Gustgen! Gustgen! Ein Wort dass mir das Herz frey werde, nur
einen Händedruck. Ich kann Ihnen nichts sagen. Hier! -- Wie soll
ich Ihnen nennen das _hier_! Vor dem Stroheingelegten bunten
Schreibzeug -- da sollten feine Briefgen ausgeschrieben werden
und diese Trähnen und dieser Drang! Welche Verstimmung. O dass
ich Alles sagen könnte. Hier in dem Zimmer des Mädgens das mich
unglücklich macht, ohne ihre Schuld, mit der Seele eines Engels,
dessen heitre Tage _ich_ trübe, *ich!* Gustgen! Ich nehme vor
einer Viertelstunde Ihren Brief aus der Tasche, ich les ihn! --
Vom 2 Jun! und sie _bitten_, _bitten_, um Antwort, um ein Wort
aus meinem Herzen. Und heut der 3 Aug. Gustgen und ich habe noch
nicht geschrieben. -- Ich habe geschrieben, der Brief liegt in
der Stadt angefangen. O mein Herz -- Soll ich's denn anzapfen,
auch dir Gustgen, von dem Hefetrüben Wein schencken! -- Und wie
kann ich von Frizzen reden, vor dir, da ich in seinem Unglück,
gar offt das meine beweint habe. Lass Gustgen. Ihm ist wohler wie
mir -- Vergebens dass ich drey Monate, in freyer Lufft herumfuhr,
tausend neue Gegenstände in alle Sinnen sog. Engel, und ich sizze
wieder in Offenbach, so vereinfacht wie ein Kind, so beschränckt
als ein Papagey auf der Stange, Gustgen und sie so weit. Ich
habe mich so offt nach Norden gewandt, Nachts auf der Terrasse
am Mayn, ich seh hinüber, und denck an dich! So weit! So weit!
-- Und dann du und Friz, und ich! und alles wirrt sich in einen
Schlangenknoten! Und ich finde nicht Lufft zu schreiben. -- Aber
iezt will ich nicht aufhören biss iemand an die Thüre kommt und
mich wegrufft. -- Und doch Engel manchmal wenn die Noth in meinem
Herzen der grösst ist, ruf ich aus, ruf ich dir zu: Getrost!
Getrost! Ausgeduldet und es wird werden. Du wirst Freude an
deinen Brüdern haben, und wir an uns selbst. Diese Leidenschafft
ists die uns aufblasen wird zum Brand, in dieser Noth werden wir
um uns greifen, und brav seyn, und handeln, und gut seyn, und
getrieben werden, dahin wo Ruhe Sinn nicht reicht. -- Leide nicht
vor uns! -- Duld uns! -- Gieb uns eine Trähne, einen Händedruck,
einen Augenblick an deinen Knieen. Wische mit deiner Lieben Hand
diese Stirn ab. Und ein Krafftwort, und wir sind auf unsern
Füssen.
Hundertmal wechselts mit mir den Tag! O wie war mir so wohl mit
deinen Brüdern. Ich schien gelassen, mir war's weh für Frizzen
der elender war als ich, und mein Leiden war leidlicher. Jezt
wieder allein. --
In ihnen hatte ich _sie_ bestes Gustgen, denn ihr seyd eins in
Liebe und Wesen. Gustgen war bey uns und wir bey ihr! -- Jezt
-- nur ihre Briefe! -- Ihre Briefe! -- und _Nur_ dazu -- Und
doch brennen sie mich in der Tasche -- doch fassen sie mich wie
die Gegenwart wenn ich sie in Glücklichem Augenblick aufschlage
-- aber manchmal -- offt sind mir selbst die Züge der liebsten
Freundschafft todte Buchstaben, wenn mein Herz blind ist und taub
-- Engel es ist ein Schröcklicher Zustand die Sinnlosigkeit. In
der Nacht tappen ist Himmel gegen Blindheit -- Verzeihen Sie mir
denn diese Verworrenheit und das all -- Wie wohl ist mir's dass
ich so mit Ihnen reden kann, wie wohl bey dem Gedancken, Sie wird
dies Blat in der Hand halten! _Sie! Dies Blat!_ das ich berühre
das iezt hier auf dieser Stäte noch weis ist. Goldnes Kind. Ich
kann doch nie ganz unglücklich seyn.
Jezt noch einige Worte -- Lang halt ich's hier nicht aus ich muss
wieder fort -- Wohin! --
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Ich mache Ihnen Striche denn ich sas eine Viertelstunde in Gedancken
und mein Geist flog auf dem ganzen bewohnten Erdboden herum. Unseeliges
Schicksaal das mir keinen Mittelzustand erlauben will. Entweder auf
einem Punckt, fassend, festklammernd, oder schweifen gegen alle vier
Winde! -- Seelig seyd ihr verklärte Spaziergänger, die mit zufriedner
Anständiger Vollendung ieden Abend den Staub von ihren Schuhen
schlagen, und ihres Tagwercks Göttergleich sich freuen -- -- --
Hier fliest der Mayn, grad drüben liegt _Bergen_ auf einem
Hügel hinter Kornfeld. Von der Schlacht bey Bergen haben Sie
wohl gehört. Da lincks unten liegt das graue Franckfurt mit dem
ungeschickten Turn, das iezt für mich so leer ist als mit Besemen
gekehrt, da rechts auf artige Dörfgen, der Garten da unten, die
Terasse auf den Mayn hinunter. -- Und auf dem Tisch hier ein
Schnupftuch, ein Pannier ein Halstuch drüber, dort hängen des
lieben Mädgens Stiefel. #NB.# Heut reiten wir aus. Hier liegt
ein Kleid eine Uhr hängt da, viel Schachteln, und Pappedeckel, zu
Hauben und Hüten -- Ich hör ihre Stimme -- -- Ich darf bleiben,
sie will sich drinne anziehen. -- Gut Gustgen ich hab ihnen
beschrieben wie's um mich herum aussieht, um die Geister durch
den sinnlichen Blick zu vertreiben -- -- Lili war verwundert mich
da zu finden, man hatte mich vermisst. Sie fragte an wen ich
schriebe. Ich sagts ihr. Adieu Gustgen. Grüssen Sie die Gräfin
Bernsdorf Schreiben Sie mir. Die Silhouette werden ihnen die
Brüder geschickt haben Lavater hat die vier Heumans Kinder sehr
glücklich stechen lassen.