Der fünfzehnte Brief

Danck Gustgen dass du aus deiner Ruhe mir in die Unruhe des

Lebens einen Laut herüber gegeben hast.

Alles geben Götter die unendlichen

Ihren Lieblingen ganz

Alle Freuden die unendlichen

Alle Schmerzen die unendlichen ganz.

So sang ich neulich als ich tief in einer herrlichen Mondnacht

aus dem Flusse stieg der vor meinem Garten durch die Wiesen

fliest; und das bewahrheitet sich täglich an mir. Ich muss

das Glück für meine Liebste erkennen, dafür schiert sie mich

auch wieder wie ein geliebtes Weib. Den Todt meiner Schwester

wirst du wissen. Mir geht in allem alles erwünscht, und leide

allein um andre. Leb wohl grüse Henrietten! Ist das noch eine

eurer Schwestern? oder Christels Frau? zwar sie hat der Brüder

Handschrifft! Wenn ich einmal wieder ans Schreiben komme, will

ich ia wol sehn ob ich dadrüber was sagen kan was sie will. Grüse

die Brüder und behaltet mich lieb.

Weimar d. 17. Jul. 77.

Goethe.

Goethes Briefe an Auguste zu Stolberg · 第 23 / 30 题