Ausgezeichnet durch spathige Struktur und Krystallform, aber ohne
technische Anwendung. Der vollkommen durchsichtige Kalkspath, der besonders
ausgezeichnet in Island vorkommt, hat die Eigentümlichkeit, dass er
vollkommner und stärker als die andern Mineralien, beym Durchsehen nach
gewissen Richtungen die Gegenstände verdoppelt, heisst daher _Doppelspath,
Isländischer Spath, dubbelsten_ im Schwedischen, welche Eigenschaft zuerst
Erasmus Bartholini 1670 beachtete.
Dem Kalkspathe sehr verwandt ist der _Braunspath_ (chaux carbonté
magnesifère), der Talkerde enthält, und der _Arragonit_, der Strontianerde
enthält, 1788 von Werner und Klaproth bekannt wurde, in welchem erst
Stromeyer 1812 die Strontianerde nachwies.
Der Name _Spath_ bedeutet bey uns blättriges Gefüge, mit dem aber sehr
häufig Krystallform verbunden ist; er ist _spath_ im Französischen,
Schwedischen, Dänischen;--_spar_ im Englischen;--_espato_ im Spanischen und
Portugiesischen;--_schpat_ im Russischen;--_szpat_ im Polnischen, welche
Worte zunächst zusammenhängen mögen mit ysparth im Wälschen, theilen,
spalten, entfernter mit spatika im Sanscrit, d.i. Krystall.
Die krystallinischen Fossilien der Kalkreihe, als Kalk-, Gyps-, Flussspath
und andere, unterschied man früher nicht gehörig, konnte es auch kaum, da
chemische Analysen fehlten, man begriff sie im Allgemeinen unter Spath und
unter den fluoribus, wie Agricola, Boetius de Boot u.s.w.; erst seit
Cronstedt (1758) wurde der Kalkspath näher fixirt. Nach der Form bekam er
besondere Namen, als Schweinszahn, Nagelkopf, Hahnenkamm und viele andere.
Mit welchem Namen man ihn im classischen Alterthume bezeichnete, ist
unbekannt, die von Plinius erwähnten: pangonius, ceponius, leucochrysos,
melichrysos u.s.w. können hierher gehören.
Die Orientalen werden ihn unter den Namen für Krystall begriffen haben (s.
diesen).--
_spath culcaire_ im Französischen;--_lime spar_ im
Englischen;--_meszkovalz_ im Magyarischen;--_wapanec, uhlan wapnicity_ im
Czechischen;--_weglan wapna blaskowy_ im Polnischen.
* * * * *
#§. 5. Flussspath-Gruppe.#
Flusssaurer Kalk, theils derb, meist krystallisirt. Die Krystalle, meist
ziemlich durchsichtig, sind verschieden, oft schön gefärbt, grün, gelb,
roth, blau, daher man sie früher als falschen, unächten Smaragd, Amethyst,
Sapphir u.s.w. bezeichnete, auch Topasfluss, Smaragdfluss u.s.w. nannte
(fausse emeraude,--amethyste u.s.w. emeraudes morillon;--fluor
viridis,--caeruleus u.s.w.). Der Androdamas von Agricola (1550) und
Scheuchzer (1718) war in Würfeln krystallisirter Flussspath. Die Krystalle,
als solche, können ihrer wenigen Härte wegen nicht zu Schmucksteinen
angewendet werden, aber Flussspath kommt auch in grossen, hübsch gefärbten
krystallinischen Massen vor, solche werden vorzüglich in England (in
Derbishire und Buxton seit 1765) zu Gefässen, Vasen und dergleichen
verarbeitet, die sich ganz hübsch ausnehmen, aber nur in geringem Werthe
stehen. Auch im alten Aegypten hatte man schon Gefässe von Flussspath, von
denen einige auf uns gekommen sind.
Manche Abänderungen phosphoresciren (d.h. eine Zeitlang dem Sonnenlichte
ausgesetzt, leuchten sie im Dunkeln) von allen Mineralien am stärksten,
diese kommen jetzo besonders und am schönsten in Siberien vor, heissen
Chlorophan (früher spathum lucens, spath phosphorique). Diese Eigenschaft
war schon dem Alterthume bekannt, und der pazon, topazion der Alten wird
ein solcher Chlorophan von der ägyptischen Insel ophiodes gewesen seyn,
woher unser Name Topas stammt. Die Phosphorescenz des Flussspathes
überhaupt, in der neuern Zeit wird von Beckmann 1676 entdeckt seyn, er
hiess daher auch phosphorus smaragdinus, hesperus, vesperugo.
Der krystallisirte und derbe (der ganze Felsmassen bildet) ist sehr
leichtflüssig, wesshalb man ihn häufig beym Schmelzen des Eisens, Kupfers,
als Flussmittel (flux, fondant, erbue, castine im Französischen) zusetzt,
während man anderntheils hierzu auch Kalk, Thon--herbue--u.s.w. anwendet);
desshalb bezeichnet ihn der teutsche Bergmann als Flösse, woher er
lateinisch fluor, fluores genannt wurde; dieser Name ging in die
Mineralogie über, und die Gattung fluores begriff, wie der basaltes, sehr
verschiedene Gesteine. Als Scheele 1771 den Flussspath zerlegte, und die
Flusssäure zuerst darstellte, wurde die Gattung speciell fixirt. Praktisch
kannte man die Flusssäure bereits früher; schon Schwanhard 1670 ätzte damit
auf Glas, und 1725 wurde bekannt: dass man dieses Aetzwasser aus böhmischem
Smaragd oder Hesborus bereite.
_tse-chy-yng_ im Chinesischen, ist blauer Flussspath; _lou-fou-chy_ ist
grüner.
_[Greek: pazion, topazion]_ der Griechen, von gelber und grüner Farbe,
welcher, der Sonne ausgesetzt, stark im Dunkeln leuchtet, massig und
glasähnlich auf der ägyptischen Insel Ophiodes vorkam, war gewiss ein
Chlorophan oder Flussspath.
_topazius_ der Römer, von theils goldgelber, theils grüner Farbe, daher
unterschied man mehrere Arten: a) _prasoides_ den grünen (von [Greek:
prason] Lauch, [Greek: prasinos] lauchgrün), b) den _chrysopteros_ wohl
goldgelb; hierher dürfte gehören c) der _chrysoprasius_ (wohl verschieden
von chrysoprasus, eine Art Beryll), der gelbgrün war, und in grossen
Stücken brach, wie d) der _chrysopastus_ und _chrysolampes_, auch wohl der
_chrysolithus_ der Römer und Griechen (s. oben unter Chrysolith),
_chryselectrum_ und _xanthus_. Zu den phosphorescierenden Steinen dürfte
auch wohl die _Ceraunia_ gehört haben.--belur (d.i. Krystall) und
_seberget_. (d.i. wahrscheinlich Chrysolith) nennen die jetzigen Einwohner
von Aegypten den Stein der Insel topaze, welcher unser Flussspath seyn
wird.
_paz_ im Hebräischen, und _tuphasjon_ im Syrischen, wird mi [mit] [Greek:
pazion] und [Greek: topazion] im Griechischen zusammenhängen.
_ssila_ im Persischen, heisst jetzo (nach Ebersmann Reise nach Buchara 1823
Pag. 74) auf dem Edelsteinmarkte von Buchara, der ungeschliffene
Flussspath, _finussa_ der geschliffene, der mit Lasurstein ans Badakschan
kommt.
_fzazejon_ im Aethiopischen, wird mit äthiopischem Topas übersetzt, so auch
_Warawere_ (von warek das Gold) und _tankar_ (von tankara das Gold im
Abessinischen);--_zahebem wareke_ ist im Amharischen ein Stein von
Goldfarbe mit Topas übersetzt; wohin diese Steine gehören, muss ganz dahin
gestellt bleiben.
Als man in der neuern Zeit gelbe Edelsteine (besonders unsern Topas in
Sachsen) kennen lernte, suchte man nach einem etwa passenden Namen im
Alterthume, nannte sie erst Chrysolithe, dann Topase, wendete freilich, wie
so häufig, fälschlich den alten Namen auf den neuen Stein an.
Der practische Bergmann benutzte als gutes Flussmittel ein Gestein, das er
daher _Flösse, Flüsse_ nannte, bey dem oft hübsche gefärbte Krystalle
einbrachen, die man _Flussspath_ nannte; im Lateinischen _fluores_, die
Agricola (im Bermannus 1546) als eigne Gattung heraus hob und deutlich
charakterisirt, und die Mineralogen der spätem Zeit setzten in die Gatten
der _Flüsse_ oder _Fluores_ vielerley ähnliche Gesteine.
_fluor_ in England, auch fusible spath, sparry fluor, der Bergmann nennt
ihn sugary spar (wohl Zuckerspath), in Cornwall auch kand. In Derbishire
kommt er häufig und schön gefärbt vor, wird zu Gefässen verarbeitet, heisst
bey den Arbeitern blue John, blueston, im gemeinen Leben Derbystone.
_fluor_ im Französischen, auch spath fluor, flux, spath vitreux und
--phosphorique; der Hüttenmann nennt ihn _castine_, auch _erbue_, wenn er
als Zuschlag, d.i. Flussmittel dient.
_fluor, espato fluor, espalto_ im Spanischen, auch _castina_, was überhaupt
Zuschlag, oder Flussmittel ist;--_fluor_ im Portugiesischen;--_fluor, spato
fluore_ im Italienischen.
_flusspath_ im Schwedischen, auch _oakte rubin, sapphir fluss_
u.s.w.;--_flussjord_ im Dänischen.
_plawik, plawnik_ im Russischen, topidlo rozdopidlo ist das Flussmittel
beym Schmelzen; der Chlorophan heisst: isum-rudistoi [or: isumrudistoi]
kamenj;--_kaziwil_ im Czechischen;--_szpat_ im Polnischen, auch _roztop_
(das Flussmittel beym Schmelzen).
_folyo_ im Magyarischen;--_folyo kovacs_ ist Flussspath.
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#§. 6. Phosphorsaurer Kalk#.
Der _Apatit_ ist den Gemmen verwandt, krystallisirt, schön, meist grün,
auch blau gefärbt, nimmt Politur an, wird wohl zu Schmucksteinen
geschliffen, wurde früher meist Chrysolith genannt (Chrysolithe ordinaire
von Romé de l'Isle); er ist weich, phosphoresciert stark, wie der
Flussspath, bestehet aus phosphorsaurem Kalk, findet sich in Sachsen,
Spanien, hat seinen Namen durch Werner erhalten, der ihn aus dem
griechischen Worte [Greek: apataô] (decipio) bildete, ihn als eigne Gattung
(1788) fixirte, die in demselben Jahre von Klaproth chemisch festgestellt
wurde. Eine Art hiess früher _Spargelstein_ und _Moroxit_, die
unkrystallisirte Art ist der _Phosphorit_, in welchem Proust 1788 die
phosphorsaure Kalkerde nachwies.
Dem Alterthume kann der Apatit, vorzüglich der spanische, wohl bekannt
gewesen seyn, wir wissen aber nicht, unter welchem Namen, vielleicht wurde
er zu prasoides u.s.w. gerechnet.
_apalite, chaux phosphatée_ im Französischen;--_apalit, phosphate of lime_
im Englischen, ähnlich in der wissenschaftlichen Sprache aller Zungen.
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#§. 7. Gyps oder schwefelsaurer Kalk#.
Der Gyps ist zu allen Zeiten bekannt gewesen und angewendet worden, dass es
aber Schwefelsäure ist, die ihn characterisirt, hat erst die neuere Chemie
ermittelt. Der gewöhnliche Gyps ist ein wasserhaltiger, schwefelsaurer
Kalk; der sehr häufig vorkommende wasserfreie heisst _anhydrit_, der einen
etwas andern Charakter trägt; zu diesem gehört der marmo bardiglio di
Bergamo der Künstler, welche Abänderung von den Mineralogen lange als
Vulpinit bezeichnet wurde.
A. _Gyps im Allgemeinen und der gemeine dichte Gypsstein_.
Er ist unkrystallisirt, kommt in ganzen Bergmassen vor, gebrannt wird er
mit Wasser plastisch, erhärtet dann bald, wird zu Fussboden,
Stuckatur-Verzierungen, Bildwerken, auch als Düngmittel verwendet.
_altschi, alci_ im Türkischen;--_gadsch, gidg, pur_ im Armenischen, prel
ist begypsen;--_ghiez_ im Kurdischen.
_dschibs, tschesspin, giaru_ im Persischen, dschespiden ist
gypsen;--_giebsin, gyss, giaess, cepsin_, auch _ciared, kaermed, scharuk_
im Arabischen; gabbasch ist Gypsofen;--_gebsus_ im
Abessinischen;--_gubassus_ im Syrischen;--_gubsin, gubsis, guphis_ im
Chaldäischen.
_gipsu, ipsos_ im Walachischen;--_altsi_ (aus dem Türkischen) im
Albanischen;--_gyp_ im Bretonischen;--_aol geal_ im Gälischen;--_[Greek:
gypson, gypos, skiros, latypê]_ (beide Worte haben keinen Anklang in den
andern Sprachen) im Griechischen und Neugriechischen;--_gyps,
plaisterstone, parget_ im Englischen;--_gypse_ im Französischen, platre ist
der gemeine dichte Gyps (wird zusammenhängen mit Glas, plas im
Keltischen--weiss, blass und tre Stein);--_gesso_ im
Portugiesischen;--_yeso, yezgo_ im Spanischen;--_yesso_ im
Italienischen;--_gips_ im Schwedischen, Dänischen.
_ghipse_ im Russischen;--_gips, siarczan wapna_ im Polnischen;--_sadra,
sadrowec, siran wapnicily_ im Czechischen, wodnaty ist der dichte
Gyps;--_ges, kamen bjeli_ in Bosnien;--_bjelokan_ im Ragusanischen;--_sirgu
akmins_ im Lettischen.
_maz, gipsz, gyantakö_ im Magyarischen;--_gybs_ im Maltesischen.
_hvit_ im Isländischen;--_spaerstan, spaeran_ im Angelsächsischen.
B. _Der gebrannte Gyps--Sparkalk--und der Gypsmörtel_.
Er wurde auch im Alterthume vielfach angewendet, zum Estrich (pavimentum),
zu Figuren, Modellen, Stuckaturarbeit (sigilla aedificiorum, coronae
u.s.w.), welche unter der caelatura begriffen wurden.
_ajend_ im Türkischen;--_gief_, auch _ajende_ im Arabischen, _sywa
balzighy_ ist auch Gyps;--_[Greek: gypson]_ der Griechen;--_gypsum_ der
Römer;--_[Greek: pasaleiphar]_ im Mittelalter;--_aol, phlasd_ im Gälischen.
_parget_ im Englischen; _pleister_ ist der Mörtel von Gyps und
Kalk;--_pleister_ im Holländischen;--_yesso mate_ im Spanischen;--_stucco_
im Italienischen.
_Sparkalk_ im gemeinen Teutsch, wird aus dem Angelsächsischen herkommen, wo
der Gyps Spaerstein, das Marienglas spaerglass heisst, was mit lapis
specularis zusammenhängen wird.