Neunter Auftritt

Walter. Adam. Frau Marthe usw. ohne die Magd.

Adam

--Wenn ich freimütig reden darf, Ihr Gnaden,

Die Sache eignet gut sich zum Vergleich.

Walter

Sich zum Vergleich? Das ist nicht klar, Herr Richter.

Vernünft'ge Leute können sich vergleichen;

Doch wie Ihr den Vergleich schon wollt bewirken,

Da noch durchaus die Sache nicht entworren,

Das hätt ich wohl von Euch zu hören Lust.

Wie denkt Ihrs anzustellen, sagt mir an?

Habt Ihr ein Urteil schon gefaßt?

Adam

Mein Seel!

Wenn ich, da das Gesetz im Stich mich läßt,

Philosophie zu Hilfe nehmen soll,

So wars--der Leberecht--

Walter

Wer?

Adam

Oder Ruprecht--

Walter

Wer?

Adam

Oder Lebrecht, der den Krug zerschlug.

Walter

Wer also wars? Der Lebrecht oder Ruprecht?

Ihr greift, ich seh, mit Eurem Urteil ein,

Wie eine Hand in einen Sack voll Erbsen.

Adam

Erlaubt!

Walter

Schweigt, schweigt, ich bitt Euch.

Adam

Wie Ihr wollt.

Auf meine Ehr, mir wärs vollkommen recht,

Wenn sie es alle beid gewesen wären.

Walter

Fragt dort, so werdet Ihrs erfahren.

Adam

Sehr gern.

Doch wenn Ihrs herausbekommt, bin ich ein Schuft.

--Habt Ihr das Protokoll da in Bereitschaft?

Licht

Vollkommen.

Adam

Gut.

Licht

Und brech ein eignes Blatt mir,

Begierig, was darauf zu stehen kommt.

Adam

Ein eignes Blatt? Auch gut.

Walter

Sprich dort, mein Kind!

Adam

Sprich, Evchen, hörst du, sprich jetzt, Jungfer Evchen!

Gib Gotte, hörst du, Herzchen, gib, mein Seel,

Ihm und der Welt, gib ihm was von der Wahrheit.

Denk, daß du hier vor Gottes Richtstuhl bist,

Und daß du deinen Richter nicht mit Leugnen,

Und Plappern, was zur Sache nicht gehört,

Betrüben mußt. Ach, was! Du bist vernünftig.

Ein Richter immer, weißt du, ist ein Richter,

Und einer braucht ihn heut, und einer morgen.

Sagst du, daß es der Lebrecht war: nun gut;

Und sagst du, daß es Ruprecht war: auch gut!

Sprich so, sprich so, ich bin kein ehrlicher Kerl,

Es wird sich alles, wie du wünschest, finden.

Willst du mir hier von einem andern trätschen,

Und dritten etwa, dumme Namen nennen:

Sieh, Kind, nimm dich in acht, ich sag nichts weiter.

In Huisum, hols der Henker, glaubt dirs keiner,

Und keiner, Evchen, in den Niederlanden;

Du weißt, die weißen Wände zeugen nicht,

Der auch wird zu verteidigen sich wissen:

Und deinen Ruprecht holt die Schwerenot!

Walter

Wenn Ihr doch Eure Reden lassen wolltet.

Geschwätz, gehauen nicht und nicht gestochen.

Adam

Verstehens Ew. Gnaden nicht?

Walter

Macht fort!

Ihr habt zulängst hier auf dem Stuhl gesprochen.

Adam

Auf Ehr! Ich habe nicht studiert, Ew. Gnaden.

Bin ich Euch Herrn aus Utrecht nicht verständlich,

Mit diesem Volk vielleicht verhält sichs anders:

Die Jungfer weiß, ich wette, was ich will.

Frau Marthe

Was soll das? Dreist heraus jetzt mit der Sprache!

Eve

O liebste Mutter!

Frau Marthe

Du--! Ich rate dir!

Ruprecht

Mein Seel, 's ist schwer, Frau Marthe, dreist zu sprechen,

Wenn das Gewissen an der Kehl uns sitzt.

Adam

Schweig Er jetzt, Nasweis, mucks Er nicht.

Frau Marthe

Wer wars?

Eve

O Jesus.

Frau Marthe

Maulaffe, der! Der niederträchtige!

O Jesus! Als ob sie eine Hure wäre.

Wars der Herr Jesus?

Adam

Frau Marthe! Unvernunft!

Was das für--! Laß Sie die Jungfer doch gewähren!

Das Kind einschrecken--Hure--Schafsgesicht!

So wird uns nichts. Sie wird sich schon besinnen.

Ruprecht

O ja, besinnen.

Adam

Flaps dort, schweig Er jetzt.

Ruprecht

Der Flickschuster wird ihr schon einfallen.

Adam

Der Satan! Ruft den Büttel! He! Hanfriede!

Ruprecht

Nun, nun! Ich schweig, Herr Richter, laßts nur sein.

Sie wird Euch schon auf meinen Namen kommen.

Frau Marthe

Hör du, mach mir hier kein Spektakel, sag ich.

Hör, neunundvierzig bin ich alt geworden

In Ehren: funfzig möcht ich gern erleben.

Den dritten Februar ist mein Geburtstag;

Heut ist der erste. Mach es kurz. Wer wars?

Adam

Gut, meinethalben! Gut, Frau Marthe Rull!

Frau Marthe

Der Vater sprach, als er verschied: "Hör, Marthe,

Dem Mädel schaff mir einen wackern Mann;

Und wird sie eine liederliche Metze,

So gib dem Totengräber einen Groschen,

Und laß mich wieder auf den Rücken legen:

Mein Seel, ich glaub, ich kehr im Grab mich um.

Adam

Nun, das ist auch nicht übel.

Frau Marthe

Willst du Vater

Und Mutter jetzt, mein Evchen, nach dem vierten

Gebot hoch ehren, gut, so sprich: in meine Kammer

Ließ ich den Schuster, oder einen dritten,

Hörst du? Der Bräut'gam aber war es nicht.

Ruprecht

Sie jammert mich. Laßt doch den Krug, ich bitt Euch;

Ich will 'n nach Utrecht tragen. Solch ein Krug--

Ich wollt, ich hätt ihn nur entzwei geschlagen.

Eve

Unedelmüt'ger, du! Pfui, schäme dich,

Daß du nicht sagst: gut, ich zerschlug den Krug!

Pfui, Ruprecht, pfui, o schäme dich, daß du

Mir nicht in meiner Tat vertrauen kannst.

Gab ich die Hand dir nicht, und sagte: ja,

Als du mich fragtest: "Eve, willst du mich?"

Meinst du, daß du den Flickschuster nicht wert bist?

Und hättest du durchs Schlüsselloch mich mit

Dem Lebrecht aus dem Kruge trinken sehen,

Du hättest denken sollen: Ev ist brav,

Es wird sich alles ihr zum Ruhme lösen,

Und ists im Leben nicht, so ist es Jenseits,

Und wenn wir auferstehn, ist auch ein Tag.

Ruprecht

Mein Seel, das dauert mir zu lange, Evchen.

Was ich mit Händen greife, glaub ich gern.

Eve

Gesetzt, es wär der Leberecht gewesen,

Warum--des Todes will ich ewig sterben,

Hätt ichs dir Einzigen nicht gleich vertraut;

Jedoch warum vor Nachbarn, Knecht' und Mägden--

Gesetzt, ich hätte Gründ, es zu verbergen,

Warum, o Ruprecht, sprich, warum nicht sollt ich

Auf dein Vertraun hin sagen, daß du's warst?

Warum nicht sollt ichs? Warum sollt ichs nicht?

Ruprecht

Ei, so zum Henker, sags, es ist mir recht,

Wenn du die Fiedel dir ersparen kannst.

Eve

O du Abscheulicher! Du Undankbarer!

Wert, daß ich mir die Fiedel spare! Wert,

Daß ich mit Einem Wort zu Ehren mich,

Und dich in ewiges Verderben bringe.

Walter

Nun--? Und dies einz'ge Wort--? Halt uns nicht auf.

Der Ruprecht also war es nicht?

Eve

Nein, gnäd'ger Herr, weil ers denn selbst so will,

Um seinetwillen nur verschwieg ich es:

Den irdnen Krug zerschlug der Ruprecht nicht,

Wenn ers Euch selber leugnet, könnt Ihrs glauben.

Frau Marthe

Eve! Der Ruprecht nicht?

Eve

Nein, Mutter, nein!

Und wenn ichs gestern sagte, wars gelogen.

Frau Marthe

Hör, dir zerschlag ich alle Knochen!

Sie setzt den Krug nieder.

Eve

Tut, was Ihr wollt.

Walter drohend.

Frau Marthe!

Adam

He! Der Büttel!--

Schmeißt sie heraus dort, die verwünschte Vettel!

Warum solls Ruprecht just gewesen sein?

Hat Sie das Licht dabei gehalten, was?

Die Jungfer, denk ich, wird es wissen müssen:

Ich bin ein Schelm, wenns nicht der Lebrecht war.

Frau Marthe

War es der Lebrecht etwa? Wars der Lebrecht?

Adam

Sprich, Evchen, wars der Lebrecht nicht,

mein Herzchen?

Eve

Er Unverschämter, Er! Er Niederträcht'ger!

Wie kann Er sagen, daß es Lebrecht--

Walter

Jungfer!

Was untersteht Sie sich? Ist das mir der

Respekt, den Sie dem Richter schuldig ist?

Eve

Ei, was! Der Richter dort! Wert, selbst vor dem

Gericht, ein armer Sünder, dazustehn--

--Er, der wohl besser weiß, wer es gewesen!

Sich zum Dorfrichter wendend.

Hat Er den Lebrecht in die Stadt nicht gestern

Geschickt nach Utrecht, vor die Kommission,

Mit dem Attest, der die Rekruten aushebt?

Wie kann Er sagen, daß es Lebrecht war,

Wenn Er wohl weiß, daß der in Utrecht ist?

Adam

Nun, wer denn sonst? Wenns Lebrecht nicht, zum Henker--

Nicht Ruprecht ist, nicht Lebrecht ist--Was machst du?

Ruprecht

Mein Seel, Herr Richter Adam, laßt Euch sagen,

Hierin mag doch die Jungfer just nicht lügen.

Dem Lebrecht bin ich selbst begegnet gestern,

Als er nach Utrecht ging, früh wars Glock acht,

Und wenn er auf ein Fuhrwerk sich nicht lud,

Hat sich der Kerl, krummbeinig wie er ist,

Glock zehn Uhr nachts noch nicht zurückgehaspelt.

Es kann ein dritter wohl gewesen sein.

Adam

Ach was! Krummbeinig! Schafsgesicht! Der Kerl

Geht seinen Stiefel, der, trotz einem.

Ich will von ungespaltnem Leibe sein,

Wenn nicht ein Schäferhund von mäß'ger Größe

Muß seinen Trab gehn, mit ihm fortzukommen.

Walter

Erzähl den Hergang uns.

Adam

Verzeihn Ew. Gnaden!

Hierauf wird Euch die Jungfer schwerlich dienen.

Walter

Nicht dienen? Mir nicht dienen? Und warum nicht?

Adam

Ein twatsches Kind. Ihr sehts. Gut, aber twatsch.

Blutjung, gefirmelt kaum; das schämt sich noch,

Wenns einen Bart von weitem sieht. So 'n Volk,

Im Finstern leiden sie's, und wenn es Tag wird,

So leugnen sie's vor ihrem Richter ab.

Walter

Ihr seid sehr nachsichtsvoll, Herr Richter Adam,

Sehr mild, in allem, was die Jungfer angeht.

Adam

Die Wahrheit Euch zu sagen, Herr Gerichtsrat,

Ihr Vater war ein guter Freund von mir.

Wollen Ew. Gnaden heute huldreich sein,

So tun wir hier nicht mehr, als unsre Pflicht,

Und lassen seine Tochter gehn.

Walter

Ich spüre große Lust in mir, Herr Richter,

Der Sache völlig auf den Grund zu kommen.--

Sei dreist, mein Kind; sag, wer den Krug zerschlagen.

Vor niemand stehst du, in dem Augenblick,

Der einen Fehltritt nicht verzeihen könnte.

Eve

Mein lieber, würdiger und gnäd'ger Herr,

Erlaßt mir, Euch den Hergang zu erzählen.

Von dieser Weigrung denkt uneben nicht.

Es ist des Himmels wunderbare Fügung,

Die mir den Mund in dieser Sache schließt.

Daß Ruprecht jenen Krug nicht traf, will ich

Mit einem Eid, wenn Ihrs verlangt,

Auf heiligem Altar bekräftigen.

Jedoch die gestrige Begebenheit,

Mit jedem andern Zuge, ist mein eigen,

Und nicht das ganze Garnstück kann die Mutter,

Um eines einz'gen Fadens willen, fordern,

Der, ihr gehörig, durchs Gewebe läuft.

Ich kann hier, wer den Krug zerschlug, nicht melden,

Geheimnisse, die nicht mein Eigentum,

Müßt ich, dem Kruge völlig fremd, berühren.

Früh oder spät will ichs ihr anvertrauen,

Doch hier das Tribunal ist nicht der Ort,

Wo sie das Recht hat, mich darnach zu fragen.

Adam

Nein, Rechtens nicht. Auf meine Ehre, nicht.

Die Jungfer weiß, wo unsre Zäume hängen.

Wenn sie den Eid hier vor Gericht will schwören,

So fällt der Mutter Klage weg:

Dagegen ist nichts weiter einzuwenden.

Walter

Was sagt zu der Erklärung Sie, Frau Marthe?

Frau Marthe

Wenn ich gleich was Erkleckliches nicht aufbringe

Gestrenger Herr, so glaubt, ich bitt Euch sehr,

Daß mir der Schlag bloß jetzt die Zunge lähmte.

Beispiele gibts, daß ein verlorner Mensch,

Um vor der Welt zu Ehren sich zu bringen,

Den Meineid vor dem Richtstuhl wagt; doch daß

Ein falscher Eid sich schwören kann, auf heil'gem

Altar, um an den Pranger hinzukommen,

Das heut erfährt die Welt zum erstenmal.

Wär, daß ein andrer, als der Ruprecht, sich

In ihre Kammer gestern schlich, gegründet,

Wärs überall nur möglich, gnäd'ger Herr,

Versteht mich wohl,--so säumt ich hier nicht länger.

Den Stuhl setzt ich, zur ersten Einrichtung,

Ihr vor die Tür, und sagte: geh, mein Kind,

Die Welt ist weit, da zahlst du keine Miete,

Und lange Haare hast du auch geerbt,

Woran du dich, kommt Zeit, kommt Rat, kannst hängen.

Walter

Ruhig, ruhig, Frau Marthe.

Frau Marthe

Da ich jedoch

Hier den Beweis noch anders führen kann,

Als bloß durch sie, die diesen Dienst mir weigert,

Und überzeugt bin völlig, daß nur er

Mir, und kein anderer, den Krug zerschlug,

So bringt die Lust, es kurzhin abzuschwören,

Mich noch auf einen schändlichen Verdacht.

Die Nacht von gestern birgt ein anderes

Verbrechen noch, als bloß die Krugverwüstung.

Ich muß Euch sagen, gnäd'ger Herr, daß Ruprecht

Zur Konskription gehört, in wenig Tagen

Soll er den Eid zur Fahn in Utrecht schwören.

Die jungen Landessöhne reißen aus.

Gesetzt, er hätte gestern nacht gesagt:

"Was meinst du, Evchen? Komm. Die Welt ist groß.

Zu Kist und Kasten hast du ja die Schlüssel"

Und sie, sie hätt ein wenig sich gesperrt:

So hätte ohngefähr, da ich sie störte,

--Bei ihm aus Rach, aus Liebe noch bei ihr--

Der Rest, so wie geschehn, erfolgen können.

Ruprecht

Das Rabenaas! Was das für Reden sind!

Zu Kist und Kasten--

Walter

Still!

Eve

Er, austreten!

Walter

Zur Sache hier. Vom Krug ist hier die Rede.

Beweis, Beweis, daß Ruprecht ihn zerbrach!

Frau Marthe

Gut, gnäd'ger Herr. Erst will ich hier beweisen,

Daß Ruprecht mir den Krug zerschlug,

Und dann will ich im Hause untersuchen.--

Seht, eine Zunge, die mir Zeugnis redet,

Bring ich für jedes Wort auf, das er sagte,

Und hätt in Reihen gleich sie aufgeführt,

Wenn ich von fern geahndet nur, daß diese

Die ihrige für mich nicht brauchen würde.

Doch wenn Ihr Frau Brigitte jetzo ruft,

Die ihm die Muhm ist, so genügt mir die,

Weil die den Hauptpunkt just bestreiten wird.

Denn die, die hat Glock halb auf elf im Garten,

Merkt wohl, bevor der Krug zertrümmert worden,

Wortwechselnd mit der Ev ihn schon getroffen;

Und wie die Fabel, die er aufgestellt,

Vom Kopf zu Fuß dadurch gespalten wird,

Durch diese einz'ge Zung, ihr hohen Richter:

Das überlaß ich selbst euch einzusehn.

Ruprecht

Wer hat mich

Veit

Schwester Briggy?

Ruprecht

Mich mit Ev? Im Garten?

Frau Marthe

Ihn mit der Ev, im Garten, Glock halb elf,

Bevor er noch, wie er geschwätzt, um elf

Das Zimmer überrumpelnd eingesprengt:

Im Wortgewechsel, kosend bald, bald zerrend,

Als wollt er sie zu etwas überreden.

Adam für sich.

Verflucht! Der Teufel ist mir gut.

Walter

Schafft diese Frau herbei.

Ruprecht

Ihr Herrn, ich bitt euch:

Das ist kein wahres Wort, das ist nicht möglich.

Adam

O wart, Halunke!--He! Der Büttel! Hanfried!--

Denn auf der Flucht zerschlagen sich die Krüge--

--Herr Schreiber, geht, schafft Frau Brigitt herbei!

Veit

Hör, du verfluchter Schlingel, du, was machst du?

Dir brech ich alle Knochen noch.

Ruprecht

Weshalb auch?

Veit

Warum verschwiegst du, daß du mit der Dirne

Glock halb elf im Garten schon scharwenzt?

Warum verschwiegst du's?

Ruprecht

Warum ichs verschwieg?

Gotts Schlag und Donner, weils nicht wahr ist, Vater!

Wenn das die Muhme Briggy zeugt, so hängt mich.

Und bei den Beinen sie meinthalb dazu.

Veit

Wenn aber sie's bezeugt--nimm dich in acht!

Du und die saubre Jungfer Eve dort,

Wie ihr auch vor Gericht euch stellt, ihr steckt

Doch unter einer Decke noch. 's ist irgend

Ein schändliches Geheimnis noch, von dem

Sie weiß, und nur aus Schonung hier nichts sagt.

Ruprecht

Geheimnis? Welches?

Veit

Warum hast du eingepackt?

He? Warum hast du gestern abend eingepackt?

Ruprecht

Die Sachen?

Veit

Röcke, Hosen, ja, und Wäsche;

Ein Bündel, wie's ein Reisender just auf

Die Schultern wirft?

Ruprecht

Weil ich nach Utrecht soll!

Weil ich zum Regiment soll! Himmel-Donner--!

Glaubt Er, daß ich--?

Veit

Nach Utrecht? Ja, nach Utrecht!

Du hast geeilt, nach Utrecht hinzukommen!

Vorgestern wußtest du noch nicht, ob du

Den fünften oder sechsten Tag wirst reisen.

Walter

Weiß Er zur Sache was zu melden, Vater?

Veit

--Gestrenger Herr, ich will noch nichts behaupten.

Ich war daheim, als sich der Krug zerschlug,

Und auch von einer andern Unternehmung

Hab ich, die Wahrheit zu gestehn, noch nichts,

Wenn ich jedweden Umstand wohl erwäge,

Das meinen Sohn verdächtig macht, bemerkt.

Von seiner Unschuld völlig überzeugt,

Kam ich hierher, nach abgemachtem Streit

Sein ehelich Verlöbnis aufzulösen,

Und ihm das Silberkettlein einzufordern,

Zusamt dem Schaupfennig, den er der Jungfer

Bei dem Verlöbnis vor'gen Herbst verehrt.

Wenn jetzt von Flucht was und Verräterei

An meinem grauen Haar zu Tage kommt,

So ist mir das so neu, Ihr Herrn, als Euch:

Doch dann der Teufel soll den Hals ihm brechen.

Walter

Schafft Frau Brigitt herbei, Herr Richter Adam.

Adam

--Wird Ew. Gnaden diese Sache nicht

Ermüden? Sie zieht sich in die Länge.

Ew. Gnaden haben meine Kassen noch,

Und die Registratur--Was ist die Glocke?

Licht

Es schlug soeben halb.

Adam

Auf elf?

Licht

Verzeiht, auf zwölfe.

Walter

Gleichviel.

Adam

Ich glaub, die Zeit ist, oder Ihr verrückt.

(Er sieht nach der Uhr.)

Ich bin kein ehrlicher Mann--Ja, was befehlt Ihr?

Walter

Ich bin der Meinung--

Adam

Abzuschließen? Gut--!

Walter

Erlaubt! Ich bin der Meinung, fortzufahren.

Adam

Ihr seid der Meinung--Auch gut. Sonst würd ich

Auf Ehre, morgen früh, Glock neun, die Sache

Zu Euerer Zufriedenheit beendigen.

Walter

Ihr wißt um meinen Willen.

Adam

Wie Ihr befehlt.

Herr Schreiber, schickt die Büttel ab; sie sollen

Sogleich ins Amt die Frau Brigitte laden.

Walter

Und nehmt Euch--Zeit, die mir viel wert, zu sparen--

Gefälligst selbst der Sach ein wenig an.

(Licht ab.)

Der Zerbrochene Krug · 第 12 / 16 题