Danck Gustgen dass du aus deiner Ruhe mir in die Unruhe des
Lebens einen Laut herüber gegeben hast.
Alles geben Götter die unendlichen
Ihren Lieblingen ganz
Alle Freuden die unendlichen
Alle Schmerzen die unendlichen ganz.
So sang ich neulich als ich tief in einer herrlichen Mondnacht
aus dem Flusse stieg der vor meinem Garten durch die Wiesen
fliest; und das bewahrheitet sich täglich an mir. Ich muss
das Glück für meine Liebste erkennen, dafür schiert sie mich
auch wieder wie ein geliebtes Weib. Den Todt meiner Schwester
wirst du wissen. Mir geht in allem alles erwünscht, und leide
allein um andre. Leb wohl grüse Henrietten! Ist das noch eine
eurer Schwestern? oder Christels Frau? zwar sie hat der Brüder
Handschrifft! Wenn ich einmal wieder ans Schreiben komme, will
ich ia wol sehn ob ich dadrüber was sagen kan was sie will. Grüse
die Brüder und behaltet mich lieb.
Weimar d. 17. Jul. 77.
Goethe.