d. 17. May. Morgens 8. Guten Morgen Gustgen. Nichts als dies zur
Grundlage eines Tagbuchs für dich. Ach du nimmst an dem unsteten
Menschen noch Theil, der seit er dir nichts von sich schrieb,
seltsame Schicksaale gehabt hat. Ich fühle dass ich Dir nicht
alles sagen kann drum mag ich nichts sagen. Adieu! --
In meinem Garten Gustgen gegen 10. Hab ein liebes Gärtgen vorm
Thore an der Ilm schönen Wiesen in einem Thale. ist ein altes
Häusgen drinne, das ich mir repariren lasse. Alles blüht alle
Vögel singen. Gustgen und Du bist kranck! -- d. 18. May. Gestern
konnt ich dir nichts mehr sagen. Der Husarn Rittmeister kam in
meinen Garten, ich ritt um eilf nach dem Lustschloss Belvedere wo
ich hinten im Garten eine Einsiedeley anlege, allerley Pläzgen
drinn für arme Krancke und bekümmerte Herzen. Ich ass mit dem
Herzog, nach Tisch ging ich zur Frau v. Stein einem Engel von
einem Weibe, frag die Brüder, der ich so offt die Beruhigung
meines Herzens und manche der reinsten Glückseeligkeiten zu
verdancken habe. der ich noch nichts von dir erzählt habe, das
mir viel Gewalt gekostet hat, heut aber will ich's thun will ich
tausend Sachen von Gustgen sagen. Wir gingen in meinen Garten
spazieren. Ihr Mann, ihre Kinder, ihr Bruder. ein paar Fräul.
Ilten. es kamen mehr zu uns wir gingen spazieren, begegneten der
Herzoginn Mutter und dem Prinzen, die sich zu uns [gesellten].
Wir waren ganz vergnügt. Ich verlies die Gesellschafft, ging noch
einen Augenblick zum Herzog und ass mit Fr. v. Stein zu Nacht.
Nun ists wieder schöner heitrer Tag. Soviel iezt. halb 9.
12 Uhr in meinem Garten. Da lass ich mir von den Vögeln was
vorsingen, und zeichne Rasenbäncke die ich will anlegen lassen,
damit Ruhe über meine Seele komme, und ich wieder von vorne mög
anfangen zu tragen und zu leiden. Gustgen könnt ich Dir von
meiner Lage sagen! die erwünschteste für mich, die glücklichste,
und dann wieder -- Ich sagte immer in meiner Jugend zu mir da so
viel tausend Empfindungen das schwanckende Ding bestürmten: Was
das Schicksal mit mir will, dass es mich durch all die Schulen
gehn lässt, es hat gewiss vor mich dahin zu stellen wo mich die
gewöhnlichen Qualen der Menschheit gar nicht mehr anfechten
müssen. Und iezt noch ich seh alles als Vorbereitung an. Ich hab
das ausgestrichen weils dunckel und unbestimmt gesagt war. Nach
Tische mehr.
Sonnabends Nachts 10 in meinem Garten. Ich habe meinen Philipp
nach Hause geschickt und will allein hier zum erstenmal schlafen.
Und so meinen Schlaf einweihen dass ich Dir schreibe. Die Maurer
haben gearbeit biss Nacht ich wollt sie aus dem Haus haben,
wollte -- o ich kann dir nicht ins Detail gehn. Den ganzen
Nachmittag war die Herzoginn Mutter da und der Prinz und waren
guten lieben Humors, und ich hab denn so herum gehausvatert, wie
alles weg war, ein Stück kalten Braten gessen und mit meinem
Philipp, |: lass Dir von den Brüdern von ihm erzählen :| von
seiner und meiner Welt geschwäzzt, war ruhig und bin's und hoffe
gut zu schlaffen zu holdem Erwachen. Gute Nacht beste. -- Es geht
gegen eilf ich hab noch gesessen und einen englischen Garten
gezeichnet. Es ist eine herrliche Empfindung dahausen im Feld
allein zu sizzen. Morgen frühe wie schön. Alles ist so still. Ich
höre nur meine Uhr tackcken, und den Wind und das Wehr von ferne.
gute Nacht. -- Sonntag früh d. 19. Guten Morgen! ein trüber aber
herrlicher Tag. Ich habe lang geschlafen, wachte aber gegen
vier auf, wie schön war das grün dem Auge das sich halbtruncken
aufthat. Da schlief ich wieder ein.
Nachts 10. Im Garten versteht sich iezt von selbst. ging um eilf
heut früh in die Stadt steckte mich in erbaare Kleider, machte
eine Visite, ging zum Herzog, einen Augenblick zur Herzoginn
Mutter, wir haben Italiäners hier die uns gute Güsse der Antiken
schaffen, dann bey Fr. v. Stein zu Tisch, wir hatten Lust uns zu
necken, um vier zu Wieland in Garten wo der Mahler Krause dazu
kam. Beyde mit mir in meinen Garten. Sie verliesen mich ich las
Guiberts Tacktick, da kam der Herzog und der Prinz mit noch
zween Guten Geistern. Wir schwazzten und trieben allerley. Fr.
von Stein mit ihrer Mutter kam von Oberweimar herunter spazieren
wir begleiteten sie, kehrten um, der Prinz verlies uns auch, ich
erzählte dem Herzog eine Geschichte eines meiner Freunde der sich
wunderlich durch die Welt schlagen musste, begleitet ihn nach der
Stadt, und kam allein zurück. Hier treu mein Tag, lieb Gustgen.
Ich hab so viel gedacht! dass ich's doch nur nicht so hinsagen
kann.
Montag d. 20. Süsser Morgen. Arbeiter in meinem Garten. Allerley
Beschäfftigungen! -- -- -- --
Bey der Herzoginn Mutter gessen. Nach Tische ging alles nach
Tiefurt wo der Prinz sich hat ein Pachtgut artig zurecht machen
lassen. Die Bauern empfingen ihn mit Musick, Böllern, ländlichen
Ehrenpforten, Kränzlein, Kuchen, Tanz, Feuerwerckspuffen,
Serenade und s. w. Wir waren vergnügt ich hatte das Glück
alles sehr schön zu sehen. Und nun bin ich im Garten hab eine
Viertelstunde nach dem Feuerzeug getappt und mich geärgert und
bin so froh dass ich iezt Licht habe Dir das zu schreiben.
Dadrüben auf dem Schlosse sah ich viel Licht indess ich nach
Einem Funcken schnappte, und wusste doch dass der Herzog gern mit
mir getauscht hätte, wenn er's in dem Augenblick hätte wissen
können. Es ist ein trefflicher Junge und wird wills Gott auch
ausgähren. Friz wird gute Tage mit uns haben, so wenig ich ihm
ein Paradies verspreche. Gute Nacht. Eine grose Bitte hab ich! --
Meine Schwester der ich so lang geschwiegen habe als dir, plagt
mich wieder heute um Nachrichten oder so was von mir. Schick ihr
diesen Brief, und schreib ihr! -- O dass ihr verbunden wärt! Dass
in ihrer Einsamkeit ein Lichtstral von dir auf sie hin leuchtete,
und wieder von ihr ein Trostwort zur Stunde der Noth herüber zu
dir käme. Lernt euch kennen. Seyd einander was ich euch nicht
seyn kann. Was rechte Weiber sind sollten keine Männer lieben,
wir sinds nicht werth. Gute Nacht halb eilfe.
Dienstag d. 21. früh 6 aufgestanden herrlicher kühler
Sonnenmorgen. Arbeiter im Garten. Ein Jäger bringt mir einen
iungen Fuchs.
Mittwoch d. 22. um 10 Uhr. Gestern wieder nach Tiefurth die
regierende Herzoginn war dort. Der Herzog und noch einige blieben
die Nacht drausen, heut früh ritten wir herein dem Maneuvre der
Husaren zuzusehn und nun bin ich wieder in meinem Garten.
Freytag d. 24 Morgens eilf in der Stadt. Habe viel ausgestanden
die Zeit. Mittw. Nachmittag brach ein Feuer aus im Hazfeldischen
5 Stunden von hier der Herzog ritt hinaus biss wir hinkamen lag
das ganze Dorf nieder, es war nur noch um Trümmern zu retten und
die Schul und die Kirche. Es war ein groser Anblick ich stand auf
einem Hause wo das Dach herunter war und wo unsre Schlauchsprizze
nur das untre noch erhalten sollte, und sieh Gustgen und hinter
und vor und neben mir feine Glut, nicht Flamme, tiefe hohlaugige
_Glut_ des niedergesuncknen Orts, und der Wind drein und dann
wieder da eine auffahrende Flamme, und die herrlichen alten Bäume
um's ort inwendig in ihren hohlen Stämmen glühend und der rothe
dampf in der Nacht und die Sterne roth und der neue Mond sich
verbergend in Wolcken. Wir kamen erst Nachts zwey wieder nach
Hause. Gestern Donnerst. d. 23 ist mir auch wieder wunderbaars
Wesen um den Kopf gezogen -- Was wirds werden, ich hab eben noch
viel auszustehen, das ists was ich in allen Drangsaalen meiner
Jugend fühlte, aber gestählt bin ich auch, und will ausdauern
bis ans Ende. Adieu. Nun hörst du wieder eine Weile nichts von
mir. Schreib mir aber wann dichs freut. Friz soll kommen wann er
gerne mag der Herzog hat ihn lieb wünscht ihn ie eher ie lieber,
will ihn aber nicht engen. Adieu. Ich bin ewig derselbe