Der vierzehnte Brief

d. 28. Aug. Guten Morgen Gustgen! Wie ich aus dem Bette steige

guten Morgen. Ein herrlich schöner Tag aber kühl. Die Sonne liegt

schon auf meinen Wiesen! -- Der Thau schwebt noch über dem Fluss.

Lieber Engel warum müssen wir so fern von einander seyn. Ich will

hinüber ans Wasser gehn und sehn ob ich ein Paar Enten schiesen

kann.

Gegen 12. Ich verspätete mich auf der Jagt. Erwischte eine Ente.

Kam drauf gleich in das Getreibe des Tags und bin nun ganz

zerstreut. Adieu indess.

Nachmittag 4. Ich erwarte Wiel[an]ds Frau und Kinder. Habe heut

viel an dich gedacht.

Abends 7. Sie gehn eben von mir weg! -- Und nun nichts mehr. --

Gott sey Danck ein Tag an dem ich gar nicht gedacht, an dem ich

mich blos den sinnligen Eindrücken überlassen habe. Nun Adieu für

heut bestens.

d. 30. Es geht mir wie dir Gustgen, ich hab auch was auf dem

Herzen, also heraus damit.

Von Friz hab ich noch keinen Brief. Der Herzog glaubt noch er

komme, und man fragt nach ihm und ich kann nichts sagen. Lieb

Gustgen mir ist lieber für Frizzen dass er in ein würckendes

Leben kommt, als dass er sich hier in Cammerherrlichkeit

abgetrieben hätte. Aber Gustgen -- er nimmt im Frühjahr den

Antrag des Herzogs an, wird öffentlich erklärt, in allen unsern

Etats steht sein Nahme, er bittet sich noch aus den Sommer bey

seinen Geschwistern zu seyn, man lässt ihm alles, und nun kommt

er nicht. Ich weis auch dass Dinge ein Geheimniss bleiben müssen

-- Aber -- Gustgen ich habe noch was auf dem Herzen das ich nicht

sagen kann -- -- -- -- Und die, die man so behandelt, ist Carl

August Herzog zu Sachsen, und dein Goethe Gustgen. Lass mich das

iezt begraben, wir wollen dran wegstreichen. Adieu Engel ich muss

den Brief schliessen. Ich mach eine kleine Reise sonst kriegst du

ihn wieder lang nicht.

Goethes Briefe an Auguste zu Stolberg · 第 21 / 30 题