SALOMON: Der Herr ist in eine Krise gefahren, aus der er mit Donner und
Blitz wohl nicht herauskommt, sondern wohl etwas sanfter. Es ist Zeit,
aus den frühen Launen in den Sommer einzulaufen. Ich kann das
Hinundherreißen nicht mit. Wenn ihr noch bleiben wollt, werdet ihr die
Konstables als Hundemeute anrücken sehen. Ich melde euch.
KAUKA _hält ihn zurück_: Unnötig. Unsere Grüße genügen. Und das andere.
Wir sind schon oft für andere gefangen worden. Bekam man die Hirsche
nicht, nahm man die Hasen. Ein Feigling, wer sich unnötig in Gefahr
begibt. _Alle vier exakt ab._
SALOMON: Hier sitze ich. Mönch sollte von der Mutter her ich werden. Man
schlägt mich. Ich besorge die Geschäfte. Habe ich nicht mehr Hirn wie
diese alle? Man tritt mich. Und ich fühle mich wohl. Sonderbarer Mensch
ich. _Singt_: »Ach Gottsche, schenk mern Hambelmann, un e Kordel dezu,
daß er zawwele kann.« Und doch reicht meine ganze Hirnhaut nicht aus, zu
ahnen, wie dieser Tag ausgeht. Etwas Wichtiges muß fehlen bei mir. Au
Backe! Aber was?
KEAN _kommt aus dem Nebenraum, geht durchs Zimmer, ohne Salomon zu
beachten_.
SALOMON: Die Siegel sind entfernt. Die Schuld ausgelöst.
Unbekannterweise.
KEAN: Das Gerücht von meinem Wahnsinn läuft weiter.
SALOMON: Ich fürchte nur, daß diejenigen, die es nachträglich glauben
sollen, nicht von seiner Dauer zu überzeugen sind.
KEAN: Ich habe nicht das Gefühl, gestern ein vernunftbegabter Mensch
gewesen zu sein, da ich es bis gestern wahrscheinlich überhaupt nicht
war.
SALOMON: Dann muß Ihre Normalität ihren Geburtstag mit Prozessen,
Kerkern, Verfahren beginnen.
KEAN: Kümmre dich um deinen Kopf. Man fällt nicht so heftig auf die
Rampe, ohne daß man aus seinem Kostüm herausrutscht. Die Listen?
SALOMON: Sind aufgelegt. Die Einzeichnung der Krankenbesuche gemischt.
Adel keiner. Bürger wenig. Viel kleine Leute.
KEAN: Keine Frau? ... Nein ... Ich bin doch wahnsinnig.
SALOMON: Der Wagen steht immer noch an der Ecke. Sie können noch jetzt
fliehen. So gut wie vor zwei Stunden.
KEAN: Ich kann fliehen. Ich kann nicht fliehen. Ich bleibe da.
SALOMON: Seit Jahren der größte Skandal.
KEAN: Wüßtest du, wies in mir ausschaut, tätest du mir so keinen Pimpam
erzählen.
SALOMON: Mit Monseigneur ist nicht mehr zu rechnen. Die letzte Barriere
fällt. Laufen Sie zu dem Wagen.
KEAN: Wenn du eine Ahnung hättest, wie wenig ich mich etwas entziehen
will und wie sehr ich auf etwas warte.
SALOMON: Wenn Sie auf die Gräfin warten, können Sie auch auf den Mond
warten.
KEAN: Aber du weißt nicht, daß ich warte, um etwas gutzumachen.