Alle Flüsse haben eine starke Strömung und noch im mittlern Laufe eine
erfrischende niedrige Temperatur. Ihre Thäler im Gebirge und am Fuße
desselben sind bis zu 75 m tief und steil eingeschnitten und 9-21 m
breit. Das Bett der Flüsse ist meist felsig, doch sind die Uferränder
schlammig und mit dichtem Schilf oder Busch bewachsen.
Das Vorland und die Niederung.
Das Vorland an der Ost- und Nordseite (1180 m über dem Meere) ist
unbewohnte Steppenwildniß. Jenes im Westen, von 1000-1200 m südnördlich
ansteigend, zieht sich hinüber zum Berg Meru als gutes Weideland,
Sigirari genannt, wird aber gegen den Longido allmählich unfruchtbare
Savanne.
Die südliche Niederung im Netz der Gebirgswässer bis zum Zusammenfluß
im Bett des Pangani bei Klein-Aruscha besteht zonenweise aus
_Culturland_, _Savanne_ und _Sumpfwald_.
_Die Culturzone._
Sie beginnt im Westen in der Umgebung von Klein-Aruscha und reicht
zusammenhängend bis in die Landschaft Kahe, jenseit der Mündung des
Kilema in den Jipe-Fluß. Nach einer Unterbrechung durch eine etwa 30 km
lange Strecke einförmiger Steppe tritt sie mit üppigster Entfaltung
wieder in der Bodensenkung von Taveta am untern Lumi auf.
_Klein-Aruscha_ (730 m über dem Meere) am Weriweri (hier Ronga genannt)
im Westen von den 1500 m hohen Litaema-Bergen begrenzt, die gegen das
rechte Ufer des Pangani als Sogonoi-Gebirge sich abflachen, liegt mit
seinen Hüttengruppen versteckt in den über die äußerst fruchtbare
Ebene zerstreuten Waldgebüschen. Die hier angesiedelten Wakuafi bauen
Bananen, Mais, Bohnen, Erbsen, auch Zuckerrohr; Rinder halten sie
wenige, aus Furcht vor den Masai. Die vom Pangani kommenden Karavanen
lagern in Klein-Aruscha wochen-, ja monatelang, um entweder Handel
mit den Masai zu treiben oder Streifzüge nach Norden zu unternehmen.
Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft hatte hier eine Station
eingerichtet, mit Rücksicht auf den lebhaften Handelsverkehr und auf
den ungeheuern Wildreichthum der nächsten Umgebung.
Die Landschaft _Kahe_, von größerm Umfang als Taveta, schmücken
hochstämmige Waldungen, Palmengruppen, Anpflanzungen von Bananen und
Wiesengründe von weichem Gras. Eine Besonderheit ist der Salzgehalt des
Bodens. Die Einheimischen füllen die Erde in große, unten mit Löchern
versehene Gefäße; die nach einem Wasseraufguß abrinnende Flüssigkeit
wird über Feuer abgedampft und das so gewonnene Salz in den Handel
gebracht.
_Taveta_ (730 m über dem Meere), ist keine Ortschaft, sondern eine
Landschaft von 11 km Länge und 1½ km Breite, welche der Lumi in
einem Netz von Kanälen und stellenweise unterirdisch mit auffallend
kühlem Wasser durchströmt. Sie wird von einem dichten Dschungelzaun
umgeben, durch welchen nur wenige Thorgänge wie Tunnels führen, und
welcher Waldparcellen von Banianen, Bambusa und Phönixpalmen, dann
Bananenhaine und Getreidefelder und die gruppenweise zerstreuten Hütten
der Eingeborenen schützend umschließt. Taveta ist das Paradies der
Karavanen; hier können sie sich verpflegen mit Bananen, Zuckerrohr,
Maniok, Bataten, Erbsen und Bohnen, mit Milch und Honig, mit Schafen,
Hühnern und Fischen.
Südlich von Taveta breitet sich in geringer Entfernung in einem
mächtigen Schilfkranz der seichte _Jipe-See_ aus (716 m über dem Meere;
16 km lang und 5 km breit). Sein Wasser ist wohlschmeckend und von
ockergelber Färbung. Am Ostufer erheben sich einige Hügelreihen; die
daranstoßende weite Grasebene geht in der Richtung auf Teita in eine
wasserlose Wüste über. Die Westseite bedeckt kahler, rother Lehmboden,
auf welchen der See eine Unzahl von weißen Muscheln gespült hat. Das
Nordende biegt gegen Westen in einen breiten Sumpf von außergewöhnlich,
bis zu 4½ m hohen Papyrusstauden um.
Nördlich von Taveta liegt in einem isolirten Bergring eingebettet
der _Dschalla-See_, 10 km im Umfang; Steilwände umschließen ihn. Er
wird als das jüngste Product der frühern vulkanischen Thätigkeit des
Kilimandscharo betrachtet. Die Eingeborenen haben eine heilige Scheu
vor ihm und begleiten den Europäer ungern, der zu ihm hinabklettert.
Eine blühende Landschaft soll da begraben sein mit Menschen und Vieh,
deren Stimmen man nachts zu vernehmen glaubt. Sein Wasser ist süß und
wohlschmeckend, ähnlich wie Regenwasser.
_Die Savannen- und Sumpfwaldzone._
Die _Savannenzone_ dehnt sich als 10-30 km breiter Gürtel von Komboko
im Westen, oberhalb des fruchtbaren Landstriches von Klein-Aruscha
und Kahe, dann den Kilema, Jipe und Nabali aufwärts, bis dicht nach
Taveta und dem Flusse Lumi aus. Sie ist eine Steppe hohen, harten
Grases, deren Monotonie von Baobabs, durch Gebüsche von Fettpflanzen,
Armleuchter-Euphorbien und Wolfsmilchbäumen, und durch die
Galeriewälder an den Ufern der zahlreichen Flüsse unterbrochen wird.
Sie ist der Tummelplatz für Antilopen, Gazellen, Giraffen, Strauße,
Büffel und Nashörner.
Die _Sumpfwaldzone_ drängt sich nördlich der Steppe theilweise bis hart
an den Aufstieg des Gebirges heran. Es ist ein düsterer, hochstämmiger
Wald, stellenweise ganz aus Baobabs bestehend, die 25-30 m voneinander
entfernt emporstreben, voll von Schilfmorästen, deren größter südlich
von Moschi bis an die Savanne reicht. Das Unterholz wird von so
dichtem und zähem Gestrüpp gebildet, daß man nur mit der Axt sich Bahn
brechen kann. Als Wege dienen die von Rhinocerossen, Elefanten oder
Büffeln getretenen Pfade, ein Wirrsal, aus dem allein Eingeborene
sich herausfinden können. Eine Menge von 4 m tiefen, wohlverdeckten
Wildgruben steigert die Unwegsamkeit. Die Gebirgsbäche und Flüsse
stürzen in bis 4 m tiefen schilfbewachsenen oder felsigen Schluchten
dahin, einige mit einer Breite von 6-8 m.
Da der Wald die Ufer des Sonja und des obern Nabali nicht
überschreitet, so kann man, ohne ihn durchkreuzen zu müssen, das
Dschaggaland erreichen, entweder von Aruscha über Komboko nach
Madschama oder von Taveta nach Marangu.
Das Kilimandscharo-Gebirge[6] mit dem Dschaggaland.
Das über 6000 m hohe Gebirge steigt an der Südseite aus der Hochebene,
die im Westen 1230 m und im Osten 780 m über dem Meere liegt, ganz
allmählich in drei großen Terrassen empor; die unterste, breiteste
Terrasse ist zwischen 1000 und 1800 m Höhe, die zweite in der Höhe von
4300 m und die letzte in der Höhe von 4800 m gelagert.
Zwischen der Sumpfwaldzone der Niederung und der untersten Erhebung
zieht sich stückweise ein Savannenstreifen hin, bedeckt theils mit
scharfkantigem Gras, Dornengebüsch und leichtem Gehölz, theils mit
Lavaasche und trachitischem Gestein, durchfurcht von den steilen,
schwierig überschreitbaren Rinnsalen der Bäche und Flüsse, unterbrochen
von vulkanischen Kegeln und Höhenzügen. Dadurch ist die Gangbarkeit
längs des Fußes des Gebirges ungemein erschwert; die Eingeborenen
benutzen deshalb die hoch am Berg gelegenen Verbindungswege, die von
Ost nach West in die einzelnen Gebiete führen.
Die erste, unterste Terrasse (1000-1800 m über dem Meere), welche
sich durch mächtige Laubbäume, zierliche Palmen und blumengeschmückte
Wiesen ankündigt, bildet den bewohnten Theil des Gebirges und ist das
vielgepriesene Dschaggaland. Als ein bis zu 16 km breiter Gürtel umfaßt
es die Bezirke von Madschama, Uru, Moschi und Marangu; es setzt sich im
Osten oberhalb Rombo zu einem nicht cultivirten, aber culturfähigen,
2500 m hochgelegenen Plateau fort.
Die von Norden nach Süden herabfließenden Gewässer zertheilen die
Terrasse in tiefe, enge Thäler. Die Wohnstätten und Felder der Bewohner
liegen auf scharfgetrennten Bergrippen. Die Unzugänglichkeit des
Geländes haben die Eingeborenen zum Schutz gegen feindliche Ueberfälle
ausgenutzt und künstlich verstärkt, indem sie die Schluchten, welche
ihre Staaten begrenzen, mit dreifachen Palissadenreihen krönten und die
Breitseiten mit Schanzgräben überquerten.
Der Zugang wird im friedlichen Verkehr durch breterschmale Brücken
ermöglicht; Lastthiere müssen an einzelnen weniger abschüssigen
Stellen hinabgeschleift und hinaufgezogen werden. Innerhalb der
Befestigungen wohnt die Bevölkerung in Hüttengruppen. Die Fruchtbarkeit
ist allenthalben die üppigste; zwischen Wiesen von zartem Gras und
buntfarbigem Blumenflor und zwischen Hainen der vorzüglichsten Bananen
erstrecken sich die Felder mit Bohnen, Hirse, Mais, Bataten und Yams.
Rinder, langhaarige Schafe und Ziegen werden in Menge gehalten.
Kleine Kanäle, welche aus den höhergelegenen niedrigen Bachbetten den
Bergrücken hinabgeleitet oder durch Röhren von Abschnitt zu Abschnitt
geführt werden, bewässern die Culturen.
Vom Dschaggaland steigt in der weiten Entfernung eines Tagemarsches die
mit Urwald bekleidete zweite Terrasse empor.
Das ist das Landschaftsbild der, sozusagen, inneren Dschaggastaaten,
von _Uru_, _Moschi_[7] und _Marangu_. Einen veränderten Anblick bieten
Madschama im Westen, sowie Rombo und Kimangelia im Osten.
Der Bezirk _Madschama_ mit dem Lagerplatz _Komboko_ (1230 m über dem
Meere) liegt dicht am Fuße des hier jäh emporsteigenden Gebirges. Kibo
und Kimawensi, wie der die Westflanke bildende Schira[8], sind in ihrer
ganzen Gestaltung sichtbar. Der Urwald tritt im Süden unmittelbar
heran; das 45 m tiefe Thal des Weriweri bildet die östliche, das
seichte Bett des Sonja die westliche Grenze. Die Fruchtbarkeit der
leicht gewellten Ebene ist dieselbe wie im übrigen Dschaggaland; zu
allen Jahreszeiten können die Karavanen sich reichlich mit Vegetabilien
verproviantiren. In Komboko werden aus Furcht vor den Masai nur wenige
Rinder und gar keine Hühner gehalten.
_Rombo_, an der Südostecke, zieht sich von der Ebene an den Ufern des
krystallklaren und fischreichen Lumi als freundliches Wiesenthal in
die Berge hinein und mit seinen Feldern die Hänge hinauf. Lebensmittel
aller Art sind im Ueberfluß und billig zu haben: Bananen, Getreide,
Yams, Schafe, Milch und Butter. Oberhalb Rombo, 2500 m über dem
Meere, befindet sich ein von den Eingeborenen unangetastetes, drei
Stunden langes Plateau (die östliche Erhebung und Fortsetzung der
Dschaggalandterrasse), ein mit Hügelreihen durchzogenes, von frischem
Wasser durchfeuchtetes, mit Blumen übersäetes Wiesenland, geschaffen zu
paradiesischer Wohnstätte, wie der Engländer Johnston behauptet.
Bei _Kimangelia_ (1200 m über dem Meere), nordwestlich von Rombo, kommt
man in die letzte von Menschen bewohnte Gegend der östlichen Abdachung
des Kilimandscharo. Hier ist die Bebauung gering, da Wasser spärlich
fließt; nur zur Weide dienen die mageren Triften.
_Das Gebirge oberhalb Dschagga._
Da der Kilimandscharo nur an der Südseite, von der verhältnißmäßig
kurzen Basis Moschi-Rombo aus, von Forschern durchwandert worden ist,
so kann unser Wissen von seiner Bewachsung und Bodengestaltung im
ganzen nur ein bedingt richtiges und wenig vollständiges sein.
Den klimatischen Gesetzen folgend müssen sich die einzelnen
Vegetationszonen bis zur Stein- und Schneegrenze hinauf gürtelartig
um den ganzen Gebirgsstock legen. Die mehr der Sonne und den feuchten
Luftströmungen ausgesetzten Ost- und Nordseiten sind die wärmern, die
Süd- und Westseiten die kühlern. Es läßt sich daher annehmen, daß
die Vegetationszone, wo es die Gebirgsformation erlaubt, im Osten
und Norden weiter hinaufrückt als im Süden und Westen. Für die Höhen
oberhalb Rombo ist dies wenigstens festgestellt.
Aus den Bananenhainen und Wiesengründen des Dschaggalandes tritt man
in einer Höhe von 1800 m in eine parkartige, langsam ansteigende
Landschaft, deren oberer Rand von dichtem, niedrigem Buschwald und
Brombeergestrüpp begrenzt wird.
Von 2000 m an beginnt im allgemeinen (von 1500 m oberhalb Moschi und
von 2500 m oberhalb Rombo) die _Urwaldregion_ und endet bei 3000 und
3500 m. Der Böschungswinkel wird steiler (25-30°). Auf dem weichen,
theilweis morastigen und schlüpfrigen Boden ragen ungeheuere Wollbäume
und Banianen empor; Massen von Moos und Flechten überziehen die
Aeste und Stämme und machen sie morsch durch ihre erstickende Last;
Schmarotzer- und Schlingpflanzen bilden mit riesigen Farrnkräutern
ein fast undurchdringliches Unterholz. Die hier hausenden Elefanten
haben die Bahn für den Menschen gebrochen; doch gerade auf ihr liegen
gutverdeckt die dem Fremden gefährlichen Wildgruben.
Nördlich des Urwaldes breitet sich in gelinder Steigung eine
_Wiesenzone mit Busch_ von 3000-4000 m aus. Die Pflanzendecke ist
auf das mannichfaltigste zusammengesetzt: aus Papyrus ähnlichen
Riedgräsern, Ginstergebüsch, krautartigen Stauden, violetten
Glockenblumen und Orchideen, aus rosarothem ~Gladiolus~ und stiellosen,
1½ m im Umfang betragenden Disteln, sowie aus einem 6-9 m hohen
Staudengewächs (~Senecio Johnstonii~), mit einem schwärzlichen, sehr
weichen Stamm und einer mächtigen Krone von breiten Blättern und gelben
Blütenbündeln.
Mit 4000 m ist der letzte Vegetationsstreifen, ein _buschloses
Mattenland_, erreicht; es geht bei 4500 m in ein quellenloses,
graufarbiges Lava- und Steintrümmerfeld über. Die beiden
letztgenannten Zonen bedecken die zweite, 4300 m, und die dritte,
4800 m hochgelegene Terrassenstufe. Auf der letztern, einem 5 km
nach Norden und 7 km von West nach Ost ausgedehnten Plateau ruhen
der Eisdom des _Kibo_ und die niedrigere, zerklüftete Felsenspitze
des _Kimawensi_, beide Gipfel getrennt durch einen Sattel von sechs
vulkanischen Kegeln.
Die untere Schneegrenze ist verschieden bestimmt worden, zwischen 4600
und 4900 m. An der Ostseite liegt sie höher als im Westen und im Norden
schneidet sie nach Dr. Hans Meyer schon bei 5500 m ab.
Die höchste Kuppe des Kibo ist vergletschert und von einer 50 m hohen
überhängenden Eiswand gekrönt, welche eine leicht gewellte Schneefläche
ringförmig umschließt. Von der Decken berechnete ihre Höhe auf 5694 m,
Dr. Hans Meyer auf ca. 5700 m und Otto Ehlers, der letzte Besteiger auf
mehr als 6000 m.
Klima.
Alle Reiseberichte sprechen von den günstigen Gesundheitsverhältnissen
nicht nur auf der Culturzone des Kilimandscharo, sondern auch in den
Wohnbezirken der Ebene. Selbst Taveta wird trotz der Nähe des großen
Sumpfes am Nordende des Jipe-Sees als fieberfrei gerühmt. Es gibt keine
andauernden Perioden von Trocken- und Regenzeit; die Höhe des Gebirges
bewirkt Regen in allen Monaten. Nach allgemeiner Schätzung regnet es
im April und Mai am stärksten, im Januar fast nie. Nach v. d. Decken,
welcher Aufzeichnungen vom Juli bis September 1861 und vom October bis
December 1862 niedergeschrieben hat, erscheint der December als der
trockenste und der August als der feuchteste Monat.
Temperaturbeobachtungen von längerer Dauer und gleichzeitig an
verschiedenen Orten wurden noch nicht gemacht. Die umstehende Tabelle
gibt nur eine allgemeine Vorstellung von den Wärmeverhältnissen.
Temperaturen im Kilimandscharo-Gebiet verglichen mit den
Temperaturen von Sansibar.
===========+==========+=======+======+====================+==========
| Dauer | Höhe | | Mittel-Temp. in R.°| R.°
_Ort._ | der | in |Monat.+------+------+------+----+-----
| Beob- |Metern.| | mor- | mit- |nachts|Max.|Min.
| achtung. | | | gens | tags | | |
===========+==========+=======+======+======+======+======+====+=====
Taveta | -- | 730 | Juni | 16 | -- | -- |25 |12
| | | | | | | |
Moschi | Längere | | | | | | |
(durch | | | | | | | |
Johnston) | | 1300 | „ | 11,5 | 17 | 12 |21 |10
| | | | | | | |
Moschi | Mehr- | | | | | | |
(durch | malige | | | | | | |
Lt. Weiß) | | „ | „ | 12,8 | 18 | 14,7 |18,4|13
| | | | | | | |
Aruscha | Einmalige| 730 | Juli | -- | -- | -- |23 |15,2
| | | | | | | |
Useri | „ | ? | „ | -- | -- | -- |16,8|12,8
| | | | | | | |
Marangu | „ | 1300 | „ | -- | -- | -- |-- |10
| | | | | | | |
Kimangelia | „ | ? |August| -- | -- | -- |14,4| 8
| | | | | | | |
Moschi | Mehrmal. | 1300 | „ | -- | -- | -- |23 |12
| | | | | | | |
Jipe-See | „ | 737 | Oct. | 16,5 | 24,2 | 16,4 |24,2|14
| | | | | | | |
Kl.-Aruscha| „ | 730 | Nov. | 16,3 | 24 | 17 |24,1|14,6
| | | | | | | |
Moschi | „ | 1300 | „ | 13 | 22 | 16,9 |22,5|13,2
| | | | | | | |
{| Einmalige| 2100 | Oct. | -- | -- | -- |16,5| 5
Im {| | | | | | | |
hohen {| „ | 3300 |Sept. | -- | -- | -- |14,6|-1,3
Gebirge {| | | | | | | |
{| „ | 4900 | „ | -- | -- | -- | 1,2|-8
| | | | | | | |
Sansibar | Während | -- | Juni | 18,9 | 20,8 | 19,4 |22,4|17,7
| eines | | Juli | 18,0 | 20,3 | 18,6 |21,5|16,8
| Jahres | |August| 17,8 | 20,6 | 18,4 |21,8|16,8
| | | Sept.| 18,3 | 21,2 | 19,1 |22,8|17,5
| | | Oct.| 18,3 | 21,3 | 18,9 |23,2|16,7
| | | Nov.| 19,7 | 22 | 20,5 |24,4|19
Unverkennbar weht am Kilimandscharo und auf der daran anstoßenden Ebene
selbst in den heißern Monaten eine frischere Luft als in Sansibar. Aber
das Gefühl der Erfrischung wird wesentlich durch die stärkere Abkühlung
während der Nacht hervorgerufen; denn die Mittagstemperaturen bleiben
sich nicht nur fast gleich, sondern sind sogar im October und November
um einige Grade gesteigert. An deutsches Klima ist nicht zu denken;
das verbietet schon an und für sich die Existenz einer tropischen
Pflanzenwelt und die doch sonst unmögliche Gewohnheit der Eingeborenen,
beinahe nackt zu gehen.
Thierwelt.
Die südlich und westlich vor dem Kilimandscharo liegende Ebene bis an
den Jipe und den Pangani unterhalb von Aruscha ist das herrlichste
jungfräuliche Jagdgebiet. Nicht einzeln oder in kleinen Trupps, nein,
in Scharen von Hunderten galopirt das Hochwild über die weiten Flächen.
Hier begegnet man Antilopen, Gazellen, Zebras, Giraffen, Büffeln und in
geringerer Menge auch Straußen; dann paarweise überall dem Nashorn und
dem Panther und am Ostufer des Jipe-Sees dem Löwen. Das Warzenschwein
ist in größerer Menge am obern Sonja zu Hause; Flußpferde und einige
Krokodile steht man im Jipe-See.
Der Elefant treibt sich im Sumpfwald und besonders in der Urwaldzone in
2-3000 m Höhe herum. Er klettert weit aufwärts; Johnston sah ihn bei
4000 m und Ehlers entdeckte seine Spuren sogar noch bei 5000 m.
Die Wälder in der Niederung werden von Affen, im Norden und Nordosten
von dem weißschwänzigen Stummelaffen (~Colobus~), von Hornvögeln,
Trappen und Kiebitzen belebt.
Die gefürchtete Tsetsefliege zeigt sich nirgends.
Eine besondere Erwähnung und Beachtung verdienen die zahllosen
Bienenschwärme, denn sie überfallen unversehens die Karavanen zum
größten Schrecken der Neger. Wehrt man sich mit Hand und Stock gegen
sie, so wird man auf das entsetzlichste zerstochen. Gegen sie gibt es
nur zwei Mittel: entweder ruhiges Verhalten oder Anzünden von Feuern,
um durch Rauch sie zu vertreiben.
Bevölkerung.
Zu den Bewohnern des Kilimandscharo-Gebietes gehören: die Wadschagga,
Wataveta, Wakuafi und Wandorobbo. Auch von den Masai muß eingehend
gesprochen werden, da sie als nächster und wichtigster Nachbarstamm
bestimmend in das Leben und den Verkehr der übrigen Bevölkerung
eingreifen.
Die _Wadschagga_ haben ihre Wohnsitze auf der ersten Terrasse des
Südabfalls des Gebirges; am Fuße, im Westen und Osten, treten sie in
Komboko und Rombo mit wenigen Ansiedelungen in die Ebene hinaus.
Die politisch abgeschlossenen größern Bezirke, welche die im Verhältniß
zu der außerordentlichen Fruchtbarkeit geringe Bevölkerung umfassen,
heißen von West nach Ost gezählt: _Madschama_, _Uru_, _Moschi_,
_Marangu_, _Rombo_. Früher wurden noch Kindi, Lambungu, Kirua, Mamba
genannt und mit Kilema als Sammelname der südöstliche Theil von Moschi
bis Rombo bezeichnet. Wir haben keine Kenntniß, ob diese kleinern
Landschaften noch selbständig existiren; wir wissen nur, daß Lambungu
durch Raubzüge der Nachbarn ganz entvölkert worden ist und entvölkert
blieb.
Die Wadschagga treiben Ackerbau und Viehzucht; sie gewinnen Honig in
großen Quantitäten, indem sie Bienenkörbe aus ausgehöhlten Holzstücken
herstellen und deren funfzehn bis zwanzig an den Waldbäumen aufhängen.
Die Männer überlassen den Weibern hauptsächlich die schweren Arbeiten
und verlegen sich selbst mit Vorliebe auf Jagd, Krieg und Raub, wozu
sie schon als Knaben, abgesondert von der Familie, erzogen werden.
Sie werden sich in keiner europäischen Ansiedelung als Feldarbeiter
verdingen; nur um hohen Lohn schlossen sie sich bisjetzt den
Gebirgsexcursionen der Weißen als Führer an.
Eine besondere Stellung nehmen die _Wadschame_ ein; sie sind Schmiede
und verfertigen mit ungewöhnlicher Geschicklichkeit feine Eisenkettchen
(Mikusu von den Händlern genannt und Elbissia von den Masai); dieselben
dienen als Schmuck und hauptsächlich als Tauschwaare in den westlichen
und nördlichen Ländern.
Die Wadschagga sind ein kräftiger, hochgewachsener Menschenschlag, von
etwas hellerer Hautfarbe als die Küstenneger, vom schönsten bis zum
häßlichsten Typus. Häufig gewahrt man scharfmarkirte Gesichtszüge,
schmale Lippen und stark hervortretende Backenknochen. Von der Anmuth
des Wuchses und den vollen Formen der bronzefarbenen jungen Mädchen
entwerfen alle Reisenden begeisterte Schilderungen. Die Sprache ist dem
Kisuaheli verwandt; einzelne Herrscher, wie Mandara, der Häuptling von
Moschi, sprechen es geläufig.
Die Tracht der in zerstreuten Hütten wohnenden Bevölkerung ist sehr
dürftig; die jungen Männer gehen ganz nackt, die Mädchen begnügen sich
mit einem Bananenblatt um die Lenden oder mit einer handgroßen Schürze
von Drahtkettchen. Die ältern Männer tragen ein Fell, das mit der
größern Hälfte auf den Rücken herabfällt, oder Stücke von Baumwollzeug,
das mit fußlangen Fransen verziert und mit röthlicher Erde beschmiert
ist. Ihre Waffen sind fast ausschließlich Schild und Speer;
Feuergewehre besitzen sie in sehr geringer Anzahl. Die Frauen schmücken
sich einfach mit Gehängen von kleinen rothen Perlen und bedecken ihre
untern Blößen mit einem Lederschurz; vornehmere verschleiern mit grünen
und rothen Perlenschnüren das Gesicht.
Die beliebtesten Tauschwaaren sind: Baumwollstoffe, Glasperlen und
Metallwaaren. Von Kahe wird in großer Menge eine als Salz verwendbare
Erde, Emballa, eingeführt.
Bei der Begrüßung von Fremden wird zum Zeichen des Friedens ein Büschel
Gras in die Hand genommen und unter dem Ruf „Jambo” emporgehoben. Thut
der Fremdling dasselbe, so beginnt die Berathung, das Schauri. Dazu
dient ein bestimmter geheiligter Platz, Maschingo genannt, mit Steinen
im Kreisrund abgegrenzt, in dessen Mitte eine Hütte und zwischen drei
Bäumchen ein Felsblock steht.
Ein Volk, das sich fast ausschließlich dem Krieg und der Jagd ergeben,
müßte auch wild und rauh in seinem Benehmen sein. Allein die Kriegs-
und Jagdzüge der Wadschagga bestehen häufiger in schlau vorbereiteten
Ueberfällen der Wehrlosen und im Fangen des Wildes in Fallgruben,
als im offenen Angriff; und so hat sich in ihrem Charakter mehr List
und Feigheit ausgebildet, als wirklich mannhafter Sinn. Sich selbst
gegen plötzlichen Einbruch von Feinden zu schützen, verstehen sie
vortrefflich. Vorposten sind an den die Wohnbezirke umlaufenden
Schanzgräben aufgestellt; bei ausgezeichneter Wachsamkeit entgeht ihnen
nicht das leiseste Geräusch. Schleicht sich ein Feind heran, so rufen
sie sofort die gesammte kriegsfähige Mannschaft zu den Waffen.
Die _Wataveta_, die nur den Bezirk Taveta bewohnen, scheinen von
demselben Stamm zu sein, wie die Wadschagga. Ihr äußerer Typus ist
nahezu derselbe, auch ihre Wohnweise. Dagegen haben das üppige Leben
in der paradiesischen Ebene und der unausgesetzte Verkehr mit den
Karavanen, die hier monatelang lagern, ihren Sitten und Gemüthern den
Ausdruck der Friedfertigkeit verliehen, der Bekleidung und dem Schmuck
den Stempel der Wohlhabenheit aufgedrückt.
Sie sind Ackerbauer, Fischer, Hirten von Rindern und Schafen und
eifrige Bienenzüchter. Trotz des Wildreichthums in der Gegend
des nahegelegenen Jipe-Sees ziehen sie selten zur Jagd aus. Zur
Vertheidigung ihres von Dschungeln eingefesteten Gebietes gegen die
stets verheerenden Masai-Horden sind sie auf sich selbst angewiesen
und nur mit Rücksicht auf diese üben sie sich im Handwerke des
Kriegers. Niemals treten sie aus ihrem Heim heraus, um Beute aus andern
Ansiedelungen zu holen.
Männer und Weiber schmieren den Körper mit gefetteter rother Erde ein.
Die Kleidung der Männer besteht entweder aus einem Stück röthlich
gefärbten Baumwollzeugs, das um den Hals gebunden wird, oder aus einem
über die rechte Schulter hängenden Fell. Zum Schmuck werden verwendet:
ein Halsband von Eisen- und Messingdrahtkettchen, darüber eines von
Perlen; Holzstäbchen und Scheibchen oder kleine Flaschenkürbisse in
den durchlöcherten und unförmlich erweiterten Ohrläppchen; Spangen von
Holz, von Eisen- und Messingdraht um Arme und Beine; metallene Schellen
um die Knöchel. Meterhohe Schilde von Büffelhaut, Keulen, Schwerter und
Speere, auch Messer sind ihre Waffen; selten Bogen und Pfeil.
Der Schmuck der jungen Mädchen zeigt sich in etwas Perlengehäng an
den Ohren; sie begnügen sich, allein durch den Reiz ihrer ebenmäßigen
Gestalt und vollendet schöner Büsten zu wirken. Die verheiratheten
Frauen belasten das Ende ihrer Ohrmuscheln wie die Männer; zur
Abwechselung stecken sie eine Schnecke von Eisendraht durch die
Läppchen. Mit schweren Messingringen umschließen sie Hals und Beine.
Die Wataveta gelten als friedlich, gastfrei und ehrlich.
Die Art, wie sie Blutsbrüderschaft schließen, schreckt die Europäer vor
der persönlichen Ausführung zurück: man spuckt auf ein Stück gebratenen
Fleisches und steckt es sich gegenseitig in den Mund.
Die _Masai_ gehören zum Stamme der Galla; ihr Verbreitungsbezirk
läßt sich bei ihrem fortwährenden Wanderleben von Land zu Land nur
annähernd bestimmt angeben; doch kann man als Grenzen, die sie bisjetzt
dauernd nicht überschritten, bezeichnen: den Naiwascha-See, Ukamba,
den Lauf des Sabaki, die Gebirge von Pare, Nguru, Usagara, Uhehe, das
Hochplateau von Unjamwesi und der östlichen Ufer des Victoria-Nyanza.
Sie sind ein Krieger- und Hirtenvolk, ohne feste Wohnsitze immer bereit
zum Kampf. Die jungen Leute (Elmuran) bilden die Kriegerkaste; sie
nähren sich ausschließlich von Fleisch und Milch. Die verheiratheten
ältern und wohlhabendern Männer (Elmorua) und die Weiber nehmen nicht
theil an den Kriegszügen, sondern bleiben im Kreise ihrer ungeheuern,
oft bis zu 10000 Stück zählenden Heerden, von einem Lagerplatz zum
andern ziehend; ihr Wandertrieb drängt und treibt nach Veränderung,
wenn auch Futter und Wasser reichlich vorhanden sind. Da nur der
Besitzende heirathen kann und nur Rinder als werthvoller Besitz gelten,
so ist die Veranlassung zu Raubzügen immer gegeben; im großen Stile
werden diese meistens im August, September und October unternommen; sie
führen die kriegslustigen Horden bis an die Küste zwischen Mombas und
Tanga. Stets wird die Jugend von einigen Männern, reich an Erfahrung
und älter an Jahren, begleitet.
Die Männer sind groß, kräftig und schlank, die Gesichtszüge sehr
verschieden, vom Angenehmen bis herab zum Thierischen; die jungen
tragen wie Stutzer alle möglichen Haarfrisuren, die verheiratheten
rasiren den Schädel. Für gewöhnlich werden als Bekleidung benutzt
größere oder kleinere Felle, die über die Schulter geworfen werden,
oder förmliche Ledermäntel. Zum Kriegsanzug gehört vor allem ein lang
herabwallender Mantel (Neiwera) von 2 m Baumwollenstoff, mit einem 2 cm
breiten bunten Streifen besetzt (er wird um den Hals gebunden) und ein
Ziegenfell um die Hüften; als Schmuck Ohrringe von Perlenschnüren,
Eisenkettchen und Messingdraht, Armbänder von Elfenbein, langhaarige
Affenfelle um die Knie und Schellen um die Knöchel. Das Gesicht wird
durch einen mächtigen Kranz von schwarzen und weißen Straußenfedern
eingerahmt. Als Waffen verachten sie Bogen und Pfeile wie auch
Feuergewehre; sie tragen nur enorm lange Speere mit breitem Blatt, ein
kurzes Schwert, Keule und Schild.
Das weibliche Geschlecht ist nichts weniger als anmuthig;
hagere Körper, etwas schwulstige Lippen mit vorstehenden oberen
Schneidezähnen, glattrasirte Köpfe. Diese Gestalten hüllen sich in
einen weiten, rothbeschmierten Ledermantel und beschweren panzerartig
den Hals mit Ringen von dickem Eisendraht und Arme und Beine mit
dichten Metallspiralen, die Ohren mit Gehängen von Perlen und
Messingschnecken.
Die Masai scheinen einen wirklichen Nationalstolz zu besitzen; sie
verachten die sie umgebenden ackerbautreibenden Völker. Sie haben
weder Sklaven noch Sklavinnen. Das Rind ist ihnen alles; sie hegen und
pflegen dasselbe fast mit Zärtlichkeit, dafür kämpfen und sterben sie.
Das ganze Masai-Volk besitzt eine Art von gemeinschaftlichem Oberhaupt,
einen Hohenpriester, Mbatian genannt, der sich meistens im Gebiet
Kisongo bei dem Berge Meru aufhält. Er bezeichnet Richtung und
Zeitpunkt der großen kriegerischen Unternehmungen und verleiht durch
besondere Zaubermittel die sichere Aussicht auf Erfolg; sein Rath wird
von allen gesucht und ist entscheidend.
Sonst leben die Masai in patriarchalischer Verfassung sippenweise
beisammen. Jede Sippe hat ihren eigenen Zauberer oder Priester, Leibon,
der die bösen Geister beschwört und Regen erwirkt. Hat er Miserfolg, so
wird er abgesetzt oder in schwerern Fällen sogar ermordet.
Von Bedeutung für den auswärtigen Verkehr ist, daß jede der drei
Klassen der Elmorua einen Sprecher, Leigwenan, besitzt.
Er leitet mit großer Beredsamkeit die Unterhandlungen und hält auf
parlamentarische Ordnung. Nur wer es versteht, ihm richtig zu antworten
und kluge Gegenvorstellungen zu machen, ist ein brauchbarer Dolmetscher
im Masai-Lande. Man begrüßt sich durch Händeschütteln. Der ausgespuckte
Speichel gilt als Zeichen der Weihe. Der Leibon spuckt dem ihn
Besuchenden auf die Hand; ebenso verlangen die Masai, daß der Europäer,
wenn er als Zauberer geachtet wird, allen, soviel sie auch sein mögen,
in die Hand spucke. Ein verkaufter oder verschenkter Gegenstand muß
angespuckt werden, zum Zeichen, daß man endgültig auf seinen Besitz
verzichtet.
Die Sprache ist ganz verschieden von dem Bantu-Dialekt; gezählt wird
nur bis funfzig entweder mit Worten oder mit einer eigenthümlichen
Fingersprache.
Da das unausgesetzte Wanderleben das Anlegen von Dorfschaften
unmöglich macht, so erbauen die Masai ihre Hütten auf die einfachste
und flüchtigste Weise: über einige in den Boden gesteckte und
zusammengebogene Stangen werden Häute gelegt und diese mit Kuhmist
eingedeckt. In dem durch Dornhecken geschützten Kreis von Hütten
lagert nachts die Heerde. Das Weib verrichtet alle häuslichen
Arbeiten, erhält zur Nahrung Eingeweide und Gehirn der geschlachteten
Rinder, Ziegenfleisch und Ziegenmilch und darf sich Pflanzenkost bei
benachbarten Ackerbauern erhandeln. Es genießt im Verkehr außerhalb
des Stammes große Freiheiten. Die Frauen können unbelästigt selbst
diejenigen besuchen, die mit ihren Männern und Brüdern in Fehde
stehen; sie bringen den Karavanen Nahrungsmittel und oftmals heimliche
Botschaft von drohenden Ueberfällen. Bei den Wanderungen haben sie
einen Theil der Lasten zu tragen; das schwere Gepäck wird auf Ochsen
und Eseln verladen. Letztere sind wahrscheinlich von Norden eingeführt
und gelten als das charakteristische Lastthier der Masai.
Die _Wakuafi_ gehören auch zum Stamm der Galla; ob zu dem der Masai,
erscheint sehr fraglich. Denn sie werden von den letztern verachtet
oder auf das feindseligste verfolgt. Der Hang zur Seßhaftigkeit ist
ihnen, im directen Gegensatz zu den Masai, eigenthümlich und damit
die Neigung zu mildern Sitten. Es dürfte demnach die Annahme richtig
sein, daß sie, ein gesonderter Stamm, aus den frühern Wohnsitzen
zwischen Kilimandscharo und Naiwascha-See von den Masai theilweise
versprengt wurden und ihre Niederlassungen da gegründet haben, wo
ihre Feinde sie duldeten oder wo sie vor denselben Schutz fanden.
Derartige selbständige Wakuafi-Ansiedelungen befinden sich im
Kilimandscharo-Gebiet in Klein-Aruscha und Kahe, wahrscheinlich auch in
Komboko. In Taveta leben sie vermischt unter den Einheimischen.
Im äußern Habitus und in vielerlei Sitten gleichen sie den Masai. Statt
der Viehzucht, welche die räuberischen Horden anlocken würde, treiben
sie Ackerbau. Ihr Benehmen ist friedliebend, treu und zuverlässig. Die
Pangani-Karavanen lassen sich bei ihnen in Aruscha nieder, deponiren
hier vertrauensvoll einen Theil ihrer Waaren, während sie ihre
Streifhandelszüge in das eigentliche Masai-Land unternehmen.
Die _Wandorobbo_ zählen zur Gruppe der Völkersplitter. Niemand
weiß, woher sie kamen und zu welchem Stamm sie gehören. Sie sind
ausschließlich nomadisirende Jäger; in dringender Noth vermiethen sie
sich als Rinderknechte an die Masai, die sie verächtlich behandeln.
Man trifft ihre im Dickicht versteckten Hütten in größerer Anzahl
bei Useri an der Ostseite des Gebirges. Ihre Sprache wird nur von
den Stammesangehörigen verstanden. So furchtsam und mistrauisch ihr
Benehmen gegen die Nachbarstämme ist, so tapfer und schlau zeigen sie
sich bei der Jagd auf Elefanten. An sie wenden sich gelegentlich die
Karavanen beim Einkauf von Elfenbein.
Politische Verhältnisse.
Muini Mkoma soll vor 150 Jahren aus dem Pangani-Thal gekommen sein und
am Fuß des Kilimandscharo das Fürstenthum Kilema gegründet haben. Sein
Urenkel Masaki war noch 1848 der mächtigste Herrscher in Dschagga;
nach dieser Zeit galt als solcher Mamkinga von Madschama und blieb es
mindestens bis zu Anfang der sechziger Jahre.
Gegenwärtig genießt Makindara oder (auf Kisuaheli) _Mandara_ in Moschi
den Ruf, die umfangreichste Gewalt zu besitzen, aber doch nur insofern
mit Recht, als er die größten Raubzüge im Verein mit den Masai gegen
Useri oder Ugono unternimmt; denn unterthan sind ihm keine andern
Häuptlinge.
Mandara war zu den Zeiten Rebmann's ein Knabe, zur Zeit von der
Decken's ein Jüngling, bei Thomson, Johnston und Dr. Hans Meyer ein
Mann. Er hat immer Nutzen aus dem Besuch von europäischen Gästen
gezogen und ist so klug, ihren dauernden Aufenthalt zu wünschen,
denn sie müssen sich seinen freundschaftlichen Erpressungen fügen
und vermehren auf diese Weise ständig seine Einkünfte. Von ähnlich
zuvorkommender Gesinnung ist _Mareale_, der Beherrscher von Marangu.
Wieviele selbständige Fürstenthümer am Kilimandscharo andauernd
existirt haben oder noch existiren, läßt sich aus den verschiedenen
Reiseberichten nicht sicher entnehmen. Mit einiger Bestimmtheit kann
man gegenwärtig vier unabhängige Staaten nennen: Madschama, Moschi,
Marangu und Rombo. Jeder Staat hat seinen König, Mangi; er ist
unumschränkter Herr des Landes und des Volkes; selbst über die Ehen
verfügt er. Er ruft alle Jünglinge und Männer, die waffenfähig sind,
zusammen und überfällt bei günstiger Gelegenheit die Nachbarn. Doch
ist er durch die Sitte gezwungen, bei kriegerischen Unternehmungen den
Rath der Aeltesten anzuhören, die Siegesbeute und auch den Tribut der
Karavanen mit seinem Volke zu theilen.
Die Gemeinden von Taveta, Kahe und Klein-Aruscha besitzen eigene
Häuptlinge und sind voneinander und von den Nachbarstämmen politisch
unabhängig.
Schlußbetrachtung.
Das Kilimandscharo-Gebiet liefert alle Nahrungsbedürfnisse in
reichlichster Fülle: Getreide, Gemüse und Bananen von ganz besonderer
Güte; Milch, Honig; Rinder, Schafe, Fische; in geringerer Menge
Zuckerrohr und Taback.
Da das Land schwach bevölkert ist, so kann durch vermehrten Ackerbau
die Production gesteigert werden.
_Exportirt_ werden hauptsächlich Elfenbein, auch Straußenfedern.
Der Wildreichthum bietet in Bezug auf Erwerb werthvoller Häute die
lohnendsten Aussichten.
Als _Importwaaren_ werden gesucht: Baumwollzeuge, Messing- und
Eisendraht; weiße, rothe und blaue Perlen.
Zu _europäischen Niederlassungen_ mit Negerarbeit eignen sich
Klein-Aruscha, Kahe, Taveta, Rombo und die von der offenen Ebene direct
erreichbaren Dschagga-Landschaften Marangu, Moschi und Madschama.
Der Verkehr längs oder am Fuße der Gebirgsterrasse ist wegen der
tiefeingerissenen Flußthäler und des Sumpfwaldes sehr erschwert.
Die Production über den Localbedarf und zum Zwecke des Exports findet
zur Zeit zwei wesentliche Hindernisse: die Entfernung von der Küste
und den Mangel an Arbeitern. Der Weg von Taveta nach Mombas, durch
eine wasserlose Steppe führend, beträgt 250 km oder 14-18 Tagemärsche
der Karavanen; die mit Wasser und Lebensmitteln besser versorgte
Route von Taveta längs der Berge von Pare und Usambara nach Pangani
beträgt über 300 km oder 21-24 Tagemärsche; zur Regenzeit ist sie
streckenweise wegen der Ueberschwemmungen ungangbar. Den Fluß Pangani
als Wasserstraße zu benutzen, ist wegen der Stromschnellen unmöglich.
Der Mangel an Arbeitern beruht auf der Unlust der Wadschagga, auch nur
kurze Zeit ihrem kriegerischen Faulenzerleben zu entsagen. Daß die
zum Ackerbau geneigteren Wakuafi bei der Aussicht auf Erwerb und bei
zunehmender Sicherheit von Person und Eigenthum zur Einwanderung in
größerer Menge sich bewegen ließen, ist nicht unwahrscheinlich, doch
eine bisjetzt noch nicht praktisch erprobte Lösung der Arbeiterfrage.
Jedenfalls, das dürfte unbedingt feststehen, erheischt die Colonisirung
des Kilimandscharo-Gebietes im großen Stil in erster Linie den Bau
einer Eisenbahn zur Verbindung mit dem Meere. Die kürzeste und
billigste Verbindung wäre die von Taveta nach Mombas in der englischen
Interessensphäre. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Eisenbahnbaues
hängt ab von kaufmännischen und colonisatorischen Unternehmungen
der Engländer in der Richtung gegen den Victoria-Nyanza und in dem
Aufblühen deutscher Niederlassungen am Kilimandscharo. Beides dürfte
noch in ferner Zukunft liegen.
Zur Zeit können in dem fraglichen Gebiete mit der Aussicht auf baldigen
Ertrag nur Stationen errichtet werden, welche bezwecken, das Wild zu
erlegen und die gewonnenen Häute als Handelsartikel zu verwerthen. Der
Transport nach der Küste ließe sich durch Verwendung der Masai-Esel und
Ochsen erleichtern. Den Elfenbeinhandel hier an der Quelle auf eigene
Kosten zu betreiben, erscheint verlockend; die Erfahrung in andern
ebenso günstig gelegenen Plätzen hat aber gelehrt, daß kein Europäer im
Stande ist, so billig und geschickt Elefantenzähne zu kaufen, wie der
mit den Verhältnissen auf das genaueste vertraute Araber und Suaheli.
Das Wami-Gebiet mit Aseguha, Nguru und Asagara.
Allgemeine Gestaltung.
Das Land vom Pangani bis zum Kingani hebt sich von dem durchschnittlich
10 km breiten, niedrigen Küstenstreifen von Ost nach West mit
einer Zunge zwischen Wami und Gerengere in zwei Terrassen zu einer
durchschnittlichen Höhe von 500 m empor. Auf der zweiten Terrasse fußt
die Gebirgsmasse von Nguru und Usagara.
Die _erste Terrasse_ ist im Norden vom Thale des Pangani und im Süden
von jenem des Gerengere und des Kingani begrenzt. Ihre westliche Grenze
zieht sich von dem Pangani-Ufer, gegenüber der Mündung des Luengera,
in fast direct südlicher Richtung über Konde nach Mbusine und wendet
sich von hier, dem Wami-Makata stromaufwärts bis zur Mündung des Miombo
folgend, mit einer Schleife nach Süden, rückwärts über Kisukara nach
dem Oberlauf des Gerengere. Sie steigt von der Küstenniederung rasch
zu 250 m, dann ganz allmählich bis zu 333 m bei Kidudwe und bis zu
360 m in der Makata-Ebene empor. Ihre Breite beträgt zwischen Ndumi und
Mbusine 75 km.
Die _zweite Terrasse_ liegt als ein 15-20 km schmaler Streifen vor dem
Ostabhang der Nguru- und Kidete-Berge in einer zwischen 330 und 700 m
wechselnden Höhe. Ihre westliche Grenzlinie beginnt nach den bisjetzt
angestellten Höhenberechnungen im Norden bei Lutyomo (508 m) am
Pangani, geht nach Süden bei Muango (734 m) über ihre höchste Erhebung
nach Kurimba (638 m), dann westsüdwestlich nach Kidudwe in Nguru und
bildet in Usagara die obere Thalstufe des Wami, von 397 m bei Mvomero
bis zu 481 m bei Farhani ansteigend, und schließt den südlichen Theil
der Makata-Ebene von Muhanda (492 m) bis Kikoboga (513 m) ab.
Die auf der zweiten Terrasse sich erhebende _Bergmasse_ ist eine
zusammenhängende Gebirgskette, die mauerartig von Nord nach Süd und
Südwest, von der Masai-Ebene bis zum Quellgebiet des Ulanga und zum
Nordende des Nyassa-Sees sich ausdehnt. Das nördliche Massiv, im Süden
vom Wami begrenzt, wird als _Nguru_-Gebirge bezeichnet. Wir besitzen
noch keine sichere kartographische Aufnahme von demselben; wir sind
auf die wenig exacten Aufzeichnungen des englischen Missionars Last
beschränkt. Wir kennen weder die Ausdehnung nach Westen, noch die
nach Norden oder Osten; wir kennen nur die Begrenzung im Süden.
Für die Größe und für den Verlauf der Erhebung dienen allein zwei
sichergestellte Punkte: im Norden das Hochthal von Mgära 1170 m und
im Süden (nahe der Mündung des Luseru) Mkunga 365 m. Ferner mag die
Annahme richtig sein, daß das Nguru-Gebirge aus einer (noch nicht
bestimmten) Anzahl von Hügelreihen besteht, die parallel nach Süden
verlaufen und in welche kleinere Querthäler eingebuchtet sind.
Das Nguru-Gebirge setzt sich in einem südwestlichen Bogen unter dem
Namen der _Kidete_-Berge in die Landschaft Usagara fort. Diese nehmen
die linke Thalseite des Wami-Makata bis Kondoa ein. Von hier steigen
sie (unter keinem bekannten besondern Namen) zur höchsten Erhebung
(1800 und 2100 m) in Usagara empor, über deren Paß (1876 m) der Weg
vom Mukondogwa- nach dem Ruaha-Thal führt. Nach Nordwesten zweigt
sich das _Rubeho_-Gebirge ab, welches zwischen der Kleinen und Großen
Marenga-Mkali eine vielbegangene Einsattelung, den Windi-Paß (1737 m),
besitzt und nach Norden in die Ebene von Mbambwa (986 m) abfällt.
Im Halbkreis umschließt es zwischen dem Rumuma und Matamombo die
Hochfläche der Kleinen Marenga-Mkali (852 m über dem Meere), welche der
Oberlauf des Wami als Ugombe durchströmt.
Der dreieckförmige Theil des nördlichen Usagara zwischen Makubika,
Mbambwa und Kondoa ist in seinem Innern noch so wenig erforscht,
daß ein sicheres orographisches Bild von ihm nicht gegeben werden
kann. Doch haben die bisherigen Reiseberichte folgende Anhaltspunkte
geliefert. Die Basis des Dreiecks Makubika-Mbambwa steigt in sich
von 815 m zu 986 m an und liegt um 334 m, bezw. 505 m höher als
das Flußthal des Mukondogwa bei Farhani, der Spitze des Dreiecks.
Fünf Wasserläufe, der Loonga, Sima, Mtate, Mlali (?) und Matamombo
durchkreuzen die Basis oder beginnen nahe südlich derselben; ihre
Richtung muß im allgemeinen eine südliche sein. Nördlich geht die Basis
theils in die ansteigende Ebene zum Fuße des Nguru-Gebirges, theils in
die große Masai-Ebene über. Zwischen den parallelen Wasserläufen ziehen
in verschiedener Erhebung gegen das Mukondogwa-Thal herab:
Die Niangara-Berge,
die Ruembe-Berge,
die Kleinen Rubeho-Berge mit einem Paß von 1368 m,
die Höhen von Mlali, 1127 m,
die Kiboriani-Berge, 1800 m.
Mit Ausnahme der letztern verflachen die Höhenzüge rasch an ihren
nördlichen Ausläufern.
Das Gestein der Gebirge in Nguru und Usagara ist durchgehends Gneis und
Hornblende mit Einlagerungen von Grünstein, Schiefer und Sandstein;
die Färbung der Erde vorherrschend roth und grauroth. Die Umrisse der
Berge wechseln auf das mannichfaltigste; oftmals erscheinen sie in
wildgezackten Felsengraten, oftmals thürmen sich waldbedeckte Gipfel
dicht hintereinander auf oder sie liegen, wenn von Süden betrachtet,
als breite Kuppelmassen da: immer aber gewähren sie einen malerischen
Anblick.
Flußsystem.
Der _Wami_ fließt von der Hochfläche bei Ndiabi in allgemein westlicher
Richtung nach der Küste und mündet in zwei Armen südlich von Saadani
in den Indischen Ocean. In Useguha nur als Wami bekannt, führt er in
Usagara von West nach Ost folgende Namen: Ugombe, Mukondogwa und Makata.
Nimmt man den längsten und stärksten Flußlauf als den Hauptstrom
an, so muß der Beginn des Wami in dem _Ugombe_ gesucht und deshalb
sein Ursprung in das Rubeho-Gebirge, in die Umgebung des Großen
Rubeho-Passes (1737 m) verlegt werden. Als ein reißendes Gebirgswasser
tritt er in die Wüste der Kleinen Marenga-Mkali (852 m) und erscheint
in einem breiten Bett mit niedrigen Ufern vor dem Bergthor von Ndiabi
(738 m). Sein Lauf durch diesen Theil des Usagara-Gebirges ist als das
_Mukondogwa_-Thal bekannt. Bei Sima (Muinin-Sagara) hat der Fluß in
der Trockenzeit eine Breite von 45 m und nach dem Ausgang bei Kiora
eine solche von 90 m. Die Uferränder sind, wo sie nicht dicht an die
Abhänge sich anschließen, schilfig und morastig. Die ihn umgebenden
Höhen sind theils dicht bewaldet, theils auf felsigem Grund mit
Dorngebüsch besetzt; an vereinzelten Stellen bieten sie Raum für den
Anbau von Feldern und zum Einnisten von Dorfschaften. Das Entzücken
über die Schönheiten des Mukondogwa-Thales, das namentlich Stanley
ausgesprochen, hat seinen Grund mehr in der Wirkung der malerischen
Reize, als in der Existenz ausgiebiger Culturfähigkeit.
Bei Mbumi tritt der Wami in die 110 km lange, 30 km breite
_Makata-Ebene_ ein. Sie ist unfruchtbare Savannenwildniß, bei Regenzeit
vollständig überschwemmt. Oestlich von den Bergen von Ukami und
westlich von den Kidete-Bergen eingerahmt fließt der Wami in nördlicher
Richtung bis Kwadibago, wo er an den Fuß der Nguru-Berge anstoßend nach
Osten sich wendet. Hart am Ufer mit Dschungel, Wald und Schilf umgeben,
ist die weitere Umgebung von Mbumi in Usagara bis westlich Mandera in
Useguha uncultivirbare Savannenfläche, am rechten Ufer nur durch die
nahegelegenen, ungefähr 5-600 m hohen Pongwe-Berge unterbrochen. Von
Mandera bis Mlonga durchbricht er in einem engen, steilen Thal und mit
vielfach gewundenem Lauf die Hügel von Udoë, um in zwei schmale Arme
getheilt und durch Sumpfwaldungen hindurch bei Saadani kaum bemerkbar
in das Meer sich mehr zu verlaufen als zu ergießen. Seine Tiefe beträgt
bei Kakongo in der Makata-Ebene 2 m, bei Udoë nur noch 1 m, in der
Trockenheit 0,3 m, an der Mündung selbst 2,4 m. Der Wami ist demnach
kein schiffbarer Fluß, auch nicht für geringere Strecken.
Der Wami nimmt von Norden 13 und von Süden 4 größere Nebenflüsse auf.
Vor dem Eintritt in das Mukondogwa-Thal bei Ndiabi vereinigen sich mit
ihm, von Nordwesten und Norden strömend:
Der _Matamombo_. Er entspringt auf den Kiboriani-Hügeln nordöstlich von
Mbambwa, zwischen Tubugwe und Sagala und erhält von dem Salzlager bei
Mlali einen bittern, unerträglichen Geschmack. Nach einem Lauf durch
die vertrocknete Ebene von Kodikodi und über kahlen Granitboden bildet
er den Ugombe-See, 5 km lang und 3 km breit, welchen dunkelbraune
Bergwände umgeben.
Der _Mtate_. Er entquillt den Kleinen Rubeho-Bergen, fließt bei Kitangi
durch ein 16 km breites, volk- und heerdenreiches Thal, das den
Charakter der Fruchtbarkeit im weitern Verlauf nach Süden beibehält.
Von Süden mündet bei Ndiabi:
Der _Rumuma_. Er ist ein frisches, reißendes Gewässer, das aus der
höchsten Erhebung des Rubeho-Gebirges herabströmt in einem felsigen und
von Busch und Wald dicht umschlossenen Bett.
In das Mukondogwa-Thal im engern Sinn, von Ndiabi bis Mbumi, münden von
Süden:
Der _Tschogwe_ mit dem Mdunwi, in einem tief eingeschnittenen Thal.
Von Norden:
Der _Sima_. Er hat seinen Ursprung südlich von Mamboia und fließt durch
eine fruchtbare, mit Miombo-Bäumen und Bambusen erfüllte Landschaft.
Beim Eintritt in die Makata-Ebene nimmt der Wami von Süden auf:
Den _Miombo_. Er ist in seinem Oberlauf 15 m breit, brusttief, an
seinen Ufern mit den laubreichen Miombo-Bäumen geschmückt und von
bebauten Feldern begrenzt.
Den _Makata_. Er hat seine Quellen im Rufutu-Gebirge und entsteht aus
der Vereinigung des Zonwe mit dem Kikoboga, welche am Goma-Paß (670 m)
und Mabruki-Paß (513 m) entspringen. Er ist in der moorartigen Ebene
ein raschfließendes, schlammiges, wenn auch trinkbares Wasser. Bei
Kakongo, dem Uebergang der Karavanen von Ukami nach Usagara, hat er
eine Breite von 36 m und eine Tiefe von 2 m.
Von Norden und Nordwesten fließen von den Kidete-Bergen, von Mbumi
bis Kwadibago, eine große Anzahl von Bächen und Flüssen in den Wami;
sie durchschneiden den nördlichen Theil der Makata-Ebene, ohne die
Unfruchtbarkeit derselben wesentlich zu mindern. Die größern Zuflüsse,
deren Breite und Tiefe nur während der Regenzeit angegeben werden
können, sind:
der _Loonga_, 12 m breit, ½ m tief; der obere Lauf in fruchtbarer
Gegend;
der _Komberina_ (auch Wami oder Rudewa genannt), 28 m breit und
1,50 m tief, mit gutcultivirten Feldern bei Rudewa;
der _Tami_, 30 m breit und 0,80 m tief;
der _Munikunde_, 60 m breit und 0,30 m tief;
der _Mvomero_, 6 m breit und 0,60 m tief; er wird als der Grenzfluß
zwischen Usagara und Nguru bezeichnet.
Mit der Wendung nach Osten bei Kwadibago tritt der Wami an die
Ausläufer des Nguru-Gebirges heran und nimmt auf dieser Strecke,
von Kwadibago bis Mfute, den Luseru und Rukigura auf, welche dem
Nguru-Gebirge die Gliederung der von Nord nach Süd verlaufenden Thäler
geben.
Der _Luseru_ (Mvue), im Oberlauf der Richtung der Bergzüge folgend,
durchbricht im Mittellauf dieselben nach Südosten und mündet aus dem
engen Thal von Mkunga in die Niederung des Wami. Er hat sein westliches
Quellgebiet in der Masai-Ebene, nimmt von der linken Seite den Luvumo
und bei Sagasa den Luidschi auf, der (nach Last) ein über 60 km langes
Thal durchströmen soll. Bei Kisera (südöstlich von Sagasa) ist der
Luseru in der trockenen Zeit 9 m breit und 0,3 m tief; hier mündet von
Osten der die Gegend von Kibanti bewässernde Boromo.
Der Buvuma soll nahe östlich von Kisera, von Süd nach Nord strömend,
in den Luseru sich ergießen. Rev. Last's kartographische Darstellung
hat die Unwahrscheinlichkeit dieses Flußlaufes zu verantworten. Im
Thal von Mondo (Kinjumbi) entfaltet sich die schönste Vegetation des
Luseru; seine Wasserfülle steigt bei Mkunga (nach dem Austritt aus
dem Gebirge) zu einer Breite von 23 m und einer Tiefe von 2 m (zur
Regenzeit). Er nimmt kurz vor seiner Mündung in den Wami noch den
krystallklaren Singwe (20 m breit und 1 m tief) und den Lukindo (20 m
breit und 1,20 m tief) auf.
Der _Rukigura_ (Mbusine oder Kikula) mündet bei Mfute in den Wami.
Er ist ein reißendes, klares und fischreiches Wasser. Bei Mbusine
beträgt seine Breite 20 m, seine Tiefe 1,80 m. Der Mittel- und Oberlauf
wurde noch nicht erforscht. Last's Angaben darüber können nicht auf
zweifellose Geltung Anspruch machen.
Die Karavanenstraße, welche über die erste Terrasse von Mrere nach
Ndumi führt, wird von einer Anzahl nordsüdlich fließender Bäche
durchschnitten, deren stärkster der _Pakurehe_ bei Msisi zu sein
scheint. Wo diese Gewässer entspringen, durch was für ein Land sie
fließen und wo sie münden, ist gänzlich unbekannt.
Klima.
Die Küste hat ähnlichen Wechsel zwischen Trockenzeit und Regenzeit wie
Sansibar. Je weiter man nach dem Innern vordringt, desto höher steigert
sich die Menge der Feuchtigkeit; denn der vom Meere her wehende Ostwind
wird am Ostrand der Gebirge abgekühlt und verdichtet sich zu Thau- und
Regenfall. Was in der Mitte zwischen Gebirge und Küste liegt, also die
erste Terrasse, erhält weniger, aber wegen der geringen Breite nicht
viel weniger Feuchtigkeit.
Im westlichen Theil von Useguha dauert die große Regenzeit von Januar
bis Ende März oder Anfang April; die kleine Regenzeit nur ein paar
Wochen, von Mitte September bis Anfang October. Dagegen fällt in
Usagara und Nguru der Regen in allen Monaten. Die trockensten Monate
sind August und September.
Mehr und mit Bestimmtheit läßt sich bei dem Mangel andauernder
Beobachtungen über diesen Theil der Witterung im Wami-Gebiet nicht
sagen.
Gesund ist das Klima nur in den höchstgelegenen Gegenden, wie in der
Kleinen Marenga-Mkali und in den Landstrichen von Mamboia und Mbambwa.
In den Thalgründen verpesten die in Massen verfaulende Vegetation und
die Ausdünstungen sumpfiger Tümpel die Luft.
Ueber die _Temperaturverhältnisse_ einiger Monate geben uns die
täglichen Aufzeichnungen Burton's[9] und Marno's[10] ziemlich
sichern Aufschluß, wenn sie auch auf der Wanderung von Ort zu Ort
niedergeschrieben worden sind.
Aus der nebenstehenden Tabelle können folgende Schlußfolgerungen
gezogen werden:
Die Tagestemperaturen von Sansibar sind gleichmäßiger und nicht so hoch
wie diejenigen des Festlandes.
Die größere Differenz zwischen Maximum und Minimum in Useguha und
Usagara im Vergleich mit Sansibar ist durch die höhere Temperatur zu
Mittag, nicht durch eine kühlere am Abend veranlaßt.
Mit der Erhebung des Landes von der ersten zur zweiten Terrasse, von
der Fläche zum Gebirge, nimmt die Wärme in fühlbarer Weise nicht ab,
nur etwas in der freien Hochebene der Kleinen Marenga-Mkali.
Ein wesentlicher Unterschied tritt am Südfuße des Rubeho-Gebirges auf:
die erhöhte Hitze des Tages kühlt sich rasch von 4 Uhr Nachmittag bis
zum Sonnenuntergang um 4-8° R. ab und die Temperatur sinkt während der
Nacht noch um 3-5° R.
In einigen Fällen wird auch aus andern Gegenden Usagaras von rapidem
Witterungsumschlag berichtet, so bei Rumuma (738 m, am Ostrande der
Kleinen Marenga-Mkali): 25° R. mittags und 7° R. nachts im August, oder
bei Kitangi (1050 m, am obern Mtate): 5,7° R. morgens im Juni.
Mitteltemperaturen für Useguha und Usagara
im Vergleich mit Sansibar.
Anz. = Anzahl der Beobachtungstage.
Diff. = Differenz
============+=======+====+=======+=================+=================
Gegend. |Meeres-|Anz.|Monat. | R.° | R.°
| höhe | | +-----+-----+-----+-----+-----+-----
| in | | | V. | M. | N. |Maxi-|Mini-|Diff.
|Metern.| | |6 U. |12 U.|6 U. | mum | mum |
============+=======+====+=======+=====+=====+=====+=====+=====+=====
| | | | | | | | |
Sansibar | -- | 29 |} | 21 |21,9 |21,8 |23,7 |20,3 | 3,4
Useguha, | | |} | | | | | |
erste |253-333| 12 |} Jan. | | | | | |
Terrasse, ö.| | |} | | | | | |
von Nguru | | |} | 21 |25,2 |24,2 | 27 |19,8 | 7,2
| | | | | | | | |
Sansibar | -- | 26 |} | 21 |22,1 |22,2 |24,4 |20,4 | 4
Usagara, | | |} | | | | | |
zweite | | |} Febr.| | | | | |
Terrasse |416-576| 22 |} |21,1 |24,6 |23,8 |27,4 |19,2 | 8,2
| | | | | | | | |
| | | | V. | N. | | | |
| | | |10 U.|4 U. | | | |
Sansibar | -- | 28 |} |20,4 |21,4 | --|22,8 |17,5 | 5,3
Kl. Marenga-| | |} | | | | | |
Mkali |852 | 8 |} Sept.|21,2 |20,5 | --| 24 | 19 | 5
und Ugogi |830 | |} | | | | | |
| | | | | | | | |
| | | | V. | N. | N. | | |
| | | |6 U. |4 U. |6 U. | | |
Sansibar | -- | 27 |} |20,3 |22,7 |21,7 |24,1 |19,7 | 4,4
Am Südfuße | | |} | | | | | |
des Rubeho- | | |} | | | | | |
Gebirges | | |} Dec. | | | | | |
von Ugogi |830 | |} | | | | | |
bis Kikoboga|513 | 20 |} |17,1 |26,7 | 21 | 30 |15,5 |14,5
_Anmerkung._ Wenn auch kein nennenswerther Temperaturunterschied sich
zeigen dürfte, ob nun die Beobachtung eine halbe oder eine ganze
Stunde früher oder später angestellt wird, so muß doch der Wahrheit
gemäß angeführt werden, daß Marno seine meteorologischen Instrumente
in Useguha und Usagara zwischen 5½ und 6½ Uhr vormittags und zwischen
6 und 7 Uhr nachmittags ablas und daß Burton während des Marsches
am Fuße des Rubeho-Gebirges „bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang”
notirte.
Im Sima-Thal (Usagara) betrug im November 1885 die
Durchschnittstemperatur mittags 28° R.; es war dies der heißeste Monat
im Jahr.
In Kondoa wurden von Bloyet folgende Thermometerbeobachtungen im Jahre
1880 gemacht:
Juli, August und September: Maxim. 20,6° R., Minim. 12° R.
October und November: „ 24° „ „ 16,6° „
Vegetation und Thierwelt.
Das Vegetationskleid, das die Natur über das Wami-Gebiet geworfen,
ist im allgemeinen ein monotones: Savannen mit Dorngebüsch und
lichtem Gehölz über die Ebenen, geschlossene Wälder über die Berge,
streifenweise dazwischen Wiesenflächen und fruchttragende Felder. Die
Aecker liefern Mais, Hirse, Maniok, ein weniges an Bananen und Taback.
Von Bäumen sind zu nennen: die Deleb- und Dumpalme, die Bambusen in
Fülle, die Sykomore, der Wollbaum und als besondere Eigenthümlichkeit
der Miombo. Ferner gibt es in großer Menge Kalebassen (Bugu) und
einen Baum, genannt Mkoma, der einen Stammumfang von 3½ m, angenehm
schmeckende Steinfrüchte, und ein Holz, ähnlich dem Rosenholz besitzt,
aus welchem Bogen und Pfeile geschnitzt werden. Die Kokospalme kommt
nur in der Küstenniederung vor.
Trotz des vorhandenen großen Wasserreichthums ist die Culturfähigkeit
eine beschränkte; sie zeigt sich nur an jenen Stellen an und in dem
Gebirge, wo dichter Waldbestand die Feuchtigkeit langsam absickern
läßt und mäßig geneigte Hänge den verwitterten Gneis als feinkörnigen
Schwemmboden am Thalrand absetzen, wie dies am günstigsten in Nguru
der Fall zu sein scheint. An den beiden Ufern des Wami auf der ersten
Terrasse wird der Laterit von einer sehr dürftigen Humusschicht
bedeckt. Die große Makata-Ebene ist ein zäher, uncultivirbarer
Thonboden. Das Hochland der Kleinen Marenga-Mkali und das breite
Matamombo-Thal tragen den ausgesprochenen Charakter dorniger, steiniger
Steppe.
Ueberall, wo es hier Savannenland gibt, gibt es auch Heerden von
Antilopen, Zebra und Giraffen; dazu gesellen sich in der Makata-Ebene
Büffel und Wildschweine; in der Umgegend von Mbambwa das Nashorn und
südwestlich des Nguru-Gebirges noch der Elefant, Löwe und Leopard.
Hervorragend wildreich ist die Ebene am Westrande der Kleinen
Rubeho-Berge bei Tubugwe gefunden worden. Der untere Wami wimmelt
derart von Flußpferden, daß die Fahrt in den allein verwendbaren
flachen Booten sehr gefährlich ist.
Als Hausthiere werden überall Ziegen, Hühner, auch Schafe gehalten; in
seltenern Fällen Rindvieh. Man trifft nur in einigen Thälern Ngurus, in
Usagara nur bei Kitangi, Mbambwa, Manjovi und Murundusi (bei Ugogi) auf
größere Rinderheerden.
Von kleinem Gethier, das dem Menschen das Dasein erschwert und den
Aufenthalt verleidet, sind hervorzuheben:
Die Tsetsefliege; sie zeigt sich auf der ganzen Karavanenstraße von
Saadani bis tief nach Usagara hinein; ihrem Stich erliegen Ochsen,
Maulthiere und Esel; sie soll übrigens nur in den Wäldern und
Dschungeln hausen und das offene Feld vermeiden.
Die weiße Ameise; sie bevorzugt den rothen Thonboden und wandert in
breiten Massen meilenweit; alles was nicht von Stein oder Eisen ist,
zernagt und zerstört sie; sie läßt sich nur durch Feuer oder kochendes
Wasser vertreiben; um doch etwas zu nützen, dient sie den Eingeborenen
als Gewürz in den sonst geschmacklosen Mehlsuppen.
Endlich die Ohrwürmer von Mbambwa; an und für sich unschädlich wie
bei uns, treten sie aber dort in solchen Massen auf und überkriechen
derart die verborgensten Kleidungsstücke des Reisenden, daß Nacktheit
und Flucht als die einzige Rettung erscheinen.
Die einzelnen Landschaften und ihre Bevölkerung.
_Useguha mit Udoë und Ukwere._
Die Grenzen der auf der Karte eingetragenen Landschaften können
absolut keinen Anspruch auf Exactheit machen, denn sie sind nicht
durch politische Verhältnisse geschaffen, sondern von den jeweiligen
Reisenden als der Umfang einer annähernd einheitlichen Bevölkerung
bezeichnet worden, und zwar entweder nach eigener Erfahrung oder auf
Grund von Erkundigungen. Die Bevölkerung selbst aber ist, namentlich
an den Grenzgebieten, stark fluctuirend, und was vor zehn Jahren
vollkommen correct angegeben wurde, kann heutzutage in demselben Maße
ungültig sein.
_Useguha_, also das Land, in welchem die Waseguha wohnen, greift
mit seiner Nordgrenze über den Pangani hinüber bis zum Fuß des
Usambara-Gebirges; die Westgrenze liegt vor dem Ostrand der
Nguru-Berge, dessen ungefähre Lage wol in der Nähe des 38. Längengrades
gesucht werden muß, aber keineswegs sichergestellt ist.
Von Kidudwe, dem südöstlichen Eckpunkt von Nguru, verläuft vermuthlich
die Grenze in einem kurzen westlichen Bogen zum Fluß Gerengere, auf
dessen südlicher Seite die Berglandschaft Ukami sich erhebt. Die Gegend
von Msuwa und die Bezirke von Ukwere und Udoë, an das Thal des Kingani
herantretend, trennen im Süden und Südosten Useguha von Usaramo.
Die Küste Useguhas vom Pangani bis zum Kingani bildet ein Stück jener
flachen Niederung, welche von Mombas bis zum Rufidschi gleichmäßig
mit dem Namen _Mrima_ bezeichnet wird. Dicht an der See besteht sie
aus Sand, weiter landeinwärts aus braunrothem Lehmboden, welchen
Savanne oder strichweise Mais-, Hirse- und Maniokculturen bedecken und
besonders Baumwollstauden mit für den Hausbedarf reichlichem Erträgniß,
und schließt mit einem Buschwald von Akazien-, Kandelaber-Euphorbien,
Dumpalmen und Kopalbäumen ab.
Der Hauptort an der Küste ist _Saadani_, ein Dorf auf einem grünen,
schlammigen, mit Mangrovegebüsch bewachsenen Grund, unter Palmen
versteckt, von einem aus Baumstämmen und Aesten hergestellten
Palissadenzaun und von hohen Sandbänken und Dämmen umgeben. Saadani
scheint ehemals von größerer Bedeutung gewesen zu sein; Burton sah 1858
noch die Ruinen von zwei Moscheen. Es ist jetzt der Ausgangspunkt der
Karavanen nach Useguha und Nguru. Der Hafen ist ganz offen, durch keine
Bänke geschützt. Die Seeschiffe müssen 5 km entfernt auf offener Rhede
verankern; nur bei Flut können Barken bis zu einer nördlich gelegenen
Sandbank gelangen; die letzte Strecke (1-1½ km) muß durchwatet
werden. Am Nachmittag wird das Landen durch die herrschende Brandung
erschwert, in den frühen Morgenstunden aber bei ruhigem Wasser leichter
bewerkstelligt.
Die Karavanenstraße führt von Saadani nach Kidudwe in _Nguru_
(140 km) in westlicher Richtung. Nach 8 km wird bei Ndumi (94 m
ü. d. M.) die erste Terrasse erstiegen, deren höchster Punkt bei
Magubika 339 m über dem Meere liegt. In _Ndumi_ (25-30 Hütten)
trifft man die letzten Kokospalmen an. Man hat früher geglaubt, auf
dieser Strecke, von Saadani über Kidudwe nach Farhani, einen besser
gangbaren Weg nach Usagara gefunden zu haben, als ihn die Ukami-Route
Bagamoyo--Simbamweni--Farhani bietet, weil auf jenem die sehr
schwierige und lästige Durchquerung der Makata-Ebene vermieden werden
konnte. Ja, die Engländer unter Rev. Price machten sich im Jahre 1876
sogar ans Werk, die Straße für Ochsenfuhrwerk benutzbar herzurichten.
Allein dies Unternehmen scheiterte vollständig, nicht nur wegen
der hier vorkommenden Tsetsefliege, sondern auch wegen der vielen
schwer passirbaren Dschungeln und der tief eingerissenen Bach- und
Flußrinnsale, die bei Regenwetter mit tosenden Gewässern sich anfüllen.
Von Ndumi bis Kidudwe wechselt die Gegend zwischen Savanne und dichtem
Wald; westlich von Magubika erschwert stundenlang ein stacheliges
Gestrüpp auf morastigem Boden das Vorwärtskommen, und zwischen
Matungu und Kidudwe liegt eine unbewohnte, dornige Savannenwildniß
von 30 km Ausdehnung. Hier und da zeigt sich bebautes Land, so bei
Mkange und Msisi; am günstigsten erschien die Lage von _Mbusine_ am
Rukigura, weshalb denn auch hier eine deutsche Station, Petershof,
gegründet wurde. Allein trotz der Schilderung üppigster Vegetation
an den mit Dörfern reichbesetzten Gehängen des Rukigura-Thales muß
die Rentabilität der Plantage stark bezweifelt werden, weil der
Lateritboden von einer viel zu dünnen Humusschicht bedeckt wird.
Schlägt man von Mbusine eine direct nördliche Richtung ein, so gelangt
man nach Durchschreitung einer Waldzone in die offene und fruchtbarere
Gegend von _Konde_ und an den von West nach Ost fließenden Mligasi, der
nördlich von Saadani das Meer erreichen soll. Bei _Kurimba_ (638 m)
gewinnt man die zweite Terrasse von Useguha, die bei _Muango_ (734 m)
mit dem Berg Kiwa ihre höchste Erhebung erreicht und dann langsam zum
Thal des Pangani bei Lutyomo (508 m) abfällt. Graf Pfeil, der als
erster Reisender dieses Stück Land 1887 durchwanderte, schildert die
Umgebung des Kiwa bis Kiambo als besonders fruchtbar, den graurothen
Boden lehmhaltig. Quellen und Bäche sind nicht zu sehen; die
Eingeborenen holen das Wasser aus nur ihnen bekannten Vertiefungen.
Wasserlose Steppe und lichtes Gehölz bedecken den nördlichsten Theil
von Kiambo bis zum Pangani, dessen rechtes Ufer bis zur Küste den
gleichen Landschaftscharakter trägt und auf dem nur zuweilen ein
dichter Niederwald, ausgezeichnet durch die mächtigen Ranken der
Landolphia, erscheint.
Südlich von Mbusine bis zum Gerengere erstreckt sich mit einer Erhebung
bis zu 432 m eine wasserlose, mit Dorngebüsch und stacheligem Gras
bedeckte und durch nackte Kiesflächen unterbrochene, unbewohnte Gegend.
_Udoë_ und _Ukwere_ liegen am rechten Ufer des Wami. _Udoë_ bietet,
sowie man den südöstlichen, ausgetrockneten Grenzstrich überschritten,
ein ziemlich erfreuliches Bild dar: Hügelreihen, waldbedeckte Abhänge,
in den thonhaltigen Thalgründen gutbebaute Felder und auf den
kurzgrasigen Wiesen ein Blumenmeer von Lilien und Narcissen. Aber das
Wasser ist brakisch und kaum trinkbar. Von Simbambili führt der Weg
über Mlonga zu dem durch Berge eingeengten Wami und am nördlichen Ufer
auf steilem Fußpfad zu der französischen Missionsstation _Mandera_,
die in einem durch viele Arbeit gewonnenen Gartenland ein ziemlich
angenehmes Dasein fristet.
_Ukwere_ ist armseliges Savannenland mit Buschwald. Der Weg von
Rosako nach Mfute am Wami (bei der Mündung des Rukigura), von den
von Bagamoyo nach Nguru und Usagara ziehenden Karavanen benutzt,
bietet keine wesentlichen Hindernisse, er trifft sogar bei den
_Pongwe_-Hügeln, die, 5-600 m hoch, die Ausläufer des Bergzuges bei
Mandera sein dürften, trotz des rothen, zähen Lehmbodens auf eine mit
zahlreichen Fächerpalmen und Ricinusbäumen geschmückte Gegend; aber der
südliche Theil, den die Straße von Rosako zum Gerengere und nach Ukami
durchzieht, birgt westlich von Mbiki ein 16 km breites, mühselig zu
durchschreitendes Dschungeldickicht. Bei _Msuwa_ und _Kisimo_ beginnt
der Boden an Fruchtbarkeit zuzunehmen. In dem welligen, zum Gerengere
führenden Gelände liegen zahlreiche Ortschaften, und _Musondi_ zeichnet
sich durch schöne Wiesengründe, ja durch Bananenpflanzungen aus. Die
Tsetsefliege soll nach Cameron's Bericht hier nicht existiren.
_Bevölkerung._
Die _Waseguha_ sind von mittlerer, etwas schmächtiger Statur, braun
oder schwarzbraun, mit krausem Kopf und Barthaar; die mittlern
Schneidezähne werden ausgefeilt. Sie tragen einen Lendenschurz von
Zeug oder Leder, begnügen sich aber gelegentlich mit Palmblättern.
Wenn auch noch Schwerter, Pfeil und Bogen bei ihnen gesehen werden,
so haben sie doch längst das Feuergewehr als Hauptwaffe sich erkoren.
Dieses verschaffte ihnen auch einst die Möglichkeit, die schlechter
bewaffneten Wasambara von dem nördlichen Ufer des Pangani in die Berge
zu vertreiben und in dem Thale selbst sich dauernd niederzulassen. Sie
erscheinen überall im Norden und Süden, wie auch die _Wakwere_, ihre
Stammesgenossen, als fleißige Ackerbauer.
Derjenige Theil der Bevölkerung, welcher die Mrima oder die
Küstenniederung bewohnt, hat sich ganz und gar dem Einfluß und der
Nachäffung arabischer Sitten ergeben: es sind das die _Wamrima_. Sie
tragen Fes, Hüften- und Schultertuch; die Weiber ein Sackkleid, das
unter den Armen über die Brust gebunden bis zum Fußgelenk hinabreicht.
Sie gelten als ein faules, heruntergekommenes, unzuverlässiges Volk,
dessen Intelligenz in der Erfindung der glaubwürdigsten Lügen gipfelt.
Zu den übrigen Bewohnern der Mrima gehören die _Suaheli_, das sind
Eingewanderte aus der Umgegend von Mombas und von der Insel Sansibar.
Suaheli heißt allgemein und eigentlich jeder Neger, der entweder auf
der Insel Sansibar oder auf dem Küstengebiet zwischen Lamu und Mombas
geboren, also in den ersten Niederlassungen der Vollblutaraber seßhaft
geworden ist. Der Suaheli ist Mulatte, das Product der Verbindung eines
Arabers mit einer Negerin. Doch auch die Kinder von Mulattenältern
rühmen sich Suaheli zu sein. Vom Araberthum haben sie die gekrümmte
Nase, vom Negerstamm die wulstigen Lippen und den Prognathismus
erhalten. Sie sind kurzköpfig. Ihre sie auszeichnende Tracht ist der
Turban und ein langes, gelbes Oberkleid. Sie betrachten sich allein als
die berechtigten Herren des Festlandes, den Araber von Oman aber als
Eindringling. Mit dem größten Mistrauen begegnen sie den Beamten des
Sultans von Sansibar.
Die _Wadoë_ bilden durch ihre Sitten und ihr abgeschlossenes
Stammesleben eine merkwürdige Enclave unter den Waseguha. Von jeher
dem Glauben ergeben, daß die Einsetzung oder die Bestattung eines
Häuptlings nur durch ein Festmahl von Menschenfleisch richtig
und würdig gefeiert werden könne, waren sie, da das Verzehren
der Stammesgenossen gegen die Sitte ging, auf Menschenraub in
den benachbarten Bezirken angewiesen. Da sie auch an Karavanen
sich vergriffen und die Sicherheit des Handelsverkehrs bedrohten,
unternahmen die Araber einen Vernichtungskrieg gegen sie, aber nur mit
halbem Erfolg. Sie wurden nur in engeren Raum zusammengedrängt. Man
behauptet, sie seien stamm- und sprachverwandt mit der Bevölkerung von
Manyema, westlich vom Tanganika-See. Sie besitzen ein einheitliches
souveränes Oberhaupt; 1884 war es der steinalte Simbambili, dessen
vierzig Kinder seine Herrschaft im ganzen Lande befestigten. Eine
Art staatlicher Organisation besteht, indem Udoë in vier Districte
eingetheilt ist. Die Wadoë sind fleißige Ackerbauer, schön und kräftig
gebaut. Den französischen Missionaren, die von der Küste nach Mandera
reisen, kommen sie stets mit Freundlichkeit entgegen.
Mit Ausnahme von Udoë und der Mrima, in welch letzterer der Sultan von
Sansibar seinem einheitlichen Wirken durch die Walis wenigstens dem
Namen nach Geltung verschafft, existirt in ganz Useguha keine größere
politische Gemeinschaft als die der einzelnen Dorfschaften unter ihren
voneinander unabhängigen Häuptlingen.
_Nguru._
Das Gebirgsland, in dem der Luseru und der Rukigura entspringen und
das diese mit vielen Nebenflüssen durchströmen, heißt _Nguru_. Eine
schärfere Begrenzung läßt sich nur für die südliche Abdachung angeben.
Das Stück des Wami, südlich von Kidudwe bis zur Mündung des Mvomero,
ist die Südgrenze von Nguru.
Diese Abdachung bildet die zweite Terrasse des Wami-Gebietes; sie
erhebt sich von 333 m bei Kidudwe bis zu 397 m bei Mvomero und setzt
sich nach Usagara fort. Sie ist unwirthbares Savannenland mit Busch,
mit morastigen Strecken östlich und mit dichtem Waldgestrüpp westlich
von Mkindo. Nur in dem 10 km breiten Thal von _Kidudwe_ und an den
Ufern des Luseru bei _Mkunga_ genießt man den Anblick einer fruchtbaren
Landschaft.
Da das Gebirge zum größten Theil mit geschlossenen Wäldern bedeckt
ist, bietet das Innere günstigern Boden zum Anbau. Eine ausführliche
Schilderung des ganzen Umfanges verdanken wir einem einzigen Reisenden,
dem englischen Missionar Last. Wenn sie auch möglicherweise etwas
zu optimistisch gefärbt ist, so erhält sie doch im Gegensatz zu der
erwiesenen Unfruchtbarkeit der andern bereisten Strecken einen gewissen
Grad von Glaubwürdigkeit.
An dem Nordwestrande des Gebirges aus der Masai-Ebene fließt der
Luseru herab; hier mündet das Thal des _Luvumo_, in welchem große
Rinderheerden weiden und das Zuckerrohr gedeiht. Bei Sagasa fließt
der _Luidschi_ in den Luseru; an seinen Ufern wohnt bis Mgära eine
dichte Bevölkerung; Zuckerrohr und selbst Bananen wachsen hier in
üppigster Fülle. Bei _Kisera_, durch welches die Handelsstraße vom
untern Wami nach dem elfenbeinreichen Masai-Land führt und das selbst
in weniger fruchtbarer Gegend liegt, nimmt der Luseru von Südwesten
den _Boroma_ auf. Er entspringt auf rauhen Höhen und durchströmt
bis Kibanti ein dürres, von Büffeln, Nashörnern und Elefanten
durchstreiftes Savannenland; bei _Kibanti_ entfaltet der von klarem
Wasser getränkte Boden eine derartige Fruchtbarkeit, daß trotz starker
localer Bevölkerung die weitere Umgebung mit Nahrungsmitteln versorgt
werden kann. Ein zweites Kibanti befindet sich weiter südlich auf den
Bergen, welche das rechte Ufer des Luseru begleiten, in einem Wald
von gigantischen Wollbäumen, Farrnbäumen und Himbeersträuchern. Die
französische Missionsstation _Mondo_ (Kinjumbi), 450 m über dem Meere,
liegt auf dem ansteigenden Gelände des westlichen Luseru-Ufers in einer
reich bewohnten Gegend von so vortrefflicher Güte, daß nach Kapitän
Foot's Meinung Kaffee-, Cacao- und Zuckerplantagen lohnenden Ertrag
liefern würden. Bis nach Mkunga hinab setzt sich die Fruchtbarkeit des
Luseru-Thales fort.
_Bevölkerung._
Von den _Wanguru_ wissen wir nicht vielmehr, als daß sie Ackerbauer
sind, im Wami-Thal nicht in bienenkorbartigen Hütten, sondern in
viereckigen, einen Hofraum umschließenden Tembes wohnen. Während sie
durch Vertreibung der Waschamba sich zu Herren des Luidschi-Thales
gemacht, benehmen sie sich am Luvumo gegen die eindringenden Masai so
furchtsam, daß sie alles ihnen geben und leisten, was verlangt wird.
Im obern Luseru-Thal legen sie die Felder inmitten der Waldungen an,
umzäunen diese mit Euphorbia-Hecken und lassen nur einen schmalen,
über 200 m langen Pfad, der noch durch mehrere verbarrikadirte Thore
überquert wird, bis zur Eingangspforte des Dorfes frei. So suchen sie
sich gegen die _Wahumba_ zu schützen, ein tapferes, kriegslustiges
Räuber- und Jägervolk.
Die Wahumba wohnen diesseit und jenseit der Höhen von Sabundila und an
den südwestlichen Grenzen gegen Usagara; sie werden ihrerseits wieder
von den Masai verfolgt.
Außerdem lebt noch ein anderer abgesplitterter Völkerstamm innerhalb
der Berge: die _Wakamba_. Sie sind hauptsächlich Jäger mit Pfeil und
Bogen und streifen bis zum Tanganika-See; sie verkaufen entweder die
erbeuteten Elefantenzähne für Rinder an die Masai oder sie bringen sie
selbst auf den Markt nach Mombas.
Die Bewohner von Nguru räumen keinem andern als dem eigenen
Dorfhäuptling irgendwelche Hoheitsrechte ein, und kein Häuptling hat
sich, soviel wir bisjetzt wissen, jemals zu einer hervorragenden
Stellung über die andern emporgeschwungen.
_Usagara._
Die Grenzlinie im Osten läuft von der Mündung des Mvomero den Wami
aufwärts bis zu dem Mindu- und Rufutu-Gebirge; im Süden durchschneidet
es in dem Bezirk Kirigawana's das Quellgebiet des Ruhembe-Iowa, im
Westen zieht sie sich dem Fuße des Rubeho-Gebirges entlang von Maroro
über Ugogi bis Tschunjo (westlich von Mbambwa). Im Norden kann man
im allgemeinen die Masai-Ebene als Grenze bezeichnen; Nsogi scheint
die erste größere Masai-Niederlassung zu sein. Läßt man, vielleicht
mit Recht, Gedscha (das Land der Wakaguru) als wesentlich gesonderte
Landschaft nicht gelten, so trennen die Berge von Sabundila und Kisiwa
im Anschluß an das Kidete-Gebirge Usagara von Nguru.
Vier Karavanenwege führen von Osten in das Herz von Usagara, nach dem
Mukondogwa-Thal im engern Sinn: der erste von Nguru, der zweite von
Ukami über die Makata-Ebene, der dritte von Kutu über den Goma-Paß und
ebenfalls über den Makata, der vierte von Kutu über den Mabruki-Paß
durch das Hochthal des Makata und am Ostrand des Rubeho-Gebirges
entlang.
Der erste Karavanenweg tritt aus Nguru bei Mvomero in das Land von
Usagara; er steigt auf der zweiten Terrasse bis Farhani von 397 m
bis zu 481 m über dem Meere an. Dieses zur Trockenzeit ausgedörrte
Savannenland mit Dschungelcomplexen und lichtem Gehölz von Akazien
und Delebpalmen von ungefähr 80 km Ausdehnung wird in der Regenzeit
auf weite Strecken hin zum Morast, namentlich südlich von Msuero
und Rudewa. Als eine kleine fruchtbare erquickende Oase erscheint
_Msuero_. Bei _Farhani_, _Rehenneko_ und _Kondoa_ (der französischen
Missionsstation) ändert sich das Landschaftsbild noch mehr:
schönbewaldete Berge treten nahe heran, eine zahlreiche Bevölkerung
bestellt die von klarem Wasser durchrieselten Felder von Negerkorn,
Mais und Bananen.[11] Die Ausdehnung des culturfähigen Bodens
beträgt nicht viel mehr als 12 km; bei dem Eintritt in die Enge des
Mukondogwa-Thales beginnt wieder die Wildniß.
Der zweite Karavanenweg überschreitet, von Simbamweni in Ukami
ausgehend, eine niedrige Einsattelung der Mindu-Berge auf felsigem
Grund und gelangt in die _Makata-Ebene_, welche aus zähem grauem Lehm
besteht, in der Trockenzeit hart wie Stein wird und in tiefe Risse
zerspringt, in der Regenzeit in schlüpfrigen Schlamm mit brusttiefen
Rinnsalen sich verwandelt: eine breitwellige Fläche voll Riedgras mit
vereinzeltem Bambusengebüsch und mit dichtem Baumwuchs an den Ufern des
Makata-Flusses. Stanley brauchte zur Ueberschreitung der 30 km breiten
Ebene, freilich in der Regenzeit, fünf Tagemärsche.
Der dritte Karavanenweg nimmt seinen Ausgang von Sungomero (150 m) in
Kutu. Zwischen Blöcken von Schiefer, über Glimmer, Kies und Sandstein
geht es im Rufutu-Gebirge steil aufwärts bis zum plateauartigen
_Goma-Paß_ (670 m). Man steht in einem Meer von Berggipfeln. Auf erst
abschüssigem, dann auf sanftem Abstieg durch hohes Gras, Cacteen
und Aloën kommt man nach _Muhama_, in eine freundliche Gegend mit
Fächerpalmen, Melonenbäumen und reichen Mais- und Durra-Feldern, dann
in den von niedrigen Hügeln eingeschlossenen und stellenweise von
tiefen Schluchten durchschnittenen Thalgrund des Makata. Am jenseitigen
Ufer dehnt sich bis zum Miombo eine Savannenfläche aus, die mit Gehölz
von Delebpalmen und immergrünen Laubbäumen geschmückt ist. Am mittlern
_Miombo_ wird viel Taback gebaut. Von hier bis hinab zum Eingang in das
Mukondogwa-Thal tritt ein mächtiger Urwald voll erstickender Miasmen
auf, den im Nordwesten eine unfruchtbare Steppe begrenzt. Durch diese
geht es zu den morastigen Ufern des Mukondogwa bei _Mbumi_ hinab.
Der vierte Karavanenweg hat seinen Ausgangspunkt ebenfalls in Sungomero
in Kutu und übersteigt das Rufutu-Gebirge in direct westlicher Richtung
über den _Mabruki-Paß_ und gelangt steil hinab in die Mulde von
_Kikoboga_ (513 m). Der südliche Abschluß der Makata-Ebene behält den
Charakter der ganzen bei; nur herrscht nicht mehr grauer Lehmboden vor,
sondern schwarze torfartige Erde mit zahlreichen Wassertümpeln. An den
Ostabhängen des Rubeho-Gebirges, denen entlang am linken Makata-Ufer
der Pfad von _Muhanda_ (492 m) nach abwärts führt, wechseln Hügel und
Schluchten ab. Zwischen Bananen und Delebpalmen und gutbebauten Feldern
liegt das _obere Mbumi_ (444 m).
Das _Mukondogwa-Thal_ von Kondoa bis Ndiabi ist in der Sohle derart
mit Schilf und Buschwald überwachsen und so leicht Ueberschwemmungen
ausgesetzt, daß auf beiden Seiten nur über die Berge die Wege
führen und mit Ausnahme von Kilosa, Sima und Kiora alle Hütten der
Eingeborenen hoch auf den Abhängen liegen. Geht man von Kondoa am
_nördlichen_ Ufer thalaufwärts, so muß man auf steilem, felsigem
Grund durch hohes Riedgras mühsam hinaufklettern; durch Dorngebüsch,
Mimosen und Akazien gelangt man wieder hinab zu der Niederlassung
von _Kilosa_ (Misongi, Kadetamare), zuerst zu Reis- und Maisfeldern
auf versumpftem Boden, dann zu günstiger gelegenem Land, auf welchem
sogar Taback cultivirt wird. Zwischen Kilosa und Sima drängt sich das
Gebirge mit vielen Dorfschaften dicht an das Flußufer heran. _Sima_
(Muinin-Sagara), ehemals deutsche Station, der Endpunkt des sehr
fruchtbaren Thales gleichen Namens, macht einen erfreulichen Eindruck
durch seine Wälder von Palmen und hohen Laubbäumen und gutgepflegten
Culturen. Von Sima bis zum Ende der Thalenge beim Absturz der
_Ruembe_-Berge zieht ein breiter Streifen kräftigen Pflanzenwuchses,
aber unbesiedelt in den untern Lagen hin, in den obern behält die
Landschaft den dürren Savannencharakter bei.
Am rechten, _südlichen_ Ufer, etwas oberhalb der Furt von Mbumi mündet
das pittoreske enge Thal des Tschogwe. _Kiora_ (ehemals deutsche
Station), im Osten und Westen von dornigem Gestrüpp umgeben, ist zwar
ein malerischer Platz, besitzt auch einige Felder, ernährt aber nur
eine dürftige Bevölkerung und gilt als ungesund. Viel besser ist die
_Manjovi_ genannte Gegend auf den Höhen oberhalb von Kiora: zahlreiche
Rinderheerden weiden auf prächtigen Wiesenfluren. Flußaufwärts von
Kiora bis Ndiabi durchwandert man ein wüstes, welliges Tafelland
mit dichtem Gebüsch von Aloën und Cacteen zwischen Sandhügeln und
Steingeröll. Bei _Ndiabi_ (738 m) am klaren und frischen Rumuma
erreicht man eine anmuthige, fruchtbare und bewohnte Gegend; Tamarinden
und Kalebassen stehen zwischen Feldern von Korn, Mais, Bohnen,
Erdnüssen und Taback.
Nach der schwülen, durch verfaulende Vegetation mit Miasmen erfüllten
Atmosphäre des Mukondogwa-Thales erfrischt in den ersten Stunden des
Marsches die reine trockene Luft der _Kleinen Marenga-Mkali_ (852 m
über dem Meere) zwischen Ndiabi und dem Großen Rubeho-Paß. Bald
aber lähmt die Monotonie der Landschaft die Freude des Wanderns:
trostlose, wasserlose Savanne, unterbrochen nur von rauhen Hügeln
mit Dschungeldickicht. _Inenge_ (1089 m) am Fuß des Rubeho-Gebirges,
in rothbrauner Ebene gelegen, bietet endlich Erholung und als
Ueberraschung die lang entbehrten Nahrungsmittel: Butter, Milch und
Honig. Steil und steinig aufwärts geht es durch das Gebirge voll
aromatischer Kräuter in zwei Anstiegen zum Großen (1542 m) und dann zum
Kleinen _Rubeho_- oder _Windi-Paß_ (1710 m), an tiefen Abgründen und
hohen Felskegeln vorbei. Auf ähnlich rauhem Wege, der zuletzt in eine
Via mala sich umgestaltet, kommt man hinab nach _Ugogi_ (830 m), dem
letzten Ruheplatz vor der Großen Marenga-Mkali.
Die breite Hochebene, welche von Ndiabi am Ugombe-See vorbei und
längs des Matamombo bis Mbambwa sich erstreckt, erscheint als ein
von steilen, dunkelbraunen Berghängen umfaßtes früheres Seebecken.
Das Wasser ist brakisch. Auf dem von der Sonne gebleichten staubigen
Granitboden wächst dünnes, hartes Gras und stehen in weiter Zerstreuung
einzelne Baobabs.
In _Mbambwa_ (Mpwapwa) (986 m) betritt man wieder lachende Gefilde,
mit frischem Grün bekleidete Hügel. Riesige Sykomoren, Tamarinden und
Wollbäume gewähren den ersehnten Schatten und die dichte Bevölkerung
versorgt aus ihren großen Rinderheerden die Karavanen mit Fleisch.
Mbambwa ist der Vereinigungspunkt der südlichen Karavanenstraßen, von
Mvomero über Farhani durch das Mukondogwa-Thal, und der nördlichen,
kürzeren von Mvomero über Mkundi und Mamboia. Letztere geht in
einer Meereshöhe von 800-1000 m durch einen der besten Landstriche
Usagaras. Westlich der felsigen Kidete-Berge breitet sich eine
wildreiche unbewohnte Ebene aus. Bei _Makubika_ wird sie zu einer
gesegneten, reichlich bewässerten und gut bevölkerten Gegend, in
welcher Rindviehzucht getrieben wird. _Mamboia_ (1216 m), eine
englische Missionsstation, liegt auf einem Hügel am Nordende des
schönen Sima-Thales; die gute Qualität des Bodens erhält sich bis Nguru
und Berega in der Richtung von Sabundila und Kisiwa am Westrand des
Mguru-Gebirges, verwandelt sich aber von dort nordöstlich in steinige,
dornige Steppen.
Das herrlichste Land findet man im 16 km breiten Becken von _Kitangi_
(1050 m) an den Quellen des Mtate.
Die starke Bevölkerung treibt neben Ackerbau ergiebige Viehzucht; das
Land ist offen, mit kurzem Gras und nur an den Wasserrinnen mit Busch
bedeckt.
Den Mtate abwärts bleibt die Fruchtbarkeit auf gleicher Höhe; das Thal
ist aber wegen räuberischer Einfälle zum größten Theil verlassen.
Dieses Eden schließen im Westen die _Kleinen Rubeho-Berge_ ab, deren
höchster steilansteigender Uebergang 1368 m über dem Meere liegt. Nach
Südwesten und Westen flachen sie sich ganz allmählich ab und bilden
wahrscheinlich die nördliche Begrenzung des Matamombo-Thales; im Norden
enden sie rasch in einer ungemein wildreichen, von Dschungeldickicht
durchsetzten Ebene, die nach Westen über die Karavanenstraße herabbiegt
und von einer Thalschlucht mit Steinsalzlager begrenzt wird. Hier
und in dem unmittelbar westlich aufsteigenden Hügelzug von Mlali
(1127 m über dem Meere) sind wahrscheinlich die Quellzuflüsse des
salzig-bittern Matamombo zu suchen. Zwischen dem fruchtbaren und
stark bewohnten Bezirk von _Tubugwe_ und Mbambwa erheben sich die
_Kiboriani-Berge_ bis zu 1800 m. Nördlich von ihnen beginnt, bei
_Sagala_, mit anbaufähigem Boden das mächtige Hochplateau Innerafrikas;
bei der vorwiegenden Trockenheit, die nur während fünf Monaten von
einzelnen Regenschauern unterbrochen wird, ist die Luft rein und frei
von Malariakeimen.
Nicht zum Flußgebiet des Wami, aber ethnographisch zu Usagara gehört
die sogenannte _Kirigawana-Route_; sie geht von Ugogi der Südseite des
Rubeho-Gebirges entlang, übersteigt dieses bei Kiperepeta und endet
bei Kikoboga am Südende der Makata-Ebene. Sie wird mit Vorliebe bei dem
Marsch aus dem Innern gewählt, da hier weniger oder seltener an die
Häuptlinge Tribut zu zahlen, überall der Nahrungsbedarf zu bekommen und
die meist offene Steppe leicht zu passiren ist.