"Ich habe schon vor Jahren aus Florenz fliehen müssen", erzä

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Das Mädchen von Treppi

Paul Heyse

Novelle

(1855)

Auf der Höhe des Apennin, wo er sich zwischen Toskana und dem

nördlichen Teil des Kirchenstaats hinzieht, liegt ein einsames

Hirtendorf, Treppi genannt. Die Pfade, die hinaufführen, sind für

Wagen unzugänglich. Viele Stunden weiter nach Süden in großem Umweg

überschreitet die Straße der Posten und Vetturine* das Gebirge.

Treppi vorüber ziehen nur Bauern, die mit den Hirten zu handeln haben,

selten ein Maler oder ein landstraßenscheuer Fußwanderer, und in den

Nächten die Schmuggler mit ihren Saumtieren, die das öde Dorf, wo sie

kurze Rast machen, auf noch viel rauheren Felswegen zu erreichen

wissen, als alle andern.

{ed. * Wagen}

Es war erst gegen die Mitte Oktobers, eine Zeit, wo die Nächte in

dieser Höhe noch von großer Klarheit zu sein pflegen. Heute aber

hatte sich nach dem sonnenheißen Tage ein feiner Nebel aus den

Schluchten heraufgewälzt und breitete sich langsam über die

edelgeformten nackten Felszüge des Hochlandes. Es mochte gegen neun

Uhr abends sein. In den zerstreuten niedrigen Steinhütten, die über

Tag nur von den ältesten Weibern und jüngsten Kindern bewacht werden,

glommen nur noch schwache Feuerscheine. Um die Herde, über denen die

großen Kessel wankten, lagen die Hirten mit ihren Familien und

schliefen; die Hunde hatten sich in die Asche gestreckt; eine

schlaflose Großmutter saß wohl noch auf einem Haufen Felle und bewegte

mechanisch die Spindel hin und her, Gebete murmelnd, oder ein unruhig

schlafendes Kind im Korbe schaukelnd. Die Nachtluft zog feucht und

herbstlich durch die handgroßen Lücken in der Mauer, und der Rauch der

ruhig ausbrennenden Herdflamme, der jetzt vom Nebel gedrängt wurde,

schlug schwerfällig zurück und floß an der Decke der Hütte hin, ohne

daß es der Alten beschwerlich ward. Hernach schlief auch sie mit

offenen Augen, soviel sie konnte.

Nur in einem Hause war noch Bewegung. Es hatte auch nur ein Stockwerk

wie die andern; aber die Steine waren besser gefugt, die Tür breiter

und höher, und an das weite Viereck, das die eigentliche Wohnung

ausmachte, lehnten sich mancherlei Schuppen, angebaute Kammern, Ställe

und ein gut gemauerter Backofen. Vor der Haustür stand ein Trupp

beladener Pferde, denen ein Bursch eben die geleerten Krippen wegriß,

während sechs bis sieben bewaffnete Männer aus dem Hause traten, in

den Nebel hinaus, und eilig ihre Tiere rüsteten. Ein uralter Hund,

der neben der Tür lag, bewegte nur leicht den Schweif, als sie

aufbrachen. Dann erhob er sich müde von der Erde und ging langsam in

das Innere der Hütte, wo das Feuer noch hell brannte. Am Herde stand

seine Herrin, dem Feuer zugewendet, die stattliche Gestalt regungslos,

die Arme an den Hüften herabhangend. Als der Hund mit der Schnauze

sanft gegen ihre Hand rührte, wandte sie sich, als schrecke sie aus

Träumen auf. "Fuoco", sagte sie, "mein armes Tier, geh schlafen, du

bist krank!"--Der Hund winselte und bewegte den Schweif dankbar. Dann

kroch er auf ein altes Fell neben dem Herd und streckte sich hustend

und winselnd nieder.

Indessen waren auch einige Knechte hereingekommen und hatten sich um

den großen Tisch an die Schüssel gesetzt, welche die abziehenden

Schmuggler soeben verlassen hatten. Eine alte Magd füllte sie aus dem

großen Kessel von neuem mit Polenta, und setzte sich nun ebenfalls mit

ihrem Löffel zu den andern. Während sie aßen, wurde kein Wort laut;

die Flamme knisterte, der Hund stöhnte heiser aus dem Schlaf, das

ernsthafte Mädchen saß auf den Steinplatten des Herdes, ließ das

Schüsselchen mit der Polenta, das ihr die Magd besonders hingestellt

hatte, unberührt und sah in der Halle umher, ohne Gedanken in sich

versunken. Vor der Tür stand der Nebel jetzt schon wie eine weiße

Wand. Aber zugleich ging der halbe Mond eben hinter dem Rand des

Felsens in die Höhe.

Da kam es wie Hufschlag und Menschentritte die Straße herauf.--"Pietro!"

rief die junge Hausherrin mit ruhig erinnerndem Ton. Ein langer

Bursch stand augenblicklich vom Tisch auf und verschwand im Nebel.

Man hörte jetzt die Schritte und Stimmen näher, endlich hielt das

Pferd am Hause. Noch eine Weile, dann erschienen drei Männer unter

der Tür und traten mit kurzem Gruß ein. Pietro näherte sich dem

Mädchen, das teilnahmlos in die Flamme sah. "Es sind zwei von

Porretta", sagte er ihr, "Ohne Waren; sie führen einen Signore über

die Berge, der seine Pässe nicht in Ordnung hat."

"Nina!" rief das Mädchen. Die alte Magd stand auf und kam an den Herd.

"Das ist's nicht allein, daß sie essen wollen, Padrona", fuhr der

Bursch fort. "Ob der Herr ein Lager haben kann für die Nacht. Er

will nicht weiter vor Tagesanbruch."

"Mach ihm eine Streu in der Kammer." Pietro nickte und ging wieder an

den Tisch.

Die drei hatten Platz genommen, ohne daß die Knechte sie einer

besondern Aufmerksamkeit würdigten. Es waren zwei Contrabbandieri,

wohlbewaffnet, die Jacken leicht übergeworfen, die Hüte tief über die

Stirn gedrückt. Sie nickten den andern zu wie guten Bekannten, und

nachdem sie ihrem Begleiter einen guten Platz eingeräumt hatten,

schlugen sie das Kreuz und aßen.

Der Signore, der mit ihnen gekommen, aß nicht. Er nahm den Hut von

der hohen Stirn, strich mit der Hand durchs Haar und ließ die Augen

über den Ort und die Gesellschaft schweifen. An den Wänden las er die

mit Kohle gemalten, frommen Sprüche, sah im Winkel das Madonnenbild

mit dem Lämpchen, daneben die Hühner, die auf der Stange schliefen,

dann die Maiskolben, die, auf Schnüre gereiht, an der Decke hingen,

ein Brett mit Krügen und Korbflaschen, übereinandergeschichtete Felle

und Körbe. Das Mädchen am Herd fesselte endlich seine unruhigen Augen.

Das dunkle Profil zeichnete sich streng und schön gegen das

flackernde Rot des Herdfeuers, ein großes Nest schwarzer Flechten lag

tief auf dem Nacken, die Hände hatte sie ineinanderverschränkt auf das

eine Knie gelegt, während der andere Fuß auf dem Felsboden des Gemachs

ruhte. Wie alt sie sein mochte, konnte er nicht erraten. Doch sah er

an ihrem Gebaren, daß sie die Wirtin des Hauses war.

"Habt Ihr Wein im Hause, Padrona?" fragte er endlich. Er hatte diese

Worte kaum gesagt, als das Mädchen wie vom Blitz gestreift emporfuhr

und aufrecht neben dem Herde stand, mit beiden Armen sich auf die

Platten stützend. In demselben Augenblick fuhr der Hund aus dem

Schlafe auf. Ein wildes Murren brach aus seiner keuchenden Brust vor.

Der Fremde sah plötzlich vier funkelnde Augen auf sich gerichtet.

"Darf man nicht fragen, ob Ihr Wein im Hause habt, Padrona?"

wiederholte er jetzt. Noch aber hatte er das letzte Wort nicht

geendet, als der Hund in unerklärlicher Wut laut heulend auf ihn

zusprang, ihm den Mantel mit den Zähnen von der Schulter riß und von

neuem gegen ihn losgesprungen wäre, wenn nicht ein scharfer Ruf seiner

Herrin ihn gebändigt hätte.

"Zurück, Fuoco, zurück! Friede, Friede!"--Der Hund stand mitten im

Zimmer, heftig mit dem Schweife schlagend, den Fremden unverwandt im

Auge.--"Schließ ihn in den Stall, Pietro!" sagte das Mädchen halblaut.

Sie stand noch immer wie erstarrt am Herde und wiederholte den Befehl,

als Pietro zauderte. Denn seit langen Jahren war der nächtliche

Platz des alten Tiers neben dem Herde gewesen. Die Knechte flüsterten

untereinander, der Hund folgte widerwillig, und sein Heulen und

Winseln drang schauerlich von draußen herein, bis es vor Erschöpfung

nachzulassen schien.

Indessen hatte die Magd auf einen Wink der Wirtin Wein gebracht. Der

Fremde trank, reichte den Becher seinen Begleitern und sann im stillen

über den wunderlichen Aufruhr nach, den er unwissentlich angestiftet.

Ein Knecht nach dem andern legte den Löffel nieder und ging mit einem

"Gute Nacht, Padrona!" hinaus. Zuletzt waren die drei mit der Wirtin

und der alten Magd allein.

"Die Sonne geht um vier Uhr auf", sagte der eine Schmuggler halblaut

zu dem Fremden. "Eccellenza braucht nicht früher aufzubrechen, um bei

guter Zeit in Pistoja zu sein. Es ist auch wegen des Pferdes, das

seine sechs Stunden stehen muß."

"Es ist gut, meine Freunde. Geht und schlaft!"

"Wir werden Euch wecken, Eccellenza."

"Auf alle Fälle", erwiderte der Fremde. "Obwohl die Madonna weiß, daß

ich nicht oft sechs Stunden in einem Strich schlafe. Gute Nacht,

Carlone; gute Nacht, Meister Giuseppe!"

Die Leute rückten ehrerbietig die Hüte und standen auf. Der eine ging

nach dem Herd und sagte: "Ich habe einen Gruß, Padrona, vom Costanzo

aus Bologna, und ob es bei Euch war, wo er sein Messer hat liegen

lassen letzten Samstag."

"Nein", sagte sie kurz und ungeduldig.

"Ihr hättet's ihm wohl wieder mitgeschickt", sagte ich ihm, "wenn's

hier gewesen wäre. Und dann--"

"Nina", unterbrach sie ihn, "zeige ihnen den Weg in die Kammer, wenn

sie ihn vergessen haben."

Die Magd stand auf. "Ich wollte nur noch sagen, Padrona", fuhr der

Mann mit großer Ruhe und leisem Zwinkern der Augen fort, "daß dieser

Herr dort das Geld nicht ansähe, wenn Ihr ihm ein sanfteres Bett

machtet, als unsereinem. Das wollt' ich Euch sagen, Padrona, und nun

schenk' Euch die Madonna eine gute Nacht, Signora Fenice!"

Damit wandte er sich zu seinem Gesellen, neigte sich, wie dieser, vor

dem Bilde in der Ecke, kreuzte sich und beide verließen mit der Magd

das Gemach. "Gute Nacht, Nina!" rief das Mädchen. Die Alte wandte

sich noch auf der Schwelle und machte ein fragendes Zeichen, zog dann

aber rasch und gehorsam die Tür hinter sich zu.

Sie waren kaum allein, als Fenice eine Messinglampe, die seitwärts am

Herde stand, ergriff und hastig anzündete. Das Herdfeuer erlosch mehr

und mehr, die drei roten Flämmchen der Lampe erhellten nur einen

kleinen Teil des weiten Raumes. Es schien, als habe die Dunkelheit

den Fremden schläfrig gemacht, denn er saß am Tische, den Kopf auf die

Arme gelegt, den Mantel dicht um sich gezogen, als gedenke er so die

Nacht zuzubringen. Da hörte er seinen Namen rufen und sah empor. Die

Lampe brannte vor ihm auf dem Tisch, ihm gegenüber stand die junge

Padrona, die ihn gerufen hatte. Ihr Blick traf den seinen mit großer

Gewalt.

"Filippo", sagte sie, "kennt Ihr mich nicht mehr?"

Er sah eine Zeitlang forschend in das schöne Gesicht, das vom Schein

der Lampe und mehr noch von der Angst zu glühen schien, welche Antwort

ihrer Frage werden würde. Das Gesicht war wohl des Wiedererinnerns

wert. Die weichen langen Augenwimpern sänftigten, wie sie langsam auf

und nieder gingen, die Strenge der Stirn und der schmalgeformten Nase.

Der Mund blühte in der rötesten Jugend; nur hatte er, wenn er schwieg,

einen Zug von Entsagung, Schmerz und Wildheit, dem die schwarzen

Augen nicht widersprachen. Jetzt erst, als sie am Tische stand,

zeigte sich auch der herbe Reiz der Gestalt, besonders die Schönheit

des Nackens und Halses. Und dennoch sprach Filippo nach einigem

Besinnen:

"Ich kenne Euch wahrlich nicht, Padrona!"

"Es ist nicht möglich", sagte sie mit einem wunderbar tiefen Ton der

Gewißheit. "Ihr habt ja sieben Jahre Zeit gehabt, mich zu behalten.

Das ist lang; da kann ein Bild sich schon einprägen."

Das seltsame Wort schien ihn jetzt erst völlig aus seinen besondern

Gedanken loszumachen. "Ja, Mädchen", sagte er, "wer sieben Jahre zu

nichts anderm braucht, als einem schönen Mädchenkopf nachzudenken, der

muß ihn wohl zuletzt auswendig wissen."

"Ja", sagte sie nachdenklich, "so ist es, so sagtet Ihr auch damals,

daß Ihr an nichts anderes denken würdet."

"Vor sieben Jahren? So war ich noch ein scherzhafter Mensch vor

sieben Jahren. Und du hast das im Ernst geglaubt?"

Sie nickte dreimal sehr ernsthaft. "Warum sollte ich nicht? Ich habe

es ja an mir selbst erfahren, daß Ihr recht hattet."

"Kind", sagte er mit einer gutmütigen Miene, die seinen entschiedenen

Zügen wohl stand, "das tut mir leid. Vor sieben Jahren dacht' ich

wohl noch, es wüßten es alle Weiber, daß zärtliche Männerworte nicht

viel mehr wert sind als Spielmarken, die man freilich gelegentlich

gegen klingendes Geld umwechselt, wenn es ausdrücklich ausgemacht ist.

Was dacht' ich nicht alles vor sieben Jahren von euch Weibern! Jetzt

denk ich, ehrlich gesagt, selten an euch. Liebes Kind, man hat so

viel Wichtigeres zu denken."

Sie schwieg, als ob sie das alles nicht verstünde und ruhig abwarten

wollte, bis er etwas sagte, was sie wirklich anging.

"Es dämmert jetzt freilich in mir auf", sagte er nach einigem Sinnen,

"daß ich diesen Teil des Gebirges schon einmal durchwandert habe. Ich

hätte auch vielleicht das Dorf und dieses Haus wieder erkannt, ohne

den Nebel. Ja, ja, es war allerdings vor sieben Jahren, wo mich der

Arzt in die Berge schickte, und ich wie ein Narr die steilsten Wege

auf und ab stürmte."

"Ich wußte es wohl", sagte sie, und ein rührender Glanz der Freude

erschien auf den Lippen, "ich wußte es wohl, Ihr könnt es nicht

vergessen haben. Hat es doch der Hund, der Fuoco, nicht vergessen,

auch nicht seinen alten Haß auf Euch von damals,--noch ich--meine alte

Liebe."

Das sagte sie mit so großer Festigkeit und Heiterkeit, daß er immer

erstaunter zu ihr aufsah. "Ich besinne mich nun auch auf ein Mädchen",

sagte er, "das ich einmal auf der Höhe des Apennin traf, und das mich

zu seinen Eltern nach Hause brachte. Ich hätte sonst die Nacht auf

den Klippen zubringen müssen. Ich weiß auch, daß es mir gefiel--"

"Ja", unterbrach sie ihn, "sehr!"

"Aber ich gefiel dem Mädchen nicht. Ich hatte ein langes Gespräch mit

ihr, zu dem sie nicht viel über zehn Worte beisteuerte. Als ich ihr

endlich das schlafende finstre Mündchen mit einem Kuß aufzuwecken

dachte--ich sehe sie noch, wie sie von mir weg auf die Seite sprang

und mit jeder Hand einen Stein aufhob, daß ich kaum ungesteinigt

davonkam. Wenn du jenes Mädchen bist, wie kannst du von deiner alten

Liebe zu mir reden?"

"Ich war funfzehn Jahr', Filippo, und schämte mich sehr. Ich war

immer so trotzig gewesen und allein, und wußte mich nicht auszudrücken.

Und dann hatte ich Furcht vor den Eltern, die lebten damals noch,

wie Ihr wissen werdet. Mein Vater hatte die vielen Hirten und Herden,

und hier die Schenke. Es ist seitdem nicht viel anders geworden. Nur,

daß er nicht mehr hier schaltet und schilt--seine Seele sei im

Paradiese! Und vor der Mutter schämte ich mich am meisten. Wißt Ihr

noch, gerade an demselben Fleck saßet Ihr damals, Ihr lobtet noch den

Wein, den wir von Pistoja hatten. Mehr hörte ich nicht, die Mutter

sah mich scharf an, da ging ich hinaus und stellte mich hinter das

Fenster, um Euch noch betrachten zu können. Ihr waret jünger,

natürlich, aber nicht schöner. Ihr habt noch heut dieselben Augen,

mit denen Ihr damals gewinnen konntet, wen Ihr wolltet; und dieselbe

dunkle Stimme, die den Hund so aufbrachte vor Eifersucht, armes Tier!

Bisher hatte ich ihn allein geliebt. Er merkte wohl, daß ich Euch

mehr liebte, er merkte es besser als Ihr selbst.

"Richtig", sagte er, "er war in jener Nacht wie unsinnig. Eine

wunderliche Nacht! Du hattest mir's doch sehr angetan, Fenice. Ich

weiß, daß ich keine Ruhe hatte, als du gar nicht wieder ins Haus

zurückkommen wolltest, daß ich aufstand und dich draußen suchte. Dein

weißes Kopftuch sah ich, und dann nichts mehr von dir, denn du

sprangst in die Kammer neben dem Stall."

"Das war meine Schlafkammer, Filippo. Da durftet Ihr doch nicht

hinein."

"Aber ich wollt' es. Ich weiß noch, wie lange ich stand und pocht'

und bettelte, der schlechte Gesell, der ich war, und meinte, der Kopf

müsse mir springen, wenn ich dich nicht noch einmal sähe."

"Der Kopf? Nein, das Herz, sagtet Ihr. Ich weiß sie noch alle wohl,

die Worte, alle!"

"Und wolltest doch damals nichts von ihnen wissen."

"Mir war zumut wie zum Sterben. Ich stand im hintersten Winkel und

dachte, wenn ich mir nur das Herz fassen könnte, an die Tür zu

schleichen, den Mund an die Spalte zu legen, durch die Ihr spracht,

daß ich den Hauch empfunden hätte."

"Törichte verliebte Jugend! Wäre deine Mutter nicht gekommen, ich

stände wohl noch da; du hättest denn inzwischen aufgemacht. Ich

schäme mich jetzt beinahe, wie ich im hellen Ärger und Grimm davonging

und die Nacht hindurch einen langen Traum von dir hatte."

"Ich habe im Finstern gesessen und gewacht", sagte sie. "Gegen Morgen

überfiel mich ein Schlaf, und als ich auffuhr und in die Sonne sah--wo

wart Ihr? Es sagte mir's keiner und fragen konnt' ich nicht. Ich

hatte einen solchen Haß, ein menschliches Gesicht zu sehen, als hätten

sie Euch umgebracht, damit ich Euch nur nicht mehr sähe. Ich lief

fort, wie ich ging und stand, die Berge auf und ab, zuweilen schrie

ich nach Euch, zuweilen verwünschte ich Euch, denn um Euch konnte ich

nun keinen Menschen mehr lieben. Am Ende kam ich unten in der Ebene

an, da erschrak ich und kehrte wieder um. Zwei Tage war ich weg

gewesen. Der Vater schlug mich, als ich wiederkam, und die Mutter

sprach nicht mit mir. Sie wußten wohl, warum ich weggelaufen war.

Nur der Hund war mit mir gewesen, der Fuoco; aber wenn ich Euern Namen

rief in der Einsamkeit, heulte er."

Es entstand eine Pause, in der die Blicke der beiden Menschen

aufeinander ruhten. Dann sagte Filippo: "Wie lange sind deine Eltern

nun tot?"

"Drei Jahr'. Sie starben in derselben Woche--ihre Seelen seien im

Paradiese! Dann bin ich nach Florenz gegangen."

"Nach Florenz?"

"Ja, Ihr sagtet ja, Ihr wäret aus Florenz. Die Frau des Caffetiere

draußen bei San Miniato, an die wiesen mich welche von den

Contrabbandieri. Einen Monat hab ich da gelebt und sie alle Tage in

die Stadt geschickt, nach Euch zu fragen. Abends ging ich selbst

hinunter und suchte Euch. Am Ende hörten wir, daß Ihr längst

fortgezogen, keiner wollte recht wissen, wohin."

Filippo stand auf und ging mit starken Schritten durch das Gemach.

Fenice wandte sich nach ihm, ihr Blick folgte ihm, doch verriet sie

keine Spur einer ähnlichen Unruhe, wie sie ihn umhertrieb. Er kam

endlich auf sie zu, sah sie eine Weile an und sagte dann: "Und wozu

gestehst du mir das alles, la Poveretta*?"

{ed. * Du Ärmste}

"Ich habe sieben Jahre Zeit gehabt, mir einen Mut dazu zu fassen. Ach,

wenn ich es Euch damals gestanden hätte, es hätte mich nicht so

unglücklich gemacht, dieses feige Herz. Aber ich wußte, daß Ihr

wiederkommen mußtet, Filippo; nur daß es so lange dauerte, das hatte

ich nicht gedacht, das tat mir weh.--Ein Kind bin ich, so zu sprechen.

Was kümmert mich, was nun vorüber ist? Filippo, da seid ihr, und

hier bin ich und bin Euer, ewig, ewig!"-"Liebes Kind!" sagte er leise,

und verschwieg dann wieder, was er auf der Zunge hatte. Sie empfand

es aber nicht, daß er so nachdenklich und schweigsam vor ihr stand und

über ihre Stirn weg auf die Wand starrte. Sie sprach ruhig weiter; es

war, als wären ihr ihre Worte seit lange bekannt, als habe sie sich

tausendmal im stillen vorgestellt: Er wird kommen, und das und das

wirst du ihm sagen.

"Ich habe schon viele heiraten sollen, hier oben, und als ich in

Florenz war. Ich wollte nur dich. Wenn mich einer bat und sagte mir

süße Reden, gleich war deine Stimme da, aus jener Nacht, deine Reden,

die süßer waren, als alle Worte unterm Monde. Seit manchem Jahr

lassen sie mich in Ruh, obwohl ich noch nicht alt bin, und so schön

wie ich immer war. Es ist als ob sie alle wüßten, daß du nun bald

kommen würdest."--Dann wieder:

"Wo willst du mich nun hinführen? Willst du hier oben bleiben? Nein,

es taugt nicht für dich. Seit ich in Florenz war, weiß ich, daß es

traurig auf dem Gebirge ist. Wir wollen das Haus und die Herden

verkaufen, dann bin ich reich. Ich habe das wilde Wesen mit den

Leuten hier satt. In Florenz mußten sie mich alles lehren, was eine

Städterin braucht, und sie verwunderten sich, wie rasch ich jedes

begriff. Freilich, ich hatte nicht viel Zeit und alle Träume sagten

mir, daß es hier oben sein würde, wo du mich zu suchen kämest.--Ich

habe auch eine Zauberin gefragt, und auch das ist alles eingetroffen."

"Und wenn ich nun schon eine Frau hätte?"

Sie sah ihn groß an. "Du willst mich versuchen, Filippo! Du hast

keine. Auch das hat mir die Strega* gesagt. Aber wo du wohnest, das

wußte sie nicht."

{ed. * Hexe}

"Sie hat recht gehabt, Fenice, ich habe kein Weib. Aber woher weiß

sie oder du, daß ich je eins haben will?"

"Wie könntest du mich nicht wollen?" sagte sie mit unerschütterlichem

Vertrauen.

"Setz dich hier zu mir her, Fenice! Ich habe dir viel zu sagen. Gib

mir deine Hand; versprich mir, daß du mich verständig anhören willst

bis zu Ende, meine arme Freundin!" Als sie nichts von dem allen tat,

fuhr er mit klopfendem Herzen fort, vor ihr stehenbleibend und das

Auge traurig auf sie geheftet, während das ihrige wie in Ahnungen, die

ihr ans Leben gingen, bald geschlossen war, bald am Boden hinirrte.

"Ich habe schon vor Jahren aus Florenz fliehen müssen", erzählte er.

"Du weißt, da waren jene politischen Tumulte, die so lange hin und her

schwankten. Ich bin Advokat und kenne eine Menge Menschen, und

schreibe und empfange einen großen Haufen Briefe das Jahr hindurch.

Zudem war ich unabhängig, sagte meine Meinung, wo es not tat, und

wurde verhaßt, obwohl ich die Hände bei ihrem heimlichen Spiel nie

haben mochte. Am Ende mußte ich auswandern, wenn ich nicht in

endloses Verhör und Gefängnis gehen wollte, ohne Nutz und Zweck. Ich

bin nach Bologna gezogen und habe für mich gelebt, meine Prozesse

geführt, und wenig Menschen gesehen, am wenigsten Weiber; denn von dem

tollen Burschen, dem du vor sieben Jahren das Herz schwer machtest,

ist nichts mehr an mir geblieben, als daß mir noch immer der Kopf,

oder wenn du lieber willst, das Herz springen will, wenn ich irgendwas

nicht bezwingen kann, freilich heutzutage andere Dinge, als den Riegel

an der Kammertür eines schönen Mädchens.--Du hast vielleicht gehört,

daß es auch in Bologna in der letzten Zeit unruhig geworden ist. Man

hat angesehene Männer verhaftet, darunter einen, dessen Wege und Stege

ich seit langem kenne, und weiß, daß seine Seele diesen Dingen sehr

fern war. Denn eine schlechte Regierung bessern sie damit so wenig,

als wenn eine Krankheit unter euern Schafen ist und ihr schicktet den

Wolf in den Stall. Aber was soll das hier? Genug, mein Freund bat

mich, sein Advokat zu sein und ich verhalf ihm zur Freiheit. Es war

das kaum bekannt worden, als mich eines Tages ein elender Mensch auf

der Straße anrannte und mich mit Beleidigungen überhäufte. Ich konnte

mich nicht anders von ihm losmachen, als durch einen Stoß gegen die

Brust, denn er war berauscht und keiner Erwiderung wert. Kaum hatte

ich mich aus dem Menschenschwarm herausgewunden und war in ein Café

getreten, so kam mir schon ein Verwandter jenes Menschen nach,

nüchtern von Wein, aber trunken von Gift und Zorn, und stellte mich

zur Rede, daß ich wie ein Ehrloser auf Worte mit Fäusten geantwortet

hätte, statt zu tun, was jeder Galant'uomo* getan haben würde. Ich

antwortete so gemäßigt, wie ich konnte, denn schon durchschaute ich's,

daß alles eine Veranstaltung der Regierung war, mich durch einen

Zweikampf unschädlich zu machen. Doch gab ein Wort das andere und die

Feinde hatten endlich das Spiel gewonnen. Der andere gab vor, daß er

ins Toskanische hinüber müsse, und drang darauf, die Sache drüben

auszumachen. Ich ging darauf ein, denn es war Zeit, daß einer von uns

Besonnenen den unruhigen Köpfen bewies, nicht Mangel an Mut sei die

Ursache unserer Zurückhaltung, sondern einzig die Hoffnungslosigkeit

aller heimlichen Umtriebe, einer so überlegenen Macht gegenüber. Als

ich aber vorgestern um einen Paß einkam, wurde er mir verweigert, ohne

daß man sich herabließ, mir einen Grund dafür anzugeben; es hieß, so

sei der Befehl der obersten Behörden. Es wurde mir klar, daß sie mir

entweder den Schimpf zuziehen wollten, das Duell vermieden zu haben,

oder mich dazu treiben, mich in irgendwelcher Verkleidung über die

Grenze zu stehlen, wo ich dann sicher von einem Hinterhalt aufgefangen

worden wäre. Dann hätten sie einen Vorwand gehabt, mir den Prozeß zu

machen, und ihn hinzuzerren, solange es ihnen nützlich erschienen wäre."

{ed. * Ehrenmann}

"Die Elenden! die Gottlosen!" unterbrach ihn das Mädchen und ballte

die Faust.

"So blieb nichts übrig, als mich in Porretta den Contrabbandieri

anzuvertrauen. Wir werden morgen, wie sie mir sagen, noch früh

Pistoja erreichen. Nachmittags ist das Duell verabredet, in einem

Garten vor der Stadt."

Sie ergriff plötzlich heftig seine Hand mit ihren beiden. "Geh nicht

hinunter, Filippo", sagte sie. "Sie wollen dich ermorden."

"Gewiß, das wollen sie, Kind, nichts Geringeres. Woher weißt du das

aber?"

"Ich sehe es hier und--hier!" Und sie deutete mit dem Finger auf Stirn

und Herz.

"Du bist auch eine Zauberin, eine Strega", fuhr er mit Lächeln fort.

"Jawohl, Kind, sie wollen mich morden. Mein Gegner ist der beste

Schütze in Toskana. Sie haben mir die Ehre angetan, einen stattlichen

Feind gegen mich zu stellen. Nun, ich werde mir auch keine Schande

machen. Wer weiß aber, ob alles mit rechten Dingen zugeht? Wer weiß?

Oder hast du auch Zauberkünste, das vorauszusehen? Was hülf' es,

Kind! damit wäre nichts geändert."

"Du mußt es dir also schon aus dem Sinn schlagen", fuhr er nach

einigem Schweigen fort, "deiner törichten alten Liebe ihren Willen zu

tun. Vielleicht hat alles so kommen müssen, damit ich nicht aus der

Welt ginge, ohne dich frei zu machen, frei von dir selbst und deiner

unseligen Treue, armes Kind. Siehst du, wir hätten auch vielleicht

schlecht für einander getaugt. Du warst einem andern Filippo treu,

einem jungen Fant mit leichtsinnigen Lippen und außer Liebessorgen

sorgenlos. Was hättest du mit dem Grübler, dem Einsiedler anfangen

wollen?"

Nun trat er auf sie zu, da er das letzte halb vor sich hin, auf und ab

gehend, gesprochen hatte, und wollte eben ihre Hand fassen, als er vor

dem Ausdruck ihres Gesichts sich entsetzte. Alle Weichheit war aus

den Zügen gewichen, alle Röte von den Lippen. "Du liebst mich nicht!"

sagte sie langsam und tonlos, als spräche ein andrer aus ihr und sie

horchte hin, um zu erfahren, was eigentlich gemeint sei. Dann stieß

sie seine Hand mit einem Schrei zurück, daß die Flämmchen der Lampe zu

erlöschen drohten, und von draußen auf einmal ein wütendes Wimmern und

Toben des Hundes laut wurde.--"Du liebst mich nicht, nein, nein!" rief

sie wie außer sich. "Kannst du lieber in den Tod wollen, als in meine

Arme? Kannst du nach sieben Jahren kommen, um Abschied zu nehmen?

Kannst du so ruhig von deinem Tode sprechen, als wäre er nicht auch

meiner? So wäre mir besser, diese Augen wären erblindet, eh' sie dich

wieder sahen, und diese Ohren taub geworden, ehe sie die grausame

Stimme hören mußten, durch die ich lebe und sterbe. Warum hat der

Hund dich nicht zerrissen, ehe ich wußte, daß du gekommen bist, mein

Herz zu zerreißen? Warum ist dein Fuß nicht an den Abgründen

ausgeglitten? Wehe, wehe! Siehe meinen Jammer, Madonna!"

Sie stürzte nieder vor dem Bilde, lag mit der Stirn gegen den Boden,

die Hände weit von sich gestreckt, und schien zu beten. Der Mann

hörte den Lärm des Hundes, dazwischen das Murmeln und Stöhnen des

unglücklichen Mädchens, während der Mond nun schon Macht gewann und

das Gemach durchleuchtete. Ehe er aber noch sich fassen und ein Wort

aussprechen konnte, fühlte er schon wieder ihre Arme an seinem Nacken,

ihren Mund an seinem Halse und heiße Tränen über sein Gesicht fließen.

"Geh nicht in den Tod, Filippo!" schluchzte die Arme. "Wenn du bei

mir bleibst, wer will dich finden? Laß sie reden, was sie wollen, das

Mördergesindel, die heimtückischen Elenden, schlimmer als die Wölfe

des Apennin.--Ja", sagte sie und sah durch Tränen strahlend zu ihm auf,

"du bleibst, die Madonna hat dich mir geschenkt, damit ich dich

retten sollte. Filippo, ich weiß nicht, was für böse Worte ich

gesprochen, aber daß sie böse waren, empfand ich an dem eisigen Krampf

hier am Herzen, der sie mir entrissen. Vergib mir das. Es bringt in

die Hölle, zu denken, daß die Liebe vergessen und die Treue zertreten

werden kann. Wir wollen uns nun hersetzen und das alles beraten.

Willst du ein neues Haus haben? Wir bauen eins. Andere Leute? Wir

schicken alle fort, auch die Nina, auch der Hund soll fort. Und wenn

du meinst, daß sie dich dann verraten--so wollen wir selber fort, noch

heut, jetzt, ich weiß alle Wege, und ehe die Sonne kommt, sind wir

tief in den Schluchten nach Norden zu und wandern, wandern bis Genua,

bis Venedig, wohin du willst."

"Halt!" sagte er strenge. "Es ist genug der Torheit. Du kannst mein

Weib nicht werden, Fenice. Wenn es morgen nicht ist, daß sie mich

umbringen, so ist es nicht lange, denn ich weiß, wie ich ihnen im Wege

bin." Er zog sanft, aber entschlossen seinen Hals aus ihren Armen.

"Siehe Kind", fuhr er fort, "das ist nun unglücklich genug und wir

brauchen es uns nicht noch schwerer zu machen durch Unvernunft.

Vielleicht, wenn du später einmal von meinem Tode hörst, wirst du

einen Mann und schöne Kinder ansehen und dich segnen, daß der Tote in

dieser Nacht mehr Vernunft hatte, als du, wenn es auch in jener ersten

umgekehrt war. Laß mich nun schlafen gehn, geh du auch und schaffe,

daß wir uns morgen nicht wiedersehn. Du hast einen guten Ruf, wie ich

unterwegs von meinen Contrabbandieri erfuhr. Wenn wir uns etwa

umhalsten, morgen, und du machtest ein Schauspiel--nicht wahr, Kind?

Und nun--gute Nacht, gute Nacht, Fenice!"

Da bot er ihr noch einmal herzlich die Hand. Aber sie nahm sie nicht.

Sie sah ganz bleich aus im Mondschein, die Brauen und

niedergeschlagenen Wimpern um so finsterer. "Hab ich nicht genug

gebüßt", sprach sie halblaut, "daß ich vor sieben Jahren eine Nacht

lang zu viel Vernunft hatte? Und nun will er, daß diese tausendmal

verwünschte Vernunft mich wieder elend machen soll, und diesmal eine

Ewigkeit lang? Nein, nein, nein! Ich lasse ihn nicht mehr aus den

Händen--ich müßte mich vor allen Menschen schämen, wenn er ginge und

stürbe."

"Hörst du nicht, daß es mein Wille ist?" unterbrach er sie mit

Heftigkeit, "daß ich jetzt schlafen will, Mädchen, und allein? Was

redest du irre und machst dich kränker? Wenn du nicht fühlst, daß

meine Ehre mich von dir reißt, so hättest du nie für mich getaugt.

Ich bin keine Puppe auf deinem Schoß, zum Hätscheln und Possentreiben.

Ich habe meine Wege vor mir gezeichnet, und sie sind zu enge für zwei.

Zeige mir das Fell, auf dem ich die Nacht zubringen soll, und

dann--laß uns einander vergessen!"

"Und wenn du mich mit Schlägen von dir triebest, ich ginge nicht!

Wenn sich der Tod zwischen uns stellte, ich jagte dich ihm ab mit

diesen guten Armen. Auf Tod und Leben--du bist mein, Filippo!"

"Still!" rief er überlaut. Die Röte stieg ihm jählings in die Stirn,

indem er mit beiden Armen die heftige Gestalt von sich drängte.

"Still! Und nun ist's aus für heut und immer. Bin ich ein Ding, das

an sich reißen kann, wer will, und wem es in die Augen sticht? Ein

Mensch bin ich, und wer mich haben soll, dem muß ich mich geschenkt

haben. Du hast sieben Jahre nach mir geseufzt--hast du darum ein

Recht, mich im achten ehrlos vor mir selbst zu machen? Wenn du mich

bestechen willst, so war das Mittel schlecht gewählt. Vor sieben

Jahren liebt' ich dich, weil du anders warst als heut. Wärst du mir

damals an den Hals geflogen und hättest mein Herz mir abtrotzen wollen,

ich hätte Trotz gegen Trotz gesetzt, wie heut. Nun ist alles aus

zwischen uns und ich weiß, daß das Mitleid, das mich vorhin anwandelte,

nicht Liebe war. Zum letztenmal, wo ist die Kammer?"

Das hatte er hart und schneidend gesagt, und wie er nun schwieg,

schien ihm der Ton der eignen Stimme weh zu tun. Doch fügte er kein

Wort hinzu, sich im stillen verwundernd, daß sie es ruhiger hinnahm,

als er selber gefürchtet hatte. Er hätte nun gern einen stürmischen

Ausbruch ihres Schmerzes mit gütigeren Worten beschwichtigt. Sie ging

aber kalt an ihm vorbei, öffnete eine schwere Holztür nicht weit vom

Herde, deutete stumm auf die Eisenriegel an derselben und trat dann an

den Herd zurück.

Er schritt denn auch hinein und riegelte hinter sich zu. Doch blieb

er eine Zeitlang dicht neben der Tür stehen, um zu horchen, was sie

beginne. Es wurde keine Bewegung im Gemache laut, und im ganzen Hause

hörte man nichts als die Unruhe des Hundes, das Scharren des Pferdes

im Stall und das Singen des Windes, der draußen die letzten

Nebelstreifen verwehte. Denn der Mond war in aller Pracht am Himmel,

und die Kammer hell, nachdem Filippo einen großen Büschel Heidekraut

aus dem Mauerloch gezogen hatte, das als Fenster diente. Er sah nun,

daß er offenbar in Fenicens Kammer war. Da stand ihr schmales,

sauberes Bett an der Wand, eine Lade unverschlossen daneben, ein

Tischchen, eine kleine Holzbank, die Wände waren mit Bildern behangen,

Heiligen und Madonnen, ein Weihkesselchen unter dem Kruzifix neben der

Tür.

Er setzte sich jetzt auf das harte Bett und fühlte, wie es in ihm

stürmte. Ein paarmal hob er schon den Fuß, um wieder hinauszueilen

und ihr zu sagen, daß er ihr nur weh getan habe, um sie zu heilen.

Dann stampfte er gegen den Boden, unmutig über seine weichherzige

Regung. "Es ist das einzige, was bleibt", sprach er für sich, "wenn

Schuld und Fluch nicht noch wachsen sollen. Sieben Jahre, armes Kind!

"--Ein starker Kamm, mit kleinen Metallstückchen verziert, lag auf dem

Tischchen, den nahm er mechanisch in die Hand. Das volle Haar kam ihm

dabei wieder in den Sinn, der stolze Nacken, auf dem es lag, die edle

Stirn, um die es sich ringelte, und die bräunliche Wange. Er warf

endlich den Versucher in die Lade, worin er saubere Röcke, Kopftücher

und allerlei kleine Schmuckstücke ordentlich zusammen verwahrt sah.

Langsam ließ er den Deckel wieder fallen, und ging nun an die

Mauerlücke und sah hinaus.

Die Kammer lag an der hintern Seite des Hauses und keine der andern

Hütten von Treppi wehrte ihm die Aussicht über das zerklüftete

Hochland. Gegenüber, hinter der Schlucht aufsteigend, der nackte

Felsrücken, vom Monde angeschienen, der jetzt über dem Hause stehen

mußte. Seitwärts sah er einige Schuppen, an denen der Weg vorüber in

die Tiefe führte. Eine verlorene kleine Fichte mit kahlen Zweigen

wurzelte zwischen dem Gestein, sonst bedeckte den Boden nur Heidekraut

und hie und da ein kümmerlicher Busch.--"Hier ist freilich kein Ort",

sagte er im stillen, "zu vergessen, was man geliebt hat.--Ich wollte,

es wäre anders! Ja ja, sie wäre am Ende die rechte Frau für mich

gewesen, die mich mehr geliebt hätte, als Putz und Spazierengehen und

das Geflüster der Stutzer. Was für Augen mein alter Marco machen

würde, wenn ich plötzlich mit einer schönen Frau von der Reise

zurückkäme! Man brauchte nicht einmal die Wohnung zu ändern, die

vielen öden Winkel waren ohnehin unheimlich. Und mir altem Grämler

würde es zuweilen gut sein, ein lachendes Kind--aber Torheit, Torheit,

Filippo! Was soll das arme Ding als Witwe in Bologna! Nein, nein!

nichts davon! Keine neue Sünde auf die alte häufen! Ich will eine

Stunde früher die Leute wecken und mich fortstehlen, ehe ein Mensch in

Treppi wacht."

Eben wollte er das Fenster verlassen, und die vom langen Ritt

ermüdeten Glieder aufs Lager strecken, als er eine weibliche Gestalt

aus dem Schatten des Hauses in den Mondschein vortreten sah. Sie

blickte nicht um, aber es blieb ihm kein Zweifel, daß es Fenice war.

Sie entfernte sich vom Hause auf dem Wege, der in die Schlucht

hinunterführte, mit ruhigen großen Schritten. Ein Schauder überlief

ihm die Haut, denn im selben Augenblick fuhr ihm der Gedanke in den

Kopf: sie will sich ein Leid antun. Ohne Besinnung sprang er nach der

Tür und zerrte gewaltsam an dem Riegel. Aber das alte rostige Eisen

hatte sich so eigensinnig in die Klammer vertieft, daß er vergebens

alle Kraft aufbot. Ein kalter Schweiß trat ihm vor die Stirn, er

schrie, rüttelte und stieß mit Fäusten und Füßen gegen die Tür und

bezwang sie nicht. Endlich ließ er ab und stürzte wieder an die

Fensterlücke. Schon gab der eine Stein seinem Wüten nach, da

plötzlich sah er die Gestalt des Mädchens wieder auftauchen auf dem

Wege und sich der Hütte zuwenden. Sie trug etwas in der Hand, das er

bei dem unsichern Licht nicht erkennen konnte, nur ihr Gesicht sah er

deutlich, das war ernsthaft und gedankenvoll, aber ohne Leidenschaft.

Keinen Blick warf sie auf sein Fenster und verschwand wieder im

Schatten.

Noch stand er und atmete tief nach der Angst und Anstrengung, da

vernahm er großen Lärm, der von dem alten Hunde herzurühren schien,

doch kein Bellen oder Winseln. Das Rätsel beklemmte ihn immer

unheimlicher; er bog den Kopf weit zu der Öffnung hinaus, konnte aber

nichts sehen als die regungslose Nacht im Gebirge. Auf einmal

erscholl ein kurzes scharfes Heulen, darauf ein tieferschütterndes

Stöhnen des Hundes und dann, solange und ängstlich er hinhorchte, kein

Laut mehr die ganze Nacht, als daß noch einmal die Tür des Gemachs

nebenan klappte und Fenices Schritte über den Steinboden sich

vernehmen ließen. Umsonst stand er lange an der verriegelten Tür,

horchte erst, bat und fragte dann und beschwor das Mädchen nur um ein

kurzes Wort--es blieb still nebenan. Er warf sich nun auf das Bett,

wie im Fieber und lag wachend und sinnend, bis endlich eine Stunde

nach Mitternacht der Mond unterging, und die Ermüdung über seine

tausend wogenden Gedanken Herr wurde.

Eine Dämmerung war um Filippo, als ihn der Schlaf verließ; doch als er

seine Sinne völlig ermuntert und sich vom Bett aufgerichtet hatte,

ward er wohl inne, daß es nicht ein Zwielicht wie vor Sonnenaufgang

war. Von einer Seite her traf ihn ein schwacher Sonnenstrahl und bald

sah er, daß die Mauerlücke, die er vor dem Einschlafen offengelassen,

dennoch fest mit Gestrüpp verstopft worden war. Er stieß es hinaus,

und die volle Morgensonne blendete ihn. Im höchsten Zorn auf die

Contrabbandieri, seinen Schlaf und vor allem auf das Mädchen, dem er

diese Hinterlist zuschreiben mußte, ging er augenblicklich nach der

Tür, deren Riegel jetzt einem besonnenen Druck leicht nachgab, und

trat in das Nebengemach.

Er traf Fenice allein, gelassen am Herde sitzend, als habe sie ihn

längst erwartet. Aus ihrem Gesicht war jede Spur der gestrigen Stürme

verschwunden, ja sogar keine Regung der Trauer und kein Zug einer

gewaltsamen Fassung begegnete seinem finstern Auge.

"Du hast es veranstaltet, daß ich die Stunde verschlafen mußte",

herrschte er sie an.

"Ja", sagte sie gleichgültig. "Ihr waret müde. Ihr kommt immer noch

früh genug nach Pistoja, wenn Ihr am Nachmittag erst den Mördern

begegnen müßt."

"Ich hatte dich nicht geheißen, um meine Müdigkeit besorgt zu sein.

Drängst du dich noch immer an mich an? Es soll dir nichts helfen,

Mädchen. Wo sind meine Leute?"

"Fort."

"Fort? willst du mich narren? Wo sind sie? Törin, als ob sie

fortgingen, ehe ich sie bezahlt habe!" Und er schritt rasch auf die

Tür zu, um hinauszugehn.

Fenice blieb unbeweglich sitzen und sagte in demselben harmlosen Ton:

"Ich habe sie bezahlt. Ich sagte ihnen, daß Ihr Schlaf brauchtet und

dann, daß ich selbst Euch hinunterbegleiten würde; denn der Weinvorrat

ist zu Ende und ich muß neuen kaufen, eine Stunde vor Pistoja."

Der Zorn verwehrte ihm einen Augenblick zu sprechen. "Nein", brach er

endlich heraus, "mit dir nicht, mit dir nimmermehr! Heimtückische

Schlange! Es ist lächerlich, daß du noch immer denkst, mit deinen

glatten Windungen mich umstricken zu können. Nun sind wir völliger

geschieden als je. Ich verachte dich, daß du mich für blöde und

armselig genug hältst, mit diesen kleinen Künsten es mir abgewinnen zu

können. Mit dir geh ich nicht! Gib mir einen deiner Knechte mit und

da--mache dich bezahlt für deine Auslagen an die Contrabbandieri."

Er warf ihr eine Börse hin und öffnete die Tür, selbst jemand zu

suchen, der ihn hinunterführte. "Macht Euch keine Mühe", sagte sie,

"Ihr findet von den Knechten keinen, sie sind alle in die Berge. Auch

sonst ist in Treppi niemand, der Euch dienen könnte. Arme

gebrechliche Mütterchen, Greise und Kinder, die noch gehütet werden.

Wenn Ihr mir nicht glaubt--seht nach!"

"Und überhaupt", fuhr sie fort, als er unentschlossen in Grimm und

Ärger auf der Schwelle stand und ihr den Rücken zugekehrt hatte,

"warum dünkt es Euch so unmöglich und gefährlich, wenn ich Euch führe?

Ich habe die Nacht Träume gehabt, aus denen ich sehe, daß Ihr nicht

für mich seid. Es ist wahr, ich habe Euch noch immer ein wenig gern

und es wird mir Freude machen, noch ein paar Stunden mit Euch zu

plaudern. Muß ich Euch darum nachstellen? Ihr seid frei, von mir zu

gehn auf immer, wohin Ihr wollt, in den Tod oder ins Leben. Nur, daß

ich es so eingerichtet habe, daß ich noch eine Strecke neben Euch

hergehe. Ich will Euch zuschwören, wenn Euch das beruhigen kann, daß

es nur eine Strecke sein wird, beileibe nicht bis Pistoja. Nur so

lange, bis Ihr den rechten Weg habt. Denn wenn Ihr auf Eure eigne

Hand fortginget, verstieget Ihr Euch bald, daß Ihr weder vor noch

zurück könntet. Ihr müßt das ja noch wissen von Eurer ersten Reise

durch die Berge."

"Pest!" murmelte er und biß sich die Lippen. Er sah indes, wie die

Sonne stieg, und alles wohl erwogen,--was hatte er im Grunde

Ernstliches zu besorgen? Das Ernstlichste wollte er sich nicht

gestehen. Er wandte sich zu ihr um und glaubte von dem gleichmütigen

Blick ihrer großen Augen Zeugnis annehmen zu dürfen, daß keinerlei

Falsch hinter ihren Worten sei. Sie schien ihm wirklich seit gestern

eine ganz andere geworden zu sein, und fast mischte sich ein Gefühl

von Unzufriedenheit in sein Staunen, da er sich sagen mußte, daß der

gestrige Anfall von schmerzlicher Leidenschaft so bald und spurlos

vorübergegangen sei. Er sah sie länger an, aber sie gab

schlechterdings zu keinem Argwohn Anlaß.

"Wenn du denn so vernünftig geworden bist", sagte er jetzt trocken,

"so mag es sein, so komm!"

Ohne eine sonderliche Äußerung der Freude stand sie auf und sagte:

"Wir wollen erst essen; auf Stunden finden wir nichts." Sie stellte

ihm eine Schüssel hin und einen Krug und aß dann selbst, am Herde

stehend, aber von dem Wein genoß sie keinen Tropfen. Er dagegen, um

es abzumachen, aß einige Löffel voll, stürzte den Wein hinunter und

zündete an den Kohlen des Herdes seine Zigarre an. Währenddessen

hatte er ihr keinen Blick gegönnt und als er nun zufällig, da er ihr

nahe stand, sie ansah, war eine wunderliche Röte auf ihren Wangen und

etwas wie Triumph in den Augen. Sie stand rasch auf, ergriff den Krug

und zerschellte ihn mit einem Wurf gegen den Steinboden. "Es soll

keiner mehr daraus trinken", sagte sie, "seit Eure Lippen daran

gehangen!"

Betroffen fuhr er auf, ein Argwohn stand eine Sekunde lang vor seinem

Geist: "Ob sie dir Gift gegeben?" dann zog er es vor zu glauben, daß

es noch ein Rest des verliebten Götzendienstes sei, den sie

abgeschworen, und ohne weitere Worte ging er ihr nach zum Hause hinaus.

"Das Pferd haben sie wieder nach Porretta mitgenommen", sagte sie

draußen zu ihm, als er es mit den Augen zu suchen schien. "Ihr hättet

auch nicht hinabreiten können ohne Gefahr. Die Wege sind steiler als

gestern."

Sie ging ihm nun voran und bald hatten sie die Hütten hinter sich, die

tot und selbst ohne ein Wölkchen Rauch aus den Schornsteinen in der

scharfen Sonne standen. Jetzt erst sah Filippo die ganze Majestät

dieser Einöde, über der ein reiner, durchsichtiger Himmel hing. Der

Weg, kaum in dem harten Felsen durch eine dunklere Spur erkennbar,

lief auf dem breiten Rücken nordwärts, und dann und wann, wenn der

gegenüberliegende parallele Zug sich senkte, blitzte am fernen

Horizont zur Linken ein Streif des Meeres herauf. Noch war von

Vegetation weit und breit keine Spur, außer den harten, niederen

Bergkräutern und Flechtengestrüpp. Nun aber verließen sie die Höhe

und vertieften sich in die Schlucht, die zu durchwandern war, um auch

den Felsrücken gegenüber zu ersteigen. Hier begegneten sie bald

Nadelholz und Quellen, die in die Schlucht sprangen, und hörten in der

Tiefe das Toben des Wassers. Fenice ging jetzt voran, mit sicherm Fuß

auf die sichersten Steine tretend, ohne umzublicken oder ein Wort zu

sagen. Er konnte nicht anders, als die Augen dicht an ihr hängen

lassen, und die schlanke Kraft der Glieder bewundern. Das Gesicht

verdeckte ihm gänzlich ihr großes, weißes Kopftuch, aber wenn es sich

fügte, daß sie wieder nebeneinander gehen konnten, mußte er sich

zwingen, vor sich hin und von ihr weg zu sehen, so sehr fesselte ihn

die großartige Bildung der Züge. Er bemerkte jetzt erst im vollen

Sonnenlicht einen seltsam kindlichen Ausdruck, ohne sich sagen zu

können, worin er besonders liege. Als sei etwas in diesem Gesicht

seit sieben Jahren stehengeblieben, während alles andere sich

entwickelte.

Endlich fing er von selbst zu sprechen an, und sie gab unbefangen

verständige Antworten. Nur daß ihre Stimme, die sonst nicht so hart

und dumpf war, wie den Weibern im Gebirg eigen zu sein pflegt, heute

eintönig und bei den gleichgültigsten Dingen am traurigsten klang.

Diese Wege, die sie jetzt gingen, waren in den letzten Jahren vielfach

von politischen Flüchtlingen betreten worden, von denen die meisten

gewiß in Treppi gerastet hatten. Filippo fragte das Mädchen nach

diesem und jenem seiner Bekannten, die er beschrieb; aber sie entsann

sich ihrer selten, obwohl sie wußte, daß die Contrabbandieri viele

Fremde in ihrem Hause hatten übernachten lassen. Nur auf einen besann

sie sich nur zu klar. Bei der Beschreibung stieg ihr das Blut ins

Gesicht und sie blieb stehn. "Der ist schlecht!" sagte sie finster.

"Ich habe die Knechte in der Nacht wecken und ihm das Haus

verschließen müssen."

Unter diesen Gesprächen merkte der Advokat nicht, wie die Sonne stieg

und noch immer kein Blick in die toskanische Flur sich auftat. Auch

dachte er mit keinem Gedanken an das bevorstehende Ende dieses Tages.

Es war so erquickend, funfzig Schritt über dem Gießbach auf dem ganz

überbuschten Wege hinzugehn, zuweilen den Staub des Sturzes

heraufwehen zu fühlen, die Eidechsen über die Steine schlüpfen und die

behenden Schmetterlinge den verstohlenen Sonnenlichtern nachjagen zu

sehn, daß er nicht einmal inne wurde, wie sie dem Bach

entgegenwanderten, und noch immer nicht westlich einlenkten. Es war

eine Magie in der Stimme seiner Begleiterin, die ihn alles vergessen

machte, was gestern in Gesellschaft der Contrabbandieri ihn

unaufhörlich beschäftigt hatte. Als sie nun aber aus der Schlucht

heraustreten und jetzt ein unabsehbares wildfremdes Bergland mit neuen

Höhen und Klüften wüst und versengt vor ihnen lag, erwachte er auf

einmal aus dem Zauberschlaf, blieb stehen und blickte gen Himmel. Er

erkannte klar, daß sie in der völlig entgegengesetzten Richtung

gewandert und wohl zwei Stunden von seinem Ziele ferner waren, als da

sie ausgingen.

"Halt!" sagte Filippo. "Ich sehe es noch beizeiten, daß du mich

dennoch betrügst. Ist das der Weg nach Pistoja, du Heimtückische?"

"Nein", sagte sie furchtlos, aber den Blick zu Boden gesenkt.

"Nun denn, bei allen Mächten der Hölle, so können die Teufel bei dir

in die Schule gehn und Heucheln von dir lernen. Fluch über meine

Verblendung!"

"Man kann alles, man ist mächtiger als Teufel und Engel, wenn man

liebt", sagte sie mit tiefem, traurigem Ton.

"Nein!" schrie er in hellem Jähzorn, "noch frohlocke nicht, Übermütige,

noch nicht! den Willen eines Mannes kann das nicht brechen, was eine

verrückte Dirne Liebe nennt. Kehre um mit mir, auf der Stelle und

weise mir die kürzesten Wege--oder ich erdroßle dich mit diesen Händen,

--du Törin, die nicht einsieht, daß ich die hassen muß, die mich vor

der Welt zu einem Nichtswürdigen machen will."

Das Mädchen von Treppi · 第 1 / 3 段