend seyn kannst, und

sey gut angezogen, denn wir wollen den andern Tag wohin reisen.

Uebrigens sey ohne Sorge, und laß Dich ja auf nichts ein, ehe ich Dich

gesprochen habe.

Achtundvierzig Briefe von Johann Gottlieb Fichte und seinen Verwandten · 第 7 / 23 题