Unbequemlichkeiten verursachen nur die vielen Flußübergänge und das

schlüpfrige Auf- und Absteigen an den Bergrippen, welche entweder mit

schwarzschlammiger Erde bedeckt sind oder aus nacktem Felsgestein

bestehen. Südöstlich von Ugogi, nach einem kurzen Marsch durch

welliges, dorniges Land, eröffnet sich dem Blick bei _Murundusi_, dem

Grenzort zwischen Uhehe und Usagara, eine herrliche, fruchtbare Gegend:

feines Gras, Tamarinden, Sykomoren und Miombos von außergewöhnlicher

Stärke, in denen Papagaien, Tauben und Dohlen nisten; zwischen den

Behausungen der Eingeborenen Rinder in Menge; in Gruben von 5-6 m

Tiefe vorzügliches Trinkwasser. Von hier bis Maroro (653 m) trifft

man nur dürres, rauhes Land von rother Erde; vereinzelte Schluchten

mit weißsandigen Ufern, von smaragdgrünen Bäumen umsäumt. Bei _Rudi_,

das von Wahehe bewohnt wird, gibt es viel Tabackbau. Westlich von

Kikako durchschreitet man auf steinigem Bergpfad den einzigen

zusammenhängenden größern Wald. _Maroro_ besitzt frisches Gewässer,

das rasch in der schwarzen Erde der tiefern ebenen Lagen versumpft

und hohes, binsenartiges Gras hervorschießen läßt. Auf den Feldern

dazwischen gedeihen in der feuchtheißen Luft Mais, Durra, Bataten und

Taback. Der Ort ist ungesund und die Plage der Mosquitos peinlicher

als sonst auf diesem Wege. Von Maroro gelangt man durch Stein und

Gestrüpp über den Paß von Kiperepeta nach dem von grünen Hügeln

umgebenen, ziemlich fruchtbaren Bezirk von _Kisanga_, in welchem das

Dorf Kirigawana liegt. Verleihen auch Sykomoren und Wollbäume dem

Landschaftsbild einen etwas mehr erfreulichen Anblick, so ist doch

das Erträgniß der Felder sowol hier wie am Ruhembe-Bach von geringer

Beschaffenheit.

_Bevölkerung._

Die _Wasagara_ sind im Wami-Thal meist Ackerbauer und in den Hochebenen

der Nordgrenze meist Viehzüchter. Ziegenfelle, Grasröcke, zuweilen auch

Tuchfetzen bilden die spärliche Bekleidung; Ringe von Messingdraht um

die Arme, die Fußgelenke, um den Hals (hier zuweilen weit abstehend)

und schwer herabziehende Ohrgehänge bilden den Schmuck; Pfeile,

Assegais und Steinschloßgewehre in geringer Zahl die Waffen. Stirn,

Brust und Arme werden tätowirt. Wegen der häufigen Ueberschwemmungen

und aus Furcht vor den thalwärts ziehenden Räuberhorden bauen sie

sich fast ausnahmslos an den Abhängen des Gebirges an. Im mittlern

Wami-Thal, zwischen Msuero und Kondoa, und theilweise in den nördlichen

Districten bis Mbambwa wohnen sie in den schmutzigen, von Ungeziefer

wimmelnden viereckigen Lehmgehöften, in den Tembes, sonst in den

üblichen bienenkorbartigen Hütten. Von ihrem Nationalcharakter

können wir nur die eine negative Thatsache anführen, daß sie kein

besonders tapferes Volk sind und sich den Sklavenjagden der Waseguha,

Wahumba, Wagogo und Wahehe wenn möglich durch das Verlassen von Haus

und Hof entziehen. Elend und scheu ist ihr Aussehen und Benehmen im

Mukondogwa-Thal, entschieden stämmiger und kampflustiger am Rumuma und

an der Nordgrenze. Unter ihnen wohnt ein gesonderter Jägerstamm, wie

die Wandorobbo unter den Wakuafi und die Wakamba unter den Wanguru,

nämlich die _Wakwa_ im Wami-Thal bei Mungubugubu und Msuero; sie

erlegen Elefanten und Büffel mit vergifteten Pfeilen oder auch mit

Steinschloßgewehren.

Eine politische Organisation für ganz Usagara oder nur für einen

größern Theil existirt nicht. Was als Ortschaft in den Karten

bezeichnet ist, bedeutet meistens einen Bezirk oder eine Gemeinde;

die zugehörigen Hüttencomplexe haben ein gemeinschaftliches Oberhaupt,

einen Dorfhäuptling. Diese „Herrscher und Fürsten” sind voneinander

unabhängig und von keinem wird berichtet, daß er hervorragenden Einfluß

in einem größern Umkreis gewonnen. Nur eine Ausnahme könnte bestehen,

wenn sich die Verhältnisse seit der Reise des französischen Missionars

Etienne Bauer im Jahr 1885 nicht geändert haben: das Land am Westufer

des Wami zwischen Loonga und Komberina mit Farhani und Rudewa und

am Ostufer mit Kakonga und Kisukara stehen unter der Oberhoheit der

Fürstin Simbamweni in Ukami.

Schlußbetrachtung.

Was an Naturproducten das Wami-Gebiet gegenwärtig hervorbringt, kommt

für den _Export_ kaum in Betracht: es sind nur Feldfrüchte, die den

Localbedarf decken. Demnach kann auch der _Import_, Baumwollzeuge,

Eisen- und Messingdraht, bei der Bedürfnißlosigkeit der wenig

energischen Bevölkerung von keiner besondern Bedeutung sein.

Allein die Fruchtbarkeit des Bodens ist in einzelnen Gegenden so

gewaltig und so wenig ausgebeutet, daß eine erhöhte Culturthätigkeit

Aussicht auf lohnenden Ertrag verspricht. Die geringen Resultate der

bisherigen Versuche in Mbusine, Kiora und zum Theil auch in Sima dürfen

nicht abschrecken; es waren nicht die besten, sondern nur die zunächst

liegenden Plätze ausgewählt worden.

Soweit die bisher erworbene Kenntniß des Landes es erlaubt, kann

behauptet werden, daß zum _Plantagenbau_ in erster Linie sich eignen:

Mondo im Thal des Luseru für Kaffee, Cacao, Zuckerrohr, Taback; Farhani

in der Makata-Ebene für Zuckerrohr und Taback; das mittlere Sima-Thal,

ebenfalls für Taback.

In zweiter Linie: das obere Thal des Luseru bei Sagasa, Kibanti und am

Luvumo.

Endlich, besonders als Jagd- und Viehzuchtstationen: Kitangi und

Mbambwa.

Für alle, auch für die erstgenannten Ansiedelungen gilt als sehr

bedeutendes Erschwerniß der Mangel guter Verkehrswege und die allzu

große Entfernung von der See.

Die _Arbeiterfrage_ wird wahrscheinlich keine ungünstig entscheidende

Rolle spielen, denn die Bevölkerung ist in jenen Bezirken eine

zahlreiche und an Ackerbau gewöhnte.

Das Kingani-Gebiet mit Usaramo, Ukami und Kutu.

Allgemeine Gestaltung.

Zwischen den Mündungen des Kingani und des Rufidschi liegt die Küste

als ein 5-20 km breiter, niedriger, knapp über die Meereshöhe sich

erhebender Streifen Landes da. Von diesem steigt ein Plateau empor, das

zwischen den beiden genannten Flüssen sich bis nach Sungomero in Kutu

ausdehnt. Es ist eine von Süd nach Nordwest geneigte Fläche; es fällt

von der höchsten Erhebung am Konoge-Hügel (210 m) der Küste entlang

bis gegen Bweni (90 m) und längs des Rufidschi bis Sungomero (153 m)

langsam ab; rascher und tiefer senkt es sich gegen das Thal des Kingani

(Dundunguru 58 m und Kiranga Nanga 22 m). Der östliche Plateaurand

tritt als ein Hügelgelände zwischen Kondutschi und Dar-es-Salaam dicht

an die See heran, buchtet sich weiter südlich aus und gibt Raum für

die Verbreiterung der Thalebene des Mbesi; von den Marui- bis zu den

Konoge-Hügeln verläuft er nahezu parallel mit der Seeküste.

Im Vergleich mit der ersten Terrasse Useguhas liegt die Hochfläche

Usaramos um durchschnittlich 150 m niedriger und reicht ununterbrochen

um etwa 100 km weiter landeinwärts. Deshalb machen sich auch die

Seewinde und das Seeklima bis tief nach Kutu hinein bemerklich. Der

östliche Thalgrund des Kingani von Bomani bis Usungula wird von dem

westlichen durchschnittlich um 70 m überragt, sodaß dieser wie eine

Hügelkette erscheint.

Im Westen von Usaramo steigt, vom Gerengere und Mgeta wie von zwei

Armen umfaßt, eine vielfach gegliederte Gebirgsmasse empor. Den

Centralstock bildet das _Uruguru-Gebirge_ in Ukami mit einer Erhebung

von 1800-2000 m. Es dehnt sich nach Nordosten bis zum _Kungwe_ oder

Kira-Berg (1768 m) aus, der als Höhenzug südöstlich sich fortsetzt

und mit dem _Kidunda_-Berg am Mgeta endet. Nach Süden dacht sich das

Uruguru-Gebirge zu den _Dutumi_- oder _Mkambaka_-Bergen (900-1200 m)

und nach Westen zu den _Kigambwe_-Bergen ab. An diese schließen

sich nördlich die 570 m hohen Kihindo- (oder Mindu-) und die

Mguruwandege-Berge an, welche Ukami und Kutu von der Makata-Ebene in

Usagara scheiden; im Süden stößt das Rufutu-Gebirge (ungefähr 800 m) an.

Die schroffen Abhänge der Dutumi-Berge umschließen im Norden die

Thalebene von Sungomero und Kiriru; dagegen bildet eine östliche

Abzweigung der Rufutu-Berge von Mbwigwa gegen Behobeho die

Wasserscheide zwischen dem Mgeta und dem Msendasi-Ruaha.

Das ganze Gebirge in Ukami und Kutu besteht aus Granit, der als nackter

Felsen auf den Kämmen und höchsten Gipfeln zu Tage tritt oder in

mächtigen, zerstreut liegenden Blöcken gefunden wird. Manchmal ist er

von Thon- und Sandsteinschichten überlagert. Die Bergcontouren sind

kuppelförmig oder wildgezackt. Eine eigenthümlich symmetrische Form

besitzt der Kilima Hatambula bei Behobeho; von einer flachen Terrasse

erhebt er sich viereckig, gleich einem Denkmal, nahezu senkrecht. Die

Masse besteht aus Sandstein; dazwischen liegen eingesprengte Lavalager,

welche die totale Verwitterung gehemmt und die Gleichförmigkeit bewirkt

haben.

Flußsystem.

Das Plateau von Usaramo wird an seiner Westgrenze von dem Kingani und

an seinem Südrande von dem Rufidschi bespült, aber in keiner Richtung

von irgend nennenswerthen Rinnsalen durchfurcht. So erhält der Kingani

von der gegen sein Bett stark geneigten 60-100 km breiten Hochfläche

keinen einzigen nennenswerthen Zufluß; alles Wasser, das ihm zuströmt,

kommt von der linken Seite, von den Bergen von Ukami und Kutu. Nur dem

steilen Ostrand der Hochfläche entquellen eine größere Zahl von Bächen,

die sich nach kurzem Lauf in das Meer ergießen, so der _Msinga_ in die

Bucht von Dar-es-Salaam, der _Mbesi_ in die Schungu-Bai und der _Mgasi_

in die Bai von Kisiju.

Der _Kingani_ entsteht aus dem Zusammenfluß des Gerengere und Mgeta bei

Usungula. Beide entspringen im Ukami-Gebirge.

Das Quellgebiet des _Gerengere_ liegt in dem Zusammenstoß des

Uruguru-Gebirges mit den Kigambwe-Bergen. Nach kurzem nördlichen Lauf

schlägt er in mehrfachen Windungen eine östliche und von Konge eine

nahezu südliche Richtung ein. Im Oberlauf nimmt er von rechts den

_Mrogoro_ mit dem _Tongeni_, dann bei Vingongo den _Makobola_ und

endlich nördlich von Quaba den _Longwe_ auf. Von der Useguha-Terrasse

strömt ihm bei Konge der _Tange_ zu. Er ist ein klares Wasser mit

starkem Gefäll, in theils sandigem, theils felsigem Bett. In der

Regenzeit wird er von den Sturzbächen des Gebirges überfüllt und

tritt verwüstend über seine Ufer. Die Ueberschwemmungen steigern sich

in manchen Jahren bis zur Zerstörung weiter, angebauter Strecken,

besonders bei Simbamweni und Musondi. Seine Breite beträgt in der

Regenzeit bei Simbamweni 2 m, seine Tiefe 1½ m und die Uferhöhe 4 m;

bei Musondi ist er 27 m (nach Stanley 18 m) breit, knietief und seine

Ufer haben die Höhe von 7-8 m, wie Cameron angibt. Die Breite des

Flußbettes selbst erweitert sich aber hier bis zu 225 m.

Der Mgeta entspringt auf der Südseite des Kigambwe-Gebirges,

durchströmt die Ebene von Sungomero und behält noch bis Kidunda den

Charakter eines in sandigem und steinigem Bett fließenden gelblichen

Bergwassers bei; kurz nach der Regenzeit hat er hier eine Breite

von 45 m und eine Tiefe von 3½ m. Er nimmt von den Dutumi-Bergen

den _Mgasi_ und _Dutumi_ auf und vom Uruguru-Gebirge den noch nicht

erforschten _Mswasi_. Dicht unterhalb des Mabruki-Passes befindet sich

die Wasserscheide des Mgeta vom Ruaha; nach Süden fließt der _Msendasi_

ab, nach Osten der _Msegwe_ und _Vilansi_. Bei Kidunda erhält er den

einzigen stärkern Zufluß vom Plateau, den in tiefeingeschnittenem

Bett über Blöcke von Quarz, Syenit, Hornblende und rothem Sandstein

dahinfließenden _Manjora_.

Der _Kingani_ (auch Rufu und zwischen Kidunda und Usungula Mpezi

genannt) wälzt sein rothbraunes, süßlich schmeckendes Wasser von

Usungula in vielfach geschlungenem Lauf mit nordöstlicher Richtung dem

Meere zu. Seine Breite schwankt im untern Lauf je nach der Jahreszeit

zwischen 15 und 45 m. Die Thalebene, die bei Kiranga Ranga eine Breite

von 11 km besitzt und bei Dunda auf 4 km sich verengt, erweitert sich

bei der Fähre von Bagamoyo und Bikiro bis zu 13 km. Seine Ufer sind

schlammig. Er wird eingeschlossen von den Plateaurändern von Ukwere

auf der linken Seite (105 m) und von Usaramo auf der rechten Seite

(allmählich ansteigend von 22 und 38 m bis zu 58 m bei Dundunguru).

An seiner Mündung schließen sich mit Mangrovewaldungen dicht umsäumte

Lagunen an. Er ist bis Dunda zu jeder Jahreszeit schiffbar, zur

Regenzeit noch 20 km weiter stromaufwärts.

Klima.

Das niedrige, weitausgedehnte Plateau von Usaramo gestattet dem

feuchten Küstenklima den Zutritt bis tief in die Thäler von Kutu,

die Hochfläche von Ukwere hingegen hält die vom Meer aufsteigende

Feuchtigkeit von dem Tiefland von Ukami ab. An der Küste weht von

9 oder 10 Uhr vormittags angefangen tagsüber der Seewind, nach

Sonnenuntergang bringt der Landwind entsetzliche Schwüle. Man bemerkt

noch in Sungomero am Vormittag und am Abend die Seebrise. Der über die

erhitzte Ebene streichende Wind begegnet im Innern den vom Gebirge

herabfließenden kühlern Luftströmungen, weshalb in Kutu mit Ausnahme

einiger Wochen im Januar fortwährende Feuchtigkeit herrscht und häufige

Niederschläge sich einstellen. An der Küste und nahe landeinwärts

tritt zwischen der großen Regenzeit (März bis Mai) und der kleinen

(October und November) eine ausgesprochene andauernde Trockenzeit ein.

Wird einerseits Kutu durch den Wechsel von Seewind und Bergwind fast

unaufhörlich in Dunst gehüllt, dem sehr empfindlichen plötzlichen

Austausch zwischen Schwüle und Kälte ausgesetzt und durch die aus

faulender Vegetation aufsteigenden Giftgase in eine nie versiegende

Brutstätte des Fiebers verwandelt, so genießt Ukami, dank Ukwere und

den eigenen Bergen, nicht nur den befruchtenden Segen intermittirenden

Regens fast in allen Monaten, sondern auch eine gleichmäßigere,

angenehmere Temperatur und besitzt deshalb weit günstigere

Gesundheitsverhältnisse als Kutu und der größere Theil von Usaramo.

Um einen ziffermäßigen Vergleich der _Temperaturen_ anzustellen,

kann man nur die Aufzeichnungen Burton's[12] und die Tabellen von

O. Kersten in Bezug auf Kutu, Usaramo und Sansibar benutzen; und auch

bei Burton genügen allein die Angaben über Sungomero den Anforderungen

annähernd erschöpfender Genauigkeit; denn für Usaramo sind es zu

wenig Beobachtungstage und die hier gebrauchte Ortsangabe „auf dem

Rückmarsch” ist zu allgemein. Thomson[13] hat wol auch eine Reihe von

Thermometerablesungen angegeben, aber sie dürften bei dem Mangel der

Stunde, ja in den meisten Fällen der Tageszeit überhaupt, nur in ganz

beschränkter Weise einige Verwerthung finden.

Mitteltemperaturen für Usaramo und Kutu im Vergleich

mit Sansibar.

Max. - Maximum

Min. - Minimum

Dif. - Differenz

AdB - Anzahl der Beobachtungstage.

Höhe - Meereshöhe in Metern.

==========++===========++======++===++===============++===============

|| || ||AdB|| R.° || R.°

Monat. || Gegend. || Höhe || ++-----+----+----++----+----+-----

|| || || || V. | N. | N. ||Max.|Min.|Dif.

|| || || || 6 U.|4 U.|6 U.|| | |

==========++===========++======++===++=====+====+====++====+====+=====

Januar ||Sansibar || -- || 29||21 |22,8|21,4||23,5|20,4| 3,1

|| || || || | | || | |

(Februar) ||Kondutschi,|| || || | | || | |

|| an der || || || | | || | |

|| Küste || -- || 1||20 |29,7|21 || -- | -- | --

|| || || || | | || | |

Januar ||Plateau || || || | | || | |

|| von || ca. || || | | || | |

||Usaramo || 30-60|| 10||19 |31,6|22,6||34,6|18,6|16

|| || || || | | || | |

Januar ||Sungomero || || || | | || | |

|| in Kutu || 153 ||23 ||17,9 |29,4|21,7||34,6|18,6|16

|| || || || | | || | |

|| || || || | | || | |

|| || || || V. | N. | N. || | |

|| || || ||10 U.|4 U.|6 U.|| | |

|| || || || | | || | |

August ||Sansibar || -- ||28 ||19,4 |20,6| -- ||21,8|16,6| 5,2

|| || || || | | || | |

(Juli) ||Kaole, an || || || | | || | |

|| der Küste || -- || 3 ||21,4 |21,7| -- || -- | -- | --

|| || || || | | || | |

August ||Sungomero || 153 || 7 ||18,9 |20,8| -- ||23,6|18 | 5,6

Temperaturen in der Thalebene und im Gebirge vom Kutu.

==========++===========++======++===++===============++===============

|| || ||AdB|| R.° || R.°

Monat. || Gegend. || Höhe || ++-----+----+----++----+----+-----

|| || || || V. | N. | N. ||Max.|Min.|Dif.

|| || || || 6 U.|4 U.|6 U.|| | |

==========++===========++======++===++=====+====+====++====+====+=====

December ||Mabruki-Paß|| 600 || || | | || | |

(Ende) ||u. Kirengwe||u. 204|| 4 || 18,7|27,5|22,4|| -- | -- | --

|| || || || | | || | |

Jan.(Anf.)||Sungomero || 153 || 4 || 18 |32,7|22,1|| -- | -- | --

|| || || || | | || | |

Juli(Anf.)||Mabruki-Paß|| 600 || || | | || | |

||u. Kirengwe||u. 204|| 7 || 15,3|18,5|22 || -- | -- | --

|| || || || | | || | |

Aug.(Anf.)||Sungomero || 153 || 7 || -- |20,8| -- || -- | -- | --

_Anmerkung._ Die Aufzeichnungen Burton's für das Festland sind nicht

genau um 6 Uhr vormittags und 6 Uhr nachmittags gemacht, sondern

bei „Sonnenaufgang” und „Sonnenuntergang”. Die Temperaturen auf dem

Mabruki-Paß Anfang Juli stammen von J. Thomson, der sie „am Morgen,

Mittag und Abend” notirte.

Betrachtet man die Durchschnittstemperatur im Monat Januar für

Sansibar und Sungomero, so springt der bedeutende Unterschied in die

Augen; in Sansibar steigt und sinkt während des Tages und der Nacht

das Thermometer kaum um 2° R., in Sungomero dagegen kühlt sich die

starke Mittagshitze rasch in zwei bis drei Stunden um 7,1° R. und

während der Nacht noch um 4,2° R. ab. Noch deutlicher zeigen sich die

starken Differenzen, wenn man die Schwankungen der Temperatur nicht im

Monatsmittel, sondern an einzelnen Tagen, wie bei Burton zu finden ist,

beachtet.

_Abkühlung._

Von 4 Uhr nachm. bis Von Sonnenuntergang

Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang

Vom 3. bis 8. Januar: um 11° R. um 2,4° R.

11,2 4

8 5,2

12 4,6

9,1 3,4

Vom 16. bis 21. Januar: um 10,6 um 5,4

8,5 8,2

5 5,4

9,7 6,3

10,7 6.

Der Abkühlung bis zum Abend folgt eine ungleichartige während der

Nacht; niemals ist aber die Abkühlung im Verlauf der ganzen Nacht

gleich intensiv wie jene während der kurzen Zeit von 4 Uhr nachmittags

bis zu Sonnenuntergang.

Mit einigem Vorbehalt müssen die Temperaturangaben über das Plateau

von Usaramo der Betrachtung unterzogen werden. Denn sie erstrecken

sich auf einen verhältnißmäßig ungenügenden Zeitraum und wurden

in stetem Wandern von dem Innern nach der Küste gemacht. Aber die

Temperaturabnahme ist auch hier eine rapide und an einzelnen Tagen eine

sehr intensive.

_Abkühlung._

Von 4 Uhr nachm. bis Von Sonnenuntergang

Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang

Vom 21. bis 31. Januar um 3,9° R. um 3,3° R.

5,7 2,3

4,7 2,4

8 2,6

7 4,4

11,8 1,6

10,6 5

11,6 4,4

8,8 4,6.

Die Hitze um Mittag steigert sich in Usaramo um ein Merkliches im

Verhältniß zur Kutu-Ebene und mildert sich (wenn man drei von den

angeführten Tagen nicht in Rechnung zieht) in geringerm Grade, da ja

die kalten Luftströmungen vom Gebirge auf weitere Entfernungen nicht so

wirksam sein können, als in der nächsten Umgebung. Daß die Differenz

zwischen Maximum und Minimum in Kutu und Usaramo gleich hoch ist,

dürfte vielleicht dem Einfluß jener drei absonderlich gearteten Tage

zugeschrieben werden.

Die Temperaturvergleichung von Sansibar und Sungomero im Monat

August erlaubt (bei allem Vorbehalt wegen der geringen Zahl von

Beobachtungstagen) den einen Schluß, daß Kutu an der allgemeinen

Abnahme der Hitze theilnimmt und daß es nur in Erinnerung an die

höhere Januartemperatur bedeutend kühler erscheint als Sansibar.

Nach allen Reiseberichten ist die Luft, sobald man das Gebirge selbst

betritt, ungemein erfrischend. Wenn auch die Mittagshitze um 2°-5° sich

mindert und in vereinzelten Fällen das Thermometer nachts sogar auf 16°

und 15° herabsinkt, so scheint doch die ausschlaggebende Ursache des

erhöhten Wohlbefindens die Dunstlosigkeit und Reinheit der Atmosphäre

zu sein.

Von Ukami wissen wir nach Stanley nur, daß die Tagestemperatur sich

gewöhnlich zwischen 23° und 24° R. hält und daß die Nächte kühl sind.

Wirft man zum Vergleich einen Rückblick auf die klimatischen

Verhältnisse des Wami-Gebietes, so ergibt sich, wenigstens für Januar

und Februar, ein wesentlicher Unterschied zwischen Useguha und

Usagara einerseits und Usaramo und Kutu andererseits. Jene um 2-400 m

höher gelegenen Binnenländer besitzen eine viel gleichmäßigere warme

Tagestemperatur und infolge dessen eine um die Hälfte verminderte

Abkühlung; dagegen übersteigt das Maximum der Mittagshitze am Kingani,

am Mgeta und auf dem südlich anstoßenden niedrigen Plateau das Maximum

der andern Landschaften um 7° R. Auch die Heftigkeit der Abkühlung von

Nachmittag bis Sonnenuntergang in der Thalebene von Sungomero wird

nur annähernd von jener am Südfuße des Rubeho-Gebirges erreicht: dort

8°-12°, hier 4°-8° R.

Vegetation und Thierwelt.

Nach der allgemeinen Gestaltung und nach den klimatischen

Verhältnissen hat das Gebiet des Kingani drei voneinander getrennte

Eigenthümlichkeiten in Bezug auf die _Pflanzenbedeckung_: der schmale

Küstensaum producirt außer Getreide eine große Anzahl tropischer

Früchte, er zeichnet sich durch Kokospalmen und Kopalwaldungen aus,

in denen das halbfossile Harz in ungeheuerer Menge und von besonderer

Güte ausgegraben wird; das Plateauland ist wegen der ausdörrenden

Hitze und der Lateriteigenschaft des Bodens mit wenigen Ausnahmen

gänzlich unfruchtbar und die Thalsohle des Kingani wegen seiner

morastigen Beschaffenheit höchstens für vereinzelte Reisculturen

verwerthbar; die Gebirgsgegenden von Ukami und Kutu strotzen von der

Fähigkeit, die reichsten Früchte dem Anbau zu gewähren, liefern aber

theils wegen der mächtigen Urwälder, theils wegen geringer Bevölkerung

und herrschender Fieberluft kaum viel mehr als den Bedarf der täglichen

Nahrungsmittel.

Nur in Bezug auf Kutu muß hervorgehoben werden, daß der in Sungomero

gebaute Taback sehr gesucht ist und bis an die Küste verschickt wird

und daß in seinen Waldungen Schätze von Kautschuk verborgen liegen.

Charakteristisch für das ganze Gebiet ist das Nichtvorhandensein von

Rinderheerden; entweder gedeiht kein Futtergras, sondern nur das harte,

hohe schilfartige, mit Giftpflanzen in ungeheuerer Menge untermischte,

oder die Tsetsefliege vernichtet mit ihrem tödlichen Stich jede

aufwachsende Zucht.

Man findet, je nach der Beschaffenheit der Bezirke, Felder von Reis,

Zuckerrohr, Taback (besonders in Kutu), den Stechapfel (~Datura

stramonium~), Reis, Hirse, Sesam, Erdnüsse, Bohnen, süße Kartoffeln,

selbst Ananas und Orangen (doch nur an der Küste); wild wächst der

Bang (Hanf), die Baumwoll- und die Ricinusstaude. An Bäumen wird

sorgsam gepflegt die Kokospalme, der Mango- und der Melonenbaum. Mit

der Einführung der Oelpalme wurde bei Dar-es-Salaam ein halbgelungener

Versuch gemacht. Die Wälder bestehen in der Küstenniederung besonders

aus Mangrove- und Kopalbäumen, im Gebirge aus Fächerpalmen, Wollbäumen,

Mimosen, Tamarinden und gummireichem Schlinggewächs.

Erprobte Culturfähigkeit des Bodens zeigt sich an der Küste, an ein

paar Stellen des Plateaurandes längs des Kingani und in den Thälern des

Gebirges.

Wild ist selbst in den weiten Savannen Usaramos wenig vorhanden. Wer

vom Jagdglück begünstigt ist, kann bei Kidunda am Kingani und am

obern Gerengere hie und da Heerden von Antilopen, Zebra und Büffeln

antreffen. Auch dem Leoparden kann man begegnen, höchst selten dem

Löwen. Desto massenhafter erscheint im Kingani das Flußpferd und das

Krokodil, und im Ufergestrüpp eine Menge von Schlangen, doch von

ungefährlicher Natur.

Außer den gefürchteten riesigen Ameisenzügen ist die Hauptplage des

Landes die Tsetsefliege; sie herrscht verderbenbringend namentlich in

Ukami (aber nicht in Mrogoro); sie verschont nur die Menschen, Ziegen

und säugenden Kälber.

Als Hausthier trifft man überall Ziegen und Hühner; Schafe jedoch in

geringerer Anzahl.

Die einzelnen Landschaften und ihre Bevölkerung.

_Usaramo._

Usaramo grenzt im Osten an das Meer, im Süden an die Thalebene des

Rufidschi, im Nordwesten an den Kingani. Die Westgrenze gegen Kutu läßt

sich im allgemeinen durch eine Linie bezeichnen, welche von Kidunda aus

in südsüdöstlicher Richtung gegen den Rufidschi gezogen wird.

Die _Küste_, auch hier Mrima genannt, besteht aus dem weißesten und

feinsten Sand, den Trümmern von Korallenbänken, zusammengehalten

durch eine Art von kriechenden Winden mit fleischigen Blättern und

lilafarbigen Blüten. Zahlreiche Buchten schneiden in das Festland ein;

hinter den mit wilder Vegetation üppig bewachsenen Sandbänken ziehen

sich Lagunen hin, deren Ufer mit dichtem Mangrovegebüsch umsäumt sind.

Wo der Boden aus dem Flutgebiet der See emporsteigt, ragt ein Wall von

Kokos- und Delebpalmen, Melonen- und Wollbäumen auf.

_Bagamoyo_ liegt 8 km südlich der Kingani-Mündung. Es besitzt keinen

Hafen, sondern nur eine Rhede, 3-4 km seewärts. Bei ruhigem Wetter

erfolgt die Landung mit Schiffsbooten ohne Schwierigkeit, bei Seewind

ist sie unmöglich, und bei Ebbe müssen die letzten 100 m durchwatet

werden. Bei Sturm bieten die nördlichen und südlichen Sandbänke einigen

Schutz.

Bagamoyo ist der wichtigste Handelsplatz an der

deutsch-ostafrikanischen Küste; hier münden die begangensten

Karavanenstraßen aus dem Innern; vor dem Aufstand 1888 kamen in der

günstigen Jahreszeit oft 8-10000 Träger wöchentlich an. Für sie ist

die Stadt das ersehnte Eldorado, in dem es Nahrungsmittel, Pombe

und Weiber in Hülle und Fülle gibt und wo wochen-, ja monatelang

Rast gehalten wird. Häuser von Korallengestein und Fachwerk, die

Wohnsitze der Araber und der indischen Krämer, bilden einige enge,

übelriechende, unregelmäßige Straßen, die dem Strande parallel

laufen; diese umschließt im Südwesten das Negerviertel mit seinen

Hunderten von Strohhütten. Zu den größten Gebäuden zählen: eine

Moschee, ein Hindutempel, das Stations- oder Usagarahaus der

Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (früher für den Wali bestimmt),

150 m vom Strande entfernt, und das Ratu-Haus (Lagerhaus für die

Karavanen). Während der Belagerung Bagamoyos durch Buschiri wurden

sämmtliche Negerhütten und ein großer Theil der Gebäude aus Fachwerk

zerstört oder verbrannt. Der ganze Ort liegt wie in einem Hain von

Kokospalmen und Mangobäumen. Die ständige Einwohnerzahl wurde auf 15000

geschätzt.

In der nächsten Umgebung befinden sich die Schambas der reichen

Araber mit den Pflanzungen von Kokospalmen, Bananen, Mangobäumen,

Baumwollstauden, Zuckerrohr, Getreide, Hülsenfrüchten und Ananas.

Nordwestlich, nicht ganz 1 km entfernt, liegt die wegen ihrer

wirkungsvollen Thätigkeit und außerordentlichen Gastlichkeit berühmte

französische Missionsstation „~de la congrégation du Saint-Esprit

et du Saint-Cœur de Marie~”. Sie besitzt außer einer hübschen

steinernen Kirche ein schloßähnliches Gebäude, massivgebaute Wohnhäuser

für die Ordensschwestern und für die Zöglinge, eine Schreiner-

und Schlosserwerkstätte sowie Viehstallungen. Was der Boden von

Bagamoyo, wenn emsig gepflegt, an Naturproducten in reichster Fülle

hervorzubringen vermag, das beweisen die Gärten, Felder und Haine der

Mission. Auch wird behauptet, daß durch die Anpflanzung Tausender von

Kokospalmen die Missionare die Gesundheitsverhältnisse ihrer Station

bedeutend verbessert hätten.

Zwei bis zwei und eine halbe Stunde von der Stadt landeinwärts

betritt der Fuß des Reisenden unberührte Wildniß; in der Richtung der

Kingani-Fähre: zuerst sumpfige Stellen, lichtes Gehölz in der Savanne;

dann in der Thalebene dichtes Dschungel und Wald, zuletzt tiefen

Morast. Oder das rechte Ufer aufwärts: Savanne mit Busch und zwischen

flachen Bodenanschwellungen sumpfige Mulden.

Der Küste entlang südlich von Bagamoyo bis Dar-es-Salaam setzt sich die

Fülle tropischer Vegetation fort.

In dem nahen _Kaule_ (Kaole) nahmen bis zu Anfang der sechziger

Jahre die Karavanen ihren Ausgang; das Landen bei Ebbe ist hier noch

schwieriger als bei Bagamoyo, man muß 800 m entfernt aus den Booten

steigen, um durch Waten trockenen Grund zu gewinnen.

_Kondutschi_, ein reizend gelegener Ort, in dem auch Viehzucht

getrieben wird, ist Ausfuhrplatz für Getreide und Kopal und ein

berüchtigter Schlupfwinkel der Sklavenhändler.

_Dar-es-Salaam._ Die Rhede bietet bei Südwestmonsun gute und geschützte

Ankerplätze, nicht aber bei Nordostmonsun; in letzterm Falle ankern die

Schiffe in der nahen, nördlich und günstig gelegenen Bai von Msasani.

Dar-es-Salaam besitzt einen geräumigen und vollkommen sichern Hafen;

die Einfahrt durch die gewundene und enge Gasse von Korallenriffen ist

schwierig, namentlich für Segelschiffe. Dampfer mit 6 m Tiefgang können

nur bei Hochwasser durchkommen, diejenigen von geringerm Tiefgang bei

jedem Wasserstand. Die Stadt liegt an der Mündung des Msinga; er bleibt

bis über 6 km landeinwärts schiffbar für Boote von 3-3½ m Tiefgang.

Said Madschid, ein Vorgänger von Said Bargasch, Sultan von Sansibar,

hatte beabsichtigt, durch Hafenanlagen und durch den Bau von geraden

und breiten Straßen die Stadt mit ihrer entzückenden, fruchtbaren,

schönbewaldeten Umgebung zu einem behaglichen Wohnsitz und zu einem

Haupthandelsplatz zu erheben. Sein Werk wurde nicht fortgesetzt. Was

an steinernen Häusern nicht vollendet wurde, verfiel in Trümmer. Doch

machen noch jetzt die Reihen massiver Gebäude längs des Hafens, die

breiten, steinernen Treppen, die zum sandigen Quai hinabführen, und

die sorglich eingefaßten Quellen mit frischem Trinkwasser den Eindruck

civilisatorischer Thätigkeit. Gegenwärtig ist die deutsche evangelische

Mission am Werk, ein stattliches Gebäude aufzuführen.

Da Dar-es-Salaam als Hinterland das unfruchtbare Usaramo und die noch

nicht exportfähigen Gebirgsländer Kutu und Ukami besitzt und von der

bedeutendsten Karavanenstraße nach dem Innern, nämlich der durch Ukwere

und Useguha führenden, zu entfernt liegt, so wird für die nächste

Zukunft seine Anziehungskraft nur eine local beschränkte, hauptsächlich

für den Kopalhandel an der Mrima wirksame sein.

Die Ebene steigt von der Stadt mäßig in zwei, von Korallenfelsen

gebildeten und mit rothem Sandstein und Thon überdeckten Stufen an. Die

Höhe der ersten beträgt 6 m, die der zweiten 15-18 m.

Südlich von Dar-es-Salaam bis zum _Mkunde_ erstreckt sich eine 50 km

lange wellige, stellenweise morastige Savanne mit Waldgebüsch, die am

Strand von _Mboamadschi_ bis _Kimbidschi_ in Mangrovesümpfe übergeht

und in dem ausgedehnten Schlammgebiet von Iegea endet. Am _Mbesi_

tritt eine Unterbrechung ein durch gut cultivirten Alluvialboden;

der Fluß kommt aus der sehr fruchtbaren, besonders mit Reis bebauten

Ebene von _Liwali_. Zwischen dem Mkunde und Mgasi liefert „der Garten

von Kwale”, durch regelmäßige leichte Regenschauer befruchtet, die

ausgiebigsten Ernten von Mais, Hirse, Reis, von Kokosnüssen und

Mangofrüchten. Die übrigen Küsten- und Handelsplätze liegen in

sumpfigen Mangrovegebüschen, in Brutstätten des Fiebers. Die Bewohner

der Mrima gewinnen aus den großen Waldungen von Kopalbäumen, die den

Ostrand des Plateaus von _Mangatani_ bis zu den jenseit des Rufidschi

gelegenen _Matumbi_-Bergen umsäumen, sehr bedeutende Quantitäten

von halbfossilem Kopal, dem wesentlichsten Handelsartikel an den

Küstenplätzen _Kisiju_, _Kitmangao_ und _Kivinja_. Die Bevölkerung

zieht dorfweise und wohlbewaffnet in die Wälder und gräbt aus Löchern

von 1½ m Tiefe das werthvolle Product aus. Das Harz der Kopalbäume wird

nur zur Gewichtsvermehrung des reinen Fossils benutzt. Der Export von

Kopal aus Kwale und Delgado betrug 1867/68 an 40000 Dollar Werth. Der

feinste wird im District _Kirgesi_ (nördlich vom Mkunde) gefunden.

Von _Kisiju_ bis _Sandasi_, welch letzteres von einem Hain riesiger

Kopalbäume überschattet wird, nimmt die Gegend den steppenartigen

Charakter des nördlichen Landstrichs an.

Das _Plateau von Usaramo_ ist ein einförmig gewelltes Land; der

quarzhaltige, rothbraune Sandboden, mit dünner schwarzer Humusschicht

überzogen, ist im Wechsel bedeckt mit 2-3 m hohem, hartem Gras,

mit lichtem Gehölz und stacheligen Dschungeln; aus morastigen

Einsenkungen strömt die verfaulende Vegetation verpestende Dünste aus.

Während der Regenzeit fast vollständig überschwemmt, versengt die

glühende Sonne in der Trockenheit alles blühende Leben. Das ist der

Typus der Landschaft sowol an der Karavanenstraße von Bagamoyo bis

_Makutaniro_ am Kingani als auch auf dem Wege durch die Mitte von

Dar-es-Salaam bis westlich von _Msangapwani_. Das „Thal des Todes und

des Hungers” wird der hohe Uferrand des Kingani von _Muhonjera_ bis

gegen Usungula und „Malaria-Ebene” die ihn begleitende Flußniederung

genannt. Das zum Trinken gebotene Wasser ist entweder schmutzig und

gesundheitsschädlich, oder es fehlt ganz, wie westlich von _Mkamba_ in

dem höhern Theil des Plateaus.

Wo sich aber der Mensch an die Ausrodung der Wälder gemacht oder

wo engbeschränkte günstige Bodenverhältnisse es gestatten, da hat

die Productionskraft der geringen Humusschicht genügt, um mit guten

Ernten von Getreide, Taback und besonders von Reis den angewendeten

Fleiß zu belohnen. So am Kingani. Man könnte in _Dunda_ (der

ehemaligen deutschen Station), wenn es auch wegen der umliegenden

fiebererzeugenden Sümpfe und der schweren, ungünstig zusammengesetzten

Erde nicht sehr empfehlenswerth ist, doch mit einigem Erfolg Reis im

Thale und vielleicht Baumwolle und Taback auf der Höhe bauen; ebenso in

_Madimola_ (deutsche Station), obwol dessen Boden bei der Analyse ein

noch weniger befriedigendes Resultat als jener von Dunda ergeben hat.

_Kiranga-Ranga_ ernährt eine große Anzahl von Eingeborenen durch den

reichlichen Ertrag seiner Felder.

_Usungula_ (deutsche Station) besitzt nach K. W. Schmidt Boden

von erster Qualität (49,1% Sand, 50% thonhaltigen Staub, reich an

Phosphorsäure, geringer an Humus); aber es bedarf einer ergiebigen

künstlichen Bewässerung.

Bis Usungula reicht die Existenzfähigkeit der Dumpalme; weiter nach dem

Innern wird die Mimose der charakteristische Baum. Von _Degela-Mora_

behauptet Speke, es wäre der reichste Bezirk in Usaramo und an

Ergiebigkeit der Ernten mit Indien zu vergleichen.

Westlich von Dar-es-Salaam, 20 km entfernt, befindet sich das hübsch

auf einer sanften Erhebung gelegene _Pugu_, wo eine Station der

Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft und ihr gegenüber auf steil

abfallender Höhe eine Niederlassung der bairischen katholischen

Benedictiner-Mission errichtet worden waren. Man hat den Versuch

gemacht, in dieser freundlichen Gegend Taback zu pflanzen.

Auch inmitten der öden monotonen Hochfläche (südwestlich von

Liwali) wird der Reisende von einer üppigen Landschaft überrascht:

es ist _Mkamba_ mit gutbewaldeten Höhen, mit Mango-, Melonen- und

Orangenbäumen, mit Korn, Gemüse- und Reisfeldern.

Kopal wird, wenn auch nicht in der Masse wie an der Mrima, doch

immerhin die Arbeit lohnend bei Tumba, Makutaniro und westlich von

Mkamba ausgegraben.

_Bevölkerung._

Die Bewohner der Mrima vom Kingani bis zum Rufidschi sind aus denselben

Elementen zusammengesetzt, wie diejenigen an der Küste von Useguha

(siehe S. 140): aus den _Wamrima_ und _Suaheli_. Die Dorfhäuptlinge

der Wamrima heißen „Jumbe”; sie sind es, welche die aus dem Innern

kommenden Karavanen mittels Tributforderungen und Ueberfahrtszöllen, so

namentlich an der großen Fähre über den Kingani bei Bagamoyo, auf das

Unverschämteste ausgebeutet haben und eine Veränderung der politischen

Verhältnisse als ihren persönlichen Nachtheil betrachteten. Die Wamrima

im Bezirk Kwale (südlich von Dar-es-Salaam) vom Mbesi bis Mangatani

standen, als sie Elton 1874 besuchte, unter einem einheitlichen

Herrscher, Kimwere; die Jumbe hatten als Rathgeber einen „Jemader”

zur Seite. Bedurfte der Jumbe erhöhtes Einkommen oder verlockten ihn

die von den Indern in Aussicht gestellten Verkaufspreise, so befahl

er seinen Unterthanen in die Wälder zu ziehen und Kopal zu graben.

Niemals duldete er, daß die Inder selbst oder die Dorfbewohner aus

eigenem Antrieb die Kopalreichthümer sich verschafften. Er besaß das

ausschließliche Monopol der Kopalgräberei und strich für seine Person

einen beträchtlichen Antheil am Gewinn ein. Beim Export mußte noch ein

20% betragender Zoll an den Sultan entrichtet werden. So blieb den

Arbeitern, d. h. den gewöhnlichen Dorfbewohnern, selbst nur ein mäßiger

Lohn.

In Bagamoyo und Dar-es-Salaam sind als gebietender Theil die _Araber_

von Sansibar ansässig; zu ihnen gesellen sich als Händler, Unterhändler

und Zollbedienstete die _Inder_; an den Küstenplätzen südlich von

Dar-es-Salaam liegt in den Händen der letztern fast ausschließlich der

ganze Handel mit dem Binnenland und Sansibar.

Die _Wasaramo_ am Kingani waren zu Burton's Zeiten der Schrecken

der Karavanen; wurden ihre Forderungen nicht vollauf befriedigt,

so erklärten sie sofort den Krieg; zuweilen überfielen sie auch

die Reisenden plötzlich und hinterlistig. Das dürfte sich nach den

Berichten aus neuerer Zeit wesentlich verändert haben; der friedfertige

Charakter der Eingeborenen in der Mitte des Plateaus, in Mkamba

und Kikonga, wie Thomson ihn schildert, scheint auch bei dieser

Bevölkerung, mindestens bei jener am untern Kingani, die Oberhand

gewonnen zu haben. Uebrigens ist ihnen stolzes Selbstvertrauen auf

eigene körperliche Kraft und geistige Findigkeit in höherm Grade

verblieben als den benachbarten Wakutu.

Die Wasaramo sind gut gebaut, dunkelbraun bis tiefschwarz, von

ausgeprägtem Negertypus. Sie tragen Baumwollzeuge um die Lenden, die

Reichern weiße Hemden und Fes, die Frauen ein Busentuch, Perlhalsbänder

und um die Handgelenke Messingspangen. Man sieht bei ihnen häufig

einen eigenthümlichen Halsschmuck (Mgoweko), eine Art von Cravatte

von rothen, gelben, weißen und schwarzen Perlen, mit Holzstücken

dazwischen. Das Haar wird mit rother Erde steif pomadisirt. Sie kennen

weder Beschneidung noch Tätowirung. Ihre Hauptbewaffnung bestand

früher aus Speeren und vergifteten Pfeilen; jetzt trifft man auch

bei ihnen Feuergewehre, wenn auch in geringer Menge an. Daß sie von

jeher einen höhern Grad von Cultur erreichten, beweisen die Wohnungen

der Häuptlinge und Wohlhabenden: sie sind aus Lehm, viereckig,

mit zweiseitigem Strohdach und einer Veranda, im Innern in Zimmer

abgetheilt.

Die Wasaramo betreiben Ackerbau und Kopalgräberei; ja sie verdingen

sich nicht nur als Träger, sondern auch zur Arbeit an die Küste. Eine

Anzahl von mehrern, aus 5-6 Hütten bestehenden Ansiedelungen steht

unter einem Häuptling, dem „Fasi”, dem ein erster Rathgeber, Mwene

Goha, beigegeben ist. Eine weiter ausgebildete politische Organisation

existirt nicht.

1857 haben sich flüchtende _Wadoë_ bei Makutaniro und Degela-Mora

am obern Kingani niedergelassen; ob sie sich erhalten oder ganz

verschmolzen, ist nirgend erwähnt. Ebenso wenig wissen wir von den

_Makamba_ und _Wafangara_, die Burton als Unterabtheilungen der

Wasaramo bezeichnet, die aber in keinem andern Reisebericht wieder

auftauchen.

_Ukami._

Die Heimat der _Wakami_ grenzt im Norden und Nordwesten längs des

Gerengere an Useguha und Ukwere, im Südosten, dem Mgeta entlang, an

Usaramo; der unbewohnte höchstgelegene Theil des Uruguru-Gebirges

trennt im Süden von Kutu ab, wie im Westen die Kigambwe-, Kihindo- und

Mguruwandege-Gebirge von Usagara.

Schönheit der Gegend, Reichthum der Vegetation und Cultivation des

Bodens culminiren in den zwei Parallelthälern des obern Gerengere

bei _Simbamweni_ und _Mohale_. Von Süden und Westen überragen die

malerischen Häupter des Uruguru- und Kigambwe-Gebirges die sanft nach

Norden verlaufenden Höhenzüge; die schönbewaldeten Abhänge sind bis

in die Höhe von 1000 m mit kleinen Dorfschaften übersäet und senden

frisch und klar rieselnde Bäche in die Tiefe hinab; die Thalsohle

schmücken blumenreiche, Honig liefernde Wiesen, ein seltener Anblick

in Ostafrika, und auf den Feldern gedeihen außer Korn, Mais und Bohnen

das Zuckerrohr und die Banane. Das Klima gilt im allgemeinen als

gesund. Zwei Feinde bedrohen dies Eden: Ueberschwemmungen, die nicht

regelmäßig, aber doch häufig mit verheerender Gewalt eintreten, und die

Tsetsefliege, welche das Aufblühen einer ersprießlichen Rindviehzucht

verhindert. Doch der Ruf des Wohlstandes dieser Gegend war von jeher

ein so mächtiger Reiz gewesen, daß ungefähr vor vierzig oder funfzig

Jahren ein Stamm der Waseguha von Magubika (westlich von Saadani)

unter Führung des Häuptlings Kisabengo aufbrach und nach hartem Kampfe

und mit Unterstützung des Sultans Said Soliman von Sansibar sich zum

Herrn des Landes machte. Kisabengo legte seine Residenz am Ufer des

Mrogoro an, umgab die Wohnhäuser seiner Familie, seiner Rathgeber und

vornehmsten Unterthanen mit einer 4 m hohen steinernen Mauer, die mit

Thürmen an den Ecken und mit Thoren an den Seiten, durch kunstvoll

geschnitzte Thüren verschlossen, sichern Schutz gewährte. Um diese

burgartige Wohnstätte des Fürsten siedelten sich an tausend Hütten

der Eingeborenen an; eine niedrige Lehmmauer begrenzte und schützte

auch sie. Als Kisabengo starb (wahrscheinlich 1867), hinterließ er

drei Kinder. Das älteste von ihnen, seine Tochter _Simbamweni_ (d. i.

die Löwen-Fürstin), übernahm die Herrschaft und nach ihr ist der

Hauptort von Ukami benannt. Ihr ältester Bruder, Kingo Mkuba, ließ

sich in Usagara nieder; der jüngere, Kingo Mdogo, verblieb am Mrogoro.

Simbamweni, verheirathet mit Mwane Gomera, trennte sich von ihrem Mann

und verlegte ihren Wohnsitz nach dem benachbarten, am Tongeni gelegenen

_Mohale_ (zuweilen Kunguhera oder Kingruira genannt), sodaß gegenwärtig

der Ort Simbamweni oder _Mrogoro_ die Residenz von Kingo Mdogo geworden

ist. Nahe auf einem Hügel wurde die französische Missionsstation

Mrogoro gegründet.

Von Mrogoro geht die Karavanenstraße durch lichtes Gehölz über den

Gerengere und über die hügelige Einsattelung der Kihindo-Berge nach der

Makata-Ebene in Usagara.

Um in östlicher Richtung von Mohale nach _Musondi_ am mittlern

Gerengere zu gelangen, hat man vor _Kiroka_ einen dichtbewaldeten,

steilzerklüfteten Engpaß zu überschreiten, dessen Untergrund aus Quarz

und glattem Sandstein besteht. Bei _Kongasa_ befindet man sich mitten

in der Gebirgswelt des hohen Uruguru; auf dem schwarzschlammigen

Thalboden wird Reis in großer Menge, an den Abhängen Hirse und Korn

gebaut. Von dem mächtigen _Kungwe_- (oder Kira-)Berge senkt sich

das Gelände allmählich zum Gerengere hinab als stark gewelltes,

schwierig gangbares Hügelland, das zuerst als dürrer Granitboden

von Akaziengehölz bekleidet wird und von 12-15 m tiefen Schluchten

durchzogen ist, später von einem 12 km breiten Wald von Wollbäumen,

Tamarinden und Mimosen überdeckt ist und zuletzt in einer sumpfigen

Strecke endet.

Das Gebirge tritt längs des Gerengere bis zur Mündung des Longwe hart

an dessen Ufer heran; zwischen diesem und dem Mgeta liegt eine gegen

20 km breite unbewohnte Savannen-Ebene.

_Bevölkerung._

Um die Wakami als einen ursprünglichen Stamm aufzufassen oder sie den

Waseguha oder Wasagara als Unterabtheilung einzuverleiben, geben die

bisherigen ethnographischen Berichte keine genügenden Anhaltspunkte.

Man kann nur annehmen, daß sie, verborgen in einem ziemlich hohen

Gebirgsland, vom Völkerverkehr getrennt im Norden durch steinige

Steppenwildniß, im Süden durch ungangbare Bergeshöhen, sich jedenfalls

einen concentrirten Stammescharakter allmählich hätten erwerben müssen,

wenn sie nicht durch den massenhaften Andrang von Karavanen und durch

fortwährende Sklavenjagden in ihrer eigenartigen Entwickelung gestört

worden wären. Was man von ihnen weiß, beschränkt sich darauf, daß

sie scheu, gutartig und sehr fleißige Ackerbauer sind, daß ihre meist

aus 15-20 Hütten bestehenden Dörfer im Waldgestrüpp versteckt und

außerdem durch befestigte Thore geschützt liegen; daß ihre ärmlichen,

von Ungeziefer wimmelnden runden Hütten aus Flechtwerk und Erde gemacht

sind und sich einer Veranda als einziger Annehmlichkeit erfreuen. Einen

Vortheil würden sie, wenigstens den umwohnenden Stämmen gegenüber,

dadurch besitzen, daß sie ein einheitliches Stammesoberhaupt in der

Person der Fürstin Simbamweni haben. Allein diese Landesmutter scheint

sich weniger um die Wohlfahrt ihrer Unterthanen zu bekümmern, als um

die Vermehrung ihres eigenen Reichthums, ihres arabischen Prunkes

und um die Erhaltung der ihr so nothwendigen Gunst des Sultans von

Sansibar. Sie hat ihre Macht jenseit der Kihindo-Berge und über die

Makata-Ebene hinaus bis nach Rudewa und Farhani in Usagara ausgedehnt.

_Kutu._

Die Grenzen von Kutu ergeben sich im Norden und Westen durch das

Uruguru- und Rufutu-Gebirge, im Süden größtentheils durch die

Wasserscheide des Mgeta und Ruaha-Rufidschi; im Osten aber kann sie nur

willkürlich durch eine Linie angenommen werden, die von Kidunda südlich

nach dem Plateaurücken gezogen wird. Mgunda sowol, wie Behobeho, müssen

trotz ihrer Lage am Südabhang der Wasserscheide wegen der ansässigen

Wakutu zur Landschaft Kutu gerechnet werden.

Der bewohnte und bisjetzt allein bekannte Theil von Kutu erscheint

als ein nach Osten geöffneter Bergkessel. In ihn führen hinein die

Karavanenstraßen vom Kingani-Mgeta über Dutumi, vom Rufidschi über

Behobeho, vom Makata-Hochthal über die Pässe Mabruki und Goma und vom

Ruaha durch das Thal des Msendasi über Mgunda.

_Dutumi_ ist einer der fruchtbarsten Bezirke Kutus. In der Ebene von

schwarzer, mit Sand gemischter Erde, welche die wildgezackten Kämme des

Uruguru- (hier Mkambaka genannten) Gebirges nördlich umkränzen, werden

auf den Feldern der ausgerodeten Waldungen Maniok, Bataten, Gurken,

Sesam, Zuckerrohr und Bananen gebaut und Schafe, Ziegen und Hühner in

großer Menge gezüchtet.

Im weitern Umkreis ist Dutumi von uncultivirbaren Strecken

eingeschlossen. Folgt man dem nach dem Ort benannten Bach bis zur

Mündung in den Mgeta bei _Kiriru_, so trifft man zuerst auf den

Jegea-Sumpf, der in der Höhe der Regenzeit nicht zu durchwaten ist,

sondern südlich umgangen werden muß; dann auf dornige Savannen und

vereinzelte Waldpartien von Wollbäumen und Akazien und zuletzt auf

einen schwarzschlammigen Boden mit Büscheln von hohem und hartem Gras.

Zwischen dem durch Reisbau ausgezeichneten Kiriru und Kidunda wechselt

ein durch Mimosen und Gummibäume geschmücktes parkähnliches, ziemlich

wildreiches Land mit dichtem Dschungelgebüsch ab. Einen ähnlich

niederschlagenden Eindruck macht die Landschaft westlich von Dutumi

bis nach Sungomero. Hier erreicht das ohnehin lästige Savannengras die

enorme Höhe von 4 m, die endlosen Wälder sind netzartig von Lianen

durchzogen und fiebererzeugende Miasmen steigen auf aus den düstern,

engen und schlüpfrigen Pfaden.

Freundlicher erscheint der Zugang ins Innere von Kutu von _Behobeho_

aus. Der Ort selbst liegt mitten in einem ausgerodeten Urwald

von Fächerpalmen, Wollbäumen, Akazien, riesigen Epheuranken und

Farrnbäumen, in dem eine ungeheuere Menge von Pavianen haust; ein

krystallhelles Wasser in sandigem Bett durchschneidet die kornreichen

Gefilde. Westlich von Behobeho und jenseit eines niedrigen Höhenzuges

eröffnet sich ein liebliches Thal mit Hainen oder breitern Lichtungen

in den geschlossenen Waldungen und mündet in den Mgeta.

Die heißen Quellen von _Madschijaweta_ entspringen auf der nördlichen

Abdachung der Mgeta-Ruaha-Wasserscheide, am Fuße eines aus Granit

gebildeten Höhenrückens; sie besitzen eine Temperatur von 52°-58° R.

Das aufquellende, stark strömende Wasser formt durch Sinterabsonderung

hohe Kegel. Reicht der unterirdische Druck nicht mehr hin, um die

höher und höher werdenden Kegel zu überströmen, so bricht die Quelle

an anderer Stelle durch die schuppigen Schichten von Kalktuff

hervor. Thätige Kegel sind weich, außen grau, inwendig weiß. Die

Sinterbildungen haben hellgelbe, rosarothe und rothbraune Färbungen.

Das über Terrassen abfließende Wasser sammelt sich in einem Weiher von

60 m im Umfang, dessen Ränder brüchig sind und dessen aufsteigende

Dämpfe eine unerträgliche Hitze verbreiten. Das Wasser der Quelle

selbst ist klar, wohlschmeckend, wohlriechend und enthält sehr viel

Kohlensäure. Es wirkt heilsam auf den menschlichen Organismus,

namentlich soll es die hochgradigsten Verdauungsstörungen heben.

Steigt man über den _Mabruki_-Paß durch dorniges Gebüsch und auf

abschüssigem, rothem Pfade abwärts, so erquickt das Auge der kornreiche

Bezirk von _Usiraha_ oder _Mbwigwa_ und das von wilder Vegetation

erfüllte, 48 km lange und 10-12 km breite Thal des _Msendasi_. Hier,

in nächster Nähe der Quellen des Msegwe liegt _Mgunda_, so benannt

nach einem Häuptling der Waniamwesi, der auf dem Marsch aus dem Innern

dauernd sich hier niedergelassen und die ehemalige Bedeutung Sungomeros

als Rastplatz der Karavanen auf diesen Ort übertragen hat.

Ueber einen Paß von niedrigen Hügeln kommt man von Mgunda den Msegwe

entlang durch ein malerisch prächtiges Thal, in welches der Vilansi

zwischen hohen, sumpfigen und wildbewachsenen Ufern mündet. Von hier

aus schlingt sich der Pfad seitab von dem rechten Ufer des Msegwe

durch ein zerschnittenes, mit Farrnkräutern und Sträuchern anmuthig

bewachsenes Terrain, in dem verwitternder Basalt zu Tage tritt, nach

den freundlichen Gefilden von Kiregwe.

Anders der Abstieg vom Rufutu-Gebirge über den Goma-Paß nach Sungomero.

_Kiahenge_, ein Conglomerat elender Hütten, der erste bewohnte Ort,

liegt am Fuße der Berge an der Vereinigung des Rufutu-Baches mit dem

Mgeta. Einzelne Tamarinden stehen auf dem spärlichen, von Wasserrinnen

zerrissenen Boden; erfrischend wirkt die klare, fieberfreie Luft und

der weite Umblick auf die umliegenden Berge. Einen ähnlichen Anblick

gewährt _Msisi Mdogo_ (240 m), dessen Boden mit rothen, gelben und

weißen Quarztrümmern übersäet ist. Der Weg zwischen beiden Plätzen

führt über steile, rothbraune Hügel zwischen Gebüsch von Aloën und

Euphorbien und Waldpartien von Kalebassen und Mimosen hindurch.

In der Ebene von _Sungomero_ sammeln sich die Gewässer der nah

umschließenden Hügel und Berge; sie finden bei der geringen Höhenlage

von 153 m über dem Meere nur einen träg schleichenden Abfluß. Die

fortwährenden, kaum während ein paar Wochen im Jahre aussetzenden

Regenschauer, im Verein mit einer drückenden Mittagshitze und

mit starken Thaufällen am Morgen vermehren die Feuchtigkeit der

verdunstenden Bäche und Flüsse. Was gebaut wird an Korn, Taback

und Kokospalmen, was wild wächst an Bang (rauchbarer Hanf) und

an massenhaft vorkommenden Stechäpfeln, gedeiht in der üppigsten

Fülle. Die Gegend lieferte früher den zahlreichen Karavanen eine

unerschöpfliche Menge von Lebensmitteln, Fleisch ausgenommen; denn

für Rindvieh ist kein geeignetes Gras und Weideland vorhanden. Die

allmähliche Verringerung der Bevölkerung und der Feldarbeiter, vor

allem die stets herrschende Fieberluft hat in dem letzten Jahrzehnt die

Karavanen aus Sungomero nach dem ebenso fruchtbaren und dabei gesündern

Mgunda gedrängt. Nach Thomson ist sogar der Name Sungomero verschollen

und man kennt die Gegend nur noch unter der Bezeichnung _Kisaki_.

_Bevölkerung._

Die _Wakutu_ sind eine durch Klima und besonders durch Sklavenjagden

gänzlich degenerirte Rasse. Schwächlich von Körperbau, elend genährt

durch Mehlbrei unter Zusatz von Sesam- und Ricinusöl und durch

moderige Fische aus stagnirenden Gewässern, dürftig mit einem Schurz

aus Kalebassenfasern, in seltenen Fällen mit einem Stück Baumwollzeug

oder Ziegenfell bekleidet, bewohnen sie niedrige, schmutzige Hütten.

Entlaufene Sklaven und Sträflinge und heruntergekommene Freie aus

der Küstengegend trieben zu Burton's Zeiten ihr räuberisches Unwesen

unter ihnen; der Sultan von Sansibar, zur Hülfe gegen diese angerufen,

vermochte die fast vollständige Ausrottung nicht zu verhindern. Die

Zuvorkommenheit der Wakutu gegen Fremde, ihre Bereitwilligkeit,

Karavanen abgabenfrei durch das Land ziehen zu lassen, beruht auf ihrer

Hauptcharaktereigenschaft, der Verzagtheit. Selbst als Träger sind sie

kaum zu verwenden, denn die Furcht vor der Fremde macht sie, wo sich

Gelegenheit findet, sofort zu Ausreißern.

Schlußbetrachtung.

Vom Gesichtspunkt der Besiedelung durch europäische Unternehmungen sind

die Verhältnisse an der Mrima, am Kingani und im Gebirgsland wesentlich

voneinander verschieden.

Die _Mrima_ eignet sich in Bezug auf Klima und Boden unfraglich

zur Anlage von _Plantagen_ an folgenden Plätzen: bei Bagamoyo und

Dar-es-Salaam; in der Thalebene des Mbesi bis Liwali und in dem

„Garten von Kwale”. Die französische Mission bei Bagamoyo hat den

Beweis geliefert, daß mit Sorgfalt und Ausdauer befriedigende Ernten

werthvoller tropischer Producte erzielt werden können. Auch die

blühenden Schambas der Araber überzeugen von dem gewinnreichen Erfolg

cultureller Arbeit. Den Hauptertrag liefern die Kokospalmenpflanzungen.

Die Mrima fällt freilich in die Zone der Souveränetät des Sultans

von Sansibar; die daraus entspringenden Schwierigkeiten werden aber

ein wirkliches Hinderniß dann nicht mehr bilden, sobald einmal die

zugestandene deutsche Verwaltung hier effectiv geworden. Die größte

Schwierigkeit dürfte darin zu suchen sein, daß herrenloses oder

unberührtes Land hier selten oder in zu geringem Umfang existirt

und daß der Kaufpreis rentabeln Bodens ein zu hoher ist, um die

kostspielige Cultur durch deutsche Pflanzer zinstragend zu machen.

Quantität und Qualität der Arbeiter wäre in genügendem Grad vorhanden,

die Nähe des Meeres von besonderm Vortheil. An einzelnen Stellen

würde man gewiß mit der feindseligen oder misgünstigen Haltung der

Eingeborenen zu kämpfen haben; denn sie würden durch die Einwanderung

vielmehr eine Störung ihres altherkömmlichen Thun und Treibens

befürchten und sich dagegen wehren, als daß sie bei den ohnehin

ziemlich geordneten Verhältnissen die Weißen als die sonst wirksamsten

Beschützer von Person und Eigenthum begrüßten. Man müßte mit Vorsicht

ans Werk gehen, jedenfalls anfangs der Versuchung widerstehen, den

ergiebigen Kopalhandel den Händen der habgierigen Häuptlinge und Inder

zu entziehen. Bei dem Mangel umfassender, diesen Punkt besonders

berührender Berichte kann nicht mehr zu Gunsten oder Ungunsten der

Colonisirung der Mrima gesagt werden.

Das rechte _Kingani-Ufer_ verspricht nach den gemachten Erfahrungen und

nach den Bodenuntersuchungen von Dr. K. W. Schmidt für die nächsten

Jahre keine nennenswerthe Ausbeute, wobei jedoch nicht ausgeschlossen

sein soll, daß umfangreiche Reisculturen in der Thalebene möglich

sind und daß durch Ausrodung von Waldungen auf dem Plateaurand

ziemlich ertragsfähige Felder in späterer Zeit gewonnen werden

können. Dagegen berechtigt die außerordentliche Fruchtbarkeit der

Umgebung von _Usungula_ zu der Annahme, daß hier die Plantagenarbeit

unter Zuhülfenahme künstlicher Bewässerung einer günstigen Zukunft

entgegensieht.

Von den _Gebirgsländern_ ist Kutu wegen dünner Bevölkerung und

verderblichen Klimas nicht in Betracht zu ziehen, sondern nur _Ukami_.

Es mag noch andere, dem Meere nähergerückte fruchtbare Landschaften

in Ukami geben, zur Zeit kennen wir nur allein die Thäler von Mohale

und Simbamweni als ungemein productiv. Die Existenz einer angesehenen

fürstlichen Macht und das Vorhandensein einer an Ackerbau gewöhnten

thätigen Bevölkerung sind wichtige und günstige Factoren. Ungünstig ist

natürlich die von der See entfernte Lage (180 km oder 14 Marschtage)

und die zur Zeit bestehende Bedrohung durch große Ueberschwemmungen.

Mit Ausnahme des sehr beliebten Tabacks von Sungomero _exportirt_ die

Küste allein, und zwar in erster Linie: Kokosnüsse und Kopal, dann

Korn, Reis und Zucker. Der Import an Baumwollzeugen, Gewehren, Pulver,

Eisen und Metallwaaren wird fast ausschließlich von der Bevölkerung der

Mrima consumirt; die Kauffähigkeit und die Nachfrage nach Waaren im

ziemlich menschenarmen Binnenland ist sehr gering.

Zwischen Rufidschi und Rovuma.

Allgemeine Gestaltung.

Das Landgebiet zwischen Rufidschi und Rovuma ist der am wenigsten

erforschte Theil von Deutsch-Ostafrika; keine bedeutende, vielbegangene

Karavanenstraße geht von irgendeinem Punkte der dazwischenliegenden

Küstenstrecke aus, und bekanntlich haben von jeher die Karavanenstraßen

den Forschungsreisenden die Richtung nach den unbekannten Fernen

gegeben. Nur im südlichsten Theil, von Lindi und Mikindani aus, führt

ein wichtiger Handelsweg am Nordufer des Rovuma nach dem Nyassa-See,

und von dieser Gegend besitzen wir auch einigermaßen befriedigende

topographische Nachrichten. Dagegen ist die Küste in allen Buchten und

Flußdeltas und einige Meilen landeinwärts so vollkommen untersucht,

daß wir über ihren Culturwerth und über die besten und schlechtesten

Landungsplätze genügend orientirt sind. Auch die Richtung, Verzweigung

und Benutzbarkeit der zwei Hauptströme unterliegen im allgemeinen

keinen geographischen Zweifeln mehr.

Aber trotz dieses gegebenen Materials würde eine erschöpfende

Darstellung des Landes in Bezug auf Gestaltung, Bodenbeschaffenheit,

Vegetation, Bevölkerung und Culturfähigkeit mehr ein Product der

Phantasie als des Wissens sein.

Der schmale niedrige _Küstensaum_, die Mrima von Usaramo, erweitert

sich von Kikunja im Norden bis Furu im Süden zu einer Ebene von 50 km

Ausdehnung; sie erstreckt sich zungenartig, vornehmlich am rechten Ufer

des Rufidschi, an den Matumbi-Hügeln vorbei bis nach Korogera in einer

unbestimmten Breite. Südlich von Furu verengert sie sich mehr und mehr

und wird von Kilwa Kivindje bis Mikindani von dem dicht an das Meer

herantretenden Hochplateau überdeckt.

Das linke Ufer des Rufidschi (das Plateau von Usaramo, 110-120 m hoch)

erhebt sich bis Korogera ziemlich steil, dagegen scheint das rechte

Ufer ganz allmählich als Hochfläche von Nord nach Süd emporzusteigen.

Diese Hochfläche erreicht ihre höchste Erhebung in der Landschaft

Makonde mit 770 m. Vereinzelte (noch nicht durch die Forschung in

Zusammenhang gebrachte) Bergkuppen und Höhenzüge sehen wie aufgesetzt

aus: die Matumbi- und die Mandandu-Berge ca. 570 m (?), der Nangwale

426 m und Lukunde 610 m, endlich der Mtandi bei Masasi 640 m.

Eine Besonderheit dieser Hochfläche ist ihre gleichmäßig niedrig

bleibende Ausdehnung bis weit nach Westen, nach dem Innern des

Festlandes. Während die erste Terrasse Useguhas schon bei Magubika in

einer Entfernung von 50 km von der Küste ihre höchste Höhe von 339 m

und diejenige von Usaramo mit 240 m bei Msisi Mdogo in Kutu nach 200 km

ihr Ende erreicht, schließt die Hochebene des rechten Rufidschi-Ufers

erst bei Mkomokere in Mahenge mit 240 m Höhe nach einer Strecke von

330 km ab.

Die westliche Begrenzung ist nur im nördlichen Winkel durch die 2100 m

hohen Uhehe-Berge festgestellt; die östliche bildet die Mrima von

Kikunja bis Kilwa Kivindje und von da an das Meer bis zur Mündung des

Rovuma.

Klima, Vegetation und Thierwelt.

Bei der ungeheuern Ausdehnung des gleichmäßig langsam ansteigenden

Landes muß man auf ein gleichmäßiges, sonnendurchglühtes Klima im

östlichen Theil des Innern schließen. Dagegen verdichtet sich die

Feuchtigkeit der Küstenluft, unterbrochen durch diese breite Zone

der Trockenheit, ähnlich wie im südlichen Usaramo, an den Bergen von

Uhehe und an den Höhen von Lukunde, von Masasi und Makonde zu häufigen

Niederschlägen, sodaß die Regenzeit am obern Rufidschi Anfang Januar

beginnt, während sie bei Kilwa erst Ende März einsetzt.

Wegen der Lagunen und Sümpfe gilt das Klima an der Mrima und in der

Thalebene des Rufidschi als sehr ungesund; etwas günstiger ist es an

der Küstenstrecke von Kiswere bis Mikindani; als sehr gesund wird es in

der hochgelegenen und waldreichen Masasi-Gegend gerühmt.

Ueber die _Temperaturen_ läßt sich gar nichts Positives sagen; Thomson

hat wol in seinem Werke „Expedition nach den Seen” eine erkleckliche

Reihe von Thermometerablesungen mitgetheilt; da sie aber nur zur

Bestimmung des Barometerstandes vorgenommen wurden und keine Tageszeit,

die jedenfalls verschieden war, angegeben ist, so sind sie in Bezug auf

Temperaturverhältnisse unbenutzbar.

Bei Maples (~Proc. of the R. G. S.~ 1880, S. 353) befindet sich allein

eine bemerkenswerthe Notiz; während des November 1879 war in Masasi

die Mitteltemperatur 22° R. von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags

blieb sie constant auf 29,2° R.

Den klimatischen Verhältnissen entsprechend gliedert sich die

_Vegetation_ in drei Zonen: in die der Küste, des mittlern Plateau und

des Gebirgslandes.

Der niedrige Küstensaum ist zum größten Theil mit Sümpfen und

Savannen, der hochgelegene mit dichtem Gehölz und Gestrüpp bedeckt im

Zusammenhang mit anstoßenden Kopal- und Gummiwaldungen. An den wenigen

Stellen, wo das Land urbar gemacht worden und bebaut wurde, zeigen sich

Kokospflanzungen und Kornfelder in bestem Wachsthum.

Weiter landeinwärts läßt die ausdörrende Hitze nichts anderes aufkommen

als kärgliche Savanne und dornige Akazienwaldungen. Eine Ausnahme

schafft das vom Rufidschi im Mittellauf am rechten Ufer in weiter

Ebene abgelagerte Schwemmland; dieses liefert dem Ackerbauer mehr

als den eigenen Bedarf. Auch die massigen, in dem durchschnittenen

wasserreichen Hügelland gelegenen Waldungen nördlich vom Rovuma, in

denen die Kautschuk-Liane überaus kräftig wuchert, bergen in sich die

Keime erfreulichster Culturfähigkeit, wie vereinzelte Niederlassungen,

so Mesule und Masasi, beweisen.

Im Gebirgsland Mahenge offenbart sich auf den herabgeschwemmten,

nahrungsreichen Bodenschichten die Ueberfülle der Pflanzenwelt

sowol in der Mächtigkeit der Dschungeln und Gräser, als auch in dem

reichen Erträgniß der bebauten Gefilde. Gänzlich unfruchtbar ist die

Bergwildniß am obern Rufidschi zwischen Kingani und Schuguli; der

steinige Grund bringt hauptsächlich nur dornige Mimosen hervor.

Auffallend ist in diesem ganzen Gebiet die Armuth an jagdbaren

_Thieren_. Weder die Wälder noch die Steppen sind belebt; nur in den

Fluten des Rufidschi und Rovuma treiben scharenweise das Flußpferd und

das Krokodil ihr Unwesen.

Die einzelnen Landschaften und deren Bevölkerung.

Da weder geographisch noch ethnographisch abgegrenzte Bezirke nach

unserer gegenwärtigen Kenntniß in dem Land zwischen Rufidschi und

Rovuma (mit Ausnahme von Mahenge) existiren, muß die Topographie mit

folgenden ungleichartigen Landcomplexen versucht werden: das Flußthal

des Rufidschi und des Ulanga mit Mahenge, die Küste, die Route von der

Decken's und das Land Makonde mit Masasi.

_Rufidschi-Thal und Mahenge._

Der _Rufidschi_ erhält seinen Namen nach der Vereinigung des Ulanga

mit dem 90 m breiten unerforschten _Luwego_. Beide Flüsse umströmen

bei Schuguli eine dichtbewaldete Halbinsel, die aus Granit besteht und

sich als Mbrerara-Berg 600 m über die Thalsohle erhebt. Durch eine

Felsenenge von 6 m Breite stürzen die vereinigten Wasser zwischen 15 m

hohen Ufern jählings hinab und durchfließen bis zum zweiten Katarakt

bei Maruka eine mehr als 120 km lange fast unbewohnte, spärlich mit

Wald bedeckte Bergwildniß. Nahe oberhalb _Maruka_ mündet der _Ruaha_.

Unterhalb dieses Ortes durchbricht der Rufidschi in 4½ m Breite

eine von Nord nach Süd laufende Felsenbergkette (wahrscheinlich die

Fortsetzung des Kilima-Hatambula bei Behobeho), erweitert darauf bei

Korogera sein Rinnsal in zahlreichen Verzweigungen und verringert

seine Tiefe bis auf einen Fuß. Die Umgebung ist gewelltes Land mit

Quarzblöcken und zahlreichen Mimosen und scheint sehr wenig bevölkert

zu sein. Die Breite des Flußbettes zwischen Korogera und Ndungunu

wechselt von 90 zu 800 m je nach der Menge der Inseln, die das Wasser

in viele Arme vertheilen, sodaß der Strom in der Trockenzeit wie ein

schlammiges Sumpfgewirr sich ausnimmt. Die Umgegend verflacht sich;

nur bei _Kikumbi_ steigt das Nordufer wieder empor und begleitet als

rotherdige vertrocknete Steppe in einer Höhe von 6-15 m den Fluß bis

_Malingwa_; auf der rechten Seite setzt sich die Ebene, durch die

Matumbi-Hügel unterbrochen, sowol stromabwärts als auch nach Süden

fort, die, wenn unberührt von Menschenhand, nur Savannengras und

lichtes Buschwerk hervorbringt, bei fleißiger Bebauung aber Reis, Mais,

Taback, Zuckerrohr und auch Baumwolle zu liefern im Stande ist. Zur

Regenzeit ist diese Ebene eine einzige Wasserfläche.

Ist es auch einmal dem Engländer Beardall gelungen, ein Boot von der

Mündung bei Kikunja bis nach Korogera zu bringen, so ist doch wegen

der zahllosen Untiefen an eine Schiffbarkeit des obern und mittlern

Rufidschi nicht zu denken, kaum für flache Canoes von 2 Fuß Tiefgang

und zwar nur bei Hochwasser. Beardall war oftmals gezwungen, sein

ebenfalls flaches Boot auf die Schultern nehmen und streckenweise

tragen zu lassen. Von _Ndungunu_ abwärts wächst die Stärke der

Bevölkerung. Malingwa ist sogar ein Ort von 200 Hütten. Die Breite des

Flusses nimmt mehr und mehr ab, seine Tiefe dafür zu. Bei Ndungunu

beträgt jene 270 m, bei Nananda 70 m, bei Kadi 135 m und endlich bei

der großen Ueberfahrtsstelle Njantumbo (Kisomo) 72 m. _Njantumbo_, ein

Ort von 70 Hütten, liegt in der Mitte der großen, fast baumlosen und

sehr fruchtbaren Savanne zwischen _Kikunja_ und _Mohoro_: es gedeihen

Mais, Hirse, Bananen, Erdnüsse und Kokospalmen; Rinder, fette Schafe,

Ziegen und Hühner werden in Menge gehalten, namentlich südlich des

Flusses. Die Masse der Producte ist so groß, daß sehr viel nach Kikunja

oder Samanga zum Export gebracht wird. _Mpembeno_ war früher die

Uebergangsstelle, wurde aber ganz verlassen. Von hier bis zur Mündung

ist der Rufidschi für Dampfbarkassen mit 1 m Tiefgang schiffbar, auch

rückwärts zu jeder Jahreszeit, wenngleich wegen der vielen Untiefen

ziemlich schwierig. Die Eingeborenen benutzen die Wasserstraße nicht

einmal stromabwärts, weil die Rückkehr entgegen der starken Strömung zu

viel Arbeit macht; sie ziehen den Landweg nach Kikunja vor.

Das _Delta des Rufidschi_ ist mit Mangrovewaldungen dicht besetzt, die

zum Schiffsbau vorzüglich geeignetes und in weite Ferne verschicktes

Holz liefern; bei _Kisimiti_ erheben sich landeinwärts die Ufer, der

Boden wird sandig und trägt Mangobäume, Kokospalmen und Bananen in

reichlicher Fülle.

Der Rufidschi hat drei Hauptmündungen:

Der _Kikunja_, 3½ km breit mit 3½ m Tiefe am Ende. Der Ort Kikunja

selbst ist sehr ungesund, das Trinkwasser schlecht, die Felder aber

sind gut bebaut, auch auf den nahegelegenen, nach Südwest verlaufenden

Sandsteinhügeln. Kikunja ist Exporthafen besonders für Kopal aus der

Landschaft Kwale.

Der _Simboranga_; ein ziemlich tiefer Kanal, für Kutter benutzbar.

Der _Msala_; die directeste Verbindung mit dem Meer, aber so eng und

mit Sandbänken durchsetzt, daß nur Canoes ihn befahren können; am

Ausfluß erweitert er sich von 17 zu 135 m mit einer Tiefe von 3½ m.

Die übrigen, aber wenig benutzten Arme sind: Suninga, Kiomboni und Jaja.

Von den _Uferbewohnern_ des Rufidschi wird wenig berichtet; sie bilden

keine ethnographische Einheit; gemeinsam ist ihnen nur die Hinneigung

zum Araberthum und Mohammedanismus und die Kenntniß des Kisuaheli.

Jedes Dorf hat seinen eigenen Häuptling, und kein Häuptling ist von

dem andern abhängig. Den Ackerbau betreiben sie mit großem Fleiß.

In der Ebene von Njantumbo ist die Bevölkerung intensiv schwarz,

untersetzt, sehr häßlich und besonders schmutzig. Ihnen eigenthümlich

ist die Anlage der Dörfer mit durchgehender breiter Hauptstraße und

das Unterlassen jeder Art von Umzäunung, was auf sehr friedliche

Verhältnisse schließen läßt.

Die Namen der verschiedenen Stämme flußaufwärts sind: Wamamboka

(wahrscheinlich eine Unterart der Wagindo), Wasoma, Wamlanji, Wamhoka

und Wahimba.

Die Landschaft _Mahenge_ liegt zwischen dem Ruaha und _Ulanga_ und wird

im Westen von dem 2100 m hohen Uhehe-Gebirge abgeschlossen.

Der _Ruaha_ hat seine Quellen in den Konde-Bergen (am Nordende des

Nyassa-Sees) und durchbricht nach langem, noch nicht erforschtem Laufe

die Gebirgsmasse zwischen Uhehe, Usagara und Kutu. Trotzdem führt er

weniger Wasser mit sich als der Ulanga; er ist unschiffbar wegen der

zahlreichen Sandsteinbarrièren; er ist in der Trockenzeit im Land

Mahenge sehr seicht. Bei der Mündung des Msendasi besitzt er eine

Breite von 70-90 m. Der _Msendasi_ fließt von den Höhen von Mgunda

durch ein pfadloses, wildarmes Dickicht von Dschungeln und Wäldern.

Der _Ulanga_ ist der Abfluß des 40-50 km sich ausdehnenden Sumpfes von

Tschikoja; an seiner engsten Stelle hat er eine Breite von 68 m, bei

Ngohoma wurde sie auf 200 m geschätzt. Im Oberlauf von hohen Bergen

umgeben, flacht sich bei Ngohoma sein linkes Ufer zu einer bis an den

Fuß der Uhehe-Berge reichenden Ebene ab, die zur Regenzeit weithin

überschwemmt wird. Seine Schiffbarkeit scheint auf kurze Strecken

beschränkt zu sein; jedenfalls findet sie an den Schuguli-Fällen und

an der Unbefahrbarkeit des Rufidschi ein unüberwindbares Hinderniß der

Fortsetzung.

Das _Uhehe_- oder _Udschungwe_-Gebirge (2100 m) wird nach vier-

bis fünftägigem Marsch von Matanga aus auf einem Paß (2030 m)

überschritten. Es stellt eine Reihe von Bergketten dar, eine

fast vollkommen unbewohnte Wald- und Felsenwildniß, aber voll

herrlicher, erfrischender Luft und von malerischem, großartigem

Landschaftscharakter. Nach Westen fällt es allmählich und in geringer

Tiefe ab zu dem monoton gewellten Hügelland von Uhehe.

Die _Niederung von Mahenge_ besteht aus sehr fruchtbarem Schwemmland,

das bei stets herrschender Feuchtigkeit allen Pflanzen zum üppigsten

Wachsthum verhilft. Wo es bebaut wird, da gedeihen Reis, Mais,

Bataten, Erdnüsse, Melonen, Taback, Zuckerrohr, Baumwolle, nur nicht

die Banane. Da die Bevölkerung gering und die vorhandene mehr zu

Raubzügen als zum Ackerbau geneigt ist, so erscheint Mahenge zum

größten Theil als das Land der dichtesten Dschungel mit versumpften

Strecken. Die einzige größere Culturstätte ist _Mkomokere_.

Die _Mahenge_ sind heller von Farbe, feiner von Gesichtszügen und

klüger von Verstand als die benachbarten Wakutu. Im Frieden reducirt

sich ihre Bekleidung auf ein schmales Tuch, vorn und hinten am Gürtel

herabhängend oder nur über die Schulter geworfen, auf ein Stückchen

Thierfell oder Rindenzeug; für die Frauen auf eine Schürze von

Affenhäuten und auf Armbänder von Messingdraht. Für einen Kriegszug

jedoch schmücken sie den Kopf übermäßig mit Federn und behängen

Rücken und Seiten mit Katzen- und Leopardenfellen. Besondere Sorgfalt

verwenden sie auf den Bau und die Verwendung ihrer Hütten. Auf Mauern

von geschickt bearbeitetem Flechtwerk ruht das runde oder viereckige

Strohdach; oder es wird der Unterbau auf eine 1 m hohe Plattform

gestellt und das Dach wie eine Kapuze zum Boden reichend darüber

gestülpt. Sie erbauen für die Feldfrüchte eigene Speicher und für die

Schafe, Ziegen und Hühner von den Wohnungen abgesonderte Ställe.

Die Mahenge wurden früher einmal von den Maviti, einem Zweigstamm

der Zulus, der von dem Nyassa-See herabkam, in Furcht und Schrecken

versetzt. Da dieser Kriegszug weiter nach Osten sich wälzte und überall

die Bevölkerung bis zur Wehrlosigkeit einschüchterte, so nahmen die

Mahenge, nachdem das Gewitter über sie weggezogen, Kleidung und Waffen

der Maviti an und versuchten auf diese Weise und zwar mit Glück bei den

Nachbarn Unterwürfigkeit mit leichter Mühe zu erlangen. So brachten sie

selbst die Bewohner des ferngelegenen Korogera und Behobeho unter ihre

unbeschränkte Botmäßigkeit.

_Der Küstenstrich._

Von _Mohoro_ bis _Matompiani_ (nördlich von Kilwa Kivindje) zieht

sich eine mit Wald und Gebüsch bestandene Savanne hin und endet in

schwarzem, schlammigem Boden zwischen braunen, tiefeingeschnittenen

Bächen; der niedrige und für Boote schwer zugängliche Strand verläuft

in Mangrovesümpfe. Die spärliche Bevölkerung concentrirt sich in

_Furu_ und namentlich in _Samanga_; sie verstand es durch angestrengte

Thätigkeit vereinzelte wüste Strecken in Reis- und Zuckerrohrfelder

umzuwandeln und Futter für beträchtliche Viehheerden zu gewinnen.

Der Korallenarchipel von Kilwa Kivindje bis nördlich Kimbidschi (bei

Dar-es-Salaam) und zwischen der Rufidschi-Mündung und der Insel Mafi

bietet der Schiffahrt zu keiner Jahreszeit Schwierigkeiten oder

Gefahren.

_Kilwa Kivindje._ Die Rhede befindet sich 3 km seewärts; das Watt

ist so sanft ablaufend, daß bei Niedrigwasser die Boote auf 1 km

Entfernung vom Strand festsitzen und man gezwungen ist, diese Strecke

zu durchwaten. Der Strand selbst besteht aus tiefem Sand- und

Schlammboden, gegen Norden aus Mangrovesümpfen. Es ist eine bösartige

Fiebergegend mit schlechtem Trinkwasser. Der _Mdschindjera_ fließt

als ein dürftiges Gewässer in die Bai. Nur im Westen erhebt sich ein

grünes, fruchtbares und viehreiches Hügelland mit den Schambas der

Araber zwischen Kokospalmen und Orangenbäumen. Trotz der ungünstigen

Verhältnisse der Landung und des Klimas ist der Ort wegen der Zufuhr

von Producten von der Nord- und der Südküste und aus dem Innern einer

der größten Städte nach Dar-es-Salaam. Von der Decken schätzte schon

vor dreißig Jahren die Einwohnerzahl auf 15000. Freilich wohnt die

Masse in elenden Hütten; es existiren nur einzelne steinerne Häuser,

darunter das Zollhaus, ein Bazar und ein verfallendes Fort.

Kilwa Kivindje errang seine Bedeutung erst, als die Nachbarstadt _Kilwa

Kisiwani_ in Verfall gerieth. Hier hatten sich um 1500 die Portugiesen

angesiedelt und ein großartiges Fort mit Bastionen errichtet. Als sie

es wegen des verderblichen Klimas verließen, kamen die Araber und

schufen es zu einem politisch wichtigen und reichen Handelsplatz um;

an 300 Moscheen sollen dort einmal gestanden haben. Von all dieser

Herrlichkeit besteht jetzt nur noch ein antiquarisch interessanter

Trümmerhaufen, außerdem ein zweistöckiges, sehr schadhaftes

Zollgebäude, ehemals die Residenz des Gouverneurs, etwa zehn brauchbare

steinerne Häuser und das Fort, das zwar 1857 neu aufgebaut wurde, zur

Zeit aber den anschlagenden Meereswellen überlassen wird. Kisiwani

liegt auf einer Insel voll wildwuchernder Vegetation in reizloser,

unfruchtbarer Umgebung. Zwei Meerbusen umschließen die Insel: Kuawi im

Norden und Mavudji im Süden mit dem Pactolushafen. In 1½ km Entfernung

von ihr ist guter Ankergrund.

Von Kilwa Kisiwani bis zur Rovuma-Mündung fällt das Hochplateau fast

direct zur See hinab; breite Korallenriffe umsäumen den (ausgenommen

bei Lindi und Mikindani) ganz allmählich unter das Wasser verlaufenden

Strand.

Dem gering bevölkerten, doch wildreichen _Kiswere_ kann man nur bei

Hochwasser sich nähern. Ebenso ungünstig ist der eine enge Einfahrt

besitzende Landungsplatz bei _Mdschinga_.

_Lindi_ dagegen hat in der äußern Bucht eine vorzügliche Rhede. Es

ist neben Kilwa Kivindje der bedeutendste Ort, der Ausgangspunkt der

Karavanen nach dem Nyassa-See. Es zählt 500 Häuser, in einem Hain von

Kokospalmen, Bananen und Bambusen auf niedrigem sumpfigen Terrain

zerstreut gelegen. Auf dem trockenen Land im Norden steht ein Fort halb

in Ruinen. Der Lindi- oder _Ukeredi-Fluß_, der bis Liawa schiffbar ist

und wahrscheinlich östlich von Masasi entspringt, mündet bei einem

südlich sich erhebenden, mit Waldgestrüpp bedeckten Hügel von 50 m

Höhe. Lindi ist ein Fiebernest. Die im Westen dicht herantretende

Hochfläche hat gesündere Luft, wäre auch sehr geeignet zu Culturen und

zur Viehzucht, ist aber nur spärlich bebaut.

Die Außenbai von _Mikindani_ liegt offen, allen Stürmen ausgesetzt

und hat keine Ankerplätze. Doch im Innern besitzt sie drei vollkommen

geschützte Häfen, zu denen man zwischen Korallenriffen in tiefem Wasser

bei Flut gelangt. Der beste Hafen wäre der von Pemba, allein hier

fehlt jede Landverbindung. Gewöhnlich wird _Kimberi_ angelaufen, das

am Ausgang eines tief eingeschnittenen Thales und am Fuße eines 100 m

hohen Berges liegt. Auch das niedrig gelegene _Mirumba_ ist günstig;

es besitzt eine Kaserne zur Vertheidigung, die aber beim Mangel von

Geschützständen nichts gegen Kriegsschiffe zu leisten vermag.

Araber, Inder und Eingeborene bilden in großer Menge die Bevölkerung

der drei Hafenplätze; lebhafter Handel wird mit Kopal, Kautschuk, Reis

und Vieh betrieben.

_Die Route von der Decken's._

Um einen, wenn auch nur flüchtigen Blick in die Natur des Binnenlandes

zu erhalten, muß man bis auf die Berichte von der Decken's von 1860

zurückgreifen; kein zweiter Reisender hat uns sichere Kunde über diese

Gegenden gegeben.

Von der Decken kam, von Kilwa Kisiwani bis Mesule, ungefähr 250 km

landeinwärts. Das langsam bis 400 m ansteigende Plateau endet mit dem

610 m hohen Lukunde-Gebirge, einem Trümmerhaufen riesiger Felsblöcke,

wie die vorher durchschrittene Landschaft zahlreiche Bäche nach Süden

entsendet. Da das Land von Masasi und Makonde höher liegt als jenes

von Mesule, und bei Kiswere ein Fluß, Umbekuru genannt, aus Westen

strömend, mündet, so hat die Vermuthung, daß letzterer alle Bäche

aufnimmt, welche die Route von der Decken's von Norden nach Süden

durchkreuzen, Anspruch auf Wahrscheinlichkeit.

Akazienwälder bedecken bis _Namisu_ die rothbraune Erde, schroffe

Basaltkegel erheben sich aus der Umgebung von _Nahigongo_; Sümpfe,

Savannen, Dickicht wechseln mit einigen starkbevölkerten Orten, wie

_Kiangara_ und _Nasoro_. Ein über 30 km ausgedehntes Gebiet wirklicher

und üppiger Fruchtbarkeit taucht in dem wasserreichen Hügelland östlich

und westlich vom _Lukunde_ auf, bei _Luere_, _Nangungulu_ und _Mesule_.

Nicht nur alle Feld- und Gartenfrüchte trifft man hier an, sondern auch

Zuckerrohr, Bananen, Mangobäume, Baumwollstauden, ja sogar noch die

Kokospalme. Hier wird, wie bei Masasi, wiederholt der Beweis geliefert,

daß der Lateritboden Innerafrikas von ausgezeichneter Ertragsfähigkeit

ist, wenn er von abgeschwemmtem, verwittertem Granit nahegelegener

Berge gedüngt und durch quellendes Wasser befeuchtet wird.

_Makonde und Masasi._

Unmittelbar südwestlich von Lindi und Mikindani steigt zwischen dem

Ukeredi und Rovuma das Plateau von _Makonde_ an; es erhebt sich in

einer Länge von 112 km und in einer Breite von 48 km, von 60 m bis zu

770 m an seinem Westende bei Newala. Sein Boden von rothem und grauem

Sandstein mit metamorphischem Untergrund ist mit so dichtem Gebüsch,

Schling- und Kriechpflanzen bedeckt, daß die Pfade mühselig tunnelartig

hindurchgearbeitet sind. Bäumen begegnet man allein an den Ufern der

wenigen Rinnsale. Das Land birgt in sich eine Quelle des Reichthums,

nämlich die Landolphia-Ranke. Das aus ihr gewonnene Kautschuk macht den

Hauptbestandtheil des nach Lindi geschafften Handelsartikels aus: 1881

wurden davon für vier Millionen Mark exportirt. An einzelnen Stellen

wurde mit gutem Erfolg das Gestrüpp ausgerodet; der urbar gemachte

Boden erwies sich fruchtbar, so in _Madschemba_, das sich außerdem

eines vortrefflichen Trinkwassers erfreut.

Das nördliche Ufer des Ukeredi begleitet von _Liawa_ aus, einer

wohlgepflegten arabischen Station, ein geschlossener Wald von

Kautschuklianen von 25-30 km Breite bis nach dem starkbevölkerten

_Abdalla Pesa_ (Mtua). Von hier bis _Lidjimbe_ betritt man einförmige,

wenig bewohnte Savannen, an die sich ein 55 km langer schattenloser

Wald von Akazien, Tamarinden und Bambusen anschließt. Dann ragen

auf der 480 m hochgelegenen Fläche eine Reihe von Hügeln mit vier

Bergkegeln auf, deren höchster _Mtandi_ (640 m) genannt wird, und

bilden eine 15 km lange und gegen 7 km breite, äußerst fruchtbare Oase

in der auch nach Westen sich fortsetzenden Waldwildniß. Der größte

Ort ist _Masasi_, eine englische Missionsstation. Sümpfe gibt es hier

nicht; die Luft ist gesund und fieberfrei. Was man auch baut, Maniok,

Korn, Sesam oder Reis, Bananen, Orangen, Citronen, Granatäpfel, Mango

und europäische Gemüse: alles trägt die lohnendsten Ernten ein. Den Fuß

der bewaldeten Berge umschließen mächtige Granitfelsen; von ihren Höhen

rieseln frische Gewässer herab.

Von Masasi senkt sich südöstlich das Land mit einem wasserarmen, aber

wildreichen Gehölz gegen 30 km weit hinab und geht im Thal des Rovuma

in kümmerliche Steppe über.

Nahe demselben liegt die englische Missionsstation _Newala_

(Dschilonda), früher der Sitz des Häuptlings Matolo, in dürftiger

Umgebung.

Die _Bevölkerung_ des südlichen Binnenlandes zerfällt in vier

Hauptstämme: in die Wagindo, Makonde, Makua und Yao. Sie haben mit

Ausnahme der Makonde keine abgeschlossenen Wohnbezirke, sondern

sind aus ihren entfernten Stammländern sippenweise untermischt in

verschiedene Oertlichkeiten eingewandert.

Die _Wagindo_, hauptsächlich in Mesule und am untern Ukeredi seßhaft,

außerdem im Thal des Rovuma, tätowiren sich die Arme und den Oberleib

mit Thier- und Menschenfiguren (dies scheint ihr Stammesabzeichen

zu sein); die vordern Schneidezähne feilen sie spitzig zu. Am Berg

Lukunde treiben sie mit Hülfe ihrer Sklaven sorgfältigen Ackerbau; dem

Sklavenhandel als solchem sind sie durchaus abgeneigt, weil sie die

ihnen bequem und geschickt gewordenen Arbeiter nicht entbehren wollen.

Am Rovuma haben sie andere Sitten angenommen; dort hat sie, ähnlich wie

die Mahenge, das Beispiel und der Erfolg der benachbarten kriegerischen

Maviti verlockt, in deren Tracht und mit deren Waffenausrüstung

Schrecken unter den Nachbarn zu verbreiten und reiche Beute durch

Raubzüge mit leichter Mühe zu gewinnen.

Die _Makonde_, einer der häßlichsten Negerstämme, verunstalten das

Gesicht und andere Körpertheile mit den unsinnigsten Ornamenten,

ihre Weiber außerdem noch durch das Pelele, ein Stück Holz, das in

die Oberlippe gesteckt und allmählich durch immer größere Stücke

ersetzt wird, sodaß es bei den alten Weibern zuletzt selbst das Kinn

bedeckt. Ein Hüftentuch macht die mangelhafte Bekleidung aus, Perl-

und Messingbänder bilden den ärmlichen Schmuck. Sehr beschränkt

von Verstand, lieben sie den Frieden in der Familie und im Erwerb

und ertragen geduldig die Verachtung, mit welcher sie von den Yaos

behandelt werden. Wenn Thomson gewissenhaft berichtet worden, so sind

sie in sexueller Beziehung musterhaft: Sünden vor oder in der Ehe

werden auf das strengste bestraft. Gerühmt wird auch die Reinlichkeit

ihrer kreisrunden Hütten, die aus 3 m hohem Pfahlwerk erbaut werden.

Die Massenwohnsitze der _Makua_ liegen weit südlich vom Rovuma,

westlich von Mosambique; ein Theil von ihnen ist nach dem Thale dieses

Stromes ausgewandert und hat sich auch in der Umgegend von Newala und

Masasi niedergelassen. Ihre Sprache hat derartige Eigenthümlichkeiten,

daß sie von andern Stämmen nicht nachgesprochen werden kann, obwol die

Makua selbst fremde Idiome mit Leichtigkeit gebrauchen. Sie sind ein

intelligentes Volk. Sehr fleißig im Ackerbau, geschickt im Handel,

ausgezeichnet durch Gerechtigkeitsgefühl, erwecken und verdienen sie

volles Vertrauen. Den Frauen, die ebenfalls das Pelele tragen, wird

das besondere Vorrecht eingeräumt, in eigenen Hütten zu wohnen und

eigene Felder zu besitzen.

Ganz anders geartet sind die _Yaos_. Vom Gebirgsland östlich des

Nyassa-Sees wandern sie den Ludjenda herab nach dem untern Rovuma und

siedeln sich zeitweilig an zwischen den Makua und Makonde in Newala,

Masasi und Madschemba in geräumigen und reinlichen Wohnstätten. Listig

und thatkräftig, athletisch von Gestalt, werden sie als Krieger

selbst von den Arabern gefürchtet. Ihr Handwerk, Sklavenjagd und

Sklavenhandel, hat sie in regen Verkehr mit den letztern gebracht und

deren Tracht und Sitten theilweise bei ihnen eingeführt. 1880 war

Madschemba in Makonde ein bis Mikindani und Lindi berüchtigter Räuber

und Häuptling von ihnen.

Schlußbetrachtung.

Der Reichthum an Naturproducten aus dem Lande zwischen Rufidschi und

Rovuma lagert sich in den Handelsplätzen der Küste ab und findet seinen

Export fast ausschließlich durch die Hände der Inder. Er besteht

vornehmlich in Kopal und Kautschuk, zu geringerm Theil in Korn, Reis

und Rindern. Bei der Bedürfnißlosigkeit der Eingeborenen beschränkt

sich der Import auf Baumwollzeug, Eisen- und Messingdraht.

Zur Steigerung der Ausbeute eignen sich nur die wenigen Küstenstriche,

in denen Kokospflanzungen einen günstigen Boden finden. Weiter

landeinwärts dehnt sich eine, wenn auch nicht genügend erforschte, doch

wahrscheinlich mit einzelnen bereisten Stellen gleichartige breite

unfruchtbare Zone aus; sie vereitelt oder erschwert mindestens die

Niederlassungen in den gesegnetern Gefilden am Fuße der entlegenen

Berge. So mag Mahenge wol die Beschaffenheit eines wirklichen

Culturlandes besitzen, aber, abgesehen von seiner spärlichen und der

Feldarbeit abgeneigten Bevölkerung, wird es noch Jahrzehnte lang

jedem colonisatorischen Unternehmen wegen seiner Isolirung durch Berg-

und Savannenwildniß verschlossen bleiben, denn seine einzige denkbare

Abfuhrstraße, der Rufidschi, ist auf diese Entfernungen gänzlich

unbrauchbar.

Doch drei Regionen gibt es, die allem Anschein und allen Berichten

nach zur Anlegung von _Plantagen_ geeignet wären. In erster Linie die

große Ebene von Njantumbo am untern Rufidschi. Die Fruchtbarkeit des

bearbeiteten Bodens ist hier außer aller Frage, ebenso die Verwendung

des Flusses als billige Wasserstraße bis zu dem wichtigen Küstenplatz

Kikunja. Mit der Zunahme von Culturen dürfte auch die hier herrschende

etwas bedenkliche Fieberluft abnehmen.

Dann muß die Gegend um den Lukunde-Berg in Betracht gezogen

werden. Freilich nur ein einziger Reisender hat über die äußerst

günstigen Culturverhältnisse zwischen Luere und Mesule bisher Kunde

gebracht. Aber von der Decken hat sich immer als ein gewissenhafter

Berichterstatter erwiesen, sodaß eine auf Plantagenanlage gerichtete

Forschungsexpedition vollkommen berechtigt erscheinen dürfte. Die etwas

misliche Gangbarkeit des Weges von Kilwa Kivindje bis Mesule könnte

nicht abschrecken, vielleicht aber die ziemlich große Entfernung von

etwa sechzehn Tagemärschen.

Ein dritter Platz ist das äußerst gesunde Masasi. Wol ist zur Zeit

die anbaubereite Fläche nicht groß und die Entfernung von der Küste

ziemlich beträchtlich; allein es kann noch mehr Wald ausgerodet werden

und gerade derart gewonnener Ackergrund liefert andauernd die reichsten

Früchte; die Länge des Weges bis Lindi verliert durch seine Gangbarkeit

die Bedeutung eines wesentlichen Hindernisses für die Rentabilität

einer Niederlassung.

Anhang.

Werke und Reiseberichte.

Geschichte.

Deutsch-Ostafrika: Geographie und Geschichte der Colonie · 第 15 / 19 题