_Nähere Bestimmung der Farben, die im Alterthume angewendet wurden, von den
Autoren, besonders von Plinius erwähnt sind_.
Im Alterthume, bey den Aegyptern, Persern, Griechen u.s.w. stand die
Malerei, wie die Färberei auf einer sehr hohen Stufe der Ausbildung--wie
die vielen, auf uns gekommenen Gemälde am besten lehren--war eben so
verbreitet als bey uns, und wohl noch weiter. Unsere Oelmalerei scheint man
nicht angewendet zu haben, dagegen hatte man viel dauerndere
_Wachsmalerei_, die uns immer noch nicht recht bekannt ist, und die
_enkaustische Malerei_ auf nassem Kalk, die wir erst jetzo anzuwenden
beginnen. Man benutzte natürlich höchst verschiedene Farben, aus allen
Naturreichen, theils natürliche, mehr oder weniger präparirte, wie
Grünerde, Gelberde u.s.w., theils künstliche, wie Bleiweiss, Grünspan
u.s.w., theils die Farben an sich, theils an Kreide gebundene
_Pastellfarben_, theils an reine Thonerde gebundene _Lackfarben_.
Nach unserer sehr unvollständigen Kenntniss der Farben des Alterthumes,
benutzte man vorzugsweise, als:
A. _Weisse Farben_:
a) Das _Bleiweiss_ (s. dieses), cerussa, [Greek: mylibdos].
b) Die _Kreide_, creta annularis, selinusia, argentaria; terra melia,
eretria, pnigitis, paraetonium; sie wurde theils präparirt, für sich
angewendet, theils auch gefärbt mit andern Farben als Pastell.
Die _reine Thonerde_ des (mit Natron u.s.w.) behandelten Alauns (alumen
melinum) diente zwar nicht als Farbe an sich (so wenig wie bey uns), aber
als Beize zum Färben der Zeuge und als Pigment zu verschiedenen Lackfarben.
B. _Schwarze Farben_:
a) _Tintenartige Farbe_ aus aufgelöstem Eisenvitriol und Gallapfel oder
einem ähnlichen Adstringens; _Atramentum, Atranit; Sutorium_.
b) _Tusche_, feinpräparirter Russ, _Atramentum librarium_. Um den hierzu
nöthigen Russ zu gewinnen hatte man eigends construirte Oefen, die Vitruv
VII. 10 und Plinius 35, 25 beschreiben, worin vorzüglich Harz (resina)
verkohlt wurde. Griechische Künstler verwandten andere Substanzen z.B.
Apelles Elfenbein (daher [Greek: elephantinon] genannt), Micon Traster
(daher [Greek: triginon] genannt, von [Greek: tryx] die Hefe); noch jetzo
schätzt man sehr das Beinschwarz und das Hefenschwarz, le noir de vigne.
Die feinere Tusche kam aus Indien, war das [Greek: indikon melas].
_atramentum sepiae_ war die Schwärze des Tintenfisches.