Es war so dunkel in dem Verschlage, daß wir uns nicht sehen konnten; an
der Berührung und der Stimme dicht an meinem Ohr erkannte ich sofort
Katja.
In demselben Augenblick empfand ich ein süßes Zittern und dachte an
die Stelle unter dem Busentuch, die ich heute im Walde geküßt hatte.
Ich erwiderte nichts auf ihre Frage, sondern ergriff mit beiden Händen
ihren Arm, preßte ihn gegen meine Lippen und küßte ihn heftig. Aber
damit begnügte ich mich nicht; ohne ihren Arm loszulassen, knöpfte
ich vorsichtig den Ärmel auf und bedeckte den Arm von der Handwurzel
bis zum Ellbogen an der Stelle, an der zur Ader gelassen wird, mit
leidenschaftlichen Küssen. Als ich die Lippen in dieses Grübchen
schmiegte, empfand ich einen unbeschreiblichen Genuß und dachte nur an
eins -- nämlich mit den Lippen nicht zu viel Geräusch zu machen, um
mich nicht zu verraten.
Katja zog ihre Hände nicht zurück, sondern suchte mit der anderen
meinen Kopf, streichelte mein Gesicht und das Haar und suchte mich
fortzudrängen. Dann zog sie, als ob sie sich schämte, schnell ihren
Arm zurück und streifte den Ärmel herunter; ich packte ihn aber wieder
und preßte ihn noch stärker, bis mir Tränen aus den Augen rannen. Ich
tat ihr leid, sie beugte sich über mich und berührte mein Haar. Jetzt
war mir so angenehm wie nie im Leben; ich wünschte nur, dieser selige
Zustand möchte nie aufhören.
Wie soll ich den Genuß beschreiben, den ich empfand. Es kam hinzu, daß
die Haut auf dem Arm, den ich küßte, so zart und weich war, und der
Gedanke, daß dieser Arm Katja gehörte, die ich stets geliebt hatte, und
von der ich mich morgen, vielleicht auf immer, trennen sollte. Aber was
bedeutete dieses süße Weh, das ich empfand und das mir Tränen in die
Augen trieb?
* * * * *
Beim Versuch, mich bequemer hinzusetzen, stieß ich unversehens mit
dem Fuß gegen einen zerbrochenen Stuhl im Verschlage. Ich weiß nicht,
warum das Wolodja sehr komisch vorkam; ich hörte voll Schreck, wie er
Ljubotschka etwas (wahrscheinlich sehr Komisches) zuflüsterte und wie
beide sich umsonst bemühten, das Lachen zurückzuhalten; dann brachten
bald der eine, bald die andere mit der Nase sonderbare, abgerissene
Töne hervor, ähnlich dem Wiehern eines Füllens. Die Töne wurden
häufiger und lauter. Grischa erhob den Kopf, sah sich um und schlug
betend das Kreuz nach allen Seiten. Das kam nun allen so komisch
vor, daß Ljubotschka und Wolodja plötzlich in schallendes Gelächter
ausbrachen, in das auch Katja einstimmte. Natürlich blieb ich nicht
zurück, und wir brachen lärmend und schreiend aus dem Versteck hervor.