Er sagte: »Wenn du die Sache satt hast, so geh'.«

Sie lachte gereizt: »Das willst du mir sagen, du -- aber warte!« Sie zerriß

eine Photographie und warf ihm die Stücke vor die Füße.

»So -- sie spuckte wieder aus -- ich geh'!«

Dann lief sie dem Haus zu.

Er setzte sich in die Laube und dachte:

Was ist eigentlich, warum der Streit? Er versuchte sich der Vorgänge zu

erinnern, ich habe sie zwar gescholten -- vorhin -- wegen der Bemerkungen

-- aber sie sah mich so feindselig an -- ja, wieso eigentlich?

In der Laube saß Josef.

Er achtete nicht auf ihn.

Josef war der kleine Sohn des Wirtes und auf einer Seite gelähmt. Er fuhr

mit dem Finger die Tischritzen entlang und stieß kurze Schreie aus.

Der Mann achtete nicht auf ihn. Er dachte weiter: Da unten liegt sicher

mein Bild, was wird sie tun? Was soll das alles? -- Er sah sich Jahre

zurück, wie er sie liebte, wie er bebte und getroffen wurde. Und

schließlich ist sie mit mir verwachsen, fühlte er. Vielleicht ist sie auch

über mich hinaus -- er erschrak.

Eine peinigende Angst befiel ihn.

Nein -- zitterte es in ihm -- mit dieser Behandlung ist es nichts. Soll ich

ihr nach, sie küssen, um Verzeihung bitten wie früher -- oder still sein?

Rasender Schmerz fraß an ihm.

Er fühlte plötzlich, wie tief er Josef haßte.

Was tut er hier, warum schlägt man ein solches Vieh nicht tot? Nur zum Ekel

lebt er.

Er hörte ihre Stimme. Sie stand in einem Kreis von Leuten und schien sehr

erregt. Sie schrie und weinte und lachte dann wieder auf.

Josef humpelte scheu aus der Laube heraus.

Ein kleines Mädchen sammelte Steine in einen Schubkarren.

Josef zeigte auf die Steine und schrie.

Das Mädchen lachte und fragte ihn etwas.

In der Luft lag Milde. Die Sonne brannte. An den Kirschbäumen waren die

ersten Blüten.

Josef stand mit gesenktem Kopf und lauschte. Dann schleppte er das eine

Bein nach und drehte sich auf dem anderen langsam herum.

Josef tanzte.

Die Gartentür fiel ins Schloß.

Der Mann in der Laube fuhr auf. Wenn sie jetzt geht -- dachte er, mag sie

mich wieder verleumdet haben, bespieen, alles wieder breitgetreten -- vor

den Leuten da, es ist gleich, ganz gleich, und es rang sich etwas empor in

ihm, gewaltsam, es war für ihn schon zu spät, darüber klar zu werden, er

schrie verzweifelt: »Du -- du --«

Aber es klang hart und rauh und befehlend.

Er schrak zusammen, gestand sich, daß es so weich und mild hätte klingen

sollen.

Es war zu spät.

Doch er fühlte sofort: Nein, nicht zu spät. Sie wird wiederkommen,

vielleicht wird es doch wirken. Sie wird sich damit beschäftigen. Ich werde

sie dann prügeln -- wie früher, als sie auf dem Boden lag und ich ihr den

Haß aus den Augen schlug. Sie braucht das. Was tut's, ich verliere einige

Stunden, was tut's.

Eine quälende Unruhe hatte ihn erfaßt.

Er rief den Wirt und wies lachend auf Josef. Auch der Wirt lachte. Dann

ging er zu seinem Sohn und faßte ihn grob am Arm.

»Was tust du hier, hä? Habe ich dir nicht verboten . . . !?«

Josef hing regungslos in der Faust des Vaters.

Er gab keinen Laut von sich, als man ihn in seine Bodenkammer schleppte.

Der Mann ging im Garten auf und ab.

Ich werde sie doch anders behandeln, dachte er, mehr nach außen, mit Liebe.

Wenn sie kommt, werde ich vielleicht vorerst gut zu ihr sein.

Er wurde zufrieden und lächelte. Die Stücke seines Bildes hob er auf und

verwahrte sie in seiner Brusttasche. Sie wird sich freuen, fühlte er.

Das Mädchen sammelte weiter Steine.

Ab und zu erschien Josef in der Dachluke und stieß schrille, pfeifende

Schreie aus.

Es klang wie der Schrei wandernder Affen im Urwald.

Der Wirt bediente lächelnd seine Gäste. Wenn man ihn totschlagen könnte,

dieses Rabenaas, knurrte er, und bediente lächelnd weiter.

Spätabends kam sie heim.

Er saß im Zimmer und wartete.

Sie beobachtete ihn lauernd und sagte schnell: »Weißt du, wen ich getroffen

habe, den T. Es war riesig nett.«

»Laß nur. Eigentlich wollte ich mit dir noch fortgehen, aber jetzt . . .«

»Ach ja. Er wird noch warten -- im Café -- er wußte ja nicht . .« fügte sie

schelmisch hinzu.

Er stimmte traurig zu. Eine bohrende Angst quälte ihn.

Nur keine weiteren Worte, fühlte er, und wie gehetzt erzählte er von Josef,

dem Tanz und dem Wirt und nannte ihn irgendwie.

Seine Worte bekamen Würde, daß sie erstaunt zu ihm aufsah. Dann schritten

sie schweigend durch die Nacht.

Das Trottelbuch · 第 18 / 46 题