von
Heinrich von Mühler.
Grad’ aus dem Wirtshaus nun komm’ ich heraus!
Straße, wie wunderlich siehst du mir aus;
rechter Hand, linker Hand, beides vertauscht,
Straße, ich merk’ es wohl, du bist berauscht!
Was für ein schief’ Gesicht, Mond, machst denn du!
Ein Auge hat er auf, eins hat er zu!
Du wirst betrunken sein, das seh’ ich hell;
schäme dich, schäme dich, alter Gesell!
Und die Laternen erst -- was muß ich sehn,
die können alle nicht grade mehr stehn,
wackeln und fackeln, die Kreuz und die Quer,
scheinen betrunken mir allesamt schwer.
Alles im Sturme rings, Großes und Klein;
wag’ ich darunter mich, nüchtern allein?
Das scheint bedenklich mir, ein Wagestück!
Da geh’ ich lieber ins Wirtshaus zurück!
Der Krähwinkler Landsturm.
(Volksweise 1813.)
Nur immer langsam voran, nur immer langsam voran,
daß der Krähwinkler Landsturm nachkommen kann.
Hätt’ der Feind unsre Stärke schon früher so gekennt,
wär’ er wahrlich schon früher zum Teufel gerennt!
Nur immer langsam voran, nur immer langsam voran,
daß der Krähwinkler Landsturm nachkommen kann.
Nun marschieren wir gerade nach Paris herein,
dort, Kinder, soll das Rauchen nicht verboten sein.
Unser Hauptmann, der ist ein kreuzbraver Mann,
nur schade, daß er’s Schießen nicht vertragen kann.
Unser Leutnant, der ist von Dinkelsbühl,
Courage hat er wohl, aber nicht sehr viel.
Nun sind wir schon 50 Meilen weit marschiert,
und 30000 Mann sein erst krepiert.
Das Marschieren, das nimmt heut gar kein End’,
das macht, weil der Leutnant die Landkart’ nicht kennt.
Hat denn keiner den Fähnrich mit der Fahne gesehn?
Man weiß ja gar nicht, wie der Wind tut wehn.
Unser Fähnrich steht mit der Fahn’ auf der Bruck,
wenn es kracht, läuft er immer ganz geschwinde zuruck.
Tambour, strapezier’ doch die Trommel nicht so sehr,
alleweil sind die Kalbfell’ so wohlfeil nicht mehr!
Doch der Oberst, das ist ein Mann von Courage,
der beschützt unser Brot und unsre Bagage.
Herr Hauptmann, mein Hintermann, geht immer so im Trab,
er tritt mir noch die Hinterhacken ab!
Wird, Kinder, allweil euch zu schwer das Gepäck,
schmeißt vorderhand die Gewehre weg.
In der Festung war’s doch gar zu schön,
dort konnt man den Feind durch die Gucklöcher sehn.
Ach, wie wird’s uns in Frankreich noch ergehn!
Dort kann kein Mensch das Deutsch verstehn.
Du, gib mir einmal den Schnapskolben her!
Im Krieg, da durstet einen gar zu sehr!
Reißt aus, reißt aus, reißt alle, alle aus!
Dort steht ein französisches Schilderhaus!
Die Franzosen, die schießen so ins Blaue hinein;
sie bedenken nicht, daß da könnten Menschen sein.
Bei Leipzig in der großen Völkerschlacht,
da hätten wir beinah’ ein’ Gefangnen gemacht.
Und als auf der Brucken eine Bombe geplatzt,
potz Wetter, wie sind wir da ausgekratzt!
Denn wenn so ’n Beest am End’ einen trifft,
hilft einen der ganze Feldzug nicht.
Jetzt, Bauern, kocht’s Knödel und Hirsebrei,
wenn der Landsturm kommt, wird er hungrig sei’.